Babelsberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage von Babelsberg. (grün: Berlin, violett: Potsdam)

Babelsberg ist der größte Stadtteil Potsdams und heute vor allem als Medienstandort bekannt. Im Stadtteil befinden sich das Filmstudio, der Filmpark, der Standort Potsdam des RBB und der Sitz der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam (HFF) und das Babelsberger Filmgymnasium (BFG). Bedeutung über die Grenzen Potsdams hinaus hat Babelsberg auch durch den Park Babelsberg mit dem namensgebenden Berg (früher auch Pavelberg, Babertsberg, Boberow aus dem Slawischen „Ort, wo es Biber gibt“; spätere Namensanlehnung an das biblische Babel),[1] den bis 1938 Nowawes genannten zentralen Ortsteil, das Schloss Babelsberg und weitere historische Bauten sowie das um 1900 entstandene Villenviertel Neubabelsberg. Neben der Bekanntheit als Film- und Medienstandort sorgt auch der lokale Fußballverein Babelsberg 03 für überregionale Aufmerksamkeit. Nach der Bildung der Stadt unter diesem neuen Namen 1938 wurde Babelsberg selbst 1939 nach Potsdam eingemeindet.

Geomorphologie[Bearbeiten]

Ein kleiner Teil des sandigen Babelsberges – in etwa der Bereich, der auf der Karte von dem roten Punkt bedeckt wird – gehört seit 1920 zur Stadt Berlin. Vgl. Steinstücken, Kohlhasenbrück

Geschichte[Bearbeiten]

Die ehemalige Berliner Gerichtslaube im Park Babelsberg
Der Flatowturm im Park Babelsberg

Die erste Ansiedlung auf dem Gebiet des heutigen Potsdamer Stadtteils Babelsberg war das auf einer Erhebung in der Nutheniederung gelegene Dorf Neuendorf (slawisch „Nova Ves“, wodurch sich die spätere Bezeichnung Nowawes erklärt), ein Rundplatzdorf mit einer Kirche auf dem Anger. Diese Siedlungsform ist als frühdeutsche Siedlung aus einem slawischen Rundweiler hervorgegangen.

Der im Landbuch Kaiser Karls IV. 1375 erwähnte Ort wurde mehrfach verpfändet und im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt. Erst ab 1750 kamen neue Ansiedler. Friedrich II. ließ ein Kolonistendorf an der Peripherie zweier königlicher Landstraßen bauen, deren winklige Anordnung zueinander dem neuen Dorf eine Dreiecksform verlieh. Die eingewanderten böhmischen Weber nannten ihre neben Neuendorf angelegte Siedlung Nowawes (böhmische Übersetzung von Neuendorf). Beide Orte blieben bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts selbstständige Gemeinden: Neuendorf, mit seinen deutschen Bauern und Nowawes mit seinen hauptsächlich böhmischen Webern. Im Jahr 1907 vereinten sich beide Gemeinden zur Landgemeinde Nowawes. Der Name Neuendorf verschwand langsam, aber stetig aus dem Gemeindebild. Die Lehmfachwerkbauten wurden um 1850 durch massive Häuser ersetzt.

Auf dem alten Dorfplatz, dem Neuendorfer Anger, südlich einer alten Fachwerkkirche (erbaut 1585) wurde 1850 bis 1852 ein vom Bauinspektor Christian Heinrich Ziller nach dem Vorbild der Gereonskirche in Köln entworfener achteckiger Backsteinbau (Oktogon, seit 1998 im Wiederaufbau) erbaut. Durch die rasant wachsenden Bevölkerungszahlen erwies sich der unverputzte gelbe Bau, der nach den Ideen Friedrich Wilhelms IV. errichtet wurde, jedoch schnell als zu klein. 1898/1899 entstand an der Stelle der alten Fachwerkkirche ein neuer Kirchbau nach den Plänen von Ludwig von Tiedemann, die neugotische Bethlehemkirche. Infolge der starken Kriegsbeschädigungen wurden die Reste der Bethlehemkirche sowie des angrenzenden 55 Meter hohen Glockenturms 1952 gesprengt. Der Grundriss der Bethlehemkirche ist durch in den Rasen des Angers eingefügte Ziegelsteine sichtbar gemacht worden. Im November 2002 wurde das Richtfest der wiederhergerichteten alten achteckigen Neuendorfer Kirche gefeiert. Trotz der noch nicht abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten wird das Gebäude derzeit bereits für Konzerte, Christvespern und Ausstellungen genutzt.

1862 erhielten Neuendorf und Nowawes eine gemeinsame Bahnstation, den heutigen S-Bahnhof Babelsberg. Ab 1871 entstand am Fuße des Babelsbergs zwischen Nowawes und dem Griebnitzsee die Villenkolonie Neubabelsberg. 1924 bekam Nowawes das Stadtrecht. Nowawes, Neuendorf und Neubabelsberg wurden 1938 zu einer Stadt zusammengeschlossen. Dabei wurde der böhmische Name „Nowawes“ von den Nationalsozialisten aus dem Stadtbild getilgt. Die Stadt hieß von nun an Babelsberg und war die größte Stadt im Landkreis Teltow, bis sie am 1. April 1939 an Potsdam angegliedert wurde und nun den größten Stadtteil der brandenburgischen Landeshauptstadt bildet.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges beseitigten die Kommunisten Heinrich Eichler und Alfred Lehnert mit Unterstützung durch sowjetische Zwangsarbeiter heimlich eine Panzersperre auf der Straße von Güterfelde nach Babelsberg, wodurch die kampflose Einnahme des Ortes durch die Rote Armee erleichtert wurde.[2]

Im Rahmen der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 quartierten sich Josef Stalin, Harry S. Truman und Winston Churchill in der Villenkolonie Neubabelsberg ein. Potsdam-Babelsberg hatte eine direkte Grenze zu West-Berlin, deshalb verliefen Teile der Berliner Mauer auch auf Babelsberger Gebiet. Bemerkenswert ist die westliche Halbexklave Steinstücken, diese war während der deutschen Teilung bis zu einem Gebietsaustausch 1971 als echte Exklave von Babelsberger Gebiet umschlossen, gehörte aber zu West-Berlin.

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Weberkolonie[Bearbeiten]

Weberhaus

Nordöstlich des alten Dorfes gründete Friedrich der Große 1751 für evangelische Böhmen die Weber- und Spinnerkolonie (Weberviertel) Nowawes (siehe oben unter Geschichte). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Nowawes zum Industriestandort. Die vor allem an der Nuthe und an der Eisenbahnstrecke Berlin–Potsdam entstehende Textilindustrie führte bald zu einer Verschmelzung mit dem alten Dorf Neuendorf.

Lokomotiven aus Babelsberg[Bearbeiten]

Lok der DR-Baureihe V 180

Mit der Entwicklung der Industrie im Großraum Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich auch im Umland Zweigwerke an. In der Nähe des Bahnhofs Drewitz, auf Neuendorfer Gelände, errichtete die Berliner „Märkische Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel OHG“ 1899 eine Niederlassung mit einer umfangreichen Kesselschmiedeanlage. Das Werk war unter der Bezeichnung „AG für Feld- & Kleinbahnen-Bedarf, vormals Orenstein und Koppel“ bis zum Zweiten Weltkrieg ein großer Lokomotivherstellerder für Feldbahn- und Baulokomotiven.

Ab 1947 wurde der Lokomotivbau wiederaufgenommen, 1948 erfolgte die Umbenennung in „LOWA Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg“ (LKM). Bis 1976 wurde der Lokomotivbau eingestellt. Parallel kam es zur grundlegenden Änderung der Produktionslinie, das Werk erhielt den neuen Namen „VEB Kombinat Luft- und Kältetechnik, Betrieb Karl Marx, Babelsberg“. Parallel dazu entstand der Maschinenbau Karl Marx Babelsberg, der im Kombinat TAKRAF eingebunden war. Er stellte auf Basis der IFA W50 Autokrane her.

Heute befindet sich auf dem Industriegelände ein Gewerbepark.

Verkehr[Bearbeiten]

Babelsberg besitzt drei Bahnhöfe. Zwei davon liegen an der Stammbahn und werden von der S-Bahn-Linie S7 bedient: Babelsberg (bis 1938 Nowawes) und Griebnitzsee (früher Neubabelsberg, 1938–1949 Babelsberg-Ufastadt) mit Anbindung an die Regionalbahnlinien RB 21 und RB 22. Ein dritter Bahnhof liegt an der Wetzlarer Bahn: Medienstadt Babelsberg, früher Drewitz, hier verkehren der Regionalexpress RE 7 und die Regionalbahnlinie RB 33 (ODEG). Von 1949 bis 1995 verkehrte außerdem der Oberleitungsbus Potsdam im Stadtteil.

Wissenschaft[Bearbeiten]

In Babelsberg befinden sich drei Standorte der Universität Potsdam, der Sitz der Hochschule für Film und Fernsehen PotsdamKonrad Wolf“ (HFF), das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP), der Standort Babelsberg des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA), das Babelsberger Filmgymnasium sowie das Hasso-Plattner-Institut (HPI).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Goethe-Schule
Das ehemalige Rathaus Nowawes, heutiges Kulturhaus Babelsberg
Historisches Gebäude aus der Gründerzeit mit aufwendiger Fassadengestaltung

Neben dem Schloss, dem Park Babelsberg und dem Flatowturm gibt es in Babelsberg viele Sehenswürdigkeiten und eine große architektonische Vielfalt. Das 1898/1899 nach Plänen von Otto Kerwien erbaute und seitdem den Stadtteilkern prägende Babelsberger Rathaus im Stil der Backsteingotik wird seit 1956 als Kulturhaus genutzt. Ebenso auffällig ist der südlich gelegene Ziegelbau der Goethe-Gesamt Schule (frühere Beethovenschule im Bild), der in seiner gesamten Form ziemlich einzigartig ist.

Im gesamten Stadtteil sind viele Gebäude aus der Gründerzeit erhalten geblieben, die alle Stile des damals dominierenden Historismus umfassen. Nach dem Ende der DDR wurden viele Lücken zwischen den Gründerzeitbauten mit teilweise postmodernen Neubauten gefüllt, die in Form und Fassadengestaltung den historischen Wohnhäusern angepasst wurden. In ganz Babelsberg, aber besonders im Weberviertel und auf der Karl-Liebknecht-Straße, sind alte Weberhäuser zu finden. Hauptsächlich in Südbabelsberg gibt es typische Bauten der klassischen Moderne, die mittlerweile größtenteils saniert worden.

Im Villenviertel Neubabelsberg befinden sich die bekannte Stalin-, Guggenheim-, Churchill- und Truman-Villa. Außerhalb von diesen sind von modernen Villen, über vereinzelt stehende Fachwerkhäuser, bis einfach gestaltete Einfamilienhäuser aus der DDR-Zeit, fast alle Baustile zu finden.

Neben der 1752/1753 von Johann Boumann in schlichten barocken Formen erbauten Friedrichskirche entstammen drei Kirchen in Babelsberg (Alte Neuendorfer Kirche, Oberlinkirche, Kapelle Klein-Glienicke) der Zeit der Neugotik. Die St. Antonius-Kirche ist ein moderner Kirchenbau aus dem Jahre 1934; seit 1942 wird der Innenraum von der Anbetung des Lammes, einem monumentalen Altarmosaik des Künstlers Egbert Lammers, dominiert.

Medien[Bearbeiten]

Das spätere Babelsberg war bereits in den 1920er Jahren ein bekannter Filmstandort. Viele deutsche Filmklassiker der UFA wurden in den Babelsberger Filmstudios gedreht. Ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten unter der Federführung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Goebbels die UFA-Studios für ihre Zwecke der Propaganda. Bald schon wurde der „Schirmherr des deutschen Films“ wegen seiner zahlreichen Liebschaften ironisch als „Bock von Babelsberg“ bezeichnet. Am 24. April 1945 besetzte die Rote Armee das Babelsberger Filmgelände.

Torbogen über dem Eingang zum Studio Babelsberg
„Flimmy“, das Maskottchen des Filmpark Babelsberg

Zu DDR-Zeiten übernahm die staatliche Filmgesellschaft DEFA die Studios; Babelsberg wurde im Volksmund auch als „Honnywood“ bezeichnet (die Verknüpfung von Hollywood und Erich Honecker). Das nun unter dem Namen Studio Babelsberg bekannte Filmstudio ist heute der älteste und größte Studiokomplex Europas.[3] Hier werden sowohl Fernsehserien und Seifenopern wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder Schloss Einstein als auch die großen nationalen und internationalen Kinofilmproduktionen wie Sonnenallee und Boxhagener Platz, Der Pianist, Inglourious Basterds oder Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat verwirklicht. Allein im Jahr 2007 entstanden hier neun Hollywood-Produktionen.[4]

Nach der Wende wurde mit enormen Investitionsaufwand die Medienstadt Babelsberg errichtet. Neben dem Studio Babelsberg befindet sich auf dem 46 Hektar großen Gelände u. a. ein Produktionsstandort des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg, ehemals ORB) mit mehreren Rundfunk- und Fernsehstudios sowie 16 Studios wie zum Beispiel das Filmstudio Babelsberg. Außerdem das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA), die Filmnachwuchs ausbildende Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, das Babelsberger Filmgymnasium, sowie zahlreiche Produktionsfirmen, Agenturen und kleinere Medienunternehmen für Film und Fernsehen. Insgesamt sind mehr als 130 Firmen in der Medienstadt Babelsberg angesiedelt.

Mit dem Filmpark Babelsberg verfügt der Stadtteil von Potsdam über einen Vergnügungspark zum Thema Film und Fernsehen. Filminteressierte können sich neben den Fahrgeschäften die Original-Requisiten, Kulissen und Geschichten aus 100 Jahren Film in Babelsberg ansehen, bei der Produktion von Folgen zur Kinderfernsehserie Unser Sandmännchen zu schauen, sowie geführte Touren durch das benachbarte Studiogelände mit erleben. Zudem locken die renommierten sehsüchte – das einmal im Jahr in Babelsberg stattfindende, internationale Filmfestival – zahlreiche Besucher aus aller Welt in die Filmstadt.

Museen[Bearbeiten]

  • Berliner S-Bahn-Museum (Rudolf-Breitscheid-Straße 203)
  • Nowaweser Weberstube (Karl-Liebknecht-Straße 23)
  • Narkose-Schmerztherapie Museum (Karl-Marx-Straße 42)
  • Deutsches Rundfunk-Museum (im Gebäude des Deutschen Rundfunkarchivs: Marlene-Dietrich-Allee 20)
  • Schloss Babelsberg und Flatowturm (im Park Babelsberg)

Sport[Bearbeiten]

Babelsberg ist Sitz der Fußballvereine SV Babelsberg 03 (ursprünglich Nowawes 03) und FSV Babelsberg 74. Im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion trägt außerdem der Frauenfußballclub 1. FFC Turbine Potsdam seine Spiele aus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Berschein, Michaela Schubert: Potsdam-Babelsberg – der spezielle Reiseführer. Babelsberg & Hollywood, Villenkolonie, Park, Schloss, Medienstadt. Wie es war und ist. Wolbern-Verlag, ISBN 3-9808472-2-5.
  • Filmmuseum Babelsberg: Babelsberg – Gesichter einer Filmstadt. Henschel Verlag, Berlin, ISBN 3-89487-508-9.
  • Herbert Knoblich, Almuth Püschel et al.: Neuendorf – Nowawes – Babelsberg. Stationen eines Stadtteils. Geiger-Verlag, Potsdam 2008, ISBN 978-3-89570-653-0.
  • Karin Carmen Jung: Die Böhmische Weberkolonie Nowawes 1751–1767 in Potsdam-Babelsberg. Bauliche und städtebauliche Entwicklung. Haude und Spener, ISBN 3-7759-0407-7.
  • Paul Sigel, Silke Dähmlow, Frank Seehausen, Lucas Elmenhorst: Architekturführer Potsdam. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-496-01325-7.
  • Hermann Grampp: Filmstadt Babelsberg. In: Die Mark Brandenburg, Heft 74, Marika Großer Verlag, Berlin 2009 ISBN 978-3-910134-12-6.
  • Babelsberg. Einst und Jetzt. Culturcon / Märkische Oderzeitung, 2011, ISBN 978-3-941092-77-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Babelsberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Filmpark Babelsberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission. be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436, S. 20, 29.
  2. Ursula Höntsch: Die Panzersperre von Babelsberg. In: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 146
  3. Ateliergröße des Studio Babelsberg, aufgerufen am 2. Dezember 2010
  4. (Ko)Produktionen des Studio Babelsberg abgerufen 2. Dezember 2010

52.3926313.11218Koordinaten: 52° 24′ N, 13° 7′ O