Flugplatz Sperenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Flughafen Sperenberg)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flugplatz Sperenberg
„Аэродром ГСВГ Шперенберг“ (1994 stillgelegt)
FP Sperenberg.jpg
Flugplatz Sperenberg (Brandenburg)
Red pog.svg
Kenndaten
IATA-Code
ICAO-Code
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 48 km südlich von Berlin (Dom)
Straße L70
Bahn Fernbahn Königlich Preußische Militär-Eisenbahn/Deutsche Reichsbahn/Deutsche Bahn 206.31/6514
Basisdaten
Eröffnung 1958
Betreiber 1957-1994 Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland; Besitzer von 1994-2009: Bundesrepublik Deutschland; Besitzer seit 2009: Brandenburg
Fläche 2400 ha
Terminals 1 (A)
Beschäftigte 5.000
Start- und Landebahnen
Nord (07L/25R) 2550 m × 50 m Beton
Süd (07L/25R GRASS) 800 m × 50 m Gras

i1 i3


i7 i10 i12

i14
Start- und Landebahn 07L/25R
Hangar Sperenberg
Flugplatz Sperenberg Terminal

Der Flugplatz Sperenberg war bis 1994 ein sowjetischer Militärflugplatz in Sperenberg, auf dem große Flugzeuge wie zum Beispiel die Truppentransporter IL-76 und AN-22 fest stationiert waren. Er galt zeitweise als potentieller Standort für den Flughafen Berlin Brandenburg. Das Funkrufzeichen für den Flugplatz Sperenberg lautete in den 1960er Jahren „KJUBET“ (Straßenrinne), ab den 1970ern dann „SOUVENIR“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichtliche Entwicklung

Heidelandschaft an der Start- und Landebahn 07L/25R

Entgegen der landläufigen Meinung befand sich auf dem Gelände nicht von Anfang an ein Flugplatz, auch nicht zu Wehrmachtszeiten.

Das Gelände des Flugplatzes gehörte ursprünglich zur Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, wo bereits von 1870 an militärische Mittel auf ihre Nutzbarkeit untersucht und geprüft wurden. Bis zum Zweiten Weltkrieg war hier eine Ausbildungsstelle der Eisenbahnpioniere. Davon zeugen zahlreiche Brücken- und Schienenreste sowie ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallen Eisenbahnpioniere auf dem Gelände. Während des Zweiten Weltkrieges war hier unter anderem die Deutsche Raketenversuchsanstalt unter Wernher von Braun untergebracht, bevor diese nach Peenemünde umzog. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die umfangreiche Nutzung des Geländes weitgehend eingestellt. Die Sowjetarmee war in den 1950er Jahren auf der Suche nach einem Flugplatz zur ausschließlich militärischen Nutzung. Es gab eine Untersuchung von möglichen Standorten in Drewitz, Rangsdorf und Sperenberg. Nach intensivem Streit mit der DDR um die Finanzierung wurde dann schließlich, nachdem man sich auf die Teilung der Kosten geeinigt hatte, ab 1958 auf dem Areal von der DDR ein Flugplatz errichtet, um den bereits existenten, größeren Flughafen Berlin-Schönefeld vom militärischen Luftverkehr zu entlasten und ausschließlich zur zivilen Nutzung zu verwenden.

[Bearbeiten] Bauphasen des Flugplatzes Sperenberg

Der Bau des Flugplatzes wurde in drei wichtigen Abschnitten ausgeführt:

  • 2. Bauabschnitt während der 1960er Jahre: In diesem Zeitraum wurde unter anderem um 1965 der Führungsbunker für den Gefechtsstand des 226. Transportfliegerregiments Sperenberg errichtet, dieser war eingeschossig, monolithisch und hatte die Abmessungen 28 × 16 Meter.
  • 3. Bauabschnitt 1972–1974: Bauausführung zur Auslagerung der Abstellflächen für Transportflugzeuge im nordwestlichen Areal des Flugplatzes erfolgte durch das VEB Autobahnbaukombinat Betriebsteil Potsdam, die Errichtung des zentral angeordneten Hangars durch den VEB Bau- und Montagekombinat (BMK) Ost und Elektroanlagen durch die PGH des Elektrohandwerks Klausdorf, Fertigstellung war am 1. Mai 1974. Somit verfügte der Flugplatz über eine Start- und Landebahn aus Beton, eine Graspiste vier Rollwege in Nord-Süd Ausrichtung und zwei Rollwegen parallel zu den Start- und Landebahnen in Ost-West-Ausrichtung, einer davon führt zum Terminal Sperenberg.

Sperenberg wurde von den sowjetischen Streitkräften bis zum Abzug 1994 genutzt. Auf dem Gelände des Flugplatzes verbrachte der zu dem Zeitpunkt per Haftbefehl gesuchte ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, 1991 seine letzte Nacht auf deutschem Boden, bevor er von russischen Streitkräften ausgeflogen wurde.

[Bearbeiten] Verwendung des Flugplatzes

Sperenberg war als Standort für die Sowjets geradezu prädestiniert. Durch die lange Geschichte als Truppenstandort konnten bereits vorhandene Gebäude wie Kasernen, Garagen, Versorgungsgebäude mit genutzt werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Gelände zu einer eigenen sowjetischen Stadt auf dem Boden der DDR. Es befanden sich hier eine Schule sowie Kindergärten für die Kinder der Soldaten, Großbäckerei, Geschäfte, ein Kino, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen. Es bestand eine eigene, tägliche Zuganbindung sowohl nach Potsdam als auch nach Moskau. Zu Spitzenzeiten waren hier über 5000 Soldaten und Zivilisten stationiert. Die Rote Armee nutzte Sperenberg intensiv. Es waren auf dem Flugplatz sowohl Transport- und Passagierflugzeuge, als auch Kampfhubschrauber und Bomber stationiert.

[Bearbeiten] Diskussion um den Ausbau als Flughafen Berlin-Brandenburg

Als potentieller Standort für das Projekt Flughafen Berlin Brandenburg erhielt der Flugplatz Sperenberg Anfang der 1990er Jahre bis 1995 nationale Aufmerksamkeit. Während Befürworter in den damaligen Diskussionen besonders die bereits vorhandene Infrastruktur sowie die versteckte Waldlage und damit verbundene geringe Lärmbelästigung unterstrichen, sahen Kritiker eine zu große Entfernung zur Hauptstadt als Negativkriterium. Ein Argument gegen Sperenberg war auch der Ausbau des Flughafens Halle-Leipzig. Mit ICE-Anbindung aus dem Berliner Raum wären beide Flughäfen stark in Konkurrenz getreten. So bleibt die Nähe von Schönefeld zu Berlin ein Standortvorteil des neuen Großflughafens.

Obwohl die in Auftrag gegebenen Gutachten mehrheitlich zu dem Entschluss kamen, dass der Flugplatz Sperenberg der am besten geeignete Standort für den neuen Großflughafen sei, entschied sich die Politik letztendlich für den Flughafen Schönefeld als zukünftigen Standort.[1][2]

[Bearbeiten] Aktuelle Situation

Der Flugplatz sowie das umliegende Gelände, ein insgesamt rund 2400 Hektar großes Areal,[1] befanden sich bis 2009 im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, seit 2009 im Besitz des Landes Brandenburg und werden derzeit weitgehend nicht genutzt. Sämtliche Gebäude und Installationen sind dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Auf der Haupt-Start- und Landebahn werden zurzeit verschiedene Bodenbeläge aufgebracht und Schallschutzwände von diversen Fakultäten getestet. Eine Rollbahn wird von TÜV und Dekra als Versuchsstrecke für Crash-Tests genutzt. 2009 ging der gesamte Militärstandort Sperenberg in Eigentum des Landes Brandenburg über. In der Schlußrechnung des Landes Brandenburg über das WGT-Liegenschaftsvermögen gemäß § 8 Abs. 2 WGT-LVG zum 31. Dezember 2007[3] werden der Verkehrswert mit 8.750.000,00 € und sonstige Erlöse aus der Liegenschaft mit 500.000,00 € angegeben. Dem stehen Kosten für verwertungsvorbereitenden Rückbau mit 24.000.000,00 €, Altlastensanierung mit 11.258.000,00 €, Entwicklungs- und Vermarktungskosten mit 3.000.000,00 € und Verwaltungsaufwendungen mit 7.013.000,00 € gegenüber. Die veranschlagte Gesamtsumme der Aufwendungen beträgt 45.271.000,00 €. Abzüglich der Einnahmen von 9.250.000,00 € muß das Land für die Überführung des Geländes in eine zivile Nutzung 36.021.000,00 € aufbringen.

[Bearbeiten] Literatur

  • Stefan Büttner: Rote Plätze: Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945–1994. Aerolit, Erstauflage, Juni 2007, ISBN 978-3-935525-11-4

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Flugplatz Sperenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Katrin Schoelkopf: Flughafen: Sperenberg im Aufwind. In: Berliner Morgenpost, 10. Juni 2008
  2. „Die Bahnanbindung an einen möglichen Flughafen in Sperenberg käme ziemlich genau um zwei Drittel billiger als der jetzt geplante Anschluss für den Ausbau des Flughafens Schönefeld.“ Jürgen Schwenkenbecher: In 26 Minuten von Berlin nach Sperenberg. In: Berliner Zeitung, 16. Februar 2005
  3. Schlußrechnung des Landes Brandenburg über das WGT-Liegenschaftsvermögen gemäß § 8 Abs. 2 WGT-LVG zum 31. Dezember 2007

52.133333313.3Koordinaten: 52° 8′ 0″ N, 13° 18′ 0″ O

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge