Teesdorf

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Marktgemeinde
Teesdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Teesdorf
Teesdorf (Österreich)
Teesdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Baden
Kfz-Kennzeichen: BN
Fläche: 7,3 km²
Koordinaten: 47° 57′ N, 16° 17′ OKoordinaten: 47° 57′ 0″ N, 16° 16′ 50″ O
Höhe: 235 m ü. A.
Einwohner: 1.805 (1. Jän. 2021)
Bevölkerungsdichte: 247 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2524
Vorwahl: 02253
Gemeindekennziffer: 3 06 37
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Schulstraße 11
2524 Teesdorf
Website: www.teesdorf.at
Politik
Bürgermeister: Hans Trink (SPÖ)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(19 Mitglieder)
15
4
15 
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Teesdorf im Bezirk Baden
AllandAltenmarkt an der TriestingBad VöslauBadenBerndorfBlumau-NeurißhofEbreichsdorfEnzesfeld-LindabrunnFurth an der TriestingGünselsdorfHeiligenkreuzHernsteinHirtenbergKlausen-LeopoldsdorfKottingbrunnLeobersdorfMitterndorf an der FischaOberwaltersdorfPfaffstättenPottendorfPottensteinReisenbergSchönau an der TriestingSeibersdorfSooßTattendorfTeesdorfTraiskirchenTrumauWeissenbach an der TriestingNiederösterreichLage der Gemeinde Teesdorf im Bezirk Baden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Teesdorf ist eine Marktgemeinde mit 1805 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021) im Bezirk Baden in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teesdorf liegt im Industrieviertel in Niederösterreich, in der Ebene des Steinfeldes. Durch die Gemeinde fließt die Triesting. Die Fläche umfasst sieben Quadratkilometer, davon sind sechzig Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, zehn Prozent Weingärten und acht Prozent Gärten. Nur zwei Prozent der Fläche sind bewaldet.

Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kottingbrunn Baden
Nachbargemeinden Tattendorf
Günselsdorf Blumau-Neurißhof
Teesdorf (rechts unten) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Gedenktafel 125 Jahre Konsum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ansiedlung Teesdorf entstand voraussichtlich in keltischer Zeit. In der keltischen Sprache bedeutet Tees einen „Platz, wo Hirten mit Rinderzucht beschäftigt sind“. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort in einem Gerichtsbrief des Jahres 1365. Darin ist vermerkt, dass der Kellermeister des Stiftes Heiligenkreuz eine verspätete Zahlung des Heim von Teesdorf erhält. In dieser Zeit gab es bereits Weingärten in Teesdorf. Im Jahr 1385 wird eine Veste genannt, deren Besitzer mehrfach wechselte. Von 1640 bis 1811 war das Stift Melk Eigentümer des Gutes. Die Nachbesitzer waren die Brüder Johann Baptist und Carl Puthon. Sie erweiterten die 1802 gegründete Spinnfabrik und benutzten das Gebäude als Direktionsgebäude. Die Fabrik hatte fünf Stockwerke mit einem vertikalen Produktionsfluss und war die erste mechanische Baumwollspinnerei der Monarchie. Der Antrieb erfolgte durch die Wasserkraft der Triesting und zwei Dampfmaschinen. Ab 1842 erzeugten zwei Turbinen elektrischen Strom für die Antriebe.

Die Brüder Puthon bauten Wohnhäuser für die Arbeiter und 1813 die erste Schule in Teesdorf. Darin wurden die Kinder, die ab 12 Jahren in der Fabrik arbeiteten, unterrichtet. Der 1856 gegründete Wechselseitigen Unterstützungsvereins der Fabrikarbeiter zu Teesdorf hatte das Ziel, günstig Nahrungsmittel für die Mitglieder zu beschaffen. Er war damit der erste Konsumverein in Österreich. Voraussetzungen für die Mitgliedschaft waren eine Bestätigung des ehelichen Standes und ein sittlicher Lebenswandel. Jeden Sonntag fuhr ein Geschäftsbesorger mit einem Handwagen, später mit einem Pferdefuhrwerk, nach Wiener Neustadt und holte die bestellten Waren. Im Jahr 1873 wurde ein eigenes Geschäft eröffnet. Dieses öffnete dem 14-stündigen Arbeitstag angepasst von 19:30 bis 22:00.

Die Aspangbahn, die in den Jahren 1881/82 gebaut wurde, verläuft durch das Gemeindegebiet. Eine eigene Haltestelle erhielt Teesdorf erst 1887.

Im Jahr 1906 streikten die Arbeiter der Spinnfabrik für bessere Arbeitsbedingungen. Sie wurden daraufhin vom Militär aus den Fabrikwohnungen vertrieben und campierten sechs Wochen lang mit ihren Familien im noch heute so genannten „Zigeunergraben“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Infrastruktur ausgebaut. Im Jahr 1960 eröffnete die dem hl. Petrus geweihte Filialkirche, 1965 erhielt Teesdorf das Marktrecht. Die 1972 zusammengelegten Gemeinden Teesdorf, Tattendorf, Günselsdorf und Blumau-Neurißhof wurden 1988 wieder verselbständigt.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Spinnerei Teesdorf.
Evangelische Kirche
Katholische Kirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der denkmalgeschützten Objekte in Teesdorf

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen des Ortes ist das Gebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei Teesdorf. Der 1908 bis 1912 nach Plänen von Bruno Bauer errichtete Stahlbetonskelettbau mit seinem markanten Wasserturm gilt als bedeutendes Beispiel der frühen architektonischen Moderne in Österreich. Die Spinnerei selbst wurde 1803 gegründet. Von 1906 bis 1926 war der später berühmte Romanautor Hermann Broch Assistenzdirektor bzw. Geschäftsführer der von seinem Vater erworbenen Firma. Der Betrieb der Spinnerei wurde 1993 eingestellt, seit damals stand das Gebäude leer und war dem Verfall preisgegeben. 2015 wurde die Umwandlung in Wohnungen abgeschlossen und das Objekt somit gerettet.[2] Der Turm steht unter Denkmalschutz.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr findet am ersten Augustwochenende (Samstag – Montag) das Kirtagsfest im Volksheim Teesdorf statt. Dabei steht der Samstag ganz im Zeichen der Jugend und es findet ein Clubbing statt. Am Sonntag gibt es nach der Kirche ein gemütliches Frühschoppen. Der Montag wird wegen seines Hauptangebots auch Backhendlkirtag genannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Teesdorf befindet sich seit 1987 das älteste Fahrsicherheitszentrum Österreichs, das vom Automobilclub ÖAMTC betrieben wird.

Wirtschaftssektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den zwanzig landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 wurden vierzehn im Haupterwerb geführt. Diese bewirtschafteten zwei Drittel der Flächen. Sechs Betriebe des Produktionssektors stellten Waren her, sechs waren Baufirmen. Diese beschäftigten achtzig Prozent der Erwerbstätigen. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche Handel und soziale und öffentliche Dienste..[3][4][5]

Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige
2011 2001 2011 2001
Land- und Forstwirtschaft 1) 20 23 27 25
Produktion 12 5 118 26
Dienstleistung 90 46 450 244

1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999

Arbeitsmarkt, Pendeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den rund 900 Erwerbstätigen, die im Jahr 2011 in Teesdorf lebten, arbeiteten 165 in der Gemeinde, vier Fünftel pendelten aus. Von den umliegenden Gemeinden kamen über 400 Menschen zur Arbeit nach Teesdorf.[6]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es einen Kindergarten,[7] eine Volksschule und eine Neue Mittelschule.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Marktgemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl 2015 bei insgesamt 19 Sitzen folgende Mandatsverteilung:[9][10]

Partei 2020 2015
% Mandate % Mandate
SPÖ 75,45 15 79,46 15
ÖVP 21,39 4 20,54 4
FPÖ 3,17 0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Marktgemeinde ist Hans Trink,[11] Amtsleiterin Heidi Windisch.[12]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktgemeinde wurde 1988 folgendes Wappen verliehen: Ein gespaltener Schild, in seinem vorderen silbernen Feld in einem blauen Schildhaupt zwei goldene Lilien, im Schild selbst ein roter, rechtsgewendeter, aufspringender Hund, das rückwärtige rote Feld belegt mit drei silbernen auf goldenen Trägern ruhenden Spindeln, von denen jeweils ein silberner Faden zur Schildmitte läuft.[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erika Adensamer (* 1957), Politikerin, unterrichtet an der Hauptschule
  • Rolf Majcen (* 1966), Jurist, Autor und Extremsportler lebt in der Gemeinde

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Winkler: Heimatkunde von Teesdorf. Eigenverlag, Teesdorf 1927.
  • Bruno Seitz: 600 Jahre Teesdorf. Eigenverlag, Teesdorf 1965.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Teesdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gedächtnis des Landes - Orte: Teesdorf. Niederösterreichische Museum BetriebsgesmbH., abgerufen am 22. Februar 2021.
  2. Markus Putz: Neue Wohnungen in Teesdorf. Spinnerei revitalisiert. In: Niederösterreichische Nachrichten. 3. Februar 2016;: „Nach Generalsanierung des denkmalgeschützten Bauwerkes nun 69 neue Wohnungen.“
  3. Ein Blick auf die Gemeinde Teesdorf, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 22. Februar 2021.
  4. Ein Blick auf die Gemeinde Teesdorf, Arbeitsstätten. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 22. Februar 2021.
  5. Ein Blick auf die Gemeinde Teesdorf, Erwerbstätige. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 22. Februar 2021.
  6. Ein Blick auf die Gemeinde Teesdorf, Berufspendler. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 22. Februar 2021.
  7. Kindergärten in NÖ. NÖ Landesregierung, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  8. Schulensuche auf Schulen online, abgerufen am 6. September 2020
  9. Land Niederösterreich - Gemeinderatswahl 2020. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  10. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Teesdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 18. Januar 2020.
  11. Teesdorf. Gemeinde Teesdorf, abgerufen am 22. Februar 2021 (österreichisches Deutsch).
  12. Teesdorf. Gemeinde Teesdorf, abgerufen am 22. Februar 2021 (österreichisches Deutsch).