Dorf

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Bralitz, ein Dorf in Brandenburg

Als Dorf bezeichnet man eine zumeist kleine Gruppensiedlung mit geringer Arbeitsteilung, die ursprünglich durch eine landwirtschaftlich geprägte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur gekennzeichnet ist. Charakterisierend ist die Landwirtschaft, doch sind auch Fischerdörfer, Flößer- und sogar Wanderhändlerdörfer bezeugt. In Gegenden mit ausgeprägter Heimindustrie gab es beispielsweise Weberdörfer. Töpferdörfer sind dagegen in ihrer jeweiligen Region einzigartig. Etymologisch bedeutet Dorf eine bäuerliche Siedlung.[1]

Kleinere Gruppensiedlungen werden herkömmlich auch als Weiler oder Bauerschaft bezeichnet. Streusiedlungen werden in manchen Gegenden nicht als Dorf bezeichnet, sondern in Nordwestdeutschland als Bauer(n)schaft, am Niederrhein als Honnschaft. Noch kleinere Wohnplätze mit nur ein oder zwei Haushalten werden als Einzelsiedlung, Einzelgehöft, in Süddeutschland und den deutschsprachigen Alpenländern als Einöde oder Einödshof bezeichnet.

Traditionell stellte das Dorf – im Gegensatz zum kleineren Weiler – als Gemeinde der Bauern eine politische Einheit dar. Vor der Schaffung von Gemeinderäten im 19. Jahrhundert gab es im deutschsprachigen Raum den Ortsvorsteher, den Dorfschulzen. Durch die Gebietsreformen der 1970er bis 1990er Jahre sind die meisten Dörfer in Deutschland keine Gebietskörperschaften mehr, sondern wurden zu Ländlichen Gemeinden zusammengefasst oder in benachbarte Städte eingemeindet. Einen Kompromiss mit Resten von Eigenständigkeit der Dörfer stellen die Samtgemeinden dar.

In Bayern gilt gemäß der Entschließung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 18. Oktober 1950 (Nr. I B1 – 68a 1) grundsätzlich jede Ansiedlung mit 10 oder mehr Wohngebäuden, die keine Stadt ist, als Dorf. Größere Dörfer mit stärkerer Arbeitsteilung und einzelnen städtischen Funktionen heißen in Süddeutschland, besonders in Bayern, Markt, in Norddeutschland, besonders in Niedersachsen, Flecken, auch Marktflecken.

In Österreich ist ein Dorf ebenfalls ein geschlossener Ort mit 10 oder mehr Gebäuden.[2] Kleinere geschlossene Orte werden als Weiler, verstreute Siedlungen als Rotte oder Zerstreute Häuser klassifiziert.

In Ländern wie Frankreich, der Schweiz und Namibia sind sehr viele Dörfer nach wie vor eigene Gebietskörperschaften.

Archäologie des Dorfes[Bearbeiten]

Dorfgründung im Mittelalter (Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels)

Seit dem Frühneolithikum sind Siedlungen bekannt, die sich durch eine Ansammlung gleichzeitiger Häuser, einer ökonomischen Grundlage in der Landwirtschaft und gemeinsamen Einrichtungen auszeichnen. Nach einer Definition des Dorfes, die auf ebendiese Kriterien abzielt, ist das „Dorf“ somit eine grundlegende Siedlungsform der Agrarkultur. Vorläufer des Dorfes ist der von Jägern und Sammlern mitunter nur saisonal aufgesuchte Wohnplatz. Gleichwohl sind in den Jahrtausenden der Vorgeschichte und des Mittelalters einige Veränderungen des Dorfes zu beobachten. Bedeutend scheint etwa die Entwicklung von der Tellsiedlung die in Südosteuropa bis in den Donauraum verbreitet ist, zur Reihensiedlung und am Übergang zum Mittelneolithikum zur Streusiedlung mit lockerer, aber einheitlich orientierter Bebauung. Hier mögen kulturelle, soziale und wirtschaftliche Umwälzungen im Hintergrund stehen.

Vor allem ist zu fragen, wann jene Dörfer entstanden, die die heutige mitteleuropäische Siedlungslandschaft prägen (Problem der „Dorfgenese“). Die ältere Lehrmeinung ging davon aus, dass das „Dorf“ eine typisch germanische Siedlungsform sei und in Westdeutschland auf die germanische Landnahme der Völkerwanderungszeit, im Osten aber auf die deutsche Ostsiedlung zurückgehe. Archäologische Zeugnisse zeigen jedoch, dass bis weit ins Mittelalter das ländliche Siedlungsgefüge bedeutenden Veränderungen unterworfen war. Die klassischen Dorfformen Mitteleuropas sind oft nur Sekundärformen, die sich durch Siedlungskonzentrationen und -verlagerungen, aber auch durch komplette innere Umstrukturierung älterer Siedlungen entwickelten. Eng verbunden mit der Dorfgenese ist die Gemeindebildung, wie sie sich in schriftlichen Quellen fassen lässt und derzeit vorrangig ins 12./13. Jahrhundert datiert wird.

Historisch gewachsene Dorfformen[Bearbeiten]

Nach Grundriss, Lage, sozialökonomischer Funktion und Wirtschaftsweise werden Dörfer klassifiziert. Reine Dorfformen sind kaum noch anzutreffen. Auf Besonderheiten, und Parallelen wird in den einzelnen Artikelabschnitten eingegangen. Spätestens im 20. Jahrhundert traten in deutschen Dörfern Zersiedelungsprozesse ein, wurden Flure bereinigt und Felder zu großen Schlägen zusammengelegt („Verkoppelung“).

Im Zusammenhang mit den Dorfformen stehen die Flurformen. Zu den häufigsten Dorfformen gehören die Haufen-, die Reihen- und die Straßendörfer.

In manchen Teilen Amerikas, Australiens und Afrikas überwiegen Einzelsiedlungen. Die Dorfbildung in Mitteleuropa begann in der Jungsteinzeit mit den ersten Ackerbauern. Die Dörfer entstanden, wenn selbstständige, aber gewöhnlich untereinander verwandte Familien ohne gemeinsames Oberhaupt beieinander siedelten.

Grob unterscheidet man nach ungeregelten und geregelten Dorfanlagen, wobei letztere nur bei gelenkter und durchdachter Planung (Kolonisation) vorkommen.

Geschlossene Dorfformen[Bearbeiten]

Das Haufendorf Heudorf bei Meßkirch, um 1575

Haufendorf [Bearbeiten]

Ein Haufendorf ist ein geschlossen bebautes Dorf mit unregelmäßigen Grundstücksgrundrissen und häufig unterschiedlich großen Höfen, meist von einem Ortsetter umgeben. Haufendörfer unterscheiden sich von den meisten anderen Dorfformen dadurch, dass sie unplanmäßig angelegt wurden. Ein großer Teil der Haufendörfer entstand im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Gewanneflur, bei der jeder Bauer Streifen verschiedener Felder bewirtschaftete und sich die Lage dieser Feldstreifen auch immer wieder änderte. Die Gemarkung solcher Dörfer gliederte sich in Dorfkern, Ackerflur und Allmende.

Vereinfachtes Beispiel eines Straßendorfes mit Gabelung

Straßendorf[Bearbeiten]

Ein Straßendorf ist ein lineares, meist doppelzeiliges Dorf, dessen Häuser bzw. Gehöfte eine Straße (vorzeitlich eine Trasse) in dichter Anordnung säumen. Typischerweise sind die heutigen Einzelhäuser bzw. Gehöfte giebelständig zur Straße angeordnet. Eine von der Hauptstraße abzweigende Straße ist oft eine Sackgasse.

Angerdorf[Bearbeiten]

Ein Angerdorf ist ein Dorf, dessen hervorstechendes Merkmal der Anger, ein im Gemeindebesitz befindlicher zentraler, gestreckt runder Platz mit zumeist einem Teich (Löschwasserteich) oder Brunnen ist. Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf Grundmoränenplatten und in Lößgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.

Goldenbow, Angerdorf in Mecklenburg-Vorpommern

Straßenangerdorf[Bearbeiten]

Das Straßenangerdorf ist ein Straßendorf, dessen Dorfstraße sich an einer Stelle oder auch in größerer Länge zu einem Anger weitet und dann weiterläuft. Im deutschen Sprachraum sind Angerdörfer typisch für Nordostösterreich und Teile der Mark Brandenburg. Auch in Nordengland, sowie in Frankreich im Barrois gibt es Angerdörfer.

Rundling, Rundplatzdorf, Rundweiler[Bearbeiten]

Vereinfachtes Beispiel eines Rundplatzdorfes mit einer Zuwegung

Ein Rundling, Rundplatzdorf oder auch regional Rundweiler genannt, ist eine ländliche Siedlung in Rundform, deren Verbreitung sich im Wesentlichen auf den einstigen deutsch-slawischen Grenzraum: westlich und östlich der Saale und Elbe, z. B. im Hannoverschen Wendland beschränkt. Sie zählen sämtlich zu den Platzdörfern. Rundlinge liegen häufig auf Spornen, die in die Niederungen der Urstromtäler hineinragen. Der Platz in der Mitte ist ursprünglich nur über einen Weg an das allgemeine Verkehrsnetz angeschlossen. Um den Platz sind wenige Bauernhöfe angeordnet. Daran schließt sich eine Streifengemengeflur an. Es ist ungeklärt, ob die Rundform aus Sicherheitsgründen oder in Anpassung an die vorwiegende Viehwirtschaft gewählt wurde.

Ein typisches Beispiel ist Bugk, (slaw. „bug“ oder „buk“, dt. „Buche“), im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Aus einem Wegestern entstanden, auf einer kaum wahrnehmbaren Anhöhe in feuchtem, sumpfigen Gelände gelegen, stellt der Ortskern ein slawisches Rundplatzdorf dar.

Eine Besonderheit stellt das Wurtendorf dar. Es gehört zu den Siedlungen, deren Gehöfte auf einen zentralen (Dorf-)Platz ausgerichtet sind. Das Wurtendorf entstand in der Regel auf einem von Menschen aufgeschütteten Erdhügel, der als Siedlungsplatz für eine Einzel- oder Gruppensiedlung dient. Der Hügel sollte das Dorf vor Sturmflut bzw. Hochwasser schützen. Dieser Siedlungstyp kommt vor allem an den Marschenküsten vor, mitunter auch an Flussläufen. Wurtendörfer entstanden vor allem im 7. und 8. Jahrhundert. Siehe: Geschichte der Besiedlung der Marschen.

Rundlinge sind slawischen Ursprungs und häufig in Ostdeutschland anzutreffen.

Surrein als Reihendorf ist am Vorderrhein in der Surselva (Tal) gebaut

Reihendorf[Bearbeiten]

Reihendörfer entstehen durch den Bau einer Siedlung entlang eines langgestreckten topografischen Objektes wie Bach, Graben oder Deich. Liegt die Siedlung dagegen entlang einer Straße oder einem Weg, spricht man von einem Straßendorf.

Reihendörfer und Straßendörfer bieten oft die Möglichkeit die Siedlung an beiden Enden zu erweitern.

Zeilendorf[Bearbeiten]

Ein Zeilendorf besteht aus einer Häuser- oder Hofzeile, die regelmäßig und linear aneinander gereiht ist.

Kolonistendörfer in Brandenburg[Bearbeiten]

Die Brandenburger Kolonistendörfer entstanden nach 1157 im Zuge der von Albrecht dem Bären und seinem Sohn Otto I. betriebenen Ansiedlungspolitik. Die beiden ersten brandenburgischen Markgrafen versuchten mit dieser Politik erfolgreich, die 1157 eroberte und gegründete Mark Brandenburg, die noch in weiten Teilen von Slawen bewohnt war, zu christianisieren und zu stabilisieren. Die Kolonisten kamen überwiegend aus der Altmark und aus Flandern. Die Dörfer wurden in der Regel als Reihendorf oder Rundling mit Wald-, Wiesen- und Ackerhufen angelegt, vereinzelt gab es dreieckige Sackgassendörfer wie Gröben bei Ludwigsfelde. Ein typisches Beispiel ist Elsterwerda.

Offene Dorfformen[Bearbeiten]

Bei offenen Dorfformen war die Möglichkeit des gegenseitigen Schutzes der Dörfler, aber auch die Gefahr einer Brandkatastrophe geringer als bei geschlossenen. Wo jeder Bauer dauerhaft eine möglichst zusammenhängende Nutzfläche bewirtschaftet, verkürzt es die mit dem Arbeitsalltag verbundenen Wege, wenn das Gehöft am Rand oder inmitten der Nutzfläche steht.

Bei der planmäßigen Urbarmachung nicht oder kaum landwirtschaftlich genutzter, vielfach waldbestandener Gebiete bekam jeder Bauer dauerhaft eine zusammenhängende Fläche zugeteilt, die Hufe. So entstanden z. B. die Waldhufendörfer östlich der Saale.

Streusiedlung[Bearbeiten]

Vereinfachtes Beispiel einer Streusiedlung

Eine Streusiedlung ist eine nicht geschlossene Siedlung, die aus weit auseinanderliegenden Bauernhöfen und Weilern ohne eigentlichen Ortskern besteht. Ein typisches Streusiedlungsgebiet ist das Münsterland. Ferner kommen Streusiedlungen des Öfteren im Schwarzwald vor und sind oft durch spontane Besiedlung zustande gekommen. Eine Streusiedlung ist nicht planmäßig geordnet. Streusiedlungen sind auch die typische Siedlungsform der Walserkolonien in den Alpen. Zwischen Weser und Ems war Streusiedlung seit jeher verbreitet. In Teilen des Allgäus dagegen wurde sie erst in der frühen Neuzeit eingeführt, um die Erträge der Landwirtschaft zu verbessern.

Große Teile Kanadas und der USA bestehen aus Streusiedlungen.

Moorhufendorf[Bearbeiten]

Beim Moorhufendorf handelt es sich um eine planmäßig angelegte Reihensiedlung des 16. und 17. Jahrhunderts. Das Moorhufendorf hat in der Regel eine Breitstreifenflur (Flurformtyp, bei dem Streifen von ca. 50–800 m Breite dominieren). Die Grenzen der Breitstreifen bilden Entwässerungsgräben. Vielfach in den Niederlanden zu finden.

Marschhufendorf[Bearbeiten]

Ein Marschhufendorf ist ein Reihendorf in Marschgebieten längs eines Entwässerungskanals. Der Landbesitz schließt in gereihten Längsstreifen an die Hofanlagen an. Marschhufendörfer gibt es besonders in den Niederlanden und etwa seit dem 10. Jahrhundert in Norddeutschland in den Gebieten, in denen die Niederländer an der Entwässerung mitwirkten.

Waldhufendorf[Bearbeiten]

Als Waldhufendörfer werden planmäßig angelegte Siedlungen des Mittelalters bezeichnet, die durch (und zur) Rodung angelegt wurden und die, ausgehend von den badischen, schwäbischen und fränkischen Gebieten in Süddeutschland, bei der Kolonisierung in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schlesien sowie teilweise auch Brandenburg und im nördlichen niederösterreichischen Waldviertel eine wichtige Rolle spielten.

Hagenhufendorf[Bearbeiten]

Hagenhufendorf

Ein Hagenhufendorf oder Bachhufendorf ist eine langgestreckte Siedlung, ähnlich dem Reihendorf, entlang einer Straße, die parallel zu einem Bach verläuft, wobei die Straße nur einseitig bebaut wird, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite die zu den Höfen gehörenden handtuchförmigen Ackerflächen von 20 bis 40 Morgen, die Hufe, liegen.

Die eingehägten Grundstücke dienen als Bauerngarten und zur Kleintierhaltung. Der rückwärtig angrenzende Bach liefert das nötige Wasser. Idealerweise gibt es noch einen nahegelegenen Wald zur Brennholz- und Nutzholzgewinnung.

Siedlungen an Kristallisationspunkten[Bearbeiten]

Kirchdorf[Bearbeiten]

In Gegenden mit traditioneller Streusiedlung ließen sich neben einer Kirche gerne Menschen nieder, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nicht nur mit Landwirtschaft verdienten.

Marktflecken[Bearbeiten]

Wo in verkehrsgünstiger Lage regelmäßig Märkte stattfanden, was in der Feudalzeit nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis möglich war, siedelten sich außer Händlern gerne auch Handwerker an. So entstanden Siedlungen, die nicht selten größer waren als reine Bauerndörfer. Etliche Marktflecken erhielten später Stadtrechte.

Eisenbahnsiedlung[Bearbeiten]

Die Eisenbahnsiedlungen entstanden vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Voraussetzung war das Vorhandensein von Eisenbahnhaltepunkten und ihr netzmäßiger Ausbau als Komponente der Infrastruktur.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Durch die Rationalisierung der Landwirtschaft und anderer Erwerbszweige, größere Mobilität und als Reaktion auf die Gebietsreform hat das Dorf in den letzten Jahrzehnten viel von seiner früheren Bedeutung verloren. Trotzdem betonen viele Orte und Ortsteile gerne ihren dörflichen Charakter, sowohl für ihre Einwohner als auch für Auswärtige. Darüber hinaus werden manche neuen Siedlungen oder auch Einrichtungen als Dorf bezeichnet, um ihre Überschaubarkeit oder ihre Abgrenzung von einer umgebenden Großstadt zu betonen.

Überkommene Dörfer, mit (touristischer) Vermarktung einer besonderen Tradition, eines politischen Anspruchs oder anderer Besonderheiten
„Dörfer“ für den vorübergehenden Aufenthalt bestimmter Personengruppen
Vom Umfeld abgegrenzte Bauweise
Zumeist nicht (mehr) bewohnt

Soziale Strukturen, Soziologisches[Bearbeiten]

charakteristisch für viele Dörfer: Kriegerdenkmal, hier Biesenbrow in der Uckermark

Hierarchie (historisch)[Bearbeiten]

In der sozialen dörflichen Hierarchie standen die wohlhabenden Bauern (auch der Pfarrer und der Richter oder der Lehrer) an der Spitze. Der Besitz von Pferden stellte den höchsten Reichtum dar (fast Luxus: Das Pferd frisst, was es einbringt), so dass man die Gespannbesitzer von den Kuhbauern unterschied. Pferde konnten sich meist nur die sogenannten Vollbauern (Hufner) leisten. Daneben gab es landwirtschaftliche Kleinbetriebe (Häusler, Kötter, Seldner…), die über die Nutzung des eigenen Landes hinaus freie Arbeitskraft für die Vollbauern bereitstellten, sowie bis in die 1970er Jahre die traditionellen dörflichen Handwerks- und Dienstleistungsberufe Müller, Grobschmied, Stellmacher (bearbeitet die horizontalen Flächen einer Transporteinheit – Holz Gestell), Wagner (beschäftigt sich in der Regel ausschließlich mit der Herstellung der Räder eines Wagens), Gastwirt (Krüger), aber eben auch Bäcker, Fleischer, Tischler, Zimmermann, Dachdecker. 2004 sind einige davon in der Bundesrepublik Deutschland aus dem Dorf praktisch verschwunden, zusammen mit dem Einzelhandelsgeschäft (Gemischtwarenladen), der Post(halterei). Das ebenso wie das ländliche Hofgesinde (Knecht und Magd), und zuunterst in der Rangordnung die Dorfarmen und -irren. Der Großteil der Beschäftigten ist außerhalb der Landwirtschaft tätig und meist in den nächstgelegenen Städten oder zentralen Orten. Im Gegenzug entstanden in den Dörfern neue Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe (Elektriker- und Reparaturwerkstätten, Fuhrbetriebe, Tankstellen).

Eine ausführliche Hofgeschichte der Hüfner (Vollbauern), Kossäten (Gärtner) und Büdner (Häusler) wie auch die Entwicklung der beiden dörflichen Wassermühlen, der Schmiede, Ziegeleien und Kleingewerbe stellt das Brandenburgische Dorf Gömnigk dar.

Dorfgemeinschaft[Bearbeiten]

Eine Dorfgemeinschaft zeichnet sich aus durch soziale Beziehungen (Nachbarschaftsbeziehungen, soziale Kontrolle), feste Strukturen und Normen (Sitten, Brauchtum, Feste, Vereinswesen) bis hin zur ländlichen Architektur, Bekleidung, Nahrung usw. Auch die Entwicklung der Bevölkerung blieb an die verfügbare Nutzfläche gebunden. Das Gleichgewicht wurde dadurch aufrechterhalten, dass ein Teil der Bevölkerung keine Familien gründete oder auswanderte. Mit beginnender Industrialisierung fand der nichtbäuerliche Teil der dörflichen Bevölkerung durch Heimarbeit eine zusätzliche Einnahmequelle. In Südwestdeutschland wurde durch eine breitgestreute Ansiedlung kleinerer Industriebetriebe relativ früh eine größere Zahl außerlandwirtschaftlicher Dauerarbeitsplätze geschaffen. Heute bildet das landwirtschaftlich bestimmte Bauerndorf die Ausnahme.

Soziologisch wird das Dorf empirisch vor allem in der Gemeinde- und Agrarsoziologie untersucht (teilweise in der Entwicklungssoziologie), konzeptionell ist dafür besonders auf den Begriff „Gemeinschaft“ zu verweisen.

Dorfentwicklung und -sicherung[Bearbeiten]

Dörfer unterliegen momentan einem starken strukturellen Wandel. Aufgrund des Aussterbens der kleinbäuerlichen Dorfkultur entfällt die Landschaftspflege besonders in abgelegeneren Orten. Während die zumeist ältere landwirtschaftlich tätige Generation ausstirbt, erwirtschaftet die Mehrheit der Dorfbewohner ihr Einkommen als Pendler in den mehr oder weniger nahe liegenden Ballungsgebieten. Daher werden zur Sicherung des gewachsenen Landschaftsbildes verschiedene Anstrengungen unternommen. Mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis und dem Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sollen die Bewohner der Dörfer durch Anregung des Bürgerengagements die Lebensqualität erhalten oder verbessern. Unterstützt werden diese Bemühungen beispielsweise mittels Programmen zur Dorferneuerung. In Bezug auf die Agenda 21 erhofft man sich davon zumindest den Erhalt des Landschaftsbildes.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literaturhinweise[Bearbeiten]

  • Herbert Jankuhn, Rudolf Schützeichel, Fred Schwind (Hrsg.): Das Dorf der Eisenzeit und des frühen Mittelalters. Siedlungsform – wirtschaftliche Funktion – soziale Struktur. Vandenhoeck & Rupprecht (= Abh. Akad. Wiss. Göttingen, Phil.-Hist. Kl. 3; 101), Göttingen1977.
  • Anneliese Krenzlin: Beiträge zur Kulturlandschaftsgenese in Mitteleuropa. Gesammelte Aufsätze aus vier Jahrzehnten (hrsg. von Hans-Jürgen Nitz und Heinz Quirin), Wiesbaden 1983.
  • W. Rösener u. a.: Dorf. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3, Artemis & Winkler, München/Zürich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 1266–1312.
  • Gerhard Stenzel: Das Dorf in Österreich, mit Photos von Lothar Beckel und Lorenz Schönemann. Kremayr & Scheriau, Wien 1985.
  • Henning Schöpke-Papst: Dörfer in Deutschland. Braunschweig 1989.
  • Werner Rösener: Bauern im Mittelalter. 4., unveränd. Aufl., C.H. Beck, München 1993. ISBN 3-406-30448-6.
  • Cay Lienau: Die Siedlungen des ländlichen Raumes. 3. Aufl. Braunschweig 1997.
  • Rainer Schreg: Dorfgenese in Südwestdeutschland. Das Renninger Becken im Mittelalter. Theiss (= Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg; 76/2006), Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8062-2066-7.
  • Rainer Schreg: Die Archäologie des mittelalterlichen Dorfes in Süddeutschland. Probleme – Paradigmen – Desiderate. In: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 24/2007, S. 141–162.
  • Hansjörg Küster: Hat das Modell Dorf noch eine Zukunft?. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2012 (Hrsg: Heimatbund für das Oldenburger Münsterland), Vechta 2011, S. 204–216, ISBN 978-3-941073-10-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Dorf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Dorf – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden - Deutsches Universalwörterbuch, Stichwort Dorf
  2. Statistik Austria (Hrsg.): Ortsverzeichnis Tirol 2001. Wien 2005, S. 20 (PDF; 3,2 MB)