Tourette-Syndrom

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Vergleichende Klassifikation nach
DSM-IV   ICD-10
307.23 Tourette-Syndrom bzw. Tourette-Störung F95.2 Kombinierte vokale und multiple motorische Tics [Tourette-Syndrom]
DSM IV online ICD-10 online
Gilles de la Tourette

Das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom (kurz: Tourette-Syndrom) ist eine nach dem französischen Arzt Georges Gilles de la Tourette benannte Zusammenfassung (Syndrom) bestimmter Anzeichen einer nervlichen Erkrankung genetischen Ursprungs (Ätiologie). Besonderes Anzeichen (Leitsymptom) sind Tics (von französisch tic: nervöses Zucken). Das Tourette-Syndrom wird zu den zentralnervösen Bewegungsstörungen gerechnet und hier speziell zu den extrapyramidalen Hyperkinesien. Verschiedene begleitende Anzeichen sind die Regel.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Kindern liegt die geschätzte Verbreitung bei 0,3 bis 0,9 %.[1][2] Bei Erwachsenen ist die Häufigkeit erheblich geringer.[3] Unterschiede in der Häufigkeit im internationalen Vergleich werden auf kulturelle Unterschiede zurückgeführt, da die Symptome selbst überall ähnlich sind und daher auf gemeinsame biologische Ursachen hindeuten.[4] Jungen werden etwa dreimal so häufig diagnostiziert wie Mädchen.[5]

Anzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tourette-Symptom weist spezifische Leitsymptome und in der Regel weitere Auffälligkeiten auf. Das konkrete Erscheinungsbild variiert von Patient zu Patient. Bei Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können. Lautliche, ungewollte Äußerungen, wie Ausrufe oder Geräusche, zählen mit dazu.[6][7]

Hauptsymptome sind motorische und lautliche Tics verschiedener Art, die häufig erstmals im Grundschulalter auftreten und sich meist bis ungefähr zum 14. Lebensjahr voll ausprägen. Eine Verstärkung ist oft in der Pubertät festzustellen. Bei einigen Patienten lassen die Tics zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr wieder nach, die Mehrheit der Betroffenen muss jedoch lebenslang versuchen, mit den Tics zurechtzukommen.[8]

Einfache motorische Tics können sich als Augenblinzeln, Naserümpfen, Kopfwerfen oder Grimassenschneiden äußern. Beispiele für einfache vokale Tics sind das Ausstoßen von bedeutungslosen Lauten, Husten oder das Nachahmen von Tiergeräuschen. Die Unterschiedlichkeit der Symptome ist groß, sodass jeder Betroffene ein eigenes Erscheinungsbild zeigt, das sich mit der Zeit auch verändern kann.[9]

Unter die Kategorie der komplexen Tics fallen im motorischen Bereich das imitierende Grimassenschneiden und das Nachmachen von Handlungen Anderer (Echopraxie). Selbstverletzendes Verhalten, auch bei tic-artiger Wiederholung, wird jedoch anderen - möglicherweise begleitenden - Störungen zugerechnet.[10] Komplexe vokale Tics sind das Nachsprechen von Wörtern (Echolalie bzw. Palilalie) oder das als Koprolalie bekannte Herausschleudern obszöner und aggressiver Ausdrücke.

Die Symptome können entweder permanent auftreten, mehrfach am Tag (zumeist in Serien) oder nur in Belastungssituationen. Typisch ist auch die Fähigkeit vieler Betroffener, ihre Tics über bestimmte Zeiträume hinweg zu unterdrücken. Es wurde festgestellt, dass sie - im Vergleich zu Gesunden - insgesamt eine erhöhte Fähigkeit haben, die Auslösung von Bewegungen zu kontrollieren. Dies wurde auf einen Trainingseffekt durch die Unterdrückung von Tics und entsprechende Anpassungen im Gehirn zurückgeführt. Die Übung der Unterdrückung könne daher ein sinnvoller Teil der Therapie sein.[11]

Begleitende Störungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die häufigste der möglichen Begleiterkrankungen (Komorbidität) ist die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).[12] Eine andere häufige, begleitende Erscheinung ist die Zwangsstörung.[13] Weitere Störungen kommen vor, jedoch ist hierbei oft unklar, ob es sich dabei nicht eher um Teilaspekte der beiden zuvor genannten hauptsächlichen Begleiterkrankungen handelt.[14]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziale Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Betroffenen leiden vor allem unter der Reaktion ihrer Umwelt auf ihre Symptome. Gerade weil Menschen mit Tourette-Syndrom teilweise keine oder nur unzureichende Einflussmöglichkeiten auf ihre Tic-Symptomatik haben, werden die mit dem Tourette-Syndrom verbundenen Auffälligkeiten häufig als schlechte Angewohnheiten gedeutet. Dies führt dazu, dass Eltern von betroffenen Kindern oft Schuldgefühle wegen ihrer vermeintlich verfehlten Erziehung entwickeln. Die Heranwachsenden selbst treffen in Öffentlichkeit und Schule auf viel Unverständnis und Ablehnung, was wiederum zu einer Verstärkung der Auffälligkeiten führen kann. Auch Erwachsene mit Tourette-Syndrom werden vielfach diskriminiert und erfahren oft Einschränkungen in ihrer beruflichen und privaten Entfaltung. Außenstehende fühlen sich oft durch die unwillkürlichen Tics persönlich provoziert. Dies ist besonders bei Koprolalie und Kopropraxie zu beobachten und kann zu einer Zuspitzung solcher Situationen führen. Tourette-Patienten sind gewöhnlich ebenso leistungsfähig wie ihre Altersgenossen und können, sofern keine schweren Begleiterkrankungen vorliegen, am gesellschaftlichen Leben voll teilnehmen.

Besonderheiten in Reaktion und Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Tourette-Syndrom haben bei manchen Aufgaben eine verlängerte Reaktionszeit,[15] was unter anderem mit ihrer Übung in motorischer Kontrolle durch die Unterdrückung von Tics in Verbindung gebracht wurde.[11]

Zur Frage der motorischen Geschicklichkeit gibt es widersprüchliche Ergebnisse, was mit möglichen, unberücksichtigten Einflüssen begleitender Störungen in Verbindung gebracht wurde.[16]

Der Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks thematisiert den Zusammenhang zwischen Tourette und Musik in zwei Kapiteln seiner Bücher. Das Syndrom sei impulsiv und produktiv. Es könne einerseits zu repetitiven Bewegungen führen, andererseits eine „elaborierte, phantasmagorische Form annehmen“. Menschen mit einem phantasmagorischen Tourette-Syndrom könnten, wenn es ihnen gelänge, es nutzbar zu machen, „eine überschäumende und fast unbezähmbare Kreativität an den Tag legen“. Der amerikanische Komponist Tobias Picker, der das Tourette-Syndrom hat, ist während des Komponierens und Musizierens frei von Tics. Er selber glaubte, dass die Tics Eingang in sein kreatives Vorstellungsvermögen gefunden haben. Der englische Pianist Nick van Bloss sieht sein Tourette-Syndrom als Energie, die er beim Musizieren nutzt und kanalisiert. Besonders attraktiv sei nach Sacks der Jazz und die Rockmusik wegen ihrer schweren Beats und der Freiheit zur Improvisation.[17]

Tourette und Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliver Sacks thematisierte in seinen verschiedenen Publikationen das Verhältnis des Tourette-Syndroms zum Selbst des betroffenen Menschen. Das Syndrom entwickle im Laufe des Lebens eine oft komplizierte Verflechtung mit der Persönlichkeit.[18] Die Beziehung könne so destruktiv sein, dass einige Patienten „angesichts des verwirrenden Chaos und des gewaltigen Drucks der Impulse“ kaum ihre wahre Identität fänden. Anderen Patienten würde es gelingen, das Syndrom in ihre Persönlichkeit zu integrieren und „aus dem rasenden Tempo der Gedanken, Assoziationen und Einfälle, die dieses Syndrom mit sich bringt, einen Nutzen zu ziehen.“[19] Das Syndrom könne zu „ungewöhnlichen und manchmal verblüffenden Leistungen“ führen.[18]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Striatum im menschlichen Gehirn

Neurobiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als zentraler Ort der Störungen haben sich die Basalganglien, insbesondere das Striatum erwiesen. Die im letzteren liegenden Kerngebiete des Nucleus caudatus und des Putamen sind bei den Betroffenen in ihrer Größe vermindert. Bildgebende Verfahren zeigten, dass ihre Aktivität mit der Häufigkeit von Tics korrelierte. Auf zellulärer Ebene wurde hier in Untersuchungen nach dem Tod (post mortem) eine verminderte Anzahl von Parvalbumin exprimierenden sowie von cholinergen Interneuronen festgestellt.[20]

Des Weiteren bestehen umfangreiche Hinweise, dass dopaminerge Signalübertragung im Striatum gestört ist.[21][22]

Genetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbliche Komponenten für das Krankheitsrisiko sind vielfach nachgewiesen, und sie sind stärker als bei anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen. Ausschlaggebende Genabweichungen sind noch nicht gefunden worden. Man geht davon aus, dass eine Vielzahl von Abweichungen beteiligt ist und deshalb bislang (Stand Dezember 2015) über die Erblichkeit im konkreten Einzelfall keine Aussagen möglich sind.[23][24][25]

Immunsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein möglicher Zusammenhang zwischen Abweichungen im Immunsystem und Störungen in der Gehirnentwicklung, die zu einem erhöhten Risiko für eine Ausprägung des Tourette-Syndroms führen könnten, werden seit vielen Jahren untersucht. Bislang (Stand Dezember 2015) liegen hierzu jedoch noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.[26]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele der in der Kindheit vom Tourette-Syndrom Betroffenen erfahren im Laufe bzw. nach Abschluss der Pubertät ein Abklingen der Symptome, andere zeigen auch als Erwachsene das Vollbild des Tourette-Syndroms. Ebenso sind fluktuierende Verläufe mit abwechselnden Schweregraden bekannt. Das Tourette-Syndrom selber hat jedoch, auch bei chronischem Verlauf, keinerlei Auswirkungen auf die Lebenserwartung und ist auch nicht mit einem geistigen Abbau verbunden.[27][8][7]

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose des Tourette-Syndroms wird anhand der beobachteten Symptome und des bisherigen Krankheitsverlaufs gestellt. Gerade leichtere Verläufe werden häufig übersehen oder falsch eingeordnet, sodass einige Jahre bis zur Stellung einer korrekten Diagnose vergehen können.[28] Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt als Basisdiagnostik:[29]

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)
  • Erhebung des neurologischen Status
  • Eine Beschreibung von Art, Häufigkeit, Intensität und Verteilung der unwillkürlichen Bewegungen und Lautäußerungen sowie äußerer Einflussfaktoren
  • Bewertung von Art und Empfinden der Wahrnehmungen (Vorgefühl und Unterdrückbarkeit)
  • Erhebung möglicher begleitender Störungen wie ADHS, Zwangssymptomen, Depression, Angst, Autoaggression

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primäre Ticstörungen können auch heute noch (Stand: 2015) weder geheilt noch ursächlich behandelt werden.[30] Es stehen lindernde Behandlungsansätze zur Verfügung, die jedoch nicht die Krankheit an sich heilen. Die beobachtbaren Symptome lassen sich hauptsächlich durch Behandlung mit Psychopharmaka aus der Gruppe der Neuroleptika mindern, jedoch sind die meisten Personen mit Tourette-Syndrom nicht so schwerwiegend beeinträchtigt, dass eine Medikation oder sonstige fachliche Hilfen notwendig werden. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit einer Behandlungsstrategie spielen auch starke Fluktuationen im Symptomverlauf, wie sie für das Tourette-Syndrom typisch sind, eine Rolle. Gleichzeitig ist die Studienlage zur Therapie von Tic-Störungen weiterhin mangelhaft. Die Behandlungen stützen sich in der Regel auf Fallberichte.[31]

Direkte Vergleiche der Arzneistoffe fehlen weitgehend, eindeutige Therapieempfehlungen lassen sich aus bisher erhobenen Daten nicht ableiten. In der Praxis erfolgt die Behandlung daher aufgrund der Erfahrung des behandelnden Facharztes, der Behandlungskosten und des Zulassungsstatus des fraglichen Arzneistoffes (häufig auch Off-Label-Behandlungen). Die medikamentöse Behandlung führt oft zu einer mäßigen Tic-Reduktion (etwa 50 %), nicht aber zur vollständigen Symptomfreiheit.

Psychoedukation und Verhaltenstherapie werden ergänzend eingesetzt. In den Europäischen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung des Tourette-Syndroms von 2011 wurden erstmals klare Kriterien benannt, wann, wie und mit welchen Medikamenten eine Behandlung der Tics in Betracht gezogen werden sollte.[32] Zur Abklärung individuell abgestimmter Therapiemaßnahmen ist daher der fachliche Rat von Ärzten, vorzugsweise von Kinder- und Jugendpsychiatern, Psychiatern oder Nervenärzten, einzuholen.

Medikamente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn aufgrund der Schwere der Erkrankung oder begleitender Störungen (z. B. Zwangssymptome) eine medikamentöse Intervention erforderlich wird, stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. In Deutschland werden gewöhnlich Tiaprid oder Sulpirid eingesetzt. Pimozid und Haloperidol seien vermutlich nebenwirkungsreicher und daher heute nur noch als Reservemedikamente bei starken Tics in Gebrauch. Risperidon ist das am besten untersuchte und in Europa auch das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Medikament zur Behandlung von Tics und wird von der European Society for the Study of Tourette Syndrome (ESSTS) als Medikament der ersten Wahl empfohlen. Falls Tiaprid, Sulpirid und Risperidon nicht in Frage kommen, gilt Aripiprazol in jüngster Zeit (Stand Januar 2016) als nächstliegende Alternative.[33] THC, einer der Hauptwirkstoffe von Cannabis, ist für eine mögliche Anwendung seit 2001 untersucht worden. Eine systematische Übersichtsarbeit, die von der Cochrane Collaboration 2009 veröffentlicht wurde, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass es keine ausreichenden Erkenntnisse gäbe, die eine Behandlung mit THC begründen könnten.[34]

Psychotherapie und Beratung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein spezielles Übungsverfahren aus dem Spektrum der Verhaltenstherapie, das Habit-Reversal-Training, erwies sich bei leichten Krankheitsverläufen als mäßig (max. 30 %) symptomlindernd.[35][36] Auch können pädagogische, sonderpädagogische und heilpädagogische Beratung wegen der häufig auftretenden Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen hilfreich sein. Begleitend stehen auch Entspannungsverfahren zur Verfügung. Diese haben das Ziel, Stresssituationen, die zu einer Verstärkung der Tics führen, zu reduzieren.

Positive Ergebnisse sind auch aus der Musiktherapie bekannt. Teilweise lassen sich nervöse Impulse durch das Spielen eines Instrumentes ableiten. Besonders geeignet erscheinen hierzu schnelle Instrumente sowie Instrumente, bei denen der Spieler mit Händen und Füßen aktiv ist, z. B. das Schlagzeug[37] und die Orgel. Auch kommt die Neigung zur Palipraxie dem steten Wiederholen von Phrasen, Takten und Tonleitern beim Üben entgegen.

Chirurgische Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tiefe Hirnstimulation wird inzwischen erfolgreich in schweren und nicht anderweitig zu behandelnden Fällen eingesetzt,[38][39][40][41] in Deutschland an entsprechend spezialisierten Universitätskliniken.[42]

Hilfsorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach US-amerikanischem Vorbild bildeten sich auch in anderen Ländern Hilfsorganisationen, die sich allgemein zur Aufgabe machen, durch Information und Aufklärung mehr Toleranz zu erreichen, aber auch die Ausbildung von Fachpersonal zu verbessern, sodass sowohl medizinische Früherkennung als auch pädagogischer Umgang mit den Symptomen gefördert werden. Zudem wird die Hilfe zur Selbsthilfe propagiert, und Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit des Austausches unter Betroffenen.

In Deutschland wurde 1993 der Tourette-Gesellschaft Deutschland e. V. (TGD) gegründet, 2007 folgte der InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e. V. (IVTS). Im Juli 2010 folgte der Allgemeinhilfe TIC & ADHS e. V. (AH-TA), der auf die Einzelfallhilfe vor Ort spezialisiert ist.

In der Schweiz wurde 1996 die Tourette Gesellschaft Schweiz (TGS) gegründet.

Tourette-Syndrom in Film, Literatur und Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der TV-Film Tics – Meine lästigen Begleiter (USA, 2008) erzählt die wahre Geschichte des US-Amerikaners Brad Cohen, der seit seiner Kindheit unter dem Tourette-Syndrom leidet. Nachdem er von seinen Mitschülern gehänselt wird, sein Umfeld und auch die Ärzte zunächst ratlos sind und die Lehrer kein Verständnis für sein Verhalten zeigen, keimt bei ihm später der Wunsch, selbst Lehrer zu werden, um es einmal besser zu machen.
  • Im Buch Herr Tourette und Ich erzählt Pelle Sandstrak von seinem Leben mit dem Tourette-Syndrom.
  • Im Kriminalroman Wilsberg und der tote Professor von Jürgen Kehrer bezeichnet sich eine der handelnden Personen als „Touretter“. Er wird ausführlich mit seinen sprachlichen Tics beschrieben. Auch im Roman Coma von John Niven wird ein Protagonist nach einem Unfall zum „Touretter“.
  • Im Film Vincent will Meer spielt Florian David Fitz einen am Tourette-Syndrom leidenden jungen Mann. Ein weiterer Film, der dieses Syndrom thematisiert, ist die Komödie Ein Tick anders mit Jasna Fritzi Bauer.
  • In der Serie South Park behauptet Eric in der Folge Ein bisschen Tourette, am Tourette-Syndrom erkrankt zu sein, um ungestraft alle Leute in seiner Umgebung beleidigen zu können. Ebenfalls am Tourette-Syndrom leidet die Figur Marty Fisher in der Serie Shameless, mit einer sehr ausgeprägten Koprolalie.[43]
  • Olaf Blumberg: Ficken sag ich selten. Mein Leben mit Tourette. Ullstein 2013, ISBN 978-3-550-08012-8 (autobiographisch).
  • Jonathan Lethem: Motherless Brooklyn. Goldmann, München 2004, ISBN 3-442-54187-5 (Roman).
  • Timothy Matthew „Tim“ Howard, der US-amerikanische Fußball-Torwart und Nationalspieler, hat seine Tourette-Erkrankung öffentlich gemacht, um in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für das Tourette-Syndrom zu schaffen.[44]
  • Anne Heche spielt in einigen Folgen der U.S.-TV-Serie "Ally McBeal" ab Staffel 4/Episode 9 die Rolle der Melanie West, einer Frau die am Tourette-Syndrom leidet und, nach einem Streit mit ihrem Freund, während eines Anfalles diesen überfährt. Für diesen “Mord” steht sie vor Gericht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gilles de la Tourette: Die Hysterie nach den Lehren der Salpêtrière. Eine Studie von Gilles de la Tourette, nach dem das Tourette-Syndrom benannt ist. Nachdruck des Originals von 1894. Outlook, Bremen 2012, ISBN 3-86403-451-5.

Einführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirsten R. Müller-Vahl: Tourette-Syndrom und andere Tic-Erkrankungen im Kindes- und Erwachsenenalter. 2. aktualisierte und erweiterteAuflage. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2014. ISBN 978-3-95466-099-5.
  • James F. Leckman, Donald J. Cohen: Tourette's Syndrome Tics, Obsessions, Compulsions: Developmental Psychopathology and Clinical Care. John Wiley & Sons, New York 2002. ISBN 0-471-11375-1.

Ratgeberliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uttom Chowdhury, Isobel Heyman: Tics and Tourette Syndrome: A Handbook for Parents and Professionals. Jessica Kingsley Publishers, New York 2004. ISBN 1-84310-203-X.
  • Manfred Döpfner, Veit Roessner, Katrin Woitecki, Aribert Rothenberger: Tic-Störungen: Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie. Hogrefe, Göttingen 2010. ISBN 3-8409-1728-X.
  • Susann Sulzbach: Das Tourette-Syndrom im sprachheilpädagogischen Kontext: Ein Überblick für Lehrer, Erzieher und Eltern. disserta Verlag, Hamburg 2015, ISBN 3-95425-892-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tourettesyndrom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Leitlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. M. Scharf, L. L. Miller, C. A. Gauvin, J. Alabiso, C. A. Mathews, Y. Ben-Shlomo: Population prevalence of Tourette syndrome: a systematic review and meta-analysis. In: Movement disorders : official journal of the Movement Disorder Society. Band 30, Nummer 2, Februar 2015, S. 221–228, doi:10.1002/mds.26089, PMID 25487709 (Review).
  2. J. M. Scharf, L. L. Miller, C. A. Mathews, Y. Ben-Shlomo: Prevalence of Tourette syndrome and chronic tics in the population-based Avon longitudinal study of parents and children cohort. In: Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry. Band 51, Nummer 2, Februar 2012, S. 192–201.e5, doi:10.1016/j.jaac.2011.11.004, PMID 22265365, PMC 3314954 (freier Volltext).
  3. M. H. Bloch, B. S. Peterson, L. Scahill, J. Otka, L. Katsovich, H. Zhang, J. F. Leckman: Adulthood outcome of tic and obsessive-compulsive symptom severity in children with Tourette syndrome. In: Archives of pediatrics & adolescent medicine. Band 160, Nummer 1, Januar 2006, S. 65–69, doi:10.1001/archpedi.160.1.65, PMID 16389213, PMC 2291298 (freier Volltext).
  4. M. M. Robertson, V. Eapen, A. E. Cavanna: The international prevalence, epidemiology, and clinical phenomenology of Tourette syndrome: a cross-cultural perspective. In: Journal of psychosomatic research. Band 67, Nummer 6, Dezember 2009, S. 475–483, doi:10.1016/j.jpsychores.2009.07.010, PMID 19913651 (Review).
  5. Centers for Disease Control and Prevention: Prevalence of diagnosed Tourette syndrome in persons aged 6-17 years - United States, 2007. In: MMWR. Morbidity and mortality weekly report. Band 58, Nummer 21, Juni 2009, S. 581–585, PMID 19498335.
  6. S. Mills, T. Hedderly: A guide to childhood motor stereotypies, tic disorders and the tourette spectrum for the primary care practitioner. In: The Ulster medical journal. Band 83, Nummer 1, Januar 2014, S. 22–30, PMID 24757265, PMC 3992090 (freier Volltext) (Review).
  7. a b S. C. Cohen, J. F. Leckman, M. H. Bloch: Clinical assessment of Tourette syndrome and tic disorders. In: Neuroscience and biobehavioral reviews. Band 37, Nummer 6, Juli 2013, S. 997–1007, doi:10.1016/j.neubiorev.2012.11.013, PMID 23206664, PMC 3674220 (freier Volltext) (Review).
  8. a b M. H. Bloch, J. F. Leckman: Clinical course of Tourette syndrome. In: Journal of psychosomatic research. Band 67, Nummer 6, Dezember 2009, S. 497–501, doi:10.1016/j.jpsychores.2009.09.002, PMID 19913654, PMC 3974606 (freier Volltext) (Review).
  9. M. M. Robertson: Tourette syndrome, associated conditions and the complexities of treatment. In: Brain : a journal of neurology. Band 123 Pt 3, März 2000, S. 425–462, PMID 10686169 (freier Volltext) (Review).
  10. C. A. Mathews, J. Waller, D. Glidden, T. L. Lowe, L. D. Herrera, C. L. Budman, G. Erenberg, A. Naarden, R. D. Bruun, N. B. Freimer, V. I. Reus: Self injurious behaviour in Tourette syndrome: correlates with impulsivity and impulse control. In: Journal of neurology, neurosurgery, and psychiatry. Band 75, Nummer 8, August 2004, S. 1149–1155, doi:10.1136/jnnp.2003.020693, PMID 15258218, PMC 1739182 (freier Volltext).
  11. a b G. M. Jackson, A. Draper, K. Dyke, S. E. Pépés, S. R. Jackson: Inhibition, Disinhibition, and the Control of Action in Tourette Syndrome. In: Trends in cognitive sciences. Band 19, Nummer 11, November 2015, S. 655–665, doi:10.1016/j.tics.2015.08.006, PMID 26440120 (freier Volltext) (Review).
  12. N. El Malhany, M. Gulisano, R. Rizzo, P. Curatolo: Tourette syndrome and comorbid ADHD: causes and consequences. In: European journal of pediatrics. Band 174, Nummer 3, März 2015, S. 279–288, doi:10.1007/s00431-014-2417-0, PMID 25224657 (Review).
  13. V. Neri, F. Cardona: Clinical pharmacology of comorbid obsessive-compulsive disorder in Tourette syndrome. In: International review of neurobiology. Band 112, 2013, S. 391–414, doi:10.1016/B978-0-12-411546-0.00013-5, PMID 24295628 (Review).
  14. M. E. Hirschtritt, P. C. Lee, D. L. Pauls, Y. Dion, M. A. Grados, C. Illmann, R. A. King, P. Sandor, W. M. McMahon, G. J. Lyon, D. C. Cath, R. Kurlan, M. M. Robertson, L. Osiecki, J. M. Scharf, C. A. Mathews: Lifetime prevalence, age of risk, and genetic relationships of comorbid psychiatric disorders in Tourette syndrome. In: JAMA psychiatry. Band 72, Nummer 4, April 2015, S. 325–333, doi:10.1001/jamapsychiatry.2014.2650, PMID 25671412, PMC 4446055 (freier Volltext).
  15. D. W. Shucard, R. H. Benedict, A. Tekok-Kilic, D. G. Lichter: Slowed reaction time during a continuous performance test in children with Tourette's syndrome. In: Neuropsychology. Band 11, Nummer 1, Januar 1997, S. 147–155, PMID 9055278.
  16. N. Kalsi, R. Tambelli, P. Aceto, C. Lai: Are Motor Skills and Motor Inhibitions Impaired in Tourette Syndrome? A Review. In: Journal of experimental neuroscience. Band 9, 2015, S. 57–65, doi:10.4137/JEN.S25095, PMID 26279630, PMC 4517831 (freier Volltext) (Review).
  17. Oliver Sacks: Der einarmige Pianist: über Musik und das Gehirn. Kapitel 18: Musik und Tourette-Syndrom. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-498-06376-4.
  18. a b Oliver Sacks: Das Leben eines Chirurgen. In: Eine Anthropologin auf dem Mars S. 119.
  19. Oliver Sacks: Witty Ticcy Ray in Der Mann, der seine Frau mit dem Hut verwechselte S. 131.
  20. M. Bloch, M. State, C. Pittenger: Recent advances in Tourette syndrome. In: Current opinion in neurology. Band 24, Nummer 2, April 2011, S. 119–125, doi:10.1097/WCO.0b013e328344648c, PMID 21386676, PMC 4065550 (freier Volltext) (Review).
  21. P. Alongi, L. Iaccarino, D. Perani: PET Neuroimaging: Insights on Dystonia and Tourette Syndrome and Potential Applications. In: Frontiers in neurology. Band 5, 2014, S. 183, doi:10.3389/fneur.2014.00183, PMID 25295029, PMC 4171987 (freier Volltext) (Review).
  22. J. Buse, K. Schoenefeld, A. Münchau, V. Roessner: Neuromodulation in Tourette syndrome: dopamine and beyond. In: Neuroscience and biobehavioral reviews. Band 37, Nummer 6, Juli 2013, S. 1069–1084, doi:10.1016/j.neubiorev.2012.10.004, PMID 23085211 (Review).
  23. J. A. O'Rourke, J. M. Scharf, D. Yu, D. L. Pauls: The genetics of Tourette syndrome: a review. In: Journal of psychosomatic research. Band 67, Nummer 6, Dezember 2009, S. 533–545, doi:10.1016/j.jpsychores.2009.06.006, PMID 19913658, PMC 2778609 (freier Volltext) (Review).
  24. D. L. Pauls, T. V. Fernandez, C. A. Mathews, M. W. State, J. M. Scharf: The Inheritance of Tourette Disorder: A review. In: Journal of obsessive-compulsive and related disorders. Band 3, Nummer 4, Oktober 2014, S. 380–385, doi:10.1016/j.jocrd.2014.06.003, PMID 25506544, PMC 4260404 (freier Volltext) (Review).
  25. D. Mataix-Cols, K. Isomura, A. Pérez-Vigil, Z. Chang, C. Rück, K. J. Larsson, J. F. Leckman, E. Serlachius, H. Larsson, P. Lichtenstein: Familial Risks of Tourette Syndrome and Chronic Tic Disorders: A Population-Based Cohort Study. In: JAMA psychiatry. Band 72, Nummer 8, August 2015, S. 787–793, doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.0627, PMID 26083307.
  26. D. Martino, P. Zis, M. Buttiglione: The role of immune mechanisms in Tourette syndrome. In: Brain research. Band 1617, August 2015, S. 126–143, doi:10.1016/j.brainres.2014.04.027, PMID 24845720 (Review).
  27. N. Hassan, A. E. Cavanna: The prognosis of Tourette syndrome: implications for clinical practice. In: Functional neurology. Band 27, Nummer 1, 2012 Jan-Mar, S. 23–27, PMID 22687163, PMC 3812751 (freier Volltext) (Review).
  28. Ludolph, Andrea G.; Roessner, Veit; Münchau, Alexander; Müller-Vahl, Kirsten: Tourette-Syndrom und andere Tic-Störungen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. Dtsch. Arztebl. Int. 2012; 109(48): 821–8.
  29. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von September 2012 (abgerufen am 4. Januar 2016)
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