Fritz Ries

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Fritz Ries (* 4. Februar 1907 in Saarbrücken; † 20. Juli 1977 in Frankenthal) war Industrieller, Jurist und königlich marokkanischer Honorar-Konsul für die Länder Hessen und Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Ab 1949 war er verheiratet mit Dora Ries (geb. Apitzsch). Ries ist Vater von Ingrid Ries (Tochter aus erster Ehe mit Rita Ries, geb. Heinemann), nach deren Heirat 1979 mit Kurt Biedenkopf nun Ingrid Biedenkopf.

Leben

Fritz Karl Ries war Sohn des Inhabers einer Möbelhandlung. Nach dem Abitur begann er ein Jurastudium, erst an der Universität Köln, dann an der Universität Heidelberg, wo er 1930 promovierte.[1] Dort lernte er später Hanns Martin Schleyer in der Studentenverbindung Corps Suevia Heidelberg kennen.

Seit 1933 war Ries Mitglied der NSDAP; 1936 war er als „Vertrauensmann für besondere Angelegenheiten“ der Geheimen Staatspolizei vorgesehen, eine tatsächliche Tätigkeit ist aber nicht nachweisbar. 1942 erhielt Ries das Kriegsverdienstkreuz.

Ries war seit 1934 persönlich haftender Gesellschafter der Flügel & Polter KG, Leipzig. Durch Arisierungen und „Übernahmen“ erweiterte er diesen 120-Mann-Betrieb zu einem Konzern mit über 10.000 Beschäftigten und wurde dessen Hauptgesellschafter. Alleine bei den von ihm „übernommenen“ Betrieben der Oberschlesischen Gummiwerke in Trzebinia (Westgalizien) beschäftigte er, laut einer „Gefolgschaftsübersicht“ vom 30. Juni 1942, insgesamt 2.653 jüdische Zwangsarbeiter, davon 2.160 Frauen und Mädchen. Mit deren Ausbeutung stieg der Umsatz in Trzebinaia um das Zwölffache. Und im polnischen Łódź „übernahm“ Ries einen „arisierten“ Großbetrieb mit 15 Walzwerken. Auf der Flucht vor der Roten Armee setzte er sich, mit einem Großteil seines liquiden Kapitals, nach Westdeutschland ab. Nach der Kapitulation Deutschlands meldete er Ansprüche als Vertriebener an. Unter der Regierung von Adenauer beantragte er Entschädigung für seine, von der Roten Armee besetzten, Produktionsstätten – und sie wurde bewilligt. Mit dem Geld baute er anschließend die Pegulan-Werke in der Pfalz, sowie die Badischen Plastic-Werke (heute: Peguform) in Baden, auf.

Seit 1945 war Ries in Westdeutschland tätig. 1946 gründete er die PEGULAN-Werke AG (heute: Tarkett) und war deren Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzender. Er war Ehrenvorsitzender des Verbands der Deutschen Bodenbelags-, Kunststoff-Folien- und Beschichtungsindustrie, Aufsichtsratsvorsitzender der Badischen Plastic-Werke in Bötzingen und Mitglied des Beirats der Commerzbank AG. Sein Bundesbruder Hanns Martin Schleyer von der Studentenverbindung Corps Suevia Heidelberg war Stellvertretender Vorsitzer des Aufsichtsrats der PEGULAN-Werke AG.[2]

Ries förderte in den Nachkriegsjahrzehnten systematisch konservative Politiker, dazu gehörten neben Kurt Biedenkopf auch der zukünftige Bundeskanzler Helmut Kohl und der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß, dessen Ehefrau Marianne Strauß an den Pegulan-Werken beteiligt war. In Anerkennung seiner „unternehmerischen Leistung und seines Engagements für die Gesellschaft“ wurde Ries 1967 von Helmut Kohl mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, 1972 mit dem Stern dazu, ausgezeichnet.

Fritz Ries errichtete im österreichischen Städtchen Hartberg Anfang der 70er Jahre ein Teppichbodenwerk der Pegulan-Werke (ab 1977 Durmont). Der damalige steirische Landeshauptmann war bemüht, die zu den Zeiten wirtschaftlich schwache Steiermark zu stärken und warb um Ries, der in der Folge das Schloss Pichlarn in der Nähe erwarb. Er baute es zu einem Luxushotel mit Golfplatz um. Der SPIEGEL-Artikel "Korruption - Besuch im Schloß" im Oktober 1972 legte nahe, dass auf der Ries-Residenz die Machtübernahme der CDU geplant wurde, indem gezielt FDP- und SPD-Politiker zum Überlaufen gekauft wurden. Die Affäre mit schillernden Figuren wie Siegfried Zoglmann, befreundet mit CSU-Chef Franz-Josef Strauß, der seinerseits mit Ries befreundet war, wurde trotz der Bemühungen von Günther Metzger und Hans Bardens nie restlos aufgeklärt. Nicht zuletzt aufgrund der scheinbaren Zurückhaltung des damaligen CDU-Bundestagspräsidenten Kai-Uwe von Hassel.

Bernt Engelmann hat in zahlreichen Veröffentlichungen dazu beigetragen, erstmals 1974 mit dem Dokumentarroman Großes Bundesverdienstkreuz, die Öffentlichkeit über den Kreis um Ries, Strauß, Kohl und Schleyer aufzuklären. Es schildert Karrieren der Nachkriegszeit, und vor allem die Geschichte von Fritz Ries, der die PEGULAN-Werke in Frankenthal gründete – mit Kautschuk, den er per Verwundetentransport von Polen in den Westen schaffte. Keine der Aussagen des Romans musste nach einer Widerrufsklage von Ries, bezogen nur auf ein einziges Wort „durchweg“ im Zusammenhang mit der Arisierung jüdischer Firmen, widerrufen werden. Engelmann im Gegenzug erhob Klage gegen Ries, und zwar auf Feststellung der Richtigkeit all jener Punkte, auf die es ihm ankam. Von den am Ende zweiundvierzig strittigen Tatsachenbehauptungen sahen die Richter vierzig als voll erwiesen an. Lediglich bei zwei Behauptungen konnte der Wahrheitsbeweis nicht erbracht werden.[3] Dies betrifft zum einen die Schlussfolgerung, Fritz Ries habe tatsächlich die ihm zugedachte Tätigkeit als V-Mann der Gestapo ausgeführt. Und zum anderen die Behauptung, ein Reichsbahnbeamter sei von Ries bestochen worden, um die Heimtransporte der Kriegsbeute von Ries zu organisieren. Bereits zu Prozessbeginn gab der Vorsitzende Richter zu erkennen, dass Ries wohl den Vorwurf hinnehmen müsse, er sei der Unternehmer gewesen, der im NS-Reich jüdische Betriebe arisiert habe, dem gelungen sei, Vermögenswerte in den Westen zu bringen und dem es abermals gelungen sei, im Nachkriegsdeutschland zum erfolgreichen Unternehmer aufzusteigen. Beachtung fand auch die Aussage von Ries, dass er sein damaliges Verhalten moralisch nicht für verwerfbar halte.[4]

Vor der 10. Zivilkammer des Frankenthaler Landgerichts war nahezu zeitgleich in einem Rechtfertigungsverfahren zu prüfen, ob die Einstweilige Verfügungung von Ries gegen die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend zu Recht ergangen war. Ries habe über Helmut Kohl gesagt: "Auch wenn ich ihn nachts um drei anrufe, muss er springen." Und dieses Zitat enthüllte ein Plakat der SDAJ. Nach Aussage von Ries Schwiegersohn Herbert Krall, der samt seiner Ehefrau und Ries-Tochter Monika bereit war, gegen das Familienhaupt in den Zeugenstand zu treten, hatte Ries den CDU-Chef noch ganz anders bewertet: als "Hauspolitiker" der eigenen Firma, als "Proleten, den man freilich nötig hat".[5]

Der Tod von Fritz Ries gab Anlass für Spekulationen. Diese drehten sich im Wesentlichen um mögliche ursächliche Zusammenhänge mit der wirtschaftlichen Schieflage seiner Firmen und seinem forcierten Ausscheiden aus der Chefetage auf Drängen der größten kreditgebenenden Bank, der Dresdner Bank. Zum anderen starb nur drei Monate später sein Freund, Bundesbruder und Stellvertretender Vorsitzer des Aufsichtsrats Hanns-Martin Schleyer. Eine seriöse Grundlage für diese Spekulationen ist nicht recherchierbar.

Die "Dr. Fritz Ries Straße" in Bötzingen, einem Ries-Firmensitz, wurde umbenannt. Der seit der Zeit unverändert erscheinende Roman Großes Bundesverdienstkreuz, für dessen Leistung der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart Richard Schmid den Autor Bernt Engelmann selbst für das Bundesverdienstkreuz in Die Zeit vorschlug,[6] inspirierte Nico Hofmann zu seinem mehrfach ausgezeichneten Film Land der Väter, Land der Söhne (1988).[7]

Einzelbelege

  1. Fritz Ries: Der preußische Staatsrat.
  2. Heinz-Klaus Mertes: Der Bund fürs Leben. In: Manager-Magazin. 06/1975. S. 74–77.
  3. Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz. Steidl Verlag, Göttingen, 2002, ISBN 3-882-43314-0
  4. Rudolf Gerhardt: Der Engelmann-Prozeß. Streit um einen Tatsachenroman In: FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. 23.01.1975
  5. Hans-Joachim Noack: Die stummen Zeugen lagen in einer Kapelle bei Auschwitz. Der Einfluß des Unternehmers Fritz Ries und ein Prozeß um seine Vergangenheit. In: FRANKFURTER RUNDSCHAU. 21.05.1975
  6. Richard Schmid: Mittlerer Blitz In: DIE ZEIT. 20.09.1974
  7. Interview mit Nico Hofmann. In: Berliner Morgenpost. 7. November 2006

Weblinks

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