Stefan Polónyi

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Stefan Polónyi im Interview auf einer Gedenkveranstaltung 2013 zum vierten Jahrestag des Einsturzes des Historischen Archivs Köln
Doppelbogenbrücke im Nordsternpark von Gelsenkirchen
St. Suitbert in Essen-Überruhr, gemeinsamer Entwurf mit dem Architekten Josef Lehmbrock

Stefan Polónyi (* 6. Juli 1930 in Gyula/Ungarn) ist ein deutscher Bauingenieur und Autor. Er wurde vor allem durch seine Faltwerk- und Schalenkonstruktionen und seine Bogentragwerke bekannt.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stefan Polónyi studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Budapest und ging 1956 nach einer vierjährigen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Budapest nach Köln. 1957 eröffnet er dort ein eigenes Büro (Stefan Polónyi & Partner, später Polonyi und Fink, dann IPP Prof. Polonyi + Partner). 1965 wurde er als Professor für Tragwerkslehre an die TU Berlin berufen und baute dort das Institut für Modellstatik auf. 1971 folgte der Ruf an die Universität Dortmund, dort war er maßgeblich an der Gründung der Abteilung Bauwesen und der Entwicklung des „Dortmunder Modells“ beteiligt, einer gemeinsamen Ausbildung von Ingenieuren und Architekten. Polónyi wurde 1995 in Dortmund emeritiert.

1997 ehrte ihn der Architektur- und Ingenieurverband (AIV) Köln mit der AIV-Plakette „Für Verdienste um unsere gebaute Umwelt“.[1] 1999 verlieh ihm die TU Berlin die Würde eines „Dr.-Ing. E. h.“. Es war der dritte Ehrendoktortitel für ihn, nachdem die Technische Universität Budapest und die Universität Kassel ihm diesen bereits zuvor verliehen hatten.[2]

„Polónyi verstand dabei die Arbeit des Ingenieurs nie als die eines technokratischen Handlangers, sondern als konstruktiven Ingenieurbau. Der temperamentvolle Querdenker verwies stets auf die kulturelle Verpflichtung des Ingenieurs und setzte dies konsequent bei seinen Entwürfen um. Dieses Verschmelzen der naturwissenschaftlichen und intuitiven Einflüsse zeigt sich etwa bei der Glashalle auf der Leipziger Messe oder bei der Kirche St. Suitbert in Essen-Überruhr, die er zusammen mit dem Architekten Josef Lehmbrock entwarf.“[2]

Stefan Polónyi lebt in Köln.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Polónyi: Schalen in Beton und Kunststoff: Entwurf, Bemessung, Ausführung, Wiesbaden/Berlin: Bauverlag 1970, ISBN 3-7625-0447-4
  • S. Polónyi: mit zaghafter Konsequenz: Aufsätze u. Vorträge zum Tragwerksentwurf 1961–1987, Braunschweig/Wiesbaden: Vieweg 1987, ISBN 3-528-08781-1
  • H. Kollhoff, S. Polónyi, F. Neumeyer, M. Klinkott: Über Tektonik in der Baukunst, Braunschweig: Vieweg-Verlag 1993, ISBN 3-528-08862-1
  • S. Polónyi, F. Kind-Barkauskas, B. Kauhsen: Beton Atlas – Entwerfen mit Stahlbeton im Hochbau, Düsseldorf: Verl. Bau und Technik 2001, ISBN 3-7640-0425-8
  • S. Polónyi und W. Walochnik: Architektur und Tragwerk, Berlin: Ernst 2003, ISBN 3-433-01769-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursula Kleefisch-Jobst (Hrsg.): Stefan Polónyi. Tragende Linien - tragende Flächen. Katalog. Ed. Menges, Fellbach 2012, ISBN 978-3-936681-58-1 (mai-nrw.de [PDF; abgerufen am 15. Dezember 2012] Leseprobe).
  • Michael Kuhlemann (Red.): Stefan Polónyi. (= Baumeister im Ruhrgebiet, Bd. 2, herausgegeben vom Bund Deutscher Architekten). Klartext, Essen 2010. ISBN 978-3-8375-0352-4.
  • Ulrike Stark (Red.): Ingenieure – Stefan Polonyi. IRB-Verlag (Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau), Stuttgart, 3., erw. Aufl. 1995. ISBN 3-8167-2633-X.
  • Prof. Dr.-Ing. E. h. Dr. h. c. Dr.-Ing. E. h. Stefan Polónyi. In: Valentin Wehefritz (Hrsg.): Lebensläufe von eigener Hand. Biografisches Archiv Dortmunder Universitäts-Professoren und -Professorinnen. Nr. 16, 2. Dortmund 2010 (tu-dortmund.de [PDF; abgerufen am 28. Mai 2014]). Darin S. 42–74: Liste der wichtigeren Bauten (Stand: Juni 1999).
  • Kleinschmidt, Walochnik, Reyer: "Festschrift. Stefan Polónyi. Zu seinem sechzigsten Geburtstag" Müller, Köln, Juli 1990
  • Ulrich Conrads (Hrsg.): "Stefan Polónyi. Mit zaghafter Konsequenz. Aufsätze und Vorträge zum Tragwerksentwurf 1961-1987" Vieweg & Sohn, Braunschweig 1987, ISBN 3-528-08781-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stefan Polónyi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baunetz: Ein Ingenieur mit Profil – AIV-Auszeichnung für Stefan Polonyi, Meldung, 19. Juni 1997
  2. a b TU Berlin: TU Berlin ehrt ihre ehemaligen Hochschullehrer Professor Oswald Mathias Ungers und Professor Stefan Polónyi mit der Ehrendoktorwürde (Memento vom 22. Januar 2000 im Internet Archive), Medieninformation Nr. 203, 15. Oktober 1999