Friedrich Wilhelm von Steuben

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Friedrich Wilhelm von Steuben, von Charles Willson Peale

Friedrich Wilhelm Ludolf Gerhard Augustin von Steuben, auch bekannt als Baron Steuben (* 17. September 1730 in Magdeburg, Herzogtum Magdeburg; † 28. November 1794 in Utica, New York im heutigen Oneida County) war ein preußischer Offizier und US-amerikanischer General. Er reorganisierte die Kontinentalarmee im US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Leben[Bearbeiten]

In der preußischen Armee[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm von Steuben

Friedrich Wilhelm von Steuben wurde am 17. September 1730 in der Festung Magdeburg als Sohn des preußischen Ingenieurhauptmanns Wilhelm Augustin von Steuben geboren. Der junge Steuben wurde, ein Kind noch, von seinem Vater mit nach Russland genommen, war mit ihm auf der Krim und dann in Kronstadt, gerade zu der Zeit, als Russland den Türkenkrieg unter dem General Burkhard Christoph von Münnich führte. Als Vater Steuben 1740 nach Preußen zurückkehrte, genoss der Knabe Schulunterricht in den Garnisonsstädten Neiße und Breslau. Er interessierte sich besonders für Geschichte und Mathematik. Mit vierzehn Jahren schon begleitete er 1744 seinen Vater als Freiwilliger in den Zweiten Schlesischen Krieg und nahm an der Belagerung von Prag teil. Von den großen Erfolgen Friedrichs II. begeistert, trat Steuben 1747 in das Regiment von Lestwitz ein und wurde 1753 Leutnant. Am Siebenjährigen Krieg nahm er zuerst im „Regiment Prinz Ferdinand zu Fuß“ (1806: No. 34) teil, später im Freibataillon des Oberstleutnants Johann von Mayr. Dieses Bataillon wurde bekannt durch seinen Vorstoß aus dem preußisch besetzten Sachsen nach Franken im Mai/Juni 1757. Steuben lernte dabei die Kriegsführung dieser leichten Truppen kennen, die unabhängig operierten und durch plötzliche, überraschende Angriffe den Feind störten. 1758 ernannte ihn von Mayr zu seinem Adjutanten. Nach dem Tod Mayrs wurde von Steuben 1759 als Quartiermeister-Leutnant ins Große Hauptquartier Friedrichs des Großen versetzt. 1761 geriet er als Adjutant des Generalmajors von Knobloch bei der Kapitulation von Kolberg in russische Kriegsgefangenschaft. Nach der Thronbesteigung Peters III. wurde er aber sofort freigelassen.

Als Auszeichnung für seine Verdienste im Krieg nahm ihn Friedrich der Große als Hauptmann in die von ihm selbst geleitete Sonderklasse zum Erlernen der Kriegskunst auf. Meinungsverschiedenheiten mit dem Generaladjutanten des Königs Heinrich Wilhelm von Anhalt führten aber zu seiner Versetzung in die Festung Wesel. 1762 nahm Steuben als hoch dekorierter Stabskapitän Friedrichs seinen Abschied aus der preußischen Armee. 1764 wurde er Hofmarschall des Fürsten Josef Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen. Am 28. Mai 1769 wurde er von Markgraf Carl Friedrich von Baden-Durlach als 168. Mitglied in den badischen Hausorden der Treue (eine ritterliche Ordensgemeinschaft, die den zweifelsfreien Nachweis einer adeligen Herkunft voraussetzt und mit der Verleihung des Freiherrentitels verbunden ist) aufgenommen. Aus dem deutschen Adelsprädikat „Freiherr“ wurde später durch Homologisierung in den französischen Adelskontext das französische Adelsprädikat „Baron“, unter dem von Steuben bekannt wurde.

Generalinspekteur der Kontinentalarmee[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm von Steuben

Mehrere Dienstreisen in seiner Zeit in Baden führten ihn ins Ausland, unter anderem nach Frankreich. 1777 lernte Steuben auf Veranlassung des französischen Kriegsministers Claude-Louis, comte de Saint-Germain den amerikanischen Botschafter in Paris, Benjamin Franklin, kennen. Auf dessen Empfehlung ging er nach Nordamerika, wo zwei Jahre zuvor der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen war, und trat in die amerikanische Kontinentalarmee ein. Die Ansicht, seine Auswanderung nach Amerika hätte etwas mit einer drohenden Anklage wegen homosexueller Handlungen, damals noch als Sodomie bezeichnet, zu tun, ist bis heute anzutreffen.[1][2][3]

Die Kontinentalarmee war zu diesem Zeitpunkt in einem sehr schlechten Zustand. Das Heer bestand nur noch aus rund 5.000 Mann. Einheitliche disziplinarische und dienstliche Strukturen existierten praktisch nicht. Steuben baute die Armee im Lager von Valley Forge ab 1778 als Generalmajor und Generalinspekteur taktisch und operativ auf und um (Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten, 1779). Er sorgte für die Disziplinierung, die Organisation und die Einübung der Truppen und war zeitweilig Generalstabschef George Washingtons. Er gilt als Architekt der amerikanischen Unabhängigkeit auf militärischer Ebene, da es ihm gelang, untereinander zerstrittene und militärisch unerfahrene Gruppen von Freischärlern in eine schlagkräftige Armee zu verwandeln. In den einzelnen Gefechten trugen zudem die von ihm befehligten Truppenteile maßgeblich zum Sieg bei. Seine taktischen Anweisungen bildeten die Grundlage für den amerikanischen Sieg in der Schlacht von Monmouth, dem Wendepunkt des Krieges, am 28. Juni 1778.

1780 wurde Steuben Nathanael Greenes Generalquartiermeister in Virginia, wo er auch selbständig operierte und mit kleinen Einheiten bedeutende Erfolge errang. Bis 1784 blieb Steuben zudem Generalinspekteur des Heeres. In der Entscheidungsschlacht von Yorktown, der „deutschen Schlacht“ im Oktober 1781, befehligte Steuben die 3. Division und hatte wesentlichen Anteil am Sieg. 1783 war er maßgeblich an der Gründung der Society of the Cincinnati, zuständig, die sich vor allem um die Offizierswitwen kümmerte.

Im Anschluss an die Unterzeichnung des Friedensvertrages in Paris im Jahre 1783 schied Steuben mit allen militärischen Ehren aus dem aktiven Dienst aus. Trotz seiner Verdienste musste er nach Beendigung des Krieges sieben Jahre warten, ehe der Kongress seine Ansprüche auf Entschädigung seiner Verluste und auf eine Pension erfüllte – nachdem ihn einige Einzelstaaten bereits mit Landschenkungen bedacht hatten.

Steuben lebte nach seiner Verabschiedung teils in New York City, teils auf seinen Herrensitzen Bellisarius Hall und Oneida in Oneida County. Er hatte eine Reihe öffentlicher Ämter inne, unter anderem das Ehrenamt eines Regenten der Universität des Staates New York und den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft in New York die 1784 gegründet wurde. Als am 26. März 1794 vom Kongress beschlossen wurde, den Hafen von New York zu befestigen, da in den Staaten große Erregung wegen eines neuen Krieges mit England bestand, wurde Steuben zum Vorsitzenden des Verteidigungskomitees ernannt. Er plante die Errichtung von Sperrforts am Hafeneingang und von schwimmenden Batterien zur Bestreichung des Ufergeländes. Steubens Plan kam wegen der inzwischen wieder eintretenden Beruhigung der Lage nicht zur Ausführung.

Am 28. November 1794 starb Steuben auf seiner Farm in Oneida County, New York, nahe dem später nach ihm benannten Steuben County, kinderlos an einem Schlaganfall. Als Erben setzte er seine zwei Adjutanten ein: William North und Benjamin Walker.[4]

Freimaurerei[Bearbeiten]

Steuben war ein sehr aktiver Freimaurer, er wurde um 1778 in die Trinity Lodge Nr. 12 in New York aufgenommen.[5]

Nachruhm[Bearbeiten]

General-von-Steuben-Denkmal in Magdeburg
Steuben-Denkmal in Potsdam

Noch heute findet im September ihm zu Ehren die Steubenparade auf der Fifth Avenue in New York City statt. Auch in anderen Städten, zum Beispiel Philadelphia, gibt es die events of German pride.

In den Vereinigten Staaten wurden eine Reihe von Ortschaften und Countys nach Steuben benannt:

  1. eine Stadt in Maine, siehe Steuben (Maine)
  2. eine Stadt im Bundesstaat New York, siehe Steuben (New York)
  3. eine Stadt in Wisconsin, siehe Steuben (Wisconsin)
  4. Steubenville im Bundesstaat Ohio
  5. das Steuben County in Indiana
  6. und Steuben County im Bundesstaat New York

Seit dem 7. Dezember 1910 steht eine Bronzestatue im Lafayette Park in Washington. Eine gleiche Statue schenkte man als Zeichen der Freundschaft dem deutschen Kaiser Wilhelm II. und seinem Volk; sie wurde am 2. November 1911 in der Schloßstraße in Potsdam vor dem Marstall eingeweiht. In der Nacht des 14. April 1945 wurde sie durch einen Bombenangriff zerstört. Am 28. November 1994 konnte man mit Hilfe zahlreicher deutscher und amerikanischer Spender, nach Restaurierungsarbeiten und anbringen einer Gedenktafel, einen Abguss einweihen, welcher bereits 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins in Dahlem als Zeugnis der deutsch-amerikanischen Freundschaft aufgestellt wurde. Ein weiteres Denkmal steht seit 1996 in Steubens Geburtsstadt Magdeburg.[6]

Alle zwei Jahre treffen sich die Nachkommen seiner Eltern zum Von-Steuben-Treffen an Orten, mit denen er zu tun hatte. In Cuxhaven wurde die Pier für Auswandererschiffe als Steubenhöft benannt. 1931 erhielt ein Schiff seinen Namen. Bis 1993 gab es in Gießen und in Achim eine Steuben-Kaserne. Viele Städte in Deutschland und in den Vereinigten Staaten benannten Straßen nach Friedrich Wilhelm von Steuben, Potsdam auch eine Schule.

Im Camp Valley Forge gibt es ebenfalls ein Denkmal ihm zu Ehren.

Bei der US Navy gab es bisher zwei Schiffe, die zu Ehren Friedrich Wilhelms von Steuben seinen Namen trugen:

Das erste war das nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im April 1917 beschlagnahmte deutsche Passagierschiff Kronprinz Wilhelm. Dieses wurde zum Truppentransporter umgebaut und als USS Von Steuben (ID-3017) von 1917 bis 1919 eingesetzt. 1918 entkam es im Atlantik einem Hinterhalt deutscher U-Boote. Das zweite Schiff hatte die US Navy in der Zeit von 1964 bis 1994 als Atom-U-Boot mit ballistischen Raketen unter dem Namen USS Von Steuben (SSBN-632) im Dienst.

Schriften[Bearbeiten]

  • Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten, 1793, Digitalisat (Ausgabe 1803)

Zitat[Bearbeiten]

Als ich mein Schwert zur Verteidigung dieser Staaten zog, tat ich es mit dem Entschluss, dass nur der Tod mich zwingen solle, es niederzulegen (Friedrich Wilhelm von Steuben am 4. Dezember 1782 an den Präsidenten des amerikanischen Kongresses Elias Boudinot) [7]

Literatur[Bearbeiten]

Monographien:

  • Friedrich Kapp: Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von Steuben, Berlin 1858, Digitalisat
  • Franz Fabian: Die Schlacht von Monmouth. Friedrich Wilhelm von Steuben in Amerika. 1. Auflage 1961; 5. Auflage. Militärverlag der DDR, Berlin 1988, ISBN 3-327-00583-4
    • Franz Fabian: Steuben. Ein Preuße in Amerika. Vision, Berlin 1996, ISBN 3-928787-14-4 (ergänzte und erweiterte Neuausgabe des Buches: Die Schlacht von Monmouth)
  • Armin M. Brandt: Friedrich Wilhelm von Steuben. Preußischer Offizier und amerikanischer Freiheitsheld, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2006, ISBN 3-89812-312-X
  • Jürgen Brüstle: Friedrich Wilhelm von Steuben. Eine Biographie. Tectum Verlag, Marburg 2006.
  • John McAuley Palmer: General von Steuben. 2. Auflage, Societäts-Druckerei, Frankfurt/Main 1984.
  • Paul Douglas Lockhart: The drillmaster of Valley Forge: The Baron de Steuben and the making of the American Army. HarperCollins, New York 2008. ISBN 0-06-145163-0 (englisch)

weitere:

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm von Steuben . Ein Podcastbeitrag des Radiosenders SWR2 aus der Reihe SWR2-Wissen: von Michael Reitz vom 12. April 2013 auf der Homepage von podcast.de (Abgerufen am 14. April 2013)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Wilhelm von Steuben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBob Arnebeck: Baron von Steuben. Abgerufen am 21. Dezember 2009.
  2. Baron von Steuben and HomosexualityVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  3. http://www.gse.harvard.edu/hepg/sum96.html
  4. Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann, Seiten 678f.
  5. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon, Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932, München 2003, 951 S., ISBN 3-7766-2161-3
  6. Helmut Caspar, 200 Berliner Köpfe, Von Friedrich dem Großen bis Heinz Rühmann, Michael Imhof Verlag, 2008, Seite 61-62
  7. zitiert nach Franz Fabian: Die Schlacht von Monmouth., 5. Aufl., S. 4