Griefstedt

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Griefstedt führt kein Wappen
Griefstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Griefstedt hervorgehoben
51.23305555555611.133055555556136Koordinaten: 51° 14′ N, 11° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kindelbrück
Höhe: 136 m ü. NHN
Fläche: 5,06 km²
Einwohner: 282 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99638
Vorwahl: 036375
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 015
Adresse der Verbandsverwaltung: Puschkinplatz 1
99638 Kindelbrück
Webpräsenz: Gemeinde Griefstedt
Bürgermeister: Norbert Mücke (FWG)
Lage der Gemeinde Griefstedt im Landkreis Sömmerda
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Über dieses Bild
Evangelische Dorfkirche 2012

Griefstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Kindelbrück hat.

Geografie[Bearbeiten]

Griefstedt liegt am Nordrand des Thüringer Beckens an der Unstrut.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wird Griefstedt in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld urkundlich als Griffestat erwähnt.

1233 schenkte der thüringische Landgraf Konrad den „Hof Grifstete“ dem Deutschen Orden, der dort eine eigenständige Kommende einrichtete. Der umfangreiche Besitz wurde von einem eigenen Komtur verwaltet. Die Kommende wurde im Dreißigjährigen Krieg geplündert, das Ordenshaus zerstört. Marschall von Bieberstein erbaute 1701 bis 1716 stattdessen ein Schloss. Die resultierende Verschuldung führte dazu, dass von den geplanten drei Flügeln nur zwei verwirklicht wurden. Das Renaissanceschloss war in Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern, schönen Fenstergewänden und kunstvollen Risaliten errichtet. Der Saalbau mit Stuckdecke und Wänden mit korinthischen Pilastern erstreckte sich über zwei Geschosse. An einer Seite stand der logenartige Komturstuhl, ihm gegenüber die Kirche mit Altar, Kanzel, Orgel, Gemälden aus der Geschichte des Ordens, Wappen seiner Hochmeister und Grabsteine der Komture. Unterhalb des Gutes in Richtung Unstrut befand sich ein „anmutiger Park“.

Während der Ort Griefstedt seit 1407 zum wettinischen Amt Sachsenburg gehörte[2], war die Kommende Griefstedt wie dessen Nachbarort Riethgen Teil des wettinischen Amts Weißensee. 1809 wurde der Orden aufgelöst, die entstandene Stiftung ging 1815 an das Königreich Preußen als Domäne über. Das Hauptgut war lange in den Händen einer Familie Ulrich, die es vorbildlich bewirtschaftete. Anderson 1866: „Heute noch ist die Commende ein durch eigene Mittel des Pächters brillant hergestellter, anmutiger Aufenthaltsort …“.

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen der Ort und die Kommende Griefstedt zu Preußen und wurden 1816 der Provinz Sachsen zugeteilt, zu der sie bis 1944 gehörten. Aufgrund der bisherigen Zugehörigkeit zu verschiedenen kursächsischen Ämtern wurde die Kommende Griefstedt 1816 jedoch dem Landkreis Weißensee im Regierungsbezirk Erfurt[3], jedoch der Ort Griefstedt dem Landkreis Eckartsberga im Regierungsbezirk Merseburg[4] angegliedert.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 66 Arbeitskräfte aus Polen sowie weitere Frauen und Männer aus der Ukraine auf der Commende Griefstedt beim Pächter Wilhelm Fromme Zwangsarbeit verrichten.[5]

Gegen die Einwände des Konsistoriums der Kirchenprovinz und den Protest des Landeskonservators („erheblicher kultureller Wert“) wurden 1948 das intakte Herrenhaus und 1949 die Kapelle abgerissen, auf der Grundlage des berüchtigten SMAD-Befehl Nr. 209. Der Landrat: „Gebäude in typisch junkerlicher Herrensitzweise errichtet, würden neben den schönen Neubauernhöfen die Gegend verschandeln“. Um die wüste, baumbewachsene Abrissstelle mit noch einem Stück Mauer des Schlosses gruppieren sich heute ruinöse, ehemals stattliche Wirtschaftsgebäude. Eine verfallende gewaltige Umfassungsmauer mit Tor ist auch noch vorhanden. Eingelassen in eine Wohnhauswand findet sich ein steinernes Wappen aus der Schlosskirche, das des „Comthur Philipp v. Bicken“ (1553–1556).

Die teilweise aus dem Abrissmaterial entstandenen Neubauerngehöfte bilden die Thomas-Müntzer-Siedlung. Die Siedlung und das dahinter befindliche Gelände der früheren Deutschordenskommende liegen zwischen Griefstedt und Riethgen (zu dem sie jetzt verwaltungsmäßig gehören), von Griefstedt aus gesehen hinter der Unstrut-Brücke links der Straße.

Die alte, nach St. Martin benannte Dorfkirche brannte 1939 aus und verlor ihren Turm. 1955 konnte sie nach Neuaufbau turmlos wieder geweiht werden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1994 - 327
  • 1995 - 332
  • 1996 - 334
  • 1997 - 332
  • 1998 - 331
  • 1999 - 329
  • 2000 - 325
  • 2001 - 337
  • 2002 - 328
  • 2003 - 327
  • 2004 - 317
  • 2005 - 309
  • 2006 - 315
  • 2007 - 310
  • 2008 - 309
  • 2009 - 305
  • 2010 - 289
  • 2011 - 290
  • 2012 - 287
  • 2013 - 282

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Griefstedt setzt sich aus 6 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Norbert Mücke wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

Kriegerdenkmal aus DDR-Zeiten

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal vor der Kirche enthält gegenüber den meisten seiner Gattung ein Alleinstellungsmerkmal: Als Sinngebung des Todes dieser Soldaten wird nicht ausschließlich ihre Ehre, sondern an erster Stelle ihre Mahnung zu Frieden und Völkerfreundschaft genannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Seit 1881 die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt gebaut wurde, hat die Gemeinde einen Bahnhof. Dieser Bahnhof diente 1994 als Drehort für den Fernsehfilm Drei Tage im April

Durch Griefstedt führt der Unstrut-Radweg.

Literatur[Bearbeiten]

  • J.G.L. Andersen: „Geschichte der Deutschen Ordens-Commende Griefstedt“, 1866

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Geschichte von Griefstedt auf der Homepage der VG Kindelbrück
  3. Der Landkreis Weißensee im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900/gem1900.htm?sachsen_provinz/eckartsberga.htm Der Landkreis Eckartsberga im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 269, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Griefstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien