Atomwaffen Division

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AWD-Logo

Als Atomwaffen Division (AWD) bezeichnet sich eine rechtsterroristische Gruppe, die erstmals im Oktober 2015 in Florida öffentlich hervortrat und sich seitdem in den USA und anderen Staaten verbreitet. Sie gilt als eine der gefährlichsten Neonazi-Gruppen der Gegenwart.

Ihr Logo ist ein schwarzes Wappen mit dem Strahlenwarnzeichen. Ihre rechtsextreme Ideologie orientiert sich am Nationalsozialismus und propagiert Antisemitismus, White Supremacy, Hass auf Minderheiten und maßlose Gewalt, um einen weltweiten apokalyptischen „Rassenkrieg“ herbeizuführen. Sie verherrlicht rechtsextreme und islamistische Massenmörder als Vorbilder.

Die Mitgliederzahl in den USA wurde für 2019 auf 80 bis 100 Personen, die Zahl der Bewerber auf mehr als 100 geschätzt. Sie organisieren sich gemäß dem Aktionskonzept Führerloser Widerstand in voneinander unabhängigen Zellen und bilden ihre Anhänger an Maschinengewehren und im Bombenbau aus. Drei Mitglieder töteten seit 2017 insgesamt fünf Menschen.

Seit 2017 wirbt die Gruppe international um aktive Mitglieder. Ähnliche Gruppen entstanden in Australien (Antipodean Resistance), Kanada (Northern Order), Großbritannien (Sonnenkrieg Division), Osteuropa (Feuerkrieg Division) und Skandinavien (Nordische Widerstandsbewegung). Seit Juni 2018 existiert auch eine Atomwaffendivision Deutschland (AWDD), der Experten 24 bis 36 Mitglieder zurechnen. Seit Herbst 2018 drohen mutmaßliche Mitglieder dieser Gruppe deutschen Juden und Muslimen, seit November 2019 auch einigen deutschen Politikern ihre Ermordung an.

Nach der Festnahme einiger Mitglieder verkündete die AWD in den USA im März 2020 ihre Auflösung. Die deutsche AWD betonte dagegen, sie bestehe fort und wachse. Zudem gründete sich ab Januar 2021 eine etwa 25-köpfige Gruppe namens „Atomwaffen Division Europe“ (AWDE). In den USA bildete sich die Nachfolgegruppe „National Socialist Order“, die im April 2021 bekannt wurde.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Iron March[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Recherchen der Bürgerrechtsgruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) ging die AWD aus dem Neonaziforum Iron March hervor, das von 2011 bis zu seinem Verbot im Herbst 2017 bestand. Sein Motto lautete: „Gas The Kikes! Race War Now! 1488! Boots on the ground!“ („Vergast die Juden! Rassenkrieg jetzt! 1488! Stiefel auf den Boden!“). Der rechtsextreme Zahlencode 1488 steht für die „vierzehn Worte“ von David Eden Lane und den Hitlergruß.[1] Das offizielle Wappen der Webseite trug das Motto und weitere rechtsextreme Symbole und Zeichen, darunter die Schwarze Sonne und eine Totenkopfmaske mit dem Hakenkreuz. Diese sei „das Gesicht des Faschismus des 21. Jahrhunderts, die Abwehr von Individualismus und Egoismus – wir folgen und dienen der Wahrheit“.[2] Die Abkürzung GTKRWN für die Mottosätze war der Zugangscode für Benutzer des Forums.

Die Webseiten des Iron March propagierten wie The Daily Stormer Judenhass und einen Krieg für eine globale, gewaltsame Revolution der „weißen Rasse“. Die Teilnehmer debattierten Texte des historischen Faschismus von Corneliu Zelea Codreanu, Benito Mussolini, José Antonio Primo de Rivera und anderen, informierten einander über faschistische Buchläden, Blogs und Quellen und versuchten, eine entsprechende Bewegung aufzubauen. Dazu nutzten sie psychologische Kriegsführung, identifizierten Feinde und deren Sprache, um deren Einfluss auszuschalten.[3]

Die mehr als 1600 angemeldeten Benutzer des Forums waren meist junge weiße Männer, die zu einer wachsenden White-Supremacy-Bewegung in westlichen Staaten gehören und sich allmählich gegenseitig radikalisierten. Sie sehen sich in einem internationalen faschistischen Kampf um die Vorherrschaft der „weißen Rasse“ vereint. Nach rund 150.000 von SPLC untersuchten Posts hat Faschismus für sie Merkmale eines religiösen Glaubens. Ausgewählte Benutzer verfassten Beiträge zum Foren-eigenen Magazin Rope Culture, schufen Memes, die zum Völkermord an Juden und Nichtweißen aufriefen, und schleusten diese später in Online-Medien wie Twitter und Facebook ein. Andere stachelten sich gegenseitig zu direkten Straftaten an, begrüßten rechtsextreme Terroranschläge und empfahlen sie zur Nachahmung. Von der Eröffnung im September 2011 bis zur Schließung im November 2017 unterstützte der Iron March mindestens zehn Neonazigruppen, die Terrorgewalt für eine Welt der „weißen Rasse“ bejahen und zum Teil aus dem Forum entstanden:

Der Iron March wurde im Dezember 2017 vom Netz genommen. Am 6. November 2019 veröffentlichte ein Unbekannter unter dem Namen antifa-data die gesamte Datenbasis des Forums. Sie enthält Benutzernamen, Logins, E-Mail-Adressen, IP-Adressen, alle öffentlichen Beiträge sowie die Privatnachrichten sämtlicher früherer Nutzer. Bisherige Recherchen von Bürgerrechtsgruppen im Datenbestand wurden überprüfbar, einige sind schon als korrekt bestätigt. Das Recherchenetz Bellingcat stellte die Daten zur Verfügung und erläuterte, wie sie für Recherchen nutzbar sind. Dies ermöglicht die Enttarnung zahlreicher seit 2011 aktiver Neonazis weltweit, darunter vieler AWD-Mitglieder. Ihre Bekanntmachung wird erwartet.[5]

Gründung der AWD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neonazi Brandon Clint Russell (Nutzername „Odin“) tauchte erstmals am 22. März 2014 als 19-Jähriger im Iron March auf: Er wolle sein Wissen erweitern und lese derzeit das Buch For My Legionaries des rumänischen Faschisten Corneliu Zelea Codreanu, dessen Anhänger rituell Blut tranken.[4] Er postete Fotografien, auf denen er mit einem Gewehr posierte und ein T-shirt mit dem Aufdruck Natural Born Killers und einem Reichsadler trug. Er pries Schulmassaker wie den Amoklauf an der Columbine High School, den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik, der 77 Menschen ermordet hatte, und Adolf Hitler. Zudem interessierte er sich für Kernwaffen, studierte einige Semester Kernphysik an der University of South Florida und postete Anleitungen zum improvisierten Bau von Kernreaktoren.[6]

Russells Mitbewohner Devon Arthurs (TheWeissewolfe) trat dem Iron March als 16-Jähriger am 18. März 2015 bei, ihr späterer Mitbewohner Andrew Oneschuk (Borovikov) als 17-Jähriger am 28. März 2016. Sein Nutzername bezog sich auf den russischen Neonazi Dmitry Borovikov, der Migranten und eine Antifaschistin ermordet hatte. Oneschuk nannte Interesse an rechtsextremer Politik, Nationalismus und Kontaktsuche zu einer Gruppe wie der National Action als Grund seines Beitritts. Er sei der wiedergeborene Breivik. Diese AWD-Gründer diskutierten aktuelle Ereignisse im Iron March stets unter dem Aspekt, ob sie den angestrebten Zusammenbruch der Staatsordnung beschleunigen könnten.[4]

Im Juni 2015 bat Russell im Iron March einen anderen Neonazi, ihm ein GIF mit dem Satz Atomwaffen intensifies zu erstellen. Dies war der erste Hinweis auf die neue Gruppe. Sie bestand anfangs nur aus Russell, Arthurs und ein paar weiteren Teenagern, die in Privatchats Werbematerial für AWD testeten. Im Juli 2015 erklärte Russell, seine Gruppe sei eine Militia und nenne sich „die Atomwaffen Division“. Im September 2015 teilte Arthurs einem Bewerber mit, AWD habe mit ihm etwa 16 Mitglieder, vorwiegend in Florida.[7]

Am 12. Oktober 2015 gab Russell im Iron March Gründung, Namen und Ziele der AWD offiziell bekannt. Sie habe mehr als 40 Mitglieder und sei mindestens drei Jahre lang entstanden. Sie sei eine fanatische Kameradschaft, die Aktivismus und militantes Training an Waffen und anderem verbinde, auch mit ungewöhnlichen Methoden Bewusstheit verbreite und von ihren Mitgliedern ernsthafte Hingabe an die Gruppe und an das Ziel eines kompromisslosen Endsiegs verlange. Geeignet seien nur jene, die bereit seien, auf Straßen, in Wälder und alle Orte in der Welt zu gehen und in der physischen Realität zusammenzuarbeiten. „Tastenkrieger“ am PC seien ungeeignet, obwohl die Gruppe unauffällig auch viel Hacken betreibe.[8]

Rechtsextremismusexperten erklären die Entstehung von AWD aus einer erheblichen Zunahme und Radikalisierung rechtsextremer Gruppen vor und seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump (Januar 2017). Diese Gruppen sehen Terrorgewalt als legitime und einzige Lösung für ihre Klagen an, knüpfen an eine ununterbrochene Tradition rechtsterroristischer Anschläge in den USA an, radikalisieren sich außerhalb fester Organisationsstrukturen und beziehen ihre Ideologie und Inspiration aus dem Internet.[9]

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verhältnis zur Alt-Right[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AWD gilt im Neonazismus der USA als besonders extrem, teilt aber mit anderen Neonazigruppen wesentliche gemeinsame Ideologiebestandteile:

AWD ging aus der Alt-Right-Bewegung hervor und vertritt wie diese die Ideologie der weißen Überlegenheit (white supremacy), jedoch mit der extremen Variante des Akzelerationismus: Danach seien die westlichen Regierungen unrettbar korrupt, so dass Wahlen und Massenpolitik sinnlos seien. Weiße Rassisten könnten den Kollaps des „Systems“ nur durch das Säen von Chaos und Spannung beschleunigen. Dazu sei Terrorgewalt mit Schusswaffen gegen nichtweiße Minderheiten und Juden am besten geeignet. Diese Idee tauchte explizit im Manifest des australischen Massenmörders Brenton Tarrant auf und wird in rechtsextremen Foren ständig diskutiert. Sie geht auf die nach 1990 entworfene Theorie der Neoreaktion von Nick Land zurück, die Donald Trumps Berater Stephen Bannon und die Alt-Right beeinflusste. Seit dem Unite-the-Right-Aufmarsch in Charlottesville 2017 fand der Akzelerationismus wachsende Zustimmung bei Neonazis, die die Alt-Right-Vertreter als wirkungslose Feiglinge verachten.[11]

James Masons Siege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AWD bezieht sich vor allem auf den rechtsextremen Autor James Mason und sein bis dahin fast vergessenes Werk Siege („Belagerung“) von 1992.[12] Das Buch war seit 2011 auf dem Iron March bekannt und wurde ab 2015 immer öfter als Antwort auf aktuelle Probleme empfohlen. Forenteilnehmer etablierten das Meme Read Siege und setzten damit einen Trend in der White-supremacy-Bewegung.[4] AWD-Führungsmitglieder spürten Mason 2017 auf und boten ihm an, seine Ideen über die neue Webseite Siege Culture im Internet zu verbreiten.

Siege ist eine Sammlung von Briefen zwischen James Mason und dem inhaftierten Massenmörder Charles Manson. Darin preist Mason Mansons „Helter Skelter“ genannte Terrormorde als Methode an, Regierungsbehörden zu überfordern und einen Aufstand der Weißen herbeizuführen. Die Sammlung enthält Holocaustleugnung und Hass gegen Juden und Homosexuelle, ruft zur Bildung dezentraler Terrorzellen und zum bewaffneten Kampf gegen das „System“ auf[13] und propagiert eine von einer „weißen Rasse“ dominierte, von Antifeminismus, Antisemitismus und Rassismus geprägte Universal Order. Mason verherrlicht Mansons Morde und fordert führerlose bewaffnete Terrorzellen als Mittel, um den Sturz der Regierung und die angestrebte Revolution der Weißen zu beschleunigen. Dies begründet er mit einer angeblichen Kontrolle von Juden über alle Bereiche der amerikanischen Kultur. Er wolle dieses System nicht verletzen, sondern töten.

Die Siege-Webseite übernahm große Teile aus älteren Debatten der verbotenen Webseite Iron March und wurde so zur AWD-Plattform. AWD sandte dem inhaftierten Charles Manson gewaltverherrlichende Briefe ins Gefängnis. Er soll das AWD-Logo entworfen haben. Nachdem Russell im Mai 2017 inhaftiert und Manson im November 2017 gestorben war, erhielt Masons Ideologie verstärkt Einfluss auf die AWD. Fetischisierte Terrorgewalt wurde zum Kern ihrer Lehre.[3]

Weitere Vorbilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Adolf Hitler und Charles Manson bezieht sich AWD auf eine Reihe von (meist rechtsgerichteten) Terroristen und feiert deren Taten als Beiträge zur angestrebten rassistischen „Säuberung“ der modernen Welt. Dazu gehören:

Mit Kaczynski hatten AWD-Mitglieder persönlichen Kontakt.[14] Die Siege-Webseite empfiehlt Masons Werk als Aufruf zu Schlachten, die dem Ruhm Timothy Mcveighs angemessen seien.[3]

AWD-Mitglieder feiern auch islamistische Massenmörder wie Osama bin Laden.[8] Nach Aussage eines Mitglieds lobte AWD die Terroranschläge am 11. September 2001 oft mit dem Slogan Osama was Right („Osama hatte Recht“). Als der Muslim Omar Mateen beim Anschlag von Orlando am 12. Juni 2016 49 Besucher eines Homosexuellenclubs ermordete und sich dann zum Islamischen Staat (ISIS) bekannte, soll Russell ihn als „Helden“ bezeichnet haben.[15] Zu einer Trauerfeier für die Mordopfer des Anschlags in Orlando erschien der 21-jährige Steven Billingsley mit einer Totenkopfmaske und einem Schild, das Hakenkreuze und die Parole God hates Fags („Gott hasst Schwuchteln“) trug. Auf Facebook bekannte er sich danach zur AWD. Er habe den „Degenerierten“ klarmachen wollen, dass „sie Schuld sind an dem, was sie kriegen“, egal ob durch einen Muslim oder AIDS. „Unsere Rasse“ sei reinzuhalten, fremde Religion sei ebenso abzuwehren wie Homosexualität.[16]

Im Frühjahr 2017 trat AWD-Mitgründer Devon Arthurs zum Islam über und bekannte sich im internen AWD-Chat zum „salafistischen Nationalsozialismus“. Russell ließ ihn gewähren.[15] Nach seinen Morden im Mai 2017 soll Arthurs einem Kameraden gestanden haben, er sei Dschihadist geworden, weil Neonazis „weich“ seien und AWD viele LGBT-Personen aufgenommen habe, wohingegen Gruppen wie ISIS „tatsächlich Homosexuelle umbringen“.

Auch nach Arthurs Tat bezog sich die AWD öfter positiv auf Islamisten. Im November 2018 empfahl ein mutmaßliches AWD-Mitglied einem Anhänger der verwandten Gruppe The Base das Buch Management of Savagery (erschienen 2004). Der Autor Abu Bakr Naji, Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida, beschrieb darin einen professionalisierten Guerillakampf mit modernen Propagandamethoden. Sein Werk beeinflusste auch die Bildung von ISIS. Im Mai 2019 übernahm die mit AWD verbundene europäische Feuerkrieg Division das Titelbild eines bekannten ISIS-Videos, das zum Bombenbau anleitet, mit der Zeile „Es ist leichter als ihr denkt“. Nach dieser Anleitung waren die Bomben für den Terroranschlag in Manchester am 22. Mai 2017 mit 23 Toten gebaut worden. Eine auf die Bauanleitung reduzierte Videoversion erschien auch auf einem Neonazikanal beim Messengerdienst Telegram. Im Juni 2019 erklärte ein AWD-Autor online unter dem Titel „Das islamische Beispiel“, die Pflege von Märtyrerschaft und Widerstand bei den Taliban und ISIS sei zu bewundern und von Neonazis nachzuahmen: „Ich will Radikale, jene jungen Männer, die ihr Leben für unsere Ideen zu geben bereit sind, egal was es kostet“. Das Internet bringe diese Opferbereitschaft näher. Im Herbst 2019 stellte der AWD-Propagandist Dark Foreigner stilisierte Porträts von Osama Bin Laden her und zitierte dessen Ausspruch: When people see a strong horse and a weak horse, by nature, they will like the strong horse.

Rechtsextremismusexperten erklären diese Annäherung von Neonazis an Islamisten aus ihrer gemeinsamen Bejahung extremer Gewalt für ihre ideologischen Ziele, ihrer ähnlichen Propagandamethodik und visuellen Terrorästhetik sowie aus ihrem gemeinsamen Antisemitismus.[17]

Konflikt um Satanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2017 bot die Webseite Siege Culture Werke aus rechtsextremer Esoterik an, etwa von Guido von List und Savitri Devi, sowie aus Satanismus und Okkultismus, etwa The Devil’s Notebook von Anton Szandor LaVey und das dreibändige Werk Hostia: Secret Teachings of the Order of Nine Angles (ONA). Hinzu kam das von einem Mitglied des Tempel ov Blood (einer mit ONA eng verbundenen Gruppe) anonym verfasste Werk Iron Gates, das eine brutale, von sadistischen Kindermördern beherrschte fiktive Welt nach einem Atomkrieg darstellt. Wie stark Satanisten AWD beeinflussen, ist unklar. Beobachter nehmen an, dass AWD bewusst kulturelle Tabus angreift, um neue Anhänger in die Neonaziszene einzubinden und mit dem Reiz des Verbotenen besonders Jugendliche anzusprechen, die wirksame Erfolge der Bewegung fordern.[3]

Die ONA-Texte bejahen Menschenopfer, verherrlichen Nazideutschland und vertreten Holocaustleugnung. Ein Einführungstext fordert ONA-Mitglieder (genannt Noctulians) auf, rechtsextreme politische Bewegungen zu infiltrieren, um deren Anhänger zum eigenen Kult zu bekehren. Ziel sei, Fanatismus in Aktion zu zeigen und „häretische“ Sichtweisen zu vertreten, damit alle rechtsgerichteten Leute ONA-Mitglieder als gefährliche Extremisten ansähen. Diesen Text empfahl AWD seinen Mitgliedern in der Abteilung „Spiritualität“ seiner Bibliothek. Die Fiktion Iron Gates nannte AWD dort als Pflichtlektüre für AWD-Bewerber.

Dies stieß einige AWD-Mitglieder ab, die nur den Neonazismus der Gruppe attraktiv fanden. Im Januar 2018 publizierte ein Neonazi, der sich als ehemaliges AWD-Mitglied darstellte, einen dramatischen Aufsatz im Internet, der die wachsenden satanistischen Bezüge von AWD dokumentieren sollte. Satanismus (nicht mörderische Terrorgewalt) sei eine neue „Plage“ im Neonazismus. Man werde die eigenen Reihen endgültig von diesem „Abschaum“ reinigen, damit satanistischer Einfluss nie wieder im Neonazismus Fuß fassen könne. Andere angebliche oder wirkliche AWD-Mitglieder erklärten daraufhin, man habe die ONA-Texte und Iron Gates nur als Meme angeboten. Sie bestätigten jedoch, dass der Kritiker AWD-Mitglied gewesen war und an internen Chats teilgenommen hatte. Zudem stellte sich heraus, dass der neue AWD-Anführer John Cameron Denton unter seinem Pseudonym Vincent Snyder 2014 ONA-Logos gepostet, die Gruppe 2015 auf dem Iron March gelobt und im November 2016 ONA-Symbole mit AWD-Propaganda kombiniert hatte.

Daraufhin traten viele AWD-Mitglieder aus oder kündigten ihren Austritt an, wie Screenshots von Gruppenchats zeigen. Auch auf dem Gab-Netzwerk distanzierten sich Personen, die sich bislang als AWD-Anhänger dargestellt hatten, von der Gruppe. Dort veröffentlichte ein früherer AWD-Anhänger Chatlogs und Aufnahmen von Telefonaten, die die satanistischen Bezüge von AWD aufdecken sollten. Kern des Konflikts war Uneinigkeit darüber, ob und wie weit Ideen und Ziele des Satanismus mit dem Nationalsozialismus vereinbar seien. Andere Neonazis griffen die innerhalb von AWD laufende Debatte auf und verstärkten den Konflikt mit eigenen Vorwürfen an AWD. AWD-Mitglieder verteidigten sich: Moralismus werde der Bewegung nicht helfen, im kommenden Rassenkrieg zu überleben.[18]

Als auch immer mehr Nutzer des Daily Stormer das Buch Siege von James Mason erwähnten, grenzte der Gründer der Webseite Andrew Anglin sich gegen AWD ab und schrieb an seine Follower: Fuck siege, fuck their cult, fuck satanism – this is so gay it makes me sick. Kein autonomer Neonazi müsse einem satanischen Todeskult verfallen. Auch Matthew Heimbach, der Gründer der inzwischen aufgelösten Traditionalist Worker Party, distanzierte sich im Dezember 2017 von der Leitlinie Read Siege, von Mason und Manson, um seine Gruppe nicht in der AWD aufgehen zu lassen.[4]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AWD besteht vor allem aus Kadern weißer junger Männer, darunter einigen aktiven Angehörigen der United States Army und Satanisten.[8] Sie organisierten sich anfangs im Iron-March-Forum und trafen sich später auch real, um sich zu radikalisieren.[3]

Nach Angaben Russells von 2015 bestehen Teilgruppen unter anderem in den Bundesstaaten Alabama, Florida, Kentucky, Missouri, Ohio, Oregon, Texas, Virginia sowie in den Städten Boston, Chicago und New York City.[19] Weitere Teilgruppen bestehen laut Beobachtern in der Gegend von Seattle in Washington sowie in Richmond, Virgina. Nach von ProPublica entschlüsselten Chatlogs von AWD-Mitgliedern gab es im Februar 2018 in mindestens 23 Bundesstaaten der USA aktive AWD-Zellen.[20]

Die genaue Mitgliederzahl ist wegen der dezentralen Organisationsform nicht feststellbar. Die Anti-Defamation League (ADL) schätzte, dass 2018 24 bis 36 Personen an AWD-Waffenübungen und Hasskursen teilgenommen haben. ProPublica schätzte AWD insgesamt auf rund 80 Mitglieder.[21] Nach Angaben eines Aussteigers wuchs AWD seit dem Unite-the-Right-Aufmarsch in Charlottesville 2017 auf rund 80 Mitglieder in 23 US-Bundesstaaten. Die größten Teilgruppen gebe es in Virginia, Texas und Washington. Jede Abteilung arbeite unabhängig. Nach von ProPublica untersuchten Chatprotokollen benutzen AWD-Anhänger mindestens 100 verschiedene Benutzernamen. Der Zugang zu den Chats wird streng kontrolliert; ob manche Teilnehmer mehrere Namen benutzen, ist unklar.[2] Zum Reservoire möglicher AWD-Anhänger zählen die mehr als 1600 registrierten Benutzer des Iron-March-Forums.[3]

Nach Russells Verhaftung im Mai 2017 übernahm ein Vincent Snyder die Administration der AWD-Webseiten.[3] Im Januar 2018 identifizierte ADL ihn als den damals 24-jährigen John Cameron Denton aus Montgomery in Texas. Er lebt zur Zeit bei der Kleinstadt Conroe. Im Internet nennt er sich Rape („Vergewaltigung“). Er formt die AWD-Ideologie, gestaltet Plakate für die Gruppe und wählt Bücher aus, die neue Rekruten in ihrem Aufnahmeprozess lesen müssen. Auch sein jüngerer Bruder Grayson Patrick Denton (Nazgul) gehört zur AWD-Zelle in Texas. Sein Pseudonym „Leon“ spielt auf den belgischen Faschisten und SS-Standartenführer Léon Degrelle an.[2]

Ein weiterer Anführer der AWD-Zelle in Texas ist Sean Michael Fernandez („Wehrwolf“). Er begrüßte den Mord seines Kameraden Samuel Woodward am 30. Januar 2018 als Inspiration für Nachahmer. Die wachsende Furcht vor AWD-Anschlägen sei genau das, was er gewollt habe.[20]

In den am 6. November 2019 geleakten Iron-March-Dateien identifizierten Journalisten von Vice mindestens drei aktive US-Soldaten und dutzende, die militärische Erfahrung behaupteten. Ein Angehöriger der United States Navy (Niezgoda) wollte auf dem Forum eine faschistische paramilitärische Gruppe gründen und suchte dafür Kameraden, die bereit wären, für Blut und Boden zu sterben. Er sei straffrei und setze sein Vermögen für die Ausrüstung seiner Gruppe ein. Er gehe nicht auf Kundgebungen, werde beim erwarteten RaHoWa aber „eines N…rs schlimmster Albtraum“ sein. Ein Marinekorpssoldat aus Alabama (ImperialGrunt) fragte AWD-Gründer Brandon Russell im Januar 2017 nach AWD-Zellen in seiner Region. Russell bestand darauf, er müsse zuerst das Buch Siege lesen, und schlug ein direktes Treffen vor. Der Bewerber sagte zu und teilte Russell später mit, er habe einen Gleichgesinnten in seiner Einheit für die angestrebte paramilitärische Gruppe gefunden. Er beschrieb die Radikalisierung seiner Mitsoldaten, gab Tipps für militärisches Training und empfahl seine Kampfkunst und Waffenkenntnis.[22]

Mit den geleakten Iron-March-Dateien enttarnten Bürgerrechtler die 23-jährige Lauren Ashley Paul aus Zanesville (Ohio). Sie führte die Benutzernamen rekse_, später schönundweiß, sowie die E-Mail-Adresse francaise1996@gmail.com. Auf ihrer Facebookseite lauren.paulson.98 stellte sie sich als Physikstudentin am Massachusetts Institute of Technology vor. Auf YouTube teilte sie National Socialist Black Metal und die Band Burzum von Varg Vikernes, der 2013 wegen Terrorverdacht festgenommen worden war. Sie hatte online Kontakt zu Devin Arthurs und erklärt, sie habe AWD-Aufkleber entworfen und AWD-Plakate an Universitäten aufgehängt. Ab Mai 2017, nach Arthurs Morden, suchte sie „muslim-freie“ rechtsextreme Gruppen und entwarf für die bis August 2016 bestehende Silver Legion, danach wahrscheinlich für die Gruppe Aryan Underground Propagandamaterial. Erstere Gruppe gründeten einige AWD-Anhänger, darunter Evan Gillwood (Nutzername Zeroangle) aus Carlisle (Pennsylvania), Jared Casalinuovo (Stealth_24 bzw. arundel) aus Reading, Massachusetts, und Arthurs Mitbewohner Andrew Oneschuk (Borovikov). Zu ihrem Umfeld gehörte Dillon Hopper (Lauburu88), der Anführer von Vanguard America. Lauren Paul schrieb ihren letzten Beitrag im Iron March am 7. Mai 2017 an Brandon Russell.[23]

Der Investigativjournalist Nate Thayer enttarnte bis Dezember 2019 mehr als ein Dutzend AWD-Mitglieder. Darunter ist Ryan Hatfield aus Thornton (Colorado), der als 16-Jähriger AWD beitrat und rasch zum Anführer der AWD-Zelle in Colorado aufstieg. Er fungierte als James Masons Privatsekretär und trug unter seinen Nutzernamen RyanAW, Ryan Nolan Smith, Ryan Atomwaffen, Ryan Nolan Mason, Arthur Nolan Mason erheblich zur Verbreitung von Texten und Dokumenten Masons in sozialen Medien bei. Seine Eltern kannten und billigten seine AWD-Aktivitäten und schenkten ihm ein Maschinengewehr. Der 33-jährige William H. Stoetzer (PanzerViking, Saor) aus Cripple Creek (Colorado) ist seit 2016 Mitglied der AWD-Zelle Colorado. Er wurde 2007 als Aktivist der radikalen Umweltgruppen Earth First! und Earth Liberation Front (ELF) bekannt. Die 16-jährige freiwillige Soldatin Bella Oakley (EdelweißSS) aus Denver bewarb sich bei der AWD, wurde als Frau abgelehnt und traf sich danach privat mit Hatfield. Joshua Caleb Sutter (Swiss Discipline), Gründer der satanistischen Sekte Tempel ov Blood, leitet die AWD-Zelle in South Carolina. Oswald N. Woods (Ozzy oder OzzyAW) führt die AWD-Zelle in West Virginia.[24]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Propaganda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der AWD-Gründung im Oktober 2015 bis zu Russels Festnahme im Mai 2017 warb AWD vor allem mit Flugblättern, Plakaten und Aufklebern an Hochschulen der USA um Anhänger. Anfang November 2015 verteilten Russell und Devon Arthurs in der University of Central Florida Flugblätter und Aufkleber der AWD mit antisemitischen Parolen und dem Aufruf Join your local Nazis!. Damit trat die Gruppe erstmals öffentlich hervor.[19]

2016 hängte AWD unter anderen an der Old Dominion University, der Boston University, der University of Colorado, der University of Chicago und der Suffolk University gleichartige Propagandaplakate auf. Sie trugen ein Porträt Hitlers, das Hakenkreuz und die Parolen Join Your Local Nazis! oder The Nazis Are Coming!. Parallel dazu bekannte sich AWD auf Twitter mit Aussagen wie University of Chicago got stickercausted tonight by Chicago's local Nazis: Atomwaffen. No Degeneracy, No Tolerance, Hail Victory dazu. Lokale Polizeibehörden nahmen jeweils Ermittlungen auf.[25] Die AWD-Plakate erschienen im Kontext einer starken Zunahme rassistischer Propagandadelikte an den Hochschulen der USA von 2016 bis 2017.[26]

Ebenfalls 2016 provozierte ein AWD-Mitglied vor dem Gebäude der ADL in Houston mit einem Schild, auf dem „Mary’s Life Mattered“ stand. Damit spielte er auf Mary Phagan an, die der Jude Leo Frank angeblich 1913 ermordet hatte. Dieser Fall antisemitischer Hetze hatte damals die Gründung der ADL veranlasst.[2]

Auf dem Iron March begrüßten einige AWD-Mitglieder 2016 Donald Trumps Kandidatur zum US-Präsidentenamt, meist aber nur, weil sie ihn als hilfreich dafür ansahen, die Weltpolitik rascher ins Chaos zu stürzen. Während der frühere Ku-Klux-Klan-Führer David Duke Trump als „große weiße Hoffnung“ verehrte, betrachtete Russell Trump im November 2016 als „Schwuchtel“ mit einer „projüdischen“ Weltsicht, der seinen Anhängern bloß Phrasen zurufe und ihre Liebe zum „System“ anheize.[4]

Im Oktober 2017 eröffnete AWD auf Cloudflare die neue Webseite Siege-Culture (S-C). Fünf von ihren acht abgebildeten Betreibern sind AWD-Mitglieder. Auf der Unterseite Worldview beschreibt John Cameron Denton ein Treffen mit James Mason im Jahr 2017: AWD habe ihm geholfen, sein Werk Siege online zu publizieren, und sich dann für eine dem Werk gemäße Aktionsrichtung entschieden. Die rechte Bewegung habe zu lange Leute in ein folgenloses Denken gelockt. Wer diese Webseite besuche, könne dagegen Geschichte machen. Das sei die Absicht der Autoren. Im Dezember 2017 lud AWD einen Großteil der Inhalte auf dem BitChute-Videodienst hoch. Die AWD-Videos zeigen vor allem Übungen mit Schusswaffen und drängen ihre Zuschauer, hinter ihren Computern hervorzukommen und aktiv zu werden.[3] Auf einigen dieser Videos verbrennen maskierte AWD-Mitglieder die Flagge und die Verfassung der Vereinigten Staaten.[20]

AWD konnte seine Propagandavideos, Mord- und Terroraufrufe jahrelang ungehindert über verschiedene Social Media im Internet verbreiten. Seine Mitglieder und andere weiße Rassisten benutzten unter anderem den Messengerdienst Discord zum Austausch vertraulicher Informationen und organisatorischer Pläne, etwa um Handbücher zum Bombenbau zu verbreiten und die gewaltsame Konfrontation in Charlottesville (August 2017) vorzubereiten. AWD-Mitglieder feierten auf Discord im Januar 2018 den fünften Mord aus den eigenen Reihen. Am 23. Februar 2018 berichtete ProPublica über die von AWD genutzten Chatdienste, Webanbieter und Spielplattformen und druckte einige Auszüge aus den mehr als 250.000 Discord-Botschaften von AWD-Mitgliedern. Kurz darauf schloss Discord einige Server aus dem Umfeld der Alt-Right, darunter auch die Seite von AWD und deren privates Chatforum. Infolge des ProPublica-Berichts kritisierte der Twitter-Benutzer Deplatform Hate den Webanbieter Inktale, weil AWD darüber T-Shirts mit Aufdrucken von Nazi-Thematik verkaufte, um seine Aktivitäten zu finanzieren. Darunter waren Porträts von Charles Manson und James Mason sowie Parolen wie „Give hate a chance.“ Inktale reagierte rasch, entfernte AWD-T-Shirts und sperrte zugehörige Anbieter.

Cloudflare hatte die Neonaziseite Daily Stormer nach dem Mord an Heather Heyer im August 2017 gesperrt, bot jedoch den Webseiten AtomwaffenDivision.org und SiegeCulture.com weiter Schutz vor Hackern. Auf Kritik erklärte ein Sprecher, man werde Geschäftsbeziehungen zu den Hosting-Anbietern von AWD-Webseiten beibehalten. Es sei deren Sache, AWD-Webseiten zu sperren. Cloudflare werde deren Eigner über Klagen informieren, die über das anonyme Meldeformular eingereicht würden.[27]

Auf YouTube besaß AWD seit Juni 2017 zwei eigene Kanäle, über die bis Januar 2018 13 Videos hochgeladen wurden. Das erste trug den Titel Fire up the Panzers and launch the nukes! The Atomwaffen Division is here! Ein Video mit dem Titel Zealous Operation zeigte maskierte Männer, die gas the kikes, race war now schrien und dann ihre angelegten Schusswaffen abfeuerten. YouTube versah das Video nur mit einem Warnhinweis, den Zuschauer mit einem Klick bestätigen und dann weiterschauen konnten. Auf Steam gab es eine 17-köpfige Gruppe, die auf AWD-Webseiten und die YouTube-Konten verlinkte. Ihre Benutzer trugen Namen wie Pure Aryan 100 %, zeigten Fotos des Massenmörders Dylann Roof als Avatar, Hakenkreuze, nazistische Kommentare, forderten, das Buch Siege zu lesen und einen „Rassenkrieg“ vorzubereiten. Trotz vieler Proteste und entgegen den eigenen Richtlinien ließ der Betreiber Valve solche Aufrufe jahrelang auf Steam stehen. Nach dem fünften AWD-Mord im Januar 2018 gerieten beide Videoplattformen stärker unter Druck, AWD-Kanäle zu schließen und AWD-Videos zu löschen. Steam sperrte seine AWD-Gruppe sofort nach dem ersten Medienbericht darüber. YouTube reagierte wochenlang nicht auf Anfragen.[28]

Am 28. Februar forderte die ADL YouTube mit Hinweis auf dessen Richtlinien auf, AWD-Videos und andere antisemitische Neonazi-Videos unverzüglich zu löschen. Am selben Tag sperrte YouTube einen der beiden AWD-Kanäle und entfernte alle dort hochgeladenen Videos. Berichte darüber kritisierten die vorherige Weigerung und bewerteten den Kurswechsel als verspätet.[29] Der zweite YouTube-Kanal von AWD namens SIEGEtv blieb online und verbreitete weiter Nazi-Ideologie.[27] Direkt nach der Löschung des Hauptkanals luden AWD-Anhänger erneut mehrere exakte Kopien der gelöschten Propagandavideos hoch. Nach Recherchen von Vice standen Videos der AWD, des Iron March, der National Action, des Nordic Resistance Movement und ähnliche trotz Meldebeschwerden noch Wochen, Monate, manchmal Jahre lang auf YouTube und waren über einfache Namensuche auffindbar.[30]

Nach einem Jahr Pause veröffentlichte AWD im Mai 2019 ein neues Rekrutierungsvideo mit dem Titel Accelerating Vengeance („Beschleunigen der Rache“). Ein Sprecher kommentierte eine Aufnahme von einem Kernwaffentest aus dem Jahr 1952 mit den Worten: „Es sind nun 30 Sekunden bis zum Nullzeitpunkt. Setzen Sie Schutzbrillen auf oder schauen Sie weg. Nehmen Sie die Brille nicht ab, oder Ihr Gesicht platzt zehn Sekunden nach dem ersten Licht.“ Zu harter Technomusik zeigten maskierte Männer in Tarnkleidung Drillübungen mit Gewehren, Nahkampf, Zielschießen in Wäldern und auf verschneitem Land. In der folgenden Szene schichten AWD-Mitglieder die Flaggen von Israel, der UNO, von Black Lives Matter und der Gegenbewegung Blue Lives Matter, die Gadsden flag und die Regenbogenfahne aufeinander. Dann setzt ein Mitglied die Flaggen mit einer Fackel und einer Flasche mit brennbarer Flüssigkeit in Brand. Es folgt die Parole „Join your local Nazis!“, eine Webseite wird angekündigt und eine E-Mail-Adresse eingeblendet.[31] Ein Bild des Videos entstammt einer Facebookseite des satanistischen Temple ov Blood. AWD-Mitglieder zeigten die von dieser Sekte publizierten Bücher Iron Gates und Bluebird. Das Video blieb über Stunden online, wurde mehrmals kopiert und in den Folgetagen erneut hochgeladen. Jede der Kopien erhielt hunderte Zuschauer. YouTube entfernte nur einige Kopien. Das Counter Extremism Project (CEP) reichte am 17. Mai eine Beschwerde ein, auf die YouTube tagelang nicht reagierte. Am 20. Mai hatte das AWD-Video dort mehr als 2300 Abrufe und war nun auch auf Vimeo, BitChute, dem Internet Archive, Reddit und Neonazikanälen auf Discord zu sehen; Links dorthin standen auf 4chan und Gab. Am 12. Mai rief ein AWD-Anhänger auf Gab zum Beitritt zu AWD auf und schrieb: „The Saints Are Coming!“ Gemeint waren rechtsterroristische Massenmörder wie Dylann Roof, Robert Bowers, Brenton Tarrant und John Earnest, die AWD als Heilige mit christlicher Ikonografie darstellt.[32]

Nach dem Attentat in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh 2018 (27. Oktober) sperrte der Webhost GoDaddy das von AWD und vielen Neonazis genutzte Gab-Netzwerk. Der Domain-Registrar Epik bot sich als Ersatz an und gewann unter anderem Gab und Bitchute als Kunden. Dort verbreitet AWD weiter seine Propaganda.[33] Auf dem 2015 gegründeten Netzwerk Minds haben AWD-Mitglieder wie viele andere Neonazis mehrere Konten. Darüber tauschen sie unter anderem verschlüsselte E-Mail-Adressen und Links zu anderen AWD-Konten auf anderen Plattformen aus, um ihre interne Kommunikation auch nach Sperrungen aufrechtzuerhalten. Das AWD-Hauptkonto auf Mind ist zwar seit Mitte 2017 inaktiv, erhielt aber bis Mai 2019 mehr als 20.000 Abrufe.[34]

AWD-Mitglieder benutzen und empfehlen für verschlüsselte interne Kommunikation das Programm ProtonMail der Schweizer Firma Proton Technologies. Ein Sprecher betonte, die Firma blockiere Accounts oder sperre Nutzer, sobald sie erfahre, dass diese ProtonMail für kriminelle Zwecke nutzten. Dazu arbeite man mit den Schweizer Strafverfolgungsbehörden zusammen.[35]

Anschlagspläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AWD propagiert den Guerilla-Kampf und Terroranschläge mit dem Ziel, die US-Regierung zu stürzen und einen „Rassenkrieg“ zu entfachen. AWD bedroht vorrangig Schwarze, Migranten, Homosexuelle, Juden und Muslime und plant unter anderem Angriffe auf die Wasser- und Stromversorgung der USA und auf Kernkraftwerke, um eine Kernschmelze hervorzurufen.[20]

Am 17. Mai 2017 postete Russell auf dem Iron March das 342-seitige Handbuch Tactics of the Crescent Moon: Militant Muslim Combat Methods als PDF. Es beschreibt paramilitärische Taktik von Islamisten in Tschetschenien, Mudschahedin in Afghanistan und der Hisbollah im Libanon, unter anderem den Umgang mit Landminen. Am 19. Mai, dem Tag seiner Festnahme, verschwand Russells Iron-March-Konto. Er versuchte aber noch aus seiner Untersuchungshaft heraus Anleitungen zum Bombenbau an AWD-Mitglieder zu senden.[4]

Sein Nachfolger Denton fordert AWD-Mitglieder seit 2018 dazu auf, Geld in einen gemeinsamen Fonds einzuzahlen und Grundbesitz in ländlichen Gegenden zu erwerben, um sich vom „System“ zu lösen und die AWD-Ziele umsetzen zu können. Er will von diesen Grundstücken aus Bundesbehörden der USA und städtische Infrastruktur wie U-Bahn-Stationen und Wasserwerke angreifen.[2]

Trainingslager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AWD-Mitglieder sind bewaffnet und bereit, ihre Waffen einzusetzen. Mit zum Teil von US-Soldaten angeleiteten Schießübungen bereiten sie sich in sogenannten Hate Camps auf den „Rassenkrieg“ vor, den sie als kurz bevorstehend ansehen. Neulinge werden laut einem Aussteiger unter anderem Waterboarding unterzogen.[13]

Michael Lloyd Hubsky („Komissar“), Anführer der AWD-Zelle in Nevada, organisiert dort AWD-Trainingslager. Er erwog Sprengungen von Kraftwerken und Gas-Pipelines in den USA. Er besitzt eine Landkarte der Westküste mit solchen Zielen und darf Schusswaffen verdeckt tragen. Er beschrieb, wie man zuhause Thermit-Granaten herstellen und Gewehre zu vollautomatischen Waffen aufrüsten könne. Er strebt eine Bundeslizenz zum Herstellen von Gewehren an, um eine Waffenvorratskammer für AWD zu schaffen. Er organisierte ein Schusstraining im Death Valley in Nevada und machte den Besuch eines privaten Kampftrainings in Front Sight bei Las Vegas zur Pflicht für neue AWD-Rekruten, um diese im Gebrauch von Maschinengewehren, im Messerkampf, Ringkampf, Klettern und Abseilen auszubilden. Im Herbst 2017 hielt AWD ein Hasscamp im Shawnee National Forest (Illinois) ab. Die zehn Teilnehmer kamen aus Texas, Kansas, Oklahoma und New Jersey. Im Bundesstaat Washington trafen sich AWD-Mitglieder in einer verlassenen Zementfabrik („Devil’s Tower“) bei der Kleinstadt Concrete (Washington) und riefen die Parole „Gas the kikes, race war now!“, während sie ihre Salven abfeuerten. AWD-Propagandavideos dokumentieren dies.

Kaleb James Cole („Khimaere“) organisiert diese Übungen und stellt die Videos dazu her. Er lebt in Blaine (Washington), führt die AWD-Zelle seines Bundesstaats an und besitzt eine AK-47 mit einem großen Munitionsmagazin. Zuvor hatte er in Bellingham (Washington) gewohnt und in Anacortes einen jüdischen Ladenbesitzer mit Naziflaggen vor dessen Laden verfolgt. Er verfügt über erheblichen Einfluss auf die Propaganda, Rekrutierung und Organisation von AWD.[2] Cole und ein weiteres AWD-Mitglied aus den USA bereisten im Dezember 2018 Polen und posierten für Propagandafotos mit den Totenkopfmasken der AWD vor dem KZ Auschwitz. Bei der Rückreise in die USA fanden US-Grenzschützer die Fotos. Darauf nahmen US-Behörden Cole neun Schusswaffen in seinem Besitz ab, darunter ein Kalaschnikow-Sturmgewehr.[36]

Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2017 bezogen Arthurs und Russell eine gemeinsame Wohnung in Tampa (Florida). Arthurs hatte die Schule abgebrochen und war arbeitslos. Etwas später zogen der 18-jährige Andrew Oneschuk und der 22-jährige Jeremy Himmelman zu ihnen. Beide waren AWD-Mitglieder aus Massachusetts. Am 19. Mai 2017 ermordete Arthurs Oneschuk und Himmelman.[6] Laut dem Bericht des FBI nahm er dann zunächst Geiseln, bekannte ihnen die Morde, ließ sie aber laufen und sich festnehmen. Er führte die Ermittler zur Wohnung mit den Mordopfern, wo sie Russell antrafen. Der AWD-Gründer trug Tarnkleidung der Florida Army National Guard und hatte gerade seine ermordeten Kameraden gefunden. In seinem Raum fanden sich ein gerahmtes Bild des Massenmörders Timothy McVeigh, rassistische und nazistische Propagandaschriften.[37] An der Wand neben den Toten hing eine große Flagge der SS; auf einem Regal lagen ein schwarzer Stahlhelm, viele Kopien von Hitlers „Mein Kampf“ und die Turner Diaries. Russells Garage war voller Material zum Bombenbau, darunter Säcke voll Kaliumchlorat, Kaliumnitrat und Eisenoxid sowie Ammoniumnitrat und Nitromethan. Deren Mixtur hatte Timothy McVeigh 1995 für seinen Anschlag verwendet. Hinzu kam ein Kühlschrank voll mit Hexamethylentriperoxiddiamin (HMTD). Dieser hochexplosive Stoff ist bei Terroristen weltweit beliebt, weil er sich mit online kursierenden Rezepten leicht selbst herstellen lässt. Man fand ferner Teile einer Rohrbombe, aus Gewehrkisten selbstgebaute Zeitzünder, leere Munitionsbehälter mit Zündschnüren als Detonatoren, radioaktives Material und zwei Zählrohre.

In einem Verhör der örtlichen Polizei nannte Arthurs widersprüchliche Tatmotive: Er habe von den Mitbewohnern geplante Anschläge verhindern wollen; er sei zuvor zum Islam konvertiert und ISIS-Anhänger geworden; seine beiden Mitbewohner hätten seinen neuen Glauben verhöhnt. Alle vier WG-Bewohner seien AWD-Mitglieder gewesen. Ihre Wohnung habe als AWD-Zentrum gedient. AWD habe sich an der Terrorgruppe The Order der 1980er-Jahre orientiert. Russell und die Getöteten seien Experten im Bombenbau gewesen und hätten einen Bombenanschlag auf ein nahes Kraftwerk mit dem HMTD geplant. Zudem habe Russell Anschläge auf zahllose Menschen, Regierungsgebäude, Kernkraftwerke, Synagogen, Stromleitungen und ähnliches angekündigt und geplant. Er habe Schusswaffen besorgt und seinen Mitbewohnern den Umgang damit gezeigt. Würde er die Chance erhalten, dann würde er die konfiszierten Explosivstoffe erneut erwerben. Er sei der Nationalgarde Floridas beigetreten, um eine für AWD nützliche Kampfausbildung und Ausrüstung zu erhalten. Die Gruppe sei attraktiv für US-Soldaten und strebe an, sie anzuwerben. AWD habe 60 bis 70 feste Mitglieder, die aus entschlüsselten AWD-Chats zu ermitteln seien. Arthurs bot wiederholt seine Hilfe dabei an: Er würde seinen Computer öffnen, und es sei leicht, in die Computer anderer AWD-Mitglieder einzudringen. Das könne definitiv große Terrorpläne aufdecken und Leben retten. Der verhörende Beamte versprach, Arthurs Angaben dem FBI zu melden.[6]

Russell gab im Verhör zu, er sei Nationalsozialist und Mitglied der AWD, habe das HMTD hergestellt und besitze die übrigen Stoffe. Er behauptete jedoch, er habe damit nur für einen Ingenieurskurs des Militärs üben, Feuerwerkskörper herstellen und Ballons damit aufsteigen lassen wollen. Ein Experte bestritt, dass HTMD dazu geeignet sei.[37]

Trotz der Funde und Arthurs Aussagen ließ das FBI Russell nach dem ersten Verhör frei und brachte ihn zurück zu seiner Wohnung. Daraufhin besorgte er sich sofort Schusswaffen, Munition und schusssicheren Körperschutz, lud sie in seinen Pkw und verließ die Stadt in Richtung Süden. Er wurde unterwegs festgenommen. Die Polizisten, die ihn anhielten, glaubten, er habe ein Massaker vorgehabt.[6] In seinem Pkw fanden sich zwei Gewehre, Munition, ein Fernglas und eine Totenkopfmaske. Sein Begleiter, der 20-jährige Neonazi William James Tschantre, hatte am Vortag seinen Job aufgegeben und sein Erspartes vollständig abgehoben, um mit Russell fortzuziehen. Er sagte aus, sie hätten Gewehre und Munition gekauft und ohne bestimmtes Ziel in den Süden fahren wollen, ohne die Absicht, jemand zu verletzen. Russell gab an, er habe die Waffen legal für die Jagd erworben. Die Ankläger beantragten wegen illegalen Besitzes von Explosivstoffen und Fluchtgefahr einen Haftbefehl gegen ihn.[38]

Laut Anklageschrift war Tschantre ebenfalls AWD-Mitglied. Nach seiner Aussage hatte AWD in Florida damals rund 30 Mitglieder. Er habe sich mit Russell in einem Internetforum über Faschismus, Nazismus und „aktuelle Trends“ von Hass auf die Regierung ausgetauscht und mit ihm Waffenläden besucht. Er kenne Russells Mitbewohner und habe vor den Morden geplant, zu ihnen zu ziehen. Russell habe beitrittswillige AWD-Anhänger überprüft, um „komplette Idioten“ auszuschließen. Russell verweigerte jede Aussage zu AWD. Wegen Arthurs Aussagen sahen die Ermittler nun jedoch genug Indizien für schwere Anschlagspläne und beantragten, ihn als extremen Gefährder zu inhaftieren.[39] Russell wurde wegen des Besitzes nicht registrierter Explosivstoffe angeklagt. Bis dahin war AWD den Behörden nur durch Flugblätter aufgefallen; die Morde und Funde danach machten die Gruppe erstmals weithin bekannt. Neonaziwebseiten bezeichneten die getöteten AWD-Mitglieder als „gefallene arische Brüder“, den Täter als muslimischen Verräter.[37]

Russell war im Februar 2016 in die Nationalgarde Floridas eingetreten. Deren Führung ließ nach seiner Festnahme untersuchen, wie man seine Neonazigesinnung übersehen konnte. Laut dem Bericht dazu trug er ein AWD-Tattoo auf der Schulter, doch das US-Militär besaß keine Datei zum Zuordnen solcher Tattoos. Vorgesetzte hatten ihn wegen Hassaussagen gegen Homosexuelle zweimal verwarnt. Er hatte Schutzwesten verlangt und nachhause mitgenommen. Doch er habe keine Soldaten für AWD anzuwerben versucht und seine rechtsradikale Haltung nicht gezeigt: Daher sei es nicht fahrlässig gewesen, ihn aufzunehmen und auszubilden. Arthurs Aussagen und Warnungen an andere Militärstellen vor AWD enthielt der Bericht nicht.

Obwohl laut ProPublica im Folgejahr mindestens sieben ehemalige US-Soldaten als AWD-Mitglieder identifiziert wurden, eröffnete die US-Armee bis Ende 2018 keine Untersuchung dazu. Das FBI befragte bis Ende 2018 weder Arthurs Vater, dem er die Tat zuerst gestanden hatte, noch ein Steinbruchunternehmen, von dessen Gelände Russell einen Lageplan angefertigt hatte. Der Massenmörder Timothy McVeigh hatte für seinen Anschlag Sprengkapseln aus einem solchen Steinbruch gestohlen. Ein Sprengstoffexperte des FBI bezeugte, dass Russells Materialien für einen vergleichbaren Anschlag geeignet waren. Das FBI ließ die AWD-Mitglieder jedoch unbehelligt und löste die Gruppe nicht auf, so dass sie weiter Rekruten anwerben und in ihren Hatecamps an Waffen ausbilden konnte.[6]

Russell wurde im Januar 2018 zu fünf Jahren Haft verurteilt.[40] Arthurs wurde im Februar 2018 für schuldunfähig erklärt und in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.[41]

Der 17-jährige Nicholas Giampa aus Lorton (Virginia) radikalisierte sich seit Frühjahr 2016 von einem begeisterten Fan von Donald Trump zu einem Neonazi und AWD-Anhänger. Sein Twitterkonto @doctorpepper35 zeigte diesen Prozess. Er äußerte sich dort von Beginn an oft rassistisch und antisemitisch gegen Trumps Kritiker, nannte sie „kike“, „cucks“ oder „globalistischen Abschaum“ und schrieb etwa: „Geh zurück in die Gaskammer.“ Er behauptete, Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton habe buchstäblich Menschen ermordet, und bejahte das Vorgehen von Diktator Baschar al-Assad im Bürgerkrieg in Syrien seit 2011. Ab Trumps Wahlsieg im November 2016 stellte Giampa sein Tweeten ein. Als er es im Juli 2017 wieder aufnahm, hatte er sich mit einer Schulkameradin angefreundet. Am 26. Juli, als Trump Transgender-Leute aus der US-Armee ausschloss, brüstete sich Giampa, er habe eine Transgender-Person zum Suizid bewogen, und ermutigte andere dazu. Sie seien keine Leute, so dass die Menschenrechte nicht für sie gälten. Er retweetete nun prominente Vertreter der Alt-Right-Bewegung wie Michael Peinovich und suchte Kontakt zur rassistischen Traditionalist Worker Party, zu Identity Evropa, VDARE und Vanguard America. Im September 2017 retweetete er ein Zitat des britischen Faschisten Oswald Mosley, der den Hitlergruß verteidigte. Von da an lobte er die Turner Diaries und James Masons Buch Siege, forderte, es zu lesen, und pries die Buchsammlung des Accounts @RyanAtomwaffen, die Siege und Hitlers „Mein Kampf“ enthielt. Im Oktober mähte Giampa ein großes Hakenkreuz in ein Feld seiner Nachbarschaft. Auf Beschwerden erklärten seine Eltern, sie wüssten Bescheid und würden sich darum kümmern. Seine Mutter verteidigte auf ihrer Facebookseite Generäle der Konföderierten und zeigte ein Foto ihres Sohnes mit einem Maschinengewehr im Anschlag. Tage danach lobte Giampa auf Twitter Hitler als Helden. Ab November nannte er sich „Nazi“ und den demokratischen Kandidaten für das Gouverneursamt in Virginia „Judenpuppe“. Die Juden seien „jedermanns Feind“. Er begrüßte faschistische Aufmärsche in Polen als Versuch, Muslime und Juden loszuwerden: Beide seien unfähig, sich anzupassen, und bedrohten die nationale Kultur. Ständig sorgte er sich, weiße Männer könnten ihren Zugang zu Schusswaffen verlieren. Am 20. November 2017 schrieb er, der am Vortag gestorbene Mörder Charles Manson habe „das Richtige getan“. Am 23. November rief er dazu auf, Juden und Transgender-Leute zu erschießen. Juden seien als Zielscheiben für Schießübungen gut. Am 25. November gab er Juden die Schuld am Kommunismus und am Zweiten Weltkrieg. Am 26. November leugnete er den Holocaust. Wenige Tage darauf retweetete er einen Aufruf von Vanguard America, AWD und anderen Neonazigruppen, sich für eine „weiße Revolution“ zu vereinen. Am 5. Dezember unterstützte er den Politiker Paul Nehlen, der einen unbegrenzten Muslim-Bann gefordert und gegen „jüdische Billionäre“ gehetzt hatte. Giampas Benutzerprofil zeigte zuletzt ein Skelett, das einen SS-Helm trägt.

Am 20. Dezember 2017 entdeckte die Mutter seiner Freundin einige dieser Tweets auf dem Handytelefon ihrer Tochter. Sie drängte sie, sich von Giampa zu trennen, und informierte den Schulleiter über den Fund. Am 22. Dezember 2017 nachts drang Giampa in das Haus seiner Freundin in Reston (Virginia) ein, erschoss ihre Eltern und versuchte dann, sich selbst zu erschießen, überlebte jedoch. Er wurde als Minderjähriger wegen zweifachen Mordes angeklagt.[42]

In Lake Forest (Kalifornien) am 3. Januar 2018 ermordete das 20-jährige AWD-Mitglied Samuel Woodward den 19-jährigen früheren Mitschüler Blaze Bernstein, einen Homosexuellen und Juden, mit mehr als 20 Messerstichen. Nach seiner Festnahme gab Woodward einen Annäherungsversuch Bernsteins als Tatmotiv an. Die übrigen AWD-Mitglieder feierten ihn als „Ein-Mann-Abrisstruppe für schwule Juden“ und erstellten für seinen Strafprozess T-Shirts mit seinem Porträt und einem Hakenkreuz auf seiner Stirn.[13] Nach Aussagen von zwei Schulfreunden und einem AWD-Aussteiger war Woodward (Benutzername „Arn“) schon längere Zeit bekennender Neonazi und Antisemit. In sozialen Medien bezeichnete er sich als „nationaler Sozialist“. Er war AWD Anfang 2016 beigetreten und hatte an AWD-Treffen in Texas und einem dreitägigen AWD-Kurs für Schusswaffen, Ringkampf und Überlebenstraining teilgenommen. Fotografien zeigen ihn in struppigem Gelände in Texas; auf einigen Fotos trägt er eine Totenkopfmaske und zeigt den Hitlergruß, in anderen ist sein Gesicht erkennbar. Er soll in Kalifornien weitere AWD-Mitglieder angeworben haben.[43] Vor dem Mord hatte er in sozialen Medien Homosexuelle zu Kontaktaufnahme animiert. Auf eine solche Einladung hatte Bernstein reagiert und sich mit Woodward verabredet. Da sich beide nur flüchtig kannten und die AWD-Webseiten Juden und Homosexuelle konstant als zu vernichten darstellen, wurde ein antisemitisches Tatmotiv angenommen. Woodward wurde eines Mordes aus Hass angeklagt, für den ihm eine lebenslange Haftstrafe ohne vorzeitige Entlassungsmöglichkeit droht.[44]

Weitere Straftaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am rechtsextremen Aufmarsch in Charlottesville 2017 nahm auch der damals 17-jährige Marinesoldat und AWD-Anhänger Vassilis Pistolis (VassilistheGreek) teil. Im Vorfeld hatte er im Iron March erklärt, er werde dort notfalls jemand töten. Bei Zusammenstößen trat er mehrere Gegendemonstranten und schlug sie mit einem Holzknüppel, darunter eine Transgender-Frau, auch als sie schon am Boden lag. Danach brüstete er sich online damit, er habe „drei Schädel geknackt“, und zeigte Fotos einer blutigen Flagge mit dem Kommentar „Nicht mein Blut“. Bei einer weiteren rechtsextremen Kundgebung schwenkte er eine Flagge mit dem AWD-Symbol. Nach interner Kritik verließ er AWD im November 2017 und trat der Traditionalist Workers Party bei. Journalisten von ProPublica identifizierten ihn mit Fotos, Videos, internen Chats des Iron March und Aussagen eines AWD-Aussteigers. Auf Anfragen bestritt er seine Präsenz in Charlottesville und räumte nur seine Chatposts ein, erklärte aber, es seien Witze gewesen und er habe AWD bloß ausspioniert. Ab Mai 2018 untersuchte das United States Marine Corps die Vorwürfe.[45] Im Oktober 2017 berichtete ein Marineveteran dem Marinecorps über Pistolis’ Verhalten. Im Juni 2018 verurteilte ein Militärgericht Pistolis wegen Ungehorsam und Falschaussagen zu einem Monat Haft und stufte seinen Rang herab. Welche Rolle seine rechtsextreme Aktivität dabei spielte, blieb unklar. Das Marinecorps strebte seine Entlassung an. Polizeiliche Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.[46]

Nach dem Attentat in einer Synagoge in Pittsburgh am 27. Oktober 2018 beging der mit dem Attentäter befreundete Neonazi Edward Clark (DC_Stormer) Suizid. Sein älterer Bruder Jeffrey Clark hatte auf dem Gab-Netzwerk zuvor Briefbomben begrüßt, die Neonazis an prominente Politiker der Demokraten (Barack Obama, Hillary Clinton) und an George Soros geschickt hatten: Sie seien ein „trockener Vorlauf“ auf Dinge, die kommen würden. Später lobte er den Attentäter von Pittsburgh Robert Bowers als „Helden“. Jedes seiner Mordopfer habe den Tod und Schlimmeres verdient. Er erwog, selbst Juden und Afroamerikaner zu töten. Angehörige verständigten die Polizei. Diese fand im Haus der Brüder in Washington, D.C. Munition, schusssichere Westen, Helme, eine Hakenkreuzflagge, einen Galgenstrick und AWD-Flugblätter. Nach Recherchen von ProPublica und Frontline gehörten die Brüder zur rechtsextremen Gruppe Vanguard America und waren nach dem Aufmarsch in Charlottesville zur AWD gewechselt. Jeffrey Clark wurde festgenommen und wegen illegalem Waffen- und Drogenbesitz angeklagt. In seinem Verhör räumte er Mitgliedschaft in rassistischen Gruppen ein und erklärte, er und sein Bruder seien seit der Präsidentenwahl 2016 an Schusswaffen interessiert gewesen, weil sie einen kommenden Bürgerkrieg erwarteten. Robert Bowers habe Juden aus Vergeltung für die Migrantenkarawane ermordet, mit denen Juden Amerika zerstören wollten. Er habe das Gab-Konto von Bowers gekannt, aber nie mit ihm persönlich Kontakt gehabt und Gewaltaufrufe nicht ernstgemeint. Ein Haftrichter wertete Clarks Posts jedoch als konkreten Aufruf zu ähnlichen Anschlägen wie Bowers und verlängerte seine Untersuchungshaft.[47] Beide Brüder hatten laut internen Chats bis mindestens September 2017 zur AWD-Zelle in Virginia gehört. Im Oktober 2018 erhielt Clark wegen illegalem Waffenbesitz eine Bewährungsstrafe.[48]

Im Februar 2019 nahm das FBI das AWD-Mitglied Benjamin Bogard fest, der einen Bombenanschlag geplant hatte. Auf seinem Handy fanden die Ermittler Videos mit Kinderpornografie und Vergewaltigung.[49]

Am 5. Juni 2019 nahm das FBI Brian Patrick Baynes aus Fairfax fest. Er hatte im Mai 2018 ein Sturmgewehr und Munitionsmagazin mit Falschangaben zu seinem Drogenkonsum erworben. Später hatte er illegal eine Pistole zu kaufen versucht. Er besaß drei Sturmgewehre, 14 Magazine mit mehr als 1300 Ladungen Munition. Er räumte alle Vorwürfe ein. Nach internen AWD-Chats und Aussagen eines Aussteigers gehörte er zur AWD-Zelle in Virginia (Nutzername Ted Bundy).

Im August 2019 nahm das FBI Conor Climo fest, einen ehemaligen Soldaten und Wachmann. Er wurde wegen geplanter Anschläge auf eine Synagoge und eine LGBT-Bar angeklagt. Er war AWD-Mitglied und auch mit der AWD-Teilgruppe Feuerkrieg Division verbunden.[48]

Im August 2019 ritzte der 34-jährige Cameron Brunson Blake antisemitische Parolen in eine Synagoge in Los Angeles und drohte einem jüdischen Mann und seinem Kind auf dem Grundstück, er werde sie töten. Nach seiner Festnahme fanden Ermittler Bezüge zur AWD in Blakes online-Beiträgen. Er wurde eines Hassverbrechens angeklagt. Ihm drohen sechs Jahre Haft.[50]

Am 21. September 2019 nahm das FBI den 24-jährigen Soldaten Jarrett William Smith in Fort Riley (Kansas) fest. Er wollte seit 2016 mit dem rechtsextremen „Regiment Asow“ in der Ukraine kämpfen und knüpfte dazu als Soldat seit 2017 Kontakte mit einem US-Bürger, der in der Ukraine gekämpft hatte. In sozialen Medien beschrieb er, wie man Handytelefone zu Bomben umbaut. Laut Anklageschrift plante er zunächst, den Funkmast eines lokalen Nachrichtensenders zu zerstören, dann, den Hauptsitz eines großen Nachrichtennetzwerks in den USA mit einer Autobombe anzugreifen. In Gesprächen mit einem Agenten, den er für einen Kameraden hielt, beschrieb er den Bau der Autobombe und offenbarte, er wolle andere „Radikale“ treffen und Antifa-Angehörige töten. Im Polizeiverhör bekannte er, dass er regelmäßig im Internet zum Bombenbau anleite und diese Information auch Personen gebe, die ihm Mordabsichten mitteilten. Er wolle damit Chaos verursachen und es sei ihm egal, wenn durch sein Wissen Menschen umkämen. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Smith ist einer von vielen US-Soldaten, die im Kontakt mit rassistischen Organisationen wie AWD Terrorpläne schmieden. Laut Aussage des FBI-Agenten Ali Soufan vor dem US-Kongress besuchten seit 2014 rund 17.000 Ausländer, darunter US-Bürger, die Ukraine besuchten, um sich dort bei Rechtsextremisten paramilitärische Fähigkeiten anzueignen und diese dann im eigenen Land anzuwenden.[51]

Im September 2019 nahm das FBI den 21-jährigen Andrew Jon Thomasberg fest. Er war Angestellter eines lokalen Waffengeschäfts, hatte dafür ohne Wissen seines Chefs ein Sturmgewehr bestellt und es dann privat an Baynes verkauft. Das FBI fand später 20 Schusswaffen in seinem Haus. Laut AWD-Chats war er mit Baynes und weiteren Neonazis nach dem Aufmarsch in Charlottesville von Vanguard America zur AWD übergetreten und leitete dann laut Zeugenaussagen die AWD-Zelle in Virginia. Er zeigte sich unter dem Nutzernamen GrecoViking als bekennender Nationalsozialist, der einen Rassenkrieg herbeiführen wollte, Nichtweiße hasste, Manson und Mason verehrte und sich mit Waffenherstellung auskannte. Ihn interessierten mythische Nazigeschichten. So wollte er die legendäre „Blutfahne“ der NSDAP wiederfinden, bewahren und als „Fackel des NS“ weitertragen. Er gravierte das AWD-Logo in eine seiner Waffen ein und zeigte ein Foto davon auf dem AWD-Discordserver. Gegenüber Baynes bezeichnete er die rechtsextremen Attentäter Robert Bowers und Brenton Tarrant als „Heilige“ und lobte auch den Anschlag auf eine Synagoge in Poway (27. April 2019): Der Täter habe anders als AWD wenigstens etwas getan. Er selbst sei bereit, Nichtweiße zu verletzen, und sei kurz davor gewesen, Afroamerikaner in einem Einkaufszentrum wie Dylann Roof niederzuschießen. – Die Festnahmen von Juni bis September 2019 folgten auf rund einjährige FBI-Ermittlungen zur AWD, die eine erheblich gewachsene Gefahr rechtsextremer Terroranschläge und Massaker zeigten.[48]

Am 4. November 2019 nahm Polizei den 23-jährigen Aiden Bruce-Umbaugh fest, der mit dem Anführer der AWD-Zelle im Bundesstaat Washington Kaleb James Cole unterwegs war. Laut Polizeibericht trugen beide Tarnkleidung. In ihrem Pkw fand man je zwei Gewehre (Sig Sauer, AR-15) und Sturmgewehre (AK 47), eine Pistole, bis zu 2000 Schuss Munition und geringe Mengen von Drogen. Ein Gericht in Lubbock (Texas) erließ einen Haftbefehl und klagte Bruce-Umbaugh wegen unerlaubten Waffenbesitzes an. Von 2017 bis 2019 erhielten mindestens elf AWD-Mitglieder in den USA Haftstrafen für verschiedene Straftaten, darunter Mord, illegalen Waffenbesitz und Besitz von Kinderpornografie.[52]

Auch der 23-jährige FKD-Anhänger Conor C. wurde 2019 verhaftet. Er hatte Sprengstoff und eine illegale Waffe in seiner Wohnung deponiert und wollte damit Juden und die LGBTIQ-Community angreifen.[53]

Im Februar 2020 nahm das FBI fünf weitere AWD-Mitglieder fest und klagte sie an, eine koordinierte Einschüchterungskampagne gegen Journalisten durchgeführt und bestimmte als Gegner wahrgenommene Personen bedroht zu haben, darunter Dozenten der Old Dominion University, eine afroamerikanische Baptistengemeinde und das frühere Kabinettsmitglied Kirstjen Nielsen. In Virginia wurden John Cameron Denton und andere angeklagt: Sie sollen bis zu 134 mal mit falschen Notrufen zu einer angeblichen Gefahrenlage Polizeieinsätze ausgelöst (swatting) sowie Investigativjournalisten von ProPublica wegen ihrer Berichte zur AWD bedroht haben. Weitere Anklagen richteten sich nach Behördenangaben gegen Kaleb James Cole in Seattle, den 24-jährigen Cameron Brandon Shea aus Redmond (Washington), einen Rekruteur von AWD, den 20-jährigen Taylor Ashley Parker-Dipeppe aus Spring Hill (Florida), den 20-jährigen Johnny Roman Garza aus Queen Creek (Arizona), John William Kirby Kelley (einen Studenten der betroffenen Universität) und zwei Ausländer.[54]

Verwandte Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2017 reisten AWD-Mitglieder aus den USA nach Großbritannien, Deutschland, Polen, Tschechien und in die Ukraine, um auch dort Anhänger anzuwerben. Laut britischen Antiterrorexperten bestehen ähnliche Gruppen wie AWD-USA mittlerweile in Australien, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und Osteuropa. Wegen dieser internationalen Kontakte und Vernetzung schlug Europol 2019 vor, verdächtige Rechtsextremisten dieses Umfelds analog zu Islamisten auf eine Terrorliste der EU zu setzen.[36]

Experten sehen alle diese Gruppen inzwischen als Teil des AWD-Netzwerks. Sie stufen sie als über das Internet vernetzte, vornehmlich von jungen Männern geprägte Gemeinschaft von „White Power Terrorists“ ein, die nach dem Konzept des „führerlosen Widerstands“ handeln und vom Erstarken rechtspopulistischer Gruppen und Parteien profitieren, von denen sie sich zugleich durch eine „Propaganda der Tat“ abgrenzen.[55]

The Base[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2016 gründete ein unbekannter Neonazi mit dem Pseudonym „Norman Spear“, nach Eigenangaben ein Kriegsveteran, das soziale Netzwerk The Base mit einer Anmeldeseite und einem aktiven Twitterkonto (@normanspear1) im Internet. Name und Konzept des Netzwerks sind eventuell bewusst an Al-Qaida (arabisch für „Die Basis“) angelehnt. Spear wollte damit terrorbereite Neonazis aller Art zusammenführen und mit einem Trainingsprogramm auf einen als „Rassenkrieg“ bezeichneten gewaltsamen Aufstand gegen die US-Regierung vorbereiten. Er sieht alle westlichen Staaten heimlich von jüdischen Aktienbesitzern kontrolliert und will „weiße Nationalisten“ im Kampf gegen sie vereinen, um den Kollaps der Staatsregierungen weltweit zu beschleunigen und aus den Trümmern eine rein weiße Gesellschaft aufzubauen. Dazu stellten er und seine Mitstreiter in verschlüsselten Chats Terrorpropaganda her, organisierten persönliche Treffen und diskutierten gewaltsame Angriffe auf Minderheiten, besonders Juden und Afroamerikaner. Sie stellten eine umfassende Sammlung von Handbüchern für Einsamer Wolf-Taktiken, Herstellung von Schusswaffen, Bomben und chemischen Waffen, Datengewinnung, Verhörstechniken, Gegenüberwachung und Guerillakriegsführung zur Verfügung. Die Gruppe bot paramilitärische Campingkurse an, die zur Teilnahme an Terroranschlägen befähigen sollen. Ein Auswahlverfahren diente dazu, Bewerber passenden Gruppen zuzuweisen, die sie im Terrorhandwerk ausbilden. Bevorzugt wurden Bewerber mit Erfahrung im Militär und Umgang mit Explosivstoffen. The Base erhielt rasch Unterstützung von Neonazis und zählte im November 2018 rund 50 Mitglieder. Die AWD, die neue Eco-Fascist Order (EFO), Volkish und andere rechtsextreme Organisationen gehören dazu. Sie verstehen das Netzwerk als Koalition mit einer Arbeitsteilung zwischen Schreiben, Erziehen, Propaganda, Organisieren und Ausführen gewaltsamer Aktionen. Der Gründer stellte die Gruppe im September 2018 in einem Podcast The Darkest Hour vor und betonte: Die White-Power-Bewegung finde noch meist im Internet statt, das müsse sich fundamental ändern. Seine Gruppe sei auf reales Training ausgerichtet und wolle einen landesweiten Kader von Trainern aufbauen. Man müsse für den Sieg nicht jeden schwachen Weißen in einen arischen Krieger verwandeln, sondern nur die besten Kameraden vereinen, die das Notwendige im Kampf zu tun bereit seien. Er erhielt Zuspruch verschiedener prominenter Neonazis und führender AWD-Mitglieder auf dem Gab-Netzwerk und auf Twitter, auch nachdem er seine ursprünglichen Konten dort gelöscht hatte. The Base verbreitet dort weiter Bilder von Soldaten mit Sturmhauben, Landkarten und Gewehren, um eine detaillierte militärische Planung darzustellen. Die Karte eines menschlichen Körpers zeigt, wo man einen Gegner im Nahkampf zur Selbstverteidigung am besten aufschlitzen und abstechen kann. In ihren gesicherten Chats entwarfen die Mitglieder Meme, um eine Neonazi-Agenda in die Populärkultur einzuschleusen. Vor allem der Benutzer Poilu stellte Poster und Meme aus Fotos her, die Gruppenmitglieder von sich oder verehrten militanten Vorbildern hochluden. Dabei kam es den Herstellern nicht auf Popularität, sondern den erhofften Effekt an, Einzelne zu Terrorgewalt zu bewegen. Die Gruppe warb auch um Mitglieder auf Neonaziseiten wie Fascist Forge („Faschistenschmiede“), der Nachfolgeseite des Iron March. Der Gründer strebte mittelfristig offene, nicht verdeckte Internetpräsenz an. Auch Aktionen, die seiner Gruppe nicht zuzuordnen seien, könnten deren Botschaft verbreiten und das Erreichen ihrer Ziele beschleunigen. So empfahlen Mitglieder europäischen Verbündeten, nichtdetonierte Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg auszugraben und als Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung (IED) oder Granaten für eigene Zwecke zu verwenden. Mitglieder mit Benutzernamen wie Rimbaud und Grimoire unterstützten den Attentäter von Pittsburgh Robert Bowers und diskutierten, wie sich sein Anschlag zur Eskalation durch gleichartige Gewalt nutzen lasse. Gewalt besonders gegen Juden sei zu bejahen, da kein Jude unschuldig sei. Grimoire pries den Wert seiner Kampferfahrung, indem er behauptete, er habe in Afghanistan mit dem Maschinengewehr Zivilisten getötet, auch Frauen und Kinder. Pläne für konkrete Terrorangriffe besprachen Base-Mitglieder jedoch ebenso wie AWD nur bei realen Treffen, etwa bei ihren als Hate Camp bezeichneten paramilitärischen Trainingskursen.

Bewerber können sich mit Pseudonymen anmelden, müssen aber „Rasse“ und Geschlecht angeben sowie, welcher Neonazi- oder proweißen Organisation sie angehören und welche militärische, wissenschaftliche und technische Erfahrung sie mitbringen. Das bei Wordpress ausgefüllte Bewerbungsformular wird dann von der Base überprüft. Wird es akzeptiert, dann wird der Bewerber in einen Chatserver von Riot eingeladen, einem System für verschlüsselte Botschaften. Mitglieder können Benutzer auch direkt auf diesen Server einladen. Dort wird der Bewerber erneut überprüft. Der Privatchat der Base enthält acht Kanäle: einen allgemeinen Diskussionsraum (Imperium) und kleinere Kanäle für Selbstverteidigung, Bücher, Musik, Aktionsberichte, Trainer, Überlebenstraining. Auf der Bibliotheksseite findet der Benutzer Links zum Hochladen von PDF-Kopien von Büchern. Dieses Archiv hat 20 Sektionen, darunter Guerillakriegstaktik, Waffenherstellung, Überlebensmethoden, militärische Spionage, Waffengebrauch. In jeder Sektion befinden sich Handbücher zum Herunterladen, so zum Herstellen von Explosivstoffen und chemischen Waffen. Sie sind auch aus Fachzeitschriften für Waffen, Militärhandbüchern und Internetblogs zusammengestellt. Der Kanal für Guerillakrieg enthält ein Archiv von Videos auf BitChute. Der achte Chatkanal ist für die Region des Benutzers: Von dort aus kann er Direktnachrichten senden, Treffen und Training verabreden. Jede Region hat ihren Trainer, die danach ausgewählt werden, was sie ihre Kameraden für Fähigkeiten lehren können. Fotografien und Erfahrungsberichte dokumentieren regelmäßige, auch landesweite und internationale Mitgliedertreffen. Um diese anzuregen, bietet Spear monatlich einen Preis für Mitglieder an, die die meiste offline-Aktivität zeigen und Treffen mit mindestens zwei Mitgliedern belegen können. Zudem soll es mehrere Langzeitprojekte geben, darunter ein sicheres Kommunikationsnetzwerk auf Ham Radios (Amateurfunk).

Weil es für alle gewaltbereiten Neonazis attraktiv ist, sie praktisch an individuelle Terrorangewalt heranführt und autonome Trainer dafür ausbildet, sehen Beobachter wie SPLC und ADL in der Base ein enormes Gefahrenpotential für die öffentliche Sicherheit. Der Terrorismusexperte Amarnath Amarasingam sieht die wachsende Zusammenarbeit mit Terrorgruppen wie AWD als Zeichen einer Eskalation in der Neonaziszene, die zu größter Sorge Anlass gebe. Sie stellten dabei ideologische Unterschiede für die gemeinsame Sache zurück, um ihre begrenzten Mittel im Interesse aller zu teilen. Gerade die relativ kleine Mitgliederzahl vergrößere die Gefahr von Terroranschlägen „einsamer Wölfe“.[56]

Am 21. und 22. September 2019 besprühten der 18-jährige Neonazi Richard Tobin aus New Jersey und Helfer mehrere Synagogen in Michigan und Wisconsin mit Graffiti von Hakenkreuzen und Wolfsangeln. Nach Tobins Festnahme fand das FBI in seinen Computerdaten, dass er aktives Mitglied von The Base und AWD war und gegenseitige Kontakte beider Gruppen vermittelte. Er führte eine Zelle der Base an und hatte unter dem Namen „Operation Kristallnacht“ Vandalismen an Synagogen in den ganzen USA geplant, um an die Novemberpogrome 1938 zu erinnern. Zudem erstellte er Propaganda für AWD, verkaufte AWD-Insignien und sammelte so Geld für eine Neuausgabe der Schriften von James Mason. In seinem Verhör gab Tobin an, er habe ein Selbstmordattentat oder einen Anschlag mit einem mit Fassbomben beladenen Lkw (wie Timothy McVeigh) erwogen. Auch sei er kurz davor gewesen, Afroamerikaner in einem Einkaufszentrum mit einer Machete abzuschlachten. Seine Computerdaten zeigten laut dem FBI seine „Besessenheit“ von Nazipropaganda, Terror und brutalen Akten von Massengewalt, darunter bearbeitete Videos vom Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch, Fotos von dortigen Mordopfern und von Gewalttaten gegen Juden, Afroamerikaner und andere Minderheiten sowie Anleitungen zum Bau von Lkw-Bomben. Mit der Anklage gegen Tobin wurde seine Gruppe, ihre enge Verbindung mit der AWD und ihre Gefährlichkeit erstmals genauer bekannt.[57]

Im Januar 2020 führte das FBI zwei Razzien bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe durch, nahm sieben Personen fest und klagte einige davon der Vorbereitung eines „Rassenkrieges“ an. Dabei wurde der Gründer „Norman Spear“ als der 46-jährige US-Bürger Rinaldo Nazzaro enttarnt, der im Netz auch als “Roman Wolf” aufgetreten war. Er war ein langjähriger Mitarbeiter von Nachrichten- und Sicherheitsdiensten und warb für seine Firma mit angeblichen Militäreinsätzen in Russland und Afghanistan. Er soll in Russland mit einer russischen Frau zusammenleben. Seinen Realnamen nutzte er nur bei Landkäufen und Firmenanmeldung. Im Dezember 2018 hatte er über seine Firma Base Global Land in Ferry County (Bundesstaat Washington) gekauft. Am 5. August 2019 warnte die Antifa-Gruppe Eugene Antifa im benachbarten Oregon, die Base wolle auf dem Landstück ein „Hass-Camp“ durchführen, und benannte „Norman Spear“ anhand von aufgedeckten Chats als Käufer. Daraufhin wurden Medien und lokale Polizei aktiv und fanden über Steuerformulare Klarnamen und frühere Adresse des Käufers in New Jersey. Der Landkauf stimmte mit der von dem verstorbenen Rassisten Harold Covington propagierten Strategie überein, im Nordwesten der USA Siedlungsgebiete nur für weiße Rassisten zu schaffen (Northwest Territorial Imperative – NTI). „Norman Spear“ hatte sich im Dezember 2017 auf einem rechtsextremen Podcast als Organisator der „Nordwestfront“ vorgestellt, einer weiteren rassistischen Gruppe, und einen Vierphasenplan mit dem Ziel geschildert, einen unabhängigen Ethnostaat im pazifischen Nordwesten zu erreichen, zu dem die weißen Amerikaner dann übersiedeln würden. Zugleich hatte er in Kurzfilmen Taktik und Strategie eines Guerillakampfes beschrieben. In einem Videoarchiv der Webplattform Bitchute wurde er als „Experte für Verteidigungsübungen und früherer CIA-Feldoffizier Norman Spear“ vorgestellt.[58]

Anfang 2020 plante die Gruppe The Base einen Anschlag auf eine Waffenshow in Virginia und auf einen FBI-Mann, den sie als Spitzel verdächtigten. In einem abgehörten Gruppentelefonat berieten sich Rinaldo Nazzaro und andere über ihr Vorgehen und erwogen, den Plan abzusagen. Nazzaro beschrieb die AWD als Vorbild, um trotz strafrechtlicher Verfolgung die eigene Marke und Attraktivität für die rechtsextreme Szene aufrechtzuerhalten. Er kündigte den Ausschluss des Mitglieds “Won’t Go Back” und warnte vor dem Mitglied “Eisen”. Daraufhin nahm das FBI am 16. und 24. Januar sieben Mitglieder fest, darunter die von Nazzaro genannten Brian Lemley Jr. und William Bilbrough sowie Luke Austin Lane (“The Militant Buhdist -TMB”) und Patrik Mathews, die Anführer der Zellen in Georgia und Maryland. Sie sollen unter anderem ein Attentat auf ein Antifa-Paar, einen Massenmord bei jener Waffenshow und Vandalismus an mehreren Synagogen geplant haben.[59]

Antipodean Resistance[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Februar 2016 warben australische Neonazis (Nutzernamen „Chud“ und „Kehlsteinhaus“) auf dem Neonaziforum Iron March um „jüngere Nationalsozialisten, 14-25“ für eine neue, noch namenlose Gruppe. Sie werde „den Kampf zum Feind tragen“, etwa zu einer Synagoge, um „den Abschaum einzuschüchtern“ und „wissen zu lassen, dass ihr es ernst meint“. Ab 10. Oktober 2016 trat die Gruppe Antipodean Resistance (AR) mit eigenem Teilforum auf dem Iron March hervor. Die AR-Flagge ist blau mit schwarzem Hakenkreuz. Das AR-Logo zeigt eine Totenkopfmaske und einen weißen Akubra-Hut, der auf einem Hakenkreuz ruht, mit einer schwarzen Sonne im Kranzgebinde als Hintergrund.

AR vertritt wie AWD eine offen nationalsozialistische, extrem antisemitische, rassistische und homophobe Ideologie und ruft zu Guerillakrieg und Terror auf. Alle Australier nichteuropäischer Herkunft werden als Feinde betrachtet, aber „die Juden“ gelten als primärer und absoluter Feind, der als Weltjudentum angeblich Banken, Regierungen und Medien kontrolliere und einen „weißen Genozid“ durch Massenmigration in mehrheitlich weiße Länder plane. AR-Mitglied „Xav“, dessen Benutzerprofil „Juden vergasen“ als sein „Interesse“ nannte, zitierte das Gruppenmotto: „Wir sind die Hitlers, auf die ihr gewartet habt.“ Andere schrieben: „Wir Nationalsozialisten hier werden wie unsere Brüder in Übersee unsere Nationnen zurückholen“. Man wolle keine Massen, sondern die kampfbereiten Fanatiker, die im Alltag aktiv „die Wiedergeburt unseres Volkes“ anstrebten. Als Nahziel wolle man alle fanatischen nationalsozialistischen jungen Australier in einer Jugendbewegung vereinen und weiter die eigene Ideologie verbreiten, hauptsächlich durch Poster, Aufkleber und physische Aktivitäten, später auch durch Aufmärsche und Kundgebungen.

Von Beginn an betonten AR-Mitglieder ihre Kontakte und ideologische Nähe zur AWD in den USA, zur britischen National Action (NA), zum Nordic Resistance Movement (NRM) in Skandinavien und anderen. Die AR-Webseite nannte am 21. Februar 2017 NA, NRM und die historische NSDAP als wichtigste Inspiration. AR-Spruchbänder vom Januar 2018 an Autobahnbrücken trugen den Satz „Weiße Revolution ist die einzige Lösung“, der im November 2017 auch auf Iron-March-Plakaten in Toronto (Kanada) aufgetaucht war. Die von der SS übernommene Totenkopfsymbolik und der rechtsextreme Zahlencode 1488 verbinden AR mit dem Iron March und anderen dort entstandenen Neonazigruppen. Obwohl die AWD auf der AR-Webseite nicht genannt wird, verwenden AR und AWD in ihrem Propagandamaterial identische Bilder, Symbole, Masken, Parolen wie Join your local Nazis, stellen die gleichen Aufnahmebedingungen und bieten gleichartige Aktivitäten an, vor allem Kampf- und Schusswaffentraining. AR beruft sich auf dieselben ideologischen Vorbilder, etwa auf William Luther Pierce und dessen Turner Tagebücher sowie auf James Mason und dessen Buch Siege. Zwischen Mitgliedern beider Gruppen bestehen online und reale Kontakte.

Nach Eigenangaben vom Januar 2018 hatte AR bis dahin in Australien rund 300 Mitglieder, meist junge Männer. Sie halten ihre Identitäten möglichst geheim, verbergen in Videos und auf Fotos stets ihre Gesichter mit Totenkopfmasken und zeigen keine Tattoos. Nach Hinweisen stammen viele Mitglieder aus wohlhabenden Familien und besuchen Privatschulen. Teilgruppen bestehen unter anderen in Adelaide, Ballarat, Bathurst, Bega, Bendigo, Brisbane, Devonport, Gold Coast, Hobart, Launceston, Melbourne, Newcastle, Perth, Sunshine Coast, Sydney, Toowoomba und Townsville. Seit Februar 2018 besteht auch ein AR-Zweig für Frauen namens Antipodean Resistance Women’s Alliance (ARWA).

Zu den bevorzugten Trainingsgebieten von AR gehören Grampians and Wilsons Promontory in Victoria, der Brisbane Forest Park, Mount Glorious, Mount Beerburrum, das Hinterland von Gold Coast und Queensland, Mount Warning und andere. Hauptaktivität von AR ist jedoch das Verbreiten von Propaganda. AR-Plakate haben wenige immer wiederkehrende Themen: Juden, Homosexuelle, Migranten bzw. Aborigines und Nazis. Sie dämonisieren Juden als Vergifter der australischen Gesellschaft, drängen Homosexuelle zum Suizid, zeigen Hitler-Portraits und die Stürmer-Parole „Die Juden sind unser Unglück“. Dies begann am 9. Oktober 2016 in Melbourne: Ein AR-Plakat zeigte die Erschießung eines Homosexuellen mit dem Text „Raus mit dem sodomitischen Dreck aus unseren Straßen“. Am 3. Dezember 2016 rief ein AR-Plakat unter dem Titel „Stop the Hordes“ zum Vertreiben oder Töten von „duneskins, shitskins, niggers, chinks“ auf. Eine mit dem Davidstern versehene Hand darüber sollte „den Juden“ symbolisieren, der vermeintlich hinter der Einwanderung Nichtweißer stecke. Am 13. Februar 2017 folgte der Aufruf „Reject Jewish Poison“ mit einer Karikatur im Stürmer-Stil und der Parole „National Socialism or Nothing.“ Zum „Hitlergeburtstag“ am 20. April 2017 riefen AR-Poster auf: „Legalisiert die Hinrichtung von Juden“, „Exekutiert Juden“ (verbunden mit dem Foto einer Erschießung von Juden im Jahr 1941), 420 Blaze It (bezogen auf Krematorien in nationalsozialistischen Vernichtungslagern) und 420 Raise It (bezogen auf den Hitlergruß). Am Australia Day 2018 schürten AR-Poster Hass gegen Aborigines und riefen zur Deportation chinesischer Studenten auf. Hunderte solcher Plakate wurden nachts an Universitäten verteilt, um dort junge Mitglieder anzuwerben.[60]

Im September 2018 beklebten AR-Mitglieder das Bürofenster von Jacklyn Trad in Queensland mit Hakenkreuzaufklebern. Die Ministerpräsidentin hatte am selben Tag eine Rede von Fraser Anning scharf kritisiert, in der er eine „Endlösung“ für Migration gefordert und damit sprachlich auf die NS-Bezeichnung „Endlösung der Judenfrage“ für den Holocaust angespielt hatte. Zudem hatte sie Frasers Katter’s Australian Party fünf Mitarbeiter entzogen, weil diese sich weigerte, sich von Frasers Wortwahl zu distanzieren. Sie wertete die Aufkleber als Einschüchterungsversuch.[61]

Im Oktober 2018 ergab eine parlamentarische Untersuchung in New South Wales, dass 35 jüngere Abgeordnete der National Party of Australia Verbindungen zu Neonazis hatten. Einer davon trat in einem AR-Propagandavideo mit Aussagen auf, die Hitler feierten. 15 Abgeordnete der Partei traten daraufhin zurück.[62] Die Partei schloss 20 Mitglieder auf Lebenszeit aus, nachdem das Investigativkollektiv Unicorn Riot ihre rechtsextreme Haltung und Kontakte in Chats auf Discord aufgedeckt hatte. So hatte das spätere Aussteigerpaar Lisa Sandford und Justin Beulah 2017 auch AR-Propaganda weiterverbreitet.[63]

Im Jahr 2018 nahmen antisemitische Vorfälle in Australien um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Rechtsextremer Vandalismus, Graffiti und Drohungen im Internet erreichten einen Höchststand seit 2014. Der Anstieg ging großenteils auf Aktivitäten von AR zurück, darunter Versuche, die National Party zu infiltrieren, neue Mitglieder anzuwerben und NS-Ideologie zu verbreiten. Die Täter waren durchschnittlich jünger, besser ausgebildet und politisch versierter als zuvor.[64]

Der spätere rechtsextreme Massenmörder Brenton Tarrant postete im Dezember 2017 eine fünf-Sterne-Bewertung für ein Unternehmen des 24-jährigen Faschisten Marcus Christensen. Dieser gehörte zur australischen Neonazigruppe Lads Society und verbreitete Propagandabilder der AR im Internet. Deren Logo mit dem Totenkopfsymbol zierte seine Scheckkarte. Er bestritt direkte Kontakte mit Tarrant; der Anführer der Lad Society räumte dagegen online-Kontakte mit Tarrant seit 2015 ein und erklärte, er habe Tarrant für seine Gruppe anzuwerben versucht.[65]

Northern Order[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2018 wurde die AWD-Gruppe Northern Order in Kanada bekannt. Sie wurde von der Gruppe Antifasciste Montreal zunächst als reines Internetphänomen eingestuft, bis Journalisten von Vice ein Mitglied in Ontario fanden: den 22-jährigen Chefpropagandisten mit dem Nutzernamen Dark Foreigner. Er hatte sich 2017 auf dem Iron March als Nationalsozialist aus Ontario vorgestellt, der „faschistischen Aktivismus“ in Kanada betreiben wolle, sich die für Propaganda nützliche Fertigkeiten aneigne und einen Kameraden darin ausbilde. Er machte den früheren Premierminister Pierre Trudeau für Kanadas multikulturelle Gesellschaft verantwortlich und äußerte sich dazu antisemitisch. Besonderen Hass zeigte er gegenüber Queer-Personen, die er „als allererste vergasen“ wollte. Er illustrierte Bücher von Alexander Slavros, dem Gründer des Iron March, erstellte zahlreiche typische AWD-Grafiken und verkaufte diese online als Aufdrucke auf T-Shirts und Tassen. Auf Plattformen wie 4chan wurden in Debatten zu AWD stets Bilder von ihm gezeigt; andere Neonazis holten seine Erlaubnis dazu ein. Ob er auch AWD-Videos herstellte, ist unklar. Zu seinen Followern gehörte eine Dark-Folk-Band in Norwegen und Jordan Peterson, ein umstrittener Professor der University of Toronto. Am 29. Januar 2018, genau ein Jahr nach dem rechtsextremen Anschlag auf das Centre culturel islamique de Québec, erschienen Poster mit seinen Bildern und der Unterschrift Northern Order in einer Moschee in Ottawa.[66]

Bis Juli 2018 fand Vice zehn kanadische Mitglieder von Northern Order, die ihre Aktivitäten mit AWD-USA abstimmten. Ein Mitglied (Alba) plante offen, im ländlichen British Columbia einen autonomen Ethnostaat aus rein weißen Siedlern zu schaffen, ähnlich wie der Neonazi Craig Cobb es 2012 in Leith (North Dakota) versucht hatte und wie es AWD-Führer John Cameron Denton in den USA anstrebt. Alba stellt sich als Mitglied der kanadischen Armee dar. Andere Mitglieder seiner Gruppe streben ein Militärtraining für Aufstandstaktiken an. Dark Foreigner hat bereits an einem Hate Camp der AWD teilgenommen. Aufkleber der Gruppe in Toronto und Montreal forderten: „join the white jihad.“ Zudem bestehen weitere kanadische Gruppen, die White Supremacy vertreten, einen Ethnostaat anstreben und die Bilder und Ideologie von AWD verwenden. Kanadische Antiterrorexperten halten das Vorgehen von Northern Order, auf publikumswirksame Aktivitäten zu verzichten, sich mit AWD zu koordinieren und Terroranschläge grenzüberschreitend verschwiegen vorzubereiten, für ein Alarmzeichen.[67]

Sonnenkrieg Division[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oktober 2017 bis April 2018 tauchten in Cardiff (Wales) Poster und Graffiti mit der AWD-Parole Join your local Nazis, Nazi Zone, Hakenkreuzen und Links auf eine dem rechtsextremen System Resistance Network zugehörige Webseite auf. Im September 2018 nahm Polizei des Wales Extremism and Counter Terrorism Unit (WECTU) einen 19-Jährigen als verdächtigen Urheber fest.[68]

Laut monatelangen Recherchen der BBC entstand im Jahr 2017 die Sonnenkrieg Division als britische Teilgruppe der AWD. Sie wurde anfangs auf höchstens zehn bis fünfzehn Mitglieder geschätzt. Ihr Gründer und Anführer ist der 22-jährige Student Andrew Dymock (Pseudonym „Blitzy“) aus Bath. Er und weitere Mitglieder waren zuvor im System Resistance Network aktiv, das rassistische Übergriffe in zehn britischen Städten beging. Als Chefpropagandist gilt der Schüler Oskar Koczorowski aus London. Er gehörte zuvor zur neonazistischen National Action, die im Dezember 2016 als erste britische rechtsextreme Gruppe seit 1945 verboten worden war. Beide kommunizierten in verschlüsselten Chats mit AWD-USA; Dymock plante, AWD-Mitglieder in den USA zu besuchen. Er beschrieb seine Gruppe als „Atomwaffen mit weniger Gewehren“, die „voll auf Universal Order“ stehe, und erklärte, man solle „alle Polizisten töten“ und „zu Tode vergewaltigen“. Koczorowski zeigte Fotos von sich mit der AWD-Maske nahe dem britischen Parlament und ein Video, in dem eine britische Flagge verbrannt wird. Propagandabilder der Gruppe stellten Prinz Harry wegen seiner Ehe mit einer „Mischlingsfrau“ als „Rassenverräter“ dar, fordern, ihn zu erschießen, glorifizierten den norwegischen Massenmörder Anders Breivik und riefen zum Mord an weißen Frauen auf, die sich mit nichtweißen Männern einlassen. Andere Mitglieder berichteten, sie hätten junge Frauen deswegen zu Selbstverstümmelung ermutigt, und zeigten Bilder davon. Weitere Bilder zeigten ein auf dem Boden liegendes nacktes Mädchen, in dessen Haut ein Hakenkreuz und Runen eingeritzt sind, während Dymock ein Buch von James Mason über ihr durch die Luft schwingt. Dymock soll wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe auf minderjährige Mädchen von der britischen Polizei verhört worden sein. Auf Nachfragen bestritt er die Vorwürfe.[69]

Am 6. Dezember 2018, einen Tag nach dem BBC-Erstbericht, wurden drei Mitglieder der Gruppe festgenommen und wegen der Herstellung und Verbreitung von Terrorpropaganda unter anderem auf dem Gab-Netzwerk angeklagt. Oskar Koczorowski und der 19-jährige Student Michal Szewczuk aus Leeds gaben zu, sie hätten Terroranschläge gegen Prinz Harry und Polizisten angeregt. Szewczuk räumte auch den Besitz dafür geeigneter Dokumente ein. Er hatte zum „systematischen Schlachten“ von Frauen und Vergewaltigen von Säuglingen aufgerufen und besaß Anleitungen zum Bombenbau, zum Ausüben von islamistischem Terror und ein Handbuch zum „weißen Widerstand“. Gegen das dritte Gruppenmitglied wurden Ermittlungen eingeleitet.[70]

Im Juni 2019 wurde Koczorowski zu 18 Monaten Haft auf Bewährung, Szewczuk zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt. Laut der Urteilsbegründung war ihre selbst hergestellte Terrorpropaganda einheitlich gewaltsam und bedrohend, enthielt Vergewaltigung und Hinrichtung, zielte auf Nichtweiße und Juden, ermutigte offen zu Gewalttaten gegen öffentliche Personen und warb für die rechtsextremen Terrorgruppen „Sonnenkrieg“ und AWD, die ihrerseits eine rassistische und antisemitische Ideologie, den völligen Ausstieg aus dem „System“ verträten und Terrorgewalt beabsichtigten. Gutachter hatten die Bezüge beider Gruppen und ihre Gefährlichkeit im Detail bezeugt. Szewczuks Strafmaß war höher, weil er gegen frühere Bewährungsauflagen verstoßen, in einem eigenen Blog eine extreme, gewalttätige Misogynie vertreten und zum Vergewaltigen und Enthaupten von Säuglingen und Foltern von Frauen aufgerufen hatte. Die Sonnenkrieg Division gilt aufgrund der Ermittlungsergebnisse dieses Prozesses als die extremste Neonazigruppe in Großbritannien seit dem Verbot der National Action von 2016.[71]

Feuerkrieg Division[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Neonazigruppe namens Feuerkrieg Division (FKD) tauchte erstmals im Januar 2019 auf verschiedenen Webseiten in Europa auf. Nach Recherchen der Amadeu Antonio Stiftung wollte die Gruppe 2019 in Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Irland, Kanada, den Niederlanden, Norwegen und Russland ihre Flugblätter verteilen und dies dann mit Fotografien auf ihrem Telegram-Kanal belegen. Wie die AWD vertritt die FKD den Akzelerationismus nach James Mason („Siegeculture“), ruft zum „Rassenkrieg“ bzw. „Heiligen Krieg“ oder „weißen Jihad“ und zu Anschlägen auf Synagogen und Moscheen auf, behauptet, Juden kontrollierten das „System“, ermuntert Mitglieder, sich zu „opfern“ und das politische und kulturelle „System“ mit Gewaltmitteln zu „reparieren“, bis es „weiße Ethnostaaten“ gebe, und zeigt dazu Bilder selbstgebauter Sprengköpfe. Laut ADL hatte die FKD 2019 weltweit rund 30 Mitglieder. Laut Spiegel wuchs sie bis Februar 2020 auf rund 70 Personen, davon 32 in den USA, neun in Großbritannien, je sechs in Deutschland und Kanada.[53] Der Fachbuchautor und Szenekenner Roland Sieber schätzt FKD insgesamt auf etwa 50 bis 70 Mitglieder. Es seien meist junge, ideologisch gefestigte und sehr gewaltbereite Neonazis.[72]

Ihr Anführer gab an, er lebe in den Niederlanden, doch die Gruppe habe auch in Estland mindestens ein Mitglied. Er lobte die Morde von Dylann Roof und Robert Bowers: Sie hätten rassische, religiöse und ethnische Spannungen vermehrt und so der nationalsozialistischen Bewegung mehr Rekruten zugetrieben. Im Februar 2019 verbreitete FKD Propagandamaterial auf WordPress, YouTube und dem Gab-Netzwerk; ferner besaß FKD Konten auf Twitter und bei Fascist Forge. Darüber wurden vor allem Personen angesprochen, die das Buch Siege inspirierte, im realen Leben aktiv zu werden. Über das Gab-Konto verbreitete FKD zahlreiche Bilder und Texte, die zu Gewalt gegen Regierungsbeamte, Juden, Feministen, LGBT-Personen und Linke ermutigen, darunter ein Bild vom Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City und ein Gedicht, das zum Mord an Juden und Verbrennen von Synagogen aufruft.[73]

Bis Juni 2019 war nur eine britische FKD-Zelle mit eigenem Emblem und E-Mail-Adresse bekannt. Am 13. und 14. Juni 2019 verkündete das Konto @FK_Division im Gab-Netzwerk, FKD habe „offizielle neue Zellen“ in Großbritannien, Irland und Deutschland gebildet. Man suche dort zusätzliche Mitglieder. Am 3. August 2019 postete das FKD-Konto das Bild eines mit Schwertern durchstochenen Totenkopfs, das in allen folgenden Posts als neues FKD-Emblem erschien. Das Poster dazu verwies auf die Massenmörder Dylann Roof und Brenton Tarrant, auf die National Socialist Liberation Front (NSLF) von 1974 und enthielt Fotos der Eternal Wignat, die so als FKD-Mitglieder erschienen. Am 5. August erklärte FKD auf Telegram, man habe eine „kanadische Zelle“ gegründet. Ein Poster dazu zeigte den Davidstern auf einer Landkarte Kanadas und die Aussagen: „Unser Feuer wächst. Nur Kugeln werden uns stoppen!“ (englisch) „Gott strafe Kanada“ (deutsch). Wie üblich in der FKD-Propaganda enthielt das Poster die bekannte E-Mail-Adresse und den Aufruf Join your local Nazis. Viele FKD-Beiträge auf Telegram werben auch in den USA um Mitglieder, vor allem in Kalifornien, Texas, New York und der Region der Großen Seen. Den Detailangaben zufolge wohnen FKD-Mitglieder schon in diesen Gebieten und haben dort Zellen gebildet oder streben diese an. Damit wurde fraglich, ob FKD noch als europäische Teilgruppe von AWD gelten kann oder wie AWD als internationales rechtsextremes Netzwerk anzusehen ist.[74]

Der im September 2019 festgenommene US-Soldat Jarrett William Smith (Benutzername „Anti-Kosmik“) gehörte sowohl zur AWD als auch zur FKD. Ein FKD-Anführer aus Estland (@CommanderFKD) identifizierte ihn in der rechtsextremen Chatgruppe Slovak’s War Room auf Telegram als FKD-Mitglied. Nach seiner Festnahme veröffentlichte FKD ein „Tributbild“ von Smith und nannte ihn „unser Kamerad“. Die von Antifaschisten entschlüsselte Kommunikation zeigt, dass FKD sich als internationale eigene Gruppe, nicht als baltischer oder europäischer Teil der AWD versteht. Gleichwohl gilt FKD in Medienberichten meist als Splitter, Zweig oder Abspaltung der AWD.[75]

Am 5. Oktober 2019 kündigte der FKD-Commander im internen Chat an: „EksD hat den Kanal verlassen… Er wird zurückkommen. Sofern er nicht scheitert, wird etwas Großes passieren… Schweigt, Brüder.“ Am nächsten Tag lag ein selbstgebauter Sprengsatz vor einem Gebäude in Vilnius, dessen Wand mit einem Hakenkreuz beschmiert worden war. Die Bombe zündete nicht. Am 8. Oktober erschien im FKD-Kanal auf Telegram ein Video unter dem Titel „Unsere Drohungen sind nicht leer“, das Presseberichte über den Anschlagsversuch und Fotografien von selbstgebauten Sprengsätzen zeigte. Am 12. Oktober meldete sich „EksD“ wieder in der FKD-Chatgruppe: „Jeder weiß wahrscheinlich, warum ich mich abgemeldet habe… Bleibt nur noch die Frage, wann ihr Neger euren Teil beitragt.“ Weitere interne Chatprotokolle, die die Zeitschrift Der Spiegel aufdeckte, zeigten, wie sich FKD global vernetzt, Hass verbreitet und Anschläge plant.[76]

Schon am 13. Juni 2019 kündigte die FKD auf ihrem inzwischen gelöschten Gab-Kanal „Feuerkrieg Division Official“ eine deutsche Zelle an. Ab Juli 2019 eröffnete FKD einen Telegram-Kanal. Der erste Post bezog sich programmatisch auf den Nationalsozialismus, auf Anders Breivik und kündigte mit blutigen Bildern „Aktivismus“ an. Am 21. August 2019 rief FKD auf Telegram dazu auf, sich der deutschen Gruppe anzuschließen und bezog sich dabei erneut positiv auf den Nationalsozialismus, die Ermordung Walter Lübckes und Brenton Tarrants Massenmord in Christchurch. Am 22. August veröffentlichte FKD acht Fotografien von ihren in Deutschland aufgehängten Postern. Am 12. September und 16. Oktober posteten sie je ein Graffiti aus Deutschland. Ferner teilten sie eine Fotografie eines Jungen, der angeblich von einem Geflüchteten, tatsächlich von einem psychisch Kranken in Frankfurt am Main vor einen Zug gestoßen wurde. Am 28. Oktober postete FKD flüchtlingsfeindliche und rassistische Bilder aus Wien und teilte das Livevideo des Attentäters Stephan Balliet beim Anschlag in Halle (Saale) 2019. Die Bild- und Textbeiträge von FKD auf Telegram sind klar antisemitisch, rassistisch, NS-verherrlichend, terroristisch und gewaltaufrufend. Auf dem Telegram-Kanal vernetzen sich FKD-Mitglieder mit Sympathisanten aus vielen Teilen der Welt und teilen Anleitungen zum Waffenbauen.

Laut dem Spiegel-Bericht nennen sich die Mitglieder der deutschen FKD-Zelle in den Chats „Teuton“, zuständig für Aufnäher mit FKD-Logo, „Dekkit“, zuständig für Propaganda, „Napola88“, „Wolfskampf“ (minderjährig) und „Jus-ad-bellum“. Der 22-jährige mutmaßliche Anführer nannte sich „Heydrich“, gab an, er habe eine militärische Ausbildung bei der Bundeswehr absolviert und im Keller seines Elternhauses eine Waffe selbst gebaut. Im Januar 2020 kündigte er an, er wolle „zum Heiligen werden“, etwa durch eine Tat gegen „ein Haus des Glaubens schlechter Menschen“. Er wollte also nach rechtsextremen Sprachgebrauch ein größeres rassistisches, islamfeindliches, antisemitisches, antifeministisches oder gegen LGBTIQ gerichtetes Attentat begehen.[53]

Als er im selben Post nach einem geeigneten Ort dafür fragte und wissen wollte, wer ein solches Anschlagsziel kenne, nahm das LKA Bayern den Mann am 5. Februar 2020 im Landkreis Cham in seinem Elternhaus fest. Er hatte sich schon mehrere Waffen besorgt und eine Waffe selbst gebaut. Die Generalstaatsanwaltschaft München erklärte, er sei der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdende Gewalttat dringend verdächtig. Chatverläufe im Darknet oder bei Telegram zeigen jedoch auch die Gewaltbereitschaft der übrigen FKD-Mitglieder, die etwa mitteilten: „Wir haben keine Angst vor dem Tod und töten jeden, der sich uns in den Weg stellt“. Sie wünschen sich, Synagogen sollten wieder brennen, und bieten dazu online Mittel an, verehren Robert Bowers, den Mörder von Pittsburgh, den Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant, loben den Mord an Walter Lübcke und die Morde von Stephan Balliet. Der Mitbegründer Wolfram aus den Niederlanden erklärte in einem Interview, FKD habe anfangs nur einen Server besessen, sich auf online-Vernetzung konzentriert und sei dann durch weitere Aktivitäten immer weiter gewachsen. „Dekkit“ besuchte 2019 die USA und soll sich dort auch mit AWD-Mitgliedern getroffen haben, eventuell um einen Zusammenschluss beider Gruppen zu beraten.[72]

Der 22-jährige Anführer Fabian D. („Heydrich“) wurde nach Recherchen des Spiegel Mitte 2019 zum Wortführer der deutschen FKD-Zelle. Er posierte auf Fotografien maskiert mit seinem selbstgebauten Gewehr und Hitlers „Mein Kampf“. Wie Stephan Balliet war er zuvor nicht als rechtsextrem aufgefallen und hatte keine Bezüge zur regionalen Neonaziszene. Er radikalisierte sich offenbar allein durch rechtsextreme Chatgruppen im Internet. Er arbeitete bis zu seiner Festnahme als Elektriker im Schichtdienst in einem mittelständischen Betrieb. Sicherheitskreise beschrieben ihn als „Waffennarr“ und „Sicherheitsfanatiker“. Er hatte sich kurz zuvor für einen Job im IT-Bereich der Bundeswehr beworben.[77]

Nach einem Bericht des Eesti Ekspress identifizierte die Polizei im Januar 2020 in Estland einen 13-Jährigen, der die FKD im Oktober 2018 mitgegründet hatte und im Internet als ihr „Commander“ aufgetreten war. Demnach war er für die Rekrutierung neuer Mitglieder zuständig und entschied über deren Aufnahme. Er teilte Anleitungen zum Bombenbau, wünschte sich einen Anschlag in London und schlug vor, zum „100. Geburtstag“ der NSDAP im Februar 2020 militärische Trainingscamps zu organisieren. Da Jugendliche unter 14 Jahren in Estland nicht strafmündig sind, nahm die Polizei ihn nicht fest, wirkte aber nach ihren Angaben mit einem Hausbesuch und anderen rechtlichen Schritten auf ihn ein. Auch in anderen Staaten wurden weitere FKD-Mitglieder festgenommen, darunter ein 16-Jähriger in Großbritannien. Er besaß Anleitungen für den Bau von Waffen und Bomben auf seinem Computer. Ein 24-Jähriger im US-Bundesstaat Nevada gestand im Februar, er habe Anschläge auf eine Synagoge und einen LGBTQ-Klub geplant. Am 8. Februar 2020 verkündete die FKD im Netz ihre Auflösung. Laut internen Chats war diese Erklärung jedoch nur für die Öffentlichkeit gedacht; man werde unter einem neuen Namen weitermachen.[77]

Atomwaffendivision Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Recherchen der Zeitschrift Der Spiegel reiste ein AWD-Mitglied Ende 2017 aus den USA nach Deutschland und belegte dies in internen Chats mit einer Fotografie von der Wewelsburg, einer ehemaligen SS-Ordensburg bei Paderborn. In diesen Chats kündigte AWD-USA ein deutschsprachiges Propagandavideo an, das Anfang Juni 2018 im Internet erschien.[36] Darin verkünden Männer mit Totenkopfmasken die Gründung einer deutschen AWD und erklären: „Der Nationalsozialismus lebt. Deutsche Freiheitskämpfer, folgt der Atomwaffen Division. Wir bereiten uns auf den langen, letzten Kampf in den Trümmern vor, der bald kommen wird. Die Messer werden schon gewetzt.“ Das Video zeigt Fackelmärsche von maskierten „Unsterblichen“ im südlichen Brandenburg und im sächsischen Bautzen aus den Jahren 2011 und 2012 sowie einen Aufmarsch der Neonazipartei „Der III. Weg“, an dem auch britische Neonazis der Gruppe National Action teilnahmen.[78] Weitere Szenen begrüßen die „wahren Kameraden“ in den USA auf Englisch, verkünden, AWD werde sich auch in Deutschland auf den Kampf vorbereiten, zeigen das Laden einer Pistole und Fahnen mit dem Hammer-und-Schwert-Logo des rechtsextremen „Antikapitalistischen Kollektivs“.[79] Die Bilder von Aktionen Freier Kameradschaften sind mit historischen Aufnahmen von Aufmärschen früherer Nationalsozialisten und Kriegsbildern kombiniert. Am Ende posiert ein Mann mit Totenkopfmaske und AWD-Fahne vor der Wewelsburg.[80] Das deutsche Rekrutierungsvideo wurde auch von AWD-USA verbreitet.[79]

Die Bundesregierung antwortete im Juli 2018 auf eine Kleine Anfrage der Partei Die Linke: „Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Anfang Juni 2018 im Rahmen der ,Koordinierten Internetauswertung-Rechts‘ (KIA-R) Hinweise auf die Existenz einer Gruppierung mit dem Namen ,Atomwaffen Division‘ in Deutschland erlangt.“[81] Das Bundeskriminalamt (BKA) sah keine Anhaltspunkte für eine terroristische Vereinigung: „Die Gefährdung durch extrem rechte und rechtsterroristische Gewalttaten in der Bundesrepublik Deutschland bleibt, auch nach der Ankündigung der Existenz eines deutschen Ablegers der AWD, unverändert auf einem abstrakt hohen Niveau.“[82] Das GETZ registrierte die deutsche AWD, hatte aber keine Hinweise auf deren Mitgliedszahl. Seit Juni 2018 beobachtet das Bundesinnenministerium AWD wegen Anhaltspunkten für Aktivitäten gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.[83]

Mindestens ein Deutscher nahm an einem Hasscamp der AWD in der Wüste von Nevada teil. Deutsche AWD-Mitglieder schrieben in einer E-Mail 2018, ihre Gruppe sei noch sehr klein und stehe „in der Anfangsphase der Formation der deutschen Atomwaffendivision“. Ihr Schwerpunkt liege auf „Gewalt und Töten sowie auf Propaganda, die zu solcher Gewalt und solchem Töten führt.“ Sie kündigten an, eine Werbekampagne in Deutschland zu starten.[36]

Im Herbst 2018 reiste ein Mitglied von AWD-USA nach Deutschland, um eine Antifaschistin zu verfolgen, die vor AWD nach Deutschland geflohen war. Die US-Behörden warnten die deutsche Polizei vor den Absichten des Mannes. Im November 2018 warnte die deutsche Polizei die bedrohte Frau und bat sie, ihren Wohnsitz zu verbergen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Man kenne die Identität des eingereisten US-Bürgers, seine Organisation und Kontaktpersonen, wisse aber nicht, wo diese sich aufhielten. Weil die Frau weiterhin Anschlags- und Morddrohungen erhielt, machte sie den Vorgang im November 2019 publik und verwies auf das Wachstum von AWD. Die Gruppe sei eine internationale Terrororganisation und müsse von den Behörden unbedingt als solche behandelt werden.[84]

Im November 2018, kurz vor dem Jahrestag der Novemberpogrome 1938, lagen Flugblätter und Briefe im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin, die Männer in Tarnkleidung mit Totenkopfmasken und Sturmgewehren zeigten, eine E-Mail-Adresse nannten und die „Deutschen Studenten“ aufriefen: „Mißbraucht euren Geist nicht länger in den Diensten der Volksfeinde!“ Man solle sich auf den Bürgerkrieg vorbereiten und der „Atomwaffen-Division“ folgen. Darüber stand das AWD-Logo, ein Hakenkreuz und eine Seriennummer, die auf mindestens 40 weitere derartige Flugschriften verwies. Die Gruppe Register Berlin, die seit 2008 rechtsextreme Vorfälle in der Stadt erfasst, hatte ähnliche Flugblätter erstmals 2011 kurz nach der Enttarnung des NSU bemerkt. Die Urheber seien wegen Sprache, Qualität, Realitätsbezugs und geplanter Verteilung ihrer Texte als authentische und gefährliche rechtsterroristische Gruppe einzuschätzen.[85] Die Berliner Polizei und der Staatsschutz leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ ein, fanden aber keine Tatverdächtigen.

Im April 2019 tauchten in Frankfurt am Main mit „Atomwaffendivision Deutschland“ unterschriebene Flugblätter auf, die Gewaltaufrufe und verfassungswidrige Symbole trugen. Im Mai lagen mit „Atomwaffendivision“ unterzeichnete Flugblätter in einer Bibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie zeigten einen Maskierten, der einen Betenden vor einer Moschee mit einer Axt angreift, und riefen zum Mord an Muslimen, Rabbinern und Imamen auf. Ein weiteres Flugblatt zeigte einen Mann mit Totenkopfmaske und Sturmgewehr vor dem brennenden Brandenburger Tor und rief zum „totalen Bürgerkrieg“ auf. Der Begleittext behauptete die bei Neonazis verbreitete These einer angeblich drohenden Vernichtung der „weißen Rasse“ durch vermeintlich von Juden gesteuerte Migration und erwähnte die Annahme des UN-Migrationspakts im Dezember 2018.[83]

Ende Mai 2019 lagen AWD-Flyer in einem Hausflur in der Keupstraße. Nahebei hatte die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) am 9. Juni 2004 den Nagelbombenanschlag in Köln verübt. Die Flugblätter zeigten unter dem Titel „Botschaft an die Moslems in Deutschland“ einen Vermummten, der einen betenden Muslim mit einer Axt enthauptet. Kölner Muslime erhielten die mit „Atomwaffendivision Deutschland“ unterzeichneten Flyer als Drohbriefe.[36] Die Autoren wandten sich an die „Moslems in Deutschland“ und drohten ihnen: „Gezielte Angriffe auf euch werden bald starten.“ Die Muslime seien „das willfährige Werkzeug der Juden, um Deutschland und Europa zu zerstören“.[86] Unbekannte verteilten sie zwischen dem 29. Mai und dem 3. Juni im Ortsteil Köln-Mülheim und steckten sie in unfrankierten Briefumschlägen in Briefkästen. Darauf machte unter anderem die Publizistin Bahar Aslan auf Twitter aufmerksam. Der Staatsschutz ermittelte.[87]

Am 27. Oktober 2019 schrieb ein Absender „atom11“ eine E-Mail an den Politiker Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen): „Auch Sie linke Türkensau haben es nun auf unsere Todesliste geschafft […]. Momentan sind Sie der Erste auf unserer Liste, weshalb sie sich sehr glücklich schätzen können. Wir sind die Atomwaffen-Division Deutschland und führen das weiter, was in Amerika begonnen hat, denn wir sind eine global vernetzte rechtsextreme Organisation mit Kontakten zu Millitanten Gruppierungen in ganz Europa und Amerika. […] Es ist unser Ziel, die größte rechtsextreme Organisation nach dem Ende des Dritten Reiches zu werden.“[88] Man plane, Özdemir auf der nächsten öffentlichen Kundgebung hinzurichten oder vor seiner Wohnung abzufangen: „sie Türkenschwein werden für all ihre Fehler, wie auch die ihrer Partei bezahlen.“ 18 Minuten später schrieb derselbe Absender an Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Die Grünen): „Sie sind zurzeit Platz zwei auf unserer Abschussliste.“ Sie habe sich bis Ende der Woche (9. November 2019) schriftlich in den sozialen Medien „klar von den Grünen zu distanzieren“.[89] „Die Phase bevorstehender Säuberungen wurde mit Herr Lübcke und dem Herrn Hollstein eingeleitet. Es werden ihm noch viele weitere folgen. Unter anderem Sie und Herr Özdemir.“ Damit stellten die Absender die Drohung in die Reihe des rechtsextremen Messerangriffs auf Andreas Hollstein (27. November 2017), den er überlebte, und des rechtsextremen Mordes an Walter Lübcke (2. Juni 2019).[88] Beide Mails endeten: „mit freundlichen Grüßen Atomwaffen-Division Deutschland“.

Der oder die Absender wurden bisher nicht ermittelt; ob es AWD-Mitglieder oder Nachahmer sind, ist unklar. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet diese Mails in eine gegenwärtige Welle von rechtsextremen Drohungen gegen deutsche Politiker ein.[36] Auch Investigativjournalisten sehen mögliche Bezüge zu Morddrohungen gegen Politiker von Absendern wie „NSU 2.0“ und anderen, die seit 2018 stark zugenommen haben.[90] Das BKA hielt seine erste Einschätzung einer abstrakten Gefahrenlage auch nach den Morddrohungen gegen Roth und Özdemir im November 2019 fest.[82] Der Terrorismusexperte Peter Neumann (King’s College London) fand die Drohungen dagegen „sehr konkret und spezifisch“. Er schätzte AWD in Deutschland auf bundesweit 24 bis 36 Mitglieder mit einer extrem hohen Gewaltbereitschaft.[91]

Nach einem Hinweis des FBI nahm die deutsche Polizei am 7. November 2019 den 31-jährigen Kyle M. fest und verweigerte ihm nach einem Verhör die Einreise. Er gilt als führendes Mitglied der AWD-USA, war laut den AWD-Videos schon mehrmals in Deutschland, spielte eventuell in Bands des National Socialist Black Metal (NSBM) und hatte enge Kontakte zu deutschen rechtsextremen Musikern, darunter dem verurteilten Mörder Hendrik Möbus. Auch das AWD-Mitglied Kaleb Cole soll NSBM-Konzerte in Europa besucht haben.[79]

Nach gemeinsamen Recherchen von ZDF und T-online.de in den geleakten Daten des Iron March kommunizierten auch deutsche Neonazis dort, darunter ein Eisenacher AWD-Anhänger. Er hatte dort 2017 erklärt, er würde sich für den Holocaust statt Freiheit für die Juden entscheiden; Deutschland sei seine Religion, Hitler sein Prophet. Die NPD lehnte er als Partei „voller Untermenschen“, die AfD als zu wenig radikal ab. Er forderte Neonazis aus den USA auf, ihn zu kontaktieren, falls sie in Deutschland aktiv werden wollten. Anklagen wegen Volksverhetzung seien legal leicht zu umgehen. Auf der Seite xplosives.net, die im August 2019 geschlossen wurde, gab er routinierte Tipps zur Herstellung von Sprengstoffen und Entsorgung von Chemikalien. Er habe schon HMTD ausprobiert, verarbeite seine Initialsprengstoffe „immer direkt zu Zündkapseln“ und besorge sich scharfe Munition im Schützenverein und über Waffenbesitzkarten von Verwandten.[92] Im Iron-March-Forum stellte er sich als Hitleranhänger dar, der deutsche Facebookseiten und Blogs mit „NS“, „Revolt“ und „Straßenkunst“ im Namen betreut habe. Diese Seiten zeigten die Herstellung von Graffiti wie „Nazi Kiez“ und Werke einer Eisenacher rechten Sprayergruppe. Die „Revolt“-Seite kritisiert Verschwörungstheorien, die die Terrorabsicht des Attentäters von Halle Stephan Balliet in Frage stellen. Der Eisenacher produzierte laut den Chats Propagandavideos für Neonazigruppen wie das deutsche „Antikapitalistische Kollektiv“ (AKK). Dieses kooperierte seit 2016 mit der britischen National Action (NA). Mehrere NA-Mitglieder, die zu einer Erster-Mai-Kundgebung nach Plauen gereist waren, hätten ihm den Iron March empfohlen. Mit diesen Angaben suchte er Kontakt zu führenden Mitgliedern von AWD-USA. Er erhielt den Namen und eine Mail eines AWD-Videoherstellers. Das deutsche AWD-Video vom Juni 2018 enthält identische Szenen von der Maidemonstration Plauen wie die AKK-Videos, so dass der Eisenacher als Hersteller gilt. Er signierte seine Chats im Iron-March-Forum mit einem seltenen Benutzernamen, der auch in anderen rechtsextremen sozialen Medien auftaucht. Dort begrüßt er Terror, eine nationalsozialistische Revolution und sucht Sprengstoffrezepte. Auf der Seite Fascist Forge beschrieb er sich: Er sei Anfang 20, führe eine lokale Neonazigruppe und sei zunächst im AKK aktiv gewesen. Er treibe Kampfsport in einer Gruppe, habe an Schießtrainings in Tschechien und am Neonazifestival „Schild & Schwert“ im sächsischen Ostritz teilgenommen. Dort war er wegen unerlaubter passiver Bewaffnung festgenommen und später verurteilt worden. Er beschrieb Eisenach als seine Heimat, wo Rechte ein eigenes Haus für Events und Treffen besäßen. Laut der Thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss nahm er eventuell am NSBM-Fest „Asgardsrei“ in Kiew teil. Dort spielte auch die Band Absurd von Hendrik Möbus, der mutmaßlich Kontakte zu einem Mitglied der AWD-USA hat. Das Amt für Verfassungsschutz Thüringen äußerte sich nicht zu möglichen Kontakten von Eisenacher Neonazis zur AWD, wollte diese aber prüfen.[93]

Der Eisenacher war als „Antidemokrat“ im Ironmarch-Forum registriert und ist laut Katharina König-Preuss ein seit Jahren aktiver Neonazi. Er habe bei der Neonazikampfsportgruppe „Knockout51“ trainiert, die an das „Flieder Volkshaus“ der NPD-Geschäftsstelle angebunden sei. Er habe an mindestens einem Schießtraining von Rechten in Tschechien teilgenommen und habe Kontakte zur rechtsextremen Asow-Miliz in der Ukraine. Somit habe sich in Eisenach ein hochgefährliches Neonazimilieu gebildet, das die Morddrohungen der AWD gegen politische Gegner umzusetzen bereit sein könne.[55]

Wenige Stunden nach dem T-online-Bericht erklärte die Gruppe „Nationaler Aufbruch Eisenach“ auf Facebook, sie löse sich sofort und vollständig auf. Der Eisenacher war führendes Mitglied dieser Neonazigruppe. Er bestritt auf seinem Instagramprofil, dass er für den deutschen AWD-Ableger gearbeitet habe. Diese „Spastis“ habe er „schon immer lächerlich“ gefunden. Zu seinen Kontakten mit AWD-Vertretern in den USA äußerte er sich nicht.[94]

Das BKA dementierte eine Hausdurchsuchung in Eisenach und Beschlagnahmung von Datenträgern, von denen die Tagesschau.de am 18. November 2019 berichtet hatte. Gleichwohl beobachten deutsche Sicherheitsbehörden und der Generalbundesanwalt AWD und mögliche deutsche Kontaktpersonen seit dem Datenleck verstärkt.[95]

Im September 2020 zog der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zur „Atomwaffendivision Deutschland“ an sich. Zuvor erwies sich im Prozess zum Anschlag in Halle (Saale) 2019, dass der angeklagte und geständige Täter Propagandamaterial der Gruppe besaß. Im August 2020 hatte der mutmaßliche Eisenacher Produzent des Propagandavideos der deutschen AWD bei Corona-Demonstrationen in Berlin an Ausschreitungen vor der russischen Botschaft teilgenommen und wurde dabei festgenommen.[96]

Im Dezember 2020 bestätigte die Bundesregierung im Innenausschuss des Bundestags die Existenz der deutschen AWD: Es sei eine „antisemitische, klandestin agierende, neo-nationalsozialistische Kleingruppe“, die den „Erhalt der weißen Rasse“ propagiere und Terrorakte befürworte. Laut dem FDP-Ausschussvertreter Benjamin Strasser organisiert sich die AWD „ähnlich wie der NSU […] nach dem Konzept des führerlosen Widerstands.“ Ihre wohl überschaubare Mitgliederzahl sage daher nichts über ihre Gefährlichkeit aus. Darüber sei der Bundestag bisher kaum informiert worden. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen Irene Mihalic kritisierte, der Kenntnisstand der Sicherheitsbehörden zu Vernetzung und möglichen Plänen der Gruppe sei unklar. Ihre seit 2018 bekannten Kontakte zur AWD USA hätten „ein lautes Warnsignal“ sein müssen.[97]

Aktivitäten seit März 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angebliche Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. März 2020 erhielt das Internetmedium Vice.com eine Presseerklärung als Tonband. Darin behauptete der langjährige Chefideologe James Mason, AWD habe am 9. März 2020 offiziell die sofortige Auflösung der Gruppe beschlossen und ihn beauftragt, dies öffentlich bekanntzugeben. Das Ausmaß der staatlichen Infiltration und die vielen Festnahmen hätten die Funktionsfähigkeit der Gruppe so stark behindert, dass es zwecklos sei, irgendeinen Rest organisatorischer Aktivitäten vorzutäuschen. Alles, was fortan im Internet unter dem Label von AWD zu finden sei, sei als Schwindel zu betrachten. Mason hatte bereits im Herbst 2019 ein weit verbreitetes Propagandavideo einer Gruppe, die sich als AWD bezeichnete, rasch als Betrug verurteilt. Sein Audioband kursierte online und wird meist als echt erachtet. Eine vollständige Einstellung aller Gruppenaktivitäten dagegen bezweifeln Experten. Sie sehen die Bekanntmachung als Reaktion auf die verschärfte Strafverfolgung seitens des FBI. Dieses hatte im Februar 2020 fünf AWD-Mitglieder in den USA, darunter John Cameron Denton, sowie sechs Mitglieder der Gruppe The Base festgenommen.[98]

Deutsch-englischer Telegram-Kanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar nach der angeblichen Selbstauflösung veröffentlichte die „Atomwaffendivision Deutschland“ (AWDD) eine Stellungnahme, sie sei weiter aktiv. Sie verbreitete erneute Aufrufe zum Mord an Juden und Muslimen, deren antisemitische und rassistische Motive mit früheren AWDD-Flugblättern fast identisch sind. Am 18. März 2020 erstellte AWDD einen Telegram-Kanal und veröffentlichte dort unter anderem eine „deutsche Übersetzung des Atomwaffen Division Programms“ sowie zwei Tonaufnahmen in deutscher und englischer Sprache. In der deutschen Version sagt eine verzerrte Stimme: „Dies ist eine Nachricht von der Atomwaffendivision Deutschland. Wir sind sehr traurig darüber, dass unsere amerikanischen Kameraden gezwungen waren, ihre Zellen aufzulösen. Jedoch sind wir hier in Deutschland praktisch unberührt geblieben. Wir haben es geschafft, mehrere Leute für den kommenden Kampf zu rüsten und von den gierigen Händen des Systems zu befreien. Wir wollen damit fortfahren. Wir in Deutschland werden aktiv bleiben – bis zum bitteren Ende. Sieg Heil!“ Am Folgetag erschien auf dem Kanal ein zwölfseitiges Dokument mit dem Titel „Atomwaffen Division Deutschland Programm“ mit ideologischen und strategischen Überlegungen, „Verhaltensregeln“, „Rekrutierungsanforderungen“ und nationalsozialistischer „Pflichtlektüre“, darunter Hitlers „Mein Kampf“ und James Masons Buch „Siege“. AWDD befinde sich „nicht nur in einem gefährlichen Kampf gegen die Juden, sondern auch gegen unser eigenes Volk.“ Erneut verwies AWDD auf die militanten Organisationsformen „einsame Wölfe“, „kleine Zellen“ und „führerlose Widerstandsaktivitäten“. Der Holocaust wurde geleugnet und gefordert, der Nationalsozialismus verherrlicht. Zwei Grafiken wiederholten die aus früheren Flugblättern bekannten Tötungsszenarien: Eine Person mit Totenkopfmaske holt mit einer Axt oder einem Messer aus, um einen vor einer Moschee betenden Muslim zu enthaupten. Bildaufbau, Bildsprache, Schriftarten und Texturen ähneln Arbeiten des kanadischen Grafikdesigners „Dark Foreigner“, die 2017 auf der englischsprachigen Webseite atomwaffendivison.org erschienen waren.

Von März bis Juli 2020 wurden auf dem Telegram-Kanal 18 AWD-Grafiken mit deutschsprachigen Inhalten veröffentlicht. Da sich ihre Gestaltung und Verbreitung stark unterscheiden, wurden sie mutmaßlich von verschiedenen Personen erstellt. Mindestens drei Grafiken übersetzen genau ihre englischsprachigen Vorlagen. Die meisten Motive gibt es jedoch aktuell nur mit deutschem Text. Einige wurden ins Russische übersetzt und von einer „Atomwaffen Division Russland“ (AWDR) auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und durch Einzelpersonen verbreitet.[99]

Atomwaffen Division Europe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Recherchen des Portals Belltower.News stellte ein Neonazi aus Polen am 12. Januar 2021 in einem öffentlichen Telegram-Kanal die “Atomwaffen Division Europe” (abgekürzt AWDE) vor. Er hatte 2018 bei einer Demonstration in Warschau Symbole der Waffen-SS getragen und war deshalb festgenommen worden. In seinem Haus wurden damals viele NS-Devotionalien gefunden. Im Telegram-Gruppenchat gab er Verbindungen zur Misanthropic Division an, die in ganz Europa Kämpfer für das rechtsextreme Regiment Asow in der Ukraine sucht. Er selbst suchte in rechtsterroristischen Onlineforen Mitstreiter und wollte Flugblätter mit Aufrufen zum Massenmord drucken lassen. Er präsentierte einen Entwurf mit dem Spruch „Der Holocaust ist nicht passiert, er hätte passieren sollen“, einem SS-Totenkopf, der Frage „6 Millionen Juden?“ und der Antwort „Ist das eine Herausforderung?“ sowie den Kontaktdaten der Gruppe. Daraufhin wurde der öffentliche Telegramkanal der Gruppe gesperrt.

Gleichwohl erhielt die private AWDE-Telegramgruppe bis Ende April 2021 etwa 25 Mitglieder, darunter zwölf Deutsche sowie Ukrainer, Briten und US-Amerikaner. Sie behaupten, man habe keine Kontakte zur bisherigen AWD in den USA und Deutschland, übernahmen aber deren Logo, Ideologie und Strategie: Man wolle auch mit Gewalt die Vorherrschaft einer vermeintlich „weißen Rasse“ und die „Zukunft für den Nationalsozialismus in Europa“ bereiten. Laut ihren Chatprotokollen befürworten sie den „bewaffneten Widerstand“, besorgen sich Waffen von gewaltbereiten Neonazis in Russland und der Ukraine und wollen sich im Regiment Asow militärisch ausbilden lassen.

Dessen Kontaktdaten gab das deutsche AWD-Mitglied Patrick G. im Gruppenchat weiter. Zu G.s Umfeld gehören die rechtsextremen Rapper Chris Ares (Christoph Zloch), Kai Alexander Naggert („Prototyp“) und Andre Laaf („Primus“) um das Musiklabel „Neuer Deutscher Standard“ und die rechtsextreme Marke „Isegrim Clothing“. Am 14. Januar 2021 trat G.s Freund Steven T. („Steven Der Sturm“) aus Elmshorn der AWDE bei und bot an, ihre Propagandabilder zu gestalten. Er ist Beisitzer der NPD Schleswig-Holstein und gründete eine „Deutsche Patriotische Gemeinschaft“ (DPG; derzeit in „Division Sankt Michael“ umbenannt), um Jugendliche an die NPD heranzuführen. Er bot die NPD-Parteistrukturen als Plattform an, um AWDE-Anhänger zu rekrutieren, entwarf und druckte die ersten AWDE-Flyer mit der Aufschrift „Bereit für Krieg – Atomwaffen Division Europe“. Er selbst posierte für die Telegramgruppe mit Hakenkreuzflagge und Waffe. Seinem Beitritt folgten rund ein Dutzend deutsche Bekannte T.s, davon viele minderjährige Schüler. Sie sind laut ihren Follower- und Freundschaftslisten auf Facebook und Instagram in der gesamten deutschen Neonaziszene vernetzt. Sie verbreiten gewaltverherrlichende Videos von rechtsterroristischen Anschlägen, Mordaufrufe gegen Juden und Jüdinnen und rechtsextreme Hetze. Einige gehören zur lokalen Feuerwehr, zeigen sich in deren Uniform mit Hitlergruß und Totenkopfmaske und nahmen mit der verbotenen Reichskriegsflagge an regionalen Protesten gegen die Coronamaßnahmen teil. Ein 16-Jähriger nannte „C18“ (die Abkürzung der verbotenen Terrorgruppe Combat 18) in seinem Facebookprofil und „AWDE“ in seinem Instagramprofil. Viele Gruppenmitglieder besitzen schon Waffen und zeigten Schlagstöcke, Schreckschusspistolen, Munition, Äxte, Messer neben NS-Devotionalien, Szene-Codes und Militärausrüstung auf Propagandabildern der AWDE. Sie beschrieben den Umbau von Schreckschusspistolen zu scharfen Schusswaffen und den Nachbau des Sturmgewehrs AK47 aus Plastik („Plastikov“). Ein Mitglied kündigte den Erwerb einer Uzi-Maschinenpistole an. Im Chat wurde das Tätervideo vom Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch geteilt und der Täter als „Heiliger“ gelobt.

Patrick G. und Steven T. erscheinen derzeit als führende AWDE-Aktivisten. G. gründete einen neuen privaten Chat für AWDE. Kommuniziert wird überwiegend auf Deutsch. T. bemüht sich um die internationale Vernetzung, vereinte AWDE mit seiner „Division Sankt Michael“ (DSM), verbreitete dieselben Propagandabilder mit beiden Schriftzügen und rief mit ihnen zu einem “Day of the Rope” („Tag des Hängens“) auf, an dem man „Volksverräter“ aufhängen werde. Die AWDE konnte also in wenigen Wochen trotz mehrerer Kanalsperren eine Kommunikationsstruktur aufbauen, sich international vernetzen, gefestigte Neonazi-Szenen europaweit miteinander verbinden, Minderjährige anwerben und rechtsterroristisches Handeln vorbereiten. Daher schätzen Beobachter diese Szene als „tickende Zeitbombe“ ein.[100]

National Socialist Order[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab der angeblichen Selbstauflösung der AWD im März 2020 bildete sich in den USA und Großbritannien die direkte Nachfolgegruppe National Socialist Order. Nach britischen Regierungsangaben handelt es sich um denselben Personenkreis mit derselben Ideologie wie zuvor. Experten zufolge versucht die Nachfolgegruppe aus den vergangenen Fehlern zu lernen, sehe sich aber als “Atomwaffen Division 2.0”. Die britische Regierung verbot die AWD, ihre Nachfolgegruppe und die britischen Teilgruppen Sonnenkrieg Division und National Action daher Ende April 2021 als Terrorvereinigungen. Damit wurde Mitgliedschaft bei AWD oder einer der Teilgruppen mit bis zu zehn Jahren, nach einer erwarteten Gesetzesverschärfung mit bis zu 14 Jahren Haft strafbar. Der britische Innenminister versprach weitere Maßnahmen zum Schutz junger Menschen vor Radikalisierung durch die rassistische AWD-Ideologie; dazu diene das Verbot. Es soll das Verfolgen von AWD-Propaganda im Internet erleichtern und Plattformen verpflichten, diese zu entfernen. Bis dahin wurden in Großbritannien mehr als ein Dutzend Mitglieder der National Action und verwandter Gruppen strafrechtlich verurteilt. Experten erklärten, das AWD-Verbot sei überfällig und komme nach dem Abflauen des AWD-Wachstums eigentlich gut fünf Jahre zu spät. Die Regierung hätte schon die satanistische Vorläufergruppe The Order of Nine Angles (O9A) verbieten sollen, um deren Einfluss auf AWD und andere Neonazigruppen zu unterbinden. Dieses Verbot stehe weiter aus.[101]

Einstufungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rechtsextremismusexperte Roland Sieber betont: AWD sei ein transnationales Netzwerk, das Rechtsterrorismus weltweit fördere, den erwarteten apokalyptischen „Rassenkrieg“ mit Gewalt herbeiführen wolle und dazu explizit zum Mord an politischen Gegnern, jüdischen, muslimischen, homosexuellen und schwarzen Menschen aufrufe. Der offene Bezug zum Nationalsozialismus und zu Hitler, die rassistische Ideologie der „weißen Überlegenheit“, das Konzept des führerlosen Widerstands und der Akzelerationismus seien Merkmale der AWD-Ideologie. Die Berufung auf Masons Werk „Siege“ sei ein weltweiter Trend in der White-Supremacy-Bewegung. Immer mehr Gruppen wollten den Zusammenbruch staatlicher Ordnungen durch Terror und sexuelle Gewalt auch gegen Kinder und Minderjährige beschleunigen. Jeder rechtsextreme Mörder und Gewalttäter und auch islamistische Terroristen seien für sie Vorbild. Wie der „Islamische Staat“ verbreiteten sie ihre Terrorpropaganda global über das Internet und versuchten, weltweit neue Anhänger für Anschläge anzuwerben. AWD-Hasscamps seien mit Terrorcamps des IS vergleichbar. Zudem bauten AWD und FKD mit ihren Aufrufen, sich lokalen Nazis anzuschließen, auf bestehenden terroristischen Strukturen auf. In Deutschland seien dies Netzwerke um „Combat 18“ und „Blood and Honour“, die Schusswaffentrainings in Osteuropa organisierten.[102]

Auch der Politikwissenschaftler Jan Rathje (damals Mitarbeiter der Amadeu Antonio Stiftung, seit 2021 CeMAS – Center für Monitoring, Analyse und Strategie[103]) warnte 2019 davor, die von AWD ausgehenden Gefahr zu unterschätzen, und hält eine weitere Mobilisierung für Terrorgewalt über bestehende Netzwerke wie „Combat18“ oder „Blood and Honour“ für möglich.[104]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berichte
Filme und Fotografien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Issues in Terrorism and Homeland Security: Selections from CQ Researcher. 2. Auflage, Sage Publications, 2010, ISBN 1-4129-9201-X, S. 82
  2. a b c d e f Donning the Mask: Presenting ,The Face of 21st Century Fascism‘. SPLC, 20. Juni 2017
  3. a b c d e f g h Atomwaffen and the SIEGE parallax: how one neo-Nazi’s life’s work is fueling a younger generation. SPLC, 22. Februar 2018
  4. a b c d e f g Michael Edison Hayden: Visions of Chaos: Weighing the Violent Legacy of Iron March. SPLC, 15. Februar 2019
  5. Massive White Supremacist Message Board Leak: How to Access and Interpret the Data. Bellingcat, 6. November 2019; Ben Makuch, Mack Lamoureux: An Infamous Neo-Nazi Forum Just Got Doxxed. Vice.com, 6. November 2019; Jason Wilson: Leak from neo-Nazi site could identify hundreds of extremists worldwide. Guardian, 7. November 2019; Neo-Nazi forum Iron March exposed in massive data dump. Daily Dot, 7. November 2019; Iron March Exposed. The Jewish Worker, November 2019
  6. a b c d e A.C. Thompson: An Atomwaffen Member Sketched a Map to Take the Neo-Nazis Down. What Path Officials Took Is a Mystery. ProPublica, 20. November 2018
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