Oberwaltersdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oberwaltersdorf
Wappen von Oberwaltersdorf
Oberwaltersdorf (Österreich)
Oberwaltersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Baden
Kfz-Kennzeichen: BN
Fläche: 13,57 km²
Koordinaten: 47° 59′ N, 16° 20′ O47.97694444444416.325277777778214Koordinaten: 47° 58′ 37″ N, 16° 19′ 31″ O
Höhe: 214 m ü. A.
Einwohner: 4.131 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 2522
Vorwahl: 02253
Gemeindekennziffer: 3 06 23
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Badenerstraße 24
2522 Oberwaltersdorf
Website: www.oberwaltersdorf.at
Politik
Bürgermeister Markus Gogollok (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(23 Mitglieder)
12
6
2
2
1
12 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Oberwaltersdorf im Bezirk Baden
Alland Altenmarkt an der Triesting Bad Vöslau Baden Berndorf Blumau-Neurißhof Ebreichsdorf Enzesfeld-Lindabrunn Furth an der Triesting Günselsdorf Heiligenkreuz Hernstein Hirtenberg Klausen-Leopoldsdorf Kottingbrunn Leobersdorf Mitterndorf an der Fischa Oberwaltersdorf Pfaffstätten Pottendorf Pottenstein Reisenberg Schönau an der Triesting Seibersdorf Sooß Tattendorf Teesdorf Traiskirchen Trumau Weissenbach an der Triesting NiederösterreichLage der Gemeinde Oberwaltersdorf im Bezirk Baden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Oberwaltersdorf ist eine Marktgemeinde mit 4131 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) in Niederösterreich im Bezirk Baden.

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Trumau
Traiskirchen Nachbargemeinden Ebreichsdorf
Tattendorf
Teesdorf
Oberwaltersdorf (rechts) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Gemeindeamt

Oberwaltersdorf liegt an der Triesting, im Wiener Becken, ca. 9 km östlich der Bezirksstadt Baden bei Wien und 25 km südlich von Wien an der Badener Straße (B 210). Eine Eisenbahnanbindung besteht seit 1881 über die Aspangbahn.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2010[Bearbeiten]

Es waren 3.534 Personen wahlberechtigt, 2.352 Stimmen wurden abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 66,55 % entspricht. 2.290 gültige Stimmen standen 62 ungültigen gegenüber.
Folgendes Ergebnis brachte die Wahl:

  • SPÖ: 869 Stimmen, 37,95 %, 9 Mandate² (-4 Mandate >2005)
  • Liste ÖVP: 733 Stimmen, 33,76 %, 8 Mandate (+2 Mandate >2005)
  • IAO: 373 Stimmen, 16,29 %, 4 Mandate (+-0 Mandate >2005)
  • FPÖ: 176 Stimmen, 7,69 %, 1 Mandat (+1 Mandat >2005)
  • UFO: 99 Stimmen, 4,32 %, 1 Mandat

Die SPÖ Oberwaltersdorf verlor die absolute Mehrheit, die sie seit 1945 innehatte. Im Oktober 2009 waren drei Gemeinderäte aus der SPÖ ausgetreten und hatten im November das Unabhängige Forum Oberwaltersdorf (UFO) gegründet.
²Am 6. Mai trat ein SPÖ Mitglied aus der Fraktion aus, legte sein Mandat nicht zurück.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner
2011 3.939
2001 3.343
1991 2.416
1981 2.030
1971 2.020

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche und Europabrunnen
Schloss Oberwaltersdorf

Um das 47. Jahrhundert v. Chr. etwa, also aus dem Mittelpaläolithikum, stammen die ersten Keramikfunde. Die ersten Pfeilspitzen, Streitäxte und Hornsteinspitzen datieren auf das 30. Jahrhundert v. Chr. zurück. Aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. stammen weitere Keramikfunde.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Jahre 991 entstand die erste deutsche Siedlung in diesem Raum. Die erste schriftliche Erwähnung des Namens Waltrichsdorf erfolgte 1108 in Urkunden des Stiftes Göttweig. Oberwaltersdorf wurde von Herzog Friedrich II. 1234 verpfändet. 1252 wird erstmals die Kirche zum Heiligen Jakobus urkundlich erwähnt. An der Kirche zum Heiligen Jakobus befindet sich ein aus dem Jahre 1325 stammendes Außenfresko. Das Stift Göttweig übergab 1264 den Besitz an Ottokar II. Der Römische König Albrecht II., welcher gleichzeitig Herzog Albrecht V. von Österreich war, verlieh auf Bitten des Hans von Ebersdorf den Leuten zu Baltharsdorf am 7. April 1437 ein Jahrmarktrecht nach dem Jakobstag. Adelige verschiedener Adelsgeschlechter bestimmten als Schlossbesitzer des Oberwaltersdorfer Schlosses beziehungsweise als Grundbesitzer die Geschichte der Gemeinde wesentlich.

Im Jahre 1462 wird der Ort durch Söldnertruppen verwüstet.

Neuzeit[Bearbeiten]

Der Ort und die Kirche wurden im Jahre 1529 im ersten der Österreichischen Türkenkriege von den Osmanen zerstört.

1818 erbauten die Gebrüder Gradner und Anton Girardoni eine Spinnfabrik, die 1819 in Betrieb ging und die sich 1869 im Eigentum von Josef Poschon und Söhne befand.[1]
Am 19. Juni 1897 brannte aus unbekannter Ursache das Ernst Ritter von Boschan und Comp. gehörende Fabriksgebäude ab und versetzte 210 Arbeiter in den unfreiwilligen Ausstand.[2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Das ehemalige Haus der Familie Koller, Pfarrgasse 15
  • Oskar Helmer, eine der führenden politischen Persönlichkeiten der österreichischen Nachkriegszeit, lebte in Oberwaltersdorf. Nach ihm sind die Volks- und Hauptschule, eine Straße und das ehemalige „Kulturheim“ benannt.
  • Broncia Koller-Pinell und ihr Ehemann Hugo Koller. Frau Koller-Pinell war Malerin des Wiener Jugendstils. Sie stand der Wiener Secession, besonders Gustav Klimt und seinem Kreis, nahe. Das Ehepaar Koller-Pinell erwarb ein Haus am Mühlbach und ließ es nach Plänen von Josef Hoffmann umbauen. Die Inneneinrichtung gestaltete Broncia Koller gemeinsam mit Koloman Moser. Dieses Haus wurde zu einem beliebten Treffpunkt für Künstler, Philosophen und Intellektuelle. Unter anderem verkehrten hier auch Franz von Zülow sowie Egon Schiele. Auch die Tochter Sylvia Koller (1889–1963) brachte es zu künstlerischen Ehren, der Sohn Rupert war Dirigent und kurzzeitig mit Anna Mahler verheiratet.
  • Lore Krainer (Kabarettistin, Sängerin, Komponistin und Autorin): Die in Graz geborene Künstlerin lebt seit Jahren in Oberwaltersdorf.
  • Franz Kutschera: SS-General und de facto Gauleiter von Kärnten an Stelle Hubert Klausners, Nationalsozialist und Kriegsverbrecher.
  • Hans Landauer (Spanienkämpfer, Buchautor): Hans Landauer (* 19. April 1921 in Oberwaltersdorf; † 19. Juli 2014 ebenda) war einer der jüngsten Österreicher, die freiwillig am Spanischen Bürgerkrieg teilnahmen. Er wurde 1941 im KZ Dachau inhaftiert. Nach der Befreiung arbeitete er als Kriminalpolizist sowie später in seiner Pension für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.
  • Gerald Messlender, ehemaliger Profifußballer (Verteidiger), aufgewachsen in Oberwaltersdorf, spielte u. a. bei den Bundesligavereinen Admira Wacker, FC Tirol und Vfb Mödling und kam in der Österreichischen Fußballnationalmannschaft zum Einsatz.
  • Alexander Prinz zu Solms-Braunfels (1855–1926): Der erste, 1892 gewählte Präsident des Trabrennvereins zu Baden bei Wien[3] besaß von 1898 bis ca. 1920 Gut und Schloss Oberwaltersdorf,[4] wo er unter anderem 1898 von den Österreichischen Schuckert-Werken eine elektrische Beleuchtungs- und Kraftübertragungsanlage errichten ließ.[5]
  • Frank Stronach: Stronach erwarb 1994 Schloss samt Gutshof, Brennerei und einen Teil des dazugehörenden landwirtschaftlichen Gutes. Der alte Gutshof und die Brennerei mussten den neuen Gebäude Platz machen und wurden abgerissen. Es wurden nach und nach die Magna-Europazentrale, ein Golfplatz mit Clubrestaurant und Tennishalle, sowie die Wohnsiedlung Fontana am Magnagelände errichtet. Neben diesen entstand ein neuer Ortsteil an den Schlossseen.
  • Walter-Josef Zupan: Ehrenbürger der Marktgemeinde Oberwaltersdorf, Gründungsmitglied und erster Präsident der Aktion Think European, Ideengeber für den 1997 in Oberwaltersdorf errichteten Europa-Brunnen.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der 2008 Austrian Open im Golfclub Fontana

Neben anderen Betrieben ist die bekannteste die Magna Holding AG, die ihre Europa-Zentrale in Oberwaltersdorf hatte, diese aber mit Ende 2013 nach Wien verlegt hat. Der Golfclub Fontana ist ebenfalls von Magna errichtet worden und ist Austragungsort der Austrian Open PGA Golftour jedes Jahr. Rund um die Anlage wurden historisierende Villen errichtet.

Ein schon älteres Unternehmen ist der Fleisch- und Wursthersteller Aibler, der zum Teil zur Schirnhofer Familienholding gehört.

Weitere Bilder aus Oberwaltersdorf[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Frais: Auf Spuren der Vergangenheit – Oberwaltersdorf. Geschichte, Landschaft, Kultur. Von den Anfängen bis zum Österreichischen Staatsvertrag, Verlag St. Gabriel, Mödling 1983, OBV.
  • Rudolf Maurer: Baden und Oberwaltersdorf. Wege einer gemeinsamen Geschichte. Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Band 71, ZDB-ID 2101396-2. Städtische Sammlungen Baden (Stadtarchiv, Rollettmuseum), Baden 2008, ISBN 978-3-901951-71-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberwaltersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Hösch: Lagetypologie der Industriebetriebe im Viertel unter dem Wienerwald bis 1850. Dissertation. Technische Universität Wien, Wien 1984, Textband, S. 355 f. – Volltext online.
  2. Correspondenzen. (…) Ober-Waltersdorf. Brand der Baumwollspinnerei.. In: Badener Zeitung, Nr. 50/1897 (XVII. Jahrgang), 23. Juni 1897, S. 3, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  3. Hans Hobik, Gerhard Reichebner, Viktor Wallner: 100 Jahre Trabrennverein zu Baden bei Wien. Neue Badener Blätter, Unterhaltsames und Wissenswertes aus dem Kurort Baden bei Wien, Band 3,3, ZDB-ID 2161928-1. Gesellschaft der Freunde Badens und der Städtischen Sammlungen – Archiv Rollettmuseum, Baden 1992, OBV, S. 13.
  4. Marktgemeinde Oberwaltersdorf: Die Geschichte der Gemeinde Oberwaltersdorf. In: oberwaltersdorf.at, abgerufen am 16. Februar 2013.
  5. Ausgeführte und projektierte Anlagen. Oesterreich-Ungarn. a) Oesterreich. (…) Oberwaltersdorf a. d. Aspangbahn. In: Johann Sahulka (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Band 16.1898, Heft 13/1898, 27. März 1898, ISSN 1013-5111. Lehmann & Wentzel (Kommission), Wien 1898, S. 156. — Text online.
  6. Gründung des Vereins. In: europabrunnen.de, abgerufen am 16. Februar 2013.