Polizeipräsidium Frankfurt am Main

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Polizeipräsidium Frankfurt am Main, im Hintergrund das Frankfurter Bankenviertel

Das Polizeipräsidium Frankfurt am Main ist nach Anzahl der Mitarbeiter das größte der sieben Flächenpräsidien der hessischen Polizei. Es hat seinen Sitz im Verwaltungsgebäude des Polizeipräsidiums und ist zuständig für die Stadt Frankfurt am Main, die Frankfurt umgebenden Autobahnen und den Frankfurter Flughafen einschließlich einzelner Gebiete im Kreis Groß-Gerau.

Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang

Seit 2002 ist das Polizeipräsidium in einem neu erbauten Verwaltungsgebäude an der Ecke Adickesallee und Eschersheimer Landstraße ansässig. Der sechsgeschossige Gebäudekomplex entstand zwischen 1998 und 2002 auf einem bis dahin von den US-Streitkräften als PX Shopping Center genutzten Gelände am Alleenring. In dem Bau mit einer Gesamtfläche von 129.000 m² sind etwa 2500 Mitarbeiter, die Behördenleitung, die Einsatzzentrale, verschiedene Sonderdienststellen und die Kriminalpolizei untergebracht. Des Weiteren befinden sich dort eine Sporthalle, eine Schießanlage, das Polizeigewahrsam, ein Hubschrauberlandeplatz, ein Kriminalmuseum und die Wache eines Polizeireviers.

Leitung und Organisationsaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polizeipräsident ist seit dem 21. September 2014 Gerhard Bereswill. Vizepräsident ist seit dem 1. Februar 2015 der Jurist Walter Seubert. Das Polizeipräsidium Frankfurt am Main besteht aus der Abteilung Einsatz, der Abteilung Verwaltung und der Abteilung Zentrale Dienste. Der Abteilung Einsatz sind der Abteilungsstab, vier Polizeidirektionen (Nord, Mitte, Süd, Flughafen), die Kriminaldirektion, die Direktion SE/SK, die Direktion Sonderdienste sowie die Direktion Verkehrssicherheit nachgeordnet. Im Polizeipräsidium Frankfurt am Main sind ca. 3.700 Mitarbeiter (Beamte und Angestellte) beschäftigt.

Kriminaldirektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kriminaldirektion mit ihren sechs Kriminalinspektionen bearbeitet zentral Gewalt-, Sexual-, Eigentums-, Brand-, Waffen-, Sprengstoff-, Fälschungs-, Umwelt-, Staatsschutz- sowie Rauschgiftdelikte und Delikte aus dem Bereich der organisierten Kriminalität sowie der Computerkriminalität. Außerhalb der Regeldienstzeit existiert ein Kriminaldauerdienst (KDD), der im Rahmen des Ersten Angriffs für die Erstbearbeitung von Kapitalverbrechen, Brandfällen, Vermisstensachen sowie Amtsdelikte und Bearbeitung von Haftbefehlen zuständig ist.

Direktion SE/SK[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Direktion SE/SK ist die Direktion für die Spezialeinheiten und der Spezialkräfte in Frankfurt. dem SEK-, den MEKs und der Verhandlungskräfte. Diese sind im gesamten Bundesland Hessen örtlich zuständig.

Direktion Sonderdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Direktion Sonderdienste ist im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main zuständig. Zur Direktion gehören die Einsatzeinheit mit dem Diensthundekommando, dem Überfallkommando und einer operativen Einheit, der zentrale Objektschutz, die AG Sozialkriminalität, die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Ausländerrecht, die BFE Frankfurt sowie das zentrale Polizeigewahrsam.

Direktion Verkehrssicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Direktion Verkehrssicherheit ist im gesamten Stadtgebiet, auf dem Frankfurter Autobahnring (A 3, A 5, A 66, A 648, A 661) und den Bundesstraßen B 40a und B 43 zuständig.

Die Direktion gliedert sich in eine Fahndungsgruppe, den Verkehrsüberwachungsdienst, den Zentralen Verkehrsunfalldienst, die Verkehrserziehung und -aufklärung und die Polizeiautobahnstation Frankfurt am Main.

Polizeidirektionen und Polizeireviere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main

Den vier Polizeidirektionen sind 17 Polizeireviere zugeordnet:

Revier Adresse Standort Zuständig für
Direktion Mitte
1. Zeil 33 Innenstadt Innenstadt
2. Mercatorstraße 50 Nordend Nordend (östlicher Teil)
3. Adickesallee 70 (im Polizeipräsidium) Nordend Nordend (westlicher Teil), Westend (nördlicher Teil)
4. Gutleutstraße 112 (im Behördenzentrum) Gutleutviertel Bahnhofsviertel, Gallus (östlicher Teil), Gutleutviertel (östlicher Teil)
13. Schloßstraße 88–90 Bockenheim Bockenheim (südlicher Teil), Westend (südlicher Teil), Gallus (Europaviertel)
Direktion Flughafen
19. Gebäude 194 Flughafen Flughafen
Direktion Nord
6. Turmstraße 7–9 Bornheim Bergen-Enkheim (nordwestlicher Teil), Bornheim, Seckbach
7. Pfortenstraße 1 Fechenheim Fechenheim
11. Westerbachstraße 37–43 Rödelheim Bockenheim (Industriehof), Hausen, Praunheim (Westhausen), Rödelheim
12. Am Schwalbenschwanz 3 Eschersheim Dornbusch, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim, Nordend (nördlicher Teil), Preungesheim, Westend (Carl-Schurz-Siedlung)
14. und 15. Marie Curie Straße Kalbach-Riedberg Heddernheim, Niederursel, Praunheim (nördlicher Teil) Berkersheim, Bonames, Frankfurter Berg, Harheim, Kalbach-Riedberg, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach
18. Florianweg 8 Bergen-Enkheim Bergen-Enkheim, Riederwald
Direktion Süd
5. Ferdinand-Happ-Straße 32 Ostend Ostend
8. Offenbacher Landstraße 29 Sachsenhausen Oberrad, Sachsenhausen
10. Goldsteinstraße 126 Niederrad Niederrad, Schwanhein
16. Frankenallee 365 Gallus Gallus (westlicher Teil), Griesheim, Nied (östlicher Teil)
17. Gebeschusstraße 10 Höchst Höchst, Nied (westlicher Teil), Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim

Aufklärungsquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufklärungsquote betrug für das Jahr 2014 60,9 %.[1]

Aufklärungsquote und Fallzahlen des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main seit 1983
Jahr Fallzahlen Änderung zum Vorjahr in Prozent aufgeklärt AQ in Prozent
1983 103.773 40.194 38,7
1984 110.114 6.341 6,1 32.321 29,4
1985 116.268 6.154 5,6 35.361 30,4
1986 126.905 10.637 9,1 37.154 29,3
1987 144.476 17.571 13,8 40.898 28,3
1988 130.293 −14.183 −9,8 49.515 38,0
1989 134.472 4.179 3,2 58.418 43,4
1990 131.143 −3.329 −2,5 49.412 37,7
1991 130.517 −626 −0,5 50.669 38,8
1992 140.276 9.759 7,5 53.334 38,0
1993 140.838 562 0,4 60.484 42,9
1994 133.375 −7.463 −5,3 53.434 40,1
1995 130.706 −2.669 −2,0 57.446 44,0
1996 127.425 −3.281 −2,5 59.270 46,5
1997 125.537 −1.888 −1,5 57.701 46,0
1998 123.083 −2.454 −2,0 64.204 52,2
1999 113.040 −10.043 −8,2 55.454 49,1
2000 104.094 −8.946 −7,9 54.885 52,7
2001 97.089 −7.005 −6,7 49.211 50,7
2002 99.864 2.775 2,9 47.127 47,2
2003 111.875 12.011 12,0 54.884 49,1
2004 118.120 6.245 5,6 63.662 53,9
2005 113.657 −4.463 −3,8 65.022 57,2
2006 106.769 −6.888 −6,1 61.077 57,2
2007 107.078 309 0,3 62.609 58,5
2008 105.288 −1.790 −1,7 62.753 59,6
2009 109.100 3.812 0,3 65.979 60,5
2010 107.356 1.744 −1,6 64.406 60,0
2011 109.678 2.322 2,2 66.261 59,5
2012 112.789 3.111 2,8 67.515 59,9
2013 112.049 −740 −0,7 67.506 60,2
2014 118.796 6747 5,7 72.359 60,9

Soziale Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 nutzt das Polizeipräsidium Frankfurt am Main Soziale Netzwerke im Internet. Im Februar 2014 startete das Polizeipräsidium Frankfurt am Main mit Twitter [2] als erste Polizeibehörde in Hessen, die dieses Medium nutzt. Über Twitter informiert die Frankfurter Polizei einsatzbegleitend, zeitnah und aktuell. Dies erfolgt insbesondere bei Großeinsätzen, wie Demonstrationen oder Heimspielen von Eintracht Frankfurt. Im Januar 2015 wurde das Angebot auf eine Facebookseite ausgeweitet.[3] Seit Januar 2016 betreibt die Frankfurter Polizei eine Präsenz bei Instagram [4].

Body-Cam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. Mai 2013 begann das Polizeipräsidium Frankfurt am Main als erste Polizeibehörde in Deutschland ein einjähriges Pilotprojekt zum Einsatz mobiler Videoüberwachung (Body-Cam). In einem Abschlussbericht des Polizeipräsidiums Frankfurt a. M. vom 1. Oktober 2014 wurde über die dabei gemachten Erfahrungen berichtet.[5]

Nach dem aus Sicht des Hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) erfolgreichen Pilotprojekt werden für weitere Polizeidienststellen in Hessen, auch in Offenbach und Wiesbaden, Kamerasysteme beschafft.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Sitz des Frankfurter Polizeipräsidiums war der mittelalterliche Clesernhof (rechts im Bild)
Polizeipräsidium an der Neuen Zeil/Ecke Klingerstraße, um 1888
Zweites Polizeipräsidium am Hohenzollernplatz, heute Friedrich-Ebert-Anlage

Erste schriftliche Überlieferungen zum Polizeiwesen in Frankfurt am Main stammen aus dem 14. Jahrhundert. Sie berichten über eine Gesundheitspolizei, die die Lebensmittelhygiene auf den Märkten und dem Hafen am Main überwachte. Darüber hinaus gab es eine Marktpolizei, die die Einhaltung von Maßen und Gewichten kontrollierte. Um 1620 wurden zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs 60 Polizeisoldaten angestellt, die anhand ihrer Bewaffnung mit Piken als Piketts bezeichnet wurden und in der Hauptwache sowie der Konstablerwache stationiert waren.

Anfang des 19. Jahrhunderts in der Zeit des Großherzogtums Frankfurt entstand nach französischem Vorbild eine aus der allgemeinen Verwaltung herausgelöste Polizei. Die Leitung der Polizei war im Palais Thurn und Taxis als dem Sitz des Großherzogs untergebracht. In dieser Zeit um 1812 gab in der Stadt Frankfurt nur acht Wachtmeister und 27 Polizeidiener. Auf dem Lande bekämpfte ein Gendarmeriekorps mit 117 ehemaligen Soldaten das Räuberunwesen. Nach dem Ende des Großherzogtums 1813 wurde Frankfurt zur Freien Stadt und schaffte die Verwaltungsreformen wieder ab. Erst mit der preußischen Besetzung von 1866 erhielt die Stadt wieder ein modernes Polizeiwesen. Mit dem Bezug des neuen Polizeipräsidiums 1886 schuf die Frankfurter Polizei als neue Abteilung die Kriminalpolizei. Nachdem Frankfurt durch Eingemeindungen 1910 über 400.000 Einwohner hatte, wurde die Polizei erheblich verstärkt. 1918 gehörten ihr insgesamt fast 600 Mitarbeiter an. Bei der Novemberrevolution schuf ein neu gegründeter Arbeiter- und Soldatenrat eine 1800 Mann umfassende Hilfspolizei und einen 120 Matrosen umfassenden Marinesicherungsdienst. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik lösten sich die Räte auf und die Polizei wurde reorganisiert. 1930 betrug der Personalbestand etwa 1400 Mitarbeiter.

Nach der Machtergreifung 1933 wurde der Polizeipräsident von den Nationalsozialisten durch einen SA-Standartenführer ersetzt. Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kam es zu einer Säuberungswelle gegenüber politisch missliebigen Beamten. Durch die Umorganisierung der Polizei 1936 in eine Ordnungs- und eine Sicherheitspolizei entstand eine Frankfurter Gestapodienststelle mit eigenem Dienstgebäude. 1941 wurde der Polizeipräsident Adolf Beckerle, ein führender SA-Angehöriger abgelöst, da der Posten durch einen höheren SS-Führer ersetzt werden sollte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Frankfurter Polizei zur Verteidigung gegen amerikanische Einheiten eingesetzt, die am 29. März 1945 die Stadt einnahmen.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit nahm die US-Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone eine Dezentralisierung der Polizei vor. In Frankfurt entstand eine kommunale Polizei mit einer Schutz- und einer Kriminalpolizei. Sie stand unter einer strengen Kontrolle der Militärregierung, die die Polizisten anfangs nur mit Gummiknüppeln ausstattete. Erst im Oktober 1945 erhielt jede Dienststelle eine Schusswaffe. 1946 betrug der Personalbestand der Polizei etwa 1600 Schutzpolizisten und rund 170 Kriminalbeamte.

Polizeipräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1860er Jahren diente der Clesernhof, ein nicht mehr bestehender Gebäudebereich am Römer, als erstes Polizeipräsidium. 1886 entstand auf dem ehemaligen Klapperfeld an der Neuen Zeil ein neues Polizeipräsidium, dessen Polizeigewahrsam bis zum Jahr 2002 in Betrieb war. Wegen der zunehmenden räumlichen Enge an der Zeil wurde 1914 wurde am Hohenzollernplatz ein neu errichtetes Polizeipräsidium bezogen. Das Gebäude ist im historistischem Stil in einer Mischung aus Neobarock und Klassizismus errichtet worden. Bei den Luftangriffen auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 fast zur Hälfte zerstört. Bis zur Wiederherstellung 1954 war ein großer Teil der Polizei an andere Orte im Stadtgebiet ausgelagert worden. Seit dem Auszug der Polizei ins 2002 neu erbaute Polizeipräsidiums steht das als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz geschützte Gebäude überwiegend leer und wird nur teilweise gewerblich genutzt. 2002 bezog die Polizei das als Neubau entstandene Verwaltungsgebäude des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main am Alleenring.

Spektakuläre Kriminalfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerstörungen am Hauptquartier des V. US-Korps nach dem Bombenanschlag der RAF vom 11. Mai 1972

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.polizei.hessen.de - Pressekonferenz zur Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2014 des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main
  2. @Polizei_Ffm - Offizieller Twitter Einsatz Account der Polizei Frankfurt am Main
  3. "Polizei Frankfurt am Main" - Offizielle Facebook Fanseite der Polizei Frankfurt am Main
  4. @Offizieller Instagram Account der Polizei Frankfurt am Main
  5. Polizeipräsidium Frankfurt am Main: Bewertungen und Planungen der Landesregierung zum Einsatz sog. Body-Cams im Bereich der Polizei - Abschlussbericht des Polizeipräsidiums Frankfurt a. M. vom 01.10.2014. In: landtag.ltsh.de. 1. Oktober 2014. Abgerufen am 6. November 2015.
  6. Frank Angermund: Reportage aus Frankfurt Auf Party-Streife mit der Schulterkamera. In: hessenschau.de. 25. Juli 2015. Abgerufen am 6. November 2015.
  7. Polizeipräsidenten in Frankfurt am Main