Andenhausen

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50.66861111111110.075833333333560Koordinaten: 50° 40′ 7″ N, 10° 4′ 33″ O

Andenhausen
Wappen von Andenhausen
Höhe: 560 m ü. NHN
Fläche: 1,54 km²
Einwohner: 204 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 31. Dezember 2013
Postleitzahl: 36452
Vorwahl: 036964
Andenhausen (Thüringen)
Andenhausen

Lage von Andenhausen in Thüringen

Stadtteile der Stadt Kaltennordheim

Stadtteile der Stadt Kaltennordheim

Andenhausen ist ein Stadtteil der Stadt Kaltennordheim im Wartburgkreis in Thüringen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Andenhausen befindet sich im südlichen Teil der Thüringischen Rhön. Der Ort ist der kleinste Stadtteil der Stadt Kaltennordheim sowohl hinsichtlich der Fläche als auch der Einwohner. Andenhausen bildet den nordwestlichen Teil der Stadt und grenzt als einziger Stadtteil an das hessische Tann (Rhön).

Oberhalb von Andenhausen befindet sich der 628 m hohe Katzenstein mit dem gleichnamigen Berghotel. Es ist der höchstgelegene Ort im Schmerbachtal.

Geschichte[Bearbeiten]

1185 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit war es fuldischer Besitz. Von 1274 bis 1583 gehörte Andenhausen zur Grafschaft Henneberg (Amt Fischberg), die Landesherren veranlassten die Einführung der Reformation. Im Ort bestimmten die Herren von der Tann als Grund- und Gerichtsherren. Die evangelische Kirche von Andenhausen wurde 1757 erbaut, sie gehörte als Filial zur Pfarrei Fischbach/Rhön.

Südlicher Ortseingang

Mit großer Not hatten die Bauern wegen der rauen klimatischen Bedingungen häufig zu rechnen, Unwetter und Missernten führten regelmäßig zu Hungersnöten, Andenhausen war auch ein Zentrum der Hexenverfolgung.[1]

Im Dreißigjährigen Krieg fielen die Croaten Isolanis mehrfach plündernd über die wehrlose Bevölkerung der Rhön her, Andenhausen blieb davon meist verschont.[2] Mit dem Aussterben der Henneberger 1583 entspannen sich zwischen den Erbfolgern, den sächsischen Herzögen und der Fürstabtei Fulda, ausgedehnte Streitigkeiten um einige Teile der Vorderrhön, die erst im Jahre 1764 ihren Abschluss fanden. Nach der Auflösung der weltlichen Herrschaft Fuldas im Jahre 1802 und im Ergebnis des Wiener Kongresses 1814/15 wurden die Grenzen zwischen Thüringen, Hessen und Bayern festgelegt. Zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörten neben den ehemals hennebergischen Ämtern Kaltennordheim und Lichtenberg auch die vordem fuldaischen Ämter Fischberg und Geisa sowie das zuvor hessische Amt Vacha.[3]

1879 wurden, basierend auf der Volkszählung von 1875 statistische Angaben zum Ort publiziert. Andenhausen hatte in diesem Jahr 53 Wohnhäuser mit 287 Einwohnern. Die Größe der Flur betrug 148,2 ha davon Höfe und Gärten 5,3 ha, Wiesen 41,8 ha, Ackerfläche 69,9 ha. Wald 3,7 ha, Teiche, Bäche und Flüsse 0,02 ha, auf Wege, Triften, Ödland und Obstbauplantagen entfielen 22,2 ha. Das Dorf hatte einen Viehbestand von einem Pferd, 129 Rindern, 81 Schafen, 40 Ziegen und 19 Schweinen. Eine Amtsbeschreibung berichtet schon 1712: Das Dorf hat 12 Wohnhäuser; wegen der steinigen Gegend ist die Flur ziemlich dürr und mager, die Wiesen meistenteils nicht beim besten. Die Mehrzahl der Bewohner war als Korbmacher, Muldenhauer, Holzschuhmacher und Scherenschleifer tätig. Zum Ort gehörte auch die Lättenmühle.[2]

ehemalige Gemeindeverwaltung
Das Wirtshaus Zur Tanne

In den 1930er Jahren bemühten sich die Nationalsozialisten auch in der Rhön Einfluss zu gewinnen. Die thüringische Landesregierung wurde beauftragt, durch Arbeitsbeschaffungsprojekte die Not der Bevölkerung zu lindern. Man ließ mit großem propagandistischem Aufwand Wohnsiedlungen anlegen, Zufahrtsstraßen und Feldwege ausbauen, Äcker entsteinen und Wälder aufforsten. Als weithin sichtbares Zeugnis wurde der Burggasthof am Katzenstein 1937 als Schulungsheim errichtet. In unmittelbarer Nähe wurde 1936 der Burgbauernhof am Katzenstein zur Versorgung des Hotels mit Lebensmitteln erbaut und im Nachbarort Empfertshausen eine Fachschule für das traditionelle Schnitzer-Handwerk errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Andenhausen als Grenzgemeinde bis zur Wende 1989 im Sperrgebiet der Innerdeutschen Grenze und war nur mit Passierschein zu erreichen. Rings um den Ort entstanden Grenzbefestigungsanlagen. Das Hotel am Katzenstein wurde von der DDR-Regierung beschlagnahmt und als Ferienheim der Staatsmacht genutzt. Im Jahr 1955 lebten im Ort 318 Einwohner.[4] 2013 wurde Andenhausen nach Kaltennordheim eingemeindet, die Verwaltungsgemeinschaft Oberes Feldatal wurde gleichzeitig aufgelöst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Dorfkirche

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Evangelische Fachwerkkirche von 1757
  • Dorfbackhaus im Oberdorf

Gedenkstein[Bearbeiten]

An der Ortsverbindungsstraße Andenhausen-Theobaldshof befindet sich ein Denkmal zur Grenzöffnung am 27. November 1989 und die Gedenkstelle für das hier in den 1960er Jahren zerstörte Bauerngehöft Mückenhof.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Andenhausen ist über die Bundesstraßen Bundesstraße 285 Abzweig Richtung Tann (Rhön), und der Bundesstraße 278 Abzweig Richtung Kaltennordheim zu erreichen. Die nächsten Autobahnanschlüsse sind: A 71 Meiningen-Süd, A 71 Mellrichstadt, A 4 Eisenach-West, A 7 Hünfeld-Schlitz, A 7 Fulda-Mitte. Die nächsten Bahnhöfe sind nach Stilllegung der Ulstertalbahn und der Feldatalbahn die Bahnhöfe Bad Salzungen, Meiningen, Fulda, Hünfeld und Eisenach.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harry Gerlach: Die Hexenlinde auf der Klingser Hut. In: Das verwunschene Schloss. Heimat- und Sagenbuch der thüringischen Rhön. Meiningen 1987. S.30
  2. a b C. Kronfeld, Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Teil. Weimar 1879. S.74.
  3. Gerd Bergmann Das Eisenacher Land und seine wechselnden Ausdehnungen im Laufe der Zeiten In: EP Report 2 - Heimatblätter des Eisenacher Landes, Marburg 1992, ISBN 3-924269-94-7, S. 60-64.
  4.  Paul Luther, Rat des Kreises Bad Salzungen, Abt. Volksbildung (Hrsg.): Materialien für den Heimatkundeunterricht - Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl. Bad Salzungen 1959, Struktur vom Bezirk Suhl (Übersicht der Orte und Einwohnerzahlen der Landkreise), S. 5–11.
  5.  Klaus Schmidt: Der Wartburgkreis. Natur und Landschaft. In: Wartburgkreis (Hrsg.): Naturschutz im Wartburgkreis. 7, Druck und Verlagshaus Frisch, Eisenach und Bad Salzungen 1999, S. 95.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien