Stornfels

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Stornfels
Stadt Nidda
Koordinaten: 50° 29′ 13″ N, 9° 2′ 7″ O
Höhe: 302 m ü. NHN
Fläche: 6,6 km²[1]
Einwohner: 200 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 63667
Vorwahl: 06044
Stornfels
Kirche
Hauptstraße "Am Höhenblick" (K192)

Stornfels ist der kleinste Stadtteil von Nidda im hessischen Wetteraukreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßendorf liegt auf einem erodierten Vulkanschlot des Vogelsbergs in der nördlichen Wetterau und ist der nördlichste sowie auch hügeligste Stadtteil Niddas.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 800 und 1300 ist wahrscheinlich die Burg Stornfels, auch Sloz Sturmfels genannt, erbaut worden. Erstmals wird sie schriftlich am 15. Januar 1353 als Sloz Sturmfels der Ziegenhain-Niddaer Grafen erwähnt.[3] Heute existieren nur noch der 18 m tiefe Burgbrunnen und im Erdreich auffindbare Reste des Ziegelsteinpflasters des Burghofes hinter der Kirche. Noch heute sind an der Kirche ein alter Einlasstorbogen und Reste eines alten Turms am südöstlichen Eck der Kirche erkennbar. Über dem Einlassbogen ist als Wappen ein sechsstrahliger Stern eingemeißelt. Die Burg wurde damals als Burg zur Sicherung der „rechten Niddastraße“ erbaut, die von Frankfurt am Main nach Kassel führte. Die Evangelische Kirche selbst wurde 1837 aus der ehemaligen Zehntscheune der Burg umgebaut. Zuvor befand sich eine kleine Kapelle in Höhe „Höhenblick 35“, welche zu Beginn des 19. Jahrhunderts baufällig wurde. Der Burgbrunnen ist nicht zugänglich.

Nördlich von Stornfels erinnert die „Luthereiche“ an einen vermutlichen Aufenthalt Martin Luthers bei dessen Weg zum Reichstag zu Worms (1521).

Am 1. Dezember 1970 wurde Stornfels in die Stadt Nidda eingegliedert.[4]

Von 1990 bis 1992 erfolgte eine Dorferneuerung in Stornfels.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Stornfels unterstand im Überblick:[1][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Stornfels das Amt Schotten zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Stornfels viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[11]

Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Stornfels kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda.[12] Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst[13] und Stornfels dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1][14]

1939: 203 Einwohner
1946: 291 Einwohner
1961: 231 Einwohner
1970: 230 Einwohner
2000: 256 Einwohner
2010: 222 Einwohner
Betzenrod: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
259
1840
  
266
1846
  
275
1852
  
278
1858
  
252
1864
  
256
1871
  
240
1875
  
226
1885
  
243
1895
  
231
1905
  
205
1910
  
213
1925
  
225
1939
  
203
1946
  
291
1950
  
289
1956
  
242
1961
  
231
1967
  
224
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Mario Schneider (Stand Januar 2018).[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stornfels – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Stornfels, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. November 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Nidda in Zahlen“ im Internetauftritt der Stadt Nidda, abgerufen im April 2016.
  3. Johann Friedrich Schannat, Fuldischer Lehn-Hof sive de clientela Fuldensi beneficiara nobili et equestri tractatus. Cod. prob. Frankfurt (Main) 1726, S. 220, Nr. 51.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 208, 281 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 345, 422 (online bei Google Books).
  9. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 262 ff. (online bei Google Books).
  10. Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler: Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen  vom 1. April 1937. In: Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1937/8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,2 MB]).
  11. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1879/15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  12. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16)  vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 1968/4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 f) und Artikel 2, Abs. 4 e) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Gesetz zur Änderung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Artikel 1.1, $3 c))  vom 16. September 2011. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 2011/17, S. 409 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 574 kB]). Bezieht sich auf das Gesetz über den Sitz und den Bezirk der Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit und der Staatsanwaltschaften (Gerichtlichesorganisationsgesetz) (GVBl. I S. 98)  vom 1. Februar 2005. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 2005/5, S. 98 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 235 kB]).
  14. Einwohnerzahlen nach 2000: Nidda in Zahlen In: Website der Stadt Nidda. Abgerufen im Januar 2018.
  15. Ortsbeiräte und Ortsvorsteher/innen. In: Website der Stadt Nidda. Abgerufen im Januar 2018.