10. Jahrhundert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender

| 8. Jh. | 9. Jh. | 10. Jahrhundert | 11. Jh. | 12. Jh. |
900er | 910er | 920er | 930er | 940er | 950er | 960er | 970er | 980er | 990er

Das 10. Jahrhundert begann am 1. Januar 901 und endete am 31. Dezember 1000.

Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt. Europa, Afrika und Asien waren über ein Netz von Handelsbeziehungen verbunden, über das ein Austausch von Gütern aber auch von Ideen erfolgte. Führten in den vergangenen Jahrhunderten die Handelsrouten im Wesentlichen über Land, so verlagerte sich im 10. Jahrhundert der kontinentale Fernhandel stärker auf den Seeweg. Muslimische Kaufleute spielten in diesem Handelssystem eine führende Rolle.[1]

In den große Teile Europas umfassenden fränkischen Teilreichen übten regionale adelige Herrscher die tatsächliche Macht aus. Mitglieder des sächsischen Adelsgeschlechts der Liudolfinger bauten zunächst im Ostfrankenreich ihre Königsherrschaft auf und wurden zur einflussreichsten Macht Kontinentaleuropas. In diesem Jahrhundert wurden entscheidende Grundlagen für das Europa der kommenden Jahrhunderte gelegt: Die Unteilbarkeit der Königsherrschaft, die gemeinsame Herrschaft über das Ostfrankenreich und das Königreich Italien durch die vom Papst verliehene Kaiserwürde sowie die feudale Ordnung des Hochmittelalters. In Osteuropa bildeten die Polen, Böhmen, Ungarn und Russen erste Herrschaften, die die Christianisierung ihrer Völker einleiteten. Das byzantinische Reich erreichte unter den makedonischen Kaisern einen Machthöhepunkt.

In der islamischen Welt eroberten zwei schiitische Dynastien, die Fatimiden und die Buyiden, große Territorien des Kalifats. Die Fatimiden riefen ihr eigenes Kalifat aus und machten den Kalifen von Bagdad damit auch die religiöse Oberhoheit streitig. Wie auch in den vorherigen Jahrhunderten teilten sich mehrere Großreiche den indischen Kontinent. Die Rashtrakuta konnten im Laufe des Jahrhunderts ihr Reich von Zentral- auf Südindien ausdehnen. Dieses brach jedoch am Ende des Jahrhunderts zusammen und machte Platz für die Chola-Dynastie.

Der Prozess der Regionalisierung Chinas im 9. Jahrhundert mündete zu Beginn des 10. Jahrhunderts in eine Periode unabhängiger Teilreiche, auch Fünf Dynastien und Zehn Reiche genannt. Im Jahr 960 konnte die Song-Dynastie zwar China wiedervereinigen, doch erreichte das Reich nicht mehr die Größe der Tang Zeit und war von politisch wie militärisch mächtigen Nachbarreichen umringt. Auch wenn China nicht die allein dominierende Regionalmacht Ostasiens war, so etablierten die Song ein Reich, das auf ökonomischem, technologischem und kulturellem Gebiet als das fortschrittlichste der damaligen Welt angesehen wird.[2]

Europa[Bearbeiten]

Europa im 10. Jahrhundert

In der europäischen Geschichtsschreibung ist das 10. Jahrhundert Teil des Frühmittelalters (ca. 500-1050). West- und Zentraleuropa sowie ein großer Teil Italiens gehörten zu einer Gemeinschaft von Herrschaftsbereichen, die der christliche Glaube römisch-katholischer Prägung verband. Diese waren in Kontinentaleuropa aus dem Frankenreich hervorgegangen, das sich im 9. Jahrhundert in Teilreiche teilte. In Skandinavien und Osteuropa bildeten erstmals größere Königreiche und die Christianisierung begann. In Südosteuropa erreichte das bulgarische Reich, das sich im Christentum byzantinischer Prägung ausrichtete, seine größte Ausdehnung. Anders als in Zentral- und Westeuropa orientierte sich ein großer Teil der iberischen Halbinsel und Sizilien am Islam.

Fränkische Nachfolgereiche[Bearbeiten]

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Die aus der Teilung des Frankenreichs im 9. Jahrhundert hervorgegangenen Teilreiche standen immer noch in der fränkischen Tradition. An der Spitze dieser fränkischen Reiche stand ein König, dem jedoch mächtige lokale Adelsfamilien gegenüberstanden. Durch Anhäufung von Ämtern und Macht sowie militärische Erfolge hatte eine kleine Zahl von Adelsfamilien die Herrschaft über große Territorien erlangt, in denen sie fast königsgleich herrschten.

Im Ostfrankenreich Zentraleuropas waren diese Territorien die jüngeren Herzogtümer.[3] Eine der mächtigen Adelsfamilien, die Konradiner, schaffte es Konrad I. bei der Königswahl des Jahres Jahr 911 durchzusetzen. Zwar beendete seine Wahl die rund 150 Jahre dauernde Herrschaft der Familie der Karolinger, doch konnte er sich nicht ausreichend gegen die Adeligen durchsetzen. Erst seinem Amtsnachfolger Heinrich I., der im Jahr 919 zum König gewählt wurde, gelang es, eine neue Königsdynastie zu begründen. Der Sachse aus der Familie der Liudolfinger war der erste nicht-fränkische Herrscher des Ostfrankenreiches. Zunächst wurde er nur von den Sachsen und Franken unterstützt, schaffte es jedoch durch Freundschaftsbündnisse, dass ihn auch die anderen Herzöge als König anerkannten. Er herrschte als Erster unter Gleichen im Einvernehmen mit den Herzögen, die einen großen Teil ihrer Macht behielten. Im Osten machte er die Slawen tributpflichtig und unterwarf das Herzogtum Böhmen unter seine Oberherrschaft. Böhmen gehörte in den folgenden Jahrhunderten zu dem aus seinem Reich hervorgehenden Heiligen Römischen Reich.

Ostfränkisches Reichsgebiet in ottonischer Zeit

Die von Heinrich I. herausgegebene Hausordnung von 929 legte die Unteilbarkeit der Königsherrschaft fest. Die historische Forschung hält diese für den ersten Schritt, zu einem Verständnis des Reiches als unabhängiges Rechtsgebilde, dass nicht ausschließlich durch die Person des Königs definiert wird. Nach seiner Designation durch Heinrich wurde sein Sohn Otto der Große als sein Nachfolger zum König gewählt. Er setzte somit die nach ihm und seinen Söhnen benannte Königsdynastie der Ottonen fort, die bis zum Jahr 1024 das Ostfrankenreich regierte.

Seine Position als König, die Otto wesentlich zentralistischer verstand als sein Vater, musste er in den ersten Jahren seiner Herrschaft gegen zahlreiche Aufstände, insbesondere die seiner Verwandten, durchsetzen. Erst durch den Sieg in der Lechfeldschlacht des Jahres 955, mit dem er die jahrzehntelangen Raubüberfälle der Ungarn auf das Reich beendete, schaffte er es, sich als unumstrittener König durchzusetzen. Sein Nachfolger Otto II. musste jedoch wieder seine Herrschaft gegen die Ansprüche seiner Verwandten behaupten.

Machtstreitigkeiten in Italien nahm Otto der Große zum Anlass, im Jahr 951 die langobardische Königswürde des Königreiches Italien zu erwerben. Von dieser Machtbasis aus ließ er sich im Jahr 962 vom Papst zum römischen Kaiser krönen. Damit begründete er eine Tradition, dass in den folgenden Jahrhunderten nur ostfränkische bzw. deutsche Könige die römische Kaiserwürde erlangten. Ferner legte er die Grundlage für die Vereinigung der norditalienischen und deutschen Gebiete im Heiligen Römischen Reich. Im Privilegium Ottonianum garantierte Otto die Existenz des Kirchenstaats. Im Gegenzug sicherte es Otto und seinen Nachfolgern einen starken Einfluss auf die Besetzung des Papstamtes, der bis Mitte des 11. Jahrhunderts bestand. Das Papstamt war im Laufe des 9. Jahrhunderts zu einem Streitobjekt römischer Adelsfamilien geworden. Durch die politischen Ränke um das Papstamt und die Amtsausübung einiger Amtsinhaber hatte das Papsttum auch im 10. Jahrhundert stark an moralischer Autorität und Einfluss verloren. Erst Otto III. nutzte zum Ende des Jahrhunderts seinen Einfluss auf die Besetzung des Papststuhls, um Amtsinhaber einzusetzen, die mit der Reform des Papsttums begannen.

Die Herrscher Zentraleuropas und Italiens wurden auch an ihrer Abwehrleistung gegen die Raubüberfälle der Ungarn gemessen, die diese Gebiete seit dem Ende des 9. Jahrhunderts durch regelmäßige Überfälle heimsuchten. Neben dem Einsatz ihrer durchschlagstarken Bogen zeichneten sich diese Reiter durch hohe Mobilität und Geschwindigkeit aus. Vor Heinrich I. konnten nur einige Markgrafen vereinzelte Erfolge erzielen. Heinrich nutzte einen ausgehandelten mehrjährigen Waffenstillstand mit den Ungarn, um im Reich Burgen errichten und verbessern zu lassen sowie die Schlagkraft des fränkischen (Reiter-)heeres zu erhöhen. Konnte er die Ungarn danach an der Unstrut in die Flucht schlagen, so gelang es erst sein Sohn Otto dem Großen, das ostfränkische Heer in der Schlacht auf dem Lechfeld zu einem alles entscheidenden Sieg über die Ungarn zu führen. Dieser hielt sie davon ab, weitere Überfälle im Reich durchzuführen.

Otto dem Großen folgte im Jahr 973 sein Sohn Otto II., dem dessen Sohn Otto III. nachfolgte. Beide Herrscher, die im jungen Alter starben, verfolgten eine Ausweitung der Herrschaft in Italien, woran beide scheiterten. Gegen beide Herrscher opponierte der Herzog Heinrich der Zänker erfolglos. Weil Otto III. nach dem Tod Ottos II. im Jahr 983 noch nicht volljährig war, regierten bis zum Jahr 994 seine Mutter Theophanu und seine Großmutter Adelheid als Kaiserinnen das Reich. Das aktive politische Handeln steht beispielhaft für die aktive politische Rolle adliger Frauen des 10. und 11. Jahrhunderts.

Um den Königsthron des Westfrankenreichs konkurrierten seit dem Ende des 9. Jahrhunderts die Familien der Karolinger und Robertiner. Die Robertiner schafften es die Karolinger nur zeitweise vom Königsthron zu verdrängen. Erst als Hugo Capet im Jahr 987 zum König gewählt wurde, war die Herrschaft der Karolinger auch im Westfrankenreich endgültig beendet. Hugo, aus einer Seitenlinie der Robertiner, begründete die Königsdynastie der Kapetinger, die in den folgenden Jahrhunderten die französischen Könige stellte. Allerdings war das westfränkische Königtum des 10. Jahrhunderts weitgehend auf seinen Kernraum in der Île-de-France beschränkt. Diese Krondomäne betrug ungefähr ein Zehntel des Westfrankenreiches.[4] Die restlichen Teile wurden durch etwa ein Dutzend großer Kronvasallen beherrscht, über die der König nur die nominelle Oberhoheit hatte. Im Norden erlangte der Wikinger Rollo im Jahr 911 durch Vertrag ein Gebiet als Lehen vom westfränkischen König. Eine Folge der Gewährung des Lehens war die Beendigung der Wikingerüberfälle auf das Westfrankenreich, die es besonders im 9. Jahrhundert stark belastet hatten. Die Wikinger, deren Gebiet Normandie genannt wurde, nahmen in wenigen Generationen die westfränkische Kultur und Sprache an. In den folgenden Jahrhunderten spielte die Normandie und die romanisierten Normannen eine entscheidende Rolle in der Geschichte Englands und Frankreichs.

Gesellschaft, Wirtschaft, Recht und Kultur[Bearbeiten]

Die Gesellschaften Europas waren überwiegend ländlich geprägt. Städte, deren Einwohnerzahl wesentlich geringer war als die anderer Weltregionen und der Antike, gab es vor allem in West- und Südeuropa und am Rhein. Begünstigt durch ein relativ mildes Klima und die Verbreitung technischer Neuerungen in der Landwirtschaft stieg die Bevölkerungszahl ab der Mitte des Jahrhunderts stark an. Der verstärkte Bergbau im Harz trug zum Reichtum der herrschenden Ottonen bei. Aufgrund seiner Bedeutung brachte er technische Innovationen als auch erste Umweltschäden durch die Verhüttung mit Holzkohle hervor.[5]

Vorherrschendes Modell der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung war die Grundherrschaft. Grundherren waren meist Adelige, Kirchen oder Klöster. Im verbreiteten Modell der Villikation war ihr Land in einen zentralen Hof und zahlreiche Bauernstellen unterteilt. Der zentrale Gutshof wurde meist mit Hilfe von Unfreien und zunehmend durch Frondienste der abhängigen Bauern bewirtschaftet. Abgesehen von den Abgaben bestellten die Bauern das ihnen zugewiesene Stück Land in Selbstversorgung. Grundherren hatten meist mehrere dieser Höfe und hatten oft über alle Bewohner des Landes auch herrschaftliche Rechte, wie die Gerichtsbarkeit. Die Bauernstellen wurden von unfreien und freien Bauern bewirtschaftet. Im Laufe des Jahrhunderts ebneten sich die Unterschiede zwischen freien und unfreien Bauern ein. Während die Unfreien mehr Persönlichkeitsrechte zugestanden bekamen, büßten die Freien einen großen Teil ihrer Unabhängigkeit ein. In den Gutshöfen setzten die Grundherren oft unfreie Verwalter ein. Der Grundbesitz der Könige, Adeligen, Bistümer und Klöster waren jedoch keine geschlossenen Territorien, sondern es handelte sich oft um Streubesitz. Dies galt besonders für das Hausgut und Reichsgut der Ottonen. Auch stimmten Herrschaftsrecht und Grundbesitz nicht immer überein. Kirchen und Klöstern verliehen die Ottonen Bannimmunitäten, die sie vor Eingriffen weltlicher Herrscher schützen und ihnen sogar Herrschaftsrechte auf weltlichem Grundbesitz gaben. In vielen Fällen ließen sie diese Rechte durch adelige Laien, die Vögte, die im Gegensatz zu den Geistlichen voll waffenfähig waren, durchsetzen.

Im 10. Jahrhundert verfestigte sich eine Gesellschaftsordnung, die auch für die folgenden Jahrhunderte prägend war. An der Spitze der Gesellschaft stand eine kleine Adelsschicht, wobei die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe nun ausschließlich durch Geburt bestimmt wurde. Neben der weltlichen Herrschaft wurden fast alle kirchlichen Führungspositionen durch Adelige bekleidet. Ferner bildete sich zum Ende des Jahrhunderts die das weitere Mittelalter prägende funktionale Dreiteilung der Gesellschaft in eine Gruppe der Krieger und Herrscher, eine Gruppe der Betenden und eine Gruppe der Arbeiten heraus.

Goldene Madonna, die älteste erhaltene vollplastische Marienfigur der abendländischen Kunst

Das Christentum war der dominierende Glaube West- und Zentraleuropas sowie Italiens. Dies galt nicht nur im Bezug auf die persönliche religiöse Überzeugung der Menschen, sondern auch die Herrschafts- und Gesellschaftsordnung wurde mit dem Bezug auf das Christentum interpretiert. Die Einsetzung von Bischöfen und Äbten bzw. die starke Einflussnahme auf ihre Wahl durch weltliche Herrscher war die vorherrschende Praxis. Insbesondere den ottonischen Königen, die sich immer deutlicher als Stellvertreter Christi auf Erden begriffen, gelang es die Besetzung eines Großteils der kirchlichen Führungspositionen, Investitur, zu bestimmen oder maßgeblich zu beeinflussen. So spielten Bistümer und Klöster eine immer größere Rolle bei ihrer Herrschaftsausübung. Bischöfe und Äbte unterstützen den König im beträchtlichen Maße bei seinen Kriegszügen. Neben den Königspfalzen waren es sehr oft Klöster, die den König und sein Gefolge auf seinen ständigen Reisen durch sein Herrschaftsgebiet versorgen mussten. Im Gegenzug stattete der König Bistümer und Klöster umfangreich mit Land, Ressourcen und Herrschaftsrechten aus. Die in das Herrschaftssystem eingebundene Kirche wird von Historikern als Reichskirche bezeichnet.

Dieser politischen Vereinnahmung der Kirche stellte sich eine bedeutende Reformbewegung entgegen, deren Zentrum die burgundische Abtei Cluny war. Hauptanliegen der Bewegung war die politische Unabhängigkeit von Klöstern und Kirche, sowie die strikte Befolgung kirchlicher Regeln durch Kleriker und Mönche, wie die Regula Benedicti. Im 10. Jahrhundert konnte sich diese Bewegung zunächst in Westeuropa nicht jedoch im Reich der Ottonen eine Basis schaffen.

Bezogen auf West- und Zentraleuropa wird das 10. Jahrhundert aufgrund seiner Armut an schriftlichen Quellen auch das „dunkle Jahrhundert“ genannt.[6] Die Kultur war fast ausschließlich eine mündliche Kultur, in der Gesten, Rituale und Symbole eine wesentliche Rolle spielten. Mit Ausnahme von Italien konnten fast ausschließlich Kleriker lesen und schreiben, wobei die Zahl der Wissensträger im Laufe des Jahrhunderts abnahm. Zwar wuchs dadurch auch die Macht der Kleriker am königlichen Hof, doch war dieser im Gegensatz zur Zeit der Karolinger nicht mehr primärer Kulturschöpfer. Die Kultur entstand dezentral.[7] Die Buchmalerei, wie die Werke der Reichenauer Malschule, oder die Plastiken hatten meist religiöse Inhalte. Auf diesen Gebieten, wie auch bei den Kirchenbauten, entwickelte sich der Kunststil der Frühromanik.

Bei der schulischen Wissensvermittlung verloren die Klosterschulen zu Gunsten der neu aufkommenden Domschulen an den Bischofssitzen an Bedeutung. Ein bedeutender Gelehrter war der von den Ottonen protegierte Gerbert von Aurillac, der schließlich Papst Silvester II. wurde. Dieser lernte im muslimischen Spanien und erweiterte das abendländische Wissen auf dem Gebiet der Mathematik und Astronomie.[8]

Ein einheitliches Recht gab es in den Reichen des christlichen Europa nicht. Das meist mündlich überlieferte Recht begründete sich auf überlieferte Gebräuche und mündliche Abmachungen. Da es keine zentrale Instanz zur Durchsetzung des Rechtes gab, war die Selbstjustiz mit Hilfe von Waffengewalt unter Adeligen verbreitet. Überall, wo es keine starke ausgleichende Königsgewalt gab, litten wie im Westfrankenreich die Bauern und Kleriker unter den Fehden der Adeligen. Dagegen richtete sich von kirchlicher Seite die Bewegung des Gottesfriedens, die die Fehden zeitlich und örtlich zu beschränken versuchte.

Osteuropa[Bearbeiten]

In Osteuropa östlich der Elbe siedelten zu Beginn des Jahrhunderts vorwiegend slawische Kleinstämme. Während die Liudolfinger die Stämme westlich der Oder direkt von sich abhängig machten, bildeten sich in den anderen westslawischen Gebieten größere Herrschaftsgebilde, das spätere Königreich Polen und das Herzogtum Böhmen. Letztes schoss auch Gebiete des Mährerreiches ein, das im Jahr 907 nach einer militärischen Niederlage gegen die Ungarn unterging. Den Liudolfingern gelang es Böhmen unter ihre Oberhoheit zu bringen, was die Zugehörigkeit Böhmens zum Heiligen Römischen Reich für das gesamte Mittelalter begründete. Nach ihrer deutlichen Niederlage in der Lechfeldschlacht errichteten auch die nicht-slawischen Ungarn ein Reich unter einer einheitlichen Führung.

Wie die Böhmen im 9. Jahrhundert so ließen sich im 10. Jahrhundert auch die Polen und Ungarn zum christlichen Glauben bekehren. Durch ottonische Intervention schlossen sich die Völker dem katholisch-päpstlichen Lager an, blieben jedoch vom Ostfrankenreich unabhängig.

Wladimir I., der Herrscher des weiter östlich gelegenen Reiches der Kiewer Rus, entschied sich hingegen für die byzantinische Kirche, als er sich zum christlichen Glauben bekannte. Die Christianisierung war Teil eines diplomatischen Handels mit Byzanz und war zusammen mit einer militärischen Unterstützung gegen die Bulgarien der Preis dafür, dass der byzantinische Kaiser Wladimir I. ein purpurgeborenes Mitglied der Kaiserfamilie zur Frau gab. Dieses Privileg, das zum ersten Mal einem ausländischen Herrscher zuteil wurde, bedeute für Wladimir einen außerordentlichen Prestigegewinn in der ganzen christlichen Welt. Sein Vater hatte zuvor das Herrschafts- und Einflussgebiet der Kiewer Rus erheblich erweitert, wobei der das Chasaren-Reich zerstörte.

Byzanz und Bulgarien[Bearbeiten]

Byzanz um 975

Das byzantinische Reich war eine Regionalmacht am nordöstlichen Mittelmeer. Gemessen an der Zeit vom 7. Jahrhundert bis zu seinem Untergang im 15. Jahrhundert erreichte Byzanz den Höhepunkt seines Einflusses und Wohlstandes. Zu Beginn des Jahrhunderts war das Kaiserreich vor allem von den Bulgaren bedroht. Deren Zar Simeon I. wollte Bulgarien und Byzanz unter seiner Herrschaft vereinen und versuchte deshalb die am Bosporus gelegene byzantinische Hauptstadt Konstantinopel zu erobern, woran er scheiterte. Nach dem Tod Simeon I. im Jahr 927 wurden die bulgarischen Angriffe schwächer, so dass die Byzantiner ihrerseits im weiteren Verlauf des Jahrhunderts große Teile Bulgariens erobern konnten. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konnten starke Kaiser und Feldherren zahlreiche Gebiete, die Byzanz in den vorherigen Jahrhunderten verloren hatte, (zurück)erobern. So wurden Bulgarien, Kreta, Zypern und Teile Syriens wieder byzantinisch.

Obwohl im gesamten Jahrhundert Mitglieder der makedonischen Dynastie das Kaiseramt innehatten, wechselten sich zahlreiche Regenten an der Spitze ab. Mehrfach regierten Mitkaiser für die schwachen oder minderjährigen Kaiser der Dynastie. Bei den Kämpfen um die Macht gab es mehrere Bürgerkriege. Die Stellung des Landadels gewann an Bedeutung, was das Themensystem schwächte. In der Konsequenz wurde das stehende Heer teils durch unzuverlässige Söldnerverbände ersetzt.

Dadurch dass die bulgarische und die russische Kirche sie als Oberhaupt anerkannten, erreichten die Patriarchen von Konstantinopel eine über das byzantinische Reich hinausgehende Stellung, was ihre Machtposition auch gegenüber den Kaisern verbesserte.

Muslimische Welt[Bearbeiten]

Das Fatimidenreich in seiner größten Ausdehnung

Anfang des 10. Jahrhunderts steht das muslimische Herrschaftsgebiet von der iberischen Halbinsel bis nach Zentralasien zu großen Teilen nur noch formell unter der Hoheit der abbasidischen Kalifen. Die wirkliche Macht üben zahlreiche muslimische Dynastien über ihre jeweiligen Teilreiche aus. Ausgehend von ihren lokalen Machtbasen stiegen in der ersten Jahrhunderthälfte zwei lokale schiitische Dynastien, die Fatimiden und die Buyiden, erstmals zu den bedeutendsten Regionalmächten der muslimischen Welt auf.

Die Fatimiden stürzten zu Beginn des Jahrhunderts die Aghlabiden und übernahmen von ihnen die Herrschaft über die östlich des Maghrebs gelegene Provinz Ifriqiya. Als Führer der Ismailiten, einem Zweig der schiitischen Ausrichtung des Islam, legitimierten sie ihre Herrschaft, indem sie ihre Abstimmung auf die Tochter des islamischen Propheten Mohammad, Fatima, zurückführten. Damit standen sie nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Opposition zu den abbasidischen Kalifen, die in Bagdad residierten. Sie erklärten sich deshalb selbst zu Kalifen, die danach strebten ihre Rivalen aus Bagdad zu stürzen.[9] Diesem Vorhaben kamen sie näher, indem sie im Jahr 969 die Ichschididen stützten und die Kontrolle über Ägypten erlangten. Im Jahr 973 verlegten sie dorthin ihren Sitz.[10] Dazu gründeten sie eine neue Palaststadt, Kairo. Ihren Herrschaftsbereich konnten die Fatimiden noch auf Palästina und Süd-Syrien ausdehnen, kamen aber nie darüber hinaus. Die Herrschaft über Ifriqiya übergaben sie den Ziriden, die als Vizekönige für sie dort herrschten.

Die schiitische Familie der Buyiden eroberte in der ersten Jahrhunderthälfte vom südpersischen Fars aus ein Gebiet, das große Teile der heutigen Staaten Iran und Irak umfasste. Die von Militärführern abstammende Familie beteiligte mehrere Familienmitglieder unter wechselnder Führung relativ gleichberechtigt an der Herrschaft.[11] Mit der Eroberung Bagdads im Jahre 946 stellten sie zwar die sunnitischen abbasidischen Kalifen unter ihre Kontrolle, ließen aber das Kalifat, trotzdem sie Schiiten waren, bestehen. Bei der Besetzung von Staatsämtern bevorzugten sie jedoch andere Gruppen als die Abbasiden. Im Militär drängten nordiranische Dailamiten die Türken in den Hintergrund und in der Zivilverwaltung wurden mehr nicht sunnitische persische Amtsinhaber beschäftigt.

Der östliche Teil der muslimischen Welt, der große Teile Zentralasiens umfasste, wurde von der Samaniden-Dynastie regiert.[12] Diese sunnitische Dynastie hatte persische Wurzeln. Die ökonomische Basis ihrer Herrschaft war die Landwirtschaft.[13] Wirtschaftlich profitierten sie aber auch von den Fernhandelszentren der Seidenstraße, die in ihrem Machtbereich lagen. Eine effiziente Verwaltung gehörte zu den Stärken der Samaniden.[13] Nach dem Höhepunkt der samanidischen Macht zu Anfang des Jahrhunderts wurden diese zunehmend von internen Rivalen herausgefordert und in der zweiten Jahrhunderthälfte regionalisierte sich zunehmend die Macht. Davon profitierten am Ende des Jahrhunderts die Turkstämme, die von den Dynastien der Ghaznawiden und Karachaniden regiert wurden. Erste stammten von türkischstämmigen Militärsklaven ab, die als Sklaven den Islam annahmen. Letztere konvertierten als Stammesführer zum Islam und standen damit am Anfang einer Welle, in deren Zuge viele Turkstämme zum Islam konvertierten. Am Ende des Jahrhunderts teilten sich beide Dynastien das Reich der Samaniden, der letzten iranisch-stämmigen Dynastie Zentralasiens, auf. Deren Untergang wird als Meilenstein auf dem Weg zur Turkisierung Zentralasiens gesehen.[13]

Die zunehmende Regionalisierung führte zu einer Vervielfältigung der kulturellen Ausdrucksformen in der muslimischen Welt. Im Reich der Buyriden und Samaniden war die islamische Kultur stark von persischen Elementen geprägt. Das (Neu-)Persische setzte sich zuerst in der Dichtung und danach auch in der weltlichen Prosa durch.[14] Schāhnāme, das persische Nationalepos, entstand in dieser Zeit. Die Kalifen, Emire, Wesire und andere Eliten förderten Wissenschaft, Kunst und Kultur. Diese blühten in den städtischen Zentren wie Buchara, Samarkand, Isfahan, Bagdad, Kairo und Qairawān. Die wissenschaftliche Forschung auf den Gebieten Mathematik, Astronomie und Medizin erzielte neue Ergebnisse. Aber auch geschichtliche und philosophische Werke entstanden.

Die fatimidische Al-Hakim-Moschee in Kairo

Obwohl im 10. Jahrhundert große Gruppen zum Islam konvertierten, lebten in der muslimischen Welt noch zahlreiche Anhänger anderer Religionen, wobei ihr Anteil an der Bevölkerung regional sehr unterschiedlich war. Insbesondere in Ägypten war die Mehrheit der Einwohner christlich.[15] Durch religiöse Toleranz der Buyriden und Samaniden konnten die Schiiten in ihren Machtbereichen offen Anhänger werben, was auf große Resonanz stieß. So wurde unter den Muslimen der Anteil der Schiiten größer. Im Gegensatz zu dieser Dynastie von Emiren, verfolgten die fatimidischen Kalifen in ihrem Machtbereich eine aktive Werbung für das schiitische Bekenntnis ismailitischer Prägung. Sie förderten aktiv schiitische Institutionen, organisierten Lehrveranstaltungen über den ismailitischen Islam und versuchten durch Prachtentfaltung zu überzeugen. Dabei praktizierten sie Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen und Religionen. Der Förderung ihrer Auslegung des Islam diente auch die Gründung einer Leeranstalt im Umfeld der von ihnen erbauten Al-Azhar-Moschee.[10] Auch wenn sie durch ihre Anstrengungen in Ägypten größere Gruppen vom ismailitisch-schiitischen Islam überzeugen konnten, so blieb doch die große Zahl der Muslime in Nordafrika sunnitisch.

Trotz der Regionalisierung gab es zwischen den muslimischen Regionen intensive Handelsbeziehungen, die auch den kulturellen Austausch förderten. Ägypten stieg unter den Fatimiden zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Handelszentrum auf. Sie förderten die Infrastruktur und bekämpften die Korruption. Zum wirtschaftlichen Nutzen Ägyptens verlagerte sich in diesem Jahrhundert der Seehandel vom Persischen Golf in das Rote Meer.[10]

Asien[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der Tang-Dynastie war China in mehrere unabhängige Reiche zerfallen. Der Tang-Dynastie folgten in 51 Jahren fünf Dynastien, weshalb die Epoche auch Fünf Dynastien und Zehn Reiche genannt wird. Nachbarreiche, wie den Uiguren, eroberten weitere vormals chinesische Gebiete. Im Jahr 960 stürzte General Zhao Kuangyin die letzte der fünf Dynastien, eroberte bis zum Jahr 979 die übrigen zehn Reiche und begründete die Song-Dynastie, die China bis zum Jahr 1279 regierte. Mit der Song-Zeit begann in China eine Epoche des schnellen wirtschaftlichen Wachstums, des technischen Fortschrittes und der kulturellen Blüte.

Das Reich Balhae, das den äußersten Norden der koreanischen Halbinsel und Teile der Mandschurei umfasste, wurde im Jahr 926 von den Kitan erobert. Den größten Teil teilten sich das Reich Silla und die von ihm abgespaltenen Reiche Goryeo und das späte Baekje-Reich. Im Jahr 936 unterwarf Goryeo die anderen Reiche und beherrschte einen großen Teil der koreanischen Halbinsel. Ein Kaisertum etablierte sich, das sich auf eine nach chinesischem Vorbild organisierte Beamtenschaft stützte. Dennoch spielte die Standeszugehörigkeit, die erblich war, eine große Rolle.[16]

Im letzten Viertel des Jahrhunderts entstand in Japan Genji Monogatari (Die Geschichte des Prinzen Genji), eines der wichtigsten Werke der japanischen Literatur.

In Südostasien bestand das Reich der Khmer in der Region Angkor mit dem Tempelkomplex Angkor Wat.

Amerika[Bearbeiten]

In Mittelamerika herrschte das Reich der Tolteken.

Ereignisse[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

Afrika, Asien und Amerika[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Althoff/ Hagen Keller: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024. 10., völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-608-60003-2 (=Handbuch der deutschen Geschichte. Bd. 3.)
Georeferenzierung Karte mit allen verlinkten Seiten: OSM, Google oder Bing

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 10. Jahrhundert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1.  Angela Schottenhammer: 1000-1250. In: Angela Schottenhammer, Peter Feldbauer (Hrsg.): Die Welt 1000 - 1250 Kontinentale und maritime Vernetzung in der mittelalterlichen Welt. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-322-2, S. 15-25.
  2.  Angela Schottenhammer: Die Song-Dynastie – eine revolutionäre Zeitenwende. In: Angela Schottenhammer, Peter Feldbauer (Hrsg.): Die Welt 1000 - 1250. Mandelbaum Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85476-322-2, S. 62-63.
  3.  Peter Hilsch: Das Mittelalter – die Epoche. 3 Auflage. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2012, ISBN 978-3-8252-3815-5, S. 85-87.
  4.  Peter Hilsch: Das Mittelalter – die Epoche. 3 Auflage. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2012, ISBN 978-3-8252-3815-5, S. 112.
  5.  Johannes Fried: Das Mittelalter. Verlag C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-423-34650-4, S. 117.
  6.  Gerhard Lubich: Das Mittelalter (= Orientierung Geschichte). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76582-6, S. 84.
  7.  Gerhard Lubich: Das Mittelalter (= Orientierung Geschichte). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76582-6, S. 95.
  8.  Hans-Werner Goetz: Europa im frühen Mittelalter 500-1050 (= Handbuch der Geschichte Europas. 2). Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-8252-2427-1, S. 258.
  9.  Heinz Halm: Die Araber. 3 Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-50843-1, S. 65.
  10. a b c  Gudrun Krämer: Geschichte des Islam. Verlag C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53516-X, S. 122 -124.
  11.  Gudrun Krämer: Geschichte des Islam. Verlag C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53516-X, S. 128 und 129.
  12. Webseite des Museums The David Collection, Abschnitt The Samanids (englisch)
  13. a b c  Jürgen Paul: Zentralasien (= Neue Fischer Weltgeschichte. 10). S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-010840-1, S. 141-143.
  14.  Heinz Halm: Die Araber. 3 Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-50843-1, S. 49.
  15.  Heinz Halm: Die Araber. 3 Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-50843-1, S. 54.
  16.  Marion Eggert, Jörg Plassen: Kleine Geschichte Koreas. Verlag C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52841-4, S. 46–49.