Flughafen Leipzig/Halle

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Flughafen Leipzig/Halle
Kenndaten
IATA-Code LEJ
ICAO-Code EDDP
Flugplatztyp Verkehrsflughafen
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 16 km nordwestlich von Leipzig
22 km südöstlich von Halle (Saale)
Straße A9, A14, B6
Bahn RE5, IC/ICE
Nahverkehr Buslinie 202
Basisdaten
Eröffnung 1927
Betreiber Flughafen Leipzig/Halle GmbH
Fläche 1400 ha
Terminals 2
Passagiere 2.462.256 (2008)
Luftfracht 442.406 t (2008)
Flug-
bewegungen
59.924 (2008)
Kapazität
(PAX pro Jahr)
4,5 Mio.
Beschäftigte circa 2.000 (300 beim Betreiber)
Start- und Landebahnen
08L/26R 3600 m × 45 m Beton
08R/26L 3600 m × 60 m Beton

i1 i3


i7 i10 i12 i14
Der Flughafen Leipzig/Halle (IATA: LEJ, ICAO: EDDP), auch Flughafen Schkeuditz genannt, liegt zwischen den Großstädten Leipzig und Halle (Saale) nahe der Stadt Schkeuditz in Sachsen. Der Flughafen wurde am 18. April 1927 in Betrieb genommen und hat vor allem im Bereich des Luftfrachtverkehrs internationale Bedeutung. Gemessen an der Zahl der Passagiere liegt der Flughafen an zwölfter Stelle in Deutschland, gemessen an der Fracht seit April 2008 an dritter Stelle.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage und Verkehrsanbindung

Rollbrücke West über die A 14
Ein InterCity fährt, aus Leipzig Hauptbahnhof kommend, in den Flughafenbahnhof ein

Der Flughafen Leipzig/Halle befindet sich 16 Kilometer nordwestlich von Leipzig sowie 22 Kilometer südöstlich von Halle (Saale) rings um die Ortslage Kursdorf am Schkeuditzer Kreuz auf Grundstücksflächen im Verwaltungsbereich Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Er ist durch die Autobahnen A 14 und A 9 angebunden. Die den Flughafen tangierenden Teilstücke der A 14 sowie A 9 sind Glieder des großen mitteldeutschen Autobahnringes (Mitteldeutsche Schleife). Des Weiteren führt die Bundesstraße 6 direkt am Flughafen vorbei.

Leipzig/Halle gehört zu den deutschen Flughäfen, die über einen Flughafenbahnhof verfügen und somit in das Verkehrsnetz der Deutschen Bahn eingebunden sind. Die RegionalExpress-Linie RE5 verkehrt auf der Strecke Leipzig Hbf.Leipzig Messe–Flughafen Leipzig/Halle–Halle (Saale) Hbf. Der RE5 fährt täglich von 4:00 Uhr bis 23:00 Uhr im 30-Minuten-Takt, wobei jeder zweite Zug am Flughafen endet, somit besteht aus Halle nur ein 60-Minuten-Takt. Im Nachtverkehr verkehrt der RE5 nur zwischen Leipzig Hbf. und Flughafen stündlich. Der Abschnitt Flughafen–Halle (Saale) Hbf. wird im Nachtverkehr nur in den Nächten vor arbeitsfreien Tagen bedient. Der Bahnhof Flughafen Leipzig/Halle gehört in das Verbundgebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), der Bahnhof liegt in dessen Tarifzone 163.

Im Fernverkehr ist der Flughafen durch stündliche InterCity-Linien an die Städte Halle (Saale) und Leipzig angeschlossen. Zweimal am Tag verkehrt auch ein ICE über den Flughafen.

Die Buslinie 202 verkehrt montags bis freitags im Tagesverkehr stündlich und sorgt somit für eine Direktverbindung zwischen der Stadt Schkeuditz und dem Flughafen.

Mit Fertigstellung des Leipziger City-Tunnels im Jahr 2012 wird die RegionalExpresslinie RE5 durch die neue S-Bahnlinie S5 Halle–Leipzig–MarkkleebergAltenburgZwickau ersetzt. Voraussichtlich im Jahr 2015 wird dann die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Erfurt die Anbindung weiter aufwerten.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Die ersten Luftfahrtereignisse in der Region fanden am 21. Februar 1784 in Leipzig sowie am 29. September 1845 in Halle statt, als dort jeweils ein Heißluftballon abhob. Der zivile Luftverkehr begann aber erst im 20. Jahrhundert, 1909 besuchten erstmals Luftschiffe Leipzig. 1911 wurde in Lindenthal ein erster zivil genutzter Flugplatz eröffnet. Dort war auch eine Flugschule angesiedelt und die Deutschen Flugzeugwerke besaßen dort drei Hangars, die bis zum Ersten Weltkrieg zum Flugzeugbau genutzt wurden. Kurz darauf errichtete die Stadt Leipzig in Mockau einen weiteren Flugplatz, auf dem unter anderem auch eine 160 Meter lange Luftschiffhalle für bis zu drei Luftschiffe sowie Deutschlands erstes Flughafenhotel zu finden war. Der sächsische König Friedrich August III eröffnete den Flugplatz am 22. Juni 1913. Während des Ersten Weltkriegs wurde in Mötzlich, einem Stadtteil von Halle, einer der größten deutschen Militärflughäfen eröffnet. Der erste wirkliche zivile Flugplatz wurde 1925 in einem Stadtteil von Halle, Nietleben, eröffnet.

[Bearbeiten] Planung, Bau und Betriebsaufnahme

Bereits kurz nach der Eröffnung des Flugplatzes in Nietleben wurde klar, dass der Flugplatz für die plötzlich rasant steigenden Flugbewegungen nicht ausreichend war. Auch dadurch, dass das Reichsverkehrsministerium zur selben Zeit eine neue Gliederung des mitteldeutschen Luftraums anstrebte, entwickelte sich die Idee, einen Flughafen gemeinsam für den Ballungsraum Leipzig-Halle in der Mitte zwischen beiden Städten zu bauen. Trotz großen Widerstands, vor allem aus Leipzig, setzte sich dieser Einfall schließlich durch. Als Standort wurde Schkeuditz durchgesetzt. Die Planung des Flughafens wurde von Paul Thiersch geleistet; sie beinhaltete einen in dieser Zeit modernen kreisrunden Flugplatz, der dafür sorgte, dass man je nach Windlage ideal starten und landen konnte. Der erste Spatenstich fand am 1. September 1926, die Eröffnung schon acht Monate später am 18. April 1927 statt. Zu dieser Zeit bestand der Flughafen aus einem Flugfeld, einem Hangar sowie einem Verwaltungsgebäude, das jedoch nur provisorisch ausgeführt war.

1928 wurde eine 400 Meter lange Start- und Landebahn angelegt und der bisherige Name Flugplatz Schkeuditz durch den neuen Namen Flughafen Halle/Leipzig ersetzt. Der vorherige Leipziger Flugplatz in Mockau wurde hauptsächlich von der Gesellschaft Junkers Luftverkehr AG getragen, die 1926 in der Deutschen Lufthansa aufging, welche auf den neuen Großflughafen umzog.

[Bearbeiten] Ausbau in den 30er Jahren mit abruptem Ende

Mitte 1930 bis Anfang 1931 wurde dem Flughafen ein neues Restaurantgebäude hinzugefügt, welches sich durch eine moderne und funktionale Architektur hervorhob und zum beliebten Ausflugsziel in der Bevölkerung und bei den Fluggästen wurde. Zwischen 1936 und 1937 wurde das bisher provisorische Verwaltungsgebäude durch einen repräsentativen Neubau ersetzt und diesem ein neues Abfertigungsgebäude ganz im Stil nationalsozialistischer Architektur hinzugefügt.

Der Flughafen Halle/Leipzig stand im Jahr 1937 mit mehr als 40 Starts pro Tag an vierter Stelle in der Rangliste der verkehrsreichsten Flughäfen Deutschlands. Diese Entwicklung wurde durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges abrupt beendet. Der zivile Flugverkehr wurde eingestellt, der Flughafen samt seiner Anlagen und Werkstätten von der deutschen Luftwaffe übernommen und für militärische Zwecke verwendet. So wurden unter anderem in den Lufthansa-Werkstätten am Platz Geräte für den militärischen Bedarf hergestellt. Am 16. April 1944 zerstörten alliierte Bomber einen großen Teil der Anlage, darunter auch das Restaurantgebäude.

[Bearbeiten] Neuer Start nach dem Zweiten Weltkrieg

Sonderflugverkehr zur Leipziger Herbstmesse auf dem Flugplatz Leipzig/Mockau: Eröffnung der Flugstrecke Berlin–Leipzig am 30. August 1956
Der Flughafen Leipzig 1988

Nach dem Ende des Krieges arbeiteten in den Produktionsanlagen zunächst noch Teile der Flugzeugindustrie weiter, woraus nach einigen Umwegen 1947 der VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz hervorging. Der Flugplatz wurde während dieser Zeit nur als Werksflugplatz verwendet. Ehrgeizige Projekte zur Entwicklung des Luftverkehrs in der DDR hatten zwischen 1957 und 1960 den Bau einer 2500 Meter langen Start- und Landebahn zur Folge, die jedoch aufgrund der baldigen Einstellung des Flugzeugbaus, der sich nicht lohnte, zunächst kaum Verwendung fand. Der zu dieser Zeit als Messeflughafen genutzte Flugplatz in Leipzig/Mockau genügte Anfang der 1960er Jahre immer weniger den technischen Anforderungen, also besann man sich darauf, den Flugverkehr auf die neu gebaute und kaum benutzte Landebahn in Schkeuditz zu verlegen. Der Flugplatz wurde somit ab 1963 zweimal jährlich als Messeflughafen Leipzig genutzt und von der staatlichen Fluggesellschaft der DDR, der Interflug, angeflogen. Bis 1966 wurden zu jeder Saison provisorische Abfertigungsanlagen auf- und wieder abgebaut. Am 30. August 1968 wurde dann aber ein neues eingeschossiges Abfertigungsgebäude (heute Teil des Terminals A) in Betrieb genommen, welches eine einmalige Doppelfunktion besaß: Vier Wochen im Jahr diente es als Empfangsgebäude des Messeflughafens, die restliche Zeit als Autobahnraststätte.

Da dies aber kein Dauerzustand sein konnte, wurde die Anlage in den folgenden Jahren in kleinen Schritten erweitert und ausgebaut, so dass am 19. Mai 1972 der Flughafen Leipzig den ganzjährigen Betrieb als Verkehrsflughafen aufnehmen konnte. Trotz finanzieller und kapazitärer Engpässe und wirtschaftlicher Schwierigkeiten in den Folgejahren wurde der Flughafen Stück für Stück erweitert und Flugsicherungsanlagen errichtet, um den immer weiter steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden, die sich von 1972 bis 1988 auf circa 550.000 pro Jahr verzehnfacht hatten. Das 1968 erbaute Abfertigungsgebäude wurde um eine neue Einreisehalle erweitert, sie wurde nach viermonatiger Bauzeit am 30. August 1984 fertiggestellt, am 30. August 1985 wurde auch eine rekonstruierte Abflughalle in Betrieb genommen.

Im September 1975 kam es zum Absturz einer aus Stuttgart kommenden Tu-134 mit Messegästen, etwa 1.000 Meter vor Erreichen der Landebahn. 27 der 34 Insassen der Maschine verbrannten, die 4 Besatzungsmitglieder konnten sich retten.[1]

Eine Besonderheit ist, dass zur Leipziger Messe am 18. März 1986 erstmals eine Concorde der Air France von Paris nach Leipzig flog, zwei Tage später gefolgt von einer Concorde der British Airways. Auch in den darauffolgenden Jahren gab es in Messezeiten Concordeflüge von Paris und London nach Leipzig.

[Bearbeiten] Nach der Wiedervereinigung

[Bearbeiten] Der zivile Neuanfang

Übersichtsplan des Flughafens
Innenansicht
Außenansicht bei Nacht
Vorfeld mit Terminal B

Nach der deutschen Wiedervereinigung musste sich die Flughafenverwaltung auf die enormen Strukturveränderungen des wirtschaftlichen Umbruchs einstellen und somit wurde am 17. September 1990 durch die Treuhandanstalt die provisorische Flughafen Leipzig GmbH i. G. gegründet, die dank der Hilfe einiger westdeutscher Flughäfen den Betrieb aufrecht erhalten konnte und erste Baumaßnahmen zur Modernisierung der bestehenden Anlagen beginnen konnte. Zuerst wurde vom 7. Januar bis 24. Mai 1991 das nun Terminal A genannte Abfertigungsgebäude von 1968/84 modernisiert und erweitert.

Nachdem nach den Kummunalwahlen im März 1990 und den Landtagswahlen im Oktober 1990 der Aufbau neuer Landesverwaltungen begann, lud die Treuhandanstalt mit Inbetriebnahme des umgebauten Terminals am 24. Mai 1991 zu einer Gesellschafterversammlung, in der unter Beteiligung der Gebietskörperschaften (die umliegenden Landkreise) und der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt ein erster Aufsichtsrat bestellt wurde. Dieser beschloss am selben Tag die Umbenennung der Gesellschaft in Flughafen Leipzig/Halle GmbH. Am 16. Juli 1991 konnte von den Ländern der Übernahmevertrag unterzeichnet werden. Im September 1991 beschloss der Aufsichtsrat umfangreiche Sofortmaßnahmen zur weiteren Sanierung der Flughafenanlagen, so die Einführung der Allwettertauglichkeit nach ILS-CAT III b, die Sanierung der Flugbetriebsflächen und die Verbesserung der straßenseitigen Anbindung des Flughafens zusammen mit dem Bau neuer Parkplätze.

Ende 1992 wurden erstmals eine Million Passagiere abgefertigt. Um die große Anzahl von Passagieren der Charterflüge von Reiseveranstaltern abfertigen zu können, wurde am 12. Mai 1993 das „Urlauber“-Terminal C eröffnet. Innerhalb eines Jahres stieg das Fluggastaufkommen um mehr als 500.000, so dass am 16. Mai 1994 der Grundstein für ein neues Abfertigungsgebäude (Terminal B) gelegt wurde, das für die Abfertigung von 3,5 Millionen Passagieren bemessen war. Es konnte am 3. März 1996 eingeweiht werden. Mit seiner Inbetriebnahme wurde gleichzeitig Terminal C für den Passagierverkehr geschlossen. Es diente weiterhin dem Umschlag des Post- und Güterfrachtverkehrs, so der Posttochter DHL bis zur Inbetriebnahme deren neuen Hubs als Gateway.

Nach einer vierjährigen Planungsphase erfolgte am 7. Mai 1998 die Grundsteinlegung für eine neue 3.600 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn 08L/26R nördlich der Autobahn A 14. Am 24. März 2000, einen Tag nach Inbetriebnahme des neuen Towers der Deutschen Flugsicherung GmbH, wurde die neue Interkontinentalbahn eingeweiht, womit der Flughafen Leipzig/Halle auch ohne Probleme Großraumflugzeuge abfertigen kann.[2] Unweit der neuen Start- und Landebahn wurde am 1. Juni 2001 ein Besucherpark mit Aussichtshügel eröffnet, von dem aus sich das ganze Flughafengelände überblicken lässt.

Mit Beginn der Sommersaison 2003 wurde der Check-In und Servicebereich des neuen intermodalen Zentralterminals seiner Bestimmung übergeben. Dieses Zentralterminal integriert unter anderem eine Mall und einen Check-In-Bereich mit dem Flughafen-Parkhaus und ist mit dem Terminal B verbunden, wo die Passagiere zur Sicherheitskontrolle und zu den Warteräumen für den Abflug gelangen. Am 30. Juni 2003 erfolgte mit der Einbindung des Flughafenbahnhofes in das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn die feierliche Eröffnung des Zentralterminals. Mit dessen Fertigstellung ist auch die erste Ausbaustufe am Flughafen Leipzig/Halle abgeschlossen, in deren Realisierung rund eine Milliarde Euro investiert wurde. Das neue Zentralterminal besitzt eine Jahreskapazität von 4,5 Millionen Passagieren. Auf Grund seiner modularen Struktur sowie seiner zentralen Lage zwischen den beiden Start- und Landebahnen bietet das Zentralterminal die Möglichkeit, über eine Erweiterung des bestehenden Abfertigungsgebäudes zeitnah und bedarfsgerecht die Jahreskapazität auf sieben Millionen Passagiere zu erhöhen.

Am 31. August 2005 erfolgte der erste Spatenstich für den Ersatzneubau der alten 2.500 Meter langen und 45 Meter breiten Start- und Landebahn 10/28. An gleicher Stelle wurde in veränderter Richtung mit einem Achsabstand von 2.120 Metern parallel zur Nordbahn die neue 60 Meter breite ebenfalls 3.600 Meter lange Südbahn 08R/26L erbaut. Sie konnte am 5. Juli 2007 mit der Parallellandung einer Boeing 757 der DHL sowie einer Boeing 747-400 der Lufthansa in Betrieb genommen werden.[3] Das dadurch geschaffene redundante Start- und Landebahnsystem ermöglicht allen Flugzeugtypen seit dem Jahr 2007 auf beiden Bahnen ein zeitgleiches Starten und Landen ohne Nutzlastbeschränkungen. Der Flughafen gehört damit zu den wenigen Flughäfen die bereits jetzt auch den Airbus A380 abfertigen können. Die Baukosten für die Bahn, Rollwege und Vorfeldumbauten betrugen ca. 350 Mio. Euro plus 48 Mio. Euro für Grunderwerb und ca. 18 Mio. Euro für Lärmschutzmaßnahmen. DHL erhielt zulässige Förderungen durch den Freistaat Sachsen in Höhe von 28 % der Bruttogesamtinvestitionen (70,8 Mio. €) in ihre Anlagen. Die Europäische Kommission gab am 22. November 2006 bekannt, dass sie den Bau der Startbahn auf verdeckte Subvention untersucht. Die Europäische Kommission will insbesondere sicherstellen, „dass DHL über die bereits von der Kommission genehmigte regionale Investitionsbeihilfe hinaus keine weitere staatliche Beihilfe für ihr neues Drehkreuz am Flughafen Leipzig/Halle erhält“.[4]

Ab dem 24. und 25. Oktober 2006 wurde am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Klagen gegen den Ausbau und den Nachtflugbetrieb verhandelt. Hier war zu entscheiden, ob die vom Nachtfluglärm betroffenen Anwohner den gleichen Schutz erhalten, wie die Anwohner am Flughafen Berlin-Schönefeld, den dieses Gericht angeordnet hatte. Hier wurde ein Nachtflugverbot zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr festgelegt. Am 9. November erteilte das Gericht eine uneingeschränkte Nachtflugerlaubnis für Expressgut. Am 29. Juni übergab das Regierungspräsidium den Planergänzungsbeschluss, welcher u. a. ein Nachtflugverbot für Passagiermaschinen in der Zeit von 23:30 Uhr bis 5:30 Uhr enthält (mit einer Über-/Unterschreitungsmöglichkeit von bis zu 30 Minuten bei verspäteten/verfrühten Landungen). Am 24. Juli 2008 wurde nun endgültig durch das BverwG. der Planfeststellungsergänzungsbeschluss des Regierungspräsidiums Leipzig bestätigt, indem die Klagen von Anwohnern abgewiesen wurden. Damit steht dem Ausbau nichts mehr im Wege. Erste Reaktion darauf war die Errichtung einer 3. Rollbrücke (E7) westlich der Rollbrücke Ost, die die nördliche Start- und Landebahn mit der südlichen verbindet.

Somit waren durch den Ausbau des Flughafens und die neue Nachtfluglärmregelung ab Juli 2007 die Voraussetzungen für den Betrieb des internationalen Luftdrehkreuzes der Post-Frachttochter DHL, das die DHL Hub Leipzig GmbH und die European Air Transport Leipzig GmbH gemeinsam betreiben, geschaffen. Der Flughafen Leipzig/Halle löst damit den Flughafen Brüssel-Zaventem ab. Seit Ende März 2008 ist das Drehkreuz, in das DHL etwa 300 Millionen Euro investiert hat, in Betrieb. Die offizielle Eröffnungsfeier fand am 26. Mai 2008 statt.[5] Die anderen global operierenden Drehkreuze sind der Flughafen Hongkong Chek Lap Kok in China und der Flughafen Wilmington in den Vereinigten Staaten von Amerika.[6]

Um am Flughafen Leipzig/Halle zukünftig tierische und pflanzliche Güter gemäß den geltenden EU-Richtlinien abfertigen zu können, ist am 4. Dezember 2007 vom Landratsamt Delitzsch die einzige Veterinärgrenzkontrollstelle im Freistaat Sachsen in Betrieb genommen worden.[7]

[Bearbeiten] Militärische Nutzung

Maschine der Fluggesellschaft World Airways, die im Auftrag der US-Regierung fliegt, auf dem Rollfeld in Leipzig

Im Rahmen des Projekts SALIS wird der Flughafen Leipzig/Halle seit dem 23. März 2006 von der NATO zur Realisierung des schnellen Transports übergroßer Ladung als Heimatflughafen zweier russischer Transportflugzeuge vom Typ Antonow An-124 genutzt. Zwei weitere Maschinen stehen innerhalb von sechs und nochmals zwei Maschinen innerhalb von neun Tagen bereit, so dass insgesamt sechs Maschinen im Rahmen von SALIS verfügbar sind.[8][9] Diese sechs AN-124 stehen bereit, um militärisch strategische Lufttransportkapazitäten für die Streitkräfte zur Verfügung zu stellen, aber auch für humanitäre Einsätze und Hilfsaktionen wie z. B. die Erdbebenhilfe für China im Juni 2008. Der Flughafen Leipzig/Halle als Be-, Ent- und Umladeplatz wird laut dem Bundesverteidigungsministerium die Ausnahme sein.[10][11]

Die Ruslan SALIS GmbH besitzt seit dem 17. Januar 2007, für die dort stationierten Maschinen, ein Wartungsgebäude im Südbereich des Flughafens.

Seit dem 23. Mai 2006 lässt die US Army auch über den Flughafen Leipzig/Halle Passagierflüge für den regelmäßigen Truppenaustausch im Irak und in Afghanistan durchführen. Pro Monat werden bis zu 80 Truppentransportflüge mit ungefähr 160 GIs pro Tag abgefertigt. Bis Anfang 2009 sollen bereits 450 000 Soldaten über Leipzig/Halle in den Kampfeinsatz geflogen sein.[12] Auch die Verladung von schwerem Kriegsgerät ist dokumentiert.[13] Die beauftragten Charterfluggesellschaften, darunter North American Airlines, Ryan International Airlines, World Airways und bis Anfang 2008 auch ATA Airlines, lassen die Maschinen auf dem Flughafen Leipzig/Halle betanken und führen Crewwechsel durch.

Der zunehmende militärische Flugbetrieb sowie die Auswirkungen der geplanten umfangreichen Nachtflüge haben wachsende Kritik durch Anwohner, Bürgerinitiativen und Friedensorganisationen zur Folge. Der Geschäftsführer des Flughafens argumentiert mit Arbeitsplätzen dagegen. Die Nutzung als Drehkreuz für US-Truppentransporte habe eine Betriebsküche mit 65 Angestellten vor der Schließung bewahrt, inzwischen hingen rund 200 Jobs an den Transporten.[14]

[Bearbeiten] Zukunft

Ende 2005 bekundete Lufthansa Cargo Interesse, das operative Zentrum komplett von Frankfurt am Main nach Leipzig/Halle zu verlegen. Lufthansa Cargo sucht nach eigenen Angaben ein Areal von 315 ha, da am jetzigen Drehkreuz am Flughafen Frankfurt am Main ein Nachtflugverbot mit Fertigstellung der vierten Bahn in Kraft treten soll. DHL besitzt in Schkeuditz ein Grundstück mit der Gesamtgröße von 240 Hektar, und der Flughafen ist nur 1400 Hektar groß, aber jederzeit nach Nord, West oder Süd durch Gebietszukäufe erweiterbar. Am 12. September 2007 gründeten DHL und Lufthansa Cargo eine gemeinsame Frachtfluggesellschaft. Die Airline mit dem Namen AeroLogic wird ab dem 29. Juni 2009 Langstreckenziele ab Leipzig/Halle bedienen. Die Flotte soll bis 2011 auf 11 Boeing 777-200LRF anwachsen.

[Bearbeiten] Flughafen-Gesellschafter

Mehrheitsgesellschafter des Flughafens ist mit 94 % die Mitteldeutsche Airport Holding AG, welche auch am Flughafen Dresden die Mehrheitsanteile besitzt. Gesellschafter der Mitteldeutsche Airport AG sind ausschließlich Gebietskörperschaften und zwar der Freistaat Sachsen mit 76,64 %, das Land Sachsen-Anhalt mit 18,54 %, die Stadt Dresden mit 2,52 %, die Stadt Leipzig mit 2,1 % und die Stadt Halle (Saale) mit 0,2 % (Stand: März 2009). Der Landkreis Nordsachsen, in dem der Flughafen liegt, sowie die Stadt Schkeuditz besitzen je 0,25 % des Flughafens, außerdem ist der Freistaat Sachsen mit 5,5 % direkt an der Flughafen Leipzig/Halle GmbH beteiligt.[15]

[Bearbeiten] Subventionen

Die Ansiedlung von DHL hat der Freistaat Sachsen mit rund 71 Millionen Euro subventioniert. Die EU-Kommission hat im Juli 2008 eine Garantie des Freistaats Sachsen für den Betrieb des Flughafens Leipzig/Halle in Höhe von 500 Millionen Euro gekippt. Der Freistaat hatte DHL darin zugesichert, bis zu 500 Millionen Euro Schadenersatz zu zahlen, falls der Flughafen Leipzig/Halle nicht bestimmte Bedingungen – wie die Möglichkeit von Nachtflügen – erfüllt. Die öffentlichen Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro für die neue Start- und Landebahn Süd des Flughafens stuften die Wettbewerbshüter hingegen als zulässige staatliche Beihilfe ein.[16]

[Bearbeiten] Widerstand aus der Bevölkerung

[Bearbeiten] Ausbau des Flughafens

Besonders auf Grund des in Leipzig/Halle fehlenden Nachtflugverbots formierte sich Widerstand, beispielsweise durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland oder die Interessensgemeinschaft Nachtflugverbot Leipzig/Halle. Sie versuchten in der Vergangenheit durch Klagen sowie Aufklärung der Bevölkerung einen groß angelegten Widerstand aus der Bevölkerung zu erreichen. Da der Flughafen sowie die dortige Ansiedlung von Großunternehmen wie DHL jedoch eine beträchtliche Anzahl Arbeitsplätze schaffen, fehlt ihnen die erforderliche Unterstützung der meisten Parteien.

[Bearbeiten] Militärische Nutzung

Gegen die militärische Nutzung des Flughafens formierten sich mehrere Widerstandsgruppen in der Bevölkerung, beispielsweise die Aktionsgemeinschaft Flughafen natofrei. Der Widerstand dieser Gruppe richtet sich dabei weniger an den Flughafen an sich, sondern an den Staat. Es wird eine stärkere Einschränkung des Flugverkehrs sowie besonders die Einstellung der militärischen Nutzung des Flughafens gefordert, da diese den Krieg, Gewalt und Terror fördere. Der Flughafen wird von diesem Bündnis als „Kriegsflughafen“ bezeichnet.[17] Zur Zeit soll jeder vierte Passagier ein US-Soldat sein.[18]

[Bearbeiten] Verkehrszahlen

Grafik des Fluggast- und Luftfrachtaufkommens in Leipzig seit 1990
Flughafen Leipzig/Halle – Verkehrszahlen [19][20][21]
Betriebsjahr Fluggastaufkommen Luftfracht [t] Flugbewegungen
(*) 1927/28 16.343 207
1928/29 20.082 342 8.091
1929/30 19.727 372 7.240
1930/31 17.750 501 7.100
1931/32 20.752 518 6.603
1932/33 23.049 669 6.148
1933/34 35.872 741 6.710
1934/35 49.664 863 7.424
1935/36 69.623 1.155 8.785
1936/37 80.523 1.461 11.294
1937/38 86.937 1.655 10.294
(**) 1938/39 56.768 2.015 8.175
(***) 1972 54.025 1.409
1973 76.985 113 1.796
1974 90.952 139 2.002
1975 80.442 176 156
1976 78.447 127 1.758
1977 97.612 171 2.134
1978 94.752 104 1.932
1979 131.912 106 2.683
1980 105.103 163 2.316
1981 182.704 163 3.282
1982 112.667 75 2.188
1983 35.361 35 950
1984 139.121 66 2.354
1985 247.968 66 3.434
1986 329.237 81 4.151
1987 342.011 102 4.506
1988 549.331 124 7.149
1989 442.365 196 6.086
1990 274.878 366 9.549
1991 634.424 4.372 26.089
1992 1.073.378 8.611 42.960
1993 1.521.436 17.482 48.510
1994 1.901.797 23.189 52.590
1995 2.104.822 25.225 53.807
1996 2.186.649 22.410 50.298
1997 2.248.852 17.220 47.284
1998 2.108.779 12.866 43.778
1999 2.162.769 15.220 47.944
2000 2.288.931 17.086 47.030
2001 2.185.130 15.799 42.408
2002 1.988.854 16.882 41.209
2003 1.955.070 17.559 40.030
2004 2.041.046 10.296 39.316
2005 2.127.895 14.867 37.905
2006 2.348.011 29.330 42.417
2007 2.723.000 101.285 50.976
2008 2.462.256 442.453 59.924

* In den Jahren 1927–1939 wurden die Zahlen jeweils für das Geschäftsjahr erfasst; ein Geschäftsjahr ging vom 1. April bis 31. März.
** Am 30. August 1939 erfolgte die Einstellung des zivilen Luftverkehrs auf dem „Flughafen Halle/Leipzig“; er wurde nur noch einmal kurzzeitig zur Leipziger Frühjahrsmesse 1940 zugelassen. Für das Geschäftsjahr 1939/40 liegen jedoch keine Zahlen vor.
*** Am 19. Mai 1972 erfolgte die Aufnahme des ständigen Flugverkehrs auf dem „Flughafen Leipzig“, nachdem der Flughafen Leipzig/Mockau technische Basis für den Agrarflug wurde; das letzte Linienflugzeug startete dort am 6. März 1972.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. 1. September 1975: Das Ende eines Messefluges. In: Jan Eik; Klaus Behling: Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR. Verlag Neues Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01944-8, S. 151–152
  2. Flughafen Leipzig/Halle: Presssemitteilung 61c/2000 Zahlen, Daten, Fakten – Die neue Interkontinental-Runway auf einen Blick vom 24. März 2000
  3. Flughafen Leipzig/Halle: Presssemitteilung 16/2007 Feierliche Inbetriebnahme der neuen Start- und Landebahn Süd am Flughafen Leipzig/Halle vom 5. Juli 2007
  4. Europa.de: Staatliche Beihilfe. Kommission leitet Prüfung der finanziellen Unterstützung für DHL und den Flughafen Leipzig/Halle ein.
  5. aero.de: Drehkreuz Leipzig/Halle geht offiziell in Betrieb. am 26. Mai 2008
  6. aero.de: DHL-Drehkreuz nun endgültig am Flughafen Leipzig/Halle. am 29. März 2008
  7. Flughafen Leipzig/Halle: Pressemitteilung 32/2007 Feierliche Übergabe der Veterinärgrenzkontrollstelle am Flughafen Leipzig/Halle vom 4. Dezember 2007
  8. Seite der NATO zu SALIS (engl.)
  9. Seite der Luftwaffe zu SALIS
  10. FAQ zu SALIS
  11. Luftwaffenarchiv: Bundeswehr transportiert Hilfsgüter in das vom Erdbeben betroffene Katastrophengebiet in China vom 2. Juni 2008
  12. MDR Sachsen: Neue Kritik an Militärtransporten über Flughafen Leipzig. am 6. Februar 2009
  13. Leipzig-Seiten: Weitere Diskussion um militärische Nutzung des Leipziger Flughafens. am 23. Mai 2008
  14. Angekommen in der Wirklichkeit. Ein Gespräch mit Eric Malitzke, Geschäftsführer der Flughafen Leipzig/Halle GmbH. im Rahmen des Kunstprojekts „AusFlugHafenSicht“ des Thalia-Theaters Halle
  15. Flughafen Leipzig/Halle: Gesellschafter, Aufsichtsrat, Geschäftsführung
  16. mz-web.de: Brüssel kürzt geplante Beihilfe für DHL. am 23 Juli 2008
  17. Aktionsgemeinschaft Flughafen natofrei
  18. DLF: Truppentransporte für den Aufbau Ost. am 17. Februar 2009
  19. Daten der Jahre 1927–1939 nach den Geschäftsberichten; vgl. Hesse et al.: 70 Jahre Flughafen Leipzig-Halle, S. 158
  20. Daten bis 1989 nach Brehmer et al.: Luftfahrt in Sachsen., S. 184
  21. Daten ab 1990 nach Angaben des Flughafens Leipzig/Halle; vgl. Verkehrsentwicklung am Flughafen Leipzig/Halle, Stand: 1. Juni 2009

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Wolfgang Hesse; Peter Kirchberg; Henry Lohr: 70 Jahre Flughafen Leipzig-Halle. Flughafen Leipzig/Halle GmbH, Leipzig u. Halle 1997, ISBN 3-00-001923-5
  • Lothar Brehmer; Günther Naumann; Eberhard Blobel: Luftfahrt in Sachsen. Ein historischer Abriß. UniMedia, Baalsdorf 1998, ISBN 3-932019-32-6
  • Wolfram Apitzsch: Leipzigs Flughafen heute und morgen. In: Horst Schädel (Hrsg.): Fliegerkalender der DDR 1989. Militärverlag der DDR, Berlin 1988, S. 189–192

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Flughafen Leipzig/Halle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons Commons: Flughafen Leipzig/Mockau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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