Ghost Dog – Der Weg des Samurai

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Filmdaten
Deutscher Titel Ghost Dog – Der Weg des Samurai
Originaltitel Ghost Dog: The Way of the Samurai
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch,
Französisch
Erscheinungsjahr 1999
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Jim Jarmusch
Drehbuch Jim Jarmusch
Produktion Richard Guay,
Jim Jarmusch
Musik RZA, Wu-Tang Clan
Kamera Robby Müller
Schnitt Jay Rabinowitz
Besetzung
Synchronisation

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (Originaltitel: Ghost Dog: The Way of the Samurai) ist ein in Kooperation amerikanischer, deutscher und französischer Produktionsfirmen entstandener Film von Jim Jarmusch aus dem Jahr 1999. Forest Whitaker spielt den mysteriösen Ghost Dog, einen afroamerikanischen Auftragsmörder im Dienst der Mafia, der den alten Kodex der Samurai befolgt. In Deutschland lief der Film am 6. Januar 2000 in den Kinos an.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film erzählt die Geschichte des Auftragskillers Ghost Dog, der für das Mafiamitglied Louie Mordaufträge erfüllt. Der introvierte Taubenfreund Ghost Dog lebt in einem bescheidenen Zimmer auf dem Dach eines Hochhauses. Sein bester Freund ist Raymond, ein Eisverkäufer, mit dem er sich sprachlich nicht verständigen kann, weil dieser nur französisch spricht. Ghost Dog und Louie halten mit Hilfe von Brieftauben nur sporadisch Kontakt. Ghost Dog folgt dem „Weg des Samurai“, dessen Grundsätze er aus einem Buch mit dem Titel Hagakure bezieht.

Louie gibt Ghost Dog den Auftrag, ein Mitglied des eigenen Clans, Handsome Frank, umzubringen, weil dieser sich mit Louise, der Tochter des Chefs Ray Vargo, eingelassen hat. Ghost Dog führt den Auftrag gewissenhaft aus, Louise ist aber wider Erwarten bei Handsome Frank und wird Zeugin des Mordes. Obwohl Ghost Dog Louise nicht umbringt, wird Louie von Vargo und dessen rechter Hand, Sonny Valerio, herbeizitiert. Sie eröffnen ihm, dass der Killer von Handsome Frank sterben müsse. Nachdem sie Louie über Ghost Dog ausgefragt haben, beauftragen sie die Mitglieder des Clans, Ghost Dog um der Wiederherstellung ihrer Ehre willen nachzustellen.

Ghost Dog sieht Louie als seinen Herrn an und gehorcht ihm rückhaltlos. Bei einem Treffen rettet Ghost Dog Louie das Leben, schießt ihn aber auch an, damit Louie sein Gesicht und folglich seine Ehre gegenüber den anderen Mafiamitgliedern nicht verliert. In Rückblenden erklärt sich die Ergebenheit des Großstadtsamurai gegenüber seinem Herrn: Louie hat Ghost Dog vor Jahren bei einer zufälligen Begegnung das Leben gerettet. Die Szene der Rettung wird aber von beiden unterschiedlich erinnert. Ghost denkt, Louie hätte ihn vor der Exekution durch Straßenräuber gerettet, während sich Louie an eine Situation erinnert, wo er zuerst sein eigenes Leben gerettet hatte.

Nachdem die Mafiamitglieder die Behausung von Ghost Dog verwüstet und sämtliche Tauben getötet haben, beschließt Ghost Dog sich zu rächen. Dies kündigt er dem Clan durch eine Nachricht an, die eine Brieftaube überbringt. Er folgt dem Clanchef zu dessen Landsitz vor der Stadt und erwartet dort die Ankunft von Ray Vargo und seiner Tochter. Zunächst sieht es so aus, als wolle er nur Ray Vargo aus dem Hinterhalt erschießen. Als sich aber im entscheidenden Moment ein Vogel vor das Zielfernrohr seines Gewehrs setzt und dies verhindert, geht er zum Frontalangriff über und greift die Bande direkt auf ihrem Landsitz an. Er macht mit allen, die sich ihm in den Weg stellen, kurzen Prozess. Louie, einen Mafiakiller und Valerios Tochter lässt er am Leben. Auf der Rückfahrt trifft er auf zwei Wilderer, die gerade einen Bären erschossen haben. Er weist sie daraufhin, dass alte Kulturen den Bären als gleichrangig neben dem Menschen angesehen haben, als einer der Wilderer Ghost Dog mit seiner Waffe bedroht, erschießt er die beiden. Louie, der schwerverletzte Mafiakiller und Valerios Tochter fahren in die Stadt, um den Verletzten ärztlich versorgen zu lassen. Bei einer Kontrolle erschießen sie eine Polizistin, der der Wagen mit dem angeschossenen Beifahrer auffällt. Der Schwerverletzte stirbt kurz vor Erreichen der Stadt. Sonny Valerio und dessen Kumpanen erschießt Ghost Dog dann etwas später in dessen Haus in der Stadt.

In Vorahnung seines Endes gibt Ghost Dog seinem Freund Raymond einen Aktenkoffer, in dem sich sein Handwerkszeug und sein Geld befinden, als er erfährt, dass Louie nach ihm gefragt hat. Pearline, einem Mädchen, mit dem er ebenfalls befreundet ist, übergibt er sein Hagakure. Dann erscheint Louie wieder und es kommt zum Showdown zwischen den beiden. Ghost Dog tut so, als wolle er sich verteidigen, und Louie erschießt ihn mit drei Schüssen. Er stirbt bereitwillig für seinen Herrn. Als Louie wegfährt, zeigt sich, dass nicht er, sondern Louise mittlerweile den Clan anführt und Chefin geworden ist.

In der letzten Szene wird Pearline gezeigt, wie sie das Buch, das Ghost Dog ihr gab, liest und nachdenklich aus dem Fenster schaut. Das letzte, was man hört, ist ein Zitat aus besagtem Buch, vorgelesen von Pearline, in dem das Ende aller Dinge hochgepriesen wird. Damit endet auch der Film und Ghost Dogs Geschichte.

Kritik[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb, der Film sei ein „stellenweise atmosphärischer und nachdenklicher Genrefilm mit einem charismatischen Hauptdarsteller“. Die Handlung gleite „allzu oft […] ins Groteske ab“, was „die guten gesellschaftskritischen Ansätze“ verspiele.[1]

Wie auch in Jarmuschs Filmen Dead Man und Down by Law dreht sich die Handlung des Films um Außenseiter der Gesellschaft, welche in einer Art Parallelwelt leben. Jarmusch geht dabei im Besonderen auf die Konsequenzen einer bedingungslosen Hingabe des eigenen Ichs an ein ideologisches oder religiöses Ideal ein. Die Handlung wurde dabei jedoch sehr unterschiedlich rezipiert. Während einige Kritiker in dem Film eine respektvolle Hommage an die Kultur der Samurai erkannten, deuteten andere Rezensenten den Film als scharfe Kritik ebendieser Aufgabe des eigenen Selbst.

Dietrich Kuhlbrodt bemängelte die in seinen Augen „einfältige Ethikbotschaft“ des Films. Jarmusch habe „diverse Kulturen gemixt und daraus eine Simple-Mind-Story gemacht“. Gleichwohl lobte er den lakonischen Stil des Regisseurs sowie die Arbeit des Kameramanns Robby Müller.[2] Jörg Lau beschrieb den Film als Zeitlupenthriller, bei dem der Weg das Ziel sei. Der Film gleite ebenso wie seine Hauptfigur dahin, daraus sei eine „bruchfreie Bild-und-Ton-Sinfonie“ entstanden.[3] Andere würdigten Ghost Dog als ungewöhnliche Mischung aus Poesie und Trash von der Art Pulp Fictions.[4] Jarmusch formt daraus eine Reminiszenz an Melville und eine Persiflage auf Gangster-Streifen aus Hollywood-Produktion und auch Kampf- und Haudrauf-Trash à Bruce Lee und Jackie Chan. Davon zeugen etwa die Slow-Motion-Kampf-Szenen.

  • „Alles scheint schräg in Jarmuschs Geschichte […] Diese Welt des Ghost Dog scheint wie ein Traum. […] in sich abgeschlossen, aber auch in sich logisch strukturiert“ (Ulrich Behrens[5])
  • „dieses unbevölkerte Universum muss direkt benachbart sein, da niemand die Scherze bemerkt. […] köstlich […] die wahre Action ist in den Pausen, wenn Whitaker auf dem Schirm gerade nichts tut, das aber expressiv“ (Kim Newman: Empire[6])
  • „Jarmuschs Filme lassen sich als Fortsetzungen sehen, die alle dasselbe Thema haben: die Lebensreise. […] nichts scheint selbstverständlicher als [..Ghost Dogs] schwingender Gang durch New York auf dem Weg zum nächsten Auftrag und die vorangehende Lektüre im Hagakure […Jarmuschs] Killer sind im Grunde sanftmütige Menschen. “ (Frame 25[7])
  • „Untote die nicht sterben können, weil sie ihre Reise zum Totenfluss erst noch vollenden müssen. […] Kein Amerikaner traf Mitte der 80er besser den hiesigen, zwischen Antiamerikanismus und postmoderner Innerlichkeit[8] schillernden Zeitgeist […] Trotz aller Manierismen, trotz einer künstlichen Naivität, die immer penetrant und meistens unglaubwürdig wirkt, trotz seinem öden Kulturpessimismus ist Jarmusch inzwischen gelassener geworden und hat wesentlich mehr zu erzählen.“ (Rüdiger Suchsland: Artechock[9])

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film nahm an den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1999 als Wettbewerbsbeitrag teil, wodurch Jim Jarmusch für die Goldene Palme nominiert wurde. Robby Müller wurde 1999 für einen Preis des Festivals Camerimage nominiert. Ghost Dog wurde im Jahr 2000 in der Kategorie Bester ausländischer Film für den César nominiert. Der Film wurde zudem 2001 für den Independent Spirit Award und für den Saturn Award nominiert.

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Der Indianer vom Stamme der Cayuga, im Abspann „Nobody“ genannt, wird dargestellt von Gary Farmer, der schon „Nobody“ in Dead Man verkörperte.
  • Der junge, von weißen Verbrechern bedrängte Ghost Dog wird von Damon Whitaker gespielt, dem jüngsten Bruder Forest Whitakers.
  • Yabu no naka: Die Substanz der Kurzgeschichte In a grove („Yabu no naka“) von Akutagawa Ryūnosuke, enthalten in seinem Buch Rashomon, findet ihre Entsprechung in den Rückblenden. Yabu no naka erzählt ein und dieselbe Geschichte aus sieben verschiedenen Perspektiven, wodurch sieben verschiedene Versionen der Geschehnisse entstehen. Auch die Szenen, in denen Louie den jungen Ghost Dog aus seiner lebensgefährlichen Lage befreit, werden unterschiedlich dargestellt, je nachdem, wer sich daran erinnert.
  • Ebenso im Film 8 Blickwinkel, in dem Forest Whitaker eine Hauptrolle spielt, wird eine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt.
  • RZA, den Ghost Dog auf der Straße trifft, trägt große Teile des Soundtracks bei. Obwohl Ghost Dog und RZA sich wie Mitglieder eines Geheimbundes begrüßen, bleibt bis zum Abspann offen, ob RZA ebenfalls ein Samurai ist.
  • Vom Wortklang her klingen das französische „lui“ (deutsch: er) und der Name Louie gleich. Das führt dazu, dass sich am Ende des Films Raymond und Ghost Dog zum ersten Mal scheinbar wörtlich verstehen.
  • Ray Vargo erwähnt, als er Louie über Ghost Dog ausfragt, dass ihn der Name Ghost Dog an Indianer erinnere. Er nennt einige Indianernamen, unter anderem Crazy Horse, so heißt auch die Band, über die Jim Jarmusch zwei Jahre zuvor den Film Year of the Horse gedreht hat.
  • Ghost Dog kauft in einer Szene Vogelfutter in einem Geschäft namens Birdland. So hieß auch der berühmte New Yorker Jazzclub nach dem Saxophonisten Charlie Parker (Bird), den Forest Whitaker in dem Film Bird von 1988 spielte.
  • Nach dieser Szene beobachtet Ghost Dog, wie ein junger Schwarzer versucht, auf einem Hinterhof einen alten Mann zu überfallen. Der Mann scheint gebrechlich zu sein, kann aber mit zwei Fußtritten den Jungen in die Flucht schlagen. Er wird von Shi Yan Ming gespielt, dem ersten Shaolin-Kung-Fu-Mönch in den USA, der auch der Kung Fu-Lehrer von RZA war.
  • Tiere kommunizieren mit Ghost Dog, der sie jedoch nicht immer versteht. So etwa sieht ihn ein Staffordshire Bullterrier zwei Mal ruhig und lange an, und ein Singvogel setzt sich auf sein Zielfernrohr, als er gerade den Mob erschießen will. In einer Szene sieht er zwei Wilderer mit einem erlegten Bär und rächt den Bär, indem er die Jäger erschießt. Eine Taube erscheint ihm bei der Lektüre des Hagakure und schließlich auch bei seinem Tod.

Synchronisation[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Eine Frage des Respekts. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2000, S. 161–162 (Interview mit Jarmusch, online).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ghost Dog – Der Weg des Samurai im Lexikon des Internationalen Films, abgerufen am 15. Januar 2008
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDietrich Kuhlbrodt: Ghost Dog – The Way of the Samurai. In: Schnitt #17. Abgerufen am 6. Februar 2009.
  3. Cinema: Ghost Dog
  4. anders Suchsland, anders Herrmann.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUlrich Behrens: Ghost Dog: The Way of the Samurai. In: follow-me-now.de. Abgerufen am 6. Februar 2009 (auch bei Filmzentrale).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKim Newman: Ghost Dog: The Way Of The Samurai (15). In: Empire. Abgerufen am 6. Februar 2009 (englisch): „you have to assume it takes place in an emptier universe next door, hence no one sees the joke. […] full of moments of stifled hilarity […] the real action is in the pauses, when Whitaker is on screen doing nothing in an extremely expressive manner“
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNS: Der Weg ist das Ziel. In: Frame 25. Abgerufen am 6. Februar 2009.
  8. „was zum Teufel ist bitte eine »postmoderne Innerlichkeit«?“ (Max Herrmann) – Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMax Herrmann: Haben Sie das gelesen? Au Backe, Herr Suchsland! In: Artechock. Abgerufen am 6. Februar 2009 (direkt dahinter veröffentlicht).
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRüdiger Suchsland: Zärtlicher Killer. In: Artechock. Abgerufen am 6. Februar 2009.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJ. Hoberman: Into the Void. In: The Village Voice. 29. Februar 2000, abgerufen am 19. Februar 2009 (englisch): „exercise in fathomless cool […] From The Color of Money through The Crying Game, the actor has created some of the most vivid character performances of the past 15 years“
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGhost Dog – Der Weg des Samurai. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 6. Februar 2009.