Corps Rhenania Straßburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rhenania Straßburg
Corpshaus Lessingstraße 19, Straßburg (1903)

Corps Rhenania Straßburg war eine Studentenverbindung, die von 1875 bis 1971 dem Kösener Senioren-Convents-Verband angehörte.

Couleur[Bearbeiten]

Rhenania trägt die dem Wappen Straßburgs entlehnten Farben hellblau-silber-ziegelrot mit silberner Perkussion und eine hellblaue Mütze. Das Fuchsband ist hellblau-silber. Angehörige der Rhenania Straßburg werden auch Silberrhenanen (im Jargon „Straßenrhenanen“) genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit Hilfe von Münchner Franken, Breslauer Preußen und Würzburger Rheinländern wurde Rhenania am 1. Mai 1872 an der neuen Kaiser-Wilhelm-Universität gestiftet. Schon sechs Jahre später, 1878, war sie präsidierendes Vorortcorps und stellte mit Karl Lorenz den Vorsitzenden des oKC. Am 2. Mai 1903 wurde das nach Plänen des Architekten Otto Back errichtete Corpshaus in der Lessingstraße eingeweiht. Es war das älteste Corpshaus in Straßburg. Ermöglicht wurde der Bau unter anderem durch die Stiftung des Grundstücks durch den Verleger Josef Neven Du Mont, der Alter Herr des Corps war.[1]

Vertreibung[Bearbeiten]

Durch den Friedensvertrag von Versailles aus Straßburg vertrieben, war Rhenania seit dem 24. Mai 1919 an der Philipps-Universität Marburg akkreditiert. Es steht mit Palatia, Suevia und Palaio-Alsatia (susp.) in der nie aufgelösten Straßburger Vorstellung.[2]

Gegen den Zeitgeist[Bearbeiten]

Rhenania Straßburg sowie Suevia München, Borussia Halle, Suevia Tübingen und Vandalia Heidelberg weigerten sich 1934, dem nationalsozialistischen Arierparagraphen zu entsprechen und jüdische Corpsbrüder zu entlassen. Auch forderten sie die betreffenden Corpsbrüder auf, nicht freiwillig aus dem Corps auszutreten.

Mit dem Zeitgeist[Bearbeiten]

Am 9. März 1970 stellte Rhenania zugleich im Namen von Bremensia und Suevia Tübingen den oKC-Antrag, die Mensur als Verbandsprinzip des KSCV aufzugeben. Nachdem der Antrag von den Senioren-Conventen im Vorfeld abgelehnt worden war, traten die Corpsburschen-Convente der drei Corps am 20. April 1971 aus dem KSCV aus. Anders als bei den anderen ausgetretenen Corps spaltete sich die Altherrenschaft in zwei Gruppen, von denen eine weiterhin dem VAC angehört. Wenige Jahre später musste Rhenania Straßburg suspendieren. Seither ist das Corps nicht mehr in Erscheinung getreten. Eine Rekonstitution wurde nie vorbereitet. Das Corpshaus in Marburg wird von der Blindenstudienanstalt genutzt und eine Erinnerungstafel erinnert an das 1927-1976 hier bestehende Corps.[3]

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Rhenania gehörte zum grünen Kreis im KSCV. Alle Verhältnisse wurden kurz nach der Gründung abgeschlossen:

Bedeutende Mitglieder[Bearbeiten]

Name Lebensdaten Beruf Bild
Viktor Albrecht 1859–1930 General der Infanterie, Träger des Pour le Mérite
Viktor Albrecht
Bernhard Averbeck 1874–1930 Industrieller und Verbandsfunktionär in der Zementindustrie
Bernhard Averbeck
Alwin Bielefeldt 1857–1942 Ministerialbeamter im Reichsversicherungsamt und Pionier des Kleingartenwesens
Alwin Bielefeldt
Erich Brodmann 1855–1940 Richter am Reichsgericht
Carl Caro 1850–1884 Schriftsteller
Peter Dettweiler (Altphilologe) 1856–1907 Altphilologe
Peter Dettweiler
Georg Deycke 1865–1938 deutscher Internist und Tuberkuloseforscher
Rudolf Diels 1900–1957 erster Chef der Gestapo
Rudolf Diels
Gottfried Dierig 1889–1945 Industrieller, Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Industrie
Carl von Halfern 1873–1937 Oberpräsident in Pommern
Richard Herbertz 1878–1959 Professor der Philosophie an der Universität Bern
Willi Huber 1879–1957 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender des Beirates der Raab Karcher GmbH
Wilhelm Ferdinand Kalle 1870–1954 Chemiker, Industrieller und Politiker, Mitglied des Reichstages, MdL
Wilhelm Ferdinand Kalle
Adolf Krazer 1858–1926 Mathematiker
Adolf Krazer
Georg Kroenig 1856–1911 Professor für Medizin
Wilhelm von Kuhlmann 1879–1937 Gesandter in Mittelamerika und Irland
Friedrich Landfried 1884–1952 Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Ehrensenator der Universität Heidelberg
Otto Leverkus 1856–1934 Chemieunternehmer
Otto Leverkus junior 1883–1957 Chemieunternehmer
Otto Lucius von Ballhausen 1867-1932 preußischer Landrat
Alfred Mannesmann 1859–1944 Industrieller
Hans Gerald Marckwald 1878–1965 Diplomat, deutscher Gesandter in La Paz, Bolivien
Friedrich von Moltke 1852–1927 Oberpräsident in Schleswig-Holstein, preußischer Staatsminister des Innern, Mitglied des preußischen Herrenhauses
Friedrich von Moltke
Louis Mürset 1857–1921 Generalsekretär und Kreisdirektionspräsident der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)
Josef Neven DuMont 1857–1915 Verleger
Georg Nirrnheim 1877–1935 preußischer Verwaltungsbeamter, Landrat des Landkreises Gersfeld
Adolf Pauli 1860–1947 Gesandter
Ernst Poensgen 1871–1949 Unternehmer und Mäzen der Stadt Düsseldorf
Erich tho Rahde 1875–1927 Bankjurist, VAC-Funktionär
Heinrich Richter-Brohm 1904–1994 Vorstandsvorsitzender der BMW AG
Wilhelm Runtsch 1921–1977 Mitglied des hessischen Landtags und Oberbürgermeister der Stadt Lahn
Heinrich Schellen 1877–1939 Ministerialdirektor, Senatspräsident am Preußischen Oberverwaltungsgericht
Ernst August Schwebel 1886–1955 Richter am Reichsverwaltungsgericht
Hans-Joachim Schweitzer 1928–2007 Apotheker und Paläobotaniker
Hermann Sommer 1882–1980 Präsident des Reichsverwaltungsgerichts
Karl von Starck 1867–1937 Staatskommissar
Heinrich Stilling 1853–1911 Pathologe in Lausanne
Heinrich Thon 1872–1939 Oberpräsident in Schleswig-Holstein
Alfred Vogel 1875–1938 Direktor beim Rechnungshof des Deutschen Reiches
Hermann Wätjen 1876–1944 Rechtswissenschaftler
Max von Zeppelin 1844–1897 Zoologe, Forschungsreisender

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Eine historische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des Mensurwesens, Berlin 1898 (2. Aufl. 1926)
  • Corps Rhenania-Straßburg In: Michael Doeberl: Das akademische Deutschland. Band 2, Berlin 1931, S. 944
  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Band 1, Würzburg 1981.
  •  Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: Ihre Darstellung in Einzelchroniken. 1. Auflage. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9, S. 138-139.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vom Kösener SC. Das jüngste Corpshaus. Academische Monatshefte 20 (1903/04), S. 97-101
  2. Straßburger Vorstellung
  3. Corpshaus und Gedenktafel beim Bildindex Marburg