Carinhall

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Torhäuser vor Görings ehemaligem Landsitz in der Schorfheide
Überführung der verstorbenen Frau Hermann Görings, Carin Göring von Schweden in die Schorfheide am 19. Juni 1934
Hermann Göring bei der Begrüßung eines SS-Führers im Hof von Carinhall
Bronzeplastik Kämpfende Amazone, früher in Carinhall, heute in Eberswalde im Park am Weidendamm
Bronzeplastik Kronenhirsch, früher in Carinhall, heute im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde
Heute ist vom ehemaligen Anwesen nichts mehr zu erkennen
Kastanienallee

Carinhall war ein repräsentatives Anwesen des Reichsmarschalls und führenden Nationalsozialisten Hermann Göring. Es lag in der Schorfheide zwischen Großdöllner See und Wuckersee, in der Nähe von Groß Dölln im Norden des heutigen Bundeslandes Brandenburg. Architekt des nach 1933 in mehreren Etappen errichteten Gebäudekomplexes war zunächst Werner March, der Schöpfer des Berliner Olympiastadions. Später übernahm Friedrich Hetzelt den Bau.

Von 1933 bis 1945[Bearbeiten]

Der Name des Anwesens bezieht sich auf Görings erste Frau, die 1931 verstorbene Carin Göring, geborene Freiin Fock, geschiedene von Kantzow, mit der er seit 1923 verheiratet gewesen war. Nach einem Besuch an ihrem Grab in Schweden hielt Göring eine Rede und hinterließ ein Gebinde aus roten Rosen. Dieses wurde kurz darauf von empörten Schweden entfernt, die eine Protestnote hinterließen. Diese richtete sich gegen die Politisierung einer schwedischen Staatsbürgerin zu Propagandazwecken. Göring ließ den Vorfall in der gleichgeschalteten Presse zu einer Grabschändung umdeklarieren. Dies benutzte er als Vorwand, um die Tote in einem Staatsakt von Schweden nach Deutschland zu überführen. Ihr Leichnam wurde in einer Gruft auf dem Gelände von Carinhall zur Ruhe gebettet.

In den Ausstellungsräumen von Carinhall war die Privatsammlung von Hermann Göring untergebracht, die zum großen Teil aus Raub- und Beutekunst bestand. Dort empfing er gern ausländische Staatsgäste, mit denen er Jagdausflüge in die Schorfheide unternahm.

Einige Zeit bezeichnete ein Granitfindling nahe dem ehemaligen Eingang den Ort des Anwesens, dessen Gebäude gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 auf Weisung von Göring gesprengt wurden. Dieser Findling wurde inzwischen entfernt. Nur sehr wenige Grundmauern, eingefallene Keller und Überreste von Säulen sind erhalten. Noch vollständig erhalten und in gutem Erhaltungszustand sind dagegen die beiden Wächterhäuschen am ehemaligen Haupttor.

Die 1897 von Franz von Stuck geschaffene Bronzeplastik Kämpfende Amazone, die westlich des Hauptflügels stand, wurde nach Eberswalde überführt. Dort stand sie lange unterhalb der Maria-Magdalenen-Kirche, bevor sie in den nahen Weidendamm-Park umgesetzt wurde.

Im Hof von Carinhall bzw. auf dem Hirschplatz am Ende der Kastanienallee stand die Bronzeplastik Kronenhirsch von Johannes Darsow. Sie wurde für die internationale Jagdausstellung 1937 in Berlin entworfen. Es handelt sich um den Hirsch RAUFBOLD, den Hermann Göring am 9. Februar 1936 (Schonzeit) im Forstamt Warnen in der Rominter Heide erlegte. Nach der Jagdausstellung kam die Bronzeplastik vom Haupteingang der Berliner Messehallen nach Carinhall, um 1950 in den Park von Schloss Sanssouci in Potsdam und 1969 an die Freilichtbühne im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.[1]

Im Jahr 1943 ließ Göring einen Teil seiner Privatsammlung im Bergungsort Salzbergwerk Altaussee bei Altaussee im Bezirk Bad Aussee in der Steiermark einlagern. Diese Kunstwerke wurden ab 1945 von den Alliierten in Lastwagen zur zentralen Sammelstelle (Central Collecting Point) in München gebracht, die sich im vormaligen Führerbau und im Verwaltungsbau der NSDAP befand.

Der andere Teil der Privatsammlung blieb in den Ausstellungsräumen von Carinhall. Im Januar 1945 ließ Göring die Kunstsammlung in Sonderzügen nach Berchtesgaden bringen und dort in Tunneln unterstellen. Die Kunstschätze wurden danach ausgeladen und in Luftschutzbunker gebracht. Ein Teil der Gemälde und Tapisserien wurde in diesen letzten Kriegstagen aus den Zügen geplündert.

Am 20. April 1945 verließ Göring Carinhall für immer. Zurück blieb ein kleiner Trupp der Luftwaffe, der beim Näherrücken der Roten Armee die Gebäude des Anwesens sprengen sollte. Als die Rote Armee nur noch wenige Kilometer entfernt war, wurde Carinhall am 28. April 1945 mit über 80 Fliegerbomben gesprengt.

In der Nähe befinden sich eine Funkstation und sieben Kilometer nördlich an der L 100 bei Ahlimbsmühle eine wenig bekannte Scheinanlage aus Brettern und Netzen zur Täuschung der alliierten Luftaufklärung.

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Das Gebäude der Funkstation ist noch erhalten. Etwa sieben Kilometer nordwestlich liegt der Sonderlandeplatz Templin/Groß Dölln, der 1987/88 mit einer 2,8 km langen Notlandebahn für die russische Raumfähre Buran ausgebaut wurde.

Die Reste des Landsitzes Carinhall, bestehend aus zwei Unterkunftshäusern für Wachmannschaften, einer Toranlage mit zwei Postenhäuschen und einer Kastanienallee dahinter sind als Baudenkmale von Templin aufgeführt. Von der eigentlichen Anlage ist nichts mehr erhalten, lediglich einige wenige Mauerreste sind im Wald auffindbar. Bis in die 1990er Jahre waren Keller und Bunker teilverschüttet und betretbar, diese Eingänge wurden mittlerweile beseitigt. Am ehemaligen Grab von Carin Göring ist nur noch eine Vertiefung im Boden erkennbar.

Bei Ausgrabungen wurde eine erhaltene Bunkeranlage gefunden, in deren Innerem noch Kunstgegenstände gefunden werden konnten. Der Bunker wurde zur Beherbergung von Fledermäusen umgebaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Haase: Die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Eine Dokumentation. Edition q, Berlin 2000, ISBN 3-86124-520-5
  • Hanns Christian Löhr: Der Eiserne Sammler: Die Kollektion Hermann Göring – Kunst und Korruption im „Dritten Reich“, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-7861-2601-0
  • Uwe Neumärker, Volker Knopf: Görings Revier. Jagd und Politik in der Rominter Heide, 3. aktualisierte Auflage, Christoph Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-705-2
  • Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall. 6. aktualisierte Auflage, Christoph Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-392-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carinhall – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine zweite Plastik nach diesem Vorbild wurde als Hubertushirsch 1938 in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer gegossen und am Neuen Jägerhaus im Schlosspark Grillenburg aufgestellt sowie 2013 auf den Kurplatz in Kurort Hartha versetzt.

53.00861111111113.636388888889Koordinaten: 53° 0′ 31″ N, 13° 38′ 11″ O