Künstliche Befruchtung

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Künstliche Befruchtung oder assistierte Reproduktion ist die Herbeiführung einer Schwangerschaft ohne Geschlechtsverkehr und oftmals mithilfe eines medizinischen Eingriffs bzw. eine Technik der Pflanzen- und Tierzüchtung.

Künstliche Befruchtung wird bei Menschen angewandt, um Einzelpersonen oder Paaren mit Kinderwunsch, den sie sich auf natürlichem Wege nicht erfüllen können oder wollen, zu Kindern zu verhelfen. Bei über 90 % der betroffenen heterosexuellen Paare liegen körperliche Ursachen für die Kinderlosigkeit zu Grunde.[1] Lesbische Paare greifen jedoch auch auf künstliche Befruchtung zurück, ebenso wie alleinstehende Frauen, die keinen Partner haben, wobei letztere jedoch mitunter besondere rechtliche Hürden zu überwinden haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umstrittener Pionier der Samenspende ist Berthold P. Wiesner (1901–1972), der zusammen mit seiner Partnerin Mary Barton zwischen 1940 und 1960 eine Fruchtbarkeitsklinik in der Londoner Harley Street betrieb, in der Frauen vor allem aus der Mittel- und Oberschicht mit unfruchtbaren Männern Spendersamen erhielten. (Erhebliche Teile des gespendeten Samens musste Wiesner wegen damals mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz selbst beisteuern, weshalb er mit geschätzten 600 Nachkommen heute als kinderreichster Mensch gilt, der jemals lebte.)[2]

1978 kam Louise Joy Brown, das erste im Reagenzglas gezeugte „Retortenbaby“, zur Welt.

Insemination durfte in der Vergangenheit in Deutschland von Ärzten nur bei verheirateten Frauen durchgeführt werden. Alleinstehende oder homosexuelle Frauen, die über diesen Weg ihren Kinderwunsch erfüllen wollten, durften die Insemination allerdings straffrei und gefahrlos selber vornehmen. Das Spermaspenden zu diesem Zweck war bereits in der Vergangenheit nicht strafbar. Jede Person, die einer unverheirateten Frau beim Vorgang der Insemination als solchem half, machte sich aber genauso strafbar, wie es bei einem Arzt der Fall war. In einigen benachbarten EU-Staaten (Niederlande, Belgien, Dänemark, ...) war die Insemination durch Ärzte jedoch auch bei alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren möglich.

Die Richtlinien zur Durchführung der assistierten Reproduktion wurden mittlerweile von der Bundesärztekammer überarbeitet und in Deutschland ist es nunmehr auch Ärzten laut Berufsordnung gestattet, bei unverheirateten Frauen Inseminationen vorzunehmen, sofern der Samenspender in einer festgefügten Partnerschaft zur Frau steht und gesichert ist, dass er die Vaterschaft anerkennen wird.[3] Inwiefern auch verpartnerten lesbischen Frauen die Insemination durch Ärzte erlaubt ist, ist umstritten. Nach Ansicht des LSVD ist die Insemination verpartnerten Frauen erlaubt.[4]

Bis Juli 2014 wurden weltweit schätzungsweise fünf Millionen Babys auf diese Weise geboren, bei einer Erfolgsrate abhängig vom Behandlungstyp von etwa 20-30 %. Die Prävalenz der Infertilität wird mit 9 % angegeben und die meisten assistierten Reproduktionstechniken werden bei 30-39-jährigen Patienten durchgeführt.[5]

In Deutschland wurden im Jahre 2003 etwa 20.000 Kinder nach Insemination, In-vitro-Fertilisation (IVF) oder ICSI geboren, also etwa zwei Prozent aller geborenen Kinder insgesamt. Zum Vergleich: In Dänemark, dem Land mit der weltweit höchsten Quote an durch künstliche Befruchtung gezeugten Kindern, war um 2005 die Rate mit 3,9 Prozent fast doppelt so hoch.[6]

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frage, welche Methoden zur künstlichen Befruchtung zählen, wird nicht immer einheitlich beantwortet. In jedem Fall erfolgt bei einer künstlichen Befruchtung die Befruchtung der Eizelle, ohne dass ein regulärer Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Die eigentliche Verschmelzung von Samen und Eizelle kann außerhalb des Körpers, z.B. im Reagenzglas, erfolgen und die Eizelle anschließend eingesetzt werden. Oft - jedoch nicht unumstrittener Weise - wird auch die Verschmelzung von Samen und Eizelle innerhalb des Körpers als künstliche Befruchtung betrachtet, wenn kein normaler Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, sondern diverse technische Hilfsmittel verwendet wurden. Der Übergang zur natürlicher Befruchtung kann jedoch fließend sein, da auch im Falle einer Ejakulation vor einer Penetration Samen den Weg in den Körper und zur Eizelle finden und es zu einer Befruchtung kommen kann, ohne dass in einem solchen Fall üblicherweise von künstlicher Befruchtung die Rede wäre, obwohl ebenfalls kein regulärer Geschlechtsverkehr stattgefunden hat und womöglich ebenfalls technische Hilfsmittel, wie Sexspielzeug benutzt wurde.

Das notwendige Sperma kann ansonsten z.B. durch Masturbation oder (bei funktioneller Impotenz) durch Entnahme aus dem Hoden gewonnen werden. Sowohl Sperma als auch Eizellen können bis zur Herbeiführung einer künstlichen Befruchtung bei Kühlung auf 77 K (Flüssigstickstoff) bevorratet werden.

Gängige Methoden zur künstlichen Befruchtung außerhalb eines Körpers (möglich in Kombination mit einer Eizellspende) sind u.a.:

Gängige Methoden zur künstlichen Befruchtung innerhalb eines Körpers werden unter dem Begriff Insemination zusammengefasst. Diese sind:

Rechtliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtliche Lage in einzelnen Ländern der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich gestaltet. Einen Überblick hierzu erarbeitete 2001 das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht.[7]

Homologe Insemination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als homologe Insemination wird die Befruchtung mit den Spermien des Ehepartners oder Partners einer festen, auf Dauer angelegten Partnerschaft bezeichnet. Sie ist in den meisten Staaten (zum Beispiel Deutschland,[8] Österreich und Italien) zugelassen.[3] Die homologe Insemination schließt auch die Anwendung der Insemination bei einer unverheirateten Frau in festgefügter Partnerschaft mit ein.

Donogene bzw. heterologe Insemination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ist der Samenspender nicht der Ehemann oder Partner einer festgefügten Partnerschaft, wird das Verfahren auch als heterologe oder donogene Insemination bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter dem Begriff Samenspende eine solche Fremdspende verstanden. Sie ist ethisch und juristisch nicht unproblematisch, insbesondere wenn die Herkunft anonymisiert wurde. Das mit Fremdsamen gezeugte Kind gilt in Deutschland gemäß § 1592 Nr. 1 BGB als legitimes Kind des Ehemannes oder Partners der Mutter, der die Vaterschaft anerkannt hat. Das Kind kann seine Ehelichkeit nach § 1600, § 1600d BGB aber innerhalb einer Frist von 2 Jahren ab dem 18. Lebensjahr oder ab Kenntnis von seiner Zeugung durch eine Samenspende anfechten. Hat der Ehemann der Patientin in die heterologe Insemination eingewilligt, ist er nicht anfechtungsberechtigt; auch die Mutter ist es nicht.

Das Bundesverfassungsgericht hat 1989 entschieden, dass jeder Mensch ein Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung hat; ein Samenspender hat nach aktueller Rechtslage in Deutschland deshalb kein Recht auf Anonymität.[9] Damit ist jedoch der Spender keineswegs Unterhalts- und Erbansprüchen ausgesetzt, da das Wissen um die Identität des biologischen Spenders die bislang bestehende rechtliche und soziale Vaterschaft nicht per se aufhebt. Hierzu müsste auf Antrag des Kindes nach dem 18. Lebensjahr zunächst die Aufhebung der bisherigen Vaterschaft gerichtlich festgestellt werden, danach erst könnten sich rechtliche und finanzielle Ansprüche gegen den Samenspender ergeben. Die meisten Spermabanken sichern sich und den Samenspender regelmäßig dadurch, dass in einem solchen Fall vertraglich geregelt wird, dass mögliche Zahlungen an das Kind zu Lasten der Wunscheltern erfolgt und von diesen dem durchführenden Arzt oder der Spermabank ersetzt werden müssen. Die bis zum Jahre 2007 rechtlich geforderte Praxis, die Behandlungsdaten nach zehn Jahren (am Ende der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht von Unterlagen für ambulante Behandlungen) zu vernichten, ist im Zusammenhang mit der Samenspende nicht mehr zulässig. Allerdings gibt es derzeit keine rechtlich eindeutigen Regelungen über die Dauer der Aufbewahrung der Spenderdaten. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass ab dem Jahr 2007 Behandlungsdaten einer heterologen Insemination nicht mehr vernichtet wurden. Dies stellt künftig sicher, dass das Kind seinen Anspruch auf Kenntnis seiner genetischen Abstammung verwirklichen kann. In Deutschland sind die rechtlichen Beziehungen zwischen Samenspender, Wunscheltern und Kind in vielen Bereichen ungeklärt.[10] Viele Kinder schildern es als belastend, nicht zu wissen, wer ihr genetischer Erzeuger ist. Laut Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 100.000 Kinder, die durch heterologe Insemination entstanden sind. Es ist unbekannt, wieviele von ihnen von ihren Eltern über ihre Entstehungsweise aufgeklärt wurden. Die Position, dass eine frühzeitige Offenlegung der Wahrheit über den Zeugungsweg späteren Identitätskrisen des mittels einer Samenspende entstandenen Kindes vorbeugen kann, setzt sich jedoch zunehmend durch.

Am 28. Januar 2015 fällte der Bundesgerichtshof mit Az. XII ZR 201/13 ein Urteil zu dieser Thematik und bezog sich dabei auch auf das BVerfG-Urteil von 1989.[11][12]

Besonderheiten in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzungen für die künstliche Befruchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Embryonenschutzgesetz ist als Bundesgesetz von den Kinderwunschzentren und Samenbanken rechtlicherseits zwingend zu beachten. Die Richtlinien der Bundesärztekammer stellen rechtlich zwar unverbindliche Kriterien auf, sind aber Teil der Berufsordnung von Ärzten.

Sehr umstritten ist die nicht im Embryonenschutzgesetz, wohl aber in einer Richtlinie der Bundesärztekammer enthaltene Anforderung zum Familienstand, wonach nur verheiratete oder in einer festgefügten Partnerschaft lebende Personen Zugang zu einer Samenbank haben sollen. Insbesondere lesbische, standesamtlich verpartnerte Paare verlangten bis November 2017 den Zugang zu künstlicher Befruchtung, wie dies auch in mehreren benachbarten EU-Staaten (Dänemark, Niederlande, Belgien,[13] Vereinigtes Königreich,[14] ...) erlaubt ist. Mit dem Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe, das am 30. Juni 2017 im Bundestag verabschiedet wurde, steht verheirateten, lesbischen Paaren der Zugang zu einer Samenbank ab November 2017 offen.[15]

In Deutschland gibt es Ärzte, die bei Alleinstehenden oder Frauen mit Partnerin Inseminationen durchführen.[16] Alleinstehende Frauen oder lesbische Paare können zudem im Ausland, etwa in Dänemark, in Schweden,[17] im Vereinigten Königreich oder in den Vereinigten Staaten, mit Hilfe einer Samenbank schwanger werden.

In Neubrandenburg gewann 2010 eine junge Witwe in zweiter Instanz einen Prozess gegen eine Klinik, die befruchtete Eizellen der Frau zurückhält, seitdem sie erfuhr, dass ihr (kurz nach der Befruchtung tödlich verunglückter) Ehemann tot war. Begründung, laut Embryonenschutzgesetz sei künstliche Befruchtung mit dem Samen Toter verboten. Die Klinik fürchtet, sie könne wegen Beihilfe zu einer strafbaren Handlung belangt werden. Das Landgericht Neubrandenburg gab der Klinik in erster Instanz recht.[18] Die Richter am OLG Rostock erkannten jedoch: Da der Samen bereits untrennbar von der Eizelle eingeschlossen worden sei, könne nicht mehr von der Verwendung des Samens eines Mannes nach dessen Tod gesprochen werden, wenn nun die konservierten Eizellen der Klägerin aufgetaut und die noch zu Lebzeiten des Mannes eingeleitete künstliche Befruchtung fortgesetzt wird.[19]

Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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2004 ließen sich nach der Gesundheitsreform nur noch halb so viele Paare behandeln, da die Krankenkassen nur noch die Hälfte der Kosten übernehmen. Die meisten Krankenkassen übernehmen nur 50 % der Kosten ihres Versicherten für maximal drei Versuche, in der Vergangenheit waren es 100 % bei bis zu vier Versuchen. Einige gesetzliche Krankenkassen haben inzwischen in Einklang mit der neuen Gesetzeslage eine patientenfreundlichere Regelung gefunden.[20] Dies gilt grundsätzlich nur für verheiratete Paare; unverheiratete Paare erhalten keine Leistungen der Krankenkassen und müssen die Kosten vollständig selbst tragen. Rechtsgrundlage ist § 27a Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V). Privatversicherungen hingegen bezahlen die vollen Kosten, wenn der Privatversicherte „Verursacher“ der Kinderlosigkeit ist.[21]

Voraussetzungen zur Kostenübernahme durch Krankenkassen für medizinische Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft (Insemination, In-vitro-Fertilisation mit Embryotransfer) sind:

  • herkömmliche Behandlungsmaßnahmen wie alleinige hormonelle Stimulation oder eine Fertilisationsoperation sind bereits ohne Erfolg geblieben,
  • es besteht eine hinreichende Aussicht, dass durch diese Maßnahmen eine Schwangerschaft herbeigeführt werden kann,
  • Personen, die die Kostenübernahme der Maßnahme in Anspruch nehmen wollen, müssen miteinander eine Ehe eingegangen sein,[22]
  • es dürfen ausschließlich Eizellen der Ehefrau verwendet werden,
  • die Versicherten müssen das 25. Lebensjahr vollendet haben,
  • Frauen dürfen das 40. und Männer das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Im Oktober 2007 urteilte der Bundesfinanzhof in München, dass neben verheirateten auch unverheiratete, empfängnisunfähige Frauen die ihnen entstehenden Kosten einer künstlichen Befruchtung steuerlich absetzen können.[23] Am 3. März 2009 bestätigte das Bundessozialgericht die Zulässigkeit der Altersgrenze der Ehefrau von 40 Jahren für Leistungen der Krankenkassen.[24] Am 27. Januar 2009 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der (nur) 50%ige Kostenzuschuss der gesetzlichen Krankenkassen für künstliche Befruchtung verfassungsgemäß ist.[25][26] Es bestehen Pläne, die volle Übernahme der Kosten wieder einzuführen.[27] Am 2. März 2012 hat der Bundesrat einem Gesetzesentwurf einiger Bundesländer zugestimmt, der zumindest einen vom Bund zu tragenden Zuschuss von 25 % auf die Kosten vorsieht, wodurch zusammen mit der hälftigen Kostenübernahme durch die Krankenkassen nur noch ein Kostenanteil von 25 % bei den Familien verbleiben würde.[28]

Die donogene Insemination (unbekannter Fremdspender als Vater) wird nicht von Krankenkassen oder Privaten Krankenversicherungen bezahlt.

Kostenübernahme durch den Bund für unverheiratete Paare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Januar 2016 übernimmt der Bund einen Teil der Kosten der künstlichen Befruchtung auch bei unverheirateten Paaren.[29]

Kostenübernahme durch private Versicherungen für Singlefrauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Urteil des Oberlandsgericht Karlsruhe wird eine Privatkasse verpflichtet, der ledigen Mutter die künstliche Befruchtung zu zahlen. Eine Beschränkung der Leistungserstattung auf Verheiratete durch die Privatkasse ist unwirksam. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, eine Revision zum BGH wurde zugelassen.[30][31]

Andere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rechtliche Lage in einzelnen Ländern der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich gestaltet. Einen Überblick hierzu hat das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht erarbeitet:[32]

Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belgien hat im März 2007 die künstliche Befruchtung legalisiert und seine Regelungen zur künstlichen Befruchtung in dem folgenden Gesetz kodifiziert:[33] "Gesetz über die medizinisch assistierte Fortpflanzung und die Bestimmung der überzähligen Embryonen und Gameten", Belgisches Staatsblatt, 6. Juli 2007.[34]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich ist die anonyme Samenspende durch einen Dritten erlaubt.

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Italien ist die Leihmutterschaft verboten. Auch die Eizellspende und die heterologe Insemination durch einen Dritten war bis April 2014 verboten. Ein Referendum zur Abschaffung dieses Verbotes ist 2005 wegen zu geringer Beteiligung gescheitert.[35] Im April 2014 hob das Italienische Verfassungsgericht das Verbot der Gametenspende auf.[36][37]

Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Niederlanden ist die anonyme Samenspende erlaubt.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich ist die Samenspende durch einen Dritten erlaubt. Seit 2015 ist die Samenspende auch verpartnerten lesbischen Paaren rechtlich zugänglich.[38]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz ist die heterologe Insemination nur bei Ehepaaren erlaubt. Die Kosten der künstlichen Befruchtung tragen die schweizerischen Krankenkassen. Eine entsprechende Volksinitiative, die die Kostentragung durch die Krankenkassen beenden sollte, wurde im Februar 2014 von der schweizerischen Bevölkerung nicht angenommen.

Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2007 trat in Spanien ein umfassendes Dekret in Kraft, das die heterologe Samenspende erlaubt: Ministerio de Sanidad y Consumo, Real Decreto 1301/ 2006, de 10 noviembre 2006, No. 19625, BOE núm. 270, 11 noviembre 2006, 39475[39] sowie Tribunal Constitutional, CONFLICTO positivo de competencia n.º 1301-2007, No. 5437, 27 de febrero de 2007, BOE núm. 64, 15 marzo 2007, 11007.[40]

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich ist die anonyme Samenspende durch einen Dritten erlaubt.

Kritik an künstlicher Befruchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem in Kalifornien im Februar 2009 eine Frau nach künstlicher Befruchtung Achtlinge geboren hat, die bereits als Alleinerziehende sechs Kinder hat, entbrannte eine allgemeine Debatte über künstliche Befruchtung, Unvernunft solcher Mütter, gesetzliche Verbote in einem solchen Fall, Unverantwortlichkeit der behandelnden Ärzte, kurz: über ethische Grundsätze.[41] Gegen den behandelnden Arzt Michael Kamrava laufen Ermittlungen der Gesundheitsbehörde wegen Verletzung der Fürsorgepflicht, auch bezüglich eines anderen Falls, wo er einer 49-jährigen Frau mindestens sieben Embryonen eingepflanzt haben soll.[42] Heftige Ethikdiskussionen löste auch der Fall der Spanierin María del Carmen Bousada aus, die am 29. Dezember 2006 im Alter von 67 Jahren mit Hilfe künstlicher Befruchtung die Zwillinge Pau und Christian gebar. Die älteste Erstgebärende der Welt war alleinerziehende Mutter und starb im Alter von 69 Jahren - also nur zweieinhalb Jahre nach der Geburt ihrer Söhne - an einem Krebsleiden. Dass ihre Söhne nun als Waisen zurückbleiben, ließ die Debatte erneut aufflammen.[43]

In jüngster Zeit werden die Qualität der Kulturmedien bei künstlicher Befruchtung kritisch gesehen, da weitgehend "Wildwuchs" herrscht, was die Zusammensetzung angeht und daraus resultierend epigenetische Schäden an der befruchteten Eizelle entstehen mit der Folge von relevanten Gefäßschäden beim so gezeugten Kind.[44]

Auch die großzügige Indikationsstellung zur IVF-Behandlung wird als kritisch angesehen, da die betroffenen Paare einer erheblichen psychischen und auch körperlichen Belastung ausgesetzt werden und es nach Abbruch der Behandlung in einem hohen Prozentsatz zu spontanen Schwangerschaften kommt.[45]

2002 wurden in Kanada 0,42 % der Gesundheitskosten insgesamt allein für Reproduktionsmaßnahmen wie IVF, ICSI und IUI ausgegeben.[46]

Etwa 30 % der IVF-Behandlungen werden aufgrund der Diagnose „Idiopathische Sterilität“ durchgeführt, obwohl außerhalb der für dieses Verfahren originären Indikation "Tubare Sterilität" nur schwache Evidenz besteht, auch bezüglich der Effektivität des Verfahrens.[45]

Hauptgrund für Infertilität ist das PCO-Syndrom.[47] Auch bei dieser Indikation für künstliche Befruchtungen ist der Fortschritt der Entwicklung bezüglich des Verständnisses der Krankheit in den 75 Jahren seit der Erstentdeckung langsam und reichlich Kontroversen existieren bezüglich der Therapie in diesem Zusammenhang,[48] was natürlich die Frage offen lässt, wie sinnvoll künstliche Befruchtung für diese Indikation wissenschaftlich ist und bleibt.

Abgrenzung von Samenspende zur Eizellspende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als die Samenspende ist die Eizellspende in Deutschland verboten. In vielen anderen Ländern wie in Spanien, in Belgien, in den Vereinigten Staaten oder in der Tschechischen Republik ist sie im Rahmen der künstlichen Befruchtung hingegen erlaubt. Dort können sich auch deutsche Paare ihren bisher unerfüllten Kinderwunsch per künstlicher Befruchtung erfüllen. Das Durchschnittsalter der spendenden Frauen liegt bei 24 Jahren.[49][50] Ende 2007 wurde in deutschen Medien und der Politik über die Zulassung der Eizellenspende in Deutschland diskutiert.[51]

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied im März 2010: Wenn ein Staat künstliche Befruchtung zulässt, dann darf er die Eizellspende nicht verbieten.[52] Das Gericht urteilte, es sei eine „nicht durch objektive und vernünftige Gründe zu rechtfertigende“ Ungleichbehandlung, wenn man Paare, die eine Eizellspende benötigen, von der künstlichen Befruchtung ausschließt. Im November 2011 wurde diese Entscheidung durch die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte wieder aufgehoben. Ein Verbot widerstrebe nicht dem Recht auf Familienplanung.[53]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unerfüllter Kinderwunsch – Keine Frage von Schuld oder Versagen. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.is)fertinet.de
  2. Christine Kensche: Ein Vater und 600 Kinder – Brüder suchen "Bio-Dad". In: welt.de. 10. April 2012; abgerufen am 3. Februar 2015.
  3. a b C. Hirthammer-Schmidt-Bleibtreu: Neufassung der Richtlinie zur assistierten Reproduktion vom 18. November 2006. (Memento vom 26. April 2014 im Internet Archive) In: Rheinisches Ärzteblatt 7/2007, S. 27; siehe auch Amtliche Bekanntmachungen, S. 78 (Memento vom 26. April 2014 im Internet Archive)
  4. LSVD:Insemination ist nicht verboten (Presseerklärung vom 27. Oktober 2011)
  5. ART fact sheet (July 2014). European Society of Human Reproduction and Embryology; abgerufen am 31. Oktober 2015.
  6. New insights into the role of centrosomes in mammalian fertilization and implications for ART. reproduction-online.org; abgerufen am 31. Oktober 2015 (PDF).
  7. Rechtliche Regelungen zur Fortpflanzungsmedizin in europäischen Ländern (PDF-Datei; 132 kB)
  8. Richtlinien zur Durchführung der assistierten Reproduktion. In: Deutsches Ärzteblatt. 95, Heft 49, 4. Dezember 1998, S. A-3166.
  9. Az. 1 BvL 17/87
  10. Richtlinien des Arbeitskreises für Donogene Insemination zur Qualitätssicherung der Behandlung mit Spendersamen in Deutschland (PDF; 584 kB)
  11. Schon Kinder haben ein Recht, Namen ihres Vaters zu erfahren. In: spiegel.de. 28. Januar 2015.
  12. Reinhard Müller: Woher kommen wir? In: FAZ.net. 28. Januar 2015.
  13. Belgien will künstliche Befruchtung regeln. In: aerzteblatt.de. 1. März 2007.
  14. GB: Elternschaft von Homos erleichtert. auf: queer.de
  15. Sueddeutsche.de: Ehe für alle, Das ändert sich für homosexuelle Paare
  16. Samen- oder Eizellenspende. auf: taz.de, 2. November 2006.
  17. Anne Rentzsch: Recht der alleinstehenden Schwedin auf ein Kind. auf: derstandard.at, 4. März 2016.
  18. Ein Kind vom toten Ehemann. In: Frankfurter Rundschau. 20. April 2010, S. 39.
  19. Oberlandesgericht Rostock 7 U 67/09 2 O 111/09 LG NB Verkündet am: 07.05.2010
  20. Künstliche Befruchtung: Welche Krankenkassen zahlen mehr? auf: wunschkinder.net, 24. Juni 2013.
  21. § 1 der Musterbedingungen des Verbandes der privaten Krankenversicherung für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung
  22. Die Verfassungsmäßigkeit von § 27a Abs. 1 Nr. 3 SGB V, insbesondere seine Vereinbarkeit mit Art. 3 Abs. 1 GG hat das Bundesverfassungsgericht mit Urteil vom 28. Februar 2007 festgestellt.
  23. Ledige Frauen: Künstliche Befruchtung absetzen. auf: n-tv.de, 2. Oktober 2007.
  24. Bundessozialgericht Medieninformation Nr. 8/09 vom 3. März 2009: Keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zur "künstlichen Befruchtung" nach dem 40. Lebensjahr der Ehefrau
  25. Bundesverfassungsgericht - Pressestelle - Pressemitteilung Nr. 24/2009 vom 19. März 2009, Beschluss vom 27. Januar 2009 – 1 BvR 2982/07
  26. Urteilstext des Bundesverfassungsgerichts Az. 1 BvR 2982/07
  27. Andreas Mihm: Schröder will künstliche Befruchtung bezuschussen. auf: faz.net, 27. November 2011, abgerufen am 28. November 2011.
  28. Pressemitteilung des Bundesrates vom 2. März 2012: Finanzielle Entlastung bei künstlicher Befruchtung. (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.is) auf: bundesrat.de zu dem Gesetzentwurf des Bundesrates für das Gesetz zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Kostenübernahme des Bundes für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung bei Paaren mit Kinderwunsch (Kinderwunschförderungsgesetz - KiwunschG). (BR-Drucksache 478/11 (Beschluss)) (Memento vom 3. August 2012 im Webarchiv archive.is) auf: bundesrat.de
  29. Auch Unverheiratete bekommen Zuschuss für künstliche Befruchtung. auf: faz.net, 7. Januar 2016.
  30. OLG Karlsruhe Az: 12 U 107/17
  31. Zeit.de: Künstliche Befruchtung, Privatkasse muss lediger Frau künstliche Befruchtung zahlen
  32. Max-Planck-Datenbank zu den rechtlichen Regelungen zur Fortpflanzungsmedizin in europäischen Ländern, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg i. Brsg.
  33. Belgien liberalisiert künstliche Befruchtung. auf: aerzteblatt.de, 16. März 2007.
  34. Belgisches Staatsblatt
  35. Referendum zur Bioethik gescheitert. In: Spiegel online. 13. Juni 2005.
  36. Italien kippt Verbot von Spendersamen. In: Rheinische Post. 10. April 2014.
  37. Stellungnahme des Landesethikkomitees der Provinz Bozen zur heterologen künstliche Befruchtung
  38. Österreich: Verbot der Samenspende für Lesben verfassungswidrig. auf: queer.de, 17. Januar 2014.
  39. Real Decreto 1301/ 2006, de 10 noviembre 2006, No. 19625, BOE núm. 270. 11. November 2006, S. 39475. (PDF; 749 kB, spanisch)
  40. BOE núm. 64 Jueves 15 marzo 2007 11007 mlop.es
  41. Der Preis der acht. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Februar 2009, S. 10.
  42. Umstrittener US-Mediziner: Arzt pflanzt 49-Jähriger sieben Embryonen ein. auf: stern.de
  43. Panorama: 69-Jährige nach Geburt von Zwillingen gestorben. In: Spiegel online. Abgerufen am 15. Juli 2009.
  44. Künstliche Befruchtung: Fehlerhafte Programmierung in der Retorte. In: FAZ. Abgerufen am 30. Oktober 2015.
  45. a b IVF: Wird die Indikation zur künstlichen Befruchtung zu großzügig gestellt? Medscape Deutschland; abgerufen am 30. Oktober 2015. (Zugangsdaten oder Benutzung des Google webcaches erforderlich)
  46. J. Collins: An international survey of the health economics of IVF and ICSI. In: Human Reproduction Update. Band 8, Nummer 3, Mai–Juni 2002, S. 265–277. PMID 12078837.
  47. Infertility FAQs. CDC; abgerufen am 31. Oktober 2015.
  48. Treatment for Polycystic Ovary Syndrome: A Critical Appraisal of Treatment Options. Medscape; abgerufen am 31. Oktober 2015. (Zugangsdaten oder Benutzung des Google webcaches erforderlich)
  49. Spanische Gene, deutsche Mutter. auf: faz.net, 4. Dezember 2007.
  50. Seniorenmutti entfacht Streit über Eizellenspende. auf: welt.de, 4. Dezember 2007.
  51. Debatte um spätes Mutterglück entbrannt. auf: rp-online.de, 4. Dezember 2007.
  52. Europäische Gerichtshof entscheidet: Eizellspende muss erlaubt werden. auf: taz.de, 3. April 2010.
  53. EGMR:Eizellspende ist kein Menschenrecht. In: Die Presse. 3. November 2011.
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