Briesen (Spreewald)

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Briesen führt kein Wappen
Briesen (Spreewald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Briesen hervorgehoben
51.81527777777814.24472222222258Koordinaten: 51° 49′ N, 14° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Spree-Neiße
Amt: Burg (Spreewald)
Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 9,04 km²
Einwohner: 807 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03096
Vorwahl: 035606
Kfz-Kennzeichen: SPN, FOR, GUB, SPB
Gemeindeschlüssel: 12 0 71 028
Adresse der Amtsverwaltung: Hauptstraße 46
03096 Burg(Spreewald)
Webpräsenz: www.amt-burg-spreewald.de
Bürgermeister: Klaus Heinrich (WG Domowina)
Lage der Gemeinde Briesen im Landkreis Spree-Neiße
Burg Briesen Dissen-Striesow Döbern Drachhausen Drehnow Drebkau Felixsee Forst Groß Schacksdorf-Simmersdorf Guben Guhrow Heinersbrück Hornow-Wadelsdorf Jämlitz-Klein Düben Jänschwalde Kolkwitz Neiße-Malxetal Neuhausen Peitz Schenkendöbern Schmogrow-Fehrow Spremberg Tauer Teichland Tschernitz Turnow-Preilack Welzow Werben WiesengrundKarte
Über dieses Bild

Briesen, niedersorbisch Brjazyna, ist eine Gemeinde im Südosten von Brandenburg, und ist Teil des Amtes Burg (Spreewald).

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden. Die Nordgrenze der Gemarkung bildet das Große Fließ.

Geschichte[Bearbeiten]

1346 wurde Briesen als Breßzine erstmals urkundlich erwähnt. Der slawische Ortsname bedeutet so viel wie „Birkenort“. Die wendische Siedlung ist aber schon einige Jahrhunderte älter. Im 15. Jahrhundert wird der Ort im Kanzleiregister des Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg als Bryßen bezeichnet.

Da es in der Niederlausitz fünf Orte dieses Namens gibt und für die Frühzeit nur wenig Quellen vorliegen, lässt sich die Besitzfolge des häufig die Eigentümer wechselnden Gutes im 15. Jh. nur lückenhaft rekonstruieren. 1486 belehnte Markgraf Johann von Küstrin Johann v. Mühlen (Jan v. Mylen/Mielen) mit dem Dorf nebst allen Gütern, Zinsen und Renten, wie er sie von Hans und Caspar von Sachs gekauft hatte. Houwald vermutet hinter „Sachse“ einen Beinamen für das Geschlecht v. Luckowin, das in der Herrschaft Beeskow-Storkow ansässig war. Nach dem Lehnbrief von 1519 erhielt v. Mühlen auch das Dorf Brahmow und Besitzanteile in Werben, Guhrow, Kunersdorf und Ruben, die alle in der Umgebung von Briesen liegen. Die Familie verkaufte das Gut zwischen 1550 und 1576 an Hieronymus v. Minckwitz, der 1576 damit belehnt wurde. Von 1586–1591 erscheinen die v. Birckholtz als Gutsherren. 1591 erwarb Otto von Hake auf Berge, Rat und Hauptmann zu Cottbus, Briesen. 1617 kaufte sein Bruder Weigand wieder Brahmow hinzu, das in der Familie v. Mühlen vererbt worden war. Es blieb bis 1781 mit Briesen vereinigt. 1644 erwarb der mit den Hakes verschwägerte General und Gouverneur der Festung Peitz Hans Caspar von Klitzing die beiden Güter. Nachdem sein Enkel Carl Philipp kinderlos verstorben war, kaufte 1719 Wilhelmine Christiane Gräfin von Schönburg-Glauchau Briesen und Brahmow, veräußerte es jedoch bereits 1735 an Franziskus Matthäus Freiherr von Vernezobre de Laurieux weiter. Der aus einer Hugenottenfamilie stammende und 1724 in den preußischen Adels- und Freiherrnstand erhobene Kaufmann hatte ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet, das er in Gütern auf dem Barnim (1721 Hohenfinow und Tornow, 1731 Sommerfelde), in der Uckermark (1731 Polßen) und in der Niederlausitz (1733 Krieschow und Milkersdorf) anlegte. Daneben errichtete er auf Geheiß Friedrich Wilhelms I. ein Stadtpalais in der Berliner Friedrichstadt, das spätere Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße, weil er nur auf diese Weise eine vom König befohlene Heirat seiner Tochter mit dem Kapitän von Forcade abwenden konnte.[2] Nach seinem Tode 1748 erbte sein Sohn Friedrich Wilhelm von Vernezobre, Landrat des Kreises Cottbus, die Niederlausitzer Güter Krieschow, Milkersdorf, Briesen und Brahmow. Infolge des Siebenjährigen Krieges, von Fehlinvestitionen und einer Viehseuche auf seinen Gütern war Vernezobre so verschuldet, dass seine Gläubiger das Landratsgehalt mit Arrest belegen und seine Güter unter Zwangsverwaltung stellen ließen. Kurz vor seinem Tode 1781 wurde der Konkurs eröffnet. Vernezobre musste 1766 Briesen an Carl Gustav von Roebel und 1779 Krieschow an Johann Alexander v. Normann veräußern; 1781 wurden Brahmow und Milkersdorf im Konkurs seinen beiden Töchtern Johanna Christiana Louisa und Friderica Wilhelmina Augusta, verheiratete v. Normann, zugeschlagen.

Schloss Briesen im Spreewald (1946 abgerissen), Alexander Duncker

1783 erwarb Ludwig (seit 1810 Freiherr) von Wackerbarth das Gut Briesen und 1797 von dem Dichter Heinrich von Kleist das benachbarte Gut Guhrow. Da er keine Söhne hatte, nahm er 1810 den Neffen seiner Frau Helene, geb. von Bomsdorff, Adolf Leberecht von Bomsdorff auf Linderode, Kreis Sorau, an Kindesstatt an, dem 1811 der sächsische Freiherrenstand als v. Wackerbarth genannt v. Bomsdorff verliehen wurde. Guhrow wurde den Bauern in Erbpacht gegeben und nach der Separation 1848 aus der Liste der Rittergüter gestrichen. 1885 vernichtete eine Feuersbrunst 35 Häuser in Briesen, die Grundstücke wurden gleichmäßig neu aufgeteilt. Das Gut mit einem Umfang von 510 ha blieb bis 1945 im Besitz der Freiherren von Wackerbarth. Das von Vernezobre errichtete Barockschloss, das im Inneren zur Hälfte aus dem spätmittelalterlichen Vorgängerbau bestand, wurde auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters 1946 bis auf das Gesindehaus abgerissen und zum Teil gesprengt, wozu alle dort untergekommenen Flüchtlinge den im Krieg unzerstörten Bau verlassen mussten. Sie wurden in Holzbaracken, die unter den Nationalsozialisten als Arbeitslager dienten, umquartiert. Die Familie von Wackerbarth wurde enteignet und ausgewiesen. Der einst unter Beratung Pücklers angelegte kleine, mit Orangerie, Teichen und Grotte jedoch wohlgestaltete Schlosspark wurde mit einer Schule überbaut.

Politik[Bearbeiten]

Öffentliche Gebäude und Einrichtungen, Straßen, Wege, Plätze und Brücken werden schrittweise zweisprachig beschriftet.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 10 Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister als Vorsitzenden

  • WG Domowina 3 Sitze
  • WG Gemeinsam für Briesen 2 Sitze
  • WG Sportgemeinschaft „Frischauf“ Briesen 2 Sitze
  • WG Freiwillige Feuerwehr Briesen 1 Sitz
  • WG Jugend 1 Sitz
  • FDP 1 Sitz

Die Gemeindevertretung hat den Bauausschuss und den Ausschuss für Soziales, Jugend und Kultur gebildet.

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Briesener Kirche, gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, enthält bedeutende spätmittelalterliche Wandmalereien, die erst vor einigen Jahrzehnten wiederentdeckt und freigelegt wurden. Sie datieren aus dem Jahr 1486 und zeigen die Passion Christi, die Kreuzigung und das fast zerstörte Jüngste Gericht. Weiter zu sehen sind Stifterfiguren, Mönche und junge Männer, deren Deutung aber unsicher ist. Ferner befinden sich in der Kirche mehrere barocke Prunkepitaphien der Familie von Klitzing, unter anderem des Generalmajors Hans Caspar von Klitzing (1594–1644).[3] Der Dachturm wurde im Jahre 1804 hinzugefügt. Vor der Kirche befindet sich das denkmalgeschützte Grab der Eheleute Ludwig und Helene von Wackerbarth.

In der Liste der Baudenkmale in Briesen (Spreewald) und in der Liste der Bodendenkmale in Briesen (Spreewald) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmäler.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Im Ort gibt es eine einzügige Grundschule, die nach dem niedersorbischen/wendischen Dichter Mato Kosyk benannt ist und im Ganztagsschulbetrieb läuft.

Sonstiges[Bearbeiten]

Bei Briesen endete am 31. Juli 1901 die Rekordfahrt von Arthur Berson und Reinhard Süring im mit Wasserstoff gefüllten Freiballon Preussen. Der Ballon hatte zuvor eine Höhe von etwa 10.800 m erreicht.[4][5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Duncker-Neuausgabe, 2000, Bd. 2, S. 65-68.
  • G. Krüger, Gut Briesen und seine Besitzer, in: Heimatkalender für die Niederlausitz 1939, S. 75 f.
  • Houwald VII/47-54 (Briesen), 30-37 (Brahmow), 159-162 (Krieschow) und 178-180 (Milkersdorf). - LA Lübben, 1958, 70f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Briesen (Spreewald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Armin Dahl: Geschichte des Prinz-Albrecht-Palais: http://www.kreuzberger-chronik.de/chroniken/2003/juni/geschichte.html%7C
  3. Hans Caspar von Klitzing: http://www.30jaehrigerkrieg.de/klitzing-hans-kaspar-caspar-von/
  4. Kurt Schlodder: Notlandung in Briesen vor 100 Jahren. Lausitzer Rundschau, 21. August 1999.
  5. Stephan Wiehler: Erinnerung an Höhenrekord: Zonenrand-Erfahrung: Nur das Barometer war Zeuge. Tagesspiegel, 28. Juli 2001.