Proud Boys

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Proud Boys
Gründung 2016
Gründer Gavin McInnes
Schwerpunkt rechtsextreme Organisation
Aktionsraum international
Vorsitz Henry „Enrique“ Tarrio[1]
Website proudboysusa.com

Die Proud Boys (deutsch Stolze Jungs) sind eine rechtsextreme Organisation in den Vereinigten Staaten. Sie propagiert, wie auch viele andere Milizen in den USA, Widerstand gegen staatliche Institutionen.[2][3][4][5] Entstanden 2016 in den Vereinigten Staaten, ist sie heute auch in weiteren englischsprachigen Ländern, wie Australien, Kanada und Großbritannien präsent.[6][7] Ihre ausschließlich männlichen Mitglieder hängen der rechten Verschwörungstheorie an, dass Männer – insbesondere weiße Männer – in der westlichen Kultur von Auslöschung bedroht würden.[8][9][10]

Gavin McInnes, Gründer der Proud Boys beim SXSW
Seit 2018 ist der kubanisch-amerikanische Republikaner Henry „Enrique“ Tarrio Vorsitzender der Proud Boys

Die Organisation wurde ursprünglich scherzhaft von Gavin McInnes gegründet und nach dem Lied Proud of Your Boy des Disney-Musicals Aladdin benannt. International bekannt wurde die Organisation durch die Proteste infolge des Todes von George Floyd sowie eine Aussage des US-Präsidenten Donald Trump im ersten Fernsehduell gegen Joe Biden.[11] Sie werden in Verbindung gebracht mit den rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville 2017.[12] Mitglieder der Gruppierung beteiligten sich am sogenannten Sturm auf das Capitol am 6. Januar 2021.[13][14] Bereits am 4. Januar wurde Enrique Tarrio von der Washingtoner Polizei wegen Verbrennung einer Black Lives Matter-Fahne festgenommen.[15]

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ihrer Website gibt die Gruppe an, sich für Redefreiheit, das Recht auf Waffenbesitz, freies Unternehmertum, geschlossene Grenzen, traditionelle Geschlechterrollen und einen westlichen Chauvinismus einzusetzen. Sie spricht sich gegen Rassendiskriminierung und Diskriminierung aufgrund einer Sexualpräferenz, gegen Political Correctness und rassenbezogene Schuldgefühle („racial guilt“) aus.[16] Sie behauptet, kein -ismus zu sein, der in ein Narrativ der Linken passe.[17]

Die Proud Boys praktizieren eine mehrstufige Initiation. Zunächst muss sich der Beitrittswillige selbst als westlicher Chauvinist bekennen, der sich weigert, sich für die Erschaffung der „modernen Welt“ zu entschuldigen. Es folgt eine Bizutage, bei der er von den anderen Gruppenmitgliedern geschlagen wird und dabei Namen von Frühstücksflocken aufsagen muss. Drittens muss er zusagen, die Zahl seiner Masturbationen auf ein Mal pro Monat zu beschränken. Viertens muss er sich den Gruppennamen tätowieren lassen.[18] Bill Morlin vom Southern Poverty Law Center nennt als letzten Schritt der Initiation die Teilnahme an einer Prügelei mit Linken bei einer öffentlichen Demonstration.[19]

Insignien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Proud Boys tragen bevorzugt ein gelbschwarzes Poloshirt der Marke Fred Perry. Fred Perry hat im Herbst 2020 den Verkauf der gelbschwarzen Shirts in den USA und Kanada gestoppt. Man wolle den Verkauf erst wieder aufnehmen, wenn die Proud Boys verschwunden seien. Damit distanziert sich das Unternehmen von politischer Vereinnahmung.[20]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Proud Boys gelten als rechtsextrem[21][22][23] bzw. faschistisch.[24][25] Sie werden der Alt-Right zugerechnet.[19]

Die Politikwissenschaftlerin Cara Daggett analysierte 2018 die spätpubertär anmutenden Initiationsriten anhand von Klaus Theweleits Männerphantasien: Ähnlich wie in den von diesem untersuchten Freikorps und anderen protofaschistischen Gruppen der Jahre 1918–1923 sieht sie bei den Proud Boys eine grundsätzliche Furcht vor Frauen am Werk, denen gegenüber es gelte, den eigenen Körper möglichst hart zu machen, etwa durch das Ertragen von Schlägen und den Verzicht auf Masturbation. Dies sei verknüpft mit der Frustration, eine Frau zu finden, die bereit wäre eine Hausfrauenehe zu führen, daher die antifeministische Einstellung der Gruppenmitglieder.[26]

Am 4. Oktober 2020 deuteten Internetuser den Titel Proud Boys um. Hunderttausende Nutzer von Twitter verwendeten den Hashtag #ProudBoys und feierten mit Fotos von Männerpaaren die homosexuelle Liebe zwischen „stolzen Jungs“.[27][28] Auch Prominente wie der Schauspieler George Takei, die Moderatorin Dunja Hayali und der Meteorologe Jörg Kachelmann beteiligten sich mit Tweets an der Aktion.[29]

Kontroverse Aussage Donald Trumps im ersten TV-Duell 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trump wurde während der Debatte gefragt, ob er bereit sei, Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Ansichten die Überlegenheit Weißer (White Supremacy) gehört.[30] Daraufhin fragte Trump, wen genau er verurteilen solle,[31] und entgegnete auf Bidens Einwurf,[32] die Proud Boys, Folgendes: „Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit“ (“stand back and stand by”).[30] Nach der Debatte herrschte Unklarheit darüber, ob es sich dabei um eine „verunglückte Formulierung“ oder den „Schulterschluss mit gewalttätigen Rechten“ handelte.[31]

Einer der Proud-Boys-Organisatoren, Joe Biggs, teilte kurz darauf über seinen Parler-Account ein Logo mit den Worten des Präsidenten „Stand back“ und „Stand by“.[33] Am 30. September sagte Trump auf Nachfrage: „Ich weiß nicht, wer die ‚Proud Boys‘ sind. Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen.“[30] (“I don’t know who the ‘Proud Boys’ are, you’ll have to give me a definition because I really don’t know who they are. I can only say they have to stand down, let law enforcement do their work.”[34]). Auf die erneute Frage, ob er „White Supremacists“ verurteile, sagte er: „Ich habe immer jede Form verurteilt […], jede Form von all dem, was man verurteilen muss.“ (“I’ve always denounced any form […], any form of any of that you have to denounce.”)[34]

Sturm auf das Kapitol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proud Boys auf der Pennsylvania Avenue, Washington, D.C., 6. Januar 2021

Am 6. Januar 2021 nahmen Proud Boys am Sturm auf das Kapitol in Washington teil. Nachdem Präsident Trump in einer Rede vor dem Weißen Haus dazu aufgerufen hatte, die Pennsylvania Avenue herunterzumarschieren, um Druck auf republikanische Kongressabgeordnete auszuüben, die bereit waren, die Wahl Joe Bidens zu bestätigen, folgten zahlreiche Proud Boys dieser Aufforderung und skandierten „Storm the Capitol“ und „1776!“[35] Mehrere Proud Boys drangen mit anderen Randalierern gewaltsam in das Kongressgebäude ein und machten dort Selfies.[36]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAZ.net 5. Januar 2021: Anführer der rechten Proud Boys in Washington festgenommen
  2. Jason Wilson: Who are the Proud Boys, ‘western chauvinists’ involved in political violence? (en). In: the Guardian, 14. Juli 2018. 
  3. Rich Lowry: The Poisonous Allure of Right-Wing Violence. In: National Review, 19. Oktober 2018. Abgerufen am 13. November 2018.  „McInnes is open about his glorification of violence. In a speech, he described a clash with Antifa outside a talk he gave at NYU last year: ‘My guys are left to fight. And here’s the crucial part: We do. And we beat the crap out of them.’ He related what a Proud Boy who got arrested told him afterward: ‘It was really, really fun.’ According to McInnes: ‘Violence doesn’t feel good. Justified violence feels great. And fighting solves everything.’“ 
  4. Jason Wilson: FBI now classifies far-right Proud Boys as ‘extremist group’, documents say. In: The Guardian. 19. November 2018.
  5. FBI considers Proud Boys extremists with white-nationalist ties, law enforcement officials say (en) In: Washington Post. Abgerufen am 29. November 2018.
  6. ‘Proud Boys’ back in Canada military after crashing indigenous ceremony, BBC News. 31. August 2017. 
  7. Simon Gilbert: Right wing activist warns people to avoid “immigrant city” Coventry which he says is “awful”. In: Coventry Telegraph, 30. Juli 2017. Abgerufen am 8. Februar 2018. 
  8. Doug Brown: “Proud Boys” Founder Wants to “Trigger the Entire State of Oregon” by Helping Patriot Prayer’s Joey Gibson win the Oregon Person of the Year Poll (Updated) (en). In: Portland Mercury, 12. Dezember 2017. 
  9. Bob Moser: Why the “Alt-Lite” Celebrated the Las Vegas Massacre. In: The New Republic, 6. Oktober 2017. 
  10. Joanna Walters: Neo-Nazis, white nationalists, and internet trolls: who’s who in the far right (en). In: the Guardian, 17. August 2017. 
  11. Thomas Hummel: Trump begeistert rechte Hassgruppe. In: sueddeutsche.de. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  12. Cara Daggett: Petro-masculinity: Fossil Fuels and Authoritarian Desire. In: Millennium. Journal of International Studies. Band 47, Nr. 1, 2018, S. 25–44, hier S. 38, doi:10.1177/0305829818775817.
  13. Capitol riots: Who broke into the building? In: BBC News. 7. Januar 2021 (bbc.com [abgerufen am 11. Januar 2021]).
  14. Photo: Proud Boys march at Capitol. In: NBC News. 7. Januar 2021, abgerufen am 11. Januar 2021 (englisch).
  15. Logan Jaffe, Lydia DePillis, Isaac Arnsdorf, David McSwane,: Capitol Rioters Planned for Weeks in Plain Sight. The Police Weren’t Ready. In: Public Broadcasting Service. 7. Januar 2021, abgerufen am 16. Januar 2021 (englisch).
  16. siehe auch den Artikel en:White guilt
  17. Proud Boys: Who are They? Abgerufen am 1. Oktober 2020.
  18. Cara Daggett: Petro-masculinity: Fossil Fuels and Authoritarian Desire. In: Millennium. Journal of International Studies (2018), S. 25–44, hier S. 38.
  19. a b Bill Morlin: New “Fight Club” Ready for Street Violence. Southern Poverty Law Center, 25. April 2017, Zugriff 1. Oktober 2020.
  20. Christian Stör: Neonazis lieben „Fred Perry“: Modemarke reagiert und stellt wegen Proud Boys Verkauf von Shirts ein. In: Frankfurter Rundschau. 30. September 2020, abgerufen am 7. Oktober 2020.
  21. The Associated Press: 3 arrested in NYC clashes following speech by leader of far-right Proud Boys group (en-US) In: Chicago Tribune. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  22. Proud Boys Founder Gavin McInnes Wants Neighbors to Take Down Anti-Hate Yard Signs (en) In: lawandcrime.com. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  23. Christopher Mathias: The Proud Boys, The GOP And ‘The Fascist Creep’ (en-US). In: Huffington Post, 18. Oktober 2018. Abgerufen am 3. Februar 2019. 
  24. Samantha Kutner: Swiping Right: The Allure of Hyper Masculinity and Cryptofascism for Men Who Join the Proud Boys. In: International Centre for Counter-Terrorism. 2020.
  25. Ali Breland: The neo-fascist proud boys organized a “free speech” rally in DC. It flopped. (en-US) In: Mother Jones. Abgerufen am 26. September 2020: „Gavin McInnes, founder of the neo-fascist group the Proud Boys, was struggling to break apart toy handcuffs he had brought onstage.“
  26. Cara Daggett: Petro-masculinity: Fossil Fuels and Authoritarian Desire. In: Millennium. Journal of International Studies (2018), S. 25–44, hier S. 36 ff.
  27. Was gerade bei Twitter trendet, wird die „Proud Boys“ nicht stolz machen. In: Watson. Abgerufen am 4. Oktober 2020.
  28. Jackie Salo: Gay community attempts to take over #ProudBoys from alt-right group. In: New York Post. 4. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020 (amerikanisches Englisch).
  29. Homosexuelle kapern Hashtag #ProudBoys. In: Der Spiegel – Netzwelt. 4. Oktober 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  30. a b c Trump will rechte Gruppierung nicht kennen. In: tagesschau.de. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  31. a b „Proud Boys“ feiern Allianz mit Trump. In: n-tv.de. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  32. John Fritze, Courtney Subramanian: Trump says he doesn’t know Proud Boys, but ‘they need to stand down,’ as he faces backlash for not criticizing white supremacists. In: usatoday.com. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  33. Alt-right group Proud Boys share Trump’s words on social media. In: MSNBC. 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  34. a b Trump denies knowledge of the Proud Boys despite telling the far-right group to ‘stand by’. In: YouTube. Guardian News, 30. September 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  35. Trump Supporters Storm U.S. Capitol, Clash With Police, National Public Radio, 6. Januar 2021, Zugriff am 9. Januar 2021.
  36. Reality Check: Capitol riots: Who broke into the building? bbc.com, 8. Januar 2021, Zugriff am 8. Januar 2021.