Chauvet-Höhle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Pferdedarstellungen aus der Chauvet-Höhle, Aurignacien/Châtelperronien

Die Chauvet-Höhle (französisch: Grotte Chauvet) befindet sich nahe der Kleinstadt Vallon-Pont-d’Arc (Departement Ardèche) im Flusstal der Ardèche (Südfrankreich). Die Lage ist N 44° 21' and E 4° 29' 24". Die erst 1994 entdeckte Höhle von außerordentlichem wissenschaftlichem Interesse enthält über 500 Wandbilder mit bisher erfassten mehr als 470 gemalten und gravierten Tier- und Symboldarstellungen, deren älteste mittels Radiokarbonmethode (C14-Methode) auf ein Alter zwischen 33.000 und 30.000 Jahren BP (Before Present = Radiokohlenstoffjahre) datiert wurden, das heißt in die archäologische Kultur des Aurignacien. Daten an Holzkohlen vom Fußboden der Höhle streuen bis zu Altern von circa 25.000 BP, das heißt bis in die archäologische Kultur des Gravettien.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Fundgeschichte

Die Höhle wurde am 18. Dezember 1994 durch die Speläologen Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel Deschamps and Christian Hillaire entdeckt. Sie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit zu Pilzbefall und damit zur Gefährdung der Malereien führen könnte. Diese leidvolle Erfahrung wurde in den 1960-er Jahren in der Höhle von Lascaux gemacht, deren Zugang seitdem ebenfalls stark reglementiert ist. Selbst die autorisierten Forscher des Teams aus Archäologen, Paläontologen und Kunstgeschichtlern dürfen nur in Abständen wenige Stunden dort arbeiten.

[Bearbeiten] Bedeutung

[Bearbeiten] Alter

Mit Blick auf die Ausmalungen handelt es sich nach überwiegender Meinung von Experten um die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien und Höhlenzeichnungen der Welt. Chronologiekritiker weisen darauf hin, dass die Radiokohlenstoffdatierung der zum Malen verwendeten Holzkohlen nicht automatisch die Bilder datiert und die Holzkohlen theoretisch weit älter sein können, also nur den Terminus post quem für die Malereien darstellen. Daher könnten Holzkohlen bereits von Höhlenfeuern im Aurignacien stammen, aber erst im Gravettien zur Ausmalung genutzt worden sein.

Wegen des Living floors (dem unveränderten Zustand des Höhlenbodens seit der letzten Begehung im Gravettien) gilt als sicher, dass es danach keine weitere Ausmalung der Wände gegeben haben kann. Daher ist eine moderne Fälschung auch aufgrund der Versinterung der Farbaufträge ausgeschlossen.

[Bearbeiten] Ausdehnung

Die Höhle ist von bisher in der Ardèche unbekannten Dimensionen. Sie kann nur durch einen fast senkrecht nach unten verlaufenden Schacht erreicht, aber über eine Strecke von rund 500 Meter weitgehend leicht begangen werden. Deren horizontale Ausdehnung erstreckt sich über rund 240x100 Meter, sie umfasst vier große Säle von 15 bis 30 Metern Höhe, der größte Saal misst fast 40x60 Meter.

[Bearbeiten] Bilder

[Bearbeiten] Bildqualität

Durch den Umstand, dass der ursprüngliche Höhleneingang noch während der Würm-Eiszeit (vor etwa 22.000 Jahren) durch eine herabfallende Felswand schlagartig für die Außenwelt völlig verschlossen wurde, ist der einzigartige, sehr lebendig wirkende Bilderschatz der Chauvethöhle in einem sehr guten Zustand erhalten. Er beinhaltet Meisterwerke paläolithischer Höhlenkunst.

[Bearbeiten] Darstellung der Bilder

Bemerkenswert sind die in der Ardèche einzigartige Schönheit und Harmonie vieler auch perspektivischer Darstellungen, der routinierte Umgang mit roten und schwarzen (sowie wenig ockerfarbenen) Malfarben und Stilmitteln, aber auch die Komposition von teilweise gewaltigen Bildwänden. Gewisse Maler benutzten auch das Relief der Höhlenwände, um die Abbildungen wirkungsvoll zu präsentieren. Die verwendeten Farben wurden vor Ort aus Holzkohle, Naturocker und Lehm etc. hergestellt und mit Nuancen von Grau- und Schwarztönen aufgebracht. Es wurden mehrere Maltechniken eingesetzt für z.T. formvollendete und detailgetreue Tierbilder. Erstaunlich ist die häufige Abbildung von selten in Höhlenmalereinen anzutreffenden Tierarten wie Nashörner, Feliden und Bären.

Die lebendig wirkende Bilderdarstellung wurde erreicht durch entweder Verdoppelung der Körperumrisse, mehrfache Hintereinander-Wiedergabe der gleichen Tiergattung oder die Verwischung der Malfarbe.

[Bearbeiten] Tiere

Die dargestellten Tiere sind von einer beeindruckenden Vielfalt, die z.T. in einzigartigen Szenen präsentiert sind. Vorläufig sind rund 220 in verschiedenen Techniken dargestellte Tierdarstellungen erfasst; von den Entdeckern wurden deren 267 gezählt. Abgebildet sind folgende 13 eiszeitliche Tierarten: 47 Wollnashörner, 36 Höhlenlöwen, 34 Mammut, 26 Wildpferde, 19 Wisent, 12 Höhlenbären, 10 Rentiere, je 7 Auerochsen und Steinböcke, 3 Riesenhirsche, je 1 Hirsch, Panther, Uhu, Skorpion.

Es handelt sich ausschließlich um Tiere, die dem Menschen in der Natur gefährlich werden oder Angst einflößen können, vom winzigen Skorpion bis zum Löwen und Bär, Nashorn und Mammut. Keines dieser Tiere aber wirkt auf den Betrachter feindselig oder aggressiv. Im Gegenteil konnte beispielsweise ein Balztanz von zwei Nashörnern und eine Liebeswerbung bei einem Löwenpaar identifiziert werden.

[Bearbeiten] Zeichen

Wie in anderen umliegenden Höhlen wurden auch hier viele stilisierte Darstellungen und Zeichen, Symbole (Mensch-Tier-Darstellung) sowie Handnegative und Handpositive angebracht, deren Bedeutung noch ungeklärt ist.

[Bearbeiten] Zweck der Malereien

Über mindestens 6.000 Jahre wurden zu den ältesten Bildern immer weitere Abbildungen und Malereien hinzugefügt, die ganz offensichtlich im Rahmen von Kulthandlungen und Initiationsriten von Bedeutung waren.

[Bearbeiten] Knochen

Die Chauvethöhle ist auch archäologisch eine außerordentlich interessante Fundstätte. Die in großer Zahl vorhandenen Knochenreste und -schädel stammen von Höhlenbären, von denen im Höhlenlehm auch Mulden der offensichtlichen Winterruheplätze erhalten sind. Dagegen gibt es kaum Knochen von Mammuts, obwohl etliche Felszeichnungen diese Tiere abbilden. [1].

[Bearbeiten] Älteste menschliche Fußspuren

Im Innern der Höhle gibt es eine Vielzahl von im feuchten Lehm erhalten gebliebenen Fußspuren, wie eine Reportage der Süddeutschen Zeitung vom Januar 2005 berichtet. Gegenwärtig wird daran geforscht, ob die Domestizierung von Hunden bereits zu dieser Zeit vonstatten gegangen sein kann.

Über mehr als 70m kann man die Fußspur eines etwa 12–13jährigen Heranwachsenden verfolgen, der von einem – ebenfalls barfüssigen – Erwachsenen begleitet war. Der Jugendliche schlug seine Brandfackel in regelmäßigen Abständen an die Höhlenwand, um die Helligkeit zu steigern. Die C14-Prüfung der Kohlereste ergab ein Alter von 26.000 Jahren: Die älteste derzeit datierbare menschliche Fußspur der Welt.

Die Höhle scheint vor allem im Winter von Höhlenbären genutzt worden zu sein. Menschen haben sich immer nur ganz kurze Zeit in der Höhle aufgehalten. Spuren längerer Aufenthalte konnten nicht nachgewiesen werden.

[Bearbeiten] Erforschung und Konservierung

Der hervorragende Erhaltungszustand der Kunstwerke und des Höhlenbodens verwehrt es zumindest für die nächsten Jahrzehnte, die Höhle für allgemeine Besuche zu öffnen. Derzeit ist eine Gruppe von 19 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen an der Arbeit, um der Höhle einige ihrer Geheimnisse zu entlocken. Die Arbeit vor Ort ist dabei sehr genau reglementiert und wird mittels Klimasensoren überwacht, um das vorhandene Höhlenklima nicht in Gefahr zu bringen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Bocherens, H., D. Drucker and D. Billiou: Etat de conservation des ossements dans la previous grotte Chauvet (Vallon-Pont-d'Arc, Ardèche, France). Bull. Soc. Préhist. Fr. 102, 2005. S. 77–87.
  • Bocherens, H., D. Drucker, D. Billiou, J.-M. Geneste and J. van der Plicht: Bears and humans in previous Chauvet Cave (Vallon Pont-d'Arc, Ardèche, France): insights from stable isotopes and radiocarbon dating of bone collagen. Journal of Human Evolution 50 (2006), pp. 370–376.
  • Jean-Marie Chauvet, E. Brunel Deschamps and C. Hillaire: Chauvet Cave: the Discovery of the World's Oldest Paintings. Thames and Hudson, London (1996).
  • J. Clottes (Editor), La previous Grotte Chauvet. L'art des origins. Seuil, Paris(2001).
  • J. Clottes and M. Azéma: Les images de félins de la previous grotte Chauvet. Bull. Soc. Préhist. Fr. 102 (2005), pp. 173–182.
  • Jean Courtin: Die vergessene Höhle. Roman. Piper, München 2000. ISBN 3-4922-3035-0
  • Paul Pettitt: Art and the Middle-to-Upper Paleolithic transition in Europe: Comments on the archaeological arguments for an early Upper Paleolithic antiquity of the Grotte Chauvet art. Journal of Human Evolution 55/5, 2008. S. 908-917.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel Deschamps, Christian Hillaire (1995), Grotte Chauvet bei Vallon-Pont-d'Arc. Altsteinzeitliche Höhlenkunst im Tal der Ardèche. Jan Thorbecke, Stuttgart 1995. ISBN 3-7995-9000-5

[Bearbeiten] Weblinks

44.354.49Koordinaten: 44° 21′ 0″ N, 4° 29′ 24″ O

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen