Bodenfelde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bodenfelde
Bodenfelde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bodenfelde hervorgehoben
51.6408333333339.5558333333333118Koordinaten: 51° 38′ N, 9° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Northeim
Höhe: 118 m ü. NHN
Fläche: 19,86 km²
Einwohner: 3232 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 163 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37194
Vorwahl: 05572
Kfz-Kennzeichen: NOM, EIN, GAN
Gemeindeschlüssel: 03 1 55 002
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile[2]
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Amelither Straße 23
37194 Bodenfelde
Webpräsenz: www.bodenfelde.de
Bürgermeister: Mirko von Pietrowski (parteilos)
Lage der Gemeinde Bodenfelde im Landkreis Northeim
Uslar Uslar Bodenfelde Hardegsen Nörten-Hardenberg Katlenburg-Lindau Dassel Moringen Bad Gandersheim Northeim Kalefeld Einbeck Einbeck Landkreis Northeim Niedersachsen Hessen Landkreis Göttingen Landkreis Holzminden Landkreis Hildesheim Landkreis Goslar Landkreis Osterode am Harz Nordrhein-Westfalen Solling (gemeindefreies Gebiet)Karte
Über dieses Bild

Bodenfelde ist eine Gemeinde und ein Flecken im Landkreis Northeim in Niedersachsen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Blick von Süden auf Hafen und Kirche von Bodenfelde
Gierseilfähre der Weser bei Bodenfelde-Wahmbeck

Lage[Bearbeiten]

Der Ort Bodenfelde liegt am Südrand des Naturparks Solling-Vogler im Oberen Wesertal. Der Ort befindet sich zwischen den Mittelgebirgen Solling im Norden und dem Reinhardswald im Süden. Bodenfelde liegt direkt nordöstlich eines langgestreckten Mäanders der Weser, in die der in Nord-Süd-Richtung durch die Ortschaft fließende Reiherbach mündet.

Bodenfelde liegt zwischen 105 und 145 m ü. NN und ist von waldreichen Bergen des Weserberglands umgeben. Westlich erhebt sich der Kahlberg (224,7 m) und südöstlich hinter dem Feldberg (217,4 m) der beim nordhessischen Dorf Lippoldsberg gelegene Höhenzug Kiffing. Die höchsten Berge nahe Bodenfelde sind die nordöstlich der Ortschaft gelegene Kaltewarte (340,7 m) und der nördlich befindliche Hilmersberg (361,8 m). Bodenfelde ist mit einem Gemarkungsgebiet von rund 20 km² Fläche die flächenmäßige kleinste Gemeinde im Landkreis Northeim.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Bodenfelde besteht aus folgenden Ortschaften:[2]

Wappen Bodenfelde.png Bodenfelde (Kernort)
Wappen Nienover.png Nienover, nördlich von Bodenfelde im Tal des Reiherbachs im Solling, bestehend aus den Ortslagen Nienover,
Amelith und Polier[2][3]
Wappen Wahmbeck.png Wahmbeck, westlich von Bodenfelde im Tal der Weser

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Bodenfelde, die genau datierbar ist, stammt aus einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen vom 8. Juni 833. Der Ortsname wird dort Budinisvelt geschrieben. Drei Erwähnungen in den Überlieferungen des Klosters Corvey, den Traditiones Corbeienses, aus der Zeit um 822 bis 826 können nicht genau datiert werden und sind nur in einer Abschrift des 15. Jahrhunderts erhalten.[4]

Die ersten Erwähnungen beziehen sich auf Solequellen bei Bodenfelde, an denen dem Kloster Corvey Rechte übereignet wurden. Diese veräußerte Corvey im Jahr 1278 an das Kloster Lippoldsberg. Zur Zeit der Grafschaft Dassel war Bodenfelde Grenzort an der Oberweser im Südwesten. Die Grafen hatten daher hier eine Zollstation eingerichtet. Zusammen mit Bodenfeldes Ortsteil Wahmbeck wurde sie 1270 verkauft an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Mit der Verleihung der Stadtrechte an Bodenfelde im Jahre 1437 zog Otto II. die Salzrechte des Klosters ein.[5] Bald danach verlor der Ort das Stadtrecht, da er nunmehr als Flecken eingestuft wurde, um das Marktrecht zu stärken. Die Sole-Quellen wurden vom frühen Mittelalter bis 1680 für die Salzgewinnung genutzt.

Die Wälder und Täler im Umfeld von Bodenfelde dienten über Jahrhunderte als Standorte von Waldglashütten, wie die Waldglashütte im Reiherbachtal. Im Jahre 1776 entstand die Spiegelglashütte Amelith, wodurch mit Ameltih und Polier zwei neuen Ortslagen bei Bodenfelde entstanden.[6] Die Erwerbsstruktur des Ortes war lange Zeit neben der Landwirtschaft besonders von der Salzgewinnung geprägt, daneben spielte auch die Schifffahrt auf der Weser eine Rolle. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Saline zerstört.

1825 wurde die Synagoge aus Fachwerk fertiggestellt. Sie überstand die Reichspogromnacht, da sie zuvor zur weiteren Nutzung als Scheune verkauft worden war, und blieb als bauliches Zeugnis der Landjudenschaft erhalten. Das zwischenzeitlich vom Verfall bedrohte Gebäude wurde 2006 nach Göttingen transloziert.[7]

1896 siedelte sich eine Fabrik zur Herstellung von Holzkohle und Holzessig an.[8] Sie firmierte später unter dem Namen Holzverkohlungwerk Bodenfelde. 1926 wurde die Glasbläserei eingestellt. Im Zweiten Weltkrieg blieb Bodenfelde weitgehend vor Zerstörungen bewahrt. Während dieser Zeit wurden in der Holzverkohlungsfabrik Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Fabrik produzierte Ruß für die Herstellung von Reifen. Bei einer Einwohnerzahl von 2072 Personen im Jahr 1944 arbeiteten etwa 350 Zwangsarbeiter im Holzverkohlungwerk; diese setzten sich vor allem durch Ostarbeiter, Niederländer, Italiener und Franzosen zusammen.[9]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Wahmbeck, Nienover (mit den Ortslagen Nienover, Amelith und Polier) und Bodenfelde zur Einheitsgemeinde Flecken Bodenfelde zusammengefasst.[3]

Bis Ende 2010 war Bodenfelde staatlich anerkannter Erholungsort.[10]

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 822-826 Budinifelde, 822-876, 833 Budinisvelt, 10. Jahrhundert Budinoveldun, 976-979 Budinueldun, 980 Budineveldon, nach 1078 Budineveld und vor 1158 Budeneueld. „Budina-“ geht zurück auf „bhudh-“ und steht in Beziehung zum Bedeutungsfeld „Wasser“. Mögliche Bedeutungen sind „aufblasen“, „schwellen“, „Schlammpfütze“, „Pfütze“, „Pfuhl“, „Blasen werfen“, „schäumen“, „brausen“, „brodeln“, „Wellenbruch“, „Brandung“.[11]

Bodenfelde in den Medien[Bearbeiten]

2007/2008 sorgte der Fall der „schwarzen Witwe“ von Bodenfelde für Aufsehen. Eine ehemalige Prostituierte (* 1939) hatte zwischen 1994 und 2000 vier Rentner im Alter zwischen 71 und 84 Jahren, die sie über Kontaktanzeigen kennengelernt und von denen sie einen geheiratet hatte, mit Beruhigungsmitteln wehrlos gemacht und sie dann von einem 14 Jahre jüngeren Mittäter ersticken lassen, um sich ihr Vermögen anzueignen. Sie wurde dafür im Sommer 2008 wegen vierfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt, die sie in der JVA Vechta verbüßt [12]. Der Komplize, dessen Geständnis am 27. August 2007 zur Aufdeckung der Taten geführt hatte, wurde als psychisch abhängig von der Frau und deshalb vermindert schuldfähig wegen dreifachen Mordes und Totschlags in einem Fall zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt,[13] die er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf verbüßt.

Am 21. November 2010 wurden in einem Waldstück des Ortes die Leichen eines 13-jährigen Jungen und eines 14-jährigen Mädchens gefunden. Ein 26-jähriger Mann aus Uslar wurde zwei Tage später festgenommen und gestand, beide getötet zu haben. Das Landgericht Göttingen verurteilte ihn dafür am 27. Juni 2011 zu lebenslanger Freiheitsstrafe, Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus und anschließender Sicherungsverwahrung.[14]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[15]
Wahlbeteiligung: 59,72 %
 %
40
30
20
10
0
38,81 %
27,92 %
26,41 %
5,13 %
1,74 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Einzelbewerber Frank Strautmann

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeindewahl am 11. September 2011 führte zu folgender Sitzverteilung:

Partei / Liste Sitze
SPD 5
CDU 4
Gruppe Bodenfelde 4
Einzelbewerber 1

Bei der Wahl zum Bürgermeister am 25. Mai 2014 setzte sich der parteilose Mirko von Pietrowski mit 82,8 % der Stimmen gegen den Mitbewerber Stefan Fiege (SPD) mit 17,2 & der Stimmen durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 %.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde Spital am Pyhrn in Österreich besteht seit 1977 eine Städtepartnerschaft.[16]

Wappen[Bearbeiten]

In Bodenfeldes Wappen ist eine Erinnerung an die Zeit unter den Grafen von Dassel erhalten geblieben. Das Wappen der Grafen zeigte ein achtendiges Hirschgeweih, während das Bodenfelder Wappen eine vierendige Hirschstange enthält.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bodenfelde ist durch die Sollingbahn mit Ottbergen und Northeim und durch die Oberweserbahn mit Göttingen verbunden. Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt der Ort 1878.

Der örtliche Hafen wird von Fahrgastschiffen bedient. Außerdem liegt der Ort am Weserradweg und am Weserberglandweg.

Schule[Bearbeiten]

Im Ort befindet sich die Heinrich-Roth-Gesamtschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Alle fünf bis sechs Jahre wird in Bodenfelde das historische Fest Schüttenhoff gefeiert. Am zweiten Wochenende im November ist die jährliche Kirmes. Im Ortsteil Nienover finden in den Sommermonaten Living History-Veranstaltungen statt.

Bauten und Denkmäler[Bearbeiten]

Kirche

Die Christuskirche, deren evangelische Gemeinde zum Kirchenkreis Leine-Solling gehört, wurde zwischen 1853 und 1855 im neuromanischen Stil erbaut. Ihr Turm hat sich aus dem Mittelalter erhalten. Da der Ort sowohl am Weserradweg wie auch an der Mountainbikeregion Solling-Vogler liegt, wurde sie 2013 zur Radwegekirche ernannt.[17]

Auch ein Heimatmuseum und ein Herrenhaus des frühen 20. Jahrhunderts befinden hier sich. Ein weiteres Kulturdenkmal ist der jüdische Friedhof.

Die Baudenkmale der Gemeinde Bodenfelde sind in der Liste der Baudenkmale in Bodenfelde aufgeführt.

Vereine[Bearbeiten]

  • Schützenverein
  • SC Bodenfelde

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlev Herbst: Jüdisches Leben im Solling – Der Synagogenverband Bodenfelde-Uslar-Lippoldsberg und die Synagogengemeinschaft Lauenförde. Uslar 1997
  • Lutz Hoffmann u. a.: Zwischen Feld und Fabrik: Arbeiteralltag auf dem Dorf von der Jahrhundertwende bis heute; die Sozialgeschichte des Chemiewerkes Bodenfelde 1896 bis 1986. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1986. ISBN 3-923478-23-2
  • Walter Junge: Chronik des Fleckens Bodenfelde – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bodenfelde 1983
  • Walter Junge, Thomas Thiele: Flecken Bodenfelde mit seinen Ortschaften Bodenfelde, Nienhover und Wahmbeck – Vorgestern, gestern und heute. Geiger, Horb am Neckar 1987. ISBN 3-89264-164-1
  • Klaus Kunze: Ortssippenbuch Bodenfelde, Die Einwohner von 1585–1950. Heikun-Verlag, Uslar 2012. ISBN 978-3-933334-23-7.
  • Balzer Rock: Die Ortsgeschichte von Bodenfelde. Buchdruckerei Klapproth, Uslar 1940

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bodenfelde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bodenfelde – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. a b c Hauptsatzung des Fleckens Bodenfelde vom 18. Februar 2002 (PDF). Abgerufen am 23. März 2011.
  3. a b Flecken Bodenfelde: Ortschaften. Abgerufen am 23. März 2011.
  4.  Kirstin Casemir, Franziska Menzel, Uwe Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil V, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, ISBN 3-89534-607-1, S. 60 ff.
  5. Hans-Heinz Emons, Hans-Henning Walter: Alte Salinen in Mitteleuropa, 1988, S. 120
  6. Walter Junge: Bodenfelde, in: Glastechnische Berichte, Band 48, 1975, S. 19
  7. Die Bedeutung des Friedhofs und der Synagoge in Bodenfelde
  8. Lutz Hoffmann, Uwe Neumann, Wolfgang Schäfer: Zwischen Feld und Fabrik, Verlag Die Werkstatt, 1986, S. 23
  9. Volker Zimmermann [Hrsg.], Leiden verwehrt Vergessen : Zwangsarbeiter in Göttingen und ihre medizinische Versorgung in den Universitätskliniken, Wallstein-Verlag, Göttingen, 2007. ISBN 3-8353-0152-7. S. 149.
  10. Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage "Welchen Stellenwert haben Prädikate wie „staatlich anerkannter Luftkurort“ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen?" (PDF; 102 kB). Abgerufen am 22. März 2011.
  11. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  12. http://www.hna.de/lokales/northeim/schwarze-witwe-kaeufer-ihres-hauses-muss-keinen-schadensersatz-zahlen-3486209.html
  13. Bundesgerichtshof Pressemitteilung Nr. 14/2009DER SPIEGEL 3. Juli 2008DER SPIEGEL 28. Januar 2008
  14. DER SPIEGEL 27. Juni 2011, Bundesgerichtshof Pressemitteilung Nr. 13/2012
  15. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/155002_000016/index.html
  16. Internetseite der Gemeinde Bodenfelde (abgerufen am 10. August 2010).
  17. Doppelte Auszeichnung für Christuskirche
  18. http://klauskunze.com/hf/bio/1904.htm
  19. http://klauskunze.com/hf/bio/1856.htm