Sachsen-Weimar-Eisenach

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Sachsen-Weimar-Eisenach
Wappen Flagge
Wappen Flagge1813–1897

Flagge 1897–1918

Lage im Deutschen Reich
Deutsches R Weimar-Eisenach.png
 
Landeshauptstadt Weimar
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt Großherzog
Dynastie Ernestiner
Bestehen 17411918
Fläche 3610 km²
Einwohner 417.149 (1910)
Bevölkerungsdichte 116 Einwohner/km²
Entstanden aus Sachsen-Weimar; Sachsen-Eisenach
Aufgegangen in Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach
Stimmen im Bundesrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen S
Karte
Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
Wappen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach

Sachsen-Weimar-Eisenach war ein ernestinisches Herzogtum im heutigen Thüringen und ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Die Hauptstadt war Weimar. Es entstand 1741, als das Herzogtum Sachsen-Eisenach an das Herzogtum Sachsen-Weimar fiel. 1809 wurden Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar unter Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach per Verfassung auch staatsrechtlich zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vereinigt, regiert vom Haus Sachsen-Weimar.

Auf dem Wiener Kongress erlangte das Herzogtum 1815 den Status eines Großherzogtums; ab 1903 bezeichnete es sich als Großherzogtum Sachsen.[1][2]

Geografie[Bearbeiten]

Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zerfiel in drei große Gebietsteile, die die damaligen Kreise bildeten, sowie einige Enklaven. Angrenzende Staaten waren Preußen, Sachsen, Bayern, Hessen-Kassel (bis 1866, danach preußische Provinz Hessen-Nassau), sowie alle thüringischen Staaten (drei sächsische Herzogtümer sowie beide Reuß und beide Schwarzburg).

Der Weimarer Kreis war im Norden flach und lag im Thüringer Becken, der südliche und der östliche Kreisteil lagen auf der Ilm-Saale-Platte und im Saaletal. Der Eisenacher Kreis war im Norden hügelig (Hörselberge und Hainich), darauf folgte das Hörseltal mit der Stadt Eisenach, südlich dann der Thüringer Wald, dahinter das Tal der Werra, die Kuppenrhön und schließlich ganz im Süden die Rhön. Der Neustädter Kreis liegt im Hügelland mit Höhen zwischen 200 und 400 Metern.

Die wichtigsten Flüsse im Staatsgebiet waren die Saale durch Jena im Osten, die Werra durch Vacha und an Eisenach vorbei mit ihren Nebenflüssen Felda und Ulster im Westen, die Unstrut in den Enklaven Allstedt und Oldisleben im Norden, die Weiße Elster durch Berga/Elster im äußersten Osten und schließlich die Ilm durch Ilmenau und die Hauptstadt Weimar sowie Apolda in der Mitte. Nach ihr nannte der in Sachsen-Weimar-Eisenach als Regierungschef tätige Goethe Weimar auch das "Ilm-Athen". Die höchsten Erhebungen im Lande waren der Kickelhahn bei Ilmenau (861 Meter ü. NN.), der Ellenbogen in der Rhön (814 Meter ü. NN.), der Ettersberg bei Weimar (477 Meter ü. NN.).

Im Jahre 1895 bestand das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach aus drei Kreisen:

Kreis Fläche
in km²
Einwohner Städte Exklaven
Weimarer Kreis 1.752,59 191.975 Weimar, Apolda, Jena, Ilmenau, Allstedt, Rastenberg, Buttstädt, Buttelstedt, Neumark, Dornburg, Bürgel, Lobeda, Bad Sulza, Magdala, Bad Berka, Blankenhain, Remda, Kranichfeld und Tannroda Ilmenau, Bösleben, Klein Kröbitz, Allstedt und Oldisleben
Eisenacher Kreis 1.214,03 95.226 Eisenach, Creuzburg, Berka/Werra, Ruhla, Vacha, Stadtlengsfeld, Geisa, Ostheim vor der Rhön und Kaltennordheim Seebach, Ostheim vor der Rhön und Zillbach
Neustädter Kreis 628,71 52.016 Neustadt an der Orla, Triptis, Auma, Weida und Berga/Elster Russdorf, Teichwolframsdorf und Förthen

Des Weiteren waren die Kreise Weimar und Eisenach jeweils in zwei Verwaltungsbezirke unterteilt. Im Falle von Weimar waren dies: Weimar und Apolda, im Falle von Eisenach waren dies Eisenach und Dermbach. Insgesamt lagen 31 Städte und 594 Gemeinden im Großherzogtum. Die Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach verliehen drei Orten im Staat die Stadtrechte: nämlich Berka/Werra (Eisenacher Kreis, 1847), Ruhla (Eisenacher Kreis, 1886, gemeinsam mit dem Gothaer Herzog) und Münchenbernsdorf (Neustädter Kreis, 1904).

Im Jahr 1840 hatten 13 Orte (alle mit Stadtrecht) über 2.000 Einwohner. In den 70 Jahren der Industrialisierung bis 1910 gestaltete sich die Bevölkerungsentwicklung der größten Orte in Sachsen-Weimar-Eisenach unterschiedlich. Die sieben größten Städte wuchsen zu Industriestädten heran, während die mittleren Landstädte durch Abwanderung teilweise sogar Bevölkerung verloren. Besonders drastisch sank die Bevölkerung Stadtlengsfelds, da nach der jüdischen Emanzipation die große jüdische Gemeinde Stadtlengsfelds in größere Städte abwanderte.

Stadt Einwohner
1. Dez. 1840
Weimar 11.444
Eisenach 9.377
Jena 5.949
Neustadt an der Orla 4.154
Apolda 4.128
Weida 3.756
Ilmenau 2.721
Allstedt 2.507
Ostheim vor der Rhön 2.497
Stadtlengsfeld 2.239
Vacha 2.239
Buttstädt 2.164
Creuzburg 2.103
Stadt Einwohner
1. Dez. 1910
Veränderung
seit 1840
Jena 38.487 + 547 %
Eisenach 38.362 + 309 %
Weimar 34.582 + 202 %
Apolda 22.610 + 448 %
Ilmenau 12.202 + 348 %
Weida 9.036 + 141 %
Neustadt an der Orla 7.095 + 71 %
Allstedt 3.353 + 34 %
Buttstädt 2.843 + 32 %
Ostheim vor der Rhön 2.277 – 9 %
Vacha 2.240 0 %
Creuzburg 2.062 – 2 %
Stadtlengsfeld 1.593 – 29 %

Außerdem lagen 1910 im Vergleich zu 1840 folgende Orte über der Marke von 2.000 Einwohnern: Stadt Ruhla (nur weimarischer Anteil: 3.917 – 1.533; +156 %), Stadt Blankenhain (3.405 – 1.689; +102 %), Stadt Bad Sulza (3.052 – 1.422; +115 %), Stadt Auma (2.978 – 1.701; +75 %), Stadt Triptis (2.948 – 1.480; +99 %), Gemeinde Tiefenort (2.539 – 1.237; +105 %), Stadt Bad Berka (2.379 – 1.228; +94 %), Stadt Münchenbernsdorf (2.264 – 1.383; +64 %), Gemeinde Oberweimar (2.095 – 621; +237 %), Gemeinde Oldisleben (2.064 – 1.332; +55 %) und Gemeinde Mihla (2.008 – 1.294; +55 %).

Geschichte[Bearbeiten]

Dem seit 1572 bestehenden Herzogtum Sachsen-Weimar fiel 1741 das Herzogtum Sachsen-Eisenach zu, da die Linie mit dem Tod Herzog Wilhelm Heinrichs erlosch. Erster Herzog des vereinten Landes Sachsen-Weimar-Eisenach war Ernst August, der Bauherr des Schlosses Belvedere bei Weimar. Sein Sohn Ernst August Konstantin regierte nur drei Jahre und starb im Alter von 20 Jahren. Mit 18 Jahren hatte er die ein Jahr jüngere braunschweigische Prinzessin Anna Amalia, eine Nichte des preußischen Königs Friedrich II., geheiratet. Sie gebar ein Jahr später ihren Sohn Carl August und nach einem weiteren Jahr, schon als Witwe, den Sohn Konstantin.

Als Herzogin-Mutter übernahm Anna Amalia mit Zustimmung der Kaiserin Maria Theresia und der Unterstützung ihres integren Ministers Freiherr von Fritsch tatkräftig die Regentschaft des Landes Sachsen-Weimar und Eisenach. Als Prinzenerzieher gewann sie den Dichter Christoph Martin Wieland, damals Professor an der Erfurter Universität.

Mit 18 Jahren volljährig, heiratete Carl August die hessische Prinzessin Luise und rief den Dichter Johann Wolfgang Goethe, mit dem ihn bald eine tiefe Freundschaft verband, an seinen Hof. Goethe sorgte für die Berufung Johann Gottfried Herders und Friedrich Schillers. So wuchs, im Hintergrund von Anna Amalia gefördert, der Kreis der Weimarer Klassik, deren Erbe zu hüten, sich die folgenden Regenten zur Aufgabe machten.

Die Hochzeit des Erbprinzen Carl Friedrich mit der russischen Großfürstin Maria Pawlowna 1804 brachte dem Land den Schutz des russischen Zaren Alexander I., den es in den Wirren der napoleonischen Kriege brauchte. Dem Einfluss Alexanders verdankte Carl August auf dem Wiener Kongress 1815 die Erhebung zum Großherzog und mit 1700 km² eine umfangreiche Vergrößerung und Abrundung seines Landes. Das Herzogtum erhielt Teile des Kreises Neustadt a. d. Orla (629 km² Fläche), große Teile der Mainzer Enklave Erfurt und weitere kleine Herrschaften wie zum Beispiel Blankenhain und Kranichfeld. In der Rhön wurde das Eisenacher Oberland geschaffen; dieses bestand aus angrenzenden ehemaligen Gebietsteilen von Hessen-Kassel und des zuvor säkularisierten Hochstifts Fulda. National gesinnt und weltoffen zugleich gab der Fürst seinem Land als erstem in Deutschland am 5. Mai 1816 eine liberale, sog. landständische Verfassung. Die in der Urburschenschaft organisierten Studenten der Universität Jena feierten im Oktober 1817 auf der Wartburg das Wartburgfest. Beteiligt waren viele liberal Gesinnte, die meist studentischen Redner auf dem Fest jedoch müssen bereits der frühen deutschen Demokratie zugerechnet werden.

Maria Pawlowna, seit 1828 Großherzogin, leitete das silberne Zeitalter Weimars ein, das mit Namen wie Franz Liszt und Peter Cornelius vor allem der Musik galt. Ihr kunstsinniger Sohn Carl Alexander (1818-1901) wirkte im gleichen Sinn. Verheiratet mit der Oranierin Sophie, die seine Pläne unterstützte, ließ er die verfallende Wartburg im damals üblichen Stil eines romantischen Historismus neu aufbauen und von Moritz von Schwind ausmalen. Die Gründung der Kunstgewerbeschule Weimar, die 1919 im Bauhaus aufging, wurde von ihm, wenn auch halbherzig, gefördert.

Auf Carl Alexander folgte 1901 sein Enkel Wilhelm Ernst, verheiratet in erster Ehe mit Karoline von Reuß Ältere Linie und in zweiter mit Feodora von Sachsen-Meiningen. Am 9. November 1918 verzichtete er auf den Thron. Damit endete die Monarchie im Großherzogtum Sachsen (so amtlich seit 1903). Das Großherzogtum wurde zum Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach und ging 1920 im neu gegründeten Land Thüringen mit Weimar als Landeshauptstadt auf.

Religion[Bearbeiten]

Im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war wie in allen Thüringischen Staaten das evangelisch-lutherische Bekenntnis vorherrschend. Im Einzelnen waren von 339.217 Einwohnern (1895):

  • Evangelisch: 325.315 (95,9 %)
  • Katholisch: 12.112 (3,6 %)
  • Jüdisch: 1.290 (0,4 %)
  • Sonstige/Konfessionslos: 500 (0,1 %)

Im Kreis Eisenach waren die Religionen etwas anders gewichtet, dort waren von 95.226 Einwohnern (1895):

  • Evangelisch: 85.319 (89,6 %)
  • Katholisch: 8.809 (9,3 %)
  • Jüdisch: 979 (1,0 %)
  • Sonstige/Konfessionslos: 119 (0,1 %)

Die katholischen und jüdischen Minderheiten im Kreis Eisenach lebten vor allem in der Rhön, das Gebiet um die Kleinstadt Geisa war mehrheitlich katholisch und gehörte dem Bistum Fulda an.

Politik[Bearbeiten]

Verfassung und Verwaltung[Bearbeiten]

Nach der Verfassung vom 5. Mai 1816 (revidiert 15. Okt. 1850) war Sachsen-Weimar-Eisenach eine konstitutionelle Monarchie, erblich im Mannesstamm. Nach dem Landtagswahlgesetz von 1852 bestand der Landtag aus 31 Abgeordneten, von denen allerdings nur 21 aus allgemeinen Wahlen hervorgingen. 1 Abgeordneter wurde von der begüterten ehemaligen Reichsritterschaft, 4 Abgeordnete von den Großgrundbesitzern und 5 Abgeordnete von denjenigen „Staatsunterthanen, welche aus anderen Quellen als dem Grundbesitze ein jährliches Einkommen von wenigstens eintausend Thaler beziehen“, gewählt. Deren Wahlmänner wurden im Volksmund „Tausendtalermänner“ genannt. Nach dem Wahlgesetz vom 17. April 1896 bestand der Landtag aus 33 Mitgliedern. Im Bundesrat hatte das Land 1 Stimme, im Reichstag 3 Abgeordnete.

Im Jahre 1909 wurde unter der Federführung des nachmaligen Landtagspräsidenten Alfred Appelius nach dem Grundsatz des allgemeinen gleichen Wahlrechtes das direkte Wahlrecht eingeführt. Danach wurden 23 Abgeordnete direkt gewählt. Weiterhin blieb es bei dem bisherigen Sonderwahlrecht für die Großgrundbesitzer einerseits und die sogenannten „Tausendtalermänner“, die aus inländischem Grundbesitz bzw. aus anderen Quellen ein jährliches Einkommen von wenigstens 3000 Mark zu versteuern hatten, andererseits. Diese beiden Gruppen hatten jeweils 5 Abgeordnete in den Landtag zu senden. Weitere 5 Abgeordnete bestanden aus jeweils einem Vertreter der Universität Jena, der Handelskammer, der Handwerkskammer, der Landwirtschaftskammer und der Arbeitskammer, so dass der Landtag aus insgesamt 38 Abgeordneten bestand.[3] [4]

Die Landesfarben waren bis 1897 Schwarz-Grün-Gold und danach Schwarz-Gold-Grün.

Die Gerichtsbarkeit oblag dem allen thüringischen Staaten gemeinsamen Oberlandesgericht in Jena, dazu den Landgerichten in Weimar und Eisenach. Eingeteilt war das Land in die fünf Verwaltungsbezirke Weimar, Apolda, Eisenach, Dermbach und Neustadt an der Orla. Militärisch stellte das Großherzogtum ein Infanterieregiment, das zum 11. preußischen Armeekorps gehörte.

Herzöge und Großherzöge[Bearbeiten]

  • Ernst August I. (1688–1748), Sohn Johann Ernsts III. von Sachsen-Weimar, Herzog 1741–1748
  • Ernst August II. (1737–1758), Sohn Ernst Augusts I., Herzog 1748–1758
  • Carl August (1757–1828), Sohn Ernst Augusts II., Herzog 1758–1815, Großherzog 1815–1828
    • Anna Amalia (1739–1807), Gemahlin Ernst Augusts II., Regentin 1758–1775
  • Carl Friedrich (1783–1853), Sohn Carl Augusts, Großherzog 1828–1853
  • Carl Alexander (1818–1901), Sohn Carl Friedrichs, Großherzog 1853–1901
  • Wilhelm Ernst (1876–1923), Enkel Carl Alexanders, Großherzog 1901–1918

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 1895 waren 37,9 % der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft tätig, 38,9 % arbeiteten in der Industrie und 16,4 % waren Dienstleister.

Die Landwirtschaft war bis etwa 1900 der wichtigste Erwerbszweig im Großherzogtum. Insgesamt wurden 56 % der Staatsfläche landwirtschaftlich genutzt, darunter vor allem die Kreise Weimar und Neustadt sowie die Enklaven Allstedt und Oldisleben in der Goldenen Aue.

1895 wurden geerntet:

Sorte Anbauflächen (km²) Ertrag (t)
Futterrüben 92 152.400
Gerste 276 41.900
Hafer 334 39.600
Heu 574 192.717
Kartoffeln 225 232.200
Roggen 295 33.300
Weizen 216 27.100

Obst wurde vor allem im Saaletal in der Gegend um Jena und Bürgel angebaut. Nördlich von Jena, zwischen Dornburg und Camburg wurde auch Weinbau betrieben.

Die Viehzucht war ebenfalls hoch entwickelt. 1892 zählte man: 19.121 Pferde, 119.720 Rinder, 113.208 Schafe, 122.974 Schweine, 46.405 Ziegen und 16.999 Bienenstöcke. Wild gab es nur bei Eisenach, bei Zillbach (Rhön) sowie in der Enklave Ilmenau, wo sich am Gabelbach das größte herzogliche Jagdrevier befand. Die Waldungen im Großherzogtum waren etwa zu 50 % in staatlichem Besitz (450 km²). Die vorherrschenden Baumarten waren Buchen (im Weimarer Kreis), Kiefern (vor allem im Neustädter Kreis) und Fichten (im Eisenacher Kreis sowie um Ilmenau). Das Landesforstsamt hatte seinen Sitz in Eisenach.

Industrien[Bearbeiten]

Die Industrien im Großherzogtum waren recht vielseitig entwickelt. So gab es in Bürgel und Ilmenau bedeutende Porzellanindustrie (insgesamt gab es landesweit 39 Fabriken). Glasindustrie gab es in Ilmenau und Jena (Schott). Die Glasherstellung war besonders auf technisches Glas (Messgeräte wie Thermometer aus Ilmenau) und Optische Erzeugnisse aus Jena spezialisiert. 1846 gründete Carl Zeiss in Jena ein feinmechanisch-optisches Unternehmen, das sich sehr schnell zum Marktführer in Deutschland und in der Welt entwickelte. 1917 hatte das Unternehmen bereits 10.000 Beschäftigte. 1889 wurde von Ernst Abbe die Carl-Zeiss-Stiftung gegründet, in die später die Unternehmen Carl Zeiss Jena und Schott Glaswerke überführt wurden. Große Bedeutung besaß auch die Textilindustrie, die besonders in Apolda (Strumpfwirkereien) und Neustadt an der Orla ansässig war. Weitere große Textilbetriebe befanden sich in Wenigenjena, Eisenach, Weida, Remda und Blankenhain. Insgesamt arbeiteten 1895 rund 7.000 Menschen in der Textilindustrie. Zentrum der Metallverarbeitung war zunächst Ruhla, in Eisenach wurde 1898 das erste Automobilwerk aufgebaut. Chemische Produkte (Farben) produzierte man ebenfalls in Eisenach. Eine große Pappmühle gab es in Oberweimar, Spielzeugfabrikation in Ilmenau, Korbflechtereien in der Kuppenrhön und Pfeifenschnitzerei in Geisa (Rhön). Im Großherzogtum bestanden 1895 insgesamt 257 Brauereien, die größten in Apolda und Ilmenau.

Bergbau[Bearbeiten]

Als Bergbauzentren im Thüringer Wald sind Ilmenau und Ruhla zu nennen. Um 1900 begann der Aufbau der Kaliindustrie im Werratal um Vacha und Berka/Werra. Zuvor bestanden bereits Salinen in Creuzburg und Bad Sulza.

Handel[Bearbeiten]

Die wichtigsten Warenumschlagsplätze waren Weimar und Eisenach. Hier hatten viele Banken ihre Filialen eröffnet. Mit Ausnahme der Enklaven Ostheim, Oldisleben und Allstedt gehörte das gesamte Territorium dem Thüringer Zoll- und Steuerverein an. Im Land gab es 1895 23 Sparkassen-Filialen, die Gesamteinlagen von etwa 40 Millionen Reichsmark verwalteten.

Verkehr[Bearbeiten]

Mit dem Bau zahlreicher Chausseen und Steinbrücken wurde nach 1820 begonnen und so der Überlandverkehr gefördert. Die Eisenbahn erreichte das Land 1846, als die Eisenbahnlinie von Weißenfels über Apolda nach Weimar eröffnet wurde. Wichtige Eisenbahnlinien waren daneben auch die Thüringer Stammbahn von Weimar über Erfurt und Gotha nach Eisenach, die 1847 in Betrieb ging. Der Süden des Eisenacher Kreises wurde 1858 von der Werrabahn erschlossen. 1871 folgte die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella, die den Neustädter Kreis mit den Städten Weida und Neustadt erschloss. Die Saalbahn, die Jena mit Leipzig im Norden und Saalfeld im Süden verband, folgte 1874, 1876 wurde dann auch die Holzlandbahn Weimar–Jena–Gera eröffnet. Als im Jahre 1879 die Bahnstrecke Erfurt–Ilmenau fertiggestellt wurde, waren alle wichtigen Städte des Landes an das Eisenbahnnetz angeknüpft. Bis 1920 folgten noch zahlreiche Neben- und Kleinbahnstrecken (auch: Sekundärbahn), die dann die meisten Orte von über 2000 Einwohnern an das Bahnnetz anschlossen. Zunächst waren alle Bahnlinien in privater Hand bzw. gehörten Gesellschaften, bis die Preußische Staatsbahn begann die anderen Eisenbahngesellschaften aufzukaufen. Einige Privatbahnen aber, so die Weimar-Rastenberger Eisenbahn, blieben in privatem Besitz. Dem Staat Sachsen-Weimar-Eisenach gehörten bis 1920 die Ilmbahn (Weimar–Kranichfeld) und die Feldabahn in der Rhön. 1886 betrug die Länge der Staatschausseen 1913 Kilometer.

Bildung[Bearbeiten]

Im Staatsgebiet gab es eine Universität in Jena, die Sachsen-Weimar-Eisenach gemeinsam mit den anderen Thüringer Staaten finanzierte. In Weimar gab es verschiedene Kunst- und Musikschulen und in Ilmenau das Thüringische Technikum, eine technisch-naturwissenschaftliche Hochschule in privater Hand. Gymnasien gab es in Weimar, Eisenach und Jena, Realschulen in Weimar, Apolda, Jena, Eisenach, Neustadt und Ilmenau. Im Jahr 1895 gab es außerdem 462 Volksschulen, die jedem Bürger zumindest vier Jahre Grundbildung ermöglichten. Große Bibliotheken von je 200.000 Bänden wurden in Weimar und Jena unterhalten. Das Staatsmuseum des Landes war seit 1869 in Weimar untergebracht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlef Ignasiak (Hrsg.): Regenten-Tafeln Thüringischer Fürstenhäuser. Mit einer Einführung in die Geschichte der Dynastien in Thüringen. Quartus, Jena 1996, ISBN 3-931505-20-0.
  • Sven M. Klein: Das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach. Börde-Verlag, Werl 2008, ISBN 978-3-9811993-3-8.
  • Harald Mittelsdorf: Konstitutioneller Parlamentarismus in Sachsen-Weimar-Eisenach. (1. Hälfte des 19. Jahrhunderts). (=Schriften zur Geschichte des Parlamentarismus in Thüringen, 2) Thüringer Landtag, Erfurt 1992, ISBN 3-86160-502-3.
  • Marcus Ventzke: Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach 1775–1783. Ein Modellfall aufgeklärter Herrschaft? Böhlau, Köln/Wien 2004, ISBN 3-412-08603-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saxe-Weimar-Eisenach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Hess: Geschichte Thüringens 1866 bis 1914. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1991, ISBN 3-7400-0077-5, S. 454
  2. Reinhard Jonscher, Willy Schilling: Kleine Thüringische Geschichte, Jenzig-Verlag Köhler, Jena 1995, ISBN 3-910141-17-X, Seite 196
  3. Das neue weimarische Wahlgesetz, in: Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe) vom 5. März 1909, S. 2
  4. Staatshandbuch für das Großherzogtum Sachsen 1823–1913. Böhlau, Weimar 1913