Kirchberg (Hunsrück)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kirchberg (Hunsrück)
Kirchberg (Hunsrück)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kirchberg (Hunsrück) hervorgehoben
49.9457.4072222222222420Koordinaten: 49° 57′ N, 7° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Hunsrück-Kreis
Verbandsgemeinde: Kirchberg (Hunsrück)
Höhe: 420 m ü. NHN
Fläche: 18,05 km²
Einwohner: 3794 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 210 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55481
Vorwahl: 06763
Kfz-Kennzeichen: SIM, GOA
Gemeindeschlüssel: 07 1 40 067
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 5
55481 Kirchberg (Hunsrück)
Webpräsenz: stadtkirchberg-hunsrueck.de
Stadtbürgermeister: Udo Kunz
Lage der Stadt Kirchberg (Hunsrück) im Rhein-Hunsrück-Kreis
Boppard Badenhard Beulich Bickenbach (Hunsrück) Birkheim Dörth Emmelshausen Gondershausen Halsenbach Hausbay Hungenroth Karbach (Hunsrück) Kratzenburg Leiningen (Hunsrück) Lingerhahn Maisborn Mermuth Morshausen Mühlpfad Ney (Hunsrück) Niedert Norath Pfalzfeld Schwall (Rhein-Hunsrück-Kreis) Thörlingen Utzenhain Alterkülz Bell (Hunsrück) Beltheim Braunshorn Buch (Hunsrück) Dommershausen Gödenroth Hasselbach (Hunsrück) Hollnich Kastellaun Korweiler Lahr Mastershausen Michelbach (Hunsrück) Mörsdorf Roth (Rhein-Hunsrück-Kreis) Spesenroth Uhler Zilshausen Bärenbach (Hunsrück) Belg Büchenbeuren Dickenschied Dill (Gemeinde) Dillendorf Gehlweiler Gemünden (Hunsrück) Hahn (Hunsrück) Hecken (Hunsrück) Heinzenbach Henau (Hunsrück) Hirschfeld (Hunsrück) Kappel (Hunsrück) Kirchberg (Hunsrück) Kludenbach Laufersweiler Lautzenhausen Lindenschied Maitzborn Metzenhausen Nieder Kostenz Niedersohren Niederweiler (Hunsrück) Ober Kostenz Raversbeuren Reckershausen Rödelhausen Rödern (Hunsrück) Rohrbach (Hunsrück) Schlierschied Schwarzen Sohren Sohrschied Todenroth Unzenberg Wahlenau Womrath Woppenroth Würrich Argenthal Benzweiler Dichtelbach Ellern (Hunsrück) Erbach (Hunsrück) Kisselbach Liebshausen Mörschbach Riesweiler Rheinböllen Schnorbach Steinbach (Hunsrück) Damscheid Laudert Niederburg Oberwesel Perscheid Sankt Goar Urbar (Rhein-Hunsrück-Kreis) Wiebelsheim Bubach Riegenroth Laubach (Hunsrück) Horn (Hunsrück) Klosterkumbd Budenbach Bergenhausen Rayerschied Wahlbach (Hunsrück) Altweidelbach Pleizenhausen Mutterschied Niederkumbd Simmern/Hunsrück Neuerkirch Wüschheim (Hunsrück) Reich (Hunsrück) Biebern Külz (Hunsrück) Kümbdchen Keidelheim Fronhofen Holzbach Nannhausen Tiefenbach (Hunsrück) Ohlweiler Sargenroth Schönborn (Hunsrück) Oppertshausen Belgweiler Ravengiersburg Mengerschied Hessen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Bad Kreuznach Landkreis Birkenfeld Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Lahn-Kreis Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-ZellKarte
Über dieses Bild

Kirchberg (Hunsrück) ist eine Stadt im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. In Kirchberg ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört.

Geographie[Bearbeiten]

Kirchberg, die „Stadt auf dem Berg“, in moselfränkischer Mundart Kerbrich genannt, erhielt 1259 Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt auf dem Hunsrück. Sie liegt am Schnittpunkt der alten Straßenverbindung Trier–Kirchberg–Bingen–Mainz, der Römerstraße Ausoniusstraße (heute B 50) mit dem Keltenweg Nahe–Mosel (heute B 421, Landesstraße 184); seit 1990 wird die Innenstadt durch die Umgehungsstraße der B 50 entlastet. Die stillgelegte Eisenbahnstrecke der Hunsrückquerbahn Langenlonsheim–Stromberg–Rheinböllen–Simmern–Kirchberg–Hermeskeil soll in absehbarer Zeit zumindest teilweise reaktiviert werden. Die Entfernung zur Kreisstadt Simmern/Hunsrück beträgt 10 km in östlicher Richtung und zum Flughafen Frankfurt-Hahn mit internationalen Verbindungen 12 km in westlicher Richtung.

Blick von Norden auf Kirchberg mit den drei Türmen: Wasserturm, Michaelskirche und Friedenskirche

Bereits von weitem kann man die Türme der beiden Kirchen und den charakteristischen Wasserturm der auf einer Anhöhe gelegenen Stadt Kirchberg sehen. Vom Turm der Michaelskirche sind sichtbar: Im Südosten der Soonwald mit der Burgruine Koppenstein, im Süden der Lützelsoon, im Südwesten Idarkopf und Erbeskopf (816 m), im Nordosten das Gebiet um Kastellaun, im Osten die Kreisstadt Simmern. Westlich von Kirchberg liegt das Kyrbachtal, östlich das Kauerbachtal. Nördlich von Kirchberg verläuft die Hunsrückhöhenstraße von Saarburg nach Koblenz (B 327).

Luftbilder von Kirchberg zeigen deutlich die schrittweise Entwicklung der Stadt: Der nordöstlich in einer Mulde gelegene heutige Stadtteil Denzen (hergeleitet aus dem keltischen Dumno) hat seinen Ursprung in einer vorrömischen Siedlung an der alten Wegekreuzung; der östliche Teil der Stadt war eine Militärstation an der Römerstraße von Trier über den Hunsrück nach Bingen und Mainz, heute Ausoniusstraße oder Ausoniusweg genannt nach dem römischen Beamten Ausonius. der diese Route in seinem Gedicht Mosella zuerst beschrieb. Das mittelalterliche Stadtzentrum war von einer turmbewehrten Mauer mit Tortürmen umgeben, deren Verlauf heute noch aus der Vogelschau sichtbar ist. Um das Oval dieser ehemaligen Stadtmauer herum entstanden in der Folgezeit Wohnsiedlungen, Schulen und Sportanlagen, gärtnerische Nutzflächen und Industriegelände. Die Altstadt wird noch heute durchschnitten von der Trasse der alten Römerstraße, für deren Verlauf die möglichst schnurgerade Ausrichtung typisch war.

Die Stadtfläche beträgt 18 Quadratkilometer, wovon 50 % landwirtschaftliche Nutzfläche, 30 % Wald, 18 % bebaute Fläche und 2 % andere Flächen bilden.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Nieder Kostenz und Ober Kostenz Metzenhausen und Kappel Reckershausen und Heinzenbach
Dillendorf Nachbargemeinden Unzenberg
Hecken Dickenschied Rödern und Maitzborn

Geschichte und historische Ortsbeschreibung[Bearbeiten]

Rathaus und Marktplatz
Schwanen-Apotheke und Jägerhof
Schwanenapotheke 2011
Renovierter Wasserturm

Bodenfunde lassen darauf schließen, dass hier bereits seit etwa 400 v. Chr. der Keltenstamm der Treverer gesiedelt hatte. Im 1. Jahrhundert v. Chr. bauten die Römer die Militärstraße von Trier über Neumagen, „Stumpfer Turm“ bei Wederath (dem römischen Belginum an der Grenze zwischen den römischen Provinzen Belgica und Germania inferior), Kirchberg, Bingen nach Mainz; im Ostteil der heutigen Stadt Kirchberg errichteten sie eine Siedlung, die Dumno oder Vicus Dumnissus genannt wurde. Diese Ortsbezeichnung findet sich bereits in einer spätantiken Straßenkarte des 4. Jahrhunderts, von der heute noch eine getreue Kopie des 12. Jahrhunderts existiert, die nach ihrem Entdecker benannte Tabula Peutingeriana. Im Jahr 368 erwähnte auch der römische Dichter und Pädagoge Decimius Magnus Ausonius den Ort Dumnissus (= Dumno = Kirchberg) in seinem Gedicht Mosella, das eine dichterische Beschreibung seiner Reise von Bingen über den Hunsrück nach Neumagen und Trier enthält. Damit ist Kirchberg die älteste bekannte Siedlung des Höhengebietes zwischen Mosel, Rhein, Nahe und Saar.

Im 5. Jahrhundert wurde das römische Fiskalland zum Krongut der fränkischen Könige. Aus dem römischen Vicus entstand eine neue Siedlung, die spätestens im 7. Jahrhundert eine erste Kirche (Holzbau), wahrscheinlich am Ort der heutigen Michaelskirche erhielt. Die neue Siedlung wurde „Chiriperg“ genannt (Wahrscheinlich nach dem Kyrbach), woraus später „Kirchberg“ entstand. Im Jahr 995 schenkte König Otto III. das damalige Königsgut Denzen (praedium Domnissa) dem Trechirgaugrafen Bezelin, dem Vorfahren des Gaugrafengeschlechts der Bertholde, das dann 1074 die östliche Hälfte (mit Denzen) dem von ihnen gestifteten Augustiner-Chorherren-stift Ravengiersburg übertrug. Die westliche Hälfte (mit Kirchberg) fiel 1248 an die Grafen von Sponheim. Seitdem war die geschichtliche Entwicklung von Kirchberg eng mit den Sponheimern und deren Erben verbunden. 1259 erhielt Kirchberg das Stadtrecht (Eine erste Urkunde mit geringeren Rechten war 1249 ausgestellt – siehe 700-Jahrfeier 1949).

Bei der Teilung der Grafschaft Sponheim im 13. Jahrhundert kam das Amt Kirchberg zur Vorderen Grafschaft Sponheim und beim Aussterben der Sponheimer im Jahr 1437 zur Gemeinherrschaft von Kurfürst von der Pfalz, Markgraf von Baden und Graf von Veldenz (später Pfalz-Simmern) mit dem Sitz der Verwaltung in Kirchberg. 1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten französische Truppen Stadt und Befestigungsanlagen. Die Gemeinherrschaft wurde durch die Realteilung von 1708 beendet, wobei das Amt Kirchberg mit dem Unteramt Koppenstein an Baden fiel; Kirchberg wurde Sitz des gleichnamigen Badischen Oberamts. Letzter badischer Oberamtmann war bis 1794 der Vater von Karl Freiherr von Drais, dem Erfinder des ersten Zweirads oder Laufmaschine namens Draisine. Von 1798 bis 1814 bildete Kirchberg den Verwaltungssitz eines französischen Kantons im Arrondissement Simmern des Département de Rhin-et-Moselle; 1816 wurde die Stadt Sitz der preußischen Landbürgermeisterei mit 18 umliegenden Gemeinden.

Am 10. Februar 1928 wurde das östlich angrenzende Dorf Denzen, das ehemalige Dumnissus, gegen den Widerstand der Denzer Bevölkerung in die Stadt Kirchberg eingemeindet. Seit 1946 ist der Ort Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Das Stadtbild wird geprägt von drei Türmen: dem Turm der historischen Michaelskirche im Zentrum, dem im Osten gelegenen Turm der evangelischen Friedenskirche sowie dem 36 Meter hohen Wasserturm, der zwischen 1899 und 1900 errichtet wurde. Sie zeigen symbolisch mittelalterliche Geschichte, Industrialisierung und moderne Stadt.

Religionen[Bearbeiten]

Kirchliche Verhältnisse[Bearbeiten]

Bereits unter den Karolingern entstand auf dem Gebiet des Denzer Königsguts die Großpfarrei Kirchberg mit einer zentralen Taufkirche in Kirchberg sowie mit Kapellen in Gemünden, Dickenschied, Womrath, Denzen, Kappel, Metzenhausen, Ober Kostenz, Würrich und Altlay. Bis zum 16. Jahrhundert war Kirchberg eines der bedeutenden Zentren auf dem Hunsrück. Der Pastoreibezirk Kirchberg bestand aus insgesamt 51 Ortschaften.

Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz ließ das Amt Kirchberg 1556 visitieren und das lutherische Bekenntnis einführen. Im Mai 1599 erfolgte ein erneuter Konfessionswechsel: Unter Kurfürst Friedrich IV. (Pfalz) kam das reformierte Bekenntnis zur Geltung.

Auch in der Folgezeit wurden die konfessionellen Verhältnisse durch den Landesherrn oder die militärischen Machthaber bestimmt: Ab 1620 unter spanischer Besatzung nach der Eroberung im Dreißigjährigen Krieg durch Generalleutnant Ambrosio Spinola wieder katholisch, 1631–1635 unter schwedischem Einfluss lutherisch, 1635–1648 katholisch und ab 1648 nach dem Westfälischen Frieden reformiert. Durch Vertrag von 1652 erhielten die Katholiken das Recht, im Haus des badischen Truchsess Gottesdienst zu feiern.

Michaelskirche[Bearbeiten]

Michaeliskirche

1688 wurde die Benutzung der Michaelskirche als Simultankirche eingeführt mit der Maßgabe, dass Katholiken und Evangelische die ihnen in hälftiger Eigentumsgemeinschaft gehörende Michaelskirche zu bestimmten Zeiten jeweils allein benutzen durften; die Katholiken waren außerdem berechtigt, den Chorraum mit dem Hochaltar, den beiden Seitenaltären und den Beichtstühlen allein zu nutzen. Dieses Simultaneum wurde durch notariellen Vertrag vom 15. Juni 1965 im gegenseitigen Einvernehmen aufgehoben und durch eine Neuregelung ersetzt: Die evangelische Kirchengemeinde verkaufte ihre hälftige Beteiligung an die katholische Kirchengemeinde, womit der Verkäuferin der Neubau der Friedenskirche mit Gemeindezentrum ermöglicht wurde. Außerdem war geregelt, dass die evangelische Kirchengemeinde bis zur Bezugsfertigkeit ihrer neuen Kirche wie bisher die Michaelskirche nutzen konnte und dass im Gegenzug anschließend die katholische Kirchengemeinde solange in der Friedenskirche zu Gast sein durfte, bis die grundlegende Restaurierung der Michaelskirche mit Turm und die vorausgehenden archäologischen Grabungen im Kirchenbereich durch das Amt für Vor- und Frühgeschichte, Koblenz, abgeschlossen waren. Die Arbeiten wurden schließlich am 6. Juli 1969 abgeschlossen.

Die Grabungen unter der Michaelskirche ergaben, dass die Kirchenbauten von St. Michael und seinen Vorgängerkirchen die historisch bedeutendsten und wohl auch ältesten Kirchenbauten auf dem Hunsrück sind und dass die heutige spätgotische Hallenkirche drei steinerne Vorgängerbauten hatte. Deren Fundamente konnten teilweise freigelegt und zur Besichtigung unter dem Chor der Kirche hergerichtet werden.

Bau I aus der Zeit nach 700 war ein kleiner, rechteckiger Saalbau mit eingezogenem quadratischem Chor; in diesem Bau wurde u. a. das Fragment einer frühchristlichen Grabplatte mit Inschrift gefunden, die als ältestes Zeugnis dafür gehalten wird, dass bereits in römischer Zeit Christen auf dem Hunsrück lebten.

Bei dem um 850 errichten Bau II handelte es sich um einen etwa doppelt so großen Saalbau, diesmal ausgestattet mit einer Taufanlage und einer Empore im Eingangsbereich.

Bau III war eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika mit halbkreisförmiger Apsis aus der Zeit vor 1050, wiederum mit Taufanlage und Westempore. Der heutige Kirchturm wurde auf dem Untergeschoss von Bau III um 1200 errichtet und später mehrmals erhöht und ergänzt.

Mit erneut verdoppeltem Raumvolumen wurde von 1460 bis 1485 die heutige spätgotische Hallenkirche über den Fundamenten der bisherigen Bauten I bis III errichtet mit Hauptportal und Vorhalle auf der Südseite. Im Kircheninnern sind vor allem beachtenswert: Die im Langhaus an Pfeilern und Rippen verteilten zahlreichen Steinmetzzeichen, die Sandsteinkanzel (um 1490), Grabdenkmäler des 15. bis 18. Jahrhunderts mit dem berühmten Grabmal der Catharina von Hoising im Chor (Meister Johann von Trarbach, nach 1577) und mehreren Grabsteinen des Adelsgeschlechtes von Koppenstein, Taufstein mit Allianzwappen der Stifterfamilien (1. Hälfte des 18. Jahrhunderts), Hochaltar und Seitenaltäre sowie der Orgelsprospekt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Ausmalung der Kirche wurde 1969 nach vorgefundenen Resten und ergänzend nach historischen Vorbildern gestaltet.

Der Kirchplatz um die Michaelskirche, der bis 1792 noch als Friedhof gedient hat, ist heute allseits durch Häuserzeilen begrenzt. Auf der Westseite steht das Barockgebäude des früheren Piaristenklosters aus dem Jahr 1765, das heute als Pfarrhaus und Gemeindezentrum dient. Das (restaurierte) Wappen über dem Portal zeigt den Wappenschild des Markgrafen August Georg von Baden mit seinen Einzelwappen: Vordere Grafschaft Sponheim, Grafschaft Eberstein, Breisgau, Badenweiler, Markgrafschaft Baden, Herrschaft Üsenberg, Rötteln, Lahr und Mahlberg, Hintere Grafschaft Sponheim.

Friedenskirche[Bearbeiten]

Die evangelische Friedenskirche mit Gemeindezentrum wurde im Wesentlichen nach den Plänen des Architekten Heinrich Otto Vogel, Trier, gebaut. Der Grundstein wurde dem Portalgewände der Michaelskirche entnommen; der Taufstein, bestehend aus einem in römischer Zeit behauenen, bei den Grabungen unter der Michaelskirche gefundenen Stein, ist ein Geschenk der katholischen Kirchengemeinde. Als Gegengabe schenkte die evangelische Kirchengemeinde der katholischen Kirchengemeinde eine Bronzeschale für den Taufstein im Chor der Michaelskirche.

Der Gartenpavillon und der Ziehbrunnen vor der Friedenskirche bildeten um 1780 das Zentrum eines ummauerten Gartens, der von dem damaligen Badischen Oberamtmann angelegt worden sein soll.

Nikolaus-Kapelle[Bearbeiten]

Die heutige Nikolaus-Kapelle in Kirchberg-Denzen mit romanischem Chorturm sieht auf eine lange Tradition zurück: Ein Vorgängerbau hatte bis 955 Johannes den Täufer als Kirchenpatron; in ottonischer Zeit erfolgte die Umwidmung auf Nikolaus von Myra, einer damals im Rheinland aufgekommenen Verehrung dieses Heiligen folgend.

Synagoge[Bearbeiten]

Die vor allem im 18. bis 20. Jahrhundert in Kirchberg ansässigen Juden waren in einer jüdischen Kultusgemeinde zusammengeschlossen; sie besaßen eine kleine Synagoge in der Glöcknergasse, eine Religionsschule und einen eigenen Friedhof an der Metzenhausener Straße, der noch erhalten ist.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[2]

Wahl SPD CDU FDP WGR Gesamt
2014 4 8 3 5 20 Sitze
2009 4 8 4 4 20 Sitze
2004 4 9 2 5 20 Sitze
1999 5 10 2 3 20 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein von Gold (Gelb) und Blau zweireihig geschachter Sparren, darunter eine goldene (gelbe) Helmkrone.“

Das Wappen ist abgeleitet von einem Siegel aus dem 14. Jahrhundert. Der geschachte Sparren ist eine Wappenvariante des Wappens der Grafen von Sponheim, Vordere Grafschaft, welche Kirchberg 1259 Stadtrechte verliehen. Die Bedeutung der Krone ist unklar; möglicherweise verweist sie auf die Reichstreue der Sponheimer. Die Krone kommt u. a. in den Wappen von Kastellaun und Sohren vor.[3]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kirchberg (Hunsrück) unterhält eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Villeneuve-l’Archevêque in Burgund.

Bildung, Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heimathaus in der Eifelgasse

Es gibt in der Stadt Kirchberg eine Grund- und eine Kooperative Gesamtschule. Das Kirchberger Heimatmuseum in der Eifelgasse vermittelt einen Eindruck vom Leben in den vergangenen Jahrhunderten. Zu den sehenswerten Gebäuden gehören:

  • Kirche St. Michael (13. und 15. Jahrhundert) und Kirchplatz mit dem Katholischen Pfarrhaus (1765),
  • Rathaus (1746) und Marktplatz,
  • Fachwerkhaus Marktplatz 6 mit fünfseitigem Erker (1698),
  • Schwanen-Apotheke Marktplatz 4, typisches Fachwerkhaus des 17. Jahrhunderts (das Apothekenprivileg wurde erstmals 1752 durch den Markgrafen von Baden erteilt; damit ist die Kirchberger Apotheke die älteste auf dem Hunsrück),
  • Eckhaus mit Fachwerk Marktplatz 11 (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) neben dem Zugang zum Kirchplatz,
  • Hauptstraße 17 und 19 auf der Südseite des Marktplatzes, Mitte des 18. Jahrhunderts als „Badische Försterei“ und „Badische Gendarmerie“ des Badischen Oberamts Kirchberg erbaut (heute teilweise durch Umbauten ersetzt),
  • Heimatmuseum in der Eifelgasse, Fachwerkhaus von 1732
  • ehemaliger Adelshof der Familie von Eich, Hauptstraße 75, mit Treppenturm und Wendeltreppe von 1578,
  • Wasserturm von 1899, der bis vor einigen Jahren in die kommunale Wasserversorgung integriert war,
  • Historischer Römerbrunnen im Ortsteil Denzen,
  • Jugendzentrum „Am Zug“, ein überkonfessioneller Treffpunkt für Jugendliche mit ganztägiger Betreuung in Trägerschaft des international humanitär tätigen Vereins we-SHARE.
  • Evangelische Friedenskirche (1965–1967), erbaut nach Plänen von Heinrich-Otto Vogel (Trier), an der Simmerner Straße. Orgel der Gebr. Oberlinger (Windesheim) mit 23 Registern.

Alte Stadtansichten[Bearbeiten]

In den beiden bedeutenden Sammelwerken von Städtebildern des 17. Jahrhunderts von Daniel Meisner und Eberhard Kieser mit dem Titel Thesaurus philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein sowie von Matthäus Merian Topographia Germaniae finden sich jeweils auch Kupferstiche von Kirchberg. Die erstgenannte Abbildung „Kirchberg/Hunnor“ aus dem Jahr 1623 hat der Kupferstecher Sebastian Furck angefertigt, worauf die Signatur SF fecit hinweist. Sebastian Furck hat auch den Kupferstich von Kastellaun gefertigt, der folgende Besonderheit aufweist: Im Vordergrund rechts ist der Zeichner und Kupferstecher Sebastian Furck (1598 in Alterkülz bei Kastellaun geboren) selbst abgebildet, wie er vor der Silhouette von Kastellaun sitzend seinen Verleger Eberhard Kieser (1583 in Kastellaun geboren) vor dessen Heimatstadt stehend im Bild festhält.

Die zweite Stadtansicht von Matthäus Merian stammt von 1645; in der Beschreibung dazu heißt es über Kirchberg wörtlich: „Ist nicht groß, aber vor diesem Krieg (gemeint ist der Dreißigjährige Krieg) fein erbaut gewesen“.

Ein Ölgemälde von Kirchberg (vor 1610) ist nur in alten Fotografien erhalten. Für die Stadtgeschichte aufschlussreich sind auch drei Stadtgrundrisse aus den Jahren 1635, 1655 und 1688.

Freizeit/Sport[Bearbeiten]

Kirchberg hat ein Hallen- sowie ein Freibad, mehrere Tennisplätze, eine Tennishalle, das offene Jugendzentrum „Am Zug“ sowie eine Indoorkletterhalle. Der Freiherr von Drais Radweg führt 14 km rund um die Stadt. Der Lützelsoon-Radweg nach Kirn beginnt in Kirchberg. Zahlreiche Wanderwege gehen ins Umland, darunter auch als Fernwege der Keltenweg und der Ausoniusweg. Weiterhin gibt es einen Sportverein, den TuS Kirchberg 1909, sowie einen Handballverein, den HSV Kirchberg 1974.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Karl Drais, Urvater der Mobilität

Personen, die in Kirchberg gelebt haben, aber hier nicht geboren sind:

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Göhl: Aus Kirchbergs Vergangenheit; Kirchberg 1949
  • Stadt Kirchberg (Hg.): Festschrift 700 Jahre Stadt Kirchberg, Druckerei Walter, Kirchberg 1949
  • Albert Rosenkranz: Kirchberg, eine kleine Geschichte der evgl. Gemeinde dieser vordersponheimischen Oberamtsstadt; Simmern 1959
  • Hans Eiden, Norbert Müller-Dietrich, Ferdinand Pauly u. a.: St. Michael in Kirchberg. Geschichte – Grabung – Gestalt; Kirchberg 1969
  • Karl Faller: Kirchberg, älteste Stadt des Hunsrücks; Simmern 1974
  • Magnus Backes, Hans Caspary, Norbert Müller-Dietrich: Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises, Teil 1: Ehemaliger Kreis Simmern; München 1977 (mit ausführlichen Literaturnachweisen)
  • J. Kalb: Der Marktplatz in Kirchberg – Stadtbaukunst auf dem Hunsrück; in: Rheinische Heimatpflege N.F. 18 (1981), S. 179 ff.
  • Hans Georg Wehrens: St. Michael in Kirchberg/Hunsrück; München 1983
  • Wolfgang Seibrich: Zur Geschichte der Pfarrei St. Michael in Kirchberg; Vortragsmanuskript vom 27. September 1985 (Katholisches Pfarrarchiv)
  • Hans Georg Wehrens: Das badische Wappen am Portal des ehemaligen Piaristenklosters in Kirchberg; in: Hunsrücker Heimatblätter 1988, S. 169 ff.
  • Willi Wagner, Alfred Bauer, Peter Casper, Hans Dunger: 1000 Jahre Denzen 995–1995; Kirchberg 1995
  • Hans Georg Wehrens, Willi Wagner: Kirchberg im Hunsrück; Rheinische Kunststätten Heft 46; Köln 19972
  • Jochen Streiter: Johannes Rulitius – ein Kirchberger Theologe in den Wirren des 17. Jahrhunderts; in: Hunsrücker Heimatblätter 145 (2011), S. 265–275; 147 (2011), S. 396–412; 149 (2012), S. 516–532.
  • Alfred Bauer, Hans Dunger: Das römische Kirchberg; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 1; Kirchberg 1999
  • Hans Dunger, Willi Wagner: 875 Jahre Ersterwähnung von Kirchberg; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 5; Kirchberg 2002
  • Hans-Erhard Lessing: Automobilität – Karl Drais und die unglaublichen Anfänge; Leipzig 2003
  • Stadt Kirchberg (Hg.): Heimathaus Kirchberg, Geschichte zum Anfassen, Zusammengestellt von Hans-Werner Johann, Kirchberg o.J.
  • Hans Dunger: Kirchberg um die Jahrtausendwende – Erinnerungen eines Hunsrücker Stadtbürgermeisters; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 8; Kirchberg 2006
  • Manfred Stoffel: Zueinander Unterwegs! Bau der Friedenskirche Kirchberg. Ende des Simultaneums. 1965 – 1969; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 10, Kirchberg 2008
  • Hans Dunger: Die Kirchberger Bürgermeister seit 1800; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 11; Kirchberg 2009
  • Stadt Kirchberg (Hg.): 750 Jahre Stadtrecht Kirchberg; Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg Band 12 (Redaktion: Manfred Stoffel, Ingo Escher, Winfried Wagner); Kirchberg 2009
  • Hans-Erhard Lessing: Karl Drais – Zwei Räder statt vier Hufe; Karlsruhe 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirchberg (Hunsrück) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  3. Stadler, Klemens; Deutsche Wappen; Band 2, Bremen 1966; S. 38