Wolfram Eilenberger

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Wolfram Eilenberger (2016)

Wolfram Eilenberger (* 7. August 1972 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Schriftsteller, Philosoph und Moderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfram Eilenberger wurde als Sohn des Regierungsrats Lothar Eilenberger und seiner Frau Eva, geb. Rheinboldt, einer Krankengymnastin, in Freiburg im Breisgau geboren und wuchs in Karlsruhe-Waldstadt auf.[1][2] Nach dem Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium in Karlsruhe studierte er Philosophie, Psychologie und Romanistik in Heidelberg, Turku und Zürich.

Gefördert durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes[3] wurde er 2008 an der Universität Zürich mit einer von Michael Hampe betreuten Arbeit zur Kulturphilosophie Michail Bachtins zum Doktor der Philosophie promoviert.[4]

Eilenberger begann seine publizistische Tätigkeit im Jahr 1999 unter anderem als Kolumnist im Ethikrat der Wochenzeitung Die Zeit sowie mit der sportphilosophischen Kolumne Live aus dem Elfenbeinturm im Berliner Tagesspiegel. In den Jahren 2003 bis 2010 arbeitete er unter Chefredaktor Wolfram Weimer als Philosophischer Korrespondent für das Monatsmagazin Cicero.

Von 2011 bis 2017 war er Chefredakteur des Philosophie Magazins[5]. Auf eigenen Wunsch schied er dort im Jahre 2017 aus, um sich vorrangig schriftstellerischen Projekten zu widmen.

Seit 2018 gehört er gemeinsam mit Barbara Bleisch und Yves Bossart zum Moderationsteam der Sternstunde Philosophie im Schweizer Fernsehen SRF. Seit der Gründung im Jahre 2013 ist er zudem gemeinsam mit Svenja Flaßpöhler, Gert Scobel und Jürgen Wiebicke Teil der Programmleitung des Internationalen Philosophiefestivals phil.cologne.

Eilenberger ist mit der Fennistin und ehemaligen finnischen Basketballnationalspielerin Pia-Maria Päiviö verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eilenbergers mehrfach preisgekrönte narrative Sachbücher sind in 30 Sprachen übersetzt (Stand März 2023).[6] Er gehört damit zu den meistübersetzten zeitgenössischen Sachbuchautoren deutscher Sprache.

Zeit der Zauberer (2018)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den auch internationalen Durchbruch erzielte Eilenberger mit seinem im März 2018 bei Klett-Cotta erschienenen Buch Zeit der Zauberer – Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919–1929, für das er 2018 den Bayerischen Buchpreis[7] erhielt und 2019 in Frankreich den renommierten Prix du Meilleur livre étranger, Kategorie „Essay“ (ins Französische übersetzt unter dem Titel Le Temps des Magiciens). Das Werk, in dessen Zentrum die Philosophen Ludwig Wittgenstein, Ernst Cassirer, Walter Benjamin und Martin Heidegger stehen, fand sich nach der Veröffentlichung mehr als sieben Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und stand auch auf den Bestsellerlisten in Italien, Spanien und Dänemark.

Zeit der Zauberer erhielt national wie international viel positive Aufmerksamkeit. So sprach Micha Brumlik in der taz von einem „Buch, das auf lange Zeit seinesgleichen suchen wird“;[8] Michael Hesse von der Frankfurter Rundschau findet die „Parallelisierung von Leben und Lehre der vier Zauberer“ magisch und wünscht dem Buch viele Leser.[9] In der New York Times urteilte Jennifer Szalai: „Eilenberger ist ein ausgezeichneter Erzähler“[10]. Die Londoner Times bezeichnete Zeit der Zauberer als „technisches Meisterstück“.[11] El País lobte, der Autor „verbinde Biographie und Ideengeschichte mit bewundernswertem erzählerischen Geschick“.[12] La Repubblica befand, das Buch führe „zwingend wie ein Roman … in das Herz einer äußerst komplexen Diskussion ein“[13] und der Philosoph John Kaag hob in der New York Times Book Review hervor: „Eine von Eilenbergers Errungenschaften besteht darin, Heideggers Bemühungen zu erklären, sich als Held und Zauberer des Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg zu positionieren und damit seine uneingeschränkte Unterstützung des Nazi-Regimes bei seiner Machtübernahme vorwegzunehmen.“[14] Jens Bisky urteilt in der Süddeutschen Zeitung: „Eilenberger ist seit seinem Welterfolg Zeit der Zauberer … der interessanteste deutschsprachige Autor populärphilosophischer Bücher in Deutschland.“[15] Der Historiker und Sozialwissenschaftler Florian G. Mildenberger kommt in seiner Rezension zu dem Schluss: „Der Erfolg des Buches aber läßt erahnen: die sich akademisch gebildet wähnende Leserschaft hat wieder eine Faible für Führergestalten entwickelt.“[16] Kritisch äußerte sich Maxim Biller, der dem Werk vorwarf, es lasse die Sympathien des Philosophen Martin Heidegger zum Nazi-Regime unter den Tisch fallen.[17]

Feuer der Freiheit (2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 2020 erschien Eilenbergers Werk Feuer der Freiheit – Die Rettung der Philosophie in dunkler Zeit 1933–1934. Auch dieses Buch, dessen thematisches Zentrum die Philosophinnen Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Simone Weil und Ayn Rand während des Zweiten Weltkriegs bilden, stand über Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste[18] und erfuhr national wie international große Anerkennung. Wie bereits Zeit der Zauberer im Jahre 2018 stand auch Feuer der Freiheit auf der Shortlist für den Tractatus-Preis (2021). Elke Schmitter lobte das Werk in Der Spiegel: „Gleichgültig, was man bisher über das Denken im 20. Jahrhundert wusste: Hier wird man auf aufregende Weise klüger.“[19], und Thomas Ribi urteilte in der NZZ: „Eilenberger erzählt glänzend, argumentiert präzis und schreibt ein bedeutendes Kapitel der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts, das so noch nicht geschrieben war.“[20] Die dänische Zeitung Weekend Avisen befand, Feuer der Freiheit sei „mindestens so gut wie sein Vorgänger (Zeit der Zauberer)“.[21]

Weitere Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2010 erschien Eilenbergers Buch Finnen von Sinnen: Von einem, der auszog, eine finnische Frau zu heiraten, das 17 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste (Sachbuch) stand. Das Buch erschien im Frühjahr 2011 bei Siltala Publishing unter dem Titel Minun suomalainen vaimoni auf Finnisch und entwickelte sich in Finnland ebenfalls rasch zum Bestseller.

2009 erschien Eilenbergers Dissertation über Michail Bachtins Philosophie unter dem Titel Das Werden des Menschen im Wort. Das Buch wurde von dem Bachtin-Herausgeber Rainer Grübel als „Beitrag zu einer Philosophie der Humankommunikation als Grundlage einer Kulturtheorie“ gewürdigt, aber aus philologischer Sicht kritisiert. So habe Eilenberger lediglich mit überwiegend englischen Übersetzungen gearbeitet und die russischsprachige Sekundärliteratur übergangen.[22]

2005 veröffentlichte Eilenberger eine Einführung in die Philosophie anhand von Alltagssituationen unter dem Titel Philosophie für alle, die noch etwas vorhaben, für die er 2011 den Mindelheimer Philosophiepreis erhielt.[23]

Publizistisches und sportjournalistisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eilenberger veröffentlicht regelmäßig Essays zu politischen wie kulturellen Themen, so etwa in Der Spiegel, Die Welt oder auch El País.[24] Seit 2020 schreibt er für das Philosophie Magazin die Kolumne „Unter uns“.[25] Seit 2021 moderiert er gelegentlich die Philosophiesendung „Sein und Streit“ auf Deutschlandfunk Kultur.[26]

Seit Beginn seiner publizistischen Tätigkeit schreibt Eilenberger, der 1991 eine B-Lizenz des Badischen Fußballbundes erwarb und ferner im linken Mittelfeld der deutschen Autorennationalmannschaft Autonama spielt, über Sport und insbesondere Fußball. Er tritt hierzu in Radio wie Fernsehen auch als Experte auf.

Eilenbergers Kritik an Jürgen Klopp und Borussia Dortmund im Januar 2015 sorgte für mediales Aufsehen:[27] Klopps Gestaltungskraft sei verbraucht und der BVB der Hinrunde 2014/15 „war kein Verein mehr, sondern eine Sekte. Und zwar mit allen klassischen Attributen: Artikulationsverbote, totale Gemeinschaftssuggestion, unbedingter Erlöserglaube.“[28]

Eilenberger ist Fan des FC Bayern München. Er warf dem Verein aber im September 2015 vor, seine Identität aufs Spiel zu setzen; Eilenberger sprach sich für eine Rückkehr von Uli Hoeneß aus und kritisierte insbesondere das Wirken des Sportdirektors Matthias Sammer. Dieser zerstöre „emotionale Nähe, die einen Fan zum Fan macht“, „noch drei weitere Jahre mit Pep auf der Bank und Sammer am Mikro und dieser Verein ist emotional am Ende.“[29]

Eilenberger sprach und spricht sich seit 2018 entschieden gegen den Videobeweis im Fußball aus.[30]

Eine shitstormartige Kontroverse löste 2016 ein Artikel mit dem Titel Handball: Die Alternative für Deutschland[31] bei Zeit Online aus. Eilenberger kritisierte den Handball darin als „Sport volkstümelnder Reihenhausspießer“[32] und beklagte insbesondere die mangelnde Integrationskraft des Sports für junge Menschen mit Migrationshintergrund. Die polemische Intervention stieß eine breite und inhaltlich produktive Debatte an.

Akademisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2010 bis 2012 hatte Eilenberger Lehraufträge an der University of Toronto, Kanada. 2016 war er Max Kade Visiting Professor der Indiana University Bloomington[33], zudem unterrichtet er seit 2020 an der ETH Zürich Kurse zur Wissenschaftsvermittlung.[34] Laut Google Scholar (Stand März 2023) weist Eilenbergers h-Index, gemessen seit 2018, den Wert 7 auf.[35]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayerischer Buchpreis 2018 - Preisträger Wolfram Eilenberger (Sachbuch) und Lucy Fricke (Belletristik)

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wolfram Eilenberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Eilenberger, Das Werden des Menschen im Wort, S. 6 (Dank).
  2. Geistesgeschichte anschaulich: Vortrag von Wolfram Eilenberger am 7.11.19 – Otto-Hahn-Gymnasium Karlsruhe. Abgerufen am 28. Juni 2022 (deutsch).
  3. 90 Jahre, 90 Köpfe. Abgerufen am 16. März 2023.
  4. Dissertation im Chronos Verlag. Abgerufen am 16. März 2023.
  5. Über uns. Website des Philomagazin Verlags, abgerufen am 30. Juni 2016.
    Rupert Sommer: „Philosophie Magazin“ und „Hohe Luft“ im kress-Check: Lesefutter für die Generation XY Unorientiert. kressreport, 16. November 2011, abgerufen am 30. Juni 2016.
  6. Autorenseite bei Penguin Random House Verlag. Abgerufen am 16. März 2023.
  7. Bayerischer Buchpreis 2018. Abgerufen am 16. März 2023.
  8. Brumlik in der taz
  9. Zwei Denker im Wettstreit. 20. April 2018, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  10. How Wittgenstein and Other Thinkers Dealt With a Decade of Crisis. 14. August 2020, abgerufen am 18. März 2023 (englisch).
  11. Time of the Magicians review — quartet of Weimar-era thinkers who were incomprehensibly brilliant. Abgerufen am 18. März 2023 (englisch).
  12. Im Original Spanisch, Quelle El Pais
  13. Im Original Italienisch, Quelle La Repubblica
  14. The Men Who Reinvented Philosophy for Turbulent Times. Abgerufen am 18. März 2023 (englisch).
  15. Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit" – Anders in die Welt gestellt. 16. Oktober 2020, abgerufen am 18. März 2023.
  16. Florian G. Mildenberger: Rezension in: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 335–338, hier: S. 338.
  17. Maxim Biller: "Sind Sie auch ein Linksrechtsdeutscher?, Die Welt, 16. Februar 2019, abgerufen am 4. März 2019.
  18. Buchreport. Abgerufen am 16. März 2023.
  19. Der Spiegel 9. Oktober 2020. Abgerufen am 16. März 2023.
  20. NZZ 12. Oktober 2020. Abgerufen am 16. März 2023.
  21. Weekendavisen 21. November 2021. Abgerufen am 16. März 2023.
  22. Wolfram Eilenberger: Das Werden des Menschen im Wort | rezensionen:kommunikation:medien. Abgerufen am 25. Oktober 2019.
  23. Börsenblatt 4. April 2011. Abgerufen am 16. März 2023.
  24. Wolfram Eilenberger. Abgerufen am 18. März 2023.
  25. Unter uns: Die Sache mit der Sprachnachricht. 1. Februar 2020, abgerufen am 18. März 2023.
  26. Sendung Sein und Streit. Abgerufen am 18. März 2023.
  27. Darum wird Jürgen Klopp beim BVB nicht zurücktreten. Die Welt, 5. Februar 2015, abgerufen am 30. Juni 2016.
    Franz Josef Wagner: Lieber Jürgen Klopp. Bild, 6. Februar 2015, abgerufen am 30. Juni 2016.
  28. Oliver Fritsch: Wolfram Eilenberger: Borussia Dortmund ist die Anomalie der Liga. Interview auf Zeit Online, 28. Januar 2015, abgerufen am 30. Juni 2016.
  29. Wolfram Eilenberger: Lieber FC Bayern, es ist aus mit uns. Kolumne Eilenbergers Kabinenpredigt, zeit.de, 16. September 2015, abgerufen am 30. Juni 2016.
  30. Philosoph Eilenberger im Interview: Videobeweis? „Hoffe, dass bei WM möglichst viel schiefgeht“. Kicker-Sportmagazin, 6. Juni 2018, abgerufen am 7. Juni 2018.
  31. Wolfram Eilenberger: Handball: Die Alternative für Deutschland. In: zeit.de. 9. Februar 2016, abgerufen am 20. Februar 2016.
  32. Essay in „Zeit Online“: Der deutsche Handball – ein Sport volkstümelnder Reihenhausspießer? stern.de, 11. Februar 2016, abgerufen am 20. Februar 2016.
    Ralf Mittmann: Entgleisung in Zeit-Online-Kolumne: Philosoph Eilenberger rückt Handballer in nationalistische Ecke. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 12. Februar 2016, abgerufen am 20. Februar 2016.
  33. Department of Germanic Studies, Visiting Scholars. Abgerufen am 16. März 2023.
  34. ETH Zürich, Vorlesungsverzeichnis. Abgerufen am 16. März 2023.
  35. Google Scholar. Abgerufen am 16. März 2023.
  36. Herzlichen Glückwunsch, Wolfram Eilenberger …! Mindelheimer Philosophiepreis, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Juli 2011; abgerufen am 30. Juni 2016.
  37. Christoph Hein et Wolfram Eilenberger Prix du Meilleur livre Étranger 2019. In: ctualitte.com. 21. November 2019, abgerufen am 6. November 2022 (französisch).
  38. Wolfram Eilenberger gewinnt den „Prix du meilleur livre étranger“. In: buchmarkt.de. 22. November 2019, abgerufen am 22. November 2019.
  39. Zwölf Ehrungen für Qualitätsjournalismus. 17. Mai 2022, abgerufen am 18. März 2023.
  40. Rezension dazu: Florian G. Mildenberger, in: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 335–338.