Erlkönig (Ballade)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Erlkönig ist eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, die im Jahre 1782 geschrieben wurde. Sie wurde unter anderem von Franz Schubert und Carl Loewe vertont.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehungsgeschichte

Der Stoff der Ballade stammt aus dem Dänischen, dort heißt der Erlkönig Ellerkonge, also Elfenkönig. Die Ballade wurde ursprünglich von Johann Gottfried Herder übersetzt. Dabei entstand der Begriff „Erlkönig“ angeblich aus der falschen Übersetzung des Wortes Eller als „Erle“, das er dann mit „König“ kombinierte. Goethe schuf die Ballade als Einlage zu dem Singspiel Die Fischerin. Dabei singt die Darstellerin die Ballade bei der Arbeit.

[Bearbeiten] Vertonungen

Der Text wurde sehr schnell beliebt und häufig in Musik gesetzt. Insbesondere die Vertonung von Franz Schubert wird heute oft gesungen. Schubert wollte diese Vertonung Goethe widmen, der sie jedoch unkommentiert zurücksenden ließ. Der Erlkönig ist das erste gedruckte Werk Schuberts und hat daher die Opuszahl 1. Von Ludwig van Beethoven existieren einige Skizzen zu einer Vertonung, die um 1795 entstanden sein dürften und im Werkverzeichnis von Kinsky/Halm „Werke ohne Opus-Zahl“ (WoO) die Nummer 131 tragen. Bekannt ist auch die Vertonung von Carl Loewe. Auch dieser versuchte damit Goethes Gunst zu erlangen und beabsichtigte, sie bei einem Besuch – dem einzigen Zusammentreffen der beiden – persönlich vorzutragen. Da es aber in Goethes Haus kein Klavier gab, scheiterte dieses Vorhaben. Loewe lieferte mit der Ballade Herr Oluf auch eine eigene Variante des Stoffes, in der die Titelfigur dem Fluch der zurückgewiesenen Tochter des Erlkönigs zum Opfer fällt.

Auch später war das Gedicht häufig Vorlage für verschiedene Vertonungen bis in die heutige Zeit. So erschien etwa eine Version des Gedichts von Achim Reichel auf der CD "Wilder Wassermann" (2002). Auch die Neue-Deutsche-Härte-Band Rammstein hat eine Adaption namens Dalai Lama zum Erlkönig geschrieben. Ferner hat die Band „Hypnotic Grooves“ auf dem Album Rosebud: Songs of Goethe and Nietzsche (1999), welches vor dem Hintergrund „Weimar – Weltkulturstadt 1999“ entstand, diese Ballade musikalisch verarbeitet, wobei sie von Jo van Nelsen interpretiert wurde. Die bayrische Musikkabarett-Gruppe „Les Derhos’n“ hat 2002 das Gedicht ebenfalls vertont, der Titel und der Text wurden allerdings nicht verändert. Aufgrund des Hintergrundes dieser Truppe könnte man diese Version allerdings auch als eine Art Parodie ansehen. Im Jahr 2000 vertonte der Schweizer Schauspieler Daniel Bill den Erlkönig als Rock-Version auf der CD „Scream in the night“. Außerdem findet sich auch auf dem Jenzig-Album der Neofolk-Gruppe „Forseti“ eine Vertonung der Ballade. Josh Ritter trat mit "The Oak Tree King" 2007 am Verbier-Festival auf.

Ebenfalls aus jüngerer Zeit stammt eine Version, welcher der Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner (u.a. Synchronstimme von Robert de Niro, Warren Beatty u.v.a.) seine Stimme geliehen hat.

[Bearbeiten] Inhalt

Illustration von Moritz von Schwind

„Der Erlkönig“ beschreibt den nächtlichen Ritt eines Vaters und seines Kindes. Das Kind sieht die Gestalt des Erlkönigs, von dem es sich bedroht fühlt. Der Vater versucht, seinen Sohn zu beruhigen und den Visionen des Kindes natürliche Erklärungen zu geben, wie Nebel, das Rascheln der Blätter oder den Schimmer der Bäume, und er reitet immer schneller. Das Kind wird jedoch immer unruhiger; es fühlt sich immer mehr von den gespenstischen Gestalten bedroht. Diese Gestalten – der Erlkönig und seine Töchter − werden aus der Perspektive des Kindes dargestellt und scheinen ganz wirklich zu sein. Als der Sohn schließlich in einen Schrei ausbricht und sich vom Erlkönig tätlich angegriffen fühlt, verliert auch der Vater seine Fassung und versucht nur noch, so schnell es geht den Hof zu erreichen. Dort erkennt er, dass das Kind tot ist.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

[Bearbeiten] Interpretationen

Eine Interpretation des Gedichts sieht den Erlkönig als bloße Ausgeburt von Angst- und Fieberträumen und daher als Allegorie für eine tödliche Krankheit des Knaben. Andererseits verkörpert der Erlkönig jedoch auch erste unbewusste pubertäre Ahnungen: So wie der Erlkönig den widerwilligen Knaben zunächst mit erotischen Phantasien in sein Reich zu locken versucht und schließlich durch eine Vergewaltigung die Oberhand gewinnt, so wird der Knabe durch den nächtlichen Ausflug ins dämonische Leben seiner Unschuld beraubt und letztlich gezwungen seine wohl behütete Kindheit zu verlassen. Sein Tod symbolisiert das unaufhaltsame Ende seiner naiven Integrität und seinen zwangsläufigen Eintritt in die Welt der Erwachsenen. Seine durch den Erlkönig repräsentierte, der Zeit und Veränderung unterworfene, männliche Natur holt den fliehenden Knaben buchstäblich ein. Da hilft kein noch so schneller Galopp des Vaters, der seinen Sohn ins beschützende elterliche Heim zurückholen und so retten will. Die Beschwichtigungsversuche und der verzweifelte Kampf des Vaters müssen gegen die natürlichen Triebe des Kindes unterliegen. Der fortschreitenden Zeit und erwachenden Sexualität lässt sich nicht entkommen.

[Bearbeiten] Bekannte Parodien

[Bearbeiten] Adaptionen

[Bearbeiten] Literatur

  • Werner-Joachim Düring: Erlkönig-Vertonungen. Eine historische und systematische Untersuchung. Bosse, Regensburg 1972 (Notenteil: 1977), ISBN 3-7649-2082-3
  • Brigitte Buberl: Erlkönig und Alpenbraut. Dichtung, Märchen und Sage in Bildern der Schack-Galerie (Bayerische Staatsgemäldesammlungen. Studio-Ausstellung 12) München: Lipp 1989. ISBN 3-87490-621-3
  • Hans Lösener: Der Rhythmus des Unheimlichen im Erlkönig. In: Derselbe: Der Rhythmus in der Rede. Tübingen: Niemeyer 1999. S. 113-153.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikisource Wikisource: Erlkönig – Quellen und Volltexte

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Deutschlandfunk: Der König Erl - Text im Original (4. Oktober 2006) Abgerufen 2. Januar 2009
  2. Album "Otto": König Erl von Otto Waalkes - Text im Original (2002) abgerufen 2. Januar 2009
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen