Deutsch-griechische Beziehungen

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deutsch-griechische Beziehungen
Lage von Deutschland und Griechenland
DeutschlandDeutschland GriechenlandGriechenland
Deutschland Griechenland

Die deutsch-griechischen Beziehungen stehen im Zusammenhang der europäischen Integration, in ihrer derzeitigen rechtlichen Form existieren sie seit den 1951 als die Bundesrepublik mit zunächst zwölf Ländern wieder diplomatische Beziehungen aufnahm[1]. Beide Staaten sind Mitglieder der Europäischen Union, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Griechenland unterhält eine Botschaft in Berlin und Konsulate in Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart[2]. Deutschland eine Botschaft in Athen, ein Generalkonsulat in Thessaloniki und Honorarkonsulate in Chania, Igoumenitsa, Iraklion, Komotini, Korfu, Patras, Rhodos, Samos und Volos[3].

Traditionell unterhalten einige deutsche Konzerne Fertigungsstätten in Griechenland, die bis in das späte 19. Jahrhundert zurückreichen.[4]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Altes Griechenland und Byzanz[Bearbeiten]

Älteste historische Berichte über germanische Kulturen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich. Der griechische Reisende Pytheas aus Massalia berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die historischen Überlieferungen über auch so bezeichnete Germanen beginnen in den Berichten antiker Schriftsteller im 1. Jh. v. Chr. Der älteste Hinweis findet sich um das Jahr 80 v. Chr. bei Poseidonios von Apameia im 30. Buch. Dort schildert er, dass die Germanen als Hauptmahlzeit Glieder gebratenen Fleisches zu sich nähmen, Milch tränken und unvermischten Wein. Für die Leser der damaligen Zeit beschreibt diese Charakterisierung Barbaren. Poseidonios kannte die Germanen offenbar nur als ein in der Nähe des Rheins lebendes, den Kelten nahestehendes Volk, zu denen die Kimbern am Nordrand der bekannten Welt (Oikoumene) nicht gehörten. Auch Strabon hielt die Germanen für ein den Galliern verwandtes Volk.

Nach der Reichsteilung von 395 etablierte sich im Osten des ehemaligen Römischen Reiches das Byzantinische Reich das stark von der griechischen Kultur geprägt war. Aus den byzantinisch-deutschen Beziehungen erwähnt sei beispielhaft die Ehe des römisch-deutschen Kaisers Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu. Diese Verbindung wirkte sich u. a. nachhaltig bereichernd auf das kulturelle Leben im Heiligen Römischen Reich aus.

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen gehörte der größte Teil des griechischen Sprachraums vierhundert Jahre lang zum Osmanischen Reich. Seit dem 15. Jahrhundert existiert der Gründungsmythos der Stadt Frankfurt, wonach diese in Folge des Trojanischen Kriegs als Helenopolis (griechisch: „Stadt Helenas“) gegründet sein soll, der Mythos war bis ins 18. Jahrhundert verbreitet.

Philhellenismus[Bearbeiten]

Kartenspiel mit den Konterfeis der Protagonisten des griechischen Freiheitskampfs

Seit etwa 1700 bestand eine griechische Gemeinde in Leipzig, die einerseits im Handel wirkte, andererseits zu Freundschaften zwischen Griechen und Deutschen beitrug. Goethe lernte dort Griechen kennen und übersetzte auch einige Gedichte aus dem Neugriechischen, Johannes Papadopoulos wiederum übersetzte Goethes Iphigenie ins Griechische. Werner von Haxthausen bearbeitete eine Sammlung Neugriechischer Volkslieder. Die Beschäftigung mit aktueller griechischer Literatur stand unmittelbar in Zusammenhang mit dem Anliegen sich für eine Unabhängigkeit Griechenlands einzusetzen und reichte über das bloße Studium antiker Klassiker weit hinaus. Im Verein der Philomusen waren sowohl Auslandsgriechen als auch Philhellenen organisiert. Zu den Mitgliedern der 1815 gegründeten Münchener Zweigstelle gehörten Maximilian I., wie auch sein Sohn, Kronprinz Ludwig I. Dieser glühende Philhellene gräzisierte sogar den Landesnamen Baiern zu Bayern und ließ zum Beispiel die Gebäude des Münchner Königsplatzes im altgriechisch-klassizistischen Stil errichten.

Die Sympathie für Griechenland war keinesfalls ohne Opposition, bereits zuvor existierte auch eine Antipathie gegen östliche Christen und Griechen im Speziellen, die sich nun in einer Kritik gegen den Philhellenismus konzentrierte.[5] Die vermeintlich negativen Folgen der Griechenbegeisterung für die intellektuelle Entwicklung Deutschlands thematisierten Friedrich Paulsen und die britische Germanistin Eliza Marian Butler in ihrem Werk The Tyranny of Greece over Germany.

Frankreich und Großbritannien hatten sich bereits mit einem unabhängigen Griechenland abfinden können, während Fürst Metternich trotz Ereignissen wie dem Massaker von Chios versuchte, die Staatsgründung zu verhindern.[6] Dass Ludwig I. der erste Monarch war, der sich für eine Unabhängigkeit Griechenlands einsetzte, trug nicht unwesentlich dazu bei, dass dessen Sohn Otto 1832 zum ersten König Griechenlands gekrönt wurde.

Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts gaben sich deutsche Städte Beinamen mit Bezug zu Athen, so beispielsweise Spree-Athen für Berlin oder Isar-Athen für München.

Erste Forschungsreisen[Bearbeiten]

Bis ins späte 18. Jahrhundert gab es keinen nennenswerten Reiseverkehr, und so wurde auch Griechenland nur vereinzelt von deutschen Besuchern aufgesucht. Hans Jacob Breuning von Buchenbach besuchte Athen am 9.Juni 1579, von dem jedoch kein Reisebericht überliefert ist. Georg August von Breitenbauch veröffentlichte 1794 die erste deutschsprachige Topographie Athens, die von der wissenschaftlichen Arbeit „Attika“ von Karl Otfried Müller übertroffen wurde.[7]

König Otto und Königin Amalia[Bearbeiten]

Zeitgenössisches Porträt von Amalia mit einem der von ihr favorisierten schulterfreien Kleider

König Otto schuf administrative Grundlagen des griechischen Staates, weiterhin gelang es ihm, Auslandsgriechen als Mäzene für sein Königreich zu gewinnen. Innen- wie außenpolitisch gelang es ihm jedoch nicht, für Stabilität zu sorgen: Attackiert wurde sein Wirken von den europäischen Mächten, die auf die Innenpolitik seines Landes Einfluss nahmen. Er selbst hatte aufgrund seiner neoabsolutistischen Auffassung von Politik nicht vor, eine Verfassung einzuführen und somit die Mitwirkung von Untertanen zu ermöglichen.

Auch nach seiner Abdankung setzte sich König Otto von Bamberg aus für Griechenland ein. So stiftete er seine Apanage eines ganzen Jahres, um Kretern die Waffenlieferungen für deren Unabhängigkeitskampf gegen die Osmanen zu finanzieren. Die von Otto geschaffenen Grundlagen sollten seinem Nachfolger Georg I. ein funktionierendes Staatswesen und eine volle Staatskasse gewähren, die für die Finanzierung von Befreiungskriegen griechisch besiedelter Gebiete des Osmanischen Reichs nützlich war. Bis in die Gegenwart erhalten blieb eine Orientierung am deutschen Bildungswesen und am deutschen Rechtssystem. Otto und seine Frau Amalie von Oldenburg waren ein beliebtes Monarchenpaar der Griechen, zahlreiche Straßen und sogar Orte tragen ihren Namen.

Erste bilaterale Verträge[Bearbeiten]

Die erste griechische Botschaft in Berlin wurde 1834 eröffnet, als Berlin die Hauptstadt des Königreichs Preußens war. 1839 kommt es zum Abschluss eines Handels- und Schifffahrtsvertrags zwischen Preußen und Griechenland sowie eines Handelsvertrags zwischen Sachsen und Griechenland[8]. 1857 wurde ein Übereinkommen zwischen dem Zollverein und der Republik der Ionischen Inseln abgeschlossen, die 1864 zu Griechenland beitrat.

1859 lieferte das damals junge Unternehmen Siemens und Halske Telegrafenapparate für eine Telegrafenlinie, die Griechenland mit der Türkei verband.[9]bis zur Jahrhundertwende und Einrichtung einer eigenen Niederlassung in Griechenland kamen es zu mindestens 3 weiteren Vertragsabschlüssen. Zu den ersten Exportartikel im großen Stil gehören auch chemische Produkte und Halbzeuge. Auch im Bau von Bahnstrecken und Fahrzeugen werden anfangs Aufträge vergeben, als der griechische Staat jenen Firmen den Vorzug gab, die auch bereit waren das unternehmerische Risiko der Investition zu tragen, gingen Eisenbahnaufträge als Konzessionen an französische und englische Investoren. Für die Firma Krupp stellte Griechenland einen wichtigen Markt für Kanonen und Geschütze dar.[10]

Kaiserreich und Weimarer Republik[Bearbeiten]

Vermählung von Prinz Andreas von Griechenland und Prinzessin Alice von Battenberg in Darmstadt, 1903
Venizelos in Berlin, 1929

Während der Kolonialpolitik war Griechenland als Hafen und Zwischenstation zu den Kolonien von Interesse. Kaiser Wilhelm hatte von Sissis Erben das Schloss Achilleion auf Korfu gekauft und als Feriendomizil genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche deutsche Institutionen in Griechenland gegründet, darunter die bis heute existierenden zwei deutschen Schulen und 1872 das Deutsche Archäologische Institut Athen. 1884 wurde ein Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Griechenland abgeschlossen.

Nachdem Deutsche von französischer Seite nicht zu der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees 1894 an der Pariser Sorbonne geladen waren, setzte Dimitrios Vikelas gegen Pierre de Coubertin durch, Deutschland zu den Olympischen Spielen 1896 zu laden. Aber auch in Deutschland gab es Widerstände von Seiten der Deutschen Turnerschaft, die an den olympischen Spielen nicht teilnehmen wollte. Der wichtigste Fürsprecher der olympischen Idee in Deutschland war Willibald Gebhardt, der mit Unterstützung von Vikelas die Aufnahme Deutschlands ins IOC erreichte. Die Olympische Geschichte Deutschlands beginnt jedoch einige Jahre früher, denn Deutschland hatte die Ausgrabungen im antiken Olympia geleitet.

Im Ersten Weltkrieg weigerte sich Griechenland, auf Seiten der Alliierten in den Krieg einzutreten. Diese Haltung wurde von der griechischen Königin Sophie von Preußen – der Schwester Kaiser Wilhelms – und vom Außenminister Georgios Streit getragen. Eine Annäherung zwischen Deutschland und Griechenland wurde durch Frankreich verhindert, welches sich in Griechenland ab 1914 verstärkt wirtschaftlich engagierte und z. B. in Eisenbahngesellschaften investierte.[11] Mit der Kriegserklärung an Deutschland 1917 trat König Konstantin ab und Griechenland wurde vorerst Republik mit Eleftherios Venizelos als Ministerpräsident.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es keinen politischen Austausch zwischen Deutschland und Griechenland. Venizelos unternahm 1929 eine Reise nach Berlin mit dem Zweck, dem wachsenden Warenaustausch der beiden Länder auch ein politisches Zeichen zu geben. Auch gegenüber Georges Clemenceau, der ein Jahr später Athen besuchte, betonte Venizelos, dass frühere Abneigungen gegenüber Deutschland ausschließlich nur dem deutschen Militarismus galten. Venizelos bat das Land Bayern, den Mathematiker Constantin Carathéodory für ein Jahr von seiner Lehrtätigkeit zu beurlauben, damit dieser an der Reformierung des griechischen Hochschulwesens mitwirken könne.[12] 1931 besuchte der liberale Reichstagsabgeordnete Theodor Heuss Griechenland. Im Anschluss an eine Konferenz machte er eine Rundreise, in der er mit Artikeln über das Land berichtete.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Am Berliner Flughafen, 1936: Spiridon Louis (in griechischer Tracht) wird zum griechischen Thronfolger Paul vorgelassen
Kapitulationsverhandlungen 1941
Deutsche Panzer in Athen, 1943

Am 30. Januar 1933 erfolgte die Machtergreifung durch die NSDAP in Deutschland, ab dem 13. April 1936 regierte der autoritäre Ioannis Metaxas in Griechenland. Im Mai 1934 nahm Hermann Göring eine Urlaubsreise nach Griechenland zum Anlass, der politischen Führung "Grüße [...] und das besondere Interesse Hitlers an Griechenland" mitzuteilen. Der Eindruck der deutschen Delegation war, "dass kein Volk beliebter sei in Griechenland als das deutsche".[13] Die Initiative Görings wurde in Griechenland, als eine Art Philhellenismus fehlinterpretiert.[14]

In den 1930er Jahren intensivierten Griechenland und Deutschland ihre wirtschaftlichen Beziehungen, wobei Griechenland in der schwierigeren Lage war, da seine Hauptausfuhrprodukte Tabak und Korinthen wegen diverser Luxusbesteuerungen nicht genug Abnehmer in der Welt fanden und Deutschland entsprechend profitierte. Griechenland akzeptierte industrielle Fertigwaren über Weltmarktdurchschnitt zu kaufen. Griechenland war durch seine Exporte nach Deutschland wirtschaftlich abhängig, eine Auszahlung des erzielten Überschusses wurde stets abgelehnt, so dass Griechenland umfangreiche Rüstungsbestellungen tätigen musste.

Ausserökonomische Beziehungen entstanden in der Kommunismus-Bekämpfung, und aus der griechischen Bewunderung für die (allerdings nur oberflächlichen) wirtschaftlichen und sozialen Erfolge des Nationalsozialismus. Die Kriegstreiberei und der Antisemitismus wurden von griechischer Seite noch unterschätzt.

Vorläufiger Höhepunkt deutsch-griechischer Beziehungen stellten die Olympischen Spiele in Berlin dar. Erstmals wurde das Olympische Feuer in Olympia entfacht und mit einem Fackellauf nach Berlin getragen. Die griechische Fotografin Nelly traf Leni Riefenstahl und beriet sie zu dem Film Olympia. Das außenpolitische Amt der NSDAP erwarb Bildrechte von Nelly für seine Publikation Unsterbliches Hellas von 1937, die den Zweck hatte, eine kulturelle Verbindung herzustellen.[15] Die Spiele selbst wurden u. a. von Paul von Griechenland besucht, Spiridon Louis der Olympiasieger von 1896 tauchte als Zuschauer auf und wurde zur griechischen Delegation vorgelassen.

Ioannis Metaxas versuchte Griechenland aus dem Geschehen des Zweiten Weltkriegs herauszuhalten und lehnte britische Militärhilfe ab. Am 28. Oktober 1940 wurde Griechenland von Mussolini überfallen. Es gelang, die Truppen zurückzuschlagen, so dass Deutschland ab dem 6. April mit der Besetzung Griechenlands reagierte. Innerhalb von drei Wochen war ganz Griechenland besetzt. Die bisherige Haltung Griechenlands stieß auf Verständnis in Deutschland, zumal das Land sich einer Anteilnahme auf britischer Seite bisher verweigerte.[16] Auch Berichte, die für Soldaten verfasst wurden (z. B. von Erhart Kästner), zeichneten ein positives Bild des Landes.[16] Wenngleich auch Bulgarien und Italien an der Besetzung Griechenlands beteiligt waren, sicherte sich das Dritte Reich die nahezu exklusive Ausbeutung des Landes. Griechenland wurde gezwungen, dem Deutschen Reich einen Kredit zu gewähren.

Von 1942–1944 existierte ein deutsches Forschungsinstitut für Biologie in Piräus, das vom Kaiser Wilhelm Institut für Biologie gegründet worden war. Die Institution war schon in den 1930er Jahren – auch als außenpolitische Maßnahme – geplant gewesen, die Arbeit wurde jedoch vom Zweiten Weltkrieg überschattet.[17]

Wirtschaftliche Ausbeutung[Bearbeiten]

Bis ins Jahr 1941 waren die Plünderungen von Sachgütern eher willkürlicher Natur, beispielsweise die Ausräumung Athener Geschäfte und Büros durch Wehrmachtssoldaten. Mussolini spottete über diese Situation in Griechenland, dass "Die Deutschen den Griechen selbst die Schnürsenkel davon getragen haben."[18] Anschließend wurde die Ausbeutung systematisiert. So wurden fortan die Besatzungskosten so festgelegt, dass sie den Wert der beschlagnahmten Güter überstiegen. Griechenland hatte die höchsten Besatzungskosten eines vom Deutschen Reich besetzten Landes zu zahlen. Als der Betrag astronomische Höhen erreichte, entschied Hitler, diese im Fall von Griechenland in Aufbaukosten umzubenennen.[19]

Am 1. Oktober 1942 wurde die DEGRIGES (Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft mbH) gegründet. Zweck der Gesellschaft war, Sach- und Vermögenswerte des Landes abzuziehen sowie die Besatzungskosten einzutreiben, nachdem die Bank von Griechenland aus deutscher Sicht diesen Zweck nur unzureichend erfüllt hatte.

Die Konfiskation aller Nahrungsmittel, stand eine lächerliche Anzahl verteilter Lebensmittel gegenüber. Dies machte sich besonders in Athen bemerkbar, wo während der großen Hungersnot 300.000 Menschen starben. 130.000 Zivilisten wurden von der deutschen Besatzungsmacht umgebracht und 70.000 griechische Juden in Vernichtungslager deportiert.[20] Über 150.000 NS-Zwangsarbeiter wurden sowohl in Griechenland eingesetzt, als auch nach Deutschland verschleppt[21].

Wandlung der Kriegsberichterstattung ab 1943: Vom "guten" zum "bösen" Griechen[Bearbeiten]

Die nationalsozialistischen Ideologie hatte einst die Griechen als edel und tapfer eingestuft. Daher wurde die Partisanenbekämpfung nun als Rechtfertigungsgrund der wirtschaftlichen Ausplünderung herangezogen. Offenbar reichte jedoch die Partisanenaktivität nicht aus, die größte Ausplünderung eines besetzten Landes zu rechtfertigen. Ab 1943 begann man daher allmählich in der gleichgeschalteten Presse zu suggerieren, die Griechen hätten einen Hass gegen Deutsche:"...aber dafür sind es griechische Caféhäuser, man kann nicht verlangen, dass sie einen Fremden rühmen"[22], bereits ein Jahr später heißt es in der Signal: "Ich glaube, dass ein Jude zehn Griechen übers Ohr haut. Das Feilschen liegt dem Griechen im Blut. Von einer geregelten Arbeit wollen die meisten nichts wissen." Mit der sich abzeichnenden Niederlage wird später eine Unbeherrschbarkeit impliziert: "Händlerische Gewinnsucht und orientalische Lebensgesetze beherrschen diese südländische Menschenrasse"[23]

Gedenken und Nachwirkungen[Bearbeiten]

Die deutschen Gefallenen sind auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Maleme auf Kreta und dem Deutschen Soldatenfriedhof Dionyssos-Rapendoza bei Athen bestattet.

Die Verfolgung von Tätern wurde von Seiten der Bundesregierung als Belastung der Deutsch-griechischen Beziehungen betrachtet. Man feilschte um eine Herabsetzung der Anzahl der Täter, die juristisch in Deutschland belangt werden sollten. Von 911 Verdächtigten an "Mord, Körperverletzung, Notzucht, Raub, Plünderung und Brandstiftung" sagte die Bundesregierung zu, 22 Personen strafrechtlich zu verfolgen. Die Verfahren wurden nach Weiterreichung an die Landesbehörden jedoch überwiegend eingestellt.[24]

Die besondere Art der wirtschaftlichen Ausbeutung Griechenland war nie Gegenstand einer späteren Regulierung.[25] Bis heute hat Deutschland keine umfassenden Reparationszahlungen an Griechenland geleistet.[26]

Beziehungen Griechenlands zur alten Bundesrepublik[Bearbeiten]

1949 bis 1974[Bearbeiten]

Am 18. Februar 1952 trat Griechenland der NATO bei, am 6. Mai 1955 die Bundesrepublik Deutschland. Am 27. Februar 1953 wurde das Londoner Schuldenabkommen unterzeichnet. Dabei verzichteten 60 Gläubigerstaaten auf Schulden Deutschlands, darunter auch Griechenland, das Abgesandte zu den Verhandlungen geschickt hatte.[27] Am 25. März 1957 wurde die Bundesrepublik Gründungsmitglied der EWG, Griechenland unterzeichnete 1961 ein Assoziierungsabkommen mit der EWG.

Nach dem Weltkrieg befand sich Griechenland bis 1949 im Bürgerkrieg und Deutschland war geteilt. 1950 öffnete das griechische Generalkonsulat in Bonn, ein Jahr später eine diplomatische Mission der Bundesrepublik in Athen. Ein Abkommen regelte größere Abnahmemengen griechischen Tabaks in Deutschland. Wenngleich es nicht eingehalten werden konnte, erleichterte es die Beziehungen der beiden Länder. 1952 wurde offiziell der Kriegszustand beendet und bis 1955 Grundbesitz des deutschen Staates an die Bundesrepublik zurückgegeben.[28] Seine erste Auslandsniederlassung konnte das Goethe-Institut 1952 in Athen eröffnen, dabei wurden zum Teil die Aktivitäten eines seit 1837 existierenden deutsch-griechischen Vereins übernommen.

Paul, Friederike und Heuss in Bonn, 1954

Als erster Staat lud Griechenland 1956 den Bundespräsidenten Theodor Heuss zu einem Staatsbesuch ein und brach somit die formelle diplomatische Isolierung Deutschlands. Zuvor hatte das griechische Königspaar bereits Deutschland besucht. Die Einladung überbrachte Ernst August von Hannover, Bruder der griechischen Königin, im Auftrag des griechischen Königs Paul. Der Staatsbesuch wurde ein Erfolg. Tausende Athener begrüßten das Staatsoberhaupt am Bahnhof, wo das Begrüßungszeremoniell stattfand. Bei seiner Rückkehr in Deutschland bezeichnete Heuss die Reise als Rückwanderung in die eigene geistige Heimat.[29] Der Außenminister Heinrich von Brentano nahm die euphorische Stimmung zum Anlass, bilaterale Abkommen im Bereich Kultur und Erziehung abzuschließen. Ausländische Botschafter blieben dem offiziellen Empfang demonstrativ fern. 1960 wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Griechenland geschlossen. Es regelte die Anwerbung von Gastarbeitern nach Deutschland. Niederschlag in der deutschen Populärkultur fand diese Thematik im Lied Griechischer Wein von Udo Jürgens aus dem Jahr 1974, das von den Problemen griechischer Gastarbeiter in Deutschland handelt.

Demo gegen die Junta in Stuttgart am 1. Mai 1967

Die Zeit der griechischen Junta fiel in die Zeit der sozial-liberalen Koalition und der Studentenrevolte. Aus wirtschaftlichem Kalkül unterhielt die Bundesrepublik weiterhin gute Beziehungen zur Junta. Paul Frank besuchte als Staatssekretär im Auswärtigen Amt offiziell im September 1972 Griechenland. Während des Besuchs wurden die Festlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Deutsch-Griechischen Handelskammer abgehalten. Für 1971 konnte man Exportaufträge aus Griechenland in Höhe von 371 Mio. Dollar einholen, darunter für Krupp, Siemens, Hoechst, Degussa, Kraftwerk-Union, Transformatoren-Union, Buckau- Wolff und Telefonbau & Normalzeit.[30] Letztendlich waren es innenpolitische Gründe zumindest bei einigen militärischen Gütern auf einen Export zu verzichten. Als Verteidigungsminister erfuhr Helmut Schmidt erst im Nachhinein von Verhandlungen zwischen Krauss-Maffei und der griechischen Militärführung über eine Lieferung von 120 Leopard-Panzern, die er umgehend stoppte.[31] Auf persönlicher Ebene hatte der Widerstand gegen die Junta in Deutschland zahlreichen Freundschaften begründet, die über das politische Engagement hinausreichten. Der spätere Ministerpräsident Kostas Simitis war zu jener Zeit Professor in Gießen. Die Deutsche Welle verlieh in ihren griechischsprachigen Sendungen, die in Griechenland viel gehört wurden, der Opposition gegen das Regime eine Stimme; der spätere Präsident Karolos Papoulias arbeitete an diesen Sendungen mit. Eberhard Rondholz berichtete über die Prozesse gegen die Teilnehmer des Polytechnion-Aufstandes, Günter Wallraff und der Spiegel provozierten das Obristenregime und trugen zu seiner Entlarvung bei.

1974 bis 1990[Bearbeiten]

Der Beitritt Griechenlands zur EG wurde nicht nur unter kurzfristigen wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden, sondern auch aus kulturellen und gesellschaftlichen Kriterien. Die Folgen waren: Die Aufhebung protektionistischer Strukturen eines kleinen Marktes führten zu einer schnellen Deindustrialisierung, die durch Förderungen kaum kompensiert wurde. Deutschland spielte insofern eine bedeutende Rolle, als dass der Bundeskanzler Helmut Schmidt sich den wichtigsten Befürwortern eines Beitritts entwickelte. Zu Beginn soll Schmidt noch gesagt haben Nur über meine Leiche[32] Schmidt besuchte Griechenland 1975, über die Reise schrieb er später: abgesehen von langen, fruchtbaren Gesprächen mit dem Gastgeber – für Loki und mich eine Offenbarung.[33].

1976 zeigte das Badische Landesmuseum die Ausstellung mit dem Titel „Kunst und Kultur der Kykladen“, die zu großen Teilen aus erworbener Hehlerware bestand, was von griechischen Fachleuten gerügt wurde. Erst 2014 wurden einige der Objekte an Griechenland restituiert.[34]

1981 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler und Andreas Papandreou Ministerpräsident. Griechenland gehörte zu jener Zeit den europaskeptischen Ländern an, während die Bundesrepublik sich zusammen mit Frankreich zu den treibenden Kräften der europäischen Integration festigte.[35] Helmut Kohl setzte sich einerseits für eine europäische Integration ein, andererseits bestand er auf eine Übernahme deutscher Standards: So hatten Griechenland und Portugal die Haftungshöchstgrenze bei Kraftfahrzeugversicherungen beenden müssen, gleichzeitig wurde auch der europaweite Wettbewerb ermöglicht. Argument war der größtmögliche Bürgerschutz, für Bürger in den betroffenen Ländern bedeutet dies zunächst einen extremen Anstieg der Versicherungskosten.[36] Möglichen Widerständen gegen die Übernahme deutscher Standards wurde durch die Stärkung der Fördergelder für unterentwickelte Regionen entgegengewirkt. Da dieses Budget nach 1990 nicht aufgestockt wurde, konnte Deutschland für Ostdeutschland selbst von dieser Förderung auch direkt profitieren.[37]

Beziehungen Griechenlands zur DDR[Bearbeiten]

Athener U-Bahnwagen: In der Bundesrepublik für Griechenland entwickelt und in der DDR gebaut
Mikis Theodorakis auf einem Treffen der FDJ, 1989

Die SBZ und danach die DDR suchten den Kontakt zu den Kommunisten Griechenlands und unterstützten diese im Bürgerkrieg. Als Folge erkannte Griechenland die DDR nicht an und pflegte nur mit der Bundesrepublik diplomatische Beziehungen. Paradoxerweise wurden die Beziehungen zwischen der DDR und Griechenland während der Militärdiktatur diplomatisch und wirtschaftlich aufgewertet. Am 25. Mai 1973 wurden diplomatische Beziehungen aufgenommen. Siehe auch die Liste der Botschafter der DDR.

Es entwickelte sich im Anschluss ein reger Tauschhandel zwischen beiden Ländern, die beide an Devisenknappheit litten. Beispielsweise wurden Agrarprodukte, die aufgrund von Überschuss nicht auf den freien Markt kommen sollten, in die DDR exportiert und gegen Industriegüter eingetauscht, die häufig nicht Weltmarktniveau hatten. Griechenland beauftragte die DDR auch mit der Lizenzfertigung westdeutscher Schienenfahrzeuge (Intercityzüge und U-Bahnwagen). Sowohl die DDR als auch die jeweilige griechische Regierung legten Wert darauf, dass die Kommunistische Partei Griechenlands nicht als Mittler fungierte.[38]

Beziehungen mit dem wiedervereinigten Deutschland[Bearbeiten]

1990 bis 2007[Bearbeiten]

Die Ehepaare Schröder und Simitis auf einer Veranstaltung

Deutschland war das erste Land, das Kroatien und Slowenien anerkannte. Griechenland hielt sich zurück und war eines der letzten. Für Griechenland waren die folgenden Jugoslawienkriege eine wirtschaftliche Katastrophe, da mit der Schließung der Transitstrecken nach Mitteleuropa die Warenströme nur über Fähren abgewickelt werden konnten. Griechische Produkte verteuerten sich aufgrund höherer Transportkosten, importierte Waren waren in Griechenland ebenfalls teurer. 1992 empfing Helmut Kohl den Ministerpräsidenten Mitsotakis, welcher von April 1990 bis zum Oktober 1993 das Land regierte. 1995 gründete die Griechische Kulturstiftung ihre Zweigstelle in Berlin, 2001 war Griechenland Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Konstantinos Simitis wurde 1996 Ministerpräsident und leitete umfassende Reformen ein, die das Land stärker marktwirtschaftlich orientierten, Simitis war von 1971 bis zu seiner Rückkehr nach Griechenland nach dem Ende der Junta Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen und pflegte auch danach enge Kontakte zu Deutschland. Gerhard Schröder regierte ab 1998. In seiner Amtszeit wurde mit der Agenda 2010 das deutsche Sozialsystem und der Arbeitsmarkt reformiert und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestärkt.

Griechenland ist bei deutschen Touristen traditionell ein beliebtes Reiseziel. So waren die Deutschen z. B. im Jahr 2005 zahlenmäßig die größte ausländische Gästegruppe und damit eine wichtige Einkommensquelle für den Tourismus in Griechenland.[39]

Die Vorboten einer Trübung des Verhältnisses 2003-2007[Bearbeiten]

Deutschland hatte die Drittstaatenregelung, dass Abschiebungen von Flüchtlingen durch diejenigen Länder zu erfolgen haben, in denen sie EU-Territorium betraten (Dublin II-Verordnung), ist Griechenland aufgrund der EU-weit längsten Küstenlinie besonders hart betroffen. Denn soweit Griechenland die Einreise von Flüchtlingen nicht verhindert, dient es nicht nur als Aufnahmeland der in Griechenland verbleibenden Flüchtlinge, sondern muss auch noch diejenigen wieder aufnehmen, welche durch sein Staatsgebiet in andere EU-Staaten weiterreisten, aber aufgrund der Drittstaatenregelung von dort nach Griechenland zurückgewiesen wurden.

Eine Eintrübung des deutsch-griechischen Verhältnisses trat ein, als 2007 einzelne deutsche Zeitungen über Waldbrände in Griechenland pauschal schrieben, dass das Land diese im Wesentlichen selbst zu verantworten habe, und berichtet wurde, dass Deutschland neben Schweden und weiteren Ländern sich die Hilfe an den Löscharbeiten bezahlen ließ.

Die Beziehungen und die Berichterstattung in der Krise[Bearbeiten]

Quadriga-Preis Berlin, 2010

Strukturelle Verwaltungsdefizite in Griechenland führten zu einer Misswirtschaft, die in Folge der globalen Finanzkrise ab 2007 zu einer erneute, heute noch andauernde Staatsschuldenkrise führte. Fehlende Kontrollmechanismen begünstigten die privatwirtschaftliche Korruption aus Deutschland, die zu unnötigen oder überteuerte Auftragsvergaben des griechischen Staates an deutschen Unternehmen führten.

Im Zuge der griechischen Finanzkrise verschlechterte sich das griechisch-deutsche Verhältnis erheblich. Das sich neu entfaltende Phänomen der Griechenfeindlichkeit beschäftigte mittlerweile auch die Wissenschaft. So erschien 2012 die Arbeit "Die Dynamik der Konstruktion von Differenz und Feindseligkeit am Beispiel der Finanzkrise Griechenlands" von Hans Bickes.

Einzelne deutsche Medien begannen – etwa mit dem verunglimpfenden Begriff „Pleite-Griechen“ – offen Vorurteile gegen Griechen zu kultivieren.[40][41][42] Häufig wurden diese Theorien durch die Interpretation historischer Beispiele unterlegt, etwa der Beteiligung Griechenlands in der Lateinischen Münzunion. Sie zielte auf eine negative Stereotypen-Bildung. Trotz oder wegen der über 300.000 Griechen in Deutschland war über deren Standpunkt zu dem Thema in der deutschen Presse oft nur sehr selten etwas zu lesen.[43]

Als der Focus mit dem Titel Betrüger in der Eurofamilie die Venus von Milo mit Stinkefinger, eingehüllt in eine verdreckte griechische Fahne, auf dem Titelblatt zeigte, fühlten sich Bürger Griechenlands beleidigt. Anzumerken ist, dass beispielsweise in Deutschland das Beschmutzen oder Beschimpfen der Deutschlandfahne, rechtliche Konsequenzen bis hin zu Haftstrafen nach sich ziehen kann.[44]. Eine Initiative in Griechenland zog vor Gericht und bot an, die Klage zurückzunehmen, sofern sich Focus entschuldige. Das Magazin ging jedoch hierauf nicht ein; die Klage wurde von einem Athener Gericht abgewiesen. Eine Athener Boulevardzeitung druckte das Focus-Titelbild ab und setzte es neben ein Bild der „Berliner Goldelse“ mit einem Hakenkreuz in der Hand. Dieses Bild (ohne Kontext) wurde dann in deutschen Medien weiterverbreitet und als Zeichen einer antideutschen Haltung in Griechenland gewertet. Der Eindruck einer antideutschen Haltung verstärkte sich, als im Verlauf der griechischen Staatsschuldenkrise auf griechischen Protestkundgebungen und in griechischen Medien deutsche Politiker, insbesondere die Bundeskanzlerin, mit Attributen des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht worden waren, Deutschlandfahnen verunglimpft und verbrannt wurden sowie griechische Stellen im Hinblick auf die deutsche Besetzung Griechenlands während des Zweiten Weltkriegs – über sechs Jahrzehnte nach dessen Ende – mit der Prüfung von Reparationsforderungen begannen.

Obwohl die Volkswirtschaft Griechenlands selbst für Europa eher klein ist, wurde oft eine Systemrelevanz der griechischen Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise – jedenfalls mit Hilfe einer „Dominotheorie“ – angenommen, die Deutschland und andere Länder fremdverschuldet ebenfalls in eine Krise reißen könne. Hieraus entstand – gestützt durch Wirtschaftswissenschaftler wie etwa Hans-Werner Sinn – die Vorstellung, dass die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion auseinander fallen könne und dass Griechenland zur Wiederherstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit aus dem Euro austreten bzw. zur Abwendung des Untergangs der Währungsunion zum Austritt gezwungen werden müsse.

Eine wissenschaftliche Untersuchung, welche die Griechenland-Berichterstattung aus Frankreich, Italien, Großbritannien, den USA und Deutschland auswertete, kam zu dem Schluss, dass sich in Berichten aus Deutschland auffallend häufig Vorurteile wiederfänden.[45] Ein häufiges Mittel griechenfeindlicher Berichterstattung sei es, von einem allgemeinen Hass gegen Deutsche zu berichten.[46]

Griechische Medien wiederum kritisierten, die erforderlichen Finanzhilfen für Griechenland wären im Rahmen des Euro-Rettungsschirms stets zu spät gekommen. Somit hätten Renditezuschläge („Strafzinsen“), die die Finanzmärkte beim Ankauf von Staatsanleihen der Krisenländer verlangten, zur unnötigen Verschlimmerung der Staatsverschuldung beigetragen. Die Auflagen zu einer restriktiven griechischen Fiskalpolitik (Austerität), die von einer Troika überwacht werden, seien demütigend oder überzogen hart, was nicht zuletzt auf „mangelnde deutsche Solidarität“ zurückzuführen sei.[47] Mitunter wurde in den Medien eine Hegemonie und Dominanz Deutschlands in Europa befürchtet. Antideutsche Stimmungen stammen nicht nur aus dem ultralinken bis anarchistischen Lager. Sie zielen darauf, die Erinnerung an die Besetzung Griechenlands durch die Wehrmacht wieder aufleben zu lassen, etwa indem deutsche Diplomaten als Gauleiter beleidigt wurden,[48][49] und beziehen sich auf die wirtschaftliche Potenz und den Einfluss „deutscher Konzerne“ in der Welt.

Nach einer repräsentativen Umfrage der griechischen Tageszeitung To Vima vom Jahr 2005 waren die Deutschen damals noch das beliebteste Volk bei den Griechen. 78,4 % der Befragten äußerten sich positiv zu den Deutschen (zu Frankreich 77,5 %, zu den USA nur 27,8%). Als diese Umfrage 2013 wiederholt wurde, war der entsprechende Wert auf 33,2 % gefallen. Eine Umfrage der BBC kam auf 35 % für Deutschland, eine Umfrage von Kappa Research auf nur 28,3 % (Frankreich 82,3 % USA 31 %).[50] Mit 42 % für 2013 sind die Deutschen in Griechenland heute etwa so (un-)beliebt, wie sie es seit langem in Großbritannien waren, aber neuerdings nicht mehr sind.[51] Die Medien in Deutschland erklären das Absinken der deutschen Beliebtheitswerte in Griechenland mit dem Beharren der Bundesregierung auf die Durchsetzung einer restriktiven Fiskalpolitik in Griechenland und anderen Krisenstaaten als Gegenleistung für einen deutschen Beitrag zum Euro-Rettungsschirm.[52] Werte über die Haltung der Deutschen zu den Griechen wurden bisher nicht erhoben.

Umfragen bestätigen die Ansicht von Kommentatoren, dass der lange in Griechenland verbreitete Antiamerikanismus von einem „Antigermanismus“ abgelöst werde.[53][54]

Situation nach 2012[Bearbeiten]

Angela Merkel auf Staatsbesuch in Athen, Gespräche mit Antonis Samaras in dessen Büro, 2012

Von staatlicher und privater Seite bemüht man sich, der Verschlechterung der Beziehungen durch Initiativen entgegenzuwirken und einer langfristigen Beschädigung der bilateralen Beziehungen vorzubeugen. Die von deutscher Seite unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel stehende Deutsch-Griechische Versammlung tagte vom 3. bis 5. November 2011 in Thessaloniki; 2013 fand die Veranstaltung in Nürnberg statt. Am 3. Oktober 2010 wurde der damalige griechische Ministerpräsident Giorgos Andrea Papandreou mit dem Quadriga-Preis ausgezeichnet.

Auf Initiative der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften und ihrer Präsidentin Sigrid Skarpelis-Sperk floss das Projekt eines Deutsch-Griechischen Jugendwerks in den Vertrag zur Bildung der Großen Koalition ein.[55]

„Ich glaube das Deutschlandbild war noch nicht mal nach dem 2. Weltkrieg so schlecht wie heute“

Sigrid Skarpelis-Sperk, Präsidentin der Vereinigung Deutsch-Griechischer Gesellschaften[56]

Wirtschaftsbeziehungen[Bearbeiten]

Deutsche Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit in Griechenland, so dass die Handelsbilanz seit Jahrzehnten positiv zugunsten Deutschlands ausfällt. Zeitweise belief sich das Verhältnis auf etwa 4:1, gegenwärtig befindet es sich auf 2,7 : 1. [57] Mit Abklingen der Krise ist anzunehmen, dass der Bedarf nach den eher hochpreisig platzierten deutschen Produkten wieder steigen wird und die Handelsbilanz wieder stärker zugunsten Deutschlands ausfällt. Das Ungleichgewicht wird durch den Tourismus in Griechenland ausgeglichen. Gemessen an den Ausgaben pro Tag, befinden sich Touristen aus Deutschland weitestgehend im Mittelfeld. Eine regionale Ausnahme stellt Kreta dar, wo diese mit 85€ pro Tag annähernd so viel ausgeben wie Touristen beispielsweise aus Russland mit 100€ pro Tag.[58]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.griechenland.diplo.de/Vertretung/griechenland/de/02/Kanzlei__und__Residenz/Kanzlei__und__Residenz.html
  2. http://www.konsulate.de/info/info_griechische_konsulate_in_deutschland.php. Deutschland
  3. http://www.griechenland.diplo.de/
  4. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Griechenland/Bilateral_node.html Auswärtiges Amt.
  5. Melina Philippou: Der Philhellenismus in Deutschland: Philhellenische Bekundungen. 2008, S. 4.
  6. Maria Rieder: Das System Metternich in Bayern, S. 6 2008.
  7. Walther Judeich: Topographie von Athen. 1931, S. 25.
  8. https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/druckansicht.php?id_titlaufn=38553&bestand=4048
  9. http://books.google.de/books?id=JC8xAQAAMAAJ&dq=siemens%20griechenland&pg=PA300#v=onepage&q=siemens%20griechenland&f=false
  10. Fritz Blencke: Alfred Krupp, 1898, S. 39
  11. Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum 1. Weltkrieg. S. 210.
  12. Maria Geōrgiadou: Constantin Carathéodory: mathematics and politics in turbulent times S. 249.
  13. Alfred Kube: Pour le mérite und Hakenkreuz: Hermann Göring im Dritten Reich, S. 88.
  14. Emmanouil Zacharioudakis: Die deutsch-griechischen Beziehungen 1933–1941, S. 46, S. 159, S. 168.
  15. Esther Sophia Sünderhauf: Griechensehnsucht und Kulturkritik: die deutsche Rezeption von Winckelmanns Antikenideal 1840–1945, S. 196.
  16. a b Anne Mrotzek: Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen in Griechenland darstellte S. 6.
  17. Maria Zarifi in: Susanne Heim:Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, S. 206.
  18. Dieter Schwarzkopf: Kollaboration in Griechenland während des 2. Weltkrieges.
  19. http://www.2i.westhost.com/bg/1_7_1.html
  20. http://www.boerse-express.com/pages/863211
  21. http://www.wollheim-memorial.de/de/herkunft_und_anzahl_auslaendischer_zivilarbeiterinnen_und_zwangsarbeiterinnen wollheim-memorial.de
  22. Anne Mrotzek: Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen, 2011, S. 6.
  23. Anne Mrotzek: Die Macht der Worte – Wie die deutsche Propaganda das Kriegsgeschehen, 2011, S. 16.
  24. Hans Booms, Ulrich Enders, Konrad Reiser : Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung, darin: Protokolle der 268. Kabinettssitzung, 1989.
  25. http://www.2i.westhost.com/bg/1_7_1.html
  26. Historiker: Deutschland hat sich vor Reparationen gedrückt – Hagen Fleischer im Gespräch. Deutschlandradio Kultur. Abgerufen am 14. November 2011.
  27. http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/als-die-griechen-den-deutschen-halfen/4625070.html Christine Cornelius: Als die Griechen den Deutschen halfen, Artikel des Tagesspiegel
  28. Pantelis M. Pantelouris: Die deutsch-griechischen Nachkriegsbeziehungen http://www.griechenland.net/dossier_details.php?sid=2
  29. Frieder Günther: Heuss auf Reisen: die auswärtige Repräsentation der Bundesrepublik. S. 84.
  30. Günter Wallraff, Eckart Spoo: Unser Faschismus nebenan: Erfahrungen bei NATO-Partnern. S. 97, 1982
  31. Philipp Rock: Macht, Märkte und Moral: zur Rolle der Menschenrechte, 2010 S.79
  32. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wahl-in-griechenland-alles-bleibt-in-der-familie-1462938.html
  33. Helmut Schmidt: Menschen und Mächte: Die Deutschen und ihre Nachbarn
  34. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/kykladen-rueckgabe-an-athen-jetzt-ist-der-raubzug-endlich-vorbei-12976919-p2.html Kykladen-Rückgabe an Athen: Jetzt ist der Raubzug endlich vorbei, Artikel der FAZ
  35. Günter Buchstab, Hans-Otto Kleinmann, Hanns Jürgen Küsters: Die Ära Kohl im Gespräch: eine Zwischenbilanz S. 137.
  36. Richard Santoleri: Tabakwerbung und Prävention, S. 25.
  37. Mareike König,Wolf D. Gruner,Matthias Schulz: Die Bundesrepublik Deutschland und die europäische Einigung 1949–2000, S. 234.
  38. http://www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/diss/stergiou/stergiouabstract.html
  39. Grenzüberschreitender Tourismus in Europa. Statistische Bundesamt Deutschland. Abgerufen am 12. November 2012.
  40. Hans Bickes, Tina Otten: Griechenland und die deutschen Medien. In: Hellenika. Jahrbuch für griechische Kultur und deutsch-griechische Beziehungen. Neue Folge 8, LIT Verlag, Münster 2013, S. 10 ff. (online)
  41. Suche zum Begriff Pleite-Griechen im Portal bild.de, abgerufen am 27. April 2014
  42. So auch noch 2014. – Vgl. Philine Lietzmann: Gier nach Zinsen: Anleihen der Pleite-Griechen so gefragt wie nie. Artikel vom 2. April 2014 im Portal focus.de, abgerufen am 27. April 2014
  43. http://www.vdgg.de/Tagung_MeilensteineAthen_SSS.pdf S. 15.
  44. Vgl. Philine Lietzmann: Fahne mit Adler ist Bundesbehörden vorbehalten. Artikel der Frankfurter Rundschau, abgerufen am 11. Juli 2014
  45. Image crisis: An analysis of Greece’s portrayal by the international media, Artikel von Alexandra Katsoulis in der Kathimerini über die Untersuchung von George Tzogopoulos
  46. [1]
  47. Auswärtiges Amt, Länderinfo Griechenland
  48. Giorgos Delastik: Ελλήνων αέναος Γολγοθάς. (deutsch: Das ewige Golgotha der Griechen). Ethnos.gr, 21. Januar 2012, abgerufen am 6. Februar 2012 (griechisch).
  49. Θάνος Παναγόπουλος: Αισιοδοξούν κυβέρνηση - oμολογιούχοι για το PSI. (deutsch: Regierung optimistisch). I Avgi.gr, 21. Januar 2012, abgerufen am 6. Februar 2012 (griechisch).
  50. [2]
  51. http://www.taz.de/!116734/
  52. http://www.fr-online.de/politik/umfrage-der-bbc-deutschland-ist-beliebtestes-land-der-welt,1472596,22843020.html
  53. Ioannis N. Grigoriadis in Kathimerini vom 25. Juli 2012: „Antiamerikanismus und Antigermanismus“ (griechisch)
  54. Nikiforos Malevitis in reperter.gr vom 14. April 2013: „Antiamerikanismus und Antigermanismus“ (griechisch)
  55. Koalitionsvertrag S. 156 f.
  56. http://www.ijab.de/aktuell/themenfilter/jugendpolitik/a/show/erste-schritte-zu-einem-deutsch-griechischen-jugendwerk/
  57. Primärquelle: http://www.naftemporiki.gr/finance/story/751139
  58. [3]