Aviator

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Aviator (Begriffsklärung) aufgeführt.

Aviator (englisch für Flieger) ist eine Filmbiografie über den Flugpionier Howard Hughes (1905–1976) aus dem Jahr 2004 unter der Regie von Martin Scorsese.

Das US-amerikanische Filmdrama wurde mit Schauspielern wie Leonardo DiCaprio und Cate Blanchett in den Hauptrollen an Schauplätzen in den Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland gedreht.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film setzt ein mit einer Szene, in der die Mutter den jungen Hughes wäscht. Sie spricht dabei dem Jungen gegenüber allerhand Warnungen in Bezug auf gesundheitliche Gefahren aus. Diese Szene wird ganz am Ende des Films noch einmal aufgegriffen.

In der nächsten Szene ist Hughes zu einem jungen Mann geworden. Er hat eine größere Zahl von Leuten versammelt, um mit ihnen sein erstes Filmprojekt zu realisieren. Es geht dabei um einen Film mit dem Titel Hell’s Angels, einen Fliegerfilm, der im Ersten Weltkrieg spielt. Für die Filmaufnahmen hat er eine große Zahl an Doppeldecker-Flugzeugen beschaffen lassen. Hughes scheut sich nicht, immer wieder große Summen zu investieren, um seinen Film realisieren zu können. Am deutlichsten wird das, als der Film fertiggestellt ist. Ihm fällt auf, dass sich das Publikumsinteresse von den Stummfilmen hin zu den Tonfilmen verschoben hat. Also lässt er den Film gleich noch einmal drehen, diesmal als Tonfilm. Die Premiere des Films fällt sehr glamourös aus. Das Publikum zeigt sich begeistert, der Film wird ein Erfolg.

Er lernt Katharine Hepburn kennen und verliebt sich in den selbstbewussten Filmstar. Die beiden werden ein Paar. Hughes wird den ganzen Film hindurch immer wieder in Begleitung von schönen Hollywood-Frauen gezeigt. Bei allen seinen Affären macht der Umgang mit Katharine Hepburn am meisten den Eindruck einer normalen Beziehung. Hughes wird von nun an als jemand gezeigt, der sich mit Leidenschaft und Hingabe Fliegerei und Ingenieurskunst verschreibt. Bei seinem Engagement in der Luftfahrtindustrie wird er durch seine Sucht nach Erfolgen und Rekorden getrieben. Er lässt neue Flugzeugtypen entwickeln, und zumeist ist er es selbst, der die Testflüge durchführt. Da seine Konstrukteure erfolgreich arbeiten, kann er nicht nur den Rekord für den schnellsten Flug aufstellen; 1938 gelingt ihm außerdem auch die schnellste Erdumrundung aller Zeiten. Nach einem dramatischen, jedoch relativ glimpflich verlaufenden Flugzeugabsturz wird er noch von Katharine Hepburn gepflegt. Sie preist ihn für den neuen Geschwindigkeitsrekord, den er aufgestellt hat. Auf die Dauer kann sich Katharine Hepburn jedoch nicht mit den Eigenheiten des Fliegers arrangieren; er wiederum wird auch während der gemeinsamen Beziehung immer wieder mit anderen Schönheiten gesehen. Hepburns intellektuelle Familie akzeptiert Hughes nicht und behandelt ihn herablassend. Schließlich verlässt Hepburn ihn und verliebt sich in den Schauspielerkollegen Spencer Tracy.

Der Zuschauer wird allmählich an die Besonderheiten von Hughes herangeführt. Es gibt bei ihm ein zwangsneurotisches Verhalten, das sich unter anderem in einem Waschzwang zeigt. Generell hegt Hughes in jeder Umgebung, in der er sich befindet, den Verdacht, dass es Gefahren für seine Gesundheit gibt. Nachdem Katharine Hepburn gegangen ist, sucht er Trost bei anderen Hollywood-Schönheiten. Zu einer langjährigen Begleiterin wird ihm Ava Gardner. Die Beziehung mit ihr wird allerdings niemals so eng sein wie die mit Katharine Hepburn. Auf die Frage, ob sie ihn heiraten wolle, wird sie später antworten, dass das nicht ginge, weil er zu verrückt sei. Seinen nächsten Flugzeugabsturz überlebt Hughes nur knapp. Mit einem Prototyp des Spionageflugzeugs Hughes XF-11 ist er über Beverly Hills unterwegs, als ein Triebwerk versagt. Er rast mit dem Flugzeug in ein Wohngebiet, zerstört dabei mehrere Häuser und zieht sich schwerste Verletzungen zu.

Hercules basiert auf dem echten Modell der Hughes H-4.

Von nun an hat er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und es tauchen Konkurrenten auf, die es darauf anlegen, ihm das Leben schwer zu machen. Es ist ihm gelungen, zum Mehrheitsaktionär bei der Fluggesellschaft TWA zu werden. In den darauffolgenden Jahren entwickelt sich TWA gut und steigt bei den Umsatzzahlen auf Platz zwei auf – hinter dem Marktführer Pan Am. Bei Pan Am löst diese Entwicklung Alarm aus. Insbesondere im anlaufenden Geschäft mit Transatlantikflügen möchte man sich von TWA keine Marktanteile abnehmen lassen. Pan-Am-Chef Juan Trippe bringt daher seine guten Beziehungen zur Politik ins Spiel. Er heuert einen Senator an, damit dieser Hughes ein Ultimatum stellt. Hughes soll sein Unternehmen verkaufen. Andernfalls werde er sich vor einem Senatsausschuss dafür rechtfertigen müssen, staatliche Millionengelder für die Entwicklung von Flugzeugen verschwendet zu haben. Hughes weigert sich zu verkaufen und wird tatsächlich aufgefordert, sich vor einem Senatsausschuss zu rechtfertigen. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Leben bereits sehr durcheinandergeraten; es zeichnen sich die Grundzüge des Einsiedlerlebens ab, auf das er sich in den nächsten zwanzig Jahren zurückziehen wird. Für die Verhandlung gelingt es ihm aber, sich noch einmal in Form zu bringen. Er vertritt seine Sache gut, und es gelingt ihm, alle Vorwürfe zu entkräften und den Ausschusssaal erhobenen Hauptes zu verlassen. Das Monopol für Atlantikflüge Pan Ams wird gekippt und TWA darf ebenfalls in dieses Geschäft einsteigen.

Außerdem hat es in den letzten Jahren mit der Hughes H-4 „Spruce Goose“ noch ein wichtiges Flugzeugprojekt gegeben. Von diesem glaubte alle Welt, dass dabei ein fluguntaugliches Gerät entwickelt würde. Es gelingt ihm jedoch, das monströse Flugzeug für einige Zeit in die Luft zu bringen. 1947 führt er im Alter von 42 Jahren einen Testflug selbst erfolgreich durch. Der Film endet damit, dass er eine Vision davon hat, dass die Düsenmaschinen die Luftfahrt beherrschen werden. Er wird von seinem zwanghaften Verhalten, Sätze immer wiederholen zu müssen, übermannt und seine Berater bringen ihn in einen Nebenraum, damit ihn die Öffentlichkeit nicht so sieht.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Produzent Charles Evans Jr. und der Regisseur Michael Mann begannen 1992 mit der Entwicklung des Projektes und beauftragten erst den Fernseh-Autor Dean Ollins, dann John Fincher mit der Drehbucharbeit, basierend auf verschiedenen Biographien. Schließlich übergab man 1999 der Neuentdeckung John Logan das gesamte recherchierte Material und verpflichtete als Erfolgsgaranten Leonardo DiCaprio, dessen Produktionsfirma Appian Way Productions das Filmprojekt finanzierte. Nachdem sich die Geschäftspartner Evans und Mann 2001 im Streit getrennt hatten und Mann Anfang 2002 als Regisseur ausgeschieden war, brachte DiCaprio Martin Scorsese an Bord, den er 2000 bei den Dreharbeiten zu Gangs of New York kennengelernt hatte. Beide planten zu dieser Zeit einen biographischen Film über den makedonischen Prinzen Alexander (das Projekt übernahm schließlich Baz Luhrmann), doch die Fachzeitschrift Variety berichtete schon im Juli 2002 von einer Vorproduktion des Howard-Hughes-Films (allein die Kostüme kosteten 2 Millionen US-Dollar). Im Frühjahr 2003 wurden dann Jude Law, Gwen Stefani, John C. Reilly und Alec Baldwin für den Film verpflichtet. Nach elf Jahren Vorarbeit begannen die Dreharbeiten in Toronto am 7. Juli 2003, sie endeten am 17. November 2003 in Los Angeles. Bei Produktionskosten von 110 Millionen US-Dollar spielte Aviator weltweit etwa 213 Millionen US-Dollar ein.[3]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand bei der FFS Film- und Fernseh-Synchron, München und Berlin. Das Dialogbuch verfassten Clemens Frohmann und Klaus Bickert, Synchronregie führte Clemens Frohmann.[4]

Rolle Darsteller Deutscher Synchronsprecher
Howard Hughes Leonardo DiCaprio Gerrit Schmidt-Foß
Errol Flynn Jude Law Florian Halm
Katharine Hepburn Cate Blanchett Elisabeth Günther
Ava Gardner Kate Beckinsale Marie Bierstedt
Noah Dietrich John C. Reilly Detlef Bierstedt
Juan Trippe Alec Baldwin K. Dieter Klebsch
Senator Ralph Owen Brewster Alan Alda Bodo Wolf
Dr. Hepburn Kenneth Welsh Ernst Meincke
Professor Fitz Ian Holm Mogens von Gadow
Faith Domergue Kelli Garner Maria Koschny
Glenn Odekirk Matt Ross Viktor Neumann
Jack Frye Danny Huston Leon Boden
Johnny Meyer Adam Scott Daniel Fehlow
Louis B. Mayer Stanley DeSantis Roland Hemmo
Ludlow J. C. MacKenzie Peter Flechtner
Mrs. Hepburn Frances Conroy Regine Albrecht
Robert Gross Brent Spiner Uwe Karpa
Roland Sweet Willem Dafoe Reiner Schöne

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musik zur Untermalung einiger Flugszenen mit Howard Hughes ist eine Orchestrierung der ursprünglich für Orgel geschriebene Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) von Johann Sebastian Bach.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritiken fallen recht gemischt aus, so schreibt Jürgen Armbruster von Filmstarts: „Trotz minimaler Mängel kann ‚Aviator‘, Scorseses tiefe Verbeugung vor dem Leben des Exzentrikers und Milliardärs Howard Hughes dank fantastischer Produktionswerte und des stark aufspielenden Hauptdarstellers Leonardo DiCaprio […] auf ganzer Linie überzeugen.“ Er vergibt vier von fünf möglichen Sternen.[5]

Florian Kerntopf bei Critic.de meint: „Der Regisseur beweist in erster Linie sein Talent bei der detailverliebten Wiedergabe der Epoche, in der Aviator spielt. Die Kostüme und die Musik der dreißiger und vierziger Jahre, das Dekor, wie etwa die Ausstattung der Nachtclubs, werden originalgetreu in ihrem Wandel der Zeit hervorgehoben. Hervorragend auch die Arbeit des Kameramanns Robert Richardson […]. Er versteht es wieder, die Geschichte originell zu bebildern.“[6]

Beim Filmspiegel schreibt Flemming Schock „‚Aviator‘ ist trotz seiner Lauflänge kaum langatmig, aber ihm fehlt – und das überrascht gerade bei Scorsese ein wenig – über weite Strecken der emotionale, tragende Kern. Das Abenteuer der grillenhaften Hauptfigur wird nicht das des Publikums. Tatsächlich entwickelt ‚Aviator‘ eine bestechend elegante Beiläufigkeit.“[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Althen: Aviator von Martin Scorsese. In: Claudius Seidl (Hrsg.): Michael Althen. Liebling, ich bin im Kino! Texte über Filme, Schauspieler und Schauspielerinnen. Karl Blessing, München 2014, ISBN 978-3-89667-535-4, S. 34-38.
  • Stephan Zöller: Das Thema „Selbstentfremdung“ im Spielfilm. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-72963-7, S. 313–326.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Aviator. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2005 (PDF; Prüf­nummer: 101 166 K).
  2. Alterskennzeichnung für Aviator. Jugendmedien­kommission.
  3. Einspielergebnisse bei boxofficemojo.com, abgerufen am 7. September 2014.
  4. Aviator in der Deutschen Synchronkartei; abgerufen am 16. Dezember 2007.
  5. Filmkritik bei filmstarts.de, abgerufen am 7. September 2014.
  6. Florian Kerntopf: Filmkritik bei critic.de, abgerufen am 7. September 2014.
  7. Flemming Schock: Filmkritik bei filmspiegel.de, abgerufen am 7. September 2014.