Club 2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seriendaten
Originaltitel Club 2
Club2 logo.jpg
Produktionsland Österreich
Jahr(e) 1976–1995 bzw. 2007-2012
Länge 90 Minuten
Ausstrahlungs-
turnus
alte Staffel jeweils Dienstag und Donnerstag
neue Staffel wöchentlich (mittwochs)
Genre politische Talkshow
Moderation
Erstausstrahlung
  • 5. Oktober 1976 (alt)
  • 12. Dezember 2007 (neu) auf ORF

Der Club 2 war eine Diskussionssendung im zweiten Fernsehprogramm des ORF (vor 1992: FS 2, seither ORF 2), die aufgrund ihrer Aktualität und Themenbrisanz sehr populär war und zunächst vom 5. Oktober 1976 bis 28. Februar 1995 in insgesamt 1401[1] Ausgaben ausgestrahlt wurde. Vom 12. Dezember 2007 bis zum 12. Dezember 2012 war der „neue“ Club 2 in Neukonzeption jeweils mittwochs in ORF 2 zu sehen.[2] Ab dem 2. November 2011 wurde im ORF III – unter dem Generalthema Fernsehen wie damals – jeweils dienstags ein „Best of Club 2“ ausgestrahlt, beginnend mit dem ersten Club 2 vom 5. Oktober 1976.[3]

Der „alte“ Club 2[Bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Club 2 wurde in der Regel zwei Mal pro Woche ausgestrahlt, jeweils am Dienstag- und Donnerstagabend gegen 22.30 Uhr nach der Zeit im Bild. Ein besonderes Merkmal der Talkshow war die nicht begrenzte Sendezeit, so dauerten manche Diskussionen bis spät in die Nacht hinein. Idee und Entwicklung stammten von Kuno Knöbl, der die Sendung viele Jahre leitete.[4] Sie gilt als Vorbild vieler weiterer Diskussionssendungen im Ausland, beispielsweise After Dark[5] der BBC und Channel 4.

Visuelles Markenzeichen der Erstauflage des "Club" 1976 bis 1994 war die sparsame Ausstattung, die nur aus einer braunen Ledergarnitur bestand, welche meistens aus zwei Sitzbänken und zwei Sesseln, die um einen Glastisch gruppiert waren, zusammengesetzt war. Da die Sendung mit keinerlei weiteren Kulissen auskam, wurde die Lichtführung im Studio so gewählt, dass für die Fernsehzuschauer die Illusion eines völlig schwarzen Hintergrundes entstand und nur die Ledergarnitur voll ausgeleuchtet wurde. Dadurch wurde die Ablenkung sowohl des Publikums wie auch der Gäste von der Diskussion vermieden.

Von 11. April 2007 bis August 2007 strahlte ORF 2 im Zuge einer Programmreform unter Generaldirektor Alexander Wrabetz die Sendung Extrazimmer aus, deren Dramaturgie sich in Bruchstücken an den Club 2 anlehnen wollte, was der vorläufige Arbeitstitel Club 2 1/2 verdeutlichte. Im August 2007 wurde Extrazimmer wegen mangelnder Akzeptanz beim Publikum sowie wiederholter vernichtender Kritiken abgesetzt. Im Herbst 2007 entschied sich die Direktion zur Wiederaufnahme des Club 2 unter ursprünglichem Namen und beinahe identischem Konzept.[6] Am 12. Dezember 2007 wurde die Sendung wieder in das Programm von ORF 2 aufgenommen (siehe Der „neue“ Club 2 unten).

Herausragende Sendungen[Bearbeiten]

Originalcouch, 2012 im Landesstudio Salzburg

Die erste Ausgabe am 5. Oktober 1976 hatte die deutsche Bundestagswahl zum Thema. Gastgeber war Günther Nenning. Legendär sind Auseinandersetzungen über das nie in Betrieb genommene Kernkraftwerk Zwentendorf, über Feminismus und über das geplante Wasserkraftwerk und die Besetzung der Au bei Hainburg an der Donau. Der Schriftsteller Wolfgang Bauer sorgte 1987 für Aufregung, als er vor laufenden Kameras eine Pistole (ungeladen, wie sich herausstellte) zog und sich an die Schläfe hielt.[7] Darüber hinaus wurde Gastgeber Rudolf Nagiller ebenfalls in offener Sendung von zwei Skinheads körperlich attackiert.

Für besondere „Erregung“ sorgte die Ausgabe des Club 2 vom 9. August 1979 mit dem Titel „Was ist los mit der Jugendkultur?“. Während der Livesendung deutete Nina Hagen an, wie Frauen über die direkte Stimulierung ihrer Klitoris zum Orgasmus gelangen könnten. Das Ergebnis waren wochenlange Diskussionen. Als die Sendung für einige Zeit sogar von der Absetzung bedroht zu sein schien, bildete sich eine Art „Rettungskomitee“ aus Personen des öffentlichen Lebens wie Günther Nenning. Dieter Seefranz musste in erster Konsequenz als Moderator des Club 2 zurücktreten. In der Sendung vom 13. Juni 1978 mit dem Titel „1968 – Jahr des Aufstandes“ trafen sich unter Leitung von Günther Nenning Daniel Cohn-Bendit und Rudi Dutschke mit dem Welt-Journalisten Matthias Walden und dem Politikwissenschaftler Kurt Sontheimer auf österreichischem „neutralem“ Boden zum Gedankenaustausch.[8][9]

Während einer Sendung mit dem Titel „Strahlende Zukunft“ Anfang der 1980er Jahre referierte der ungarisch-amerikanische Physiker und Nuklearwaffen-Entwickler Edward Teller – der als Vater der Wasserstoffbombe geladen war – so technokratisch und kalt über die verheerende Strahlungswirkung der damals vieldiskutierten Neutronenbombe auf Menschen, dass die Schweizer Wissenschaftlerin Ursula Koch während der Diskussion zu weinen begann. Der Spiegel bezeichnete Tellers Auftreten später als das eines „düsteren Jahve“.[10] Nach späteren Angaben eines der Redakteure war Koch auch deswegen ausgewählt worden, weil sie „garantiert nicht weint, wenn Schreckliches [von Teller] kommt.“[11]

Die ORF-„Club 2“-Diskussion über die „Karibik-1“-Geschäfte vom Mai 1994 wurde als Beweismittel im BAWAG-Prozess 2007 im Gerichtssaal vorgeführt.[12] Gastgeber der letzten Ausgabe des „alten Club“ am 28. Februar 1995 war wie schon bei der ersten Ausgabe Günther Nenning. Thema war „Wiedergeburt“.

Gastgeber des Club 2 (bis 1995)[Bearbeiten]

Josef Broukal, Axel Corti, Margit Czöppan, Klaus Emmerich, Helmut A. Gansterer, Adolf Holl, Peter Huemer, Kuno Knöbl, Franz Kreuzer, Paul Lendvai, Ernst Wolfram Marboe, Louise Martini, Freda Meissner-Blau, Rudolf Nagiller, Günther Nenning, Anton Pelinka, Barbara Rett, Peter Rabl, Dieter Seefranz, Jens Tschebull.[11]

Liste der „Best of Club 2“[Bearbeiten]

Seit dem 1. November 2011 wurden unter dem Generalthema Fernsehen wie damals Sendungen des Club 2 als Best of in ORF III ausgestrahlt, jedoch nicht in voller Länge. So wurde die erste Ausgabe nach einer (für ORF III vorgeplanten) Sendedauer von 1h 11min abgebrochen.[3] Die Reihe Best of Club 2 wurde mit der Einstellung des Club 2 auf ORF 2 Ende 2012 ebenfalls beendet. Darüber hinaus waren 2012 im Sommerprogramm von 3sat einige alte Club 2-Folgen zu sehen.

Datum
Erstausstrahlung
(FS 2/ORF 2)
Datum
Best of Club 2
(ORF III)
Titel
Gastgeber und Gäste
Anmerkungen
05.10.1976 01.11.2011 Wahlkampf in der BRD. Nachwehen.

Günther Nenning mit Karl Blecha, Kurt Bergmann, Arlette Leupold-Löwenthal und Gertraud Diem.

Erste Ausgabe des „alten“ Club 2 zur Bundestagswahl 1976.[3]
19.10.1976 08.11.2011 Die Bombe im Kraftwerk.

Günther Nenning mit Asta Krejci (Antiatomkraftaktivistin), Edward Teller, Robert Jungk, Bernd Lötsch, Horst Knapp, Johann Millendorfer.

Zwei Jahre vor der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf über das wachsende Unbehagen gegenüber Atomstrom.
28.10.1976 15.11.2011 Der Preis der Herrlichkeit.

Rolf R. Bigler (Journalist, Die Weltwoche) mit Henriette von Schirach, Peter Michael Lingens (Journalist, Profil) und Johann Eidlitz (Lektor, früherer Widerstandskämpfer).

Diskussion anläßlich des Erscheinens des Memoirenbandes Der Preis der Herrlichkeit von Henriette von Schirach
23.11.1976 22.11.2011 Ausbürgerung aus der DDR.

Günther Nenning mit Wolf Biermann über seine nach dem Kölner Konzert erfolgte Ausbürgerung aus der DDR.

20.01.1977 29.11.2011 Im Osten was Neues.

Horst Friedrich Mayer mit Kurt Marko (Osteuropahistoriker), Jiří Pelikán (Publizist, bis 1968 Direktor des tschechischen Staatsfernsehens), Jörg Mettke (Spiegel-Korrespondent in der DDR), Gilbert Badia (Journalist, Frankreich), Erhard Hutter (ORF-Korrespondent in Moskau), Claus Gatterer (Journalist), Witold Wirpsza (Schriftsteller, Übersetzer in Polen), Thomas Brasch (Dramatiker und Drehbuchautor).

Diskussion um die oppositionelle Bürgerrechtsbewegung der Charta 77 in den sowjetisch dominierten Ländern Osteuropas.
25.01.1977 06.12.2011 Bundesheer - Das ungeliebte Kind.

Jens Tschebull mit Emil Spannocchi (General), Günter Traxler (Journalist), Rolf R. Bigler (Journalist).

09.11.1976 13.12.2011 Das Ende des Wohlfahrtsstaates.

Günther Nenning mit Ernest Mandel (marxistischer Ökonom), Heinz Kienzl (Gewerkschafter, Bankmanager), Kurt Prokop, Kurt Pils.

15.12.1977 20.12.2011 Hat die Armut Zukunft?

Dieter Seefranz mit Friedensreich Hundertwasser, Christine Nöstlinger, Peter Payer (Architekt), Franz Enzenhofer (Mitarbeiter in einem Architekturbüro), Gabriele Traxler (Gewerkschaftssekretärin)

Die Sendung geht der Frage nach, ob es energieeffizientere Alternativen zum derzeitigen Lebensstil der meisten Menschen geben könnte.
26.07.1983 03.01.2012 Was will das Weib?

Günther Nenning mit Eva Deissen (Kolumnistin, Kronen Zeitung), Gerti Senger (Publizistin und Psychologin), Ernst Bornemann (Psychoanalytiker), Elisabeth Charlotte Motschmann (Pädagogin), Sybille von Eike (Kinderanalytikerin), Karl Ernst (AHS-Lehrer).

Diskussion um weibliche Sexualität.

Der „neue“ Club 2[Bearbeiten]

Beschreibung der ersten beiden Ausgaben[Bearbeiten]

Bei der Wiederaufnahme des Club 2 am 12. Dezember 2007 lautete das Thema „Die Meinungsfabriken – Wer bestimmt, was wir denken?“. Dieser Ausgabe wurde naturgemäß große mediale Aufmerksamkeit im Vorfeld eingeräumt. Über weite Strecken wurde in der Livesendung über die Bedeutung des Internets in seiner meinungsbildenden Eigenschaft diskutiert. Auch wurden Unterschiede zwischen der Qualität von „professionell gestaltetem redaktionellen Inhalt“ und User-Generated-Content (UGC) erörtert. Obwohl im Vorfeld eine Diskussion mit open-end[13] angekündigt wurde, steuerte Diskussionsleiter Rudolf Nagiller nach 60 Minuten merkbar auf ein Ende zu; insgesamt dauerte die Sendung etwa 75 min.

Die zweite Sendung der Zweitauflage, geleitet am 19. Dezember 2007 von Michael Köhlmeier, behandelte das Thema „Atheismus“ und einen etwaigen Boom der Gottlosigkeit, den es derzeit zu verzeichnen gebe. Erneut wurde aus dem open end eine zirka 75-minütige Sendung, deren Abbruch deutlich durch das Agieren des Diskussionsleiters zustande kam, nicht durch den Verlauf der Diskussion selbst. Stoff und Art der Wortmeldungen hätten durchaus noch für eine weitere Stunde des angeregten Wortwechsels gereicht. Besonderheiten der zweiten Sendung: YouTube-Videos als Einstieg; Protest des eingeladenen Pfarrers Sieberer (keine Absprache mit ihm bezüglich der gezeigten YouTube-Videos); Seitenhieb Köhlmeiers Richtung Innenminister Günther Platter zum Fall Zogaj („Ich wünsche unserem Innenminister [zu Weihnachten] ein warmes Herz“) sowie „crazy credits“ nach der Sendung, als ein Programmhinweis für die ZIB 24 eingeblendet wurde, obwohl diese Nachrichtensendung auf ORF 1 längst vorüber war.

Letzte Ausgabe[Bearbeiten]

Am 12. Dezember 2012 strahlte der ORF die letzte Ausgabe aus. Thema war: „Ausgezockt: Ist der Kapitalismus gescheitert?“.[14]

Die Sendungen und Gastgeber des „neuen“ Club 2[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut Diskussionsleiter Günther Nenning zu Beginn der letzten Ausgabe vom 28. Februar 1995, privater VHS-Mitschnitt.
  2. film.at: Beschreibung zum „Club 2: Homosexualität“.
  3. a b c Wiederholung des ersten Club 2 vom 5. Oktober 1976: Wahlkampf in der BRD Nachwehen. In: Fernsehen wie damals. Best of Club 2. Programm ORF III auf tv.orf.at, 2. November 2011. Abgerufen am 2. November 2011.
  4. Onlineauftritt extradienst.at Kuno Knöbl im ORF
  5. Siehe After Dark in der englischen Wikipedia
  6. FM4-Blog von Martin Blumenau: Über die Bedeutung des Club 2 in den 1970er Jahren, 2007.
  7. Der Spiegel 47/1987 Seite 189
  8. Jürgen Roth: Der Strumpfkopf (taz.de) aufgerufen am 30. März 2013
  9. Die Sendung in der ORF TVthek (vorletztes Video) aufgerufen am 30. März 2013
  10. Immer ein Seiltanz. Der Spiegel, 20/1982, 17. Mai 1982, S. 257
  11. a b „Wovon red ma heut?“ derstandard.at, 12. März 2008
  12. Onlineauftritt Tageszeitung Kurier Club 2 im BAWAG-Prozess. Artikel vom 25. Juli 2007
  13. derstandard.at: Rudolf Nagiller moderiert den wiederbelebten "Club 2" Artikel vom 27. Dezember 2007 (aufgerufen am 30. März 2013)
  14. derstandard.at: „Ausgezockt“: Der letzte „Club 2“ im ORF. Artikel vom 13. Dezember 2012. Siehe auch: kundendienst.orf.at: Club 2 beide aufgerufen am 29. März 2013

Weblinks[Bearbeiten]