Benito Mussolini

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Benito Mussolini (um 1940)
Mussolinis Unterschrift
Mussolinis Standarte (1927-43), ein Fascis zeigend

Benito Amilcare Andrea Mussolini anhören?/i (* 29. Juli 1883 in Dovia, Region Emilia-Romagna; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra, Region Lombardei) war ein italienischer Politiker und Ministerpräsident des Königreiches Italien (1922–1943) und der Italienischen Sozialrepublik (1943–1945), ab 1926 diktatorisch regierend.

Als Gründer und Führer der Faschistischen Partei (1921–1945) und des faschistischen Regimes führte er den Titel Duce del Fascismo („Führer des Faschismus“; in der Kurzform auch Duce, siehe „Führer“).

Leben vor der Regierungszeit[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend und politische Anfänge[Bearbeiten]

Mussolini wurde als Sohn von Alessandro Mussolini (* 1854 in Montemaggiore di Predappio) und dessen Frau Rosa (geborene Maltoni, * 1859) geboren. Er hatte zwei jüngere Geschwister, einen Bruder, Arnaldo, und eine Schwester, Edwige.[1] Mussolinis Vater war zunächst als Schmied und dann als Gastwirt tätig. Seine materielle Not hatte ihn zum glühenden Sozialisten des revolutionären Flügels gemacht, der seinem Sohn den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juárez gab. Er gründete eine lokale Zweigstelle der Internationale, verfasste Manifeste, schrieb in sozialistischen Zeitungen und befürwortete den proletarischen Internationalismus. Mussolinis Mutter war Grundschullehrerin; sie war auch die Lehrerin ihres Sohnes.[2] Sie starb 1905, als Mussolini 22 Jahre alt war.

Benito Mussolini hatte die politischen Überzeugungen seines Vaters übernommen und auch dessen Literatur, vor allem Karl Marx, Louis-Auguste Blanqui, Georges Sorel, Friedrich Nietzsche, Bakunin und Max Stirner gelesen. Seine kirchenfeindliche Einstellung führte zu Problemen in der Schule. Wegen eines Messerangriffs auf einen anderen Schüler musste er 1894 die Internatsschule in Faenza verlassen und wechselte auf die Oberschule in Forlimpopoli. Im Jahr 1901 erwarb er das Abitur und das Diplom eines Grundschullehrers.

Schweizer Polizeifotos von Benito Mussolini, 1903

Nach einem Lehrerjahr in Gualtieri (Reggio nell’Emilia) entschloss er sich 1902 zur Auswanderung in die Schweiz. Dadurch verhinderte er auch, dass Italien ihn zum Wehrdienst einzog. Es folgten Wanderjahre in steter Armut, die er mit Gelegenheitsarbeiten und in Gesellschaft von Gesinnungsfreunden der extremen Linken verbrachte. Die Mitwirkung an ihren Aktionen brachte ihn mehrmals in Konflikt mit den Behörden. Daraus folgten einige Gefängnisaufenthalte.

1904 kehrte er – eine Amnestie nutzend – nach Italien zurück und absolvierte von Januar 1905 bis September 1906 doch noch seinen Militärdienst. 1906 unterrichtete er ein Jahr lang in Tolmezzo (Friaul), wurde aber wegen kirchenfeindlicher Agitation nicht weiter verpflichtet. Ähnlich erging es ihm in Oneglia an der italienischen Riviera, wo er nach einem Sprachkurs in Bologna eine Anstellung als Französischlehrer fand.

Seine radikalen Beiträge in Lokalblättern führten zwar erneut zu einer Kündigung, verhalfen ihm jedoch 1909[3] zum Posten eines Sekretärs der Sozialistischen Arbeiterkammer im damals österreichischen Trient. Als Redakteur des Mitteilungsblattes dieser Organisation L’avvenire del Lavoratore und Mitarbeiter beim Parteiorgan der trentinischen Sozialisten Popolo lernte er den trentinischen Sozialistenführer und späteren Abgeordneten zum österreichischen Reichsrat Cesare Battisti kennen, dessen Streben nach der Loslösung des Trentino von Österreich zwar nicht der Parteilinie entsprach, aber wegen der Ideologie der Italianità nicht ohne Einfluss auf Mussolini blieb. Nachdem Mussolini als neuer Kammersekretär zahlreiche Sozialisten, die Kirche und die Behörden gegen sich aufgebracht hatte, wurde er nach einem halben Jahr von den österreich-ungarischen Behörden ausgewiesen.[4]

Mussolini war ein Ritter des Malteserordens.

Wirken als sozialistischer Funktionär[Bearbeiten]

Mussolini sah in Marx „den größten Theoretiker des Sozialismus“ und im Marxismus „die wissenschaftliche Doktrin der Revolution der Klassen“.[5]

Das Ansehen von Mussolini war in seiner Partei (Partito Socialista Italiano) durch seine Arbeit im Trentino so gestiegen, dass man ihm nun den Posten eines Parteisekretärs in der Stadt Forlì (Emilia Romagna) anbot. Bald darauf brachte er sein eigenes Wochenblatt „La lotta di Classe“ (Der Klassenkampf) heraus. In dieser Zeitschrift kämpfte er nicht nur gegen die republikanische Mehrheit der Stadt, sondern auch gegen die Gemäßigten in den eigenen Reihen, von denen viele weiterhin Bindungen zur katholischen Kirche hatten. Um diese zu lösen, brachte er beim örtlichen Parteitag die Resolution ein, die Religionsausübung als unvereinbar mit dem Sozialismus zu erklären und mit Parteiausschluss zu ahnden, unterlag damit aber. Obwohl er mit 120 Lire im Monat kaum eine Familie ernähren konnte, begann Mussolini 1910 eine partnerschaftliche Beziehung mit Rachele Guidi,[6] Tochter der Lebensgefährtin seines verwitweten Vaters. Am 1. September 1910 wurde Edda geboren, das erste seiner fünf Kinder aus dieser Verbindung.

Als die italienische Regierung 1911 den Krieg mit der Türkei um Libyen begann, trat die Mehrheit der Partei[7] unter der Wortführung Mussolinis energisch gegen diesen Krieg auf. Daheim in Forlì rief Mussolini zum Generalstreik auf und ließ Barrikaden errichten, was zum Einsatz von Militär führte. Mussolini kam für fünf Monate ins Gefängnis und festigte seinen Ruf als Revolutionär weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Den Kongress der Sozialistischen Partei in Reggio nell’Emilia im Juli 1912 verstand er als Plattform für Angriffe gegen jene Reformisten zu nutzen, die den König zu einem überstandenen Attentat beglückwünscht hatten. Der Parteiausschluss mehrerer Befürworter dieser Wünsche, darunter auch des Chefredakteurs des Parteiorgans Avanti!, markierte einen weiteren Linksruck der Partei. Die klare Schlüsselrolle, die Mussolini erstmals bei einem Kongress spielte, wurde in ganz Italien registriert.[8]

Im Dezember 1912 wurde Mussolini Chefredakteur des Parteiorgans Avanti! und brachte das Blatt bald von einer Auflage von 20.000 auf 100.000 Exemplare. Die Leser schätzten seine Direktheit und verziehen ihm den schlampigen Umgang mit Fakten, die mangelhaften Argumentationsketten und die wechselnden Ansichten. Hinter diesen Mängeln verbarg sich die Unsicherheit darüber, was nach einem Sieg der revolutionären Kräfte geschehen solle. Die Erfolge bei den nationalen Wahlen des Jahres 1913 schrieb man nicht zuletzt Mussolini zu, der beim anschließenden Parteikongress in Ancona wieder die erste Rolle spielte.

„Dieser junge Revolutionär ist nun Herz und Hirn der sozialistischen Partei. Bei den Massen, insbesondere aber beim Funktionärsnachwuchs… ist er als Redner wie als Schreiber jener, den man am meisten schätzt, verehrt und nacheifert. Beim Sozialistenkongress in Ancona war sein Wille Gesetz und seine Autorität die eines Diktators…“

Ivanoe Bonomi (Sozialist, der kein Anhänger Mussolinis war)[9]

Auch im Zuge des Generalstreiks im Juni 1914 und bei den anschließenden Regionalwahlen ging es weiter aufwärts mit den Sozialisten. Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Mussolini verwarf ab nun zunehmend den pazifistischen Antiimperialismus der Sozialisten und äußerte sich zunehmend nationalistisch und kriegsbejahend. Zu Kriegsbeginn im August war in Italien nur eine kleine Minderheit für eine Teilnahme. Auch die Sozialisten hatten sich durch Parteibeschlüsse auf einen Neutralitätskurs festgelegt. Mussolini steuerte offiziell zwar auch diesen Kurs, vertrat jedoch bereits im September gegenüber Cesare Battisti die Meinung, die italienische Neutralität wäre Unsinn, da man dadurch zum Komplizen der Mittelmächte werde. Italien müsse den Mut aufbringen, den Weg zur Großmacht zu beschreiten und das Werk der Architekten des Risorgimento zu vollenden.[10] Als er diese Meinung am 10. Oktober 1914 auch schriftlich in Avanti äußerte und sich am 19. Oktober im Parteipräsidium weigerte, dazu Stellung zu nehmen, wurde er aus dem Präsidium und der Zeitungsredaktion entfernt.

Wende nach rechts[Bearbeiten]

Am 15. November 1914 meldete sich Mussolini mit einer neuen, zunächst noch als sozialistisch deklarierten Tageszeitung – Il Popolo d’Italia – wieder zurück. Das Blatt griff auf der Seite der Entente-freundlichen „Interventionisten“ in die Debatte um die Haltung Italiens zum Krieg ein. Die bellizistischen Interventionisten sprachen für eine Minderheit der italienischen Gesellschaft; Unterstützung und Publikum fanden sie vor allem im liberalen Bürgertum und bei radikalen Nationalisten, während die Masse der Industrie- und Landarbeiter einer Beteiligung Italiens am Krieg von Anfang an offen ablehnend gegenüberstand. Auch der einflussreiche katholische Klerus wandte sich gegen den Krieg, da er an einer Schwächung der „katholischen Großmacht“ Österreich-Ungarn nicht interessiert war. Der fundamentale, im Frühjahr 1915 bis an die Schwelle des Bürgerkrieges ausgetragene Konflikt zwischen „Interventionisten“ und „Neutralisten“ leitete die Krise des liberalen Staates ein, dessen Regierung den Kriegseintritt gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und des Parlaments durchsetzte, wobei sie sich geschickt der kleinen, aber lautstarken interventionistischen Minderheit bediente, unter deren „Druck“ zu handeln sie vorgab. Innenpolitisch trug der Eintritt Italiens in den Krieg Züge eines Staatsstreichs – „die 'strahlenden Tage' vom Mai 1915 erscheinen in mehr als einer Hinsicht als Generalprobe für den Marsch auf Rom.“[11]

In diesen Monaten traten erstmals sogenannte fasci auf, deren Angehörige Straßendemonstrationen organisierten und mitunter gewaltsam gegen Kriegsgegner – vor allem gegen Einrichtungen und Organisationen der Arbeiterbewegung[12] – vorgingen. Ihre Mitglieder waren im Durchschnitt „jung, aus dem Norden, gebildet, aktivistisch und antisozialistisch“[13] und kamen aus bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen Milieus. Mussolini, der am 24. November 1914 aus dem PSI ausgeschlossen worden war, beteiligte sich im Dezember 1914 am Zusammenschluss mehrerer zuvor unabhängiger fasci zu den Fasci d'azione rivoluzionaria; er bezeichnete die Anhänger dieser Gruppen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt als fascisti. Er war jedoch noch ohne eigene politische Hausmacht – nach wie vor stand er, verglichen mit aristokratischen Wortführern des Interventionismus wie Gabriele D’Annunzio, Filippo Tommaso Marinetti, Enrico Corradini und Luigi Federzoni, am unteren Ende einer „komplexen Leiter der Patronage“.[14] Diese Patronagebeziehungen bewährten sich erstmals bei der Etablierung des Popolo d’Italia, dessen Auflage im Mai 1915 bei etwa 80.000 Exemplaren lag. In diesem Zusammenhang spielte Filippo Naldi, ein Journalist aus Bologna, der über enge Beziehungen zu Großgrundbesitzern und zur Regierung in Rom verfügte, eine wichtige Rolle.[15] Der in dieser Phase bedeutendste finanzielle Förderer Mussolinis war Ferdinando Martini, der Minister für die Kolonien.[16] Hohe Beträge kamen von Industriellen, so von Giovanni Agnelli (Fiat) und den Gebrüdern Perrone (Ansaldo).[17] Subsidien flossen Mussolini außerdem vom französischen Geheimdienst und von der französischen Botschaft in Rom zu. Als im Herbst 1917 der Zusammenbruch des italienischen Heeres bevorzustehen schien, unterstützte die römische Repräsentanz des britischen Geheimdienstes MI5 Mussolinis Blatt für mindestens ein Jahr mit einer wöchentlichen Zahlung von £ 100 (etwa 6.400 Euro nach heutigem Wert).[18] Der Zufluss dieser Gelder ermöglichte Mussolini auch einen Lebensstil, durch den er habituell zu den ihn unterstützenden Kreisen aufschließen konnte. Er speiste fortan in teuren Restaurants, erwarb ein Pferd für Ausritte und ein Auto.[19]

Die Gründer der frühen fasci waren häufig ehemalige Syndikalisten, die sich von der Unione Sindacale Italiana gelöst hatten und ihre Befürwortung einer Beteiligung Italiens am Krieg gegen die Mittelmächte mit „linken“ Argumenten begründeten. Diese „Linksinterventionisten“, darunter Mussolini, standen dabei nicht in einer genuin sozialistischen oder syndikalistischen Theorietradition, sondern griffen zunächst vorrangig auf modifizierte Ideologiefragmente des Risorgimento – vor allem des Mazzinianismus – zurück.[20] Schon die frühen einschlägigen Beiträge Mussolinis im Popolo d’Italia waren, „trotz aller sozialrevolutionären Überbleibsel, so weit entfernt vom sozialistischen Internationalismus und Materialismus wie überhaupt möglich.“[21] Ostentativ sagte er sich von Marx, „dem Deutschen“, und dem „stock-preußischen“ marxistischen Sozialismus los und propagierte einen „antideutschen Krieg“.[22] Am Sozialismus-Begriff hielt Mussolini zunächst noch fest, gab ihm aber einen völlig anderen Inhalt. Der Sozialismus der Zukunft werde ein „antimarxistischer“ und „nationaler“ sein.[23] Im August 1918 wurde das Wort „sozialistisch“ aus dem Untertitel des Popolo d’Italia entfernt.[24] Zu diesem Zeitpunkt war bei Mussolini endgültig ein mit sozialdarwinistischen Elementen aufgeladener[25] autoritärer Nationalismus in den Vordergrund getreten:

„Wer Vaterland sagt, sagt Disziplin; wer Disziplin sagt, gibt zu, dass es eine Hierarchie der Autoritäten, der Funktionen, der Intelligenzen gibt. Dort, wo diese Disziplin nicht frei und bewusst angenommen wird, muss sie aufgezwungen werden, auch mit Gewalt, auch – die Zensur möge mir gestatten, es zu sagen – mit jener Diktatur, zu der die Römer der ersten Republik griffen, in den kritischen Stunden ihrer Geschichte.“[26]

Von diesem Standpunkt aus kritisierte Mussolini auch den in Politikern wie Antonio Salandra und Giovanni Giolitti verkörperten konservativen Liberalismus der alten Eliten, da dieser an der „Integration der Massen in die Nation“ gescheitert sei. So hielt er etwa an der Forderung nach einer Landreform fest, da allein auf diese Weise „die Landbevölkerung für die Nation gesichert“[27] werden könne. Allein von einer „Schützengrabenaristokratie“ (trincerocrazia), einer „Aristokratie der Funktion“, sei die Bereitschaft zu solchen Maßnahmen zu erwarten.[28]

Mussolinis Gedankengänge reflektierten auf ihre Weise die tiefe Krise der traditionellen Ordnung, die spätestens 1917 von vielen Beobachtern konstatiert wurde. Von 1915 bis 1917 hatten die italienischen Regierungen – „ganz zu schweigen von den reaktionären und brutalen monarchistischen Generälen“[29] – versucht, einen „traditionellen“ Krieg zu führen. Sie hatten keinerlei Versuch unternommen, den Krieg vor den Arbeitern und Bauern, die die Masse der Soldaten stellten, zu rechtfertigen oder zu begründen.[30] Erst nach der katastrophalen Niederlage in der 12. Isonzoschlacht leitete der neue Ministerpräsident Vittorio Orlando eine propagandistische Kampagne ein, die den Krieg für diejenigen, die ihn in den Schützengräben auszutragen hatten, plausibel machen sollte. Ende 1917 stießen die Legitimationen und Mechanismen der alten Herrschaftsordnung jedoch unübersehbar an ihre Grenzen, wodurch perspektivisch eine Nachfrage für die politische Ideologie geschaffen wurde, deren Grundlagen im Umfeld des Popolo d’Italia entstanden waren.[31] Der Frühfaschismus war gleichwohl nicht die einzige politische Kraft, die in diesem Zusammenhang auftrat. Der italienische Radikalnationalismus (vgl. Associazione Nazionalista Italiana) etwa, der „Rechtsinterventionismus“ der Jahre 1914/15, durchlief bis 1919 eine relativ eigenständige Entwicklung.

Mussolini als Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917

Zwischen August 1915 und August 1917 leistete Mussolini selbst Militärdienst. Während dieser Zeit publizierte er weiterhin im Popolo d’Italia. Diese Artikel wurden 1923 als „Kriegstagebuch“ neu herausgegeben und im faschistischen Italien in zahlreichen Auflagen verbreitet. Während eines Lazarettaufenthaltes im Dezember 1915 heiratete er Rachele Guidi, die Mutter seiner 1910 geborenen Tochter Edda. 1916 bzw. 1918 kamen die Söhne Vittorio und Bruno zur Welt. Am 23. Februar 1917 wurde Mussolini bei einer Übung hinter der Front durch eine zu früh explodierte Mörsergranate verwundet und hielt sich bis zu seiner Entlassung aus dem Militär im August in einem Mailänder Lazarett auf.

Mussolini und die italienische Rechte 1919-1922[Bearbeiten]

Mussolini und der Frühfaschismus[Bearbeiten]

Der Weltkrieg erschütterte das politische System Italiens. Das Kalkül der Regierung Salandra, die sich vom Eintritt in den Krieg vor allem eine Marginalisierung der Sozialisten und eine dauerhafte Verschiebung des politischen Kräftefeldes nach rechts – in Summe eine „hierarchische Reorganisation der Klassenbeziehungen“[32] – versprochen hatte, war nicht aufgegangen. Stattdessen hatten die lokal und regional begrenzten Konflikte der Vorkriegszeit „nationale Dimensionen angenommen und waren zu Protesten gegen den Krieg, gegen den Staat, gegen die herrschende Klasse geworden.“[33] Der italienischen Oberschicht gelang es nicht, die Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit wie in Frankreich und Deutschland zu kanalisieren und durch taktische Zugeständnisse abzufedern; der Kampf um die gesellschaftliche Hegemonie wurde direkt und unvermittelt ausgetragen und überforderte schließlich die liberalen Institutionen.[34]

Das prägende, auch für Mussolini zentrale Thema der Nachkriegszeit war der Aufstieg einer radikalen Linken und der damit verbundene Eintritt der „Massen“ in das politische Leben.[35] Anders als etwa in Deutschland war in Italien die reformistische, zur Zusammenarbeit mit den Parteien des Bürgertums bereite Strömung der Arbeiterbewegung, die innerhalb des PSI vor allem der Kreis um Filippo Turati repräsentierte, strukturell schwach. Im September 1918 hatten sich in der sozialistischen Partei die sogenannten „Maximalisten“ (massimalisti) um Serrati durchgesetzt, deren politische Ausrichtung in Grundzügen den Positionen der deutschen USPD entsprach. 1919 erlebten die Partei und die Gewerkschaften einen beispiellosen Zustrom neuer Mitglieder, bei der Parlamentswahl im November 1919 erhielt der PSI 32,5 % der Stimmen (156 Mandate) und wurde zur stärksten Partei. Im März 1919 erzwangen Massenstreiks die Anerkennung des Achtstundentages. In Latium und in Teilen Süditaliens begannen Landarbeiter und Kleinbauern im Sommer mit spektakulären Landbesetzungen, während es der sozialistischen Gewerkschaft Federterra zumindest in der Po-Ebene gelang, die Landarbeiter fast restlos zu organisieren und den Großgrundbesitzern Löhne und Arbeitsbedingungen zu diktieren. Dennoch war der Aufschwung des italienischen Sozialismus instabil. Die Mehrheit seiner Anhänger war bitter arm, ohne materielle und kulturelle Ressourcen und in der Regel lediglich lokal vernetzt; viele Mitglieder stießen nach dem Ende des Krieges erstmals zur Partei und zu den Gewerkschaften, ihre Bindung an das sozialistische Programm blieb lose und ungefestigt. Der lange Zeit auch in der historischen Literatur reproduzierte zeitgenössische liberale, konservative und faschistische Diskurs über die „rote Gefahr“ (vgl. biennio rosso) verschleiert, dass es der sozialistischen Partei selbst in ihrer Hochphase zu keinem Zeitpunkt gelang, im gesellschaftlichen Maßstab zur Mehrheitspartei zu werden.[36] 43 der 69 Provinzen wiesen auch im November 1919 „weiße“ Mehrheiten auf; der erst am 18. Januar 1919 gegründete katholische PPI gewann bei dieser Wahl aus dem Stand 100 Mandate, die verschiedenen liberalen Gruppen zusammen 252.[37]

Parallel zum Aufschwung der politischen Linken etablierte sich eine – anfänglich noch stark fragmentierte – „neue Rechte“[38], die nicht einfach konservativ war, sondern die Institutionen der traditionellen Ordnung mehr oder weniger offen verwarf. Ihr gemeinsamer Nenner war ein ideologisches Amalgam aus nationalistischer Enttäuschung über den „verstümmelten Sieg“ (vittoria mutilata) im Weltkrieg und aggressiver Auseinandersetzung mit der „roten Gefahr“. Der weithin akklamierte Kopf dieser Rechten war zunächst Gabriele D’Annunzio. Mussolini war zur Jahreswende 1918/19 zwar als Chefredakteur des Popolo d’Italia in ganz Italien bekannt, verfügte aber lediglich im lokalen Rahmen Mailands über politisches Gewicht. Er griff in den ersten Nachkriegsmonaten die verbreitete Forderung nach einer konstituierenden Nationalversammlung auf, die vor allem unter den zurückkehrenden Frontsoldaten populär war und durchaus in das ideologische Profil des Popolo d’Italia passte.

Zum 23. März 1919 rief Mussolini die Vertreter von etwa zwanzig fasci, die sich nach Kriegsende neu gebildet hatten oder von überlebenden Aktivisten der Jahre 1914/15 wiederbelebt worden waren, in Mailand zusammen. An dem Treffen (das in einem von der Industriellenvereinigung Alleanza industriale e commerciale zur Verfügung gestellten Saal an der Piazza San Sepolcro stattfand) nahmen etwa 300 Personen teil, darunter Roberto Farinacci, Cesare Maria De Vecchi, Giovanni Marinelli, Piero Bolzon und Filippo Tommaso Marinetti. Die Zusammensetzung der Teilnehmer verhalf der bei dieser Gelegenheit gegründeten Dachorganisation (den Fasci italiani di combattimento) zu einem schillernden, „bivalenten“[39] Erscheinungsbild. Ehemalige „Linksinterventionisten“ stellten (noch) die Mehrheit, „neben ihnen aber sitzen die Nationalisten, die Reaktionäre und schlichte Streikbrecher.“[40] Die in Mailand ins Leben gerufene Organisation blieb – trotz einiger spektakulärer Aktionen, darunter eine von Marinetti dirigierte Brandstiftung im Redaktionsgebäude des Avanti! am 15. April 1919 – zunächst ohne jeden Einfluss. Noch Ende 1919 existierten lediglich 31 fasci mit zusammen 870 Mitgliedern.[41] Erst nach und nach gelang es den Fasci di combattimento, sich gegen rivalisierende liberale, anarchistische und syndikalistische Gruppen, die den Begriff fascio (mit jeweils abweichenden Inhalten) ebenfalls für sich reklamierten, durchzusetzen. Im August 1919 lancierte Mussolini eine neue Zeitschrift (Il Fascio), die vor allem die Aufgabe hatte, den fascismo im Sinne seiner Organisation auszudeuten.

Die programmatischen Leitsätze der Fasci di combattimento waren diffus und für die Praxis der Organisation schon zu diesem Zeitpunkt völlig bedeutungslos.[42] Im März 1919 war überhaupt kein formales Programm beschlossen worden. Mussolini hatte in Mailand lediglich drei Erklärungen verlesen und sich darin mit den Frontkämpfern solidarisiert, die Annexion Fiumes und Dalmatiens verlangt sowie die Bekämpfung der sozialistischen und katholischen „Neutralisten“ angekündigt. Am 6. Juni 1919 veröffentlichte der Popolo d’Italia schließlich ein Programm, bei dem „unschwer hinter der ‚linken‘ Fassade, die vor allem durch die politische Forderung nach der Republik entsteht, in den Fragen der sozialen Ordnung ein reaktionärer Kern zu erkennen“[43] ist. Das Programm war auch in seinen bald vergessenen „radikalen“ Passagen – entgegen einer weitverbreiteten Legende – keineswegs „sozialrevolutionär“, sondern von den Verfassern weitgehend an die reformistische Linie der nationalistischen Gewerkschaft Unione Italiana del Lavoro angelehnt worden. Gefordert wurden die Senkung des Wahlalters auf 18 Jahre und das Wahlrecht für Frauen, die Abschaffung des Senats und dessen Ersetzung durch einen „technischen Nationalrat“, Mindestlohn und Achtstundentag, Besteuerung der Kriegsgewinne, eine staatliche Sozialversicherung, die Verteilung unbebauten Bodens an Kriegsveteranen, Beteiligung von Vertretern der Arbeiterorganisationen an der „Verwaltung“ privater und öffentlicher Betriebe („soweit sie dessen moralisch und technisch würdig sind“), die Schließung der katholischen Schulen und die Einziehung des kirchlichen Grundbesitzes. Mussolini vermied es insbesondere in dieser frühen Phase, die Fasci di combattimento einem der existierenden politischen Lager zuzuordnen. Auf dem ersten Kongress der fasci, der im Oktober 1919 in Florenz stattfand, erklärte er, dass diese „nicht republikanisch, nicht sozialistisch, nicht demokratisch, nicht konservativ, nicht nationalistisch“[44] seien. Er polemisierte gegen den linksliberalen Ministerpräsidenten Nitti und solidarisierte sich mit dem Fiume-Unternehmen D’Annunzios, ohne sich oder seine Organisation zu eng an dieses Projekt zu binden.

Bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 erhielt die von Mussolini und Marinetti angeführte faschistische Liste in der gesamten Provinz Mailand nur 4.675 Stimmen und gewann kein Mandat. Nach dieser Schlappe warfen Mailänder Faschisten am 17. November einen Sprengsatz in eine sozialistische Demonstration. Mussolini wurde als Anstifter verdächtigt und – nachdem bei einer Durchsuchung ein Waffenlager gefunden worden war – verhaftet, aber nach nur einem Tag aufgrund einer Intervention aus Rom wieder entlassen.[45]

Am 24./25. Mai 1920 fand in Mailand der zweite Kongress der Fasci di combattimento statt. Die meisten ehemaligen „Linksinterventionisten“ schieden bei dieser Gelegenheit aus dem Nationalrat der Organisation, die nach dem sozialistischen Wahlsieg zahlreiche neue Anhänger in den zerfallenden liberalen Milieus gefunden hatte, aus. Auch Marinetti verließ den Kongress, nachdem Mussolini sich gegen eine Fortsetzung der antikatholischen Polemik ausgesprochen hatte. Die Forderung nach der Republik relativierte Mussolini in Mailand ebenfalls. Die Stoßrichtung gegen den „antiitalienischen“ Sozialismus wurde dagegen noch stärker herausgestellt.[46] Während der Auseinandersetzungen zwischen der Metallarbeitergewerkschaft FIOM und dem Unternehmerverband Confindustria, die im September 1920 in die zeitweilige Besetzung vieler Fabriken durch die Belegschaften mündeten, rief Mussolini im Popolo d’Italia immer wieder zur Klassenzusammenarbeit auf. Den anderen antisozialistischen Parteien warf er vor, den Sozialisten nicht mit der nötigen Entschiedenheit entgegenzutreten – die Faschisten aber würden dies nun tun. Die seien zwar eine Minderheit, aber „eine Million Schafe werden immer vom Brüllen eines einzigen Löwen zerstreut werden.“[47] Diese Worte kündigten die eigentliche „Geburt“ des Faschismus an, dessen Vorstöße bald „keineswegs nur mehr sporadische Episoden zu Demonstrationszwecken“ waren, sondern „Ausdruck einer bewusst geplanten, systematischen Gewalt“[48], die auf die vollständige Zerstörung der sozialistischen Organisationen zielte.

Vom blocco nazionale zum Partito Nazionale Fascista[Bearbeiten]

Die „Explosion der antisozialistischen Gewalt“[49] erfolgte im Herbst 1920, als große Teile der bürgerlichen Eliten ihr Vertrauen in die Fähigkeit des Staates, die Arbeiterbewegung unter Kontrolle zu bringen und zurückzudrängen, verloren hatten. Liberale Zeitungen plädierten nun offen für die autoritäre Herrschaft eines „starken Mannes“ oder eine Militärdiktatur.[50] Gerade zu diesem Zeitpunkt trat die sozialistische Bewegung in eine Phase der Orientierungslosigkeit und inneren Auseinandersetzungen ein, da der Verlauf der Fabrikbesetzungen im September 1920 deutlich gemacht hatte, dass die zentristischen „Maximalisten“ an der Spitze des PSI trotz ihrer radikalen Rhetorik nicht gewillt waren, ernsthaft auf eine sozialistische Revolution hinzuarbeiten (diese Fraktionskämpfe führten im Januar 1921 zur Abspaltung des linken Parteiflügels, der sich als Partito Comunista d’Italia konstituierte). So ging im Oktober 1920 fast unvermittelt „die Initiative in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf die besitzenden Klassen und die neue Rechte über.“[51]

Die fasci, bis dahin „so gut wie bedeutungslos, teils anämische Gebilde, teils überhaupt nicht existent“[52], erlebten nun einen stetigen Zustrom neuer Mitglieder und einen enormen politischen Bedeutungsgewinn. Die Zahl der lokalen fasci vervielfachte sich binnen weniger Monate von 190 (Oktober 1920) auf 800 (Ende 1920), 1.000 (Februar 1921) und 2.200 (November 1921).[53] Ihre Reputation im antisozialistischen Lager war schlagartig gestiegen, als am 21. November 1920 mehrere hundert bewaffnete Faschisten die konstituierende Sitzung des neugewählten sozialistischen Gemeinderates von Bologna überfielen, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Die „Schlacht von Bologna“ leitete die Periode des faschistischen squadrismo ein, der bewaffneten „Strafexpeditionen“ gegen „rote“ Partei- und Gewerkschaftshäuser, Zeitungsredaktionen, Arbeiterheime, Kulturhäuser, Gemeindeverwaltungen, Genossenschaften und Einzelpersonen. Die einzelnen squadre wurden häufig von Industriellen und Großgrundbesitzern ausgerüstet (mitunter auch direkt geführt), profitierten aber vor allem von der direkten und indirekten Unterstützung durch staatliche Stellen aller Ebenen.[54] Der Kriegsminister im Kabinett Giolitti, der 1912 aus dem PSI ausgeschlossene rechte Sozialdemokrat Ivanoe Bonomi, regte im Oktober 1920 den Eintritt von entlassenen Reserveoffizieren in die fasci an, wobei ihnen ein großer Teil des bisherigen Soldes weitergezahlt werden sollte.[55] Justizminister Luigi Fera wies die Gerichte in einem Rundschreiben an, Verfahren gegen Faschisten nach Möglichkeit einschlafen zu lassen.[56] Hunderte sozialistische Gemeindeverwaltungen, die zum Ziel von faschistischen „Strafexpeditionen“ geworden waren, ließ die Regierung im Frühjahr 1921 „aus Gründen der öffentlichen Ordnung“[57] auch offiziell auflösen, darunter die von Bologna, Modena, Ferrara und Perugia. Die Dominanz der Sozialisten in vielen Gemeindeparlamenten hatte die liberalen Eliten seit 1919 besonders beunruhigt, da das gesellschaftliche Kräfteverhältnis hier tatsächlich zugunsten der Linken zu kippen drohte.[58]

Die Ausbreitung der fasci erfolgte regional sehr ungleichmäßig und in der Regel ohne direkten politischen, ideologischen oder persönlichen Bezug zu Mussolini. Auch der Großteil der politischen Symbolik des italienischen Faschismus entstand in dieser Phase unabhängig vom Mailänder Zentrum spontan und wurde durch Imitation schrittweise von der gesamten Bewegung übernommen.[59] Triest, wo sowohl die nationalistische als auch die antisozialistische Agitation besonders intensiv war und in den Auseinandersetzungen mit der slowenischen Minderheit fließend ineinander überging, entwickelte sich zur ersten echten Hochburg des Faschismus. Hier hatte der örtliche fascio im März 1921 14.756 Mitglieder (18 % der Gesamtmitgliedschaft). Demgegenüber wiesen die Organisationen in Turin, Rom und Ravenna zu diesem Zeitpunkt erst 581, 1.480 und 70 Mitglieder aus.[60]

Mussolini gelang es, die Fasci di combattimento im Vorfeld der Parlamentswahl vom 15. Mai 1921 in einen von Giolitti geführten bürgerlichen Wahlblock zu integrieren. Mit dem einflussreichen Politiker, der seit Juni 1920 wieder Ministerpräsident war, stand Mussolini seit Oktober 1920 über einen Mittelsmann in Verbindung.[61] Der blocco nazionale umfasste alle Parteien mit Ausnahme der Sozialisten, der Kommunisten und der katholischen popolari. Für Mussolini persönlich bedeutete dieser Erfolg den Eintritt in die von den alten Eliten definierte Zone der „politischen Respektabilität“.[62] Zusammen mit Mussolini, der an der Spitze der Listen des blocco in Mailand und Bologna platziert worden war, zogen 34 weitere Faschisten in die Abgeordnetenkammer ein (bei 275 Mandaten für den gesamten Block).

Giolitti, der sein wichtigstes Wahlziel – die nachhaltige Schwächung der Sozialisten und der popolari – nicht erreicht hatte, trat am 27. Juni 1921 zurück. Giolittis Nachfolger Bonomi, der in Mantua zusammen mit faschistischen Kandidaten auf der Liste des blocco nazionale angetreten war, unternahm im Juli den Versuch, den rechten Flügel des PSI von der Partei zu lösen und an das Regierungslager zu binden. Er gewann einige führende Faschisten (darunter Mussolini, Cesare Rossi und Giovanni Giuriati), vier sozialistische Abgeordnete und drei Funktionäre des Gewerkschaftsdachverbandes CGdL für die Unterzeichnung eines „Befriedungspaktes“ (2. August 1921). Mussolini rechtfertigte diesen überraschenden Schritt mit dem Argument, dass es unmöglich sei, die zwei Millionen Sozialisten Italiens zu „liquidieren“; die Option für den „permanenten Bürgerkrieg“ sei naiv.[63] Er stand zu diesem Zeitpunkt unter dem Eindruck der in ganz Italien beachteten Ereignisse von Sarzana, wo am 21. Juli eine „Strafexpedition“ von 500 ligurischen und toskanischen squadristi unter Verlust von 18 Toten in die Flucht geschlagen worden war, nachdem sich – für die Faschisten völlig unerwartet – eine Handvoll Carabinieri auf die Seite der Einwohner gestellt hatte. Für Mussolini, der offen von einer „Krise des Faschismus“[64] sprach, warf dies die Frage auf, was die fasci „wirklich wert sind, wenn ihnen die Polizeimacht des Staates entgegentritt.“[65] Hinter diesem Schachzug stand jedoch auch die nicht zuletzt in persönlichen Ambitionen wurzelnde Absicht Mussolinis, die fluktuierenden und lose vernetzten fasci zu „parlamentarisieren“ und zu einer Partei zusammenzufassen, um so mittel- und langfristig an der politischen Macht in Rom zu partizipieren.

Faschistische Extremisten, vor allem die Exponenten des militanten „Agrarfaschismus“ der Po-Ebene, der Emilia, der Toskana und der Romagna wie Italo Balbo und Dino Grandi, die eine völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die Errichtung eines autoritären Regimes ohne Rücksichtnahme auf liberale Interessengruppen für möglich hielten, griffen Mussolini daraufhin offen an. Dieser zog sich am 18. August 1921 aus dem Exekutivkomitee der Fasci di combattimento zurück, gefolgt von Rossi, der beklagte, dass der Faschismus zu einer „reinen, authentischen und exklusiven Bewegung des Konservatismus und der Reaktion“[66] geworden sei. Die „konservativen“ Faschisten waren jedoch nicht in der Lage, sich auf eine Führungspersönlichkeit zu verständigen, die Mussolini hätte ersetzen können, nachdem Gabriele D’Annunzio das Angebot abgelehnt hatte.[67] Im Vorfeld des dritten Kongresses der fasci, der im November 1921 in Rom stattfand, gingen die beiden Fraktionen aufeinander zu: Mussolini erklärte den – ohnehin nie realisierten – Befriedungspakt am 22. Oktober zu einer „lächerlich bedeutungslosen Episode unserer Geschichte“[68] (und kündigte ihn im November ganz auf), während die „Reaktionäre“ um Grandi sich mit der Gründung des Partito Nazionale Fascista (PNF) abfanden. In Rom bemühte sich der nunmehr als Duce etablierte Mussolini, die aufgekommenen Zweifel an der Entschiedenheit seines Antisozialismus zu beseitigen:

„Ich bedauere nicht, dass ich Sozialist gewesen bin. Aber ich habe die Brücken zu dieser Vergangenheit abgebrochen. Ich bin nicht nostalgisch. Ich denke nicht darüber nach, zum Sozialismus zu gelangen, sondern darüber, von ihm loszukommen. In wirtschaftlichen Angelegenheiten sind wir Liberale, weil wir glauben, dass die nationale Wirtschaft nicht kollektiven Körperschaften oder der Bürokratie überlassen werden kann.“[69]

Mussolini sorgte für weitere Klarstellungen am Rande. Aus dem Parteiprogramm wurden die noch vorhandenen Reste republikanischen und antiklerikalen Gedankenguts aus der Frühzeit der fasci entfernt.[70] Von außenpolitischen Abenteuern im Stile D’Annunzios hatte sich Mussolini schon 1920 distanziert; nur „Verrückte und Kriminelle“[71] würden nicht begreifen, dass Italien Frieden brauche.

Marsch auf Rom[Bearbeiten]

Als die Linke auf diesen verstärkten Terror am 1. Februar 1922 mit einem Generalstreik reagierte, wurde dieser von den Fasci gebrochen. Die Squadristi besetzten im Gegenzug vom 3. August bis 5. September die Städte Mailand, Genua, Livorno, Bozen und Trient und erlitten lediglich in Parma einen Rückschlag. Die Zeit schien nun reif, sich als Retter Italiens zu präsentieren, man stellte sich mit ca. 40.000 Mann[72] zum Marsch auf Rom bereit. Ministerpräsident Luigi Facta wollte den Belagerungszustand ausrufen, doch der König gab keine Genehmigung, sondern entzog Facta das Vertrauen und beauftragte Mussolini mit der Regierungsbildung. Erst jetzt wurden die Schwarzhemden nach Rom in Marsch gesetzt.

Regierungschef[Bearbeiten]

Mussolini (1923)

Regierungsbildung[Bearbeiten]

Als Mussolini am 30. Oktober 1922 in Rom eintraf, legte er dem König unverzüglich eine Liste der von ihm für seine Regierung vorgesehenen Minister vor.

Auf der Liste standen: Die Faschisten Aldo Oviglio (Justiz) und Alberto De Stefani (Finanzen); die Nationalisten Luigi Federzoni (Kolonien) und Giovanni Giuriati (terre liberate); die Popolari Vincenzo Tangorra (Schatz) und Stefano Cavazzoni (Arbeit und soziale Vorsorge); die Sozialdemokraten (democraticosociali) Gabriello Carnazza (lavori pubblici) und Giovanni Antonio Colonna Di Cesarò (Post); die Liberalen Giuseppe De Capitani (Landwirtschaft; Anhänger von Salandra) und Teofilo Rossi (Industrie und Handel; Anhänger von Giolitti); der Philosoph Giovanni Gentile (Unterricht) und die hohen Offiziere Armando Diaz (Krieg) und Paolo Thaon Di Revel (Marine). Mussolini beansprucht für sich das Außen- und das Innenministerium. Infolge des Todes von Tangorra fusionieren Schatz- und Finanzministerium unter der Führung von De Stefani.

Mussolini versuchte zunächst, die anderen Parteien zur Mitarbeit zu gewinnen, was teilweise gelang, aber gerade bei den umworbenen gemäßigten Sozialisten unter Matteotti keinen Erfolg zeigte. Am 24. November 1922 erhielt er von der Abgeordnetenkammer die vollen Machtbefugnisse auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Verwaltung bis zum 31. Dezember 1923 mit dem Ziel, „die Ordnung wiederherzustellen“. Im Juli 1923 brachte er im Konsens mit Giolitti, Orlando und Salandra mit dem Acerbo-Gesetz eine neue Wahlordnung durchs Parlament. Sie sicherte der stimmenstärksten Fraktion (mindestens 25 %) automatisch zwei Drittel der Parlamentssitze. Nachdem Don Sturzo, der für Mussolini unangenehme charismatische Führer des mächtigen Partito Popolare Italiano, aufgrund von Differenzen in der eigenen Partei zurückgetreten war und man dem Königreich Jugoslawien im Vertrag von Rom den Freistaat Fiume abhandeln konnte, wagte sich Mussolini am 25. Januar 1924 an die ersten Neuwahlen unter den geänderten Vorzeichen. Die Faschisten erhielten 4,5 Millionen Stimmen, die Opposition musste sich die restlichen drei Millionen Stimmen teilen. Dies wird heute nicht als Vertrauensbeweis für den Regierungschef, sondern als Ausdruck des Wunsches der Italiener nach Ruhe und Ordnung interpretiert.

Mussolinis Freude über den guten Start währte nur kurz. Am 10. Juni 1924 wurde Giacomo Matteotti, Parteisekretär des Partito Socialista Unitario und scharfer Kritiker der Faschisten, ermordet. Die Täter, faschistische Milizionäre, wurden bald ermittelt. Im Zuge der von der Regierung zunächst noch unbeeinflussten Untersuchungen wurde die Liste der Mitwisser und möglichen Drahtzieher immer größer. Mussolini sah sich gezwungen, zahlreiche und bald auch enge Mitarbeiter wie De Bono zu entlassen, und geriet schließlich selbst unter Verdacht.[73] Als sich auch im Volk und im Ausland die Stimmung gegen Mussolini kehrte, fasste die Masse der oppositionellen Abgeordneten den umstrittenen Entschluss, am 27. Juli 1924 das Parlament zu verlassen (Secessione aventiniana). Man wollte mit diesem Schritt Druck auf den König ausüben, das Parlament aufzulösen, Mussolini zu verhaften und Neuwahlen auszuschreiben. Als jedoch der König nicht reagierte, war es der Ministerpräsident Mussolini, der vom Auszug seiner scharfen Gegner profitierte. Im Parlament weitgehend ohne Gegner, setzte er am 3. Januar 1925 zum Befreiungsschlag an. Er nahm die politische Verantwortung für alle Untaten seiner Milizen auf sich und versprach den Italienern „innerhalb 48 Stunden“[74] für Ordnung zu sorgen. Da er dieses Versprechen u. a. in Form einer Verhaftungswelle politischer Gegner einlöste, ist diese Rede als Auftakt zur faschistischen Diktatur zu bewerten.

Diktator[Bearbeiten]

Typische Rednergeste Mussolinis (Mailand, 1930)

Am 31. Oktober 1926 versuchte Anteo Zamboni (1911-1926) ein Attentat auf Mussolini. Mussolini nahm dies zum Anlass, politische Freiheiten einzuschränken und die verbliebenen politischen Parteien aufzulösen. Zu den Wahlen 1928 traten nur noch vom PNF (Partito Nazionale Fascista, deutsch: Nationale Faschistische Partei) zugelassene Kandidaten an. Spezielle Gesetze schufen den institutionellen Rahmen, unter anderem den Gran Consiglio del Fascismo (den Großen Faschistischen Rat), der als gemischtes Partei- und Staatsorgan fungierte. Damit war die Umstrukturierung des italienischen Staates zu einem Einparteienstaat und somit zu einer Diktatur abgeschlossen. 1932 veröffentlichte Mussolini seine Grundsatzschrift: Der Geist des Faschismus.

Ein wesentliches Instrument zur Sicherung von Mussolinis Machterhalt war die Geheimpolizei OVRA, die ab 1927 aufgebaut wurde. Zudem gewann er die Mehrzahl der katholischen Italiener für sich und seine politische Linie, als er 1929 die Lateranverträge mit dem Heiligen Stuhl abschloss und somit den Vatikan als eigenständigen und souveränen Staat bestätigte.[75]

1937 verlieh die Universität Lausanne Mussolini die Ehrendoktorwürde. Bestrebungen, diesen Titel zu annullieren, sind bisher von der Universität Lausanne und der Waadtländer Regierung abgelehnt worden.[76]

Benito Mussolini und Adolf Hitler[Bearbeiten]

Mussolini und Hitler am Vortag des Münchener Abkommens (1938)

Anfänglich stand Mussolini Adolf Hitler sehr kritisch gegenüber. Insbesondere für Hitlers Rassentheorien hatte er nur Spott übrig: „Wenn diese Theorien richtig wären, müssten die Lappen die höchsten Kulturträger sein!“ Außerdem fühlte er sich als Wächter der Unabhängigkeit Österreichs und ließ nach dem Juliputsch 1934, als Bundeskanzler Dollfuß ermordet wurde, sechs Divisionen an den Brennerpass verlegen.[77] Im selben Jahr kam es zu einem ersten Treffen mit Hitler in Venedig, bei dem der deutsche Diktator jedoch keine gute Figur machte – so schien Hitler von dem militärisch geprägten Empfang am Flughafen völlig überrascht und gab in seinem zerknitterten Trenchcoat ein skurriles Bild ab. Es gelang ihm während des Besuchs auch nicht, Mussolini zu verbindlichen Zusagen zu bewegen. Erst die italienische Besetzung Abessiniens und die deutsch-italienische Unterstützung des späteren spanischen Diktators General Francisco Franco im spanischen Bürgerkrieg führten Mussolini ab 1936 zur Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland. Die Zeitschrift Die Woche berichtete im Mai 1936 respektvoll über „Mussolinis historische Sitzung“: „In einer zehnminütigen Sitzung des faschistischen Großen Rates wurde die Besitzergreifung Abessiniens als erbliches Kaiserreich des Königs von Italien beschlossen.“[78]

Im selben Jahr verkündete Mussolini die „Achse Berlin-Rom“ und gab damit einen Bündnisvertrag mit Hitler bekannt. 1937 trat Italien aus dem Völkerbund aus und dem Antikomintern-Pakt zwischen dem Deutschen Reich und dem Kaiserreich Japan bei.

Als 1938 Italien ohne Druck von Berlin antisemitische Rassengesetze beschloss, war das NS-Regime einigermaßen überrascht.[79] Später übertrafen diese gar die deutschen kurzzeitig, indem sie neben den Juden aus dem Lehrkörper, auch gleich jüdische Schüler von den Schulen verwies. Goebbels schrieb dazu in seinem Tagebuch am 4.9.1938: „Mussolini schmeißt jetzt Juden aus den Schulen und Universitäten heraus“. Das erste rassistische Gesetz Italiens unter Mussolini wurde bereits am 19. April 1937 beschlossen. Grund war die Befürchtung einer Rassenvermischung italienischer Soldaten in den Kolonien. Auf sexuellen Verkehr mit afrikanischen Frauen oder Frauen aus anderen „primitiven“ Völkern stand bis zu fünf Jahre Gefängnis.[80] Wie die kürzlich veröffentlichten Tagebücher seiner Geliebten Clara Petacci zeigen, äußerte sich Mussolini privat sehr antisemitisch.[81]

Während der Sudetenkrise im Jahre 1938 bemühte er sich um Vermittlung, da er Italien für einen Krieg nicht gerüstet sah.

Im Übrigen sprach und verstand Mussolini (nach Aussage von Protokollführer Henry Picker) recht gut Deutsch, sodass er sich mit Hitler auch ohne Dolmetscher unterhalten konnte.[82]

Kolonialbestrebungen[Bearbeiten]

Italienisches Kolonialreich am Horn von Afrika 1936-40

Mussolini propagierte ein „Neues Römisches Imperium“ und strebte dazu eine Mittelmeerherrschaft Italiens an („Mare Nostro“). Für diese Imperialismus-Ansprüche ließ er bereits in den 1920ern eine Marinebasis auf der türkischen (seit 1947 griechischen) Insel Leros errichten und verschärfte die italienische Kontrolle über Albanien und Libyen. 1935 griff Italien Äthiopien an, das allerdings niemals zum Römischen Imperium gehört hatte. Italiens Kriegsführung war vom Einsatz von Giftgas, der Massenliquidierung der Einheimischen und der Verseuchung oder Verbrennung von Dörfern, Vieh und Feldern geprägt. Der Krieg endete 1936 mit der Annexion Äthiopiens durch Italien. Britisch-Somaliland wurde von Italien 1940 besetzt und Italienisch-Ostafrika angegliedert. Geplant war von Mussolini noch die Ausdehnung des Reiches unter anderem auf Tunesien, Dschibuti, Sudan, Malta, Nordostkenia und Jemen. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges (siehe nächster Abschnitt) verlor Italien die Kolonien und 1941 wurde Italienisch-Ostafrika (Africa Orientale Italiana) aufgelöst.

Kriegseintritt[Bearbeiten]

Propagandaposter

Im April 1939 ließ Mussolini Albanien besetzen, was die Fähigkeiten seiner zum großen Teil schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Streitkräfte bereits auf das Äußerste strapazierte. Als Hitler mit dem Einmarsch in Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, verhielt sich Mussolini zunächst abwartend. Erst am 10. Juni 1940, als deutsche Truppen die Kanalküste erreichten und der Sieg über Frankreich sicher erschien, erklärte er England und Frankreich den Krieg – allerdings blieb der italienische Vormarsch nach Frankreich trotz mehrfacher zahlenmäßiger Überlegenheit nach der Eroberung einiger Städte bereits in den Alpen stecken.

Sein Einmarsch in Griechenland ab dem 28. Oktober 1940 scheiterte kläglich an dilettantischer Planung, maßloser Selbstüberschätzung und dem entschlossenen Widerstand der Griechen. Die Briten intervenierten und leisteten Luftunterstützung, mit deren Hilfe der griechische General Alexandros Papagos die Invasoren zurückschlug. Tausende italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Die Italiener wurden immer weiter nach Albanien (fast bis nach Tirana) zurückgedrängt. Erst mit der deutschen Militärinvasion in Griechenland ab dem 6. April 1941 konnte Mussolini einen erfolgreichen Gegenangriff starten.

Im April 1941 nahm die italienische Armee am deutschen Angriff gegen Jugoslawien teil. Ziel war die Annexion großer Teile der kroatischen Küste. Ante Pavelić wurde als gefügiger Diktator des Vasallenstaates Unabhängiger Staat Kroatien installiert.

Da gleichzeitig die Luftschlacht um England stattfand, glaubte Mussolini, dass die schwachen Kolonialgarnisonen in Afrika keine britische Unterstützung erhalten würden und schnell überrannt werden könnten. Doch auch hier gelang es nach italienischen Anfangserfolgen (Besetzung von Britisch-Somaliland 1940) den zahlenmäßig weit schwächeren Streitkräften des Empire, nicht nur die Invasion abzuwehren, sondern auch alle italienischen Kolonien in Ostafrika zu okkupieren. In Nordafrika begannen die Italiener von Libyen aus einen Angriff auf Ägypten. Nachdem sie nach dem Einmarsch in Ägypten ihre vorgeschobene Stellung zu befestigen und auszubauen versuchten, wurden sie in der Operation Compass von den Briten zum Rückzug gezwungen und in Libyen vernichtend geschlagen. 30.000 Briten machten innerhalb von 6 Wochen 130.000 Gefangene, etwa die Hälfte der italienischen Streitkräfte in Nordafrika.

Schon Ende 1940 versenkten britische Flugzeuge einen großen Teil der italienischen Mittelmeerflotte und brachen so die italienische Seeherrschaft. Im Laufe des Jahres 1941 verlor Italien den Großteil seiner Kolonialgebiete. Mussolinis Konzept eines „Parallelkriegs“ war damit schnell gescheitert. Die deshalb zwangsläufig immer enger werdende Bindung an Hitler und das Deutsche Reich, die Teilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion im Juni 1941 und die Kriegserklärung an die USA im Dezember besiegelten die militärische Niederlage Italiens und damit auch das politische Schicksal des „Duce“.

Krise des Regimes und Sturz[Bearbeiten]

Unter dem Eindruck der militärischen Katastrophen in Nordafrika und am Don, wo die gegen Sowjetunion eingesetzte italienische Armee (vgl. ARMIR) im Winter 1942/43 fast vollständig vernichtet wurde, kam die schwelende Krise des faschistischen Regimes im Frühjahr 1943 offen zum Ausbruch. Innerhalb der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Führungsschicht Italiens formierte sich eine schnell an Einfluss gewinnende Gruppe, die die Fortsetzung des Krieges an der Seite Deutschlands ablehnte und eine Verständigung mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten herbeiführen wollte, bevor der Krieg auf italienisches Territorium übergriff.[83] Mussolini kam diesen Bestrebungen zunächst entgegen und machte ihnen am 31. Januar 1943 mit der Entlassung des Generalstabschefs Ugo Cavallero, der als „Mann der Deutschen“ galt, ein wichtiges Zugeständnis. Cavalleros Nachfolger Vittorio Ambrosio war ein Vertrauter des Königs, in dessen Umfeld sich konservative Kräfte sammelten, die befürchteten, dass die Monarchie in den Sturz des Faschismus verwickelt werden könnte. Am 5. Februar übernahm Mussolini im Zuge einer Kabinettsumbildung selbst das Außenministerium, beließ Ciano – der schon im Herbst 1942 versucht hatte, über den italienischen Botschafter in Lissabon mit Briten und Amerikanern ins Gespräch zu kommen – aber im faschistischen Großrat und machte ihn zum Botschafter beim Vatikan, über den zahlreiche Verbindungen in die alliierten Hauptstädte liefen. Zum Staatssekretär im Außenministerium ernannte er Giuseppe Bastianini, der 1939/40 Botschafter in London gewesen war.

Die von Ciano, Dino Grandi und anderen angestrebte Aufkündigung der Achse Berlin-Rom lehnte Mussolini allerdings ab. Er gab sich der Hoffnung hin, bei Hitler eine entschiedene materielle und personelle Unterstützung der italienischen Kriegführung, ja sogar die Verlagerung des Schwerpunkts der deutschen Kriegsanstrengungen von der Ostfront in den Mittelmeerraum durchsetzen zu können. Gehe man im Osten zur strategischen Defensive über und setze die freiwerdenden Kräfte gegen die Westmächte ein, dann sei der Sieg, so Mussolini am 1. April 1943 im Gespräch mit dem deutschen Botschafter Hans Georg von Mackensen, „mit mathematischer Sicherheit unser“.[84] Diesen Standpunkt vertrat Mussolini im Februar und März 1943 bei Treffen mit Joachim von Ribbentrop und Hermann Göring sowie in zwei persönlichen Schreiben an Hitler. Dieser aber war ebenso wie das OKW nicht einmal zu einer Ausweitung der materiellen Unterstützung Italiens bereit, da er die innere Stabilität des Mussolini-Regimes überschätzte und – wie schon im Frühjahr 1942, als Mussolini vergeblich deutsche Unterstützung für die beabsichtigte Eroberung des britischen „Flugzeugträgers“ Malta gefordert hatte – alle Ressourcen für die geplante Sommeroffensive an der deutsch-sowjetischen Front reklamierte (vgl. Unternehmen Zitadelle). Bei den Beratungen auf Schloss Kleßheim am 8./9. April 1943 lehnte Hitler Mussolinis Vorschläge ab. Die von Mussolini danach noch mehrfach erbetene Lieferung von Panzern und Flugzeugen wurde ebenfalls verweigert, obwohl eine OKH-Studie im Juni einräumte, dass das italienische Militär über keine einzige Panzerdivision, kaum Panzerabwehrwaffen und eine nur noch „bedingt einsatzfähige“[85] Luftwaffe verfüge. Auch diese Analyse sah jedoch „keinen Anlass, mit einer unmittelbar bevorstehenden politischen Krise zu rechnen.“[86]

Die politische und militärische Agonie des Regimes wurde durch die ökonomische und soziale Krise des Landes verschärft. 1943 lag die italienische Industrieproduktion um 31 % unter der des Jahres 1938. Wichtige Grundnahrungsmittel waren nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich, ihre Preise waren seit Kriegsbeginn um das fünf- bis zehnfache gestiegen und wegen des 1940 verfügten Lohnstopps für Arbeiter kaum noch zu bezahlen; in vielen Städten hungerte die Bevölkerung.[87] Für zusätzliche Erbitterung sorgte, dass die staatlichen Stellen sich als unfähig erwiesen, die Menschen zu versorgen, die infolge der alliierten Luftangriffe obdachlos geworden waren.[88] Im März 1943 wurde das Regime von einer Streikwelle erschüttert, die von den Turiner Fiat-Werken aus auf andere norditalienische Städte übergriff und erst Anfang April unter Kontrolle gebracht werden konnte.[89]

Am 9./10. Juli 1943 begann die erwartete Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien. Einige italienische Verbände ergaben sich kampflos, andere leisteten zusammen mit den beiden auf der Insel stationierten deutschen Divisionen Widerstand. Die Gegenangriffe auf die Landungszonen brachen am 11. und 12. Juli im Feuerhagel der alliierten Schiffsartillerie zusammen. Sowohl der deutschen als auch der italienischen Militärführung war danach klar, dass die Insel nicht zu halten sein würde. Am 14. Juli wies Vittorio Ambrosio Mussolini in einer Denkschrift auf den Ernst der Lage hin und verlangte, bei Hitler erneut eine Schwerpunktverlagerung der deutschen Kriegführung in den Mittelmeerraum zu fordern. Andernfalls könne Italien den Krieg nicht mehr fortsetzen. Mussolini stimmte dieser Einschätzung zu, trug sie aber bei dem Treffen mit Hitler, das am 19. Juli in Feltre stattfand, trotz wiederholten Drängens seiner Begleiter nicht vor. Stattdessen akzeptierte er am 20. Juli im Grundsatz Hitlers Forderung, die italienischen Truppen in Süditalien deutschen Stäben zu unterstellen.[90] Die Gegner Mussolinis in der Führung der Partei, im Generalstab, im Großbürgertum und am königlichen Hof – durchweg „einstige Steigbügelhalter, Profiteure und Aktivisten des Faschismus“[91], denen nichts ferner lag als „der Gedanke, die Regierungsgeschäfte den sich langsam reorganisierenden antifaschistischen Parteien zu übertragen“[92] – sahen sich nun zum Handeln gezwungen.

Nach der alliierten Landung auf Sizilien hatten führende Faschisten aus völlig entgegengesetzten Gründen für das Zusammentreten des faschistischen Großrats plädiert. Der Großrat war das höchste beratende Gremium der Partei und (seit 1932) des italienischen Staates. Er war seit 1939 nicht mehr zusammengetreten. Während die Gruppe um Ciano, Grandi und Giuseppe Bottai die Machtfülle Mussolinis einschränken lassen wollte, hatte der mit der deutschen Botschaft in Verbindung stehende Kreis um Roberto Farinacci und Parteisekretär Carlo Scorza die Absicht, einen Beschluss herbeizuführen, der zu einer „Revitalisierung“ des Regimes und einer Stärkung des deutsch-italienischen Bündnisses führen sollte. Der Rat trat am 24. Juli 1943 im Palazzo Venezia zusammen und verabschiedete nach zehnstündiger Debatte am frühen Morgen des 25. Juli mit 19 gegen 7 Stimmen eine von Grandi eingebrachte Resolution, die dem König empfahl, den Oberbefehl über die Streitkräfte, den Mussolini seit 1940 innehatte, wieder selbst zu übernehmen. Eine „Absetzung“ Mussolinis – wie häufig fälschlich angenommen – hat der Rat dagegen nicht beschlossen, und es ist zweifelhaft, ob seine Mitglieder überhaupt damit rechneten, dass die konservativen Kräfte im Umfeld des Königs diese Gelegenheit nutzen würden, um sich völlig von Mussolini und der faschistischen Partei zu trennen.[93] Auch Mussolini sah seine Position nach dem Votum nicht als unmittelbar gefährdet an. Er begab sich am Nachmittag des 25. Juli zum König, um diesen offiziell über den Beschluss zu informieren. Überraschend akzeptierte Viktor Emanuel III. den „Vorschlag“ des Großrats und gab Mussolini zu verstehen, dass er ihn auch als Ministerpräsidenten entlassen und Marschall Pietro Badoglio das Amt übertragen werde. Anschließend wurde Mussolini in einem bereitstehenden Krankenwagen abtransportiert und in einer Carabinieri-Kaserne festgesetzt.[94] Die Absetzung Mussolinis wurde am späten Abend im Radio bekanntgegeben. Noch in der Nacht versammelten sich tausende Menschen auf Straßen und Plätzen und feierten den Sturz des Diktators. In Rom, wo sich zusätzlich das Gerücht verbreitete, Hitler habe sich das Leben genommen, sollen sich auch deutsche Soldaten an den Kundgebungen beteiligt haben.[95] In den „45 Tagen“ (quarantacinque giorni), dem Zeitraum zwischen Mussolinis Sturz und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen, verschwanden die (von der Badoglio-Regierung mit Wirkung zum 6. August 1943 auch formal aufgelöste) faschistische Partei und die in zwei Jahrzehnten geschaffenen Institutionen des Regimes nahezu geräuschlos.

Mussolini mit deutschen Fallschirmjägern nach der Befreiung, 12. September 1943

Nach der Festnahme wurde Mussolini am 28. Juli auf der Insel Ponza und am 7. August auf dem Marinestützpunkt La Maddalena vor Sardinien interniert. Da hier ein deutscher Zugriff drohte, ordnete die Badoglio-Regierung am 28. August seine Verlegung in das Hotel Campo Imperatore im Gran Sasso-Massiv an, wo ihn am 12. September ein Kommandounternehmen deutscher Fallschirmjäger befreite (vgl. Unternehmen Eiche). Vier Tage zuvor war der am 3. September unterzeichnete Waffenstillstand zwischen Italien und den Westalliierten bekanntgeworden. Während der König und Badoglio am 9. September Hals über Kopf Rom verließen und nach Brindisi flohen, leitete das OKW die unter dem Stichwort „Achse“ vorbereitete Besetzung Italiens ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten deutsche Stellen bereits die Einsetzung einer neuen faschistischen Regierung ins Auge gefasst, der Farinacci, Alessandro Pavolini und Mussolinis Sohn Vittorio angehören sollten, die Ende Juli bzw. Anfang August nach Deutschland ausgeflogen worden waren. Bei einem Treffen mit Hitler, das am 14. September in Rastenburg stattfand, erklärte sich Mussolini bereit, selbst an die Spitze dieser Regierung zu treten. Am 18. September kündigte er über den Sender München seine Rückkehr nach Italien an.

Republik von Salò[Bearbeiten]

Auf Forderung der deutschen Regierung wurde unter Mussolinis Führung in Norditalien die Marionettenregierung der faschistischen Italienischen Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana, auch: Republik von Salò) als Gegenregierung installiert. Das letzte Mal traf er Hitler am 20. Juli 1944 kurz nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Gefangen genommene Mitglieder des Faschistischen Rates, die Mussolini abgesetzt hatten, waren bereits am 11. Januar 1944 auf Anordnung Mussolinis nach einem Schauprozess erschossen worden, darunter auch sein Schwiegersohn Galeazzo Ciano.

Tod[Bearbeiten]

Mussolini im Gespräch mit einem Angehörigen der Guardia Nazionale Repubblicana, 1944
Zurschaustellung der Leichname von Nicola Bombacci, Benito Mussolini, Clara Petacci, Alessandro Pavolini und Achille Starace in Mailand, 29. April 1945

Mussolini trat am 16. Dezember 1944 im Mailänder Teatro Lirico zum letzten Mal öffentlich auf. Anfang April 1945 nahmen die britischen und amerikanischen Truppen in Norditalien ihren Vormarsch wieder auf, nachdem mehrere Monate eine faktische Kampfruhe geherrscht hatte. Am 24. April überschritten sie den Po, am nächsten Tag brach in Mailand ein Aufstand kommunistischer und sozialistischer Partisanen aus, dem der in voller Auflösung befindliche faschistische Staatsapparat nicht mehr gewachsen war. Mussolini hatte in den Wochen zuvor – unter anderem durch Vermittlung des Mailänder Kardinals Schuster – versucht, mit dem Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) in Verbindung zu treten.[96] Über Carlo Silvestri bot er an, die Macht an die Aktionspartei und die Sozialisten zu übergeben, falls ihm eine geordnete Kapitulation gegenüber den alliierten Streitkräften gestattet werde. Die versuchte „Verständigung“ mit dem nichtkommunistischen Flügel der Resistenza scheiterte endgültig am 25. April. An diesem Tag erfuhr Mussolini durch Mitarbeiter Schusters, dass der SS-General Karl Wolff seit Wochen mit Vertretern der Westmächte über eine Teilkapitulation der deutschen Truppen in Italien verhandelte.[97] Nach wütenden Verratsvorwürfen an seine deutschen Begleiter floh Mussolini noch am Abend zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci und einigen faschistischen Funktionären unter Mitnahme zahlreicher – bis heute verschollener – Geheimdokumente nach Norden. Ungeklärt ist, ob er die Absicht hatte, in die Schweiz zu entkommen oder, wie in verschiedenen Gesprächen angedeutet, mit den im Veltlin versammelten Brigate Nere ein „letztes Gefecht“ liefern wollte. In Menaggio schloss sich Mussolini mit seiner zusammengeschmolzenen Entourage einer motorisierten deutschen Flak-Einheit an. An einer Straßensperre zwischen Musso und Dongo am Comer See wurde die Fahrzeugkolonne am 27. April 1945 von kommunistischen Partisanen angehalten. Bei der Durchsuchung wurde der als Flakkanonier verkleidete Mussolini erkannt und gefangengenommen. Noch am 27. April verbreitete der Mailänder Radiosender diese Nachricht. Am Folgetag traf eine Partisanengruppe aus Mailand in Dongo ein. Sie hatte den Befehl erhalten, das vom CLNAI am 25. April gegen Mussolini und andere führende Faschisten verhängte Todesurteil zu vollstrecken. Am Rande des Dorfes San Giulino di Mezzegra wurde Mussolini am Nachmittag des 28. April 1945 erschossen.[98] Die Leichen Mussolinis, Petaccis, Nicola Bombaccis, Alessandro Pavolinis und einiger anderer wurden anschließend nach Mailand transportiert und am 29. April auf der Piazzale Loreto, wo am 10. August 1944 15 hingerichtete Partisanen zur Schau gestellt worden waren, kopfüber am Dach einer Tankstelle aufgehängt. Dabei kam es zu Übergriffen auf die Leichen.

Mussolinis Gruft in Predappio (2009)

Der Leichnam Mussolinis wurde durch amerikanische Ärzte einer Autopsie unterzogen und anschließend auf einem anonymen Gräberfeld des Mailänder Friedhofs Cimitero del Musocco beerdigt.[99] In der Nacht zum 23. April 1946 wurde er von faschistischen Aktivisten um Domenico Leccisi ausgegraben und mit Unterstützung profaschistischer Priester zunächst im Veltlin, in einer Mailänder Kirche und zuletzt in einer Mönchszelle der Certosa di Pavia versteckt.[100] Nach dreieinhalb Monaten entdeckt, veranlasste die italienische Regierung eine anonyme Beerdigung im Kapuzinerkloster Cerro Maggiore. Am 1. September 1957 wurde Mussolini im Beisein seiner Witwe Rachele Mussolini in der Familiengruft in Predappio unter dem Liktorenbündel, dem Symbol seiner Macht und des Faschismus, beigesetzt. Den Weg dafür hatte der christdemokratische Ministerpräsident Adone Zoli geebnet, der sich von dieser Geste gegenüber der radikalen Rechten die parlamentarische Unterstützung des neofaschistischen MSI erhoffte (und diese auch erhielt).

Nachleben[Bearbeiten]

Durch die Beisetzung im Jahr 1957 wurde aus der Kleinstadt Predappio, die ironischerweise seit 1945 ununterbrochen von kommunistischen bzw. linken Bürgermeistern regiert wird, eine „Pilgerstätte“ für Mussolinis Anhänger. Devotionalien, die an die „glorreiche Zeit“ erinnern, waren bis in die jüngste Zeit an jeder Straßenecke in Predappio erhältlich. Der Ladenverkauf wurde im April 2009 von der Gemeindeverwaltung verboten.[101] In jedem Jahr versammeln sich anlässlich der „hohen“ faschistischen Feiertage (Geburts- und Todestag Mussolinis im Juli bzw. April sowie im Oktober am Jahrestag des Marcia su Roma) jeweils mehrere tausend Faschisten in Predappio; ihre Prozession zum Friedhof San Cassiano wurde lange Zeit von einem Priester der Piusbruderschaft angeführt.

Das öffentliche Bild Mussolinis in Italien hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Bis in die 80er Jahre hinein bekannten sich die drei großen Parteien – PCI, PSI und mit Einschränkungen auch die DC – gleichermaßen zum Erbe der Resistenza. Die offene Verehrung für den Duce blieb dem neofaschistischen MSI vorbehalten, der seine Hochburgen in Mittel- und Süditalien hatte, wo er bei Wahlen zum Teil über 20 % der Stimmen erhielt. Weniger sichtbar, aber politisch gewichtiger waren die in den Netzwerken des italienischen Bürgertums sowie im Militär-, Polizei- und Geheimdienstapparat konservierten faschistischen Orientierungen.[102] Mit dem Zusammenbruch des italienischen Parteiensystems zu Beginn der 90er Jahre und der Neugruppierung des konservativen Lagers um Silvio Berlusconi in den Jahren danach setzte sich im Mainstream der italienischen Politik auch eine zum Teil offene Apologie Mussolinis durch. 2003 erregte Berlusconi mit der Äußerung Aufsehen, Mussolini sei für keinen einzigen Toten verantwortlich, zudem seien die Straflager und Gefängnisse des Regimes „Ferienlager“ gewesen.[103]

Nach Ansicht des australischen Historikers Richard Bosworth hat diese Neubewertung drei unterscheidbare Wurzeln: 1. die durch Renzo De Felices monumentale Mussolini-Biographie angestoßene konservative Trendwende in der italienischen Faschismus-Historiographie, die in den 90er Jahren durch eine Welle autobiographischer Veröffentlichungen von Altfaschisten flankiert und international durch die „kulturalistische“ Strömung der Geschichtswissenschaft begünstigt wurde, die sich nicht mehr für politische Herrschaft und deren Inhalte interessiert[104], 2. die durch das völlige Verschwinden des Nachkriegsparteiensystems besonders weit fortgeschrittene „Entideologisierung“ der italienischen Alltagskultur, durch die auch die jüngere Geschichte des Landes in den „Schmelztiegel des Infotainment[105] geraten ist, 3. der in den großen Medien omnipräsente Gestus des „Anti-Antifaschismus“ und die prominent im Umfeld von Berlusconi vertretene These, der „Kommunismus“ sei letztlich für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts und die Probleme der italienischen Nachkriegsgeschichte verantwortlich[106]:

„In diesen Kreisen, in denen das Schwarzbuch des Kommunismus uneingeschränkt den Ton angibt und die kommunistischen, sozialistischen und liberaldemokratischen Richtungen des Antifaschismus als unheilvoll in ihrer Nachkriegswirkung und falsch in ihrer Abrechnung mit der Geschichte gesehen werden, kann die faschistische Diktatur leicht zu einem weiteren Feld des Infotainment werden, eine ulkige Zeit, lebendig durch die Bewegung und die Farbigkeit ihrer Geschichte.“[107]

Nachkommen[Bearbeiten]

Mussolini hatte zusammen mit Rachele geb. Guidi (geb. 11. April 1890) fünf Kinder. Die Tochter Edda wurde nicht ehelich geboren, ihre Mutter war noch minderjährig, so dass nach damaligem Recht im Personenstandsregister nur der Vater namentlich eingetragen wurde, die Mutter galt als unbekannt. Das Paar ließ sich am 17. Dezember 1915 standesamtlich trauen, am 28. Dezember 1925 erfolgte die kirchliche Eheschließung nach katholischem Ritus.

  • Edda Mussolini (1. September 1910 – 8. April 1995), Ehefrau des ehemaligen italienischen Außenministers Galeazzo Graf Ciano
  • Vittorio Mussolini (21. September 1916 – 12. Juni 1997), Filmproduzent
  • Bruno Mussolini (22. April 1918 – 7. August 1941), Pilot
  • Romano Mussolini (26. September 1927 – 3. Februar 2006), Jazzmusiker
  • Anna Maria Mussolini (1929–1968)[108]

Filmografie[Bearbeiten]

  • Der große Diktator (Originaltitel: The Great Dictator), US-amerikanischer Spielfilm von Charles Chaplin, eine Satire auf Adolf Hitler, den deutschen Nationalsozialismus, aber auch auf seine „Freundschaft“ mit Italiens Benito Mussolini. Die Uraufführung fand am 15. Oktober 1940 statt, Spieldauer: 125 Minuten.
  • Il Duce und seine Faschisten, in Farbe. Teil 1: Die Machtergreifung, 50 Min., Teil 2: An der Macht, 52 Min., Dokumentation, Großbritannien, Regie: Chris Oxley, Produktion: arte, Erstausstrahlung: 14. und 21. Februar 2007, Inhaltsangabe, Teil 1 und Teil 2 von arte, Besprechung im Tagesspiegel
  • Hitler & Mussolini – Eine brutale Freundschaft, Dokumentarfilm, Regie: Ullrich H. Kasten, Erscheinungstermin: 23. November 2007, Spieldauer: 90 Minuten

Literatur[Bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten]

  • Giovanni DeLuna: Benito Mussolini. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1978, ISBN 3-499-50270-4.
  • Denis Mack Smith: Mussolini. eine Biographie, Hanser, München/Wien 1983, ISBN 3-446-13507-3.
  • Brunello Mantelli: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus. Wagenbach, Berlin 1999, ISBN 3-8031-2300-3.
  • Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Die action française, der italienische Faschismus, der Nationalsozialismus. Piper, München 2000, ISBN 3-492-20365-5.
  • Hans Woller: Ante Portas. Mussolini in Trient 1909. In: Hannes Obermair u.a. (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung/Cittadini innanzi tutto, Folio-Verlag, Wien/Bozen 2012, S. 486-500. ISBN 978-3-85256-618-4.

Andere Sprachen[Bearbeiten]

  • Richard J. B. Bosworth:[109]
    • The Italian dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and fascism. Arnold, London 1998, ISBN 0-340-67728-7.
    • Mussolini. Arnold, London 2002, ISBN 0-340-73144-3.
    • Mussolini's Italy: Life Under the Fascist Dictatorship, 1915-1945. Penguin Books 2007, ISBN 978-0-14-303856-6

(siehe auch das - weit umfangreichere - Literaturverzeichnis in der englischen und der italienischen Wikipedia: englisch , italienisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Benito Mussolini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Joseph Howard Tyson. World War Ii Leaders. A Historical and Astrological Study. iUniverse, 2011, ISBN 978-1-4620-2853-5, S. 52.
  2. cronologia.leonardo.it: Mussolini – Biografia.
  3. Georg Scheuer: Mussolinis langer Schatten. Marsch auf Rom im Nadelstreif. Köln 1996, S. 21.
  4. Kirkpatrick, S.43.
  5. Naissance de l'idéologie fascist, Verlag Gallimard, S. 350ff (1989, deutsch: „Die Entstehung der faschistischen Ideologie“, Hamburg 1999)
  6. Kirkpatrick, S. 45.
  7. Kirkpatrick, S. 47.
  8. Kirkpatrick, S. 51.
  9. Giorgio Pini / Duilio Susmel: Mussolini l'uomo e l'opera, Florenz 1953, S. 229.
  10. Kirkpatrick, S. 58.
  11. Tasca, Angelo, Glauben, gehorchen, kämpfen. Aufstieg des Faschismus, Wien-Frankfurt-Zürich 1969, S. 35.
  12. Siehe Tasca, Aufstieg, S. 34.
  13. Bosworth, Richard J. B., Mussolini's Italy. Life under the Dictatorship 1915-1945, London 2006, S. 56.
  14. Bosworth, Richard J. B., Mussolini, London 2010, S. 91.
  15. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 89.
  16. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 56.
  17. Siehe Widrich, Thomas, „soviel Druckerschwärze wie Menschenblut“ – Propaganda- und Kriegsliteratur im neutralen Italien (August 1914-Mai 1915), Frankfurt am Main 1998, S. 48.
  18. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 90. Siehe auch Andrew, Christopher, MI5. Die wahre Geschichte des britischen Geheimdienstes, Berlin 2010, S. 153 und Recruited by MI5: the name's Mussolini. Benito Mussolini, The Guardian, 13. Oktober 2009, abgerufen am 15. Juni 2014.
  19. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 92.
  20. Siehe Priester, Karin, Der italienische Faschismus. Ökonomische und ideologische Grundlagen, Köln 1972, S. 103.
  21. Bosworth, Mussolini, S. 94.
  22. Zitiert nach Priester, Faschismus, S. 107.
  23. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 101 und Priester, Faschismus, S. 111.
  24. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 101.
  25. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 102.
  26. Zitiert nach Priester, Faschismus, S. 110.
  27. Zitiert nach Bosworth, Mussolini, S. 100.
  28. Siehe Priester, Faschismus, S. 111.
  29. Bosworth, Mussolini, S. 95.
  30. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 95 und derselbe, Mussolini's Italy, S. 60-63.
  31. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 65.
  32. Giovanna Procacci, zitiert nach Thompson, Mark, The White War. Life and Death on the Italian Front 1915-1919, London 2009, S. 36.
  33. Procacci, Giovanna, Die politischen und sozialen Folgen des Ersten Weltkrieges in Italien und die Krise des liberalen Staates, in: Mommsen, Hans (Hrsg.), Der Erste Weltkrieg und die europäische Nachkriegsordnung. Sozialer Wandel und Formveränderung der Politik, Köln-Weimar-Wien 2000, S. 165-183, S. 171.
  34. Siehe Maier, Charles S., Recasting bourgeois Europe. Stabilization in France, Germany, and Italy in the decade after World War I, Princeton 1975, S. 305.
  35. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 106f.
  36. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 105.
  37. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 101, 106, 108.
  38. Bosworth, Mussolini's Italy, S. 109.
  39. Tasca, Aufstieg, S. 60.
  40. Tasca, Aufstieg, S. 65.
  41. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 117.
  42. „The programme was drafted, publicized, and then left to gather dust.“ Bosworth, Mussolini's Italy, S. 118.
  43. Priester, Faschismus, S. 188.
  44. Zitiert nach Bosworth, Mussolini's Italy, S. 120.
  45. Siehe Tasca, Aufstieg, S. 66f. und Bosworth, Mussolini, S. 114f.
  46. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 117.
  47. Zitiert nach Bosworth, Mussolini, S. 118.
  48. Procacci, Krise des liberalen Staates, S. 180.
  49. Maier, Recasting bourgeois Europe, S. 306.
  50. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 130f. und Maier, Recasting bourgeois Europe, S. 307.
  51. Bosworth, Mussolini's Italy, S. 126.
  52. Tasca, Aufstieg, S. 106.
  53. Siehe Tasca, Aufstieg, S. 157.
  54. Siehe Procacci, Krise des liberalen Staates, S. 180f.
  55. Siehe Tasca, Aufstieg, S. 127.
  56. Siehe Tasca, Aufstieg, S. 157.
  57. Zitiert nach Tasca, Aufstieg, S. 157.
  58. Siehe Procacci, Krise des liberalen Staates, S. 180.
  59. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 121.
  60. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 153.
  61. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 123.
  62. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 148.
  63. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 173f.
  64. Zitiert nach Tasca, Aufstieg, S. 180.
  65. Tasca, Aufstieg, S. 175. Siehe auch Bosworth, Mussolini's Italy, S. 173.
  66. Zitiert nach Bosworth, Mussolini's Italy, S. 175.
  67. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 122.
  68. Zitiert nach Bosworth, Mussolini's Italy, S. 175.
  69. Zitiert nach Bosworth, Mussolini's Italy, S. 175f.
  70. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 176.
  71. Zitiert nach Bosworth, Mussolini, S. 123.
  72. Die Zahlen differieren zwischen 30.000 und über 70.000 Mann.
  73. Roy MacGregor-Hastie: The Day of the Lion. The life and Death of Fascist Italy 1922–1945 , New York 1964, S. 159. Die Frage, ob Mussolini den Mordbefehl gab, konnten auch mehrere Prozesse nicht beantworten.
  74. MacGregor, S. 168.
  75. Lateranverträge, Website v. Radio Vatikan.
  76. Dr. Mussolini. In: Der Spiegel 29/2012. 16. Juli 2012, abgerufen am 12. September 2013.
  77. Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung, München, Berlin 2001, S. 309; vgl. auch: Alfred Kube: Pour le mérite und Hakenkreuz: Hermann Göring im Dritten Reich, München 1987, S. 91.
  78. Die Woche, Heft 21 vom 20. Mai 1936, S. 7
  79. Pommerin, Rassenpolitische Differenzen, S.647; Collotti, Die Historiker, S.59-77
  80. Regio Decrete Legge, Nr.880, 19.4.1937
  81. Tagebücher der Geliebten, Die WELT, 19. November 2009, abgerufen am 27. November 2009.
  82. Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, Ullstein Verlag, Frankfurt a. M. und Berlin 1989, S. 58.
  83. Siehe Bosworth, Richard J. B., Mussolini's Italy. Life under the Dictatorship 1915-1945, London 2006, S. 491f.
  84. Zitiert nach Schumann, Wolfgang (u.a.), Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Band 3. Der grundlegende Umschwung im Kriegsverlauf (November 1942 bis September 1943), Berlin 1979, S. 423.
  85. Zitiert nach Schumann, Deutschland, S. 610.
  86. Zitiert nach Schumann, Deutschland, S. 614.
  87. Siehe Bosworth, Mussolini's Italy, S. 483
  88. Siehe Overy, Richard, The Bombing War. Europe 1939-1945, London 2013, S. 525f.
  89. Siehe De Felice, Renzo, Mussolini. L'alleato (Band 1: L'Italia in guerra 1940-1943, Teil 2: Crisi e agonia del regime), Turin 1996, S. 926-958. Siehe auch Mason, Tim, The Turin strikes of March 1943, in: Caplan, Jane (Hrsg.), Nazism, Fascism and the working class, Cambridge 1995, S. 274-294.
  90. Siehe Schumann, Deutschland, S. 615 und Kirkpatrick, Ivone, Mussolini, Berlin 1997, S. 480, 485.
  91. Woller, Hans, Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943 bis 1948, München 1996, S. 13.
  92. Woller, Abrechnung, S. 14.
  93. Siehe Bosworth, Richard J. B., Mussolini, London 2010, S. 324.
  94. Siehe De Felice, Crisi e agonia, S. 1395-1401.
  95. Siehe Woller, Abrechnung, S. 11.
  96. Siehe Bosworth, Richard J. B., Mussolini, London 2010, S. 27f.
  97. Siehe Kirkpatrick, Ivone, Mussolini, Berlin 1997, S. 568f. und Bosworth, Mussolini, S. 29.
  98. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 32.
  99. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 334.
  100. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 341.
  101. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 341.
  102. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 343.
  103. Siehe Bosworth, Richard J. B., Mussolini's Italy. Life under the Dictatorship 1915-1945, London 2006, S. 531.
  104. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 344f.
  105. „In any case, history and heritage were slipping into the same melting pot of infotainment.“ Bosworth, Mussolini, S. 345.
  106. Siehe Bosworth, Mussolini, S. 345.
  107. Bosworth, Mussolini's Italy, S. 532f.
  108. Familienfoto auf dem Cover der Biographie von Romano Mussolini
  109. Biografie (University of Western Australia)
Vorgänger Amt Nachfolger
Luigi Facta Ministerpräsident von Italien
19221943
Pietro Badoglio