Straßenmusik

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München, Sendlinger Straße

Straßenmusik hat sich vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Form der Kleinkunst etabliert. Es gibt sie allerdings schon mindestens seit der frühen Antike, wie von den Wandersängern der vorhomerischen Zeit und aus dem alten Iran bekannt ist. In anderen Kulturen sind seit langem Berufstände, die der Funktion früherer keltischen Barden entsprechen, bekannt.

Straßenmusik wird von Instrumentalisten oder Sängern, gelegentlich auch von Alleinunterhaltern vorgetragen. Wenn die Musiker alleine anstatt als kleine Gruppe auftreten, nutzen sie mitunter Tonträger für die Begleitmusik. Die Musiker stellen sich auf der Straße auf und präsentieren ihr Können, wofür sie von Passanten Geld erbitten, meist in Form eines Huts oder Instrumentenkastens, in den die Zuhörer Geld werfen.

Als zeitweilige Straßenmusiker fungieren oft Musikstudenten und auch Jugendliche unterwegs, die sich damit einen Teil ihrer Reisekosten finanzieren. Vereinzelt entwickeln sich aus den Musikern gefragte Künstler, wie einige Rapper oder die brasilianischen Emboladas.

Motivation der Straßenmusiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenmusiker sind eine Kategorie von Straßenkünstlern. Straßenmusik wird oft gemeinsam mit anderen Kunstformen wie Jonglage, Artistik, Clownerie und ähnlichem dargeboten. Straßenmusiker betreiben die Musik teilweise als Hobby oder zur Perfektion. Teilweise betreiben sie die Musik aber auch als kleinen Gelderwerb – wie manche Arbeitslose, ausländische Studenten (speziell aus Osteuropa) und einzelne Bettler – oder dauerhaft zum Lebensunterhalt, insbesondere in Ländern, die – anders als in den meisten europäischen Staaten, oder etwa den USA – professioneller Musik-Ausübung kaum existenzsichernde Bedingungen bieten (kommunal finanzierte oder Orchester des öffentlichen Rundfunks). Oft werden Straßenmusiker auch tätig, um größere Fertigkeit an ihrem Instrument zu erlangen, wenn sie noch kaum auf Engagements in der Szene hoffen können – wie junge Jazzmusiker oder Studenten der Musikakademie.

Einige Musiker leben hiermit aber auch ihren Traum oder ihren Beitrag zu sozialen Bewegungen und basisdemokratischer Auseinandersetzung mit Unterdrückung. Politische Motive haben in den 1970er und 1980er Jahre viele Liedermacher bewogen, ihre Lieder den Passanten vorzutragen, eine Gegenöffentlichkeit für gesellschaftskritische Inhalte zu schaffen und gegebenenfalls auch bei Demonstrationen und Streiks mitzuwirken.

Straßenmusiker in Wien (2011)

Straßenmusik erfreut sich vor allem bei alternativen Reisenden großer Beliebtheit, die mit der Straßenmusik die Kosten ihrer Reise und der Verpflegung decken. Musikstudenten aus Ländern Osteuropas nutzen die Straßenmusik regelmäßig zur Finanzierung ihres Studiums, indem sie in wohlhabenderen Ländern Straßenmusik machen und somit gleichzeitig das Land und die Gesellschaft kennenlernen. Bettler erlernen häufig die Grundtechniken eines Instruments, um ihre Erträge zu vergrößern. Viele Jugendliche schlüpfen auch in die Rolle des Straßenmusikers, um sich einen Teil ihrer Reisekosten einzuspielen.

Von Straßenmusikanten spricht man, wenn das künstlerische Niveau weniger hoch ist. Ein typischer Straßenmusikant früherer Jahrzehnte war der Drehorgel-Spieler (Österr. "Werkelmann"), der manchmal auch Hobbysänger zum Mittun anregte. Inzwischen wurde diese Musikform an U-Bahn-Stationen etc. durch Gitarristen oder Akkordeonspieler abgelöst, doch auch durch diverse Holz- und Blechbläser und Künstler an der Maultrommel.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenmusiker bevorzugen stark frequentierte Orte, zum Beispiel Einkaufsstraßen, Fußgängerzonen, touristische Sehenswürdigkeiten oder öffentliche Verkehrsmittel. Auch Stationen der U-Bahn, periodische Straßenmärkte oder im Sommerhalbjahr beliebte Parkanlagen werden gerne bespielt. Darüber hinaus gibt es spontane oder organisierte Festivals für Straßenkünstler[1]. Die meisten Straßenmusiker sind Instrumentalisten, die oft auch mehrere Musikinstrumente beherrschen.

Wieweit die Ladenbesitzer die Straßenmusiker schätzen, hängt vom Lokalkolorit der Stadt ab. Ob sie sie dulden müssen, ist rechtlich meist ungeklärt, solange nicht der Tatbestand einer öffentlichen Ruhe- oder Ordnungsstörung zutrifft. Manche Lokale heuern sogar Musiker an, z. B. Cafés, Weinstuben oder die Wiener Heurigen, doch stellt dies schon den Übergang zwischen Straßen- und Berufsmusikern dar.

Rechtlicher Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rechtliche Status der Straßenmusik ist regional stark unterschiedlich. Während in manchen Regionen, vor allem Metropolen, starke Reglementierungen über Zeit und Ort bestehen, wann und wo Straßenmusik gemacht werden darf, und teilweise eine Genehmigung notwendig ist, werden Straßenmusiker in anderen Gegenden geduldet, wo immer sie sich aufstellen.

Mancherorts gilt die Regel, dass sie maximal eine halbe Stunde an ein und derselben Stelle spielen dürfen und anschließend den Standort wechseln müssen. Bei politisch motivierter Straßenmusik kam es teilweise zu Auseinandersetzungen zwischen Geschäftsleuten, Polizei und Musikern, die von Seiten der Musiker als „sehr langer und harter Krieg“[2] beschrieben wurden und mit Verhaftungen endeten.

Musikstile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Musikstilen findet sich fast alles von Barockmusik und Klassik über Jazz-, Country-, andine und Volksmusik bis zu Rock- und Popmusik.

Hochburgen der Straßenmusik sind in Europa beispielsweise Dublin, London, Berlin, Wien, Prag, Salzburg, Köln, Mannheim, Barcelona und andere mediterrane Städte. Hochburgen der US-Straßenmusik sind u. a. Memphis in Tennessee, New Orleans sowie New York City und Chicago.

Auch manche Tanzstile wurden von Straßenmusikern geprägt oder weiterentwickelt, z. B. Formen des Jive, Breakdance oder neuerdings Jumpstyle.

Audio-Datei / Hörbeispiel „Strassenmusik in Rom“?/i

Weitere Motive für Straßenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joon Wolfsberg noch als Straßenmusikerin (2011)

Neben der Möglichkeit eines kleinen Einkommens geht es vielen Straßenmusikern um die Übung ihrer Fertigkeiten, aber auch um Erfahrungen mit neutralem Publikum. Auch ein gewisses Kennenlernen der Musikszene und Erlangung eines Bekanntschaftsgrades ist ein mögliches Ziel. Eine ganze Reihe erfolgreicher Musiker im Jazz und in Rock- und Popmusik haben als Straßenmusiker begonnen. Einige davon sind:

sowie eine Reihe anderer Folklore- und Liedermacher wie Wolfgang Ambros, Marc Bolan, Nikitaman, Yann Tiersen, Sidney Bechet, Steve Coleman, Floyd Council, Ted Heath, River Phoenix, Hank Williams, Pawel Runow, Blaise Siwula, Aaron Dodd. Seltener sind weibliche Straßenmusiker zu sehen. Hierzu gehören unter anderem Kathy Kelly, Simone Oberstein, Elsa Oehmigen und Joon Wolfsberg. Es gibt auch reine Instrumentalisten, wie Musiker am Charango, am Banjo, an Gitarre oder Akkordeon.

Viele Straßenmusiker wurden später bekannte Autoren und Komponisten, so Walter Mossmann, Gerald Jatzek oder Herwig Strobl, der sich „König der Straßenmusikanten“ nannte. Ehemalige Straßenmusiker wirken bei Elster Silberflug und Faltsch Wagoni mit.

Einige bekannte Künstler, die Straßenmusik als adäquate Form der Musikkunst gesehen und gelebt haben, sind Klaus der Geiger und Moondog.

Straßenmusik-Festivals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Ländern haben sich in neuerer Zeit Straßenmusik-Festivals etabliert. Das seit 1988 bestehende Ferrara Buskers Festival nimmt für sich in Anspruch, das größte und älteste dieser Festivals zu sein.[3] Andere europäische Festivals sind:

Bei der Street Performance World Championship in Dublin treten Straßenmusiker und andere Künstler zum Wettbewerb an.[10]

Auf dem TFF Rudolstadt, dem größten europäischen Weltmusik-Festival ist die Straßenmusik jedes Jahr ein wichtiger Programmpunkt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Engelke (Hrsg.): Das Straßenmusikbuch. Mit vielen Tips, Berichten, Erfahrungen, juristischen Hinweisen, Forderungen, Interviews, Statements, Fotos, Zeichnungen, Gedichten & Liedern zu Straßenmusik und Straßentheater. Gauke, Hannover 1984, ISBN 3-87998-049-7
  • Helmut Gebhardt: Die Rechtsstellung der Straßen- und Bettelmusikanten im 19. und 20. Jahrhundert. in: Martin F. Polaschek/Otto Fraydenegg-Monzello (Hg.): Festgabe für Gernot D. Hasiba zum 60. Geburtstag (= Arbeiten zu Recht, Geschichte und Politik in Europa, Bd. 4). Graz 2003 ISBN 3-901654-04-6 S. 27–41
  • Klaus Grabenhorst: „…daß in der Fußgängerzone eine Person herumschreit“ – Erfahrungen mit Straßenmusik. In Jürgen Frey (Hrsg.): Das haben wir daraus gelernt. Neue politische Musik zum Leben und Überleben. Reinbek, Rowohlt Taschenbuch 1979 (rororo 4391), ISBN 3-499-14391-7
  • Waltraud Kokot, Helmut Rösing, Simone Reich, Simon Sell (Hrsg.): "Die härteste Bühne der Welt...": Straßenmusik in Hamburg. LIT, Berlin 2004, ISBN 978-3-8258-0049-9
  • Mark Nowakowski: Straßenmusik in Berlin. Zwischen Lebenskunst und Lebenskampf. Eine musikethnologische Feldstudie. transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3385-6
  • Walter Salmen: Beruf: Musiker: Verachtet - vergöttert - vermarktet. Eine Sozialgeschichte in Bildern. Bärenreiter 1997

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Straßenmusik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.forum-strassenmusik.de Festival-Kalender der Strassenmusik
  2. Klaus der Geiger: Rumpelstielz?, Nr. 9: Die Straßenverhaftung (1985)
  3. Website des Ferrara Buskers Festival, abgerufen am 20. Juni 2014
  4. Buskers Bern Strassenmusik-Festival, abgerufen am 20. Mai 2018
  5. Buskers Braunschweig. Das Straßenmusikfestival der Löwenstadt. Abgerufen am 23. März 2018.
  6. Buskers Festival, Neuchâtel beim Neuenburger Tourismusverband, abgerufen am 20. Juni 2014
  7. Website von Ulicnih Sviraca, abgerufen am 20. Juni 2014
  8. Website des Festival Convivencia, abgerufen am 20. Juni 2014
  9. Buskerfest Makedonija, abgerufen am 20. Juni 2014
  10. Website der Street Performance World Championship von 2013, abgerufen am 20. Juni 2014