Abtsbessingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Abtsbessingen
Abtsbessingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Abtsbessingen hervorgehoben
51.26083333333310.764166666667260Koordinaten: 51° 16′ N, 10° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Kyffhäuserkreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Ebeleben (erfüllende Gemeinde)
Höhe: 260 m ü. NHN
Fläche: 14,09 km²
Einwohner: 497 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 35 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99713
Vorwahl: 036020
Kfz-Kennzeichen: KYF, ART, SDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 65 001
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 2
99713 Ebeleben
Bürgermeister: Benno Erdmann
Lage der Gemeinde Abtsbessingen im Kyffhäuserkreis
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Abtsbessingen ist eine Gemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis. Erfüllende Gemeinde (Verwaltungsort) ist die nahegelegene Stadt Ebeleben. Zu Abtsbessingen gehört der Ortsteil Billeben.

Ostansicht der Kirche St. Crucis
Ehemalige Schule in Abtsbessingen

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Abtsbessingen liegt im nordwestlichen Teil des Thüringer Beckens. Der Ort befindet sich 14 km (Luftlinie) südwestlich von Sondershausen sowie 3,5 km (Luftlinie) südöstlich von Ebeleben.

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Der dörfliche Grundriss bestätigt, dass Abtsbessingen ein Haufendorf ist. Die gesamte Flur beinhaltet 14,09 km². Darin enthalten sind 12,89 km² landwirtschaftliche Nutzfläche.

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 530 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

In und um Abtsbessingen, d.h. in der Umgebung des Hohen Berges und westlich der Ortslage, konnten Fundstellen verschiedener Zeiten festgestellt werden.

Die Besiedlung setzt mit einer linienbandkeramischen Siedlung um 5000 v. Chr. östlich der Ortslage ein. Eine jungsteinzeitliche Besiedlung um 2500 v. Chr. konnte südlich der Straße nach Billeben anhand schnurkeramischer Gräber nachgewiesen werden. Außerdem wurde am ehemaligen LPG-Standort ein Frauengrab mit vier Gefäßen, einem Feuersteinabschlag und einer Feuersteinklinge dokumentiert. Mehrere Fundplätze am Hohen Berg bestätigten Besiedlungen in der Bronze- und Hallstattzeit.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Jahr 876 wurde Abtsbessingen in der Schreibweise Bezzinga erstmals urkundlich in einem Zehntverzeichnis des Klosters Fulda erwähnt. Hierin ist vermutlich der Ursprung der heutigen, seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Ortsbezeichnung zu sehen. Vom 13. bis 16. Jahrhundert trug zudem ein Adelsgeschlecht in verschiedenen Orten der Herrschaft Schwarzburg, vor allem in Berka, den Namen Abtsbessingen. Unter diesen Namensträgern war Cunemund von Berka, 1424 Domherr des Augustiner-Chorherrenstiftes Jechaburg.

Kaiser Otto II. übergab im 979, als seine Tochter Sophia in das Stift Gandersheim eintrat, diesem auch Güter in Abtsbessingen.

Ein in Urkunden genanntes Gut befand sich später zunächst im Besitz der Grafen von Kirchberg. In der Mitte des 13. Jahrhunderts gingen jenes Gut und das Dorf in den Besitz der Grafen von Hohnstein über. Hierbei übertrug Dietrich I. von Hohnstein beides seiner Tochter Sophie als Mitgift, als diese Heinrich III. von Schwarzburg heiratete. Die seinerzeitigen Oberlehnsherren, der Abt von Fulda und der Markgraf von Meißen, belehnten daraufhin Sophie von Schwarzburg mit Gut und Dorf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, der kinderlos blieb, trat sie diesen Besitz an ihren Bruder Heinrich I. von Hohnstein ab. Dieser verpfändete 1339 Abtsbessingen neben anderen Orten an seinen Vetter, den Grafen von Hohnstein und Herren von Wernigerode.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1356 wurde Abtsbessingen schwarzburgisch. Heinrich XXVI. von Schwarzburg wurde 1447 vom Kloster Fulda mit dem Dorf belehnt. Das Gut blieb bis 1772 im Eigentum der Schwarzburger. Sie belehnten 1442 die Herren von Germar, 1489 die Ritter von Ebeleben, 1496 die Herren von Tachrodt, 1567 die Herren von Tettenborn sowie 1728 und 1741 August I. von Schwarzburg-Sondershausen.

Im Dreißigjährigen Krieg überfielen acht königlich-schwedische Reiter 1631 den Ort. Ein Jahr später übernachtete die Frau des schwedischen Königs, Maria Eleonora von Brandenburg, für zwei Nächte in Abtsbessingen.

Im Jahr 1635 fielen fünf Einwohner der Pest zum Opfer.

Ab 1739 stellte in Abtsbessingen auf Betreiben von August I. von Schwarzburg-Sondershausen eine Hochfürstliche Porzellanfabrik vornehmlich Gebrauchs- und Formengeschirr her. Kennzeichnend sind kräftige Scharffeuerfarben auf gelbem und grünem Fond. Das Markensymbol enthält die Gabel aus dem Wappen der Landesherrschaft Schwarzburg-Sondershausen. In der Manufaktur waren u.a. Joseph Philipp Dannhofer aus Wien, Johann Gottfried Kiel und Georg Friedrich Fuchs tätig. Es wurde offiziell bis 1769 produziert. Wenig später soll das Hauptgebäude abgerissen und das Abbruchholz beim Bau der Domäne in Sondershausen wiederverwendet worden sein. In einem Nebengebäude, das 1854 noch existierte, wurden bis 1790 Fayencen hergestellt.

Im 18. Jahrhundert und am Anfang des 19. Jahrhunderts kam es wiederholt zu großen Bränden. Im Jahr 1740 wurden ein Pfarrhaus, die Schule, ein Gut und mehrere Bauernhöfe, 1758 einige Wohnhäuser und 1791 vermutlich durch Brandstiftung ein Freihof zerstört. Ein im Schafstall des Pfarrhauses ausgebrochenes Feuer vernichtete 1801 beinahe das gesamte Dorf.

Im Jahr 1813 befanden sich mehrere Truppen der russisch-preußischen Armee in Abtsbessingen.

Ab 1823 erhielt Abtsbessingen das Recht, zweimal im Jahr einen Markt abzuhalten. Dieses wurde 1830 an Ebeleben verkauft.

Im Ersten Weltkrieg fielen 36, im Zweiten Weltkrieg 45 Männer aus Abtsbessingen.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1995: 597
  • 2000: 568
  • 2005: 548
  • 2010: 522
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 8. Juni 1994 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold ein Abt mit schwarzer Kutte, die Rechte mit zwei ausgestreckten Fingern segnend erhoben und in der Linken einen silbernen Kelch haltend, begleitet oben von zwei blauen Sternen.“

Der Abt steht als redendes Element zur Versinnbildlichung des Ortsnamens; er geht auf eine frühere Siegeldarstellung zurück (bereits 1739). Die blauen Sterne als Beizeichen symbolisieren die beiden Ortsteile der Gemeinde.[3]

Das Wappen wurde von dem Heraldiker Frank Jung gestaltet.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Es besteht eine Partnerschaft mit Lautersheim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Auf den Resten einer Wehrkirche wurde 1703 die St.-Crucis-Kirche erbaut. Sie gilt als das bedeutendste Bauwerk im Ort. Im Inneren findet man einen Kanzelaltar, welcher vom Arnstädter Maler Johann Christoph Meil von 1706 bis 1709 geschaffen wurde. Bemerkenswert ist die Torauffahrt zur Kirche und der mit gut erhaltenen barocken Grabdenkmälern versehene alte Friedhof.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ortsteil Billeben liegt direkt an der Bundesstraße 84. Von dort aus führt eine Landstraße (L 1041) nach Abtsbessingen und weiter bis nach Greußen.

Es gab einen Bahnhof Abtsbessingen-Bellstedt an der Greußen-Ebeleben-Keulaer Eisenbahn, bis der Streckenabschnitt 1968 stillgelegt wurde. Nächster Haltepunkt mit Personenverkehr ist jetzt Hohenebra Ort an der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn, etwa acht Kilometer nordöstlich von Abtsbessingen gelegen.

Wochentags bedienen die Linien 433 und 434 der Regionalbus-Gesellschaft Unstrut-Hainich- und Kyffhäuserkreis Abtsbessingen und Billeben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abtsbessingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler: Abtsbessingen
  3. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 22; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e. V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  4. Dehio, Georg, bearbeitet von Stephanie Eißling, Franz Jäger und anderen Fachkollegen: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Thüringen. Deutscher Kunstverlag, 2003, ISBN 3-422-03095-6, S. 1