Florian Homm
Florian Wilhelm Jürgen Homm (* 7. Oktober 1959 in Oberursel) ist ein deutscher Börsenspekulant und Hedgefondsmanager.
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Werdegang [Bearbeiten]
Florian Homm wuchs als Sohn eines mittelständischen Handwerksunternehmers im hessischen Bad Homburg auf. Sein Großonkel war der Versandhauskönig und Dressur-Olympiasieger Josef Neckermann. Nach einem Studium an der Harvard University, das er mit einem Master of Business Administration an der Harvard Business School abschloss,[1] begann Homm seine Tätigkeit in der amerikanischen Finanzwirtschaft bei Merrill Lynch, danach war er bei dem US-Fondsanbieter Fidelity Investments, der Schweizer Privatbank Julius Bär und dem US-Vermögensverwalter Tweedy Browne.
1993 machte er sich selbstständig und gründete mit dem US-Amerikaner Kevin Devine die auf kleine Unternehmen spezialisierte Investmentgesellschaft Value Management & Research AG (VMR), mit dem er später eine Reihe von erfolglosen Unternehmen - wie „Toysinternational.com“ oder „Comtelco“ - an Internetbörsen wie den Frankfurter Neuen Markt brachte. Erste Vorwürfe machten die Runde, Homm beeinflusse durch öffentliche Aussagen und Analysen zu Firmen die Kurse, um davon dann mit seiner Firma als Investor zu profitieren. Der folgende Börsenboom machte ihn reich. Nachdem das geplante Zusammengehen mit der wenig später insolventen Gesellschaft Knorr Capital scheiterte, verließ Homm VMR. VMR war im Jahr 2000 500 Millionen Euro wert, zwei Jahre später mit der Dotcom-Blase kollabiert. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der Blase, attestierten die Ärzte dem damals 40-jährigen Multiple Sklerose, an der seine Schwester 2005 starb.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends mitbegründete er in Los Angeles den Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings Ltd. (ACM), mit Sitz auf der britischen offshore Steueroase Kaimaninseln, den er 2006 in das unreglementierte Alternative Investment Market-Segment der London Stock Exchange führte. In seiner erfolgreichsten Phase verwaltete er mit ACM drei Milliarden Euro Kundenvermögen und schaffte damit den Sprung unter die 300 reichsten Deutschen.[2] Er wurde von der Investmentzeitung Alternative Investment News als Hedge Fund Leader of The Year bezeichnet.[3]
Homm sorgte dann mit seiner Forderung zur Aufspaltung von Freenet für Aufsehen. Er beteiligte sich mit ACM am Reisekonzern TUI und dem Fußballklub Borussia Dortmund. Insbesondere bei Borussia Dortmund sorgte er mit einem Engagement von 20 Millionen Euro für die Rettung des Vereins, leitete mit einer mit der Zahlung verbundenen Erklärung aber auch die Entmachtung der Führung des BVB ein.[4] In seiner Biographie berichtet Homm, er habe eigentlich mit dem BVB Geld machen und ihn an zwei russische Oligarchen verkaufen wollen. Als er, entgegen seiner Gewohnheit, erst nach seinem Einstieg eine Überprüfung des Unternehmens vornahm, bemerkte er, wie schlecht es dem Club ging und beschloss, ihn zu retten, da man sich die Verluste nicht erlauben konnte.[5]
Flucht [Bearbeiten]
Im Sommer 2007 kam der oftmals in illiquide Werte investierende ACM unter Druck. In der Nacht zum 18. September 2007 tauchte Homm unter. Seine Nachfolger beim ACM-Fonds warfen ihm vor, dass viele „Investments“ einen weit geringeren Wert hätten, als ausgewiesen.[6] Die Aktien des ACM verloren bis Juni 2008 rund 93 Prozent ihres Wertes.[7] Es wurde vermutet, er sei mit über 150 Millionen Euro auf der Flucht.[3] Als ACM im April 2009 von der Börse genommen wurde, war das Vermögen um rund 3 Mrd. Dollar auf 2,3 Mio. geschrumpft.
Am 25. Februar 2011 erhob die US-Börsenaufsicht SEC Zivilklage gegen Florian Homm und Todd M. Ficeto.[8] Ebenso war die US-Drogenpolizei (DEA) auf der Suche nach Homm, weil sie vermutete, er könne in Geldwäsche-Geschäfte mit den Drogenkartellen in Südamerika verwickelt sein.[3]
Nach Angaben eines Privatermittlers haben betrogene Anleger ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro auf Homm ausgesetzt.[9] Ermittler gingen diversen Hinweisen nach, unter anderem wurde vermutet, Homm lebe in Venezuela in der Nähe von Caracas[10], denn wenige Monate vor seiner Flucht wurde er in Caracas angeschossen. Offiziell hieß es, Straßenräuber hätten versucht seine Uhr zu stehlen. Vermutlich habe Homm damals schon seine Flucht vorbereitet.[3] Ein darauf folgender Aufenthalt in der Karibik wurde vermutet.[10] Andere vermuteten Homm in Liberia, da er „Kulturattachée Liberias“ an der Botschaft in Paris mit akkreditiertem Diplomatenpass bei der UNESCO war.[3] [11]
Im August 2012 wurde bekannt, dass die Ermittler, die den Aufenthaltsort von Homm feststellen sollten, diese Tätigkeit zunächst eingestellt hatten. Einer der Privatermittler wurde aufgefordert, seine Ermittlungstätigkeit unverzüglich einzustellen, da seine Auftraggeber von unbekannten Personen massiv bedroht worden sein sollen. Es sei ihnen klargemacht worden, dass diese Bedrohungen im Zusammenhang mit ihren Ermittlungstätigkeiten in Sachen Homm stehe.[10]
Im Zusammenhang mit einer geplanten Buchveröffentlichung (Titel: Kopf Geld Jagd), dessen Verkaufserlöse Homm der Liberia Renaissance Foundation – einer Schweizer Stiftung für liberianische Kinder – spenden will,[12] beschrieb Florian Homm in mehreren Interviews mit der Süddeutschen Zeitung[13], dem Stern[14] und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung[15] vom 7. November 2012 seinen Aufstieg, Fall und den erhofften Neuanfang. Am selben Tag veröffentlichte die Financial Times Deutschland[16] und die Wirtschaftswoche[17] ein Interview, in dem er die meisten Vorwürfe ihm gegenüber zurückwies. Als Reaktion auf das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld hatte Spiegel Online ein von Florian Homm aufgezeichnetes Video veröffentlicht, in dem sich Homm zu dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld äußert.[18] Bild am Sonntag berichtete am 10. Dezember unter Berufung auf „Homms Umfeld“, dass Homm sich an den Prozessen in den Vereinigten Staaten beteiligen will.[19]
Parallel zur Berichterstattung der New York Times[20] und der Financial Times[21], in der Homm über seine Rückkehr sprach, veröffentlichte er sein Buch auch auf Englisch (Titel: Rogue Financier). Seine Autobiografie erreichte in Deutschland unterdessen in der Kalenderwoche 47 Platz 27 auf der Bestsellerliste des Spiegel,[22] Platz 11 der Bestsellerliste des Manager Magazins 01/2013[23] und kam unter die Top 40 der Jahresbestseller der Wirtschaftsbuch-Bestsellerliste 2012 des Manager Magazins.[24]
Am 3. März 2013 hatte Homm gemeinsam mit der Linken-Vorsitzenden Sahra Wagenknecht einen Talkshow-Auftritt (Titel: Eurokrise: Finanzhai trifft Sozialistin) im ZDF in Berlin und konnte das Studio unbehelligt verlassen.[25]
Verhaftung [Bearbeiten]
Die Verhaftung fand am 8. März 2013 auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Los Angeles statt, als Homm sich gerade in Begleitung seiner Ex-Frau und seines Sohnes in den Uffizien in Florenz befand. Bei Strafverfolgungsbehörden in Los Angeles lag eine Strafanzeige wegen Verschwörung und Betrugs mit Wertpapieren vor, aufgrund derer ein Haftbefehl am 6. März 2013 erlassen wurde.[26]
Er soll Einzahlern in seinem ACM-Hedgefonds Verluste von rund 200 Millionen Dollar beschert haben und die US-Börsenaufsicht SEC verlangt von ihm rund 56 Millionen Dollar (44 Millionen Euro).
Privates [Bearbeiten]
- Homm ist ein ehemaliger deutscher Basketball-Juniorennationalspieler. In der Mitte der 1980er Jahre war er in der 1. Basketball-Bundesliga für den Osnabrücker Club BC Giants aktiv.
- Homm gründete die karitative Organisation Maximum Impact Medicine mit Sitz in Irland,[27] die sich der Bekämpfung von Krankheiten in Drittweltländern widmet.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- Ehrendoktor (Dr. h.c.) der United Methodist University in Monrovia, der zweitgrößten Universität von Liberia.
Literatur [Bearbeiten]
- Florian Homm: Kopf Geld Jagd. FinanzBuch Verlag, München 2012, ISBN 978-3-89879-788-7
- Florian Homm: Rogue Financier: The adventures of an Estranged Capitalist. FinanzBuch Verlag, München 2012, ISBN 978-3-86248-425-6
Weblinks [Bearbeiten]
- Catherine Hoffmann: Florian Homm – Ein Enfant terrible wird zahm, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Juli 2006
Quellen [Bearbeiten]
- ↑ ‘I have chosen the bright side’
- ↑ Florian Homm - Ein Phantom kehrt zurück. In: ftd.de vom 7. November 2012.
- ↑ a b c d e Die Welt jagt Florian Homm. In: FTD abgerufen am 18. Juni 2012.
- ↑ Entmachtung in drei Schritten. In: Süddeutsche Zeitung abgerufen am 18. Juni 2012.
- ↑ Florian Homm: Kopf Geld Jagd, Wie ich in Venezuela niedergeschossen wurde, während ich versuchte, Borussia Dortmund zu retten. FinanzBuch Verlag, 2012, ISBN 3-862-48414-9, S. 236. eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche.
- ↑ Leo Müller: Bankräuber. Berlin 2010, S. 179f.
- ↑ A Money Manager's Ultimate Fight Game. Barron's, 2. Juni 2008, abgerufen am 17. Mai 2012.
- ↑ Offizielle Bekanntgabe der Anklageerhebung durch die SEC, Website der SEC, 25. Februar 2011, abgerufen am 17. Mai 2012.
- ↑ Spekulant Florian Homm – Kopf, Geld, Jäger. In: Stern Online vom 17. Mai 2012
- ↑ a b c Ermittlungen eingestellt: Florian Homm bedroht seine Jäger. In: FTD vom 7. August 2012.
- ↑ Florian Homm - Ein Phantom kehrt zurück. In: ftd.de vom 7. November 2012.
- ↑ Comeback von Florian Homm: „Selbst ein reformierter Pitbull ist immer noch einer“ In: Handelsblatt vom 8. November 2012
- ↑ "Ich war ein Schwachmat" In: sueddeutsche.de vom 7. November 2012.
- ↑ Ex-Hedgefondsmanager Florian Homm: "Gier ist nicht geil" In: stern.de vom 7. November 2012
- ↑ Florian Homm – Der Leerverkäufer seines Lebens. In: faz.de vom 7. November 2012
- ↑ Florian Homm - Ein Phantom kehrt zurück. In: ftd.de vom 7. November 2012
- ↑ Spektakuläre Rückkehr: Börsenaufsicht will mit Homm kurzen Prozess machen. In: wiwo.de vom 19. November
- ↑ Stellungnahme: Florian Homm zu dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld. In: spiegel.de vom 7. November
- ↑ Investor Homm will sich vor Gericht verteidigen. In: Bild.de vom 10. Dezember 2012
- ↑ After 5 Years of Hiding, a Banker Reappears. In: nytimes.com vom 12. Dezember 2012
- ↑ "I have chosen the bright side" In: ft.com vom 12. Dezember 2012
- ↑ Buchreport express, 38. Jahrgang, ISSN: 1615-0732, S. 30
- ↑ Buchreport express, 43. Jahrgang, ISSN: 1615-0732, S. 37
- ↑ Buchreport, 44. Jahrgang, ISSN: 1615-0724, S. 70
- ↑ Als der Moderator fragte, ob Homm nicht Angst habe, in der Livesendung aufzutreten, sagte Homm verschwörerisch, sein Abgang sei sorgfältig geplant.
- ↑ Pressemitteilung des FBI Los Angeles vom 8. März 2013, abgerufen am 14. März 2012.
- ↑ Maximumimpactmedicine.org (Abgerufen am 18. November 2012)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Homm, Florian |
| ALTERNATIVNAMEN | Hom, Florian Wilhelm Jürgen (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Fondsmanager |
| GEBURTSDATUM | 7. Oktober 1959 |
| GEBURTSORT | Oberursel |