Walzenhausen

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Walzenhausen
Wappen von Walzenhausen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Vorderlandw
BFS-Nr.: 3037i1f3f4
Postleitzahl: 9428
UN/LOCODE: CH LAH (Lachen AR)
Koordinaten: 763089 / 257839Koordinaten: 47° 27′ 4″ N, 9° 36′ 5″ O; CH1903: 763089 / 257839
Höhe: 673 m ü. M.
Höhenbereich: 505–947 m ü. M.[1]
Fläche: 7,00 km²[2]
Einwohner: 2031 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 290 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
22,3 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Michael Litscher
Website: www.walzenhausen.ch
das Zentrum von Walzenhausen Dorf

das Zentrum von Walzenhausen Dorf

Lage der Gemeinde
BodenseeÖsterreichKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton St. GallenBezirk MittellandGrub ARHeiden ARLutzenberg ARLutzenberg ARRehetobelReute ARWald ARWalzenhausenWolfhaldenKarte von Walzenhausen
Über dieses Bild
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Bahnhof von Walzenhausen, Endstation der Zahnradbahn

Walzenhausen ist eine politische Gemeinde im Vorderland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walzenhausen liegt auf dem östlichsten Ausläufer der Hügelkette des Appenzeller Vorderlandes und ist in mehrere Ortsteile gegliedert. Das Zentrum der Gemeinde befindet sich beim Bahnhof der Bergbahn Rheineck–Walzenhausen an einem Nordhang oberhalb von Rheineck. Der nahe gelegene Bodensee befindet sich rund 300 m tiefer, so dass man von dort aus ein schönes Panorama der Bodenseeregion hat. In südöstlicher Richtung liegt Walzenhausen-Platz in einem kleinen Talkessel, der nach St. Margrethen abfällt. Auf diesem Gemeindegebiet befindet sich das Kloster Grimmenstein, das eine Exklave des Kantons Appenzell Innerrhoden bildet. Vom Weiler Wilen aus führt eine Verbindungsstrasse ins südlich gelegene Berneck und St. Galler Rheintal hinunter. Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt auf 509 m ü. M. (Hof), der höchstgelegene auf 947 m ü. M. (Blasenweid), der Bahnhof der Bergbahn Rheineck-Walzenhausen auf 673 m ü. M.

Die Fläche von Walzenhausen von 698 ha teilt sich auf in:

  • Siedlungsflächen 92 ha
  • Landwirtschaftliche Nutzflächen 367 ha
  • Wald 242 ha

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1667 1013
1813 1438
1850 1794
1900 3078
1941 2408
1950 2507
1980 2004
2000 2181
2005 2064
2010 2071
2016 2034

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1923

Ursprünglich gehörte Walzenhausen zum Gehöft HöchstSt. Margrethen im Rheintal. Es wurde damals Unter Hirschberg genannt. Dieses Gehöft umfasste Höchst, St. Margrethen, Fußach über Gaißau bis hinauf nach Walzenhausen und erstreckte sich weiter bis zur Grenze von Thal. Eine erste urkundliche Erwähnung des Hofes als „Hostetharro marcha“ (die Mark der Höchster) stammt aus dem Jahre 881, die erste urkundliche Erwähnung von Walzenhausen stammt aus dem Jahre 1320. Nach den Appenzeller Kriegen schloss sich Walzenhausen den Appenzellern an und wurde Teil der appenzellischen Rhode Trogen. Doch es dauerte bis ins 16. Jahrhundert, ehe die Gebietsansprüche des alten Hofes übertragen werden konnten. Während der Reformation traten die meisten Bewohner von Unter Hirschberg zum neuen Glauben über und bauten eine eigene Kirche. Mit dem Bau der Kirche konstituierte sich Walzenhausen auch als eigenständige Gemeinde.

Ursprünglich war die Wirtschaft von Walzenhausen rein landwirtschaftlich geprägt. Dazu kam der Weinanbau, der bis 1910 betrieben wurde. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich in Walzenhausen die Textilindustrie, zuerst Leinwand, ab 1740 die Baumwollverarbeitung. Von 1850 bis 1920 war Walzenhausen ein wichtiger Standort der Grobstickerei und der Rideauxfabrikation (vgl. St. Galler Stickerei). Diese Blütezeit endete mit der Weltwirtschaftskrise.[5]

Am 27. Juni 1896 wurde die Bergbahn von der Talstation Ruderbach (St. Margrethen) im Rheintal eröffnet. Diese förderte die Entstehung eines Luftkurortes. 1910 wurde ein Bäderhaus eröffnet. 1993 öffnete die erste Schmerzklinik der Schweiz ihre Pforten in Walzenhausen, die heute als Klinik für neurologische und orthopädische Rehabilitation betrieben wird.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Ortsteil Walzenhausen Platz befindet sich das Kloster Grimmenstein. Es ist bekannt für seine zahlreichen Naturheilmittel, die aus Kräutern im klostereigenen Garten gezüchtet nach alter Tradition hergestellt werden.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet der Gemeinde Walzenhausen ist mit der Bergbahn Rheineck-Walzenhausen und verschiedenen Postauto-Linien erschlossen. Des Weiteren ist Walzenhausen Ausgangspunkt des Witzwegs.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupteingang der Firma Just Schweiz in Walzenhausen

Walzenhausen ist Unternehmenssitz des Kosmetikherstellers Just Schweiz. Seit 2004 wird auch wieder Wein angebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Kellenberger (* 3. April 1864; † 30. November 1943), Sportschütze und Olympiasieger
  • Jakob Künzler (* 8. März 1871; † 15. Januar 1949), Zimmermann, evangelischer Diakon, Krankenpfleger, Laienarzt und Retter von etwa 8.000 armenischen Waisen im Osmanischen Reich
  • Carl Lutz (* 30. März 1895; † 12. Februar 1975), Schweizer Diplomat, Retter von etwa 60.000 Juden in Budapest 1944, Ehrenbürger von Walzenhausen seit 1963
  • Peter Eggenberger (* 14. Januar 1939), Autor
  • Ivo Sasek (* 10. Juli 1956), Schweizer Laienprediger, Autor religiöser Schriften und Leiter der von ihm gegründeten Organischen Christus-Generation (OCG – als Sekte eingestufte Organisation)
  • Cyrill Schreiber (* 12. Dezember 1983), Faustballspieler (Nationalmannschaft)

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde Walzenhausen
1955 Ulrich Jüstrich (1903 – 1985)
1963 Carl Lutz (1895 – 1975)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band 3: Der Bezirk Vorderland. Birkhäuser AG, Basel 1981, ISBN 3-7643-1251-3. (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 72.) S. 306–349. Digitalisat.
  • Ernst Züst, Walter Züst und Peter Eggenberger: Chronik der Gemeinde Walzenhausen 1638-1988: 350 Jahre Kirche Walzenhausen. Eigenverlag der Gemeinde Walzenhausen, 1988.
  • Der Rheintaler vom 28. September 2007, S. 7–11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Walzenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Portrait, Das Dorf über dem Bodensee auf walzenhausen.ch, abgerufen am 1. November 2016