Berliner Secession

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Gebäude der Berliner Secession
Ausstellungsvorbereitung der Berliner Secession, Vorstand und Hängekommission bei der Arbeit (1904), von links: Willy Döring, Bruno Cassirer, Otto Heinrich Engel, Max Liebermann, Walter Leistikow, Kurt Herrmann, Fritz Klimsch
Jury für die Ausstellung der Berliner Secession (1908), von links: Fritz Klimsch, August Gaul, Walter Leistikow, Hans Baluschek, Paul Cassirer, Max Slevogt (sitzend), George Mosson (stehend), Carl Max Kruse (stehend), Max Liebermann (sitzend), Emil Rudolf Weiß (stehend), Lovis Corinth (stehend)
Sitzung der Berliner Secession. Von links: Wilhelm Kohlhoff, Erich Büttner, Friedrich Scholz, Ernst Fritsch, Leo von König, Lovis Corinth, Ernst Oppler, Emil Orlik, Bruno Krauskopf, Charlotte Behrend-Corinth, Erich Waske, Franz Heckendorf
Gedenktafel für die Berliner Secession am Kurfürstendamm 208

Berliner Secession (auch Berliner Sezession)[1] ist die Bezeichnung einer deutschen Künstlergruppe. Sie war eine organisatorische Abspaltung Berliner Maler und Bildhauer zum Ende des 19. Jahrhunderts vom bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb und wurde am 2. Mai 1898 gegründet. Der Begriff Secession leitet sich von dem lateinischen Begriff secessio ab und bedeutet „Trennung“ bzw. „Abspaltung“. Daneben gab es noch die Neue Secession und die Freie Secession in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Verwerfungen, die zur Bildung der Berliner Secession und weiterer Künstlergruppen führen sollten, begannen bereits 1891 anlässlich der Großen Internationalen Kunstausstellung in Berlin. Der Streit ging um die Abteilung der norwegischen Künstler, der sich im Folgejahr zuspitzte, nachdem die Kommission des Vereins Berliner Künstler die Bilder von Edvard Munch abgelehnt hatte. Im Februar 1892 schlossen sich unter der Führung von Walter Leistikow, Franz Skarbina und Max Liebermann einige Maler zu einer „freien Vereinigung zur Veranstaltung von künstlerischen Ausstellungen“ zusammen und stellten im Frühjahr 1892 als Die Elf aus, ohne allerdings den Verein Berliner Künstler zu verlassen oder den jährlich stattfindenden Salon – die „Große Berliner Kunstausstellung“ – zu meiden.

Eine Überarbeitung der Statuten der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft durch Anton von Werner und Hugo Schnars-Alquist hielt im Oktober 1892 noch den Wirtschaftsverband zusammen. Doch im November 1892 kam es zum Skandal, als eine Ausstellung der Werke von Edvard Munch diesmal von einer Mehrheit der Mitglieder des Vereins Berliner Künstler geschlossen wurde und Munchs Bilder als „abstoßend, hässlich und gemein“ bezeichnet wurden. Die opponierende Gruppe der Maler war aber noch nicht stark genug, um das etablierte Ausstellungswesen zu verlassen. So kam es zur „Freien Berliner Kunstausstellung 1893“ parallel zur Großen Berliner Kunstausstellung, in die wiederum die Münchener Secession eingebettet war, der sich inzwischen eine Reihe von Künstlern angeschlossen hatten (u. a. Adolf Brütt, Max Kruse, Walter Leistikow, Reinhold Lepsius, Lesser Ury und Max Liebermann).

Von der Jury der Großen Berliner Kunstausstellung 1898 wurde ein Landschaftsgemälde des Malers Walter Leistikow zurückgewiesen. Jetzt war der Beweis endgültig erbracht, dass die „moderne Kunst“ von den bestehenden Organisationen keine Unterstützung zu erwarten hatte. Als Konsequenz gründeten 65 Künstler die Berliner Secession mit Walter Leistikow als Organisator. Max Liebermann wurde zum Präsidenten gewählt. Den Vorstand bildeten neben dem Präsidenten Liebermann und Walter Leistikow die Künstler Otto Heinrich Engel, Ludwig Dettmann, Oskar Frenzel, Curt Herrmann und Fritz Klimsch. Die Vettern Bruno und Paul Cassirer, die in Berlin eine Galerie besaßen, wurden geschäftsführende Sekretäre der Secession. Einflussreicher Gegner der Secession war der Direktor der königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste, Anton von Werner, Berater des Kaisers in Sachen moderner Kunst.

Am 19. Mai 1899 wurde in der Charlottenburger Kantstraße ein kleines Gebäude mit einer Ausstellung von 330 Bildern und Grafiken sowie 50 Skulpturen eröffnet. Eine konservative Minderheit trennte sich bis 1902 wieder von der Secession. Im Jahr 1905 fand der Umzug in das damals neue Gebäude am Kurfürstendamm 208 statt, der Ort, an dem sich heute das Theater am Kurfürstendamm befindet. Jurymitglieder in diesem Jahr waren Heinrich Reifferscheid, Philipp Franck, Leo von König, Lovis Corinth und Ernst Oppler.[2]

Nach einigen Austritten bestand die Berliner Secession um 1909 aus 97 Mitgliedern. Am 5. Mai 1909 gab es eine Privatvorstellung des russischen Hofballetts in der Krolloper. Unter den Besuchern befanden sich Max Slevogt, Georg Kolbe, Fritz Klimsch und Ernst Oppler, sowie Vertreter der Presse.[3] Das Ballett sowie die Tennisplätze gehörten zu den beliebtesten Motiven der Berliner Secession.

Innerhalb der Secession kam es 1910 zum Bruch, als 27 meist expressionistische Künstler von der Jury zurückgewiesen wurden. Auf Initiative von Georg Tappert, Heinrich Richter-Berlin und anderen, u. a. Otto Mueller und Max Pechstein, durch den die Dresdner Künstlergruppe Brücke hinzukam, bildete sich eine neue Gruppe, die Neue Secession. Sie eröffnete im Mai ihre erste Ausstellung „Zurückgewiesene der Secession Berlin 1910“. Pechstein wurde zum Präsidenten, Tappert zum Vorsitzenden gewählt.

Nach einem heftigen Streitbrief von Emil Nolde gegen den Präsidenten Max Liebermann wurde Nolde aus der Secession ausgeschlossen, und wenig später legten Liebermann und seine engsten Mitarbeiter ihre Vorstandsfunktionen nieder. Nachfolger von Liebermann wurde 1911 Lovis Corinth. Im Dezember 1912 wurde Paul Cassirer Vorsitzender. Die Sommerausstellung von 1913 wurde der letzte große Erfolg der Secession. Es kam jedoch über die Auswahl der Bilder und wegen der damit auch verbundenen Zurückweisung der Werke von 13 Mitgliedern der Secession wiederum zum Bruch, da die 13 eine eigene Ausstellung organisierten und den Vorstand angriffen. Diese Illoyalität führte zur Aufforderung die Secession zu verlassen. Als sie der Aufforderung, unter diesen Umständen die Secession zu verlassen, nicht folgten, traten Slevogt, Liebermann, Cassirer und rund 40 weitere aus der Secession aus. Das Bild Beratung im Atelier von Ernst Oppler wurde von der Kunstkritik schon zuvor als Hinweis auf die Situation gedeutet. Tatsächlich waren die dargestellten Personen Struck, Emil Pottner, Bischoff-Culm, Max Neumann und Herrstein neben Corinth jene Mitglieder die der Secession treu blieben.[4] Oppler selbst verhielt sich loyal, verzichtete jedoch zukünftig an den Jahresausstellungen der inzwischen dem Expressionismus zugewandten Berliner Secessionisten teilzunehmen. Lovis Corinth übernahm wieder den Vorsitz.

Am Kurfürstendamm wurde 1915 ein neues Ausstellungshaus bezogen. Dies war von der AEG gestiftet worden, woraufhin Künstler der Secession als Geschenk eine Mappe mit Werken für deren Direktor Heinrich Hirschberg zusammenstellten. In dem Gebäude fanden nun regelmäßig die Frühjahrs- und Herbstausstellungen statt und wurden Versammlungen abgehalten. Neue Mitglieder wurden fortan mit einer Dreiviertel-Mehrheit gewählt. Corinth blieb bis zu seinem Tod 1925 Präsident der Vereinigung. Danach wurde auf Antrag von Charlotte Corinth kein Präsident mehr gewählt, die Geschäfte führten mehrere gleichberechtigte Vorstandsmitglieder. Erst am 19. April 1934 wurde mit Leo von König wieder ein Präsident gewählt, wie der letzte Eintrag im Protokollbuch ausweist.

Im März 1914 gründeten die Ausgetretenen die bis 1924 bestehende Freie Secession mit Max Liebermann als Ehrenpräsidenten. Wenig später eröffnete die „Juryfreie Kunstausstellung“, die einen Bildermarkt ganz ohne Jury, Kunsthändler und Gruppierungen ermöglichte.

Die Berliner Secession in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde im Februar 1933 ein neuer Vorstand gewählt, in dem unter anderen Max Pechstein, Eugene Spiro, Magnus Zeller, Hans Purrmann, Bruno Krauskopf und Rudolf Belling waren. In der Sitzung vom 10. März 1933 sprach Pechstein über die Stellung einiger Mitglieder zur Secession, und wies nachdrücklich darauf hin, dass keine Politik in die Secession getragen werden solle. Eine Woche später wurde jedoch über die mögliche Zusammenarbeit mit dem Staat und dem Kampfbund für deutsche Kultur diskutiert. Eugene Spiro legte den Vorstand nieder, weitere Austritte erfolgten im April 1933. Bei einer wichtigen Besprechung am 25. April 1933 verlas Pechstein eine Erklärung an die Regierung, in der sich die Berliner Secession verpflichtete, am Aufbau des neuen Deutschlands mitzuwirken. Emil van Hauth, seit 1932 Mitglied der Secession, verlas ein von ihm entworfenes Programm, das im Sinne des Kampfbundes war. Demnach dürften jüdische und bolschewistisch gesinnte Künstler nicht mehr Mitglieder in deutschen Künstlerverbänden sein und gleichzeitig forderte er eine Umformung der Secession im Sinne des neuen Staates. Die Vorlage wurde mit 27:2 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.

Daraufhin wurden die Statuten geändert und am 2. Mai wurden Emil van Hauth, Artur Degener und Philipp Harth zum neuen Vorstand gewählt. Diese waren Mitglieder des Kampfbundes für deutsche Kultur. Bei einer Besprechung im preußischen Kultusministerium diffamierte, wie sich später herausstellte, van Hauth die Secession als eine Versammlung mit marxistischer Einstellung und wollte damit die Auflösung erreichen. In der Secession berichtete van Hauth dagegen, dass die Berliner Secession von der Regierung nicht mehr gewünscht sei, und dass eine Auflösung durch die Gestapo möglich wäre. Am 16. Juni 1933 wurde der Vorstand erweitert, allerdings kein Vorsitzender gewählt. Emil van Hauth trat am 28. September 1933 aus der Gemeinschaft aus. Am 12. Oktober 1933 wurde über die Liquidation der Vereinigung beraten, was jedoch viele Künstler, die am Fortbestand interessiert waren, ablehnten.

Bei einem weiteren Termin im Kultusministerium gelang es dem Vorstandsmitglied Adolf Strübe den zuständigen Referenten davon zu überzeugen, dass nie irgendwelche staatsfeindliche oder politische Tendenzen seitens der Künstlergemeinschaft bestanden hätten und dass die Vereinigung der Regierung loyal gegenüberstehe. Am 28. September 1933 verließ van Hauth die Secession. Im April 1934 wurden noch Ernst Barlach, Lyonel Feininger und Erich Heckel in die Gemeinschaft gewählt. Das Protokollbuch wurde von 1915 bis 19. April 1934 geführt. In einem Dokument, einer Seite des Berliner Lokal-Anzeigers vom 26. Januar 1936, wird von der Jahresversammlung der Berliner Secession berichtet, auf der Adolf Strübe wieder als Vorsitzender bestimmt wurde, als sein Stellvertreter wurde der Maler Franz Lenk bestimmt. Der Bildhauer Ernesto de Fiori und Herbert Garbe wurden ebenfalls in den Vorstand gewählt. Vermutlich hat die Berliner Secession auch noch nach 1936 weiter bestanden.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Doede: Die Berliner Secession. Berlin als Zentrum der deutschen Kunst von der Jahrhundertwende bis zum 1. Weltkrieg. = Die Berliner Sezession. 2. Auflage. Propyläen, Frankfurt am Main u. a. 1981, ISBN 3-549-16618-4
  • Anke Matelowski: Kunstgeschichte im Protokoll. Neue Aktenfunde zur Berliner Secession. In: Museumsjournal. 12, 3, Juli 1998, ISSN 0933-0593, S. 42–45.
  • Peter Paret: Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im Kaiserlichen Deutschland. Ullstein, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-548-36074-2 (Ullstein-Buch 36074).
  • Rudolf Pfefferkorn: Die Berliner Secession. Eine Epoche deutscher Kunstgeschichte. Haude & Spener, Berlin 1972, ISBN 3-7759-0150-7.
  • Ausstellungskatalog Liebermanns Gegner – die Neue Secession in Berlin und der Expressionismus. Mit Beiträgen von Anke Daemgen und Uta Kuhl. Wienand, Köln 2011, ISBN 978-3-86832-046-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berliner Secession – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.kunstzeiten.de abgerufen am 3. November 2010
  2. Website Zugriff am 20. Dezember 2013.
  3. Museums Journal Nr. 11, Ausg. 25, S. 38, 1997
  4. Die Berliner Secession in neuem Hause. Bei: Universitätsbibliothek Heidelberg
  5. Siegfried u. Dorothea Salzmann: Oskar Moll – Leben und Werk, München 1975, S. 63;
    Oskar Moll – Gemälde und Aquarelle, Ausst.-Kat, Landesmuseum Mainz, Mainz 1997, Michael Kirchner, Chronologie zu Leben und Werk, S. 9