Rechnitz

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Rechnitz
Wappen Österreichkarte
Wappen von Rechnitz
Rechnitz (Österreich)
Rechnitz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Oberwart
Kfz-Kennzeichen: OW
Fläche: 43,74 km²
Koordinaten: 47° 18′ N, 16° 26′ OKoordinaten: 47° 18′ 25″ N, 16° 26′ 18″ O
Höhe: 366 m ü. A.
Einwohner: 3.123 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 71 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7471
Gemeindekennziffer: 1 09 19
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktgemeinde Rechnitz
7471 Rechnitz
Website: www.rechnitz.com
Politik
Bürgermeister: Martin Kramelhofer (SPÖ)
Gemeinderat: (2017)
(23 Mitglieder)
14
6
3
14 
Insgesamt 23 Sitze
Lage der gemeinde Rechnitz im Bezirk Oberwart
Bad TatzmannsdorfBadersdorfBernsteinDeutsch Schützen-EisenbergGrafenschachenGroßpetersdorfHannersdorfJabingKemetenKohfidischLitzelsdorfLoipersdorf-KitzladenMariasdorfMarkt AllhauMarkt NeuhodisMischendorfNeustift an der LafnitzOberdorf im BurgenlandOberschützenOberwartPinkafeldRechnitzRiedlingsdorfRotenturm an der PinkaSchachendorfSchandorfStadtschlainingUnterkohlstättenUnterwartWeiden bei RechnitzWiesfleckWolfauBurgenlandLage der Gemeinde Rechnitz im Bezirk Oberwart (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

BW

Rechnitz (ungarisch Rohonc, kroatisch Rohunac, Romani Rochonca) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechnitz im Winter mit Günser Gebirge

Die Marktgemeinde Rechnitz liegt am Südhang des Günser Gebirges am Fuße des 884 m hohen Geschriebensteins. Das waldreiche Mittelgebirge geht dort in Wein- und Obstgärten über, daran schließen sich die weiten Felder in den Ausläufern des pannonischen Tieflandes.

Sonniges, mildes Klima begünstigt Ackerbau, Forstwirtschaft sowie Wein- und Obstbau, wobei dem Marillenanbau hier besondere Bedeutung zukommt.

Der Ort liegt direkt an der Grenze zu Ungarn in der Nähe von Szombathely (Steinamanger).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Markt Neuhodis im Westen und Schachendorf im Süden sowie jenseits des nördlichen Berglandes Lockenhaus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits um 500 v. Chr. war die Ebene südlich des Geschriebensteins besiedelt, was Funde aus der Keltenzeit beweisen. Bedeutende Funde wurde auch aus der Römerzeit gemacht, z. B. ein Strang der römischen Wasserleitung, die die Stadt Savaria mit Quellwasser versorgte.[1]

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts gründeten Slawen die Siedlung Orechovca, was so viel wie „Nusshain“ bedeutet. Dieser Name wurde später von deutschen Siedlern umgewandelt, und 1260 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung. 1348 erhielt Rechnitz das Marktrecht. Der Ort entwickelte sich unter dem Schutz von Schloss Rechnitz das über mehrere Jahrhunderte der Familie Batthyány gehörte.[2] Der aus den zwei Teilen Deutschmarkt und Ungarmarkt zusammengewachsene Ort war Zunftstätte zahlreicher Handwerker wie Stiefelmacher sowie vieler Mühlen. Das noch erhaltene Granarium (Schüttkasten) in der Bahnhofstraße zeugt von der landwirtschaftlichen Bedeutung des Ortes.

Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Rohonc verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Der Ort hatte eine jüdische Gemeinde, die sich wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert hier ansiedelte. Bereits im Jahr 1649 wird eine Synagoge erwähnt, 1718 wurde ein größerer Neubau für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde errichtet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 859 Juden in Rechnitz. Heute erinnern nur noch die „Judengasse“ und der jüdische Friedhof an diese Zeit.[3][4][5][6]

Nach Rechnitz benannt ist der, bislang nicht entzifferte, Codex Rohonczi, welcher in der ungarischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird.

Rechnitz in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg
Mahnmal Kreuzstadl Rechnitz

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Rechnitz an zwei Stellen Zwangsarbeiter untergebracht, im „Lager Wald“ und in den Schlossanlagen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurden mit der Bahn etwa 600 Zwangsarbeiter, vor allem ungarische Juden, nach Burg transportiert, um bei der Errichtung des so genannten Südostwalls Hitlers eingesetzt zu werden. Etwa 200 von ihnen, die erschöpfungs- und krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnten, wurden bis nach Rechnitz zurücktransportiert und dort in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 beim Massaker von Rechnitz ermordet.

Am Abend des 29. März 1945 überschritt das 37. Garde-Schützenkorps der 9. sowjetischen Gardearmee die österreichische Grenze bei Rechnitz und eroberte den Ort nach mehrstündigen Gefechten gegen drei Volkssturmbataillone.[7] Am 1. April gelang es dem SS-Panzergrenadier Ersatz- und Ausbildungsbataillon 11, Rechnitz nach heftigen Kämpfen zurückzuerobern. Der Kommandeur der Einheit, die vorwiegend aus jungen holländischen Freiwilligen bestand, SS-Sturmbannführer Willi Schweitzer, wurde für die Rückeroberung mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Nach fünf Tagen musste sich die Waffen-SS aus Rechnitz zurückziehen, um nicht eingeschlossen zu werden, worauf der Ort wieder von der Roten Armee besetzt wurde.[8] Bei diesen Kampfhandlungen wurde das Schloss Rechnitz fast völlig zerstört; später wurde es abgetragen.[9]

Rechnitz während des Ungarischen Volksaufstandes 1956

Während des ungarischen Volksaufstandes kam es am 23. November 1956 bei Rechnitz zum gefährlichsten Vorfall der Grenzüberwachung: Drei russische Soldaten drangen bei der Verfolgung ungarischer Flüchtlinge über die österreichische Staatsgrenze vor und schossen auf eine einschreitende Zollwachpatrouille. Anschließend versuchten sie ein junges Mädchen zu vergewaltigen, wurden jedoch von einer Gendarmeriepatrouille gestellt und zum Niederlegen der Waffen aufgefordert. Während einer der Soldaten verhaftet werden konnte, flüchteten die anderen zwei Richtung Grenze; bei einem anschließenden Schusswechsel wurde einer der Flüchtenden getötet, der andere konnte entkommen. Die Sicherheitsdirektion alarmierte daraufhin das Bundesheer, das einen verstärkten Infanteriezug des Infanteriebataillons 2 nach Rechnitz verlegte, um die Bevölkerung zu beruhigen und vor möglichen Übergriffen zu schützen. Am 26. November wurde der Leichnam des erschossenen Soldaten in Anwesenheit des russischen Verteidigungsattachés, Oberst Makowskij, mit militärischen Ehren an die Russen in Ungarn übergeben. Der gefangene russische Soldat wurde erst am 1. Dezember, nach Intervention der sowjetischen Botschaft in Wien, den Russen übergeben. Der Grenzeinsatz wurde erst am 23. April 1957 offiziell beendet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
57,96 %
(-4,78 %p)
27,91 %
(-9,35 %p)
14,13 %
(n. k.)
2012

2017

Gemeindeamt Rechnitz

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 23 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[10] 2012[11] 2007[12] 2002[13] 1997[13]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
SPÖ 976 57,96 14 1071 62,74 15 1066 58,28 14 1051 53,98 13 847 45,66 10
ÖVP 470 27,91 6 636 37,26 8 698 38,16 9 693 35,59 8 620 33,42 8
FPÖ 238 14,13 3 nicht kandidiert nicht kandidiert 203 10,43 2 388 20,92 5
FBL nicht kandidiert nicht kandidiert 65 3,55 0 nicht kandidiert nicht kandidiert
Wahlberechtigte 2563 2640 2682 2685 2627
Wahlbeteiligung 76,32 % 76,74 % 76,64 % 81,45 % 91,92 %

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Bürgermeister Martin Kramelhofer (SPÖ) und Vizebürgermeister Günter Tangl (SPÖ) gehören weiters Klaus Gangl (SPÖ), Thomas Karacsony (FPÖ), Sandra Oswald (SPÖ), Gerald Resch (ÖVP) und Carina Stipits (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.[14]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Martin Kramelhofer (SPÖ). Nachdem Engelbert Kenyeri (SPÖ), der seit 2007 der Gemeinde vorstand, mit 31. Dezember 2016 seinen Rücktritt als Bürgermeister bekanntgab,[15] wurde das vormalige Mitglied des Gemeindevorstands Martin Kramelhofer am 20. Jänner 2017 vom Gemeinderat zum neuen Bürgermeister gewählt.[16] Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 1. Oktober 2017 musste sich Kramelhofer den Wählern stellen und wurde gleich im ersten Wahlgang von 59,87 % der Wähler in seinem Amt bestätigt. Seine beiden Mitbewerber Klaus Adelmann (ÖVP) und Thomas Karacsony (FPÖ) kamen über 26,59 % bzw. 13,54 % nicht hinaus.[10]

In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am 21. Oktober 2017 wurde Günter Tangl (SPÖ) zum Vizebürgermeister gewählt. Dies war möglich, weil die ÖVP als zweitstärkste Partei weniger als ein Drittel der der Gemeinderatsmandate erhielt. Die SPÖ stellt damit erstmals seit 1977 wieder den Vizebürgermeister.[14]

Leiter des Gemeindeamtes ist Reinhard Tangl.[17]

Liste der Bürgermeister von Rechnitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1946–1962 Alois Hofer (SPÖ)
  • 1962–1973 …
  • 1973–1989 Alois Gossi (SPÖ)
  • 1989–1992 Heribert Oswald (SPÖ)
  • 1991 – 26. Jänner 2007 Josef Saly (SPÖ)[18]
  • 26. Jänner 2007 – 31. Dezember 2016: Engelbert Kenyeri (SPÖ)
  • seit 20. Jänner 2017 Martin Kramelhofer (SPÖ)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rechnitz

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es einen durch Aufstauen des Rechnitzbaches entstandenen Badestausee Rechnitz und eine Kartbahn. Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő ist mit seinen Wander- und Ausflugsmöglichkeiten ein beliebtes Erholungsgebiet. Im Zuge der Förderung von Tourismus und Wirtschaft erhielt das Gebiet im Süden von Rechnitz den Namen Weinidylle Südburgenland.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SV Rechnitz
  • ASKÖ Tennisclub Rechnitz
  • Trachtenmusikkapelle
  • Rotes Kreuz Ortstelle
  • Weinbauverein
  • Volkstanzkreis
  • einige Chöre

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde
Personen mit Bezug zur Gemeinde

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rechnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Péter Kiss, Réka Mladoniczki, Jörg Scheuerbrandt, Eszter Harsányi: Die Colonia Claudia Savaria von der Mitte des 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. Colonia Claudia Savaria a Kr. u. 1. sz. közepe és a 3. sz. között. In: Im Auftrag des Adlers. A római sas szolgálatában. Publius Ferrasius Avitus. Begleitbuch zur Deutsch-ungarischen Sonderausstellung. Römermuseum, Osterburken 2012, ISBN 978-3-00-037759-4, S. 50.
  2. http://www.batthyany.at/
  3. Rechnitz auf der Website des Österreichischen Jüdischen Museums
  4. Jüdische Erinnerungen in der West-Pannonischen Region – Balázs Edit, Szombathely 2008, ISBN 978-963-06-4708-3 (Memento vom 15. April 2009 im Internet Archive)
  5. http://www.vhs-burgenland.at/home/Geschichte_und_Zeitgeschichte.html
  6. http://www.vhs-burgenland.at/home/Geschichte_und_Zeitgeschichte_files/12rechnitz.pdf
  7. Manfried Rauchensteiner: Der Krieg in Österreich 1945, Österr. Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-01672-9.
  8. Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges. Pinka-Lafnitz-Hochwechsel
  9. Walter Kalina: Die Brigittakapelle in Wien 20 (1650/51). „...in capella a nobis nuper in sylva Thaber inter pontes Danuby extructa...“, in: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege. LIX, 2005, Heft 3/4, S. 252.
  10. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2017 (abgerufen am 13. Jänner 2018)
  11. Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2012 (abgerufen am 13. Jänner 2018)
  12. Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2007 (abgerufen am 13. Jänner 2018)
  13. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2002 (abgerufen am 13. Jänner 2018)
  14. a b Marktgemeinde Rechnitz vom 23. Oktober 2017: Der neue Gemeinderat ist angelobt (abgerufen am 14. Jänner 2018)
  15. Marktgemeinde Rechnitz: Engelbert Kenyeri sagte zu Silvester „Servus“ (abgerufen am 14. Jänner 2018)
  16. Marktgemeinde Rechnitz: Neuer Bürgermeister für Rechnitz (abgerufen am 14. Jänner 2018)
  17. Marktgemeinde Rechnitz: Verwaltung der Gemeinde (abgerufen am 14. Jänner 2018)
  18. ORF Burgenland vom 6. Oktober 2006: In Rechnitz tritt Josef Saly (SPÖ) nach 17-jähriger Tätigkeit als Bürgermeister zurück (abgerufen am 14. Jänner 2018)
  19. BVZ: Festakt in Rechnitz – Kolonovits wird Ehrenbürger. Artikel vom 22. März 2017, abgerufen am 16. August 2017.