Kindelbrück

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kindelbrück
Kindelbrück
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kindelbrück hervorgehoben
51.25944444444411.089444444444143Koordinaten: 51° 16′ N, 11° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kindelbrück
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 13,29 km²
Einwohner: 1829 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99638
Vorwahl: 036375
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 029
Adresse der
Stadtverwaltung:
Puschkinplatz 1
99638 Kindelbrück
Webpräsenz: www.vg-kindelbrueck.de
Bürgermeister: Roman Zachar (CDU)
Lage der Stadt Kindelbrück im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Kindelbrück ist eine Landstadt im Landkreis Sömmerda in Thüringen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück, der weitere acht Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Kindelbrück liegt am Unterlauf der Wipper im Thüringer Becken und damit im Norden des Landkreis Sömmerda.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird Kindelbrück in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld als Kindelbruccun erstmals urkundlich erwähnt.

Der Name Kindelbrück hat sich im Laufe der Geschichte über die Bezeichnungen Kindelbruccum, Kindelbrucken und Kindelbruck zum heutigen Kindelbrück entwickelt. Die Bezeichnung -brück steht für einen Übergang oder eine Furt an dem durch die Wipper durchflossenen Tal. Der erste Ansiedler an diesem Übergang soll eine Person namens Chintila gewesen sein. Die erste Ansiedlung, die in der Nähe der heutigen Oberstadt gelegen haben soll, wurde größer und im Laufe der Jahre änderte sich der Name von Chintila Brück in Kindelbrück. Andere Quellen besagen, dass der Name Kindel für die Bezeichnung König steht und der Name Kindelbrück aus der Bezeichnung Königsbrücke entstanden ist.

Dem Dorf Kindelbrück wurden am 12. März 1291 durch Albrecht II. das Stadtrecht verliehen. Die urkundliche Verleihung des Stadtrechts erfolgte auf der Wartburg bei Eisenach. Unter den landgräflichen Städten Thüringens erhielt zuerst Eisenach dieses Privileg. Mit dem Recht, welches in Eisenach galt, wurde später Gotha beliehen. Im Jahr 1265 verlieh Landgraf Albrecht Weißensee das gleiche Recht wie Gotha. Kindelbrück erhielt 1291 wiederum das Recht von Weißensee.

Chronik[Bearbeiten]

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  • um 550 n. Chr. vermutliche Entstehung Kindelbrück als Brückensiedlung
  • 1372 ist Sonntags Wochenmarkt in Kindelbrück
  • 1409 wurde der Wochenmarkt auf Mittwoch verlegt
  • 1426 erste Erwähnung eines regierenden Bürgermeisters und des Rathauses
  • 1440–1486 Bau der Kirche „St. Ulrich“
  • 1445 hat Kindelbrück das Stadtgericht
  • 1485 ist Waidmarkt in Kindelbrück
  • 1501–1521 Neubau des Rathauses
  • 1508 Gründung der Kindelbrücker Schützenbruderschaft
  • 1508–1538 Bau der Kindelbrücker Stadtmauer
  • 1508–1515 Bau der inneren Stadtmauer um St. Ilgen und Friedhof
  • 1525 Erstürmung der Kommende Griefstedt durch Kindelbrücker Bauern
  • 1528 Großfeuer in der Oberstadt, 60 Häuser und Gelasse brennen ab
  • 1539 Errichtung der Knabenschule in Kindelbrück
  • 1558 Gründung der ersten Innungen in Kindelbrück
  • 1561 Errichtung der Mädchenschule in Kindelbrück
  • 1562 Bau der Ölmühle
  • 1575 starben 340 Einwohner an der Pest
  • 1577 starben 129 Einwohner an der Pest
  • 1579 starben 211 Einwohner an der Pest
  • 1582 brannten 117 Häuser restlos ab (drei Viertel der Stadt)
  • 1583 Wiederaufbau des abgebrannten Rathauses
  • 1584 Guss der großen und mittleren Glocke für St. Ulrich
  • 1592 Guss der kleinen Glocke
  • 1596 Einbau der Orgel in St. Ulrich
  • 1597 starben 124 Einwohner an der Pest
  • 1609 wurde die Seigerglocke auf den Rathausturm verbracht
  • 1610 starben 502 Einwohner an der Pest
  • 1638 über die Hälfte der Einwohner sterben an der Pest
  • 1648 Großfeuer, 106 Gebäude brennen ab
  • 1708 Bau der ersten Papiermühle
  • 1730 wurde der Bornsgraben durch die Stadt geleitet
  • 1761 Gefecht um Kindelbrück im Siebenjährigen Krieg
  • am 5. Juni 1761 brannte Kindelbrück ab
  • 1781–1784 Wiederaufbau von St. Ulrich
  • 1788 Wiederaufbau Rathaus
  • 1815 Kindelbrück wurde preußisch
  • 1820 erfolgt der Anbau des Ratskellers an das Rathaus
  • 1829 wurde das Gräfenholz für 8190 Reichstaler gekauft
  • 1886 gründete Karl Naumburg die Kindelbrücker Zeitung
  • 1888 Errichtung der Schuhfabrik in Kindelbrück
  • 1903 Stilllegung der Schuhfabrik
  • 1907 Einrichtung des E-Werkes in der Schuhfabrik
  • 28. Juni 1908 werden zum ersten Mal die elektrischen Lampen eingeschaltet
  • 1911/12 Errichtung des Kindelbrücker Stadtbades
  • 1913 beginnt Wiedemann mit der Kofferfertigung
  • 1914 gründet Robert Haesler die Kofferfabrik
  • im Ersten Weltkrieg hat Kindelbrück 54 Gefallene und 7 Vermisste zu beklagen
  • 23. November 1920 gibt Kindelbrück das erste Notgeld heraus
  • 1928 der Bau der Kalkplatzsiedlung beginnt
  • 1933 Bau der Turnhalle auf dem Ried
  • im Zweiten Weltkrieg hat Kindelbrück 138 Gefallene und 2 Vermisste zu beklagen
  • 1942 mussten die große und mittlere Glocke abgeliefert werden
  • 1942 stellte die Kindelbrücker Zeitung den Druck ein
  • 11. April 1945 Übergabe der Stadt an die Amerikaner, ab 2. Juli übernahm die sowjetische Besatzungsmacht die Stadt
  • 28. Oktober 1949 erhält Kindelbrück die große Glocke zurück
  • 1953/55 Neubau der Schule
  • 1954/55 der 1. Bauabschnitt der Kanalisation wird realisiert
  • 18. Mai 1955 gründen 4 Einzelbauern die LPG
  • 1956/57 Bohrung von 3 Tiefbrunnen zur Wasserversorgung
  • 1976 Gründung des Gemeindeverbandes Kindelbrück
  • 1989 Montagsdemonstrationen in Kindelbrück
  • 6. Mai 1990 CDU gewinnt die Kommunalwahl und stellt den Bürgermeister

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1994 - 2207
  • 1995 - 2173
  • 1996 - 2161
  • 1997 - 2146
  • 1998 - 2081
  • 1999 - 2062
  • 2000 - 2024
  • 2001 - 2063
  • 2002 - 2069
  • 2003 - 2027
  • 2004 - 1959
  • 2005 - 1918
  • 2006 - 1877
  • 2007 - 1799
  • 2008 - 1769
  • 2009 - 1750
  • 2010 - 1734
  • 2011 - 1751

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat aus Kindelbrück setzt sich aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Roman Zachar (CDU) wurde 2010 zum Bürgermeister gewählt

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein siebenmal von Silber und Rot geteilter, nach rechts schreitender Löwe.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtkirche St. Ulrich
Rathaus

Die Stadt Kindelbrück besitzt ein Heimatlied, das bei Veranstaltungen und Festen aufgeführt wird, es wurde von Paul Rödiger geschrieben und komponiert. Der Männergesangsverein „Eintracht“ besitzt eine lange Tradition. Die von sechs Jugendlichen gegründete Musikgruppe Happy Idiots arbeitet hingegen noch an ihrem Erfolg. Eine lose Verbindung von Einwohnern hat sich zum "Himmelfahrtkommando Kindelbrück" zusammengeschlossen und kümmert sich intensiv um die Geschichte Kindelbrücks.

  • Die ev. Kirche St. Ulrich steht am Marktplatz, sie wurde seit 1440 in mehreren Bauphasen errichtet. Der polygonal geschlossene Chor ist ältester Teil des Baukörpers im Inneren ist ein Kreuzrippengewölbe vorhanden. Der markante Turm wurde 1501 begonnen und steht auf der Nordseite. Nach dem Stadtbrand von 1761 musste die Stadt lange auf den Wiederaufbau der Kirche warten, er erfolgte 1782–84. Nur wenige Bauteile von Vorgängerbauten finden sich noch am ursprünglichen Platz, etwa die lanzettförmigen Fenster in der Nordwand des Chores, daneben eine Sakramentsnische und die Reste von gotischen Maßwerkfenstern zwischen den Strebepfeilern.[2]
  • Das Rathaus befindet sich (Markt 1) an der Südseite des Marktplatzes und stellt einen Neubau des um 1500 erstmals genannten Ratsgebäudes dar, das beim großen Stadtbrand verloren ging. Der heutige Bau ist ein zweigeschossiger verputzter Repräsentationsbau mit Mansarddach und einem Dachturm.[2]
  • Die Stadtbefestigung von Kindelbrück schützte die Stadt seit dem beginnenden 16. Jahrhundert. Von den ehemals vier Stadttoren, zahlreichen Türmen, der Ringmauer und den vorgelagerten Gräben blieben große Teile bis in die Gegenwart erhalten und stehen heute unter Denkmalschutz.[2]
  • Das Gründelsloch ist ein sagenumwobenes Naturdenkmal in der Stadtflur. Es entstand am 3. März 1611 als Erdfall neben zwei weiteren bereits wassergefüllten Erdfällen. Die Schüttung der Karsthöhlenquelle ist mit 245 Litern Wasser pro Sekunde enorm. Der Erdfallsee hat sich stetig vergrößert und besitzt inzwischen eine elliptische Form mit einer Ausdehnung von 40 Meter in Nord-Süd-Richtung und 25 Meter in Ost-West-Richtung. Durch Sporttaucher der GST wurde in den 1970er Jahren der Quelltopf untersucht, er befindet sich in etwa 8,5 m Tiefe auf dem Grund des Sees, der meist ein klares Wasser besitzt, gelegentliche Grünfärbungen werden von Algen hervorgerufen.[3] Im Jahr 2005, zum 125 Jubiläum der Feuerwehr, wurde das Gründelsloch durch zwei Taucher von der DLRG Sömmerda sowie durch den Einwohner der Stadt Kindelbrück Roberto Chudzinski erneut betaucht. Dabei wurde die Tiefe bis auf den Grund der tiefsten Quelle, der größten von 3 Quellen mit 9,80 m gemessen. Weiterhin beträgt die Quelltemperatur 5 °C.
  • Die Landschaft kann durch Radwege erkundet werden. Sie verlaufen vom Ortsrand nach Riethgen am Wildgehege entlang, nach Frömmstedt und Bilzingsleben entlang der Steinrinne und nach Kannawurf an der Hauptstraße entlang zur Kiesgrube.
  • Ein Kriegerdenkmal erinnert an die Toten der Kriege - im Ersten Weltkrieg hatte Kindelbrück 54 Gefallene und 7 Vermisste zu betrauern, im Zweiten Weltkrieg wurden 138 Gefallene und 2 Vermisste beklagt.
  • Ein kleines Heimatmuseum sammelt und bewahrt die Zeugnisse der Stadtgeschichte.

Sport[Bearbeiten]

In Kindelbrück gibt es zwei Sportvereine, den Kindelbrücker SV 91 sowie die Sport- und Spielgemeinschaft Kindelbrück (SSG) sowie ein Schwimmbad. Der KSV 91 ist der Fußballverein der Stadt und die SSG betreibt hauptsächlich Volleyball.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten mindestens 100 Kriegsgefangene aus Frankreich sowie Frauen und Männer aus Polen, der Ukraine, aus Weißrussland, Russland, Frankreich, Tschechien und Kroatien Zwangsarbeit leisten: in einer Kofferfabrik und in der Landwirtschaft. Fünf Todesfälle von Zwangsarbeiter-Kindern sind belegt.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kindelbrück – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. a b c  Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Thüringen. Deutscher Kunstverlag, München 2003, ISBN 3-422-03095-6.
  3.  Richard Krause: Quellen im Bezirk Erfurt. Das Gründelsloch bei Kindelbrück. In: Das Volk. Erfurt 29. April 1983.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 271.