Peitz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Peitz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Peitz
Peitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Peitz hervorgehoben
51.85833333333314.41138888888964Koordinaten: 51° 51′ N, 14° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Spree-Neiße
Amt: Peitz
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 13,38 km²
Einwohner: 4420 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 330 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03185
Vorwahl: 035601
Kfz-Kennzeichen: SPN, FOR, GUB, SPB
Gemeindeschlüssel: 12 0 71 304
Adresse der Amtsverwaltung: Schulstraße 6
03185 Peitz
Webpräsenz: www.peitz.de
Bürgermeister: Bernd Schulze (parteilos, von FDP aufgestellt)
Lage der Stadt Peitz im Landkreis Spree-Neiße
Burg Briesen Dissen-Striesow Döbern Drachhausen Drehnow Drebkau Felixsee Forst Groß Schacksdorf-Simmersdorf Guben Guhrow Heinersbrück Hornow-Wadelsdorf Jämlitz-Klein Düben Jänschwalde Kolkwitz Neiße-Malxetal Neuhausen Peitz Schenkendöbern Schmogrow-Fehrow Spremberg Tauer Teichland Tschernitz Turnow-Preilack Welzow Werben WiesengrundKarte
Über dieses Bild

Peitz, niedersorbisch Picnjo, ist eine Stadt im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg, Deutschland mit rund 4.700 Einwohnern. Peitz ist Sitz des seit 1991 bestehenden Amtes Peitz. Zum Amt Peitz gehören die Ortsteile Drachhausen, Drehnow, Heinersbrück, Jänschwalde, Tauer, Teichland, Turnow-Preilack und die Stadt Peitz.

Geografie[Bearbeiten]

Peitz liegt in der Niederlausitz am östlichen Rand des Spreewalds, auch Vorspreewald genannt, in einer wasserreichen Landschaft des Baruther Urstromtals, mit dem Fluss Malxe und dem Hammergraben, einem künstlich angelegten Nebenarm der Spree, sowie einem großen Teichgebiet. Die Stadt befindet sich im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Festungsturm der ehemaligen Festung
Ehemaliges Hüttenwerk Peitz

Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg an diesem Ort unter dem Namen Pitzne erfolgte im Jahr 1301. Sie war Sitz verschiedener Lehnsherren. Infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lausitz im 15. Jahrhundert wechselte die Herrschaft über den Ort mehrmals zwischen Brandenburg und Böhmen. Im Frieden von Guben wurde Peitz zusammen mit Cottbus 1462 unter Friedrich II., Kurfürst von Brandenburg, endgültig eine brandenburgische Exklave. Zum Schutz der Stadt wurde unter Johann V., Markgraf der Neumark, Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau einer Festung begonnen. Als Schutzgürtel wurden bereits 1556 vor der Stadt 5000 Morgen große Teiche sowie zu deren Flutung der Hammergraben angelegt.[2] 1559–1562 wurden die Zitadelle, die obere Festung, und 1590 bis 1595 die Festungsanlage um die Stadt, die untere Festung, gebaut. Der Bau wurde vom Festungsbaumeister Graf Rochus zu Lynar geleitet, der auch als Erbauer der Zitadelle Spandau gilt. Während des Dreißigjährigen Krieges suchten viele adlige und kirchliche Würdenträger Schutz in Peitz. 1636–1637 war Peitz zeitweilig Residenz des brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm bei seiner Flucht vor den schwedischen Truppen. Die Festung wurde auch als Haftanstalt genutzt. Bedeutendster Festungsgefangener war der kurfürstliche Staatsminister Eberhard von Danckelmann, der hier von 1698 bis 1708 inhaftiert wurde. Im Siebenjährigen Krieg eroberten österreichische Truppen 1758 und 1759 die Festung. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II. wurde 1767 die Festung weitgehend abgerissen.

Bereits 1550 wurde das Eisenhüttenwerk Peitz gegründet, das Raseneisenstein aus der Region zu Guss- und Schmiedeeisen verarbeitete, aus denen neben Haushalts- und Ackergeräten auch Kanonenkugeln für die brandenburgisch-preußische Armee hergestellt wurden. 1658 wurde hier der erste Hochofen der Mark Brandenburg errichtet, der 1809 bis 1810 durch den heute unter Denkmalschutz stehenden Hochofen ersetzt wurde. Damit gehört der Ofen zu den wenigen erhaltenen historischen Hochöfen im Gebiet der Neuen Bundesländer. Vergleichbare Anlagen sind nur noch an den Standorten Schmalzgrube (erhaltener Hochofen von 1659), Brausenstein (erhaltener Hochofen von 1693), Morgenröthe-Rautenkranz (erhaltener Hochofen von 1820/22) und Schmalkalden (Neue Hütte) (erhaltener Hochofen von 1835) vorhanden.

Zum Antrieb des Zylindergebläses des historischen Hochofens und aller anderen Maschinen des Peitzer Eisenhütten- und Hammerwerks, wurde das Wasser des Hammergrabens, der hier auch Hammerstrom genannt wird, genutzt. Das Eisenhütten- und Hammerwerk ist als Museum eingerichtet, und bei Vorführungen des Gebläses muss zur Zeit ein Elektromotor als Ersatz dienen. Die Wiederherstellung des Antriebs mittels Wasserkraft ist ein Wunsch des Museums. Das Peitzer Hüttenwerk ist das älteste in Deutschland funktionstüchtig erhaltene Eisenhüttenwerk. Es enthält einen Hochofen und einen Kupolofen. Bei gelegentlichen Vorführungen wird der Kupolofen angeheizt.[3]

Seit Ende des 16. Jahrhunderts wird in den Teichen Fischzucht betrieben, die unter dem Namen „Peitzer Karpfen“ überregional bekannt wurde. Das führte auch dazu, dass Peitzer Fischer 1867 zum preußischen Hoflieferanten erklärt wurden.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hissten zwei mutige Männer der Stadt, Hans Rabe und Hans Messner, weiße Fahnen vom Festungsturm, um die gewaltlose Übergabe der Stadt an die Rote Armee zu ermöglichen. Dabei fand Hans Rabe, der durch eine SS-Streife erschossen wurde, am 24. April 1945 den Tod.[4]

Im Rahmen der Jazzwerkstatt Peitz fanden 1979, 1980 und 1981 überregional stark beachtete Open-Air-Konzerte in der Freilichtbühne Peitz statt. Die „von unten“ organisierten Musikfestivals besuchten mehr als 3000 Menschen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen seit 1875
Peitz:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen (2013)
Jahr Einwohner
1875 3 431
1890 4 098
1910 4 570
1925 3 414
1933 3 515
1939 3 846
1946 5 449
1950 5 077
1964 4 473
1971 4 395
Jahr Einwohner
1981 6 384
1985 6 073
1989 5 676
1990 5 582
1991 6 103
1992 4 853
1993 6 189
1994 6 137
1995 6 377
1996 6 468
Jahr Einwohner
1997 6 568
1998 5 689
1999 5 549
2000 5 478
2001 5 266
2002 5 375
2003 5 277
2004 5 414
2005 5 033
2006 4 971
Jahr Einwohner
2007 4 866
2008 4 792
2009 4 684
2010 4 597
2011 4 500
2012 4 420
2013

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[5].

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[6][7]
Wahlbeteiligung: 53,71 % (2003: 40,35 %)
 %
30
20
10
0
26,44 %
25,84 %
25,57 %
22,15 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+2,76 %p
+6,06 %p
-13,84 %p
+5,02 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d 2003: PDS

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Peitz besteht einschließlich des Bürgermeisters aus 17 Stadtverordneten bei folgender Sitzverteilung.

  • SPD: 4 Sitze (±0)
  • FDP: 4 Sitze (±0)
  • CDU: 4 Sitze (–3)
  • LINKE: 4 Sitze (+1)

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 2. November 1992 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot eine goldene dreitürmige Burg mit geschlossenem blauen Tor auf grünem Schildfuß; auf dem blauen Spitzdach des Mittelturmes mit goldenem Knauf ein goldener Vogel, beseitet von den Ziffern 8 und 5; die Seitentürme mit blauen Kuppeldächern, mit goldenen Knäufen und linkshin gewendeten Fahnen.“[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ein Teich und das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde von der Maustmühle her
  • Von der Festung Peitz sind der Festungsturm und die im 16. Jahrhundert errichtete Malzhausbastei erhalten. Der 36,20 Meter hohe Festtungsturm mit bis zu 6,22 Meter dicken Außenmauern enthält in seinem Kern Teile des ehemaligen Bergfrieds der Peitzer Burg aus dem 13. Jahrhundert. Im Zuge des Festungsbaus erhielt er in den Jahren 1559 bis 1562 seine heutige Gestalt.
  • Historischer Altstadtkern der Stadt Peitz
    • klassizistisches Rathaus von 1804, der Ostgiebel wurde 1850 im Stil der Tudorgotik umgestaltet
    • evangelische Stadtkirche, neuromanischer Backsteinbau, errichtet 1854 bis 1860 nach Plänen von Friedrich August Stüler
  • Hüttenmuseum Peitz (ehem. Hüttenwerk in Peitz), technisches Denkmal
  • Fischereimuseum Peitz (eröffnet am 24. März 2006)
  • das Peitzer Teichgebiet ist mit rund 1000 ha das größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands.
  • ein Gedenkstein aus dem Jahr 1948 auf dem Städtischen Friedhof erinnert an acht deutsche Wehrdienstverweigerer, die im Frühjahr 1945 auf Befehl von General Ferdinand Schörner erschossen wurden.

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Peitz und Liste der Bodendenkmale in Peitz mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmälern.

Peitz ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Peitz-Ost liegt an der Bahnstrecke Cottbus–Guben. Der ehemalige Bahnhof Peitz an der zwischen Cottbus-Willmersdorf und Grunow stillgelegten Bahnstrecke Cottbus–Frankfurt (Oder) ist seit dem 30. Mai 2000 außer Betrieb. Durch Peitz verläuft die Bundesstraße 168.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Groger: Urkundliche Geschichte der Stadt und Festung Peitz. 1. Teil. Verlag Reinh. Richter's Wwe. Peitz N.-L. 1913.
  • Beiträge zur Chronik der Stadtgeschichte Peitz. Herausgeber: Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Peitz. Cottbus 1983.
  • Dirk Redies/Martin Klein, Entdeckungen im Peitzer Land, 1. Auflage 1998, Geiger-Verlag, Horb am Neckar
  • Historischer Führer, Stätten und Denkmale in den Bezirken Dresden, Cottbus, Urania-Verlag Leipzig-Berlin-Jena, 2. Auflage 1988, ISBN 3-332-00234-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Peitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Ernst von Schönfeldt: Der Landkreis Cottbus mit dem Spreewald. Kunstdruck- und Verlagsbüro, Magdeburg 1933, ISBN 978-3-938555-23-1, S. 62.
  3. http://www.reiseland-brandenburg.de/pages/industriekultur_huettenmuseum.html
  4. Ursula Höntsch / Hannes Hüttner: Mord in letzter Minute, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 84
  5. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  6. https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf#page=137
  7. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/1440.html
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg