Bodo Wartke

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Bodo Wartke

Bodo Wartke (* 21. Mai 1977 in Hamburg) ist ein deutscher Musik-Kabarettist, Liedermacher, Schauspieler und Poet.

Leben[Bearbeiten]

Bodo Wartke wurde als Sohn eines Ärzte-Ehepaares geboren und wuchs als Einzelkind in Reinbek und Bad Schwartau auf, denn seine Schwester starb bereits im Säuglingsalter, als Bodo Wartke drei Jahre alt war.[1] Er machte 1996 das Abitur am Schwartauer Leibniz-Gymnasium und absolvierte seinen Zivildienst im Städtischen Krankenhaus Süd in Lübeck. 1997 begann er ein Physikstudium in Berlin, wechselte aber nach kurzer Zeit das Fach und studierte Musik auf Lehramt an der Universität der Künste. Von 1998 bis 2004 war Bodo Wartke Mitglied bei SAGO, der Akademie für Poesie und Musik von Christof Stählin. Er gehört der Celler Schule an, ist ledig und lebt in Berlin-Kreuzberg.

Kunst[Bearbeiten]

Bodo Wartke bei einem Bühnenauftritt

Bodo Wartke macht Klavierkabarett, d.h. er tritt in der Regel allein auf und begleitet seine Lieder dabei auf dem Flügel. Musik und Texte stammen fast alle aus eigener Feder. Die Texte sind meist deutsch; sie zeichnen sich durch virtuose Wortspiele, originelle Rhythmen und pointierte Reime aus.

Ein häufig wiederkehrendes Thema ist die Liebe, die er meist in komischer (Ja, Schatz!), aber auch in ernster Form (An dich, 90 Grad) thematisiert. In seinem abendfüllenden Programm Achillesverse teilt er Liebeslieder in verschiedene Kategorien ein und stellt diese im Einzelnen vor. Sein Liebeslied besteht aus einer variablen Anzahl von kurzen Strophen mit nahezu identischem Inhalt, die alle in unterschiedlichen Sprachen verfasst sind. Zurzeit (2011) hat Bodo Wartke diese Strophe in 88 Sprachen in seinem Repertoire, darunter diverse Dialekte aus dem deutschen Sprachraum sowie konstruierte Sprachen wie Esperanto, Sindarin, Quenya oder Klingonisch.[2] Auf seiner Homepage kann man sich mit dem Liebesliedgenerator alle Übersetzungen anhören und zusammenstellen. Inzwischen existieren auch Sammlungen zahlreicher fremdsprachlicher Strophen, zusammengestellt von Fans oder einer Redaktion.[3][4]

In einem satirischen Rahmen widmet sich Wartke auch politischen und gesellschaftlichen Themen. In Monica rechnet er mit einem proklamierten heuchlerischen Moralverständnis der amerikanischen Gesellschaft sowie George W. Bushs Präsidentschaft ab; in Die Amerikaner greift er antiamerikanische Klischees satirisch auf. Loveparade ist ein ironischer Lobgesang auf die gleichnamige Techno-Parade, Gaffer ein sarkastischer Kommentar zur Sensationsgier.

Weitere wiederkehrende Themen seiner Texte sind Alltagssituationen und der Prozess des musikalischen Komponierens und Aufführens. Ich trau’ mich nicht und Das letzte Stück reihen Situationen des Alltags aneinander, die durch ein gemeinsames verbindendes Motiv charakterisiert werden und sich dabei zuspitzen. PCdenzfall handelt von den Schwierigkeiten der Arbeit am PC und den Unzulänglichkeiten der Produkte von Microsoft (Ey Bill, gates noch?). Anfang 2007 veröffentlichte Wartke vier Webepisoden als Kolumne zu den Themen Apple und Microsoft auf der Webseite der Fachzeitschrift Mac Life. Dodekakophonie und Hört ma’ zu! betten Kompositionstechniken und Motive der klassischen Musik in eine Rahmenhandlung ein.

In seinem Repertoire finden sich auch Tanznummern und Gedichte, bei denen er sich selbst als Stepptänzer begleitet. Sein Programm Noah war ein Archetyp beinhaltet das Klavierstück Alla Turca Stomp, das ohne gesangliche Begleitung auskommt und eine Adaption von Wolfgang Amadeus Mozarts bekanntem Rondo aus der Klaviersonate Nr. 11 darstellt.

Als weiteren Bestandteil seines nun vier abendfüllende Programme umfassenden Repertoires hat Wartke im Mai 2009 das Ein-Mann-Theaterstück König Ödipus vorgestellt, das im Januar 2011 am Staatstheater Wiesbaden zudem in einer Ensemble-Fassung uraufgeführt wurde.[5] Mit dieser modernen Adaption des antiken Dramas und Mythos um König Ödipus möchte Wartke auf die Frage der Vorsehung oder Bestimmung eingehen.[6] Die ersten beiden Teile (später in Anlehnung an Star Wars als Episode IV und V bezeichnet) führte er bereits in seinem ersten Bühnenprogramm Ich denke, also sing' ich auf, die Vorgeschichte hierzu ist als Episode I und II in seinem Programm Noah war ein Archetyp enthalten.

In der Regel tritt er alleine auf; bei einzelnen Stücken begleiten ihn Gastmusiker wie etwa die Violinistin Sonja Firker oder die Sängerin Melanie Haupt. Mehrere seiner Lieder, unter anderem Meine neue Freundin und Monica, wurden von A-cappella-Gruppen, darunter Basta und Wise Guys, gecovert. Für einen Auftritt bei einem Liedermacher-Festival sang Bodo Wartke das Stück Andrea gemeinsam mit der Gruppe Viva Voce, ebenso Ja, Schatz! und das Liebeslied.

Zurzeit ist Bodo Wartke mit seinem Programm Klaviersdelikte unterwegs, das am 27. Januar 2012 in den Wühlmäusen in Berlin Premiere feierte.[7] Zu diesem Programm erschien auch 2012 sein erstes Studio-Album sowie eine Live-CD und -DVD/Blu-ray im Jahr 2013.[8]

Parallel dazu läuft seit 2013 das Programm Swingende Notwendigkeit. Statt des üblichen Solo-Klavierkabaretts handelt es sich hier um ein Swing-Arrangement gemeinsam mit dem Capital Dance Orchestra von Stücken aus den vorangegengenen Programmen sowie einigen neuen Stücken. Die Aufnahmen für eine Live-CD fanden im Oktober 2013 im Berliner Admiralspalast statt, die CD wird voraussichtlich im September 2014 erscheinen[9]. Die Tour wird 2014 fortgesetzt.[10]

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten]

Von 2006 bis 2011 moderierte er das jährlich stattfindende und bis 2009 vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnete und ausgestrahlte Musikfestival Songs an einem Sommerabend, nachdem er 2002, 2004 und 2005 bereits als Künstler mitgewirkt hatte. Durch das Programm führte er mit eigens dafür komponierten Liedern. Durch das Festival verbindet ihn eine Freundschaft mit dem dortigen Stammgast Reinhard Mey.

Bodo Wartke betätigt sich auch bei anderen Projekten: Als Komponist und musikalischer Leiter wirkte er bei einer Hamburger Inszenierung von Dylan Thomas’ Theaterstück Unter dem Milchwald mit, auf Jacques Offenbachs Operette Orpheus in der Unterwelt verfasste er ein deutsches Libretto. Für Roger Ciceros Album Beziehungsweise (2007) schrieb er den Text zu Der Anruf und für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden das Lied „...da wird auch dein Herz sein“ (2011).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Abendfüllende Programme[Bearbeiten]

  • Ich denke also sing ich (entwickelt von 1998 bis 2002), erschienen auf:
    • CD (1998)
    • CD "Ich denke, also sing ich – unterwegs" (aktualisiert, 2001)
    • CD "Ich denke, also sing ich - live 2009" (aktualisiert, 2009)
    • DVD (2004)
  • Achillesverse (Premiere 2003), erschienen auf:
    • CD (Dezember 2003)
    • DVD (November 2005)
    • Doppel-CD "Achillesverse – live in Berlin" (aktualisierte Version, 2006)
  • Noah war ein Archetyp (Premiere im November 2006), erschienen auf:
    • Maxi-CD Noah war ein Archetyp – Das erste Mal (Auszüge aus einem spontanen Live-Mitschnitt des Programms bei der Premiere in Alma Hoppes Lustspielhaus, Hamburg, November 2006, erschienen Januar 2007)
    • CD Noah war ein Archetyp – Das Album (November 2007)
    • DVD Noah war ein Archetyp (Aufzeichnung fand am 12. Mai 2008 in Hamburg im Schmidts Tivoli statt)
    • Doppel-CD Noah war ein Archetyp - Zweite Fassung (6. April 2011)
  • König Ödipus - Das Solo-Theaterstück (Premiere Mai 2009)
    • DVD König Ödipus - Das Solo-Theaterstück (April 2010)
  • Klaviersdelikte (Premiere im Januar 2012)
    • CD "Klaviersdelikte" (erste Studio-CD von Bodo Wartke, Februar 2012)
    • Doppel-CD Klaviersdelikte - live in Bremen (September 2013, Aufzeichnung gemeinsam mit DVD Klaviersdelikte)
    • DVD/Blu-Ray "Klaviersdelikte" (Aufzeichnung fand am 15. und 16. Februar. 2013 im Musical Theater Bremen statt, Veröffentlichung September 2013)

Sonstige Werke[Bearbeiten]

  • Bodo live – Das Konzert (Erste Veröffentlichung auf CD, Produktion gefördert vom NDR als Sonderpreis beim NDR Comedy-Preis 1996; Erste Auflage nicht mehr erhältlich, Neuauflage anlässlich 10-jährigen Bühnenjubiläums; limitierte Auflage 1996 Stk.), CD (1996, 2006)
  • Unter dem Milchwald (Soundtrack: Wartke, komponiert 1996, Veröffentlichung auf CD, anlässlich 10-jährigen Bühnenjubiläums; limitierte Auflage 500 Stk.), CD (2004)
  • Liedtext für der Anruf auf dem Album beziehungsweise von Roger Cicero

Bücher[Bearbeiten]

  • Ich denke also sing ich - Notenbuch 1. Auflage September 2005
  • Achillesverse - Notenbuch 1. Auflage Dezember 2006
  • Noah war ein Archetyp - Notenbuch 1. Auflage April 2008, Ergänzung zum Notenheft: Ende April 2011
  • König Ödipus - Stücktext 1. Auflage Oktober 2009
  • Klaviersdelikte - Notenbuch 1. Auflage Februar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bodo Wartke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bodo Wartke: Klaviersdelikte – Premierenkritik
  2. liebesliedgenerator.de
  3. Sammlung von vielen fremdsprachlicher Strophen vom Liebeslied durch viele Liebesliedliebhaber
  4. Redaktionelle Sammlung der fremdsprachlichen Strophen teils mit Lautschrift und englischer Übersetzung
  5. König Ödipus – Caroline Stolz' Uraufführung von Bodo Wartkes Motherfucker-Revue: Iokaste – Wat haste?. In: nachtkritik.de. Abgerufen am 21. November 2011
  6. Produktionstagebuch Eintrag vom 17. April 2009
  7. Klaviersdelikte
  8. https://www.reimkultur-mv.de/?SPId=bw
  9. https://www.youtube.com/watch?v=CRfSjhnF30A
  10. http://www.bodowartkesingtlieberwiederueberwiegendliederueberliebe.de/seiten/index.php?nav=261
  11. Die Preisträger. DasSchwarzeSchaf.com, abgerufen am 8. Juli 2013.