Frankfurt-Sossenheim

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Wappen von Sossenheim
Wappen von Frankfurt am Main
Sossenheim
41. Stadtteil von Frankfurt am Main
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 7′ 8″ N, 8° 33′ 57″ OKoordinaten: 50° 7′ 8″ N, 8° 33′ 57″ O
Fläche 5,969 km²
Einwohner 16.110 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 2699 Einwohner/km²
Postleitzahl 65936
Vorwahl 069
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 6 – West
Stadtbezirke
  • 631 – Sossenheim-West
  • 632 – Sossenheim-Ost
Verkehrsanbindung
Autobahn A5 A66 A648
Regionalbahn 13
Bus 50 55 56 58 n1
Quelle: Statistik aktuell 02/2017. Einwohner mit Hauptwohnung in Frankfurt am Main. Abgerufen am 3. April 2018.

Sossenheim ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil liegt im Nordosten des Ortsbezirks Frankfurt-West und bildet einen Teil der Nordwest-Grenze der Stadt Frankfurt am Main. Die anliegenden Stadtteile und Gemeinden sind im Westen Unterliederbach und Höchst, im Norden Eschborn, Schwalbach am Taunus und Sulzbach (Taunus), im Osten Rödelheim und im Süden Griesheim und Nied. Daneben zählt ein Großteil Sossenheims – das Sossenheimer Unterfeld zum Naturschutzgebiet Frankfurter Grüngürtel.

Die östlich gelegene Frankfurter Innenstadt (Hauptwache) ist etwa 6,2 km entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sossenheim wird erst im Jahre 1218 urkundlich erwähnt, wobei vermutet wurde, dass es wesentlich älter ist, denn sein möglicher Gründer, vermutlich ein Franke namens ,,Suzo”, hatte sich bereits um 600 n. Chr. hier zwischen Mainz und Frankfurt angesiedelt[1], denn andere fränkischen Dörfer im Umkreis, deren Namen ebenfalls auf -heim enden, werden bereits in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts im Lorscher Codex genannt. So wurde aus dem Heim des ,,Suzo” erst Suzoheim und später Sossenheim.

Nördlich von Sossenheim führt die von Frankfurt-Praunheim kommende Militärstraße vorbei, so dass auch Spuren römischer Besiedlung bestehen, wobei bereits römische Ziegeleien aus der Gegend um Sossenheim den Vordertaunus und die Wetterau mit Baumaterial versorgten.

Das mittelalterliche Sossenheim war geprägt durch bäuerliches Leben, wobei hier Grundherren Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz herrschten, woran noch die nach Höchst führende Kurmainzer Straße zeugt. Ursprünglich gehörte Sossenheim den Grundherren der Ritter von Kronberg, den Herren von Falkenstein, dem Erzstift Trier und auch der Frankfurter Bürgerschaft.

In Kriegs- und Notzeiten fanden die Landbewohner in der nahen Reichsstadt Frankfurt Schutz. Allerdings war dieses „Burgrecht“ für die Sossenheimer nicht umsonst. Die Bewohner mussten dafür jährlich eine Zahlung leisten und mithelfen, die Stadtbefestigung mit Hacke und Schaufel auszubessern. 1438 wurde der Vertrag mit Frankfurt beendet und sie begaben sich unter den Schutz von Höchst

Im Dreißigjährigen Krieg wurde bei der Schlacht bei Höchst am 19. Juni 1622 das katholischen Sossenheim völlig zerstört und verwüstet, die eigentlich nicht auf dem Gebiet von Höchst, sondern in und um Sossenheim stattfand. Christian von Braunschweig hatte sich mit seinen Truppen westlich von Sossenheim verschanzt, wo heute noch der Straßenname ,,Auf der Schanz” erinnert. Graf Tilly, als Kriegssegner Christians, rückte mit seinen Truppen von Frankfurt an, ließ Sossenheim und die feindlichen Truppen mit Kanonen beschießen und entschied schlussendlich die Schlacht für sich.

Zählte Sossenheim 1609 noch 64 Familien mit 320 Einwohnern, so waren es 1623 noch 41 Familien mit ca. 190 Einwohnern.

1771 gab es 75 Haushalte mit 358 Einwohnern. Davon waren 57 Bauern, 2 Schmiede, 2 Maurer; 1 Müller; 1 Bäcker; 1 Wagner; 1 Schneider; 1 Weber; 1 Krämer; 7 Tagelöhner; 25 Pferde, 246 Ochsen und Kühe sowie 222 Schweine.[2]

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann einige Ziegelbrennereien. Das ursprüngliche Bild des Straßendorfs wurde dadurch nachhaltig verändert, da nun Schornsteine der Ringöfen das Stadtbild prägten. Die Arbeiter und Wanderarbeiter wurden in Baracken untergebracht, wo es zu Alkoholkonsum, Schlägereien und Messerstechereien kam. Das führte dazu dass im Volksmund die Einwohner der umliegenden Dörfer Sossenheim nur noch als Mordheim bezeichneten. In den 1920er Jahren versiegten die Lehmvorkommen, womit die Ziegeleien nach und nach geschlossen wurden. 1928 wurde dann Sossenheim mit etwa 4.800 Einwohnern zu Frankfurt eingemeindet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Dorf durch den Bau von Großsiedlungen, so die Carl Sonnenschein-Siedlung und Henry Dunant-Siedlung. 1993 kam eine weitere Großsiedlung auf dem Gelände einer ehemaligen Großmolkerei (MoHa) dazu, der sogenannte Westpark, so dass die Einwohnerzahl auf über 15.000 seither stieg.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sossenheim hatte Ende Dezember 2010 000000000015767.000000000015.767 Einwohner. Sossenheim ist aus einem sogenannten "Straßendorf" entstanden und hat dadurch kein historisch gewachsenes Zentrum. Das heutige Sossenheim wird geprägt durch seine Siedlungsbauten aus den 1960er- bis 1970er-Jahren mit einem hohen Migrationsanteil.

Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Sossenheim

Ein Wahrzeichen Sossenheims ist der Faulbrunnen. Der Brunnen, der bereits im 19. Jahrhundert bekannt war, wurde 1926 als „Sossenheimer Sprudel“ gefasst. Durch Schwefelwasserstoffe im Wasser riecht das Wasser nach Fäulnis und ist daher als Trinkwasser ungeeignet, wird aber vereinzelt als Heilwasser getrunken.[3] Im benachbarten Bad Soden am Taunus besteht eine Vielzahl weiterer solcher Heilquellen.

Dem Faulbrunnen gegenüber befindet sich das ehemalige Rathaus, ein klassizistischer Sandsteinbau,[4] welches heute als Polizeistation genutzt wird.

Das Niddaufer, direkt vor der Siedlung Im Mittleren Sand.

Zu Sossenheim gehörend und idyllisch zwischen Kleingärten und Agrarflächen im Sossenheimer Unterfeld gelegen befindet sich die Mitte des 20. Jahrhunderts erbaute Siedlung Im Mittleren Sand, welche die Frankfurter Rundschau 2008 in einer Serie zu Frankfurts ungewöhnlichen Wohnorten zählte.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits seit der urkundlichen Ersterwähnung Sossenheims im Jahre 1218 gab es eine Kapelle, die dem Heiligen Nikolaus geweiht worden war. Der 1582 erfolgte Kapellenneubau wurde 1706 dem Erzengel Michael geweiht. Weitere Neubauten erfolgten 1829 und zuletzt 1967 im Rahmen des Bevölkerungszuwachses der Katholischen Pfarrgemeinde St. Michael, Sossenheimer Kirchberg 2. Seit jeher ist der Kirchberg der Mittelpunkt des Ortes, auf dem auch heute noch der 1582 erbaute Kirchturm hervorragt.[5]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

evangelische Kirche

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zogen zunehmend auch evangelische Einwohner nach Sossenheim, vorwiegend Arbeiter der nahen Farbwerke Hoechst. 1897 wurde der Grundstein für die Evangelische Kirche gelegt. Der Architekt des heute denkmalgeschützten Hauses war Ludwig Hofmann. 1904 wurde die evangelische Gemeinde Sossenheims selbstständig. 1998 bildete sich die heutige Regenbogengemeinde in Sossenheim aus der Tiberias- und der Dunantgemeinde. Bis 2012 bestanden daher zwei Gemeindehäuser: Das Haus Tiberias neben der Kirche und das 2012 abgerissene Haus Dunant in der Dunantsiedlung. Letzteres Gelände wird derweil mit einem neuen Kinderhaus bebaut.[6]

Nothelferkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nothelferkapelle am Kapellenberg

Die Nothelferkapelle am Ortsausgang Richtung Höchst wurde 1755 erstmals unter Pfarrer Johann Peter Becker errichtet. 1883 erfolgt durch Pfarrer Jakob Mitnacht unter der Mithilfe vieler Bürger des Stadtteils der Wiederaufbau in neugotischem Stil. Sie dient als Flurkapelle bei Prozessionen und zur Anrufung der 14 Nothelfer.

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Sossenheimer Friedhof ist der durch zahlreiche Porträts und Gemälde zur Frankfurter Schirn bekannte Maler Wilhelm Runze (1887–1972) begraben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus) ist der Stadtteil über Rödelheim (55), Höchst (50, 55, 58), dem Uni-Standort Bockenheim bzw. der Frankfurter Messe (50) und Eschborn (56, 58) zu erreichen, nachts per Nachtbuslinie N1, per Bahn ab Höchst oder Bad Soden/Sulzbach. Bis zum Frankfurter Hauptbahnhof dauert es ca. 30 Minuten. Daneben besteht eine direkte Busverbindung zum internationalen Frankfurter Flughafen.

Der Bahnhof Sossenheim liegt am südwestlichen Rand des Stadtteils an der Sodener Bahn und wird von der Regionalbahnlinie 13 bedient. Bis 1997 verkehrte dort die S-Bahnlinie S3. Das Gewerbegebiet Wilhelm-Fay-Straße ist im Norden neben der Buslinie 56 über die S-Bahn-Station Eschborn-Süd (S3, S4) an das Schnellbahnnetz angeschlossen, oder aber im Süden über der Buslinie 55.

Sossenheim soll durch mehrere Haltepunkte der zukünftigen Bahnverbindung Regionaltangente West erschlossen werden. Außer dem bereits bestehenden Sossenheimer Bahnhof ist jeweils eine Station an der Dunantsiedlung sowie in der Nähe des historischen Ortskerns angedacht; geplant ist letztere Station am Ende der Michaelstraße. Eine Bürgerinitiative aus dem Stadtteil kämpft gegen den Verlauf der Strecke auf Sossenheimer Gebiet.

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sossenheim grenzt verkehrstechnisch günstig an die Bundesautobahn 66 im Norden und die Bundesautobahn 5 im Osten. Durch das östliche Sossenheim hindurch, jedoch größtenteils abseits des bewohnten Gebietes, läuft die Bundesautobahn 648.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportgemeinschaft Sossenheim 1878[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sportgemeinschaft Sossenheim 1878 e. V. ist ein lokaler Sportverein. Er bietet verschiedene Sportarten, auch in eigenen Räumlichkeiten, mit eigenem Fußballplatz an.

RV Sossenheim 1895[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Radsportverein RV Sossenheim 1895 e. V. gehen zahlreiche Profis hervor, wie z. B. Christian Werner, Fabian Wegmann, Matthias Kessler oder Kai Hundertmarck[7].

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebrüder-Moos-Gedächtnisrennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Radsportverein RV Sossenheim veranstaltet bereits seit vor 1962 alljährliches an Fronleichnam ein Radrennen mit wechselnden Namen, zuletzt das Gebrüder-Moos-Gedächtnisrennen.[8]

Kerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell wird alljährlich die Kerb gefeiert, mit Kerbefrühschoppen und Vergnügungspark auf dem Sossenheimer Kerbeplatz.

Michaelstraßenfest (vormals Mühlgassenfest)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßig im Sommer findet in Sossenheim ein Straßenfest für jung und alt statt, zuletzt in der Michaelstraße und auf dem Sossenheimer Kirchberg. Sein direkter Vorläufer ist das Mühlgassenfest, welches in 2003 sein 25-jähriges Bestehen feierte.[9]

Sossenheimer Musiksommer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 findet alljährlich der Sossenheimer Musiksommer auf dem Kirchberg statt, dessen 15-jähriges Bestehen in 2003 gefeiert wurde.[10]

Speierlingsfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 fand erstmals das Speierlingsfest des Kultur- und Förderkreises Sossenheim in den Sulzbachwiesen statt.[11]

Weihnachtsmarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit vielen Jahren wird am ersten Advent auf dem Sossenheimer Kirchberg ein Weihnachtsmarkt veranstaltet.

Söhne und Töchter Sossenheims[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Karikaturist Chlodwig Poth, der seit 1990 in Sossenheim lebte, dokumentierte bis zu seinem Tod im Jahr 2004 das wilde Architekturgemisch des Stadtteils in der Bilderreihe Last Exit Sossenheim. Die Serie erschien allmonatlich in der Satirezeitschrift Titanic. Vor dem Hintergrund wiedererkennbarer Sossenheimer Schauplätze zeichnete er anonyme Zeitgenossen und schrieb ihnen zeittypische Gedanken und Dialoge zu. Wie er selbst erklärte, kamen ihm die Ideen dazu oft auch aus Gesprächsfetzen, die er in der Nachbarschaft einfing oder bei Busfahrten mithörte beziehungsweise mithören musste. Dem Andenken an Poth ist die Chlodwig-Poth-Anlage im Sossenheimer Unterfeld südlich des Ortsrandes gewidmet. Vor Ort sind zwei Bilderfolgen des Zeichners auf Bild-Stelen dauerhaft ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eduard-Spranger-Schule: Sossenheim früher
  2. Adalbert Vollert, Sossenheim, Frankfurt 1980, S. 196.
  3. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Flüsse, Bäche, Altarme entdecken, S. 83. Frankfurt 2004
  4. ANITA STRECKER: Frankfurt für Anfänger: Das angebaute Quartier. In: fr-online.de. 11. November 2008, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  5. www.st-michael-ffm.de<
  6. www.regenbogengemeinde.de
  7. moos-radsport.de@1@2Vorlage:Toter Link/moos-radsport.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Michael Eder und Steffen Gerth: „Vor dreißig Jahren waren die Fahrer härter“. In: FAZ.net. 29. April 2004, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  9. www.isg-sossenheim.de
  10. www.vereinsring-sossenheim.de
  11. www.vereinsring-sossenheim.de
  12. RV Sossenheim@1@2Vorlage:Toter Link/moos-radsport.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frankfurt-Sossenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien