Schwellbrunn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwellbrunn
Wappen von Schwellbrunn
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Ausserrhoden (AR)
Bezirk: ehemaliger Bezirk Hinterlandw
BFS-Nr.: 3004i1f3f4
Postleitzahl: 9103
Koordinaten: 736782 / 246116Koordinaten: 47° 21′ 6″ N, 9° 14′ 57″ O; CH1903: 736782 / 246116
Höhe: 966 m ü. M.
Fläche: 17,39 km²
Einwohner: 1531 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 88 Einw. pro km²
Website: www.schwellbrunn.ch
Karte
Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen Bezirk Mittelland Bezirk Vorderland Herisau Hundwil Schönengrund Schwellbrunn Stein AR Urnäsch WaldstattKarte von Schwellbrunn
Über dieses Bild
ww

Schwellbrunn ist eine politische Gemeinde im Hinterland des Kantons Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz.

Geographie und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwellbrunn liegt auf einer Anhöhe, einem schmalen Hügelrücken, oberhalb von Degersheim und Herisau und ist ein beliebter Ausflugsort. Schwellbrunn ist mit 972 m ü. M. die höchstgelegene Gemeinde im Kanton und bietet eine Aussicht bis ans Nordufer des Bodensees.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Herisau, Waldstatt, Urnäsch, Schönengrund, Neckertal und Degersheim.

Schwellbrunn hatte ursprünglich zwei Bügel-Skilifte; den Skilift Landscheide (1022 m) – Sitz (1084 m) mit einer Länge von 340 m und den Skilift Löschwendi (852 m) – Risi (1035 m) mit einer Länge von 750 m, welche mit zwei Ponyliften verbunden waren. Der Skilift Löschwendi – Risi und die Verbindungslifte wurden aufgrund der immer schlechteren Schneeverhältnisse in den vergangenen Wintern zeitweise ausser Betrieb gesetzt. Per Ende Saison 2014/15 erfolgte die endgültige Ausserbetriebsetzung (inkl. anschliessendem Rückbau); der Skilift Landscheide - Sitz wird weiterhin betrieben. Neben den Skiliften wird unterhalb des Dorfes im Gebiet mit Flurname «Bühel» zusätzlich eine separate Schlittelpiste präpariert.[2]

Im Sommer bietet sich die idyllische und abwechslungsreiche Landschaft für den Wandertourismus an. Das Wanderwegnetz beinhaltet einen Abschnitt des Schwabenweges. Des Weiteren stehen mit dem «Kulturweg» und dem «Rätselweg» zwei Themenwege zur Verfügung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 900 wurden Einzelhöfe genannt, die 1268 mit dem Namen Schwellbrunnen überliefert wurden. Als Teil der Rhode und Kirchgemeinde Herisau trat das Dorf 1529 zur Reformation über. Erst nach dem Kirchenbau bei der Hofstatt und der politischen Trennung von Herisau 1648 bildete sich ein richtiges Strassendorf aus entlang der Hauptlandstrasse von St. Gallen ins Toggenburg. Es blieb bis ins 20. Jahrhundert weitgehend unverändert und ist deshalb ein Ortsbild von nationaler Bedeutung geworden. Die neue Gemeinde organisierte sich in einer Oberen und Unteren Schar, die im Wechsel den Gemeindehauptmann stellten bis 1818. Die alte Zweiteilung der Gemeinde lebte in den Namen der beiden Lesegesellschaften fort, welche bis ums Jahr 2000 zusammen mit dem Land- und Alpwirtschaftlichen Verein sowie dem Gewerbeverein die wichtigsten politischen und kulturellen Vereinigungen bildeten. Im 19. Jahrhundert war zudem eine ausgeprägte Gesangskultur verankert. Mit der Gründung einer SVP-Sektion in den 1990er Jahren gewann auch die bürgerliche Ortspartei der FDP an Bedeutung, seit 2010 kam eine Sektion der Sozialdemokraten hinzu.

Die Neuanlage der Hauptstrasse von Herisau ins Toggenburg über Waldstatt 1789 stiess in Schwellbrunn auf Widerstand, denn sie stellte das Dorf verkehrsmässig ins Abseits und leitete seinen ökonomischen und demografischen Niedergang ein. Die mehrheitlich bäuerliche Bevölkerung nahm zwar am Aufschwung der Textilindustrie um 1800 teil, und einzelne Fabrikanten und Kaufleute erlangten im Baumwollgewerbe Bedeutung. Daneben lebten die Schwellbrunner hauptsächlich von der Butter- und Käseherstellung, der Bienenzucht und dem Export von Köhlerholz. 1871 entstand eine Stickfabrik, und ab 1880 entwickelte sich Schwellbrunn zum Luftkurort. In den 1930er Jahren verschwanden die bisherigen Haupterwerbszweige Weberei und Stickerei beinahe vollständig. Seither ist die Gemeinde von Vieh- und Milchwirtschaft geprägt, im Dorf findet die grösste Viehschau des Kantons statt. Seit 1970 werden auf Gemeindegebiet Skilifte betrieben. Dank der ruhigen Lage mit Aussicht wurde das Dorf als Wohnort geschätzt, und die Bevölkerung nahm seit etwa 1980 wieder zu.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[4]
Jahr 1667 1794 1850 1900 1941 1950 1980 2000 2010
Einwohner 1'012 2'436 2'254 1'888 1'412 1'515 1'142 1'468 1'477
Zinnkanne von Jakob Glinz, St. Gallen

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche, erbaut 1647/48, bedeutender Umbau 1763 durch Hans Ulrich Grubenmann. In der Kirche Zinnkanne von Jakob Glinz, Zinngiesser in St. Gallen.

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindebibliothek ist im Schulhaus Sommertal untergebracht.

Das Dorf Schwellbrunn ist im Film "Un Franco, 14 Pesetas" zu sehen, welcher im Sommer 2006 in Schwellbrunn gedreht wurde.[5]

Die von einigen Mitgliedern des Turnvereins 1981 gegründete Faustballriege tritt mittlerweile unter dem Namen Faustball Schwellbrunn auf und spielte von 2005 bis 2011 erfolgreich in der Nationalliga A.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwellbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2016.
  2. Skilifte Schwellbrunn. Skilift AG Schwellbrunn, abgerufen am 23. April 2015.
  3. Thomas Fuchs: Schwellbrunn In: Historisches Lexikon der Schweiz
  4. Thomas Fuchs: Schwellbrunn In: Historisches Lexikon der Schweiz
  5. Höhepunkte in der Gemeinde. Gemeinde Schwellbrunn, abgerufen am 29. Januar 2011.