Waldstatt

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Waldstatt
Wappen von Waldstatt
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Hinterlandw
BFS-Nr.: 3007i1f3f4
Postleitzahl: 9104
UN/LOCODE: CH WAD
Koordinaten: 739379 / 246743Koordinaten: 47° 21′ 24″ N, 9° 17′ 1″ O; CH1903: 739379 / 246743
Höhe: 822 m ü. M.
Fläche: 6,74 km²
Einwohner: 1783 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 265 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Gantenbein Andreas
Website: www.waldstatt.ch
Waldstatt

Waldstatt

Karte
Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen Bezirk Mittelland Bezirk Vorderland Herisau Hundwil Schönengrund Schwellbrunn Stein AR Urnäsch WaldstattKarte von Waldstatt
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Waldstatt ist eine politische Gemeinde im Hinterland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Waldstatt liegt in der Mitte des Vierecks Herisau, Hundwil, Urnäsch und Schwellbrunn und ist somit die einzige Gemeinde im Kanton die an keinen anderen Kanton grenzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1374 hiess die Siedlung Ober Walstatt, 1415 Wallstatt und gehörte zur Rhode und zur Kirchgemeinde Herisau und teilte deren politische Geschichte. Erst 1719 wurde das Kirchen- und Armengut von Herisau getrennt, und Waldstatt erlangte seine Selbstständigkeit als Ausnahme in Appenzell Ausserrhoden bereits im Jahr vor dem Kirchenbau 1720. Die Verlegung der wichtigen Verbindungsstrasse von St. Gallen ins Toggenburg durch Waldstatt statt über Schwellbrunn 1789 gab wichtige Entwicklungsimpulse, und der Weiler entwickelte sich in der Folge zum Dorf. Seit 1919 werden die öffentlichen Aufgaben von der Einwohnergemeinde und der Ortskorporation übernommen; letztere ist für Wasserversorgung und Kehrichtwesen verantwortlich. 1973 wurde eine katholische Kirche gebaut. Das Dorf wuchs zuerst entlang der Hauptverkehrsachsen, nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich ruhigere Wohnquartiere ausserhalb entwickelt.

Neben althergebrachter Vieh- und Milchwirtschaft entwickelten sich im 18. Jahrhundert Textilgewerbe und -handel, Weberei (um 1800 gab es 400 Webstühle) und später Stickerei. Auch der Abbau von Torf und Sandstein hatte eine gewisse Bedeutung. 1792 wurde ein Bad in Unter-Waldstatt eröffnet, und Waldstatt wurde in der Folge zum Kurort. Der Kurtourismus ging nach dem 2. Weltkrieg zurück. 1839 wurde die Station für den Post-Eilwagen gebaut, der von St. Gallen nach Uznach fuhr. 1875 erhielt Waldstatt eine Station an der Bahnlinie, die von Winkeln (St. Gallen) nach Urnäsch führte. 1880 wurde die erste Zentrifuge zur Käseherstellung in der Schweiz in Betrieb genommen. 1890 wurde eine mechanische Jacquardweberei eingerichtet, 1908 zwei mechanische Webereien und eine Stickfabrik gebaut. 1932 erfolgte der Bau eines Schwimmbades. Ab etwa 1935 verlagerte sich das Schwergewicht der Beschäftigung auf die Verarbeitung von Holz, Metall und Kunststoff. 1945 wurde ein Metalldruckguss- und Thermoplastspritzgusswerk gegründet, der grösster Arbeitgeber im Ort ist. 2005 stellte der Agrarsektor 13 Prozent und die Industrie 52 Prozent der Arbeitsplätze in der Gemeinde.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner[3]
1734 634
1800 1034
1850 983
1900 1483
1950 1544
1980 1440
1994 1715
2000 1710
2004 1516
2008 1544
2010 1772
2015 1835

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gidio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Brauch wird einzig in Waldstatt und dem Nachbarort Herisau praktiziert. Der Waldstätter Gidio unterscheidet sich grundlegend vom Herisauer. In Waldstatt ist der Gidopfarrer/in für die Durchführung verantwortlich. Eine ziemlich grosse Verantwortung für den 8. Klässler. Jährlich am Äschermittwoch findet ein grosser Umzug statt. Der Umzug verläuft durch das ganze Dorf. An vorderster Front heizt die Guggenmusik Mehrzweckblaari die Passanten am Strassenrand so richtig ein. Gleich darauf folgt der Leichenwagen, mit ihm der verstorbene Gidohosenstoss, der jedes Jahr an einem anderen Unglück stirbt. Anschliessend folgen die Sujetwagen der Waldstätter Schüler. Sie lassen Themen des vergangenen Jahres wieder hochkommen. Der Umzug wird mit dem Fussvolk abgerundet. Der Umzug wird von vielen Waldstätter Gewerbetreibenden unterstützt, welche den Kindern so manche Süssigkeiten in die Hand drücken. Am Schluss des Tages, wenn sich die Umzugsgemeinschaft wieder beim Schulhausplatz versammelt, liest der Gidopfarrer/in die Gidopredigt vor.

Silvesterchlausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils am 13. Januar sind in Waldstatt die Silvesterchläuse unterwegs. In mehreren Besenbeizen können sie betrachtet werden.

Viehschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines Herbsttages präsentieren sich, die Waldstätter Viehzüchter, von Ihrer besten Seite. Es ist wieder Viehschau angesagt. Morgens kommen die Viehzüchter mit ihrem Vieh auf dem Viehschauplatz an. Die Tiere wurden, alle für diesen Anlass, herausgeputzt. Kaum haben alle Bauern den Viehschauplatz erreicht, beginnen die Bewertung der einzelnen Kühe durch die Preisrichter. Diese werden nachmittags in verschieden Kategorien ausgezeichnet. Um etwa 16 Uhr verlassen die Landwirte den Viehschauhplatz wieder.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldstatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2016.
  2. Thomas Fuchs: Waldstatt In: Historisches Lexikon der Schweiz
  3. Thomas Fuchs: Waldstatt In: Historisches Lexikon der Schweiz