Castel Volturno

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Castel Volturno
Wappen
Castel Volturno (Italien)
Castel Volturno
Staat: Italien
Region: Kampanien
Provinz: Caserta (CE)
Lokale Bezeichnung: Castel Volturno
Koordinaten: 41° 3′ N, 13° 55′ O41.0513.916666666667Koordinaten: 41° 3′ 0″ N, 13° 55′ 0″ O
Fläche: 72 km²
Einwohner: 24.418 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 339 Einw./km²
Postleitzahl: 81030
Vorwahl: 0823, 081
ISTAT-Nummer: 061027
Volksbezeichnung: castellani
Schutzpatron: San Castrese
Website: http://castelvolturno.electribe.com
Platz im historischen Zentrum von Castel Volturno mit Rathaus (municipio) und Verkündigungskirche (La Chiesa dell'Annunziata)

Castel Volturno liegt an der Westküste Italiens in der Provinz Caserta der Region Kampanien ca. 35 km nordwestlich von Neapel und ca. 35 km westlich von Caserta. Die Stadt mit 24.418 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses Volturno. Namensgeber der Stadt ist ein Kastell am Flussufer, dessen Wurzeln auf das 9. Jahrhundert zurückgehen. In der Antike lag an der Flussmündung die Stadt Volturnum. Castel Volturno war eine Siedlung der Samniten und danach der Etrusker. Die Stadt liegt an der früheren Via Domitiana,[2] die 1954 mit einer Brücke über den Volturno wieder errichtet wurde. Zum Verwaltungsbezirk von Castel Volturno gehören Villaggio Coppola (oder Pinetamare) und Villaggio del Sole.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Während der faschistischen Ära wurde die Umgebung der Stadt trockengelegt. Nach dem Bau einer neuen überregionalen Straße entlang der früheren Via Domitiana und einer Brücke über den Volturno nahm die Landwirtschaft ab 1954 einen Aufschwung.

Die Strandanlagen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Ferienort ausgebaut. Urlaubsgäste waren unter anderem Angehörige eines nahegelegenen US-Army-Stützpunktes. Nach einem Erdbeben 1980 in der Region Kampanien quartierte die italienische Regierung in den Ferienwohnungen vorübergehend Obdachlose ein.[3] Danach ließen die Hausbesitzer die Wohnungen leerstehen und vermieteten sie später an afrikanische Arbeitsmigranten. Seitdem verfällt die Wohnsubstanz des Badeortes kontinuierlich. Wegen der illegalen Müllentsorgung der Camorra wird der Strand trotz regelmäßiger Säuberungen von Müll überschwemmt. Giftige Abfälle der illegalen Mülldeponien verseuchen den Strand und zwingen zu einem nahezu kompletten Badeverbot. Die Strandsiedlung Villaggio Coppola wurde vom Camorra-Clan der Casalesi illegal in den 1970er-Jahren errichtet[4] und wird heute von italienischen Hausbesetzern bewohnt.[5] Mit 900 m² gilt Villaggio Coppola als drittgrößter illegal erbauter Wohnkomplex der Welt.[3] Aufgrund eines Beschlusses des Regionalrats (Consiglio Regionale della Campania) soll der Stadtteil wieder abgerissen werden.[5] Im Jahr 2010 lebten in Castel Volturno etwa 25.000 Einheimische und etwa 18.000 afrikanische Flüchtlinge.[5]

Afrikanische Einwanderung[Bearbeiten]

Nach Angaben des Camorra-Gegners Roberto Saviano soll von der Camorra in den 2000er-Jahren Castel Volturno ausländischen Clans „komplett [...] überlassen“ worden sein, nämlich „Clans aus Lagos und Benin City“ - zum Zwecke des Kokainhandels und für den Transit von Prostituierten nach ganz Europa.[6] Trotz der Dominanz der nigerianischen Mafia-Clans organisieren kirchliche Einrichtungen, darunter die Ordensgemeinschaft der Comboni-Missionare, eine soziale und moralische Alternative gegenüber den Clans. Viele Verbrechen würden von Angehörigen der afrikanischen Immigranten verhindert oder aufgeklärt.[7] Saviano hält Castel Volturno für eine Stadt der Zukunft, da diese von Einwanderern kontrolliert und verwaltet werde - kriminellenfeindliche Kräfte sollten daher unbedingt unterstützt werden. Im Gegensatz dazu behauptete eine Fernsehreportage von Spiegel TV unter Berufung auf den italienischen Journalisten Sergio Nazarro,[8] dass die Entwicklung afrikanischer Verbrecherclans nach dem Vorbild der Camorra erst in Italien eingesetzt hätte.[5]

Film[Bearbeiten]

  • Gestrandet zwischen Müll und Mafia - Afrikanische Flüchtlinge in Italien. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2010, 15:31 Min., Regie: Gudrun Altrogge, Produktion: Spiegel TV Magazin, Erstsendung: 20. Juni 2010 bei RTL, Online-Video

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Castel Volturno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Via Domitiana, vgl. mit Liste der Römerstraßen
  3. a b Gudrun Altrogge: „Italienischer Badeort. Mafia, Müll, Migranten“, Spiegel Online, 20. Juni 2010
  4. Clan dei Casalesi, italienische Wikipedia
  5. a b c d Gudrun Altrogge: „Gestrandet zwischen Müll und Mafia - Afrikanische Flüchtlinge in Italien“, Spiegel TV, 20. Juni 2010.
  6. Roberto Saviano: „Die Camorra? Ein europäisches Problem“, cafebabel.com, 16. Oktober 2007.
  7. Roberto Saviano: „Africans in Italy don't fear fighting crime“, africa-news.eu, 7. Oktober 2009.
  8. Internetpräsenz von Sergio Nazarro