Silence (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Silence
Originaltitel Silence
Silence 2016 logo.png
Produktionsland Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Taiwan
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2016
Länge 159 Minuten
Stab
Regie Martin Scorsese
Drehbuch Jay Cocks,
Martin Scorsese
Produktion Martin Scorsese,
Emma Tillinger Koskoff,
Randall Emmett,
Barbara De Fina,
Gaston Pavlovich,
Irwin Winkler,
Vittorio Cecchi Gori
Musik Kim Allen Kluge,
Katherine Kluge
Kamera Rodrigo Prieto
Schnitt Thelma Schoonmaker
Besetzung

Silence ist ein Filmdrama von Martin Scorsese aus dem Jahr 2016. Das von Scorsese und Jay Cocks verfasste Drehbuch basiert auf dem Roman Chinmoku (dt. Schweigen) des römisch-katholischen japanischen Autors Endō Shūsaku aus den 1960er Jahren. In den Hauptrollen sind Andrew Garfield und Adam Driver zu sehen, die zwei Jesuiten verkörpern; Liam Neeson spielt deren ehemaligen Mentor, auf dessen Suche sich die Figuren begeben.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1638 in Portugal. Die beiden jungen Jesuiten Sebastião Rodrigues und Francisco Garupe reisen gemeinsam nach Japan, um Sebastiãos ehemaligen Mentor Cristóvão Ferreira ausfindig zu machen. Gerüchten zufolge soll Ferreira der Apostasie verfallen sein. Beide weigern sich, dies zu glauben.

Mit Hilfe des verstoßenen Konvertiten Kichijiro segeln sie heimlich nach Japan und werden in dem Dorf Tomogi von einer im Untergrund lebenden christlichen Gemeinde empfangen. Ohne Priester wird dort nur das Sakrament der Taufe weitergegeben. Die Priester erfahren, dass in Japan Inquisitoren auf Christen ein Kopfgeld ausgesetzt haben. Zunächst verstecken sie sich in einer Hütte, werden aber von Bewohnern aus einem anderen Dorf entdeckt und reisen dorthin, um den Glauben zu verbreiten. Sie erfahren, dass Kichijiros gesamte Familie getötet wurde und er nur überlebte, weil er vor seinen Verfolgern dem Christentum abschwor.

In Tomogi haben die Inquisitoren mittlerweile mehrere Dorfbewohner festgenommen und verlangen entweder den Tod von vier Konvertiten oder die Auslieferung der Jesuiten. Die Dorfbewohner weigern sich, weswegen eine Frau und drei Männer an Holzpfeilern am Meeresufer gefesselt und durch die Flut getötet werden. Sebastião und Francisco beschließen, Japan auf getrennten Wegen wieder zu verlassen. Auf die Frage, wie die Konvertiten auf die Drohungen der Inquisitoren reagieren sollen, meint Sebastião, dass sie abschwören sollen. Francisco lehnt dies strikt ab.

Sebastião wählt den Weg über das Festland, abseits der Dörfer. In der Einsamkeit beginnt er, an seinem Glauben zu zweifeln, und hat eine Vision von Jesus. Schließlich trifft er Kichijiro wieder, wird aber von ihm an den Inquisitor Inoue verraten und festgenommen. Dessen Männer bringen Sebastião zusammen mit anderen konvertierten Christen in ein Gefängnis in Nagasaki.

Inoue ist der Meinung, dass das Christentum nicht nach Japan passe. Er sieht dessen Bekämpfung als unangenehme, aber notwendige Aufgabe an. Als Zeichen für die Abkehr vom christlichen Glauben verlangt er von den Konvertiten, mit dem Fuß auf ein Bild von Jesus zu treten. Sebastião ist nicht bereit, die Christen dazu aufzufordern. Er wird an die Küste gebracht, wo mehrere Konvertiten in Gegenwart von dem ebenfalls gefangen genommenen Francisco ertränkt werden. Francisco ertrinkt bei dem Versuch, dies zu verhindern.

Sebastião trifft schließlich auf Ferreira, der inzwischen unter japanischem Namen in einem buddhistischen Kloster lebt. Ferreira verleugnet das Christentum und bringt den Buddhisten die Lehren der Astronomie bei. Außerdem schreibt er an einem Buch, in dem er die Fehler des Christentums aufzeigt. Sebastião verachtet ihn dafür.

Die noch lebenden Konvertiten werden einer speziellen Folter unterzogen, bei der man die Menschen kopfüber in eine Grube hängt. Inoue verlangt als Bedingung für ihre Begnadigung, dass Sebastião dem Christentum abschwört und ebenfalls auf das Jesusbild tritt. Sebastião weigert sich zunächst, hat dann aber eine Vision, in der Jesus sagt, er dürfe dies tun. Sebastião tritt auf das Bild, und die Konvertiten werden begnadigt.

Sebastião nimmt einen japanischen Namen an und lebt fortan mit einer einheimischen Frau zusammen, die man ihm zugewiesen hat. Seine und Ferreiras Aufgabe ist es nun, Handelsgüter der Niederländer auf christliche Symbolik zu prüfen. Regelmäßig muss Sebastião schriftlich bezeugen, dass er kein Christ mehr ist. Als ihn Kichijiro aufsucht, damit er seine Sünden beichten kann, weigert sich Sebastião, da er sich nicht mehr als Padre sieht. Kichijiro wird trotzdem festgenommen, als man ein christliches Amulett bei ihm findet. Nach vielen Jahren stirbt Sebastião und wird nach buddhistischem Brauch bestattet. Seine Witwe steckt dem Leichnam jedoch vor der Verbrennung ein Kruzifix zu.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japan war unter dem damaligen Herrscher Toyotomi Hideyoshi zunächst neuen religiösen Strömungen gegenüber relativ offen. Die Portugiesen, denen die „Nutzung“ Japans im Vertrag von Tordesillas zugesprochen worden war, trieben regen Handel, und die Jesuiten machten sich vor allem als Übersetzer unentbehrlich. Vor allem viele einfache Japaner wurden friedlich zum Christentum bekehrt, da Christen ungeachtet des sozialen Standes ein Aufstieg in den Himmel in Aussicht gestellt wurde – eine Revolution im strikten Ständesystem Japans, in dem insbesondere die Bauern kaum Rechte besaßen. Auch einige ranghohe Feudalherren übernahmen den christlichen Glauben, der trotzdem eine Religion der unteren Bevölkerungsschichten blieb.

Ein Großteil der japanischen Feudalherren blieb dem Christentum gegenüber misstrauisch, da die Anerkennung der Kirche als höchster Autorität als Angriff auf die bisherige japanische Machtordnung betrachtet wurde. Dieses Misstrauen erhielt durch den in Japan gestrandeten englischen Seefahrer William Adams weitere Nahrung. Adams, der als Engländer und Protestant, mit dem katholischen Portugal im Krieg war, klärte Tokugawa Ieyasu, den späteren Alleinherrscher Japans, darüber auf, dass Portugal bereits in der Vergangenheit das Christentum genutzt hatte, um Einheimische fremder Länder gegeneinander aufzuhetzen um diese Länder am Ende schließlich ganz zu kontrollieren.

Tokugawa reagierte mit der Abschließung Japans, was sich zunächst vor allem gegen die Spanier und Portugiesen richtete. Lediglich den Angehörigen der niederländischen Ostindien-Kompanie wurde der Aufenthalt auf einer kleinen, streng abgeriegelten Insel gestattet, da diese nur am Handel interessiert waren und keine Ambitionen hegten dieses lukrative Geschäft durch Bekehrungsversuche oder Einmischungen in die japanische Politik zu gefährden. Nach dem christlich geprägten Shimabara-Aufstand wurde auch das Christentum verboten.

Christen mussten zurückkonvertieren oder wurden getötet. Um Christen aufzuspüren, zogen bewaffnete Truppen durchs Land, die alle Einwohner eines Dorfes zwangen, z. B. auf ein Bild der Jungfrau Maria zu treten, was katholischen Christen als Sakrileg galt. Binnen kurzer Zeit wurden tausende Konvertiten getötet und der Rest in den Untergrund getrieben. Die Kakure Kirishitan konnten ihre Religion nur noch im Verborgenen ausüben. Bei Entdeckung durch die Obrigkeit drohte die Hinrichtung der gesamten Familie. Trotzdem blieb das Christentum in kleinen Enklaven lebendig, wobei sich im Laufe der Jahre eine abgewandelte Liturgie sowie Gebete entwickelten. Im Jahr 1865, mehr als 250 Jahre nach dem Verbot des Christentums in Japan, stellte sich einem ausländischen Priester eine Familie als Christen vor.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silence basiert auf dem Roman Chinmoku (1966) des japanischen Autors Endō Shūsaku, welcher wiederum lose auf realen Ereignissen basiert. Pater Cristóvão Ferreira lebte wirklich von 1580 bis 1650 und legte nach Folterungen in Japan seinen christlichen Glauben ab. Die Figur von Sebastião Rodrigues basiert ebenfalls auf einer historischen Person. Es handelt sich dabei um den italienischen Jesuiten Giuseppe Chiara, der in Japan tätig war.

Chinmoku wurde zum ersten Mal 1971 in Japan von Masahiro Shinoda verfilmt, jedoch nicht im Ausland veröffentlicht. Anfang der 1990er-Jahre zeigte sich Martin Scorsese interessiert an einer Neuverfilmung und verfolgte das Projekt seitdem. Damals sagte er zum Roman:[1]

Silence zieht mich in einer bestimmten Weise an. Ich bin wie besessen [von dem Projekt] und muss es verwirklichen.“

Silence is just something that I'm drawn to in that way. It's been an obsession, it has to be done.“

Martin Scorsese

Nachdem das Projekt eine Zeit lang auf Eis lag, arbeitete Scorsese ab 2009 aktiv daran und führte Gespräche mit Schauspielern wie Daniel Day-Lewis, Benicio del Toro und Gael García Bernal. Daraufhin widmete er sich jedoch wieder anderen Projekten wie Shutter Island (2010) und Hugo Cabret (2011).

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2013 wurde schließlich bekannt gegeben, dass die Produktion an Silence nach 23 Jahren endlich begonnen habe. Bereits im Mai 2013 wurden Andrew Garfield und Ken Watanabe für den Film gecastet; letzterer musste das Projekt jedoch kurze Zeit darauf wieder aufgeben und wurde durch Tadanobu Asano ersetzt.[2]

Der Film hatte ein vergleichsweise knappes Budget von geschätzten 50 Millionen USD, was dazu führte, dass Teile der Crew wie Produzent Irwin Winkler für den Mindestlohn arbeiteten. Zudem wurde nach einem günstigen Drehort gesucht, welcher das Japan des 17. Jahrhunderts repräsentieren konnte. Die Wahl fiel auf die taiwanesische Hauptstadt Taipeh, wo der Film vom 30. Januar bis zum 15. Mai 2015 gedreht wurde.[3] Im Rahmen der Aufbauarbeiten kam es am 28. Januar 2015 zu einem Unfall am Set, bei dem ein Arbeiter starb und zwei weitere verletzt wurden.[4]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte seine Premiere am 29. November 2016 in der Vatikanstadt. Dabei wurde Scorsese im Apostolischen Palast von Papst Franziskus empfangen. Zur Premiere lud Scorsese rund 300 Mitglieder des Jesuitenordens ein.[5]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Arbeit wurde Rodrigo Prieto 2017 für den Oscar in der Kategorie Beste Kamera nominiert. Das National Board of Review zeichnete Jay Cocks und Martin Scorsese 2016 in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch aus, außerdem wurde der Film unter die Besten zehn Filme des Jahres gewählt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Scorsese To Make Noise On ‘Silence’ At Cannes; Emmett/Furla Funding The Film (englisch) In: Deadline.com. Abgerufen am 16. Januar 2016.
  2. Adam Driver Joins Martin Scorsese's 'Silence'; Kristen Wiig & Alexander Skarsgård To Star In 'The Diary Of A Teenage Girl' & More (englisch) In: IndieWire. Abgerufen am 2. März 2014.
  3. Liz Shackleton: Martin Scorsese’s 'Silence' to wrap in Taiwan (englisch). In: Screen Daily, 5. Mai 2015. 
  4. Tragic Death On Taiwan Set Of Martin Scorsese-Directed ‘Silence’ (englisch) In: Deadline.com. Abgerufen am 20. Februar 2015.
  5. Papst Franziskus und Martin Scorsese: Ein Drama für Rom, Spiegel. 30. November 2016. Abgerufen am 1. Dezember 2016.