Olympiastadion Berlin
| Blick in den Innenraum des Berliner Olympiastadions | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | |
| Koordinaten | 52° 30′ 53″ N, 13° 14′ 22″ O52.51472222222213.239444444444Koordinaten: 52° 30′ 53″ N, 13° 14′ 22″ O |
| Klassifikation | Elitestadion |
| Eigentümer | Land Berlin |
| Betreiber | Olympiastadion Berlin GmbH |
| Baubeginn | 1934 |
| Eröffnung | 1. August 1936 |
| Renovierungen | 2000–2004 |
| Oberfläche | Naturrasen |
| Kosten | 242 Mio. € (Umbau 2000–2004) |
| Architekt | Werner March (Bau) gmp (Umbau) |
| Kapazität | 74.244 |
| Verein(e) | |
| Veranstaltungen | |
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Das Olympiastadion Berlin befindet sich im Ortsteil Westend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin. Es ist Teil des auf großen Sichtachsen aufgebauten Olympiageländes (ehemals: Reichssportfeld), zu dem auch das Sportforum, Hockey-Olympiastadion, Reitstadion, Olympia-Schwimmstadion, die Waldbühne, das Maifeld und der Glockenturm und die Langemarckhalle gehören. Das Olympiastadion ist die Heimstätte des Fußballclubs Hertha BSC, der der Hauptnutzer des Stadions ist.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
1934–1938 [Bearbeiten]
Das Olympiastadion wurde von 1934 bis 1936 anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern nach Plänen des Architekten Werner March erbaut.
Die Olympischen Sommerspiele 1936 wurden am 13. Mai 1931 vom Internationalen Olympischen Komitee nach Berlin vergeben. Zunächst planten die Organisatoren der Spiele in Deutschland, das bestehende Deutsche Stadion umzubauen. Dieses war im Inneren der 1909 entstandenen Rennbahn Grunewald anlässlich der für 1916 geplanten Olympischen Spiele errichtet und 1913 von Kaiser Wilhelm II. eröffnet worden. Wegen des Ersten Weltkriegs fanden die Olympischen Spiele 1916 jedoch nicht statt. Es war zu seiner Zeit eines der größten Stadien weltweit.
Entgegen der ursprünglichen Planung, das Deutsche Stadion für Olympia umzubauen, ordnete der neue Reichskanzler Adolf Hitler wegen des zu erwartenden propagandistischen Effektes für Deutschland im Oktober 1933 den Bau eines neuen Großstadions an gleicher Stelle an und beauftragte den bisher zuständigen Architekten Werner March mit den Planungen. Weiter erklärte Hitler den Bau nun zur Reichssache und schloss damit die bisher zuständige Stadt Berlin aus den Olympiaplanungen aus.[1] Die umschließende Rennbahn sollte dabei aufgegeben werden und der Pächter des Geländes, der Union-Klub, enteignet werden. Damit wurde westlich des Stadions Raum für ein großes Aufmarsch– und Versammlungsgelände für eine halbe Million Menschen gewonnen, das heutige Maifeld, auf das Hitler großen Wert legte.[2]
Architektonisch orientiert sich das Stadion mit seinen klaren geometrischen Grundformen an antiken Sportstätten. Es ist teilweise als Erdstadion ausgeführt, bei dem nur der Oberring über das Erdniveau herausragt, weswegen seine äußerliche Wirkung allerdings nicht so übermächtig ausfällt wie zum Beispiel bei der Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Das Stadion wurde gemeinsam mit den XI. Olympischen Sommerspielen am 1. August 1936 eröffnet.
Das Stadionoval ist in etwa in Ost-West-Richtung ausgerichtet und wird in westlicher Richtung durch eine Öffnung über dem Marathontor unterbrochen, durch welche der Blick auf den Glockenturm freigegeben und eine Sichtverbindung mit dem Aufmarschgelände des Maifelds hergestellt wird. Im Bereich des Marathontors brannte das Olympische Feuer und an den Wänden des Durchbruchs sind die Sieger der Olympischen Wettbewerbe verewigt worden.
Die inneren Außenbereiche des Geländes sind durch Skulpturen und Plastiken gekennzeichnet. 1935–1937 entstanden die Plastiken Der Diskuswerfer und Die Staffelläufer von Karl Albiker. Von beiden Plastiken auf das Osttor zulaufend erinnert jeweils eine Stele je Olympisches Sommer- und Winterspiel an die deutschen Goldmedaillengewinner der Spiele seit 1896 nach einem Vorbild aus der griechischen Antike. Die Gedenksteine (Stelen) haben architektonisch den Charakter eines äußeren Säulenpfeilerrings. 1936 schuf Arno Breker die beiden Skulpturen Der Zehnkämpfer sowie Die Siegerin.
1939–1945 [Bearbeiten]
Während des Zweiten Weltkriegs betrieb die Firma Blaupunkt in den Stadionkatakomben eine Produktionsanlage für Zünder. Teile der Katakomben wurden auch für den Luftschutz genutzt. Im März 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, fanden in der Nähe des Berliner Olympiastadions Kampfhandlungen statt; das Ausmaß dieser Kämpfe ist allerdings in der Nachkriegszeit stark übertrieben worden. Angaben von angeblich mehreren Tausenden Gefallenen, vor allem Hitlerjungen (HJ), werden heute kaum noch Glauben geschenkt, zumal weder der Zustand des Stadions nach der Schlacht um Berlin noch die auf dem Gelände gefundenen Gefallenen diese Zahlen stützen. 70 Gefallene auf deutscher Seite scheinen weitaus realistischer zu sein. Behauptungen, der frühere Reichsjugendführer Axmann habe die HJ-Angehörigen in den Kampf gehetzt, werden von diesem in seinen Erinnerungen bestritten und sind nicht belegt.
Im Gelände des Olympiastadions waren am Ende des Krieges Bombenkrater und der Glockenturm war durch Brandeinwirkung zerstört.[3]
1945–2000 [Bearbeiten]
In der Nordtribüne befindet sich eine Ehrenhalle und davor die Ehrentribüne, die auf eine der letzten Anordnungen der britischen Militärverwaltung hin um zwei Meter verkürzt worden ist, um den Bereich, in dem Adolf Hitler sich während der Olympischen Spiele aufgehalten hat, zu entfernen und so einer möglichen neonazistischen Kultstätte vorzubeugen.
Der Glockenturm wurde 1947 gesprengt und 1962 wieder aufgebaut.[4]
Das Stadion wurde 1974 für die im gleichen Jahr stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft teilüberdacht.
Seit 2000 [Bearbeiten]
In den Jahren 2000–2004 wurde das Olympiastadion unter Beibehaltung des Sportbetriebs nach Entwürfen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 grundlegend umgebaut und modernisiert. Die Wettkampffläche wurde um einige Ränge abgesenkt, um eine dichtere Atmosphäre für Fußballspiele zu schaffen. Bei den Umbauarbeiten waren die konservatorischen Belange des Denkmalschutzes zu beachten. Die alten Natursteine wurden einzeln gesandstrahlt, so konnte etwa 70 Prozent der historischen Bausubstanz erhalten werden. Herausragende Kennzeichen des umgebauten Olympiastadions sind das jetzt alle Ränge umfassende Dach, an dem eine durchgängige Flutlichtbeleuchtung („Feuerring“) montiert wurde, die bei Flutlichtspielen keine Schatten oder Halbschatten erzeugt. Eine blaue Tartanbahn wurde auf Wunsch und Kosten des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC in dessen Vereinsfarben aufgetragen. Die blaue Farbgebung wurde durch den Denkmalschutz kritisiert. Auf Grund dessen Vorgaben sind auch alle Ein- und Umbauten (zusätzliche Decken, Wandverkleidungen etc.) wiederentfernbar gestaltet worden, sodass sich der Zustand von vor 2000 theoretisch wiederherstellen ließe. Zusätzlich wurden neue Feuerhalter in den Umgängen des Stadions angebracht, die auf Fotografien von 1936 fehlen. Im Erdgeschoss des Stadions befindet sich seit 2004 eine christliche Kapelle, deren Wände mit Blattgold belegt sind. Das Glockengeläut wird mittels einer Tonbandaufnahme eingespielt, die in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufgenommen wurde.[5]
Nach Abschluss der Bauarbeiten fasst das Stadion jetzt 74.244 Sitzplätze.[6][7] Die Gesamtkosten dieses Umbaus beliefen sich auf rund 242 Millionen Euro.[8] Das Olympiastadion hat nach dem Umbau von der UEFA den Status eines Fünf-Sterne-Stadions verliehen bekommen.
Die offizielle Einweihung des neuen Stadions fand am 31. Juli und 1. August 2004 mit einer großen Konzertveranstaltung statt, bei der unter anderem Nena, Pink und der Dirigent Daniel Barenboim auftraten. Am zweiten Tag eröffneten die Amateure von Hertha BSC gegen den Lokalrivalen 1. FC Union Berlin die Saison der Fußball-Regionalliga Nord, zudem wurde ein Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Beşiktaş Istanbul ausgetragen. Am 8. September 2004 wurde das Länderspiel Deutschland gegen Brasilien im Berliner Olympiastadion ausgetragen (Endstand: 1:1).
Das Stadion war Spielort und der Endspielort der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Am 13. Januar 2006 gab die FIFA bekannt, dass die von dem österreichischen Künstler André Heller geplante Eröffnungsfeier zur Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin am 7. Juni abgesagt wird. Die 25 Mio. Euro teure Show sollte der festliche Auftakt zur Weltmeisterschaft in Deutschland sein. Mögliche Probleme mit dem Rasen im Berliner Olympiastadion für die folgenden Spiele wurden als Grund genannt. Als „Entschädigung“ für die Stadt Berlin wurde eine Feier auf der Straße des 17. Juni organisiert. Am 12. Mai 2006 wurde der „WM-Rasen“ für das Stadion direkt aus den Niederlanden geliefert, noch im gleichen Monat, in dem viele Aussteller auf dem Platz vor dem Stadion ihre Angebote zur Weltmeisterschaft vorstellten. Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 fanden im Stadion vier Vorrundenpartien, das Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien (5:3 n.E.) und das Finale zwischen Italien und Frankreich (6:4 n.E.) statt.
Im Jahr 2007 erhielt es den IOC/IPC/IAKS Award in Gold, den einzigen internationalen Architekturpreis für bereits im Betrieb bewährte Sport- und Freizeitbauten (Neubauten, Erweiterungen oder Modernisierungen). Gleichzeitig wurde es mit dem IOC/IPC/IAKS-Sonderpreis 2007 für behindertengerechte Sportanlagen ausgezeichnet, der die Zugänglichkeit von Sportanlagen und allen anderen Bauten fördert, um auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, Sport uneingeschränkt und barrierefrei auszuüben oder dabei zuzuschauen.
Heutige Nutzung [Bearbeiten]
Räumlichkeiten [Bearbeiten]
Es gibt im Stadionkomplex Beflaggung am Rand des Oberrings, überdachte Sitzplätze, Logen, Ehrentribünen, Pressetribünen, VIP-Anbau, Videoüberwachung durch die Polizei, Stadionkapelle, Reportergraben, eine unterirdische Aufwärmehalle mit 100-Meter-Bahnen, Freibad, Umkleidekabinen im zweiten Untergeschoss sowie Technikräume und Tiefgaragen.[9][10]
Nutzer [Bearbeiten]
Der Hauptnutzer Hertha BSC trägt seit der Gründung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 seine Heimspiele im Olympiastadion aus und machte es damit zu einem der größten Fußballstadien der Welt. Seit 1985 findet im Olympiastadion jährlich das Finale des DFB-Pokals statt, bis 2009 auch das Finale der Frauen. Das American-Football-Team von Berlin Thunder bestritt hier seine Heimspiele in der NFL Europe bis Juni 2007. Zusätzlich werden Leichtathletik-Wettkämpfe, wie das jährliche ISTAF, ausgetragen. Am 4. Dezember 2004 wurde Berlin zum Austragungsort der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 erkoren, die im Olympiastadion ausgetragen wurde. Gelegentlich wird das Stadion auch für Großveranstaltungen ohne sportlichen Charakter, wie etwa Kirchentage oder Konzerte, genutzt. Das Olympiastadion besitzt die größte Stadionkapelle der Welt.[11] Am 12. Juli 2008 stellte Mario Barth den Weltrekord als „Live-Comedian mit den meisten Zuschauern“ auf, indem er vor 70.000 Zuschauern im Olympiastadion auftrat. Am 22. September 2011 zelebrierte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Deutschlandbesuches eine Heilige Messe im Olympiastadion. Jährlich besuchen rund 300.000 Touristen das Olympiastadion.[5]
Verkehrsanbindung [Bearbeiten]
Das Olympiastadion ist östlich durch den etwa 500 Meter entfernten U-Bahnhof Olympia-Stadion (zuerst: Stadion, später: Reichssportfeld, Olympia-Stadion Ost) der U2 und südlich durch den etwa 300 Meter entfernt liegenden S-Bahnhof Olympiastadion mit der Linie S5 der S-Bahn an das Berliner Nahverkehrsnetz angeschlossen. Bei Sportveranstaltungen verkehrt die MetroBuslinie M49 direkt zum Stadion.[12]
Auszeichnungen für den Umbau [Bearbeiten]
- BDA-Architekturpreis Nike 2007 in der Kategorie beste Raumwirkung
- IOC/IAKS Award in Gold 2007
- IPC/IAKS Sonderpreis 2007
- iF Gold Award 2007: Kapelle im Olympiastadion Berlin
- red dot award 2007: Kapelle im Olympiastadion Berlin
- Architekturpreis Berlin 2006
- Licht-Architektur-Preis 2005
- Deutscher Stahlbaupreis 2004
Siehe auch [Bearbeiten]
- Stadionklassifikation der UEFA
- Liste der größten Fußballstadien der Welt
- Liste der größten Stadien der Welt
- Liste der größten Fußballstadien in Deutschland
- 9. Stadion, Nachbau des Olympiastadions im Maßstab 1:5 für die EM 2008
Literatur [Bearbeiten]
- Volker Kluge: Olympiastadion Berlin – Steine beginnen zu reden. Parthos-Verlag, Berlin 1999. ISBN 3-932529-28-6
- Dan Richter: Olympiastadion Berlin. Menschen und Geschichten über die große Runde. Zeitgeist Media, Gütersloh 2004, ISBN 3-926224-49-5.
- Rainer Rother (Hrsg.): Geschichtsort Olympiagelände 1909 – 1936 – 2006. Olympiastadion Berlin. Herausgegeben im Auftrag des DHM. Jovis Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-936314-66-7.
- Wolfgang Schäche und Norbert Szymanski: Das Reichssportfeld. Architektur im Spannungsfeld von Sport und Macht. bebra Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-930863-67-7
- sights on audio: Olympiastadion Berlin. Das akustische Geschichtserlebenis. Ein Hörbuch zur Geschichte des Olympiastadions. ISBN 3-939784-00-1.
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Seite der Olympiastadion Berlin GmbH
- Berliner Unterwelten zu den unterirdischen Anlagen des Olympiastadions
- Das Deutsche Historische Museum zum Olympiapark
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Schäche, Szymanski 2001, S. 55–56.
- ↑ Schäche, Szymanski 2001, S. 57.
- ↑ Ulrich Paul: Auf dem Laufsteg über den Rasen. In: Berliner Zeitung vom 30. Juli 2011, S. 22
- ↑ Ulrich Paul: Auf dem Laufsteg über den Rasen. In: Berliner Zeitung, 30. Juli 2011, S. 22
- ↑ a b Air Berlin Magazin, Sport: Das Olympische Feuer soll wieder in Berlin brennen, S. 78 f., September/Oktober 2011
- ↑ olympiastadion-berlin.de: Zahlen und Fakten zum Olympiastadion Berlin
- ↑ herthabsc.de: Zahlen und Fakten zum Olympiastadion Berlin
- ↑ architekten24.de: Daten zum Stadionumbau
- ↑ Ulrich Paul: Auf dem Laufsteg über den Rasen. In: Berliner Zeitung, 30. Juli 2011, S. 22
- ↑ Olympiastadion Berlin: Willkommen im neuen Olympiastadion Berlin. Faltblatt von 2012
- ↑ herthabsc.de: Die Stadionkapelle
- ↑ transfermarkt.de: Stadionbeschreibung Olympiastadion
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