Dänisch-deutsche Beziehungen

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Deutsch-dänische Beziehungen
Lage von Dänemark und Deutschland
DanemarkDänemark DeutschlandDeutschland
Dänemark Deutschland

Die deutsch-dänischen Beziehungen sind heute vor allem durch eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit geprägt. Die beiden Nachbarländer sind Mitglied in der Europäischen Union und in der NATO. Sie haben eine 67 Kilometer lange gemeinsame Landgrenze.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herzogtümer vor dem Deutsch-Dänischen Krieg

Vor 1864 regierte der dänische König in seiner Eigenschaft als Herzog die Herzogtümer Schleswig (als dänisches Lehen) sowie Holstein und Lauenburg (als deutsche Lehen bzw. ab 1815 als Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes). Im Schleswig-Holsteinischen Krieg (1848–1851) kämpften Dänen und Deutsche um die Herrschaft über Schleswig und Holstein. Dänemark konnte den Sieg gegen die von Preußen und dem Deutschen Bund unterstützten Truppen erringen, so dass Schleswig und Holstein unter dänischer Hoheit blieben.

Im Deutsch-Dänischen Krieg (1864) besiegten österreichische und preußische Truppen in Schleswig und im übrigen Jütland die Dänen. Bereits zuvor hatten Truppen des Deutschen Bundes kampflos das bundesangehörige Holstein besetzt. Im Vertrag von Gastein vom 14. August 1865 erhielt Preußen das Herzogtum Sachsen-Lauenburg und das Herzogtum Schleswig, während Holstein bis zum preußischen Einmarsch 1866 an Österreich fiel.

Im Ersten Weltkrieg blieb Dänemark neutral. 1920 fiel nach einer Volksabstimmung Nordschleswig an Dänemark. Der mittlere und südliche Teil – Südschleswig – blieb bei Deutschland. Die so gezogene Grenze bildet noch heute den Grenzverlauf.

Unter Missachtung seiner Neutralität und ohne Kriegserklärung wurde Dänemark im Rahmen der Operation Weserübung ab dem 9. April 1940 von der Wehrmacht des Deutschen Reiches besetzt. Das Land litt bis Ende des Zweiten Weltkriegs unter der deutschen Besatzung. Nach 1945 forderten Stimmen in der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein eine Neuziehung der Grenzen zugunsten Dänemarks.

Gebietsveränderungen infolge des Deutsch-Dänischer Kriegs 1864 - ohne Einbeziehung der Königlichen Enklaven

Nach einem positiven Referendum vom 2. Oktober 1972 wurde Dänemark am 1. Januar 1973 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft, der auch Deutschland als Gründungsmitglied angehört.

Dänemark ist Gründungsmitglied der NATO. Seit dem Beitritt der BRD am 6. Mai 1955 gehören beide Länder damit demselben Militärbündnis an.

Heute sind die bilateralen Beziehungen der Nachbarstaaten eng und intensiv.

Wirtschaft[Bearbeiten]

17,6 Prozent der dänischen Exporte gehen nach Deutschland und sogar 21,1 Prozent der dänischen Importe stammen aus Deutschland. Damit ist Deutschland für Dänemark der mit Abstand wichtigste Handelspartner.[1] Bei der deutlich größeren deutschen Volkswirtschaft liegt Dänemark auf Platz 20 der Importe und auf Platz 17 bei den Exporten. Dänemark exportiert insbesondere Industrieprodukte, Maschinen und Instrumente sowie landwirtschaftliche Produkte nach Deutschland. In die Gegenrichtung werden Maschinen und Fahrzeuge, Halbfertig- und Fertigwaren, Chemikalien und landwirtschaftliche Produkte exportiert.

Dänemark hat im Jahr 2000 in einer Volksabstimmung die Einführung des Euro abgelehnt.[2] Die Dänische Krone unterliegt allerdings dem Wechselkursmechanismus II.[3] Die Schwankung zum Euro darf höchstens ± 2,25 % um den festgelegten Leitkurs von 1 Euro = 7,46038 DKK betragen.[4] Die Wechselkursunsicherheit zwischen beiden Staaten ist daher gering.

Verkehr[Bearbeiten]

Fähre in Puttgarden (2005); oben: Zufahrt für Pkw, unten: Zufahrt für Züge und Lkw

Das Straßennetz beider Länder verbindet auf der Jütlandlinie die Europastraße 45, die auf deutscher Seite durch die A7 gebildet wird. Über die Vogelfluglinie werden seit 1963 durch eine Fähre die dänische Insel Lolland mit dem Fährhafen Rødbyhavn und die deutsche Insel Fehmarn für Autos und Züge verbunden. Über diese Strecke sowie über die Landverbindung betreibt die Deutsche Bahn ICE-Verbindungen bis nach Kopenhagen.[5] Weitere Fährverbindungen für Kraftfahrzeuge bestehen zwischen Rostock und Gedser sowie von Travemünde über die schwedischen Häfen in Trelleborg oder Malmö. Das größte bilaterale Projekt ist zurzeit (2011) die feste Fehmarnbelt-Querung, eine Brücke für Züge und Kraftfahrzeuge auf der Vogelfluglinie.

Sieben dänische Flughäfen haben Verbindungen nach Deutschland.[6] Allein der Flughafen Kopenhagen-Kastrup wird von 17 deutschen Flughäfen aus angeflogen.[7]

Grenzkontrollen[Bearbeiten]

Mit dem Beitritt Dänemarks zum Schengener Abkommen fielen die Grenzkontrollen zum 1. Dezember 2000 weg.[8] Für Irritationen im deutsch-dänischen Verhältnis sorgte 2011 die (bald wieder aufgehobene) Wiedereinführung permanenter Kontrollen an den dänischen Grenzen.[9][10]

Minderheiten[Bearbeiten]

Seit der Volksabstimmung 1920 gibt es nationale Minderheiten beiderseits der neuen Grenze; auf der deutschen Seite die dänische, auf der dänischen Seite die deutsche Minderheit. Beide unterhalten eine größere Anzahl von Kindergärten, Schulen und Vereine zur Pflege der eigenen Kultur. Das Minderheitenproblem beiderseits der Grenze wurde in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen 1955 gelöst. Das Modell wurde oft als Vorbild für die friedliche Lösung von Minderheitenproblemen hervorgehoben.

Die dänische Minderheit in Deutschland umfasst etwa 50.000 Angehörige, die im südlichen Teil des ehemaligen Herzogtums Schleswigs (Südschleswig) im Norden des Bundeslandes Schleswig-Holsteins leben.[11][12] Der Südschleswigsche Wählerverband ist als ihre politische Vertretung von der Fünf-Prozent-Hürde bei Landtags- und Bundestagswahlen befreit.

Die deutsche Minderheit in Dänemark umfasst etwa 18.000 Angehörige im nördlichen Teil des ehemaligen Herzogtums Schleswig (Nordschleswig) in der Region Syddanmark und ist ebenfalls mit weitreichenden Rechten ausgestattet.[13]

Die Zahl der deutschen Auswanderer nach Dänemark ging im Zuge der Wirtschaftskrise von 2.208[14] im Jahr 2008 über 1.667[15] im Jahr 2009 auf 1.265[16] im Jahr 2010 zurück.

Arbeit und Leben[Bearbeiten]

Im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit können Deutsche in Dänemark sechs Monate ohne Aufenthaltsgenehmigung arbeiten. Für einen längeren Aufenthalt ist eine Aufenthaltsbescheinigung erforderlich, die EU-Bürgern bei Vorliegen einer Erwerbstätigkeit in der Regel problemlos ausgestellt wird. Eine zeitlich unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis kann nach fünfjährigem ununterbrochenem legalen Aufenthalt in Dänemark auf Antrag erworben werden.[17]

Diplomatische Vertretungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dänisch-deutsche Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dänemark im CIA Factbook
  2. Dänemark setzt zweites Referendum zum Euro an www.finanzen.net, Datum: 22. November 2007
  3. Nationalbanken – Foreign-exchange policy / ERM II www.nationalbanken.dk, abgerufen am: 26. April 2010
  4. Axel Sell:Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. 2.Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München 2003, ISBN 3-486-27370-1, S. 97–99
  5. Deutsche Bahn startet ICE nach Dänemark
  6. Flugverbindungen Deutschland - Dänemark
  7. Flugziele Flughafen Kopenhagen-Kastrup
  8. Auswaertiges Amt zum Schengener Abkommen
  9. Wieder Grenzkontrollen an deutsch-dänischer Grenze. In: Tagesschau (ARD), 11. Mai 2011
  10. Niederlande planen Grenzkontrolle für alle Autos. Spiegel Online. Abgerufen am 21. November 2011.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNationale Minderheiten in Deutschland. Bundesministerium des Inneren, abgerufen am 31. August 2012.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDie dänische Minderheit. Landesregierung Schleswig-Holstein, abgerufen am 31. August 2012.
  13. Vogt Matthias Theodor / Sokol Jan / Bingen Dieter / Neyer Jürgen / Löhr Albert (Hg.): Minderheiten als Mehrwert Peter Lang, 2010, ISBN 3631602391, S. 223–227
  14. Auswanderung 2008
  15. Auswanderung 2009
  16. Auswandern nach Dänemark
  17. Arbeitsaufnahme und Wohnsitznahme deutscher Staatsangehöriger in Dänemark (PDF; 225 kB)
  18. Danske repræsentationer i Tyskland (Dänisch). Dänisches Aussenministerium, Dänische Botschaft, Berlin. Abgerufen am 31. Januar 2012.
  19. (Deutsch und Dänisch) Deutsche Botschaft Kopenhagen. Abgerufen am 7. November 2011.