Stefan Homburg

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Stefan Homburg, 2013

Stefan Homburg (* 10. März 1961 in Hellersen)[1] ist Professor an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen. Darüber hinaus ist er nebenberuflich als Steuerberater tätig.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes studierte Homburg Volkswirtschaftslehre, Mathematik und Philosophie an der Universität zu Köln, wurde dort promoviert und habilitierte sich an der Universität Dortmund. Anschließend hatte er Professuren an der Universität Bonn und an der Universität Magdeburg inne, bevor er 1997 an die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover wechselte. Rufe an die Eberhard Karls Universität Tübingen und die Universität zu Köln lehnte er ab. Homburgs Arbeitsgebiet umfasst die öffentlichen Finanzen, insbesondere die Steuern. Er ist Autor eines steuerwissenschaftlichen Lehrbuchs,[2] Koautor eines Lehrbuchs der Makroökonomik[3] und tritt als Gastautor verschiedener Magazine und Tageszeitungen, unter anderen der New York Times,[4][5] in die Öffentlichkeit. Gelegentlich ist er zu Gast in Talkshows.[6][7]

Finanz- und wirtschaftspolitische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der Bank Lehmann Brothers Ende 2008 sprach sich Homburg öffentlich sehr entschieden gegen Bankenrettungen und schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme aus.[8][9] Dabei nahm er eine Minderheitenposition ein,[10] die er im SPIEGEL in einem Streitgespräch mit dem damaligen Vorsitzenden der „Wirtschaftsweisen“ Bert Rürup verteidigte.[11]

Seit 2011 warnt Homburg erneut vor den Gefahren des Euro, den er schon 1997 in mehreren Artikeln vehement abgelehnt hatte.[12][13] Dabei zieht er Parallelen zwischen den Problemen der Eurozone und den Währungsreformen von 1923 und 1948.[14] Seine Ansicht, die europäische Währungsunion werde keinen Bestand haben, hat er mehrfach vertreten. Homburg fordert, Deutschland solle den Euro aufgeben und keine weiteren Steuergelder an Gläubiger anderer Staaten zahlen.[15][16]

Politische Beratungstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als parteiloser Wissenschaftler hat Homburg alle im Bundestag vertretenen Parteien beraten, unter anderem bei Anhörungen des Finanzausschusses, des Haushaltsausschusses und des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags.[17] 1996 berief ihn Bundesfinanzminister Theo Waigel in den Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium der Finanzen. 2003 wurde Homburg auf Vorschlag des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff Mitglied der Föderalismuskommission von Bundestag und Bundesrat, die eine Verfassungsänderung vorbereitete. 2004 berief ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Neben diesen Gremientätigkeiten hat Homburg deutsche Politiker individuell beraten.[18][19] Die Bundestagsfraktion DIE LINKE bezog sich in einer Anfrage an die Bundesregierung zu den Profiteuren der Bankenrettung ausdrücklich auf Homburg.[20]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Coping With Rational Prodigals. Economica 73, 2006, S. 47–58.
  • Explaining the Rise and Decline of the Dollar Kyklos 43, 1990, S. 53–68 (mit J. Hoffmann).
  • Competition and Co-ordination in International Capital Income Taxation. FinanzArchiv 56, 1999, S. 1–17.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stefan Homburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vera de Vries: Stefan Homburg, in Tigo Zeyen, Anne Weber-Ploemacher (Hrsg.), Joachim Giesel (Fotos): 100 hannoversche Köpfe, Hameln: CW Niemeyer Buchverlage, 2006, ISBN 978-3-8271-9251-6 und ISBN 3-8271-9251-X, S. 90f.
  2. Stefan Homburg: Allgemeine Steuerlehre. Vahlen, München 1997, ISBN 3-8006-2192-4. 7. Auflage. Vahlen, München 2015, ISBN 978-3-8006-4922-8.
  3. Bernhard Felderer, Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik. Springer, Berlin 1984, ISBN 3-540-13690-8. 9. Auflage. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-25020-4.
  4. New York Times vom 18. März 2013
  5. New York Times vom 14. Januar 2016
  6. Stefan Homburg bei Maybrit Illner
  7. Stefan Homburg bei Heiner Bremer
  8. Wirtschaftswoche vom 25. Oktober 2008
  9. Wirtschaftswoche vom 10. Februar 2009
  10. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Januar 2009
  11. Der SPIEGEL vom 26. Januar 2009
  12. Stefan Homburg: Die europäische Einheitswährung – gewogen und zu leicht befunden. Handelsblatt vom 5. Juni 1997, S. 2.
  13. Stefan Homburg: Why Democracy is Essential to Monetary Stability, IDEAS. Abgerufen 12. Oktober 2014.
  14. Süddeutsche Zeitung vom 29. September 2011
  15. FOCUS online vom 8. November 2012
  16. Der SPIEGEL vom 20. Dezember 2010
  17. Vgl. etwa Bundestags-Drucksachen 13/5952 vom 5. November 1996, S. 9; 16/2069 vom 29. Juni 2006, S. 10; 17/3405 vom 26. Oktober 2010.
  18. Der Überlegene. ZEIT. 21. September 2006. Abgerufen am 27. März 2012.
  19. * Stefan Homburg, in: 100 hannoversche Köpfe, hrsg. von Tigo Zeyen und Anne Weber-Ploemacher, mit Fotografien von Joachim Giesel, Niemeyer, Hameln 2006, ISBN 978-3-8271-9251-6 und ISBN 3-8271-9251-X, S. 90f.
  20. Vgl. Bundestags-Drucksache 17/762 vom 7. Februar 2010, S. 2