Corps Palatia-Guestphalia Freiburg

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Palatia-Guestphalias Corpshaus

Das Corps Palatia-Guestphalia ist ein Corps im Senioren-Convent zu Freiburg im Breisgau und damit im Kösener SC-Verband. Die „Pfälzer-Westfalen“ stehen zur Mensur und tragen Farben. Das Corps ist durch Zusammenschluss des ehemaligen Corps Palatia an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg und des Corps Guestphalia an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entstanden und findet sich heute an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Couleur[Bearbeiten]

Doppelwappen

Als drittes Corps neben Palaiomarchia-Masovia Kiel und dem Münchener WSC-Corps Normannia-Vandalia verleiht Palatia-Guestphalia ein Doppelband, nämlich die mit einer silbernen Spange (Bandspreizer) verbundenen Bänder der beiden Muttercorps (s. u.). Palatias Farben sind rot-weiß-violett (Farben gelesen von oben) mit silberner Perkussion, Guestphalias grün-weiß-schwarz (Farben gelesen von unten) mit silberner Perkussion. Das Westfalenband wird über dem Pfälzerband getragen. Die Grundfarbe ist grün. Die Chargierten tragen bei offiziellen Anlässen den weißen Stürmer der Straßburger Pfälzer. Es werden beide Wappen der Muttercorps als Doppelwappen geführt.

Geschichte[Bearbeiten]

Palatia war nach dem Ersten Weltkrieg aus Frankreich ausgewiesenen worden. Guestphalia konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in die Sowjetische Besatzungszone (die spätere Deutsche Demokratische Republik) zurückkehren. In der Nachkriegszeit brachten Jakob Georg Zahn, Arthur Berger und Max Wassermeyer die völlig verschiedenen Corps zusammen. Zahn war seit 1906 Jenenser Westfale und Hannoveraner.[1] Berger war Isare (1895), Ehrenmitglied der Prager Franken (1922) und EM der Pfälzer.[2] Wassermeyer war Marburger Teutone (1897) und EM der Pfälzer (1898).[3] Unter Suspension von Palatia fusionierten die beiden vertriebenen Corps am 5. Mai 1952.[4] Damit ist „PG“ eines der jüngsten Corps im Kösener SC-Verband.

Guestphalia Jena[Bearbeiten]

Früheres Haus des Corps Guestphalia in Jena, Wagnergasse 26a

Das am 10. März 1841 gestiftete Corps Guestphalia Jena gehörte zu den traditionsreichsten deutschen Studentenverbindungen und ist vor der Auflösung durch die Nationalsozialisten in Jena insbesondere durch seine rege Fechttätigkeit bekannt geworden. Ein Mitglied dieses Corps, der Paukarzt Friedrich Immisch verringerte zudem die Gefahren des Mensurfechtens erheblich, indem er Ende der 1850er Jahre eine eiserne Paukbrille entwickelte und einführte, die seitdem bei Mensuren allgemein getragen wird. Einige Mitglieder der Guestphalia Jena versuchten 1934 vergeblich, den Kösener Senioren-Convents-Verband in eine Organisation nach nationalsozialistischen Grundsätzen zu verwandeln, um die Corps auch unter der Gewaltherrschaft der Nazis erhalten zu können, was aber an inneren und äußeren Widerständen scheiterte.

In Tradition der Guestphalia Jena unterhält Palatia-Guestphalia mit dem Corps Hannovera Göttingen seit 1848 eines der ältesten Kartellverhältnisse. Das Kartell entstand nach einer Einladung der Westfalen an die Hannoveraner nach Wöllnitz, bei der die Hannoveraner zur Teilnahme an der Krönung Popp's XVI eingeladen waren. Kartelle zwischen Corps sind Freundschaftsverträge, die zumeist innerhalb eines bestimmten Kreises geschlossen werden. In der Gründerzeit wurden sie oft aus nichtigem Anlass gebrochen.

Palatia Straßburg[Bearbeiten]

Früheres Haus der Palatia in Straßburg in der Zimmerhofstr. 6

Am 10. Mai 1873 stifteten Gerhard von Stramberg (Rhenania Bonn), Ferdinand Timme (Isaria) und Claus v. Oertzen (Saxonia Göttingen) Palatia als zweites Corps an der Kaiser-Wilhelms-Universität.[5][6][7][8] Vorausgegangen waren heftige Streitigkeiten zwischen Rhenania Bonn und Rhenania Straßburg, bei der v. Stramberg eigentlich aktiv werden wollte. PP-Suiten und Säbelcontrahagen standen kurz vor der Verabredung. Es bestand ein enger Kontakt zu den Sachsen-Preußen, auf deren studentische Fechtwaffen die ersten Mensuren gefochten wurden. Die ersten Freundschaftsverhältnisse wurden mit dem Corps Rhenania Freiburg (1880) und dem Corps Hannovera Göttingen (1883) vereinbart.[5] Die hundertjährigen Kartellbeziehungen mit dem Corps Teutonia Marburg wurden 8. Oktober 2005 auf dem Teutonenhaus gefeiert.[9]

Ende der 1870er Jahre gewann Albano von Jacobi den Kronprinzen Wilhelm für einen Besuch des Corps.[5] 1880 stellte Palatia mit Hans von Campe (Nassovia) den Würzburger oKC-Vorsitzenden. Als sie 1898 selbst präsidierendes Vorortcorps war, leitete Georg Gottfried von Jacobi den oKC auf der Rudelsburg. Der Straßburger Joseph Müller (Architekt) baute das Corpshaus in der Zimmerhoffstraße. Im Baustil der Neorenaissance entworfen, wurde es am 18. Juli 1903 eingeweiht. Der nunmehrige Kaiser Wilhelm II. gratulierte telegrafisch. Die 150 Alten Herren spendeten die Baukosten in Höhe von 120.000 Goldmark.

Im Ersten Weltkrieg fielen elf Pfälzer.[10]

Marburg und Freiburg[Bearbeiten]

Nach dem Friedensvertrag von Versailles wie alle deutschen Studentenverbindungen aus Straßburg ausgewiesen, kam Palatia vorübergehend in Marburg unter. Sie durfte Teutonias Corpshaus benutzen und konnte dadurch einen kleinen Corpsbetrieb aufrechterhalten.[11] Als sie nach Freiburg im Breisgau verlegte, war sie nicht willkommen. Hasso-Borussia rieb sich vor allem am Stürmer. Nach längerem Suchen wurde ein Grundstück in der Bismarckstraße (heute Stefan-Meier-Straße) gefunden. Der am 1. Juni 1924 gelegte Grundstein enthält die Constitution und Erinnerungsstücke aus Straßburg. Bei der Einweihung am 17. Januar 1925 sprach Gottfried von Jacobi. Bruno von Waldthausen, ein Onkel Paul von Waldthausens, hatte mit einer sehr hohen Spende die Finanzierung ermöglicht und die Planungen beraten. Ohne das fertige Haus gesehen zu haben, starb er als Ehrenmitglied im Juni 1926.[5] Das in der Größe bescheidene Holzhaus beeindruckt durch seine Eleganz und Innenausstattung. Von der Stadt Freiburg wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Ringelnatz[Bearbeiten]

Im Sommer 1927 war Joachim Ringelnatz zu Gast auf dem Freiburger Haus der Palatia. Er hatte die Einladung unter der Bedingung angenommen, dass er rechtzeitig zum Zug nach München gebracht würde. Seine Dankesrede hielt er bereits bei der Vorsuppe, auf dem Tisch stehend, mit einem Bein im Teller des Seniors. Vor seiner Bewusstlosigkeit trug der dem Corpsdiener noch auf, Ringelnatz zum Bahnhof zu fahren. Das tat er und schob den Gast in die erstbeste offene Tür des bereitstehenden Zuges. Einige Stunden später meldete sich die Basler (!) Grenzpolizei; vor einer Zugtoilette habe sie einen Mann aufgegriffen, der behauptete, Dichter zu sein und mit Corpsstudenten in Freiburg zum Mittagessen ein paar Schoppen getrunken zu haben. Für das turbulente Mittagessen bedankte er sich mit einem Gedicht:

AN DAS CORPS PALATIA
Seid gegrüßt, Ihr Violetten
Auf der rechten Bismarckstraße!
Hei, ein rechter Freiwind blase
Eure Banner, Eure Brüste,
Eure Betten und Gelüste.
Und vergeßt nicht meine Nase,
Die, obwohl viel Sekt sie kühlte,
Doch so wohl sich bei Euch fühlte.
Was wir taten, wie wir's taten,
War es schön und echt und jung.
Und in der Erinnerung
Ruf ich: Prosit, Ihr Palaten.

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Palatias Verhältnisse (1912)
Hauptartikel: Kösener Kreise
Kartelle
Hannovera Göttingen[A 1]
Teutonia Marburg
Starkenburgia
Nassovia Würzburg
Palaiomarchia-Masovia Kiel
Masovia
Befreundete Corps
Lusatia Leipzig
Isaria
Marchia Berlin
Borussia Halle
Palaiomarchia
Vorstellungsverhältnisse
Rhaetia
Traditionsverhältnisse
Straßburger Vorstellung: Rhenania, Suevia und Palaio-Alsatia
Jenaer Corps: Franconia, Saxonia und Thuringia

Mitglieder[Bearbeiten]

Guestphalia Jena[Bearbeiten]

Paukarzt Immisch im Flickzimmer

Palatia Straßburg[Bearbeiten]

  • Waldemar Abegg (1873–1961), Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Schleswig
  • Joseph Borchmeyer (1898–1989), Mitglied des Reichstags
  • Robert Bürgers (1877–1944), Bankier und Politiker
  • Fritz von Christen (1872–1953), preußischer Landrat und Rittergutsbesitzer
  • Georg von Helmolt (1876–1946), Rechtsanwalt und Parlamentarier in Hessen
  • Ewald Hilger (1859–1934), 1896 Leiter der staatlichen Bergwerksbetriebe Oberschlesiens, 1900 Leiter der Bergwerksdirektion Saarbrücken, 1905 Generaldirektor der Vereinigten Königs- und Laurahütte in Siemianowitz; Mitglied des Reichswirtschaftsrats sowie zahlreicher Fachverbände und Aufsichtsräte
  • Werner G. Hoffmann (1907–1988), Verlagsvorstand der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Albano von Jacobi (1854–1919), 1879 Adjutant des Prinzen Wilhelm von Preußen (des späteren Kaisers Wilhelm II.), 1895 Militärattaché an der deutschen Botschaft in Rom, 1905 Militärbevollmächtigter des Reiches am Hof des russischen Zaren in Sankt Petersburg, General der Infanterie
  • Georg Gottfried von Jacobi (1869–1947), Vorsitzender des oKC 1898
  • Josef Kapfhammer (1888–1968), Ernährungsphysiologe in Freiburg
  • Hermann Kehl (1886–1967), Chirurg
  • August Klasing (1881–1958), Verlagsbuchhändler
  • H (1871–1932), Verleger, Geograph und Forschungsreisender
  • Fritz Noetling (1857-1928), Paläontologe
  • Emil von Oppenheim († 1956), Privatbankier
  • Max von Oppenheim (1860–1946), Archäologe, Orientwissenschaftler, Abenteurer, Entdecker und Ausgräber von Tell Halaf; Begründer bedeutender Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel
  • Ferdinand Pachten (1861–1944), Rechtsanwalt und Notar, Aufsichtsratsmitglied der Collet & Engelhard Werkzeugmaschinenfabrik AG, Vorsitzender des Vorstandes des Carolinums der Goethe-Universität Frankfurt
  • Erich Rabbethge (1870–1934), Zuckerindustrieller
  • Oskar Rabbethge (1880–1965), Zuckerindustrieller
  • Otto Rabbethge (1874–1935), Landwirt und Zuckerfabrikbesitzer
  • Richard Remy (1859–1919), Bergwerksdirektor in Schlesien, Mitglied des Preußischen Herrenhauses
  • Max von Sandt (1861–1918), Regierungspräsident in Aachen
  • Wolf Schoedel (1905–1973), Physiologe
  • Hermann Sieveking (1875–1916), Physiker und Ballonfahrer in Karlsruhe

Palatia-Guestphalia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Neben dem von Guestphalia Jena herrührenden Kartell besteht seit 1883 ein befreundetes Verhältnis mit Palatia Straßburg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1960, 70, 404; 42, 857; 33, 306
  2. KCL 1960, 109, 802; 33, 109; 121, 69
  3. KCL 1960, 102, 832; 33, 115; 70, 616
  4. Hans-Ulrich Foertsch, in Der Pfälzer-Westfale, 5. Oktober 2011, Nr. 117
  5. a b c d Foertsch, Barth, 31. Mai 2013
  6. v. Stramberg: KCL 1930 15, 533; 34, 1
  7. Timme: KCL 1930, 111, 569; 34, 2
  8. v. Oertzen: KCL 1930, 47, 290; 34, 3
  9. Der Pfälzer-Westfale, Nr. 106, 10. April 2006, S. 10
  10. Corpsgeschichte der Palatia, Teil II, S. 140-144.
  11. Der Pfälzer-Westfale, 10. April 2006, Nr. 106

48.0023467.846014Koordinaten: 48° 0′ 8″ N, 7° 50′ 46″ O